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  • Jan Ullrich: Vom Tour‑Triumph zum Absturz eines deutschen Idols

    Am 30. Juni 2006 wird Jan Ullrich wegen Dopings von der Tour ausgeschlossen. Vom Tourhelden zur tragischen Figur - und eine Gesellschaft, die lange nicht hinsehen wollte.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:

    • wie Jan Ullrich 1997 als erster Deutscher die Tour de France gewinnt und zum Nationalhelden wird,
    • warum sein kometenhafter Aufstieg eng mit dem DDR-Sportsystem und den Erwartungen der Wiedervereinigungszeit verbunden ist,
    • weshalb Doping, Medienhype und öffentlicher Druck schließlich zu seinem tiefen Fall beitragen.

    Am 15. Juli 1997 attackiert Jan Ullrich auf der Bergetappe nach Arcalis in Andorra. Eigentlich ist der 23-Jährige als Helfer seines Teamkapitäns vorgesehen. Doch an diesem Tag fährt er der Konkurrenz davon, übernimmt das Gelbe Trikot und gewinnt wenige Tage später die Führung der gesamten Tour de France. Deutschland erlebt einen sportlichen Ausnahmezustand: Ullrich wird gefeiert wie ein Volksheld. Der junge Radprofi aus Rostock scheint alles zu haben - außergewöhnliches Talent, die Ausbildung des DDR-Leistungssports und eine Zukunft, die ihm offensteht.

    Doch mit dem Erfolg wachsen auch die Erwartungen. Während Doping im Radsport zunehmend sichtbar wird, wollen viele Beteiligte die Euphorie nicht hinterfragen. Als Ullrich Jahre später selbst in einen Dopingskandal gerät, zerbricht sein öffentliches Bild. Es folgen Rückzug, Depressionen und persönliche Krisen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Sebastian Moll, Autor
    • Sebastian Moll: Ulle. Jan Ullrich. Geschichte eines tragischen Helden, Bielefeld 2022
    • Hans Leyendecker: Jan Ullrich und die Medien. Das goldene Lenkrad, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Vom belächelten Spinner zum Radheld - Nils Gustaf Håkansson
    • Zeitzeichen: Der beste Radrennfahrer seiner Zeit - Eddy Merckx
    • Zeitzeichen: Mit Rad und Revolver - Heinrich Horstmann umrundet die Welt

    Hörtipp: Wie wurde aus großer Liebe große Abneigung? Der NDR-Podcast Jan Ulrich: Held auf Zeit

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Stephan Beuting
    Redaktion: Matti Hesse

    16 min
  • Marilyn Monroe und Arthur Miller: "Kopf heiratet Körper"

    Am 29.6.1956 heiratet Hollywoods Sex-Symbol den Pulitzer-Preisträger und das "intellektuelle Gewissen Amerikas". Die Presse jubelt - doch die Ehe scheitert spektakulär.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Arp:

    • wie aus Norma Jeane Baker Marilyn Monroe wird,
    • wie unzufrieden Monroe mit sich selbst und ihrem Image ist,
    • vom vergeblichen Versuch Millers, mit "Misfits" seine Ehe zu retten,
    • woran Monroes und Millers Ehe letztlich scheitert.

    Als Filmdiva Marilyn Monroe und der gefeierte Autor Arthur Miller sich am 29. Juni 1956 das Ja-Wort geben, überschlägt sich die Presse: "Kopf heiratet Körper", heißt es damals. Denn während Monroe das US-amerikanische Schönheitsideal verkörpert, steht Miller für etwas ganz anderes: Der hagere, intellektuelle Brillenträger wird für seine Bücher international als das Gewissen der USA gefeiert.

    Die beiden verlieben sich, weil sie so unterschiedlich sind. Doch ihre Beziehung steht von Anfang an unter keinem guten Stern - auch weil beide mit Problemen zu kämpfen haben. Die Hoffnung, der jeweils andere könne diese lösen, zerplatzt. Nach zahlreichen Streitigkeiten werden Marilyn Monroe und Arthur Miller 1961 geschieden - ein Jahr später stirbt die Filmdiva.

    Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
    • Ruth-Esther Geiger, Autorin und Marilyn-Monroe-Biographin

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 5. August 1962 - Marilyn Monroe stirbt in Brentwood
    • Zeitzeichen: 17.10.1915 - Geburtstag des Dramatikers Arthur Miller
    • Zum 100. Geburtstag: Der Mythos Marilyn Monroe

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Anja Arp
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Die harte Hand der Gegenreformation: Papst Paul IV.

