ERF Plus - Bibel heute

Von Milet nach Cäsarea


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Seit vielen Jahren verbringen meine Frau und ich immer wieder unseren Urlaub in Griechenland. Für den Apostel Paulus sind die Inseln Kos, Rhodos oder Zypern kein Urlaubsziel. An diesen Inseln ist er nur vorbeigefahren, um zunächst in Syrien eine Zwischenstation einzulegen. Sein eigentliches Ziel allerdings ist Jerusalem.

So wie vor ihm Jesus Christus, geht auch Paulus freiwillig dahin, obwohl ihm öfters davon abgeraten wurde. Unterwegs landet er in der Stadt Tyrus in Syrien. Als erstes sucht er dort Jünger von Jesus Christus auf. Vielleicht erhofft er sich Ermutigung von den Brüdern? Doch Paulus erfährt das Gegenteil. Sie sagen ihm für Jerusalem große Schwierigkeiten voraus. Und sie fügen hinzu, er soll nicht nach Jerusalem gehen. Doch das hat bereits der Heilige Geist dem Apostel schon vorher in allen Städten bezeugt, dass in Jerusalem Fesseln und Bedrängnisse auf ihn warten. (Apostelgeschichte20, 22-23) Allerdings stimmt das den Apostel nicht um.

Ich mag Schwierigkeiten und Hindernisse in meinem Leben nicht so gerne. Und wenn ich sie voraussehen kann, versuche ich sie irgendwie zu umschiffen. Und natürlich warne ich auch andere vor eindeutigen Schwierigkeiten und versuche sie davor zu beschützen. Doch an dieser Stelle ist Paulus auf die Warnungen der Jünger gar nicht besonders eingegangen. Hier erlebe ich eine wichtige Lektion. Die Weissagung ist ja vom Heiligen Geist. Doch die Auslegung und Anwendung beruht auf der Überlegung der Jünger.

Also ist Vorsicht auch für mich geboten, wenn jemand meint, mir ein prophetisches Wort zu vermitteln und auch noch gleich die Deutung hinterher liefert. Von Paulus kann ich auch lernen, gelassener in die Zukunft zu gehen. Ich brauche mir nicht durch falsches Sorgen das Leben im Voraus schwer machen. Im Gebet mit den Geschwistern am Hafen schließt Paulus dieses 21. kurze Treffen ab. Hier eine interessante Bemerkung: nicht nur die Brüder begleiten den Apostel zum Schiff, sondern auch Frauen und Kinder. Diese Prozession ist sicher vielen aufgefallen. Und dann knien sie sich noch nieder und beten öffentlich.

Schämen Sie sich manchmal in einer Kantine oder einem öffentlichen Raum kurz die Augen zu schließen und Gott ein Dankeschön auszusprechen?

Nun geht die Reise weiter. Nächste Station ist Ptolemais. Auch hier trifft sich Paulus wieder mit Brüdern. Es entsteht der Eindruck, dass das Christentum zu dieser Zeit schon sehr stark verbreitet ist. Jetzt steht Paulus und seinen Begleitern allerdings nur ein Tag zur Verfügung. Viele Menschen sind zum Glauben gekommen.

Ich kenne das von vielen Missionsreisen: ich versuche die Zeit so gut es geht auszukaufen. Jeden Abend Gottesdienste; am Tag Kranken- oder Hausbesuche bei den Geschwistern. Ich will ja die Zeit nicht einfach so verplempern. Die Gemeinschaft mit den Geschwistern ist dem Apostel Paulus wichtiger als die Besichtigung von interessanten Bauten. So geht es dann schon am nächsten Tag mit dem Schiff weiter Richtung Jerusalem. Doch zunächst wieder eine Zwischenstation in der Stadt Cäsarea. Dort wohnt inzwischen der Diakon Philippus, der inzwischen zu einem erfolgreichen Evangelisten wurde. Wegen der Verfolgung in Jerusalem ist er nach Cäsarea geflohen. Durch seinen Dienst sind Zeichen und Wunder geschehen und viele Menschen sind zum Glauben gekommen und ließen sich taufen. Zu diesem Philippus kehrt Paulus mit seinen Mitarbeitern ein.