    Am 28.6.1476 wird Gian Pietro Carafa geboren. Mit fast 80 Jahren wird er zu Papst Paul IV., verschärft die Inquisition, bekämpft Protestanten und zwingt die Juden Roms ins Ghetto.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • von der Krise der katholischen Kirche um das Jahr 1500,
    • von Carafas Hass auf alle Herrscherhäuser, die Gebiete in Italien besitzen,
    • vom strengen Orden der Theatiner und einer Totalkonfrontation mit der Reformation,
    • wie die Menschen das Ende seiner Schreckensherrschaft feiern.

    Gian Pietro Carafa wird am 28. Juni 1476 in eine Adels-Familie des Königreichs Neapel geboren. Er wird für eine Kirchenlaufbahn ausgebildet und 1955 zum Papst gewählt. Nach seinem Tod wird er in die Geschichte eingehen: Als Beispiel dafür, was passieren kann, wenn ein alter, starrsinniger Mann mit seiner fast grenzenlosen Macht nicht umgehen kann.

    Um mögliche Gegner in und außerhalb der Kirche zu finden, baut Paul IV. ein Spitzelsystem auf. Er verbietet Tanz, Musik und Spiele, verfolgt die Menschen mit der Inquisition und zettelt sinnlose Kriege an. Am brutalsten verfolgt er die Juden, befiehlt gar die Errichtung eines Ghettos in Rom. 1559 stirbt der Papst mit 83 Jahren. Endlich ist der Albtraum vorbei, der vier Jahre lang Rom, die Kirche und ganz Europa beherrscht hat. Und viele fragen sich: Wie konnte es soweit kommen?

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Volker Reinhardt, Historiker an der Universität Fribourg
    • Volker Reinhardt: Pontifex. Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus. München 2017
    • Bruno Steiner (Hrsg.): Lexikon der Päpste und des Papsttums. Freiburg im Breisgau 2010
    • Klaus Lohrmann: Die Päpste und die Juden. 2000 Jahre zwischen Verfolgung und Versöhnung. Ostfildern 2008

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 2. März 1876 - Papst Pius XII. wird geboren
    • Zeitzeichen: 04.04.896 - Todestag Papst Formosus
    • Zeitzeichen: 14.06.1966 - Vatikan hebt den Index verbotener Bücher auf

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christian Kosfeld
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Bud Spencer und die vielen anderen Leben des Carlo Pedersoli

    Carlo Pedersoli (gestorben am 27.6.2016) war Olympiaschwimmer, Bauarbeiter, Sänger - und er war Bud Spencer, Hau-Drauf-Darsteller in den Spaghetti-Western mit Terence Hill.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:

    • wie ein olympischer Schwimmer durch einen überraschenden Anruf zum Filmstar wird,
    • warum viele berühmte Bud-Spencer-Sprüche im Original gar nicht vorkommen,
    • und weshalb die Prügeleien von Bud Spencer und Terence Hill bis heute Kultstatus genießen.

    "Wenn du noch einmal mit den Augen zwinkerst, dann zwinker ich mit den Fingern" – mit Sprüchen wie diesem wird Bud Spencer für Millionen Zuschauer zur Legende. Hinter der Figur steckt Carlo Pedersoli, ein Mann mit vielen Leben: Freistilschwimmer, Olympiateilnehmer, Unternehmer, Pilot, Erfinder und Schriftsteller. Anfang der 1950er-Jahre zählt er zu den besten Schwimmern Italiens, bevor ihn sein Weg über Gelegenheitsjobs schließlich vor die Kamera führt.

    1967 erhält Pedersoli das Angebot für einen Italo-Western, der Beginn einer der erfolgreichsten Filmkarrieren Europas. Gemeinsam mit Terence Hill prägt er zunächst die Western-Parodie und später die Buddy-Komödie. Ihre Filme verbinden Humor, Slapstick und handfeste Prügeleien, die Bud Spencer weit über Italien hinaus zum Kultstar machen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Michael Maas, Mitbegründer und Betreiber der SpencerHillWorld in Berlin
    • Dr. Harald Steinwender, Spielfilm-Redakteur des Bayerischen Rundfunks
    • Bud Spencer: „Mein Leben, meine Filme“, Schwarzkopf und Schwarzkopf, 2011
    • Bud's Best - Die Welt des Bud Spencer, Dokumentation 2012, ARD-Plus

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Filmikone Clint Eastwood: Western, Waffen, Widersprüche
    • Zeitzeichen: "Spiel mir das Lied vom Tod" hat Premiere (am 21.12.1968)
    • Zeitzeichen: "Der großen Eisenbahnraub": Startschuss des Wild-West-Kinos
    • Zeitzeichen: Karl May, Schriftsteller (Todestag, 30.03.1912)
    • Zeitzeichen: "Be water, my friend": Die Kampfkunst-Ikone Bruce Lee

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Burkhard Hupe
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Claude Joseph Rouget de Lisle und sein Lied für die Ewigkeit

    Am 26. Juni 1836 stirbt in Choisy-le-Roi der Mann, dem Frankreich seine "Marseillaise" verdankt - die wohl bekannteste Nationalhymne Europas.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • wie ein Offizier in einer einzigen Nacht ein weltberühmtes Revolutionslied erschafft,
    • warum die "Marseillaise" weniger genialer Geistesblitz als Gemeinschaftswerk und Auftragsarbeit ist,
    • weshalb ihr Komponist politisch zwischen Monarchie und Revolution steht,
    • warum Rouget de Lisle trotz seines Ruhms verarmt und beinahe in Vergessenheit gerät.

    Die "Marseillaise" entsteht im Frühjahr 1792 in Straßburg, als Frankreich gerade in den Krieg zieht. In einer aufgeheizten Atmosphäre komponiert Claude Joseph Rouget de Lisle ein Kampflied, das den Nerv der Zeit trifft und sich rasch verbreitet.

    Doch der Mythos vom genialen Einfall täuscht. Historisch betrachtet greifen viele Einflüsse ineinander: musikalische Vorlagen, politische Parolen und die Mitarbeit anderer. Während das Lied zur Hymne der Revolution wird, bleibt sein Urheber ein moderater Geist zwischen den Fronten, dessen Werk weit über ihn hinauswächst.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Gudrun Gersmann (Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Köln)
    • Michel Vovelle: Die Marseillaise. Krieg oder Frieden. München 2005.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die Französische Revolution
    • Zeitzeichen 11.12.1792: Der Prozess gegen König Ludwig XVI. beginnt
    • Paris-Blog: Rouget de Lisle

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vormweg
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
    Technik: Anne Bohnen

    15 min
  • Hitlers Testpilotin: "Ehrenarierin" Melitta von Stauffenberg

    Melitta von Stauffenberg riskiert als Testpilotin für das NS-Regime ihr Leben. Am 25.6.1941 wird sie deshalb trotz jüdischer Wurzeln für "deutschblütig" erklärt - und dann doch festgenommen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • wie Melitta von Stauffenberg mehr als 2.500 riskante Sturzflüge absolviert,
    • wie die Ingenieurin und Testpilotin trotz jüdischer Vorfahren für das NS-Regime unentbehrlich wird,
    • warum sie nach dem Attentat auf Adolf Hitler selbst ins Visier des Regimes gerät.

    Wenn Melitta von Stauffenberg ihr Flugzeug aus mehreren tausend Metern Höhe fast senkrecht Richtung Erde steuert, bleibt ihr nur ein kurzer Moment, um die Maschine wieder abzufangen. Solche Sturzflüge gehören zu ihrem Alltag. Die studierte Ingenieurin und leidenschaftliche Pilotin zählt zu den erfahrensten Testfliegern ihrer Zeit. Sie verbindet Forschung und Praxis, entwickelt Flugtechnik und testet ihre Konstruktionen selbst.

    Doch ihre Karriere fällt in die Zeit des Nationalsozialismus: Während ihre Arbeit der militärischen Aufrüstung dient, gerät sie wegen ihrer jüdischen Vorfahren selbst ins Visier der NS-Rassenpolitik. Weil ihre Fähigkeiten jedoch als unverzichtbar gelten, wird sie 1941 offiziell als "deutschblütig" eingestuft.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Angela Libal, Historikerin
    • Johannes Tuchel, Professor für Politikwissenschaften (em.), ehem. Leiter Gedenkstätte Deutscher Widerstand
    • Thomas Medicus: Melitta von Stauffenberg. Ein deutsches Leben, Berlin 2012

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Erziehung im Sinne der NS-Ideologie - Johanna Haarer
    • WDR-Podcast: Riefenstahl - Influencerin des Bösen
    • Zeitzeichen: Anna Seghers, Schriftstellerin (Geburtstag 19.11.1900)
    • Zeitzeichen: Mit der "Roten Kapelle" gegen Hitler - Cato Bontjes van Beek
    • Zeitzeichen: Widerstand im Wasser - Gertrude Ederle durchquert den Ärmelkanal

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min
  • Der perfekte Faschist und seine jüdische Frau

    Als die Jüdin Lilliana Weinman und der Faschisten Attilio Teruzzi am 24. Juni 1926 heiraten, liegt Rom dem Paar zu Füßen. Doch bald beginnt ein erbitterter Kampf.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhard:

    • wie unterschiedlich Weinman und Teruzzi aufwachsen,
    • was Teruzzi an der Amerikanerin fasziniert,
    • warum eine Scheidung nicht möglich ist und woran eine Annulierung der Ehe scheitert,
    • wie eine Kiste voller Familienpapiere das faschistische Liebesdrama aufdeckt.

    Die Hochzeit von Lilliana Weinman und Attilio Teruzzi am 24. Juni 1926 in Rom ist ein spektakuläres gesellschaftliches Ereignis. Die gesamte faschistische Funktionselite ist anwesend, Trauzeuge Benito Mussolini inklusive. Die Ehe der gefeierten amerikanischen Opernsängerin und dem hochdekorierten Kriegsveteranen gilt als schillernd - dass Lilliana Jüdin ist, interessiert da noch niemanden.

    Doch mit dem Machtaufstieg des Faschismus verändert sich auch das Frauenbild. Lillianas Eigenständigkeit, ihr Glamour und ihre Freiheit werden zum Problem. Teruzzi fordert die Scheidung - seine Frau und die katholische Kirche aber denken gar nicht daran, dem zuzustimmen. Was folgt ist ein erbitterter, 18 Jahre andauernder Gerichtsstreit.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Victoria de Grazia, Autorin des Buches "Der perfekte Faschist"
    • Sven Reichardt, Historiker und Faschismusforscher
    • Victoria de Grazia: Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt. Berlin 2024
    • Hans Woller: "Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert". München 2010
    • Antonio Scurati: "M. Der Sohn des Jahrhunderts" (Roman). Stuttgart 2020
    • Sven Reichardt: "Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA". Köln 2009

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 30. Oktober 1922 - Mussolini wird Italiens Ministerpräsident
    • Stichtag: 19. Januar 1941 - Hitler trifft Mussolini auf dem Obersalzberg

    Unser Hörtipp: "Zeitenwende 1600 – Musik Macht Epoche"

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Anja Reinhard
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    16 min
  • Brexit: Als Populismus europäische Geschichte schrieb

    Am 23. Juni 2016 stimmen die Briten für den Brexit. Der Entscheidung gehen politische Machtkämpfe, populistische Versprechen, die Angst vor Migration und jahrelange Kulturkämpfe voraus.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • wie Premierminister David Cameron mit einem Referendum ein politisches Risiko eingeht und sich dabei verzockt,
    • mit welchem Slogan Nigel Farage und die Brexit-Befürworter Millionen Menschen überzeugen,
    • und warum viele Britinnen und Briten den Austritt aus der EU heute kritisch sehen.

    Am 23. Juni 2016 stimmt eine knappe Mehrheit der Britinnen und Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. 51,9 Prozent votieren für "Leave", 48,1 Prozent für "Remain". Das Referendum spaltet das Land: Jung steht gegen Alt, Schottland und Nordirland gegen England, Stadt gegen Land.

    Doch der Brexit beginnt nicht erst 2016. Das Verhältnis Großbritanniens zu Europa ist seit dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1973 von Skepsis geprägt. Politiker wie Margaret Thatcher warnen vor einem europäischen Superstaat, Nigel Farage macht den EU-Austritt zum politischen Projekt. David Cameron will mit der Ankündigung eines Referendums seine konservative Partei befrieden. Stattdessen löst er eine Entwicklung aus, die das Land dauerhaft verändert.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Nicolai von Ondarza, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin
    • Electoral Commission: Official result of the EU referendum, 24.06.2016.
    • Europäischer Rat / EU-UK Summit: Strategic Partnership / Reset, 19.05.2025.
    • House of Commons Library: Brexit