Philippus hat vier Töchter, die weissagen können. Mehr wird von ihnen nicht berichtet. Ganz anders verhält es sich mit Agabus. Er kommt, so scheint es, extra von Judäa herab. Dann macht er eine symbolische anschauliche Handlung. Er bindet sich mit dem Gürtel des Apostels Paulus Hände und Füße. Und dann spricht er: „Das sagt der Heilige Geist: ‚Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem binden und überantworten in die Hände der Heiden‘“

Wie soll Paulus mit so einer Weissagung nun umgehen? Wenn schon hinter der Weissagung der Heilige Geist steht, dann muss doch darauf reagiert werden, oder? Mit der Auslegung sollte ich grundsätzlich immer vorsichtig umgehen. Die Mitarbeiter von Paulus reagieren sofort, ohne vorher Gott nach der richtigen Deutung zu fragen. Unisono mit den Leuten vor Ort beschließen sie, dass sie genau wissen, was zu machen ist. Sie bitten den Apostel Paulus aufgrund der Prophetie seine Reise nicht weiter nach Jerusalem fortzusetzen. Hier will ich aus der Geschichte etwas Wesentliches lernen. Gott kann im Voraus etwas Wichtiges zeigen oder offenbaren. Die Frage ist allerdings, wie ich damit umgehe.

In dem Fall von Paulus war es sicher schon seit längerem die Absicht Gottes, Paulus Schritt für Schritt auf seinen schweren Weg, der ihm bevorsteht, vorzubereiten. Alle anderen haben es sicher gut gemeint und wollen Paulus vor Schwierigkeiten bewahren. Gut gemeint ist nicht immer richtig. Im Reich Gottes hat auch nicht einfach die demokratische Mehrheit zu entscheiden. Sehr oft sogar hat Gott einzelnen Menschen eine klare Wegweisung gegeben, die die meisten nicht sofort nachvollziehen konnten oder wollten.

Ich habe das selbst so erlebt. Auf mich haben allerdings keine Fesseln und Gefängnis gewartet. Doch auch mich und meine Familie wollten viele vor Schwierigkeiten schützen. Doch wir hatten eine klare Sicht von Gott, in der Nachbarschaft eine neue Gemeindearbeit anzufangen. Daraus sind dann später sogar zwei Gemeinden entstanden. Natürlich wäre es für unsere Familie viel einfacher gewesen, in der ursprünglichen Gemeinde zu bleiben. Da waren wir verwurzelt. Die neuen Gemeinden haben wir von Null aufgebaut. In der alten Gemeinde gab es genug gute Mitarbeiter. Am neuen Ort mussten wir zuerst alles selbst machen. Und erst viel später haben es dann auch die anderen eingesehen, dass es die richtige Entscheidung war.

Als Jesus Christus damals auf dem Weg nach Jerusalem war und genau wusste, was ihn dort am Ende erwartete, war es Petrus, der ihn aufhalten wollte. Jesus hat vorhergesagt, dass er am Ende in Jerusalem gekreuzigt wird. „Das widerfahre dir ja nicht“, sagte Petrus mit leidenschaftlicher Betonung. Doch Jesus Christus ließ sich von niemanden aufhalten. Da hat Paulus sich der Haltung von seinem Herrn Jesus Christus angeschlossen. Seinen Freunden antwortet er: „Was macht ihr, dass ihr weint und brecht mir mein Herz? Ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus.“ Seine Entschlossenheit ist so überzeugend, dass die Freunde keine Argumente dagegen finden und schweigen.

Das will ich heute von dieser Geschichte lernen: Gott führt manche seiner Leute ganz besondere Wege, die von vielen zunächst nicht verstanden werden. Er schafft es aber immer wieder, seine treue Diener an sein Ziel zu bringen. Auch mit dem Apostel Paulus kommt Gott zum Ziel.

Autor: Pastor Walentin Schüle

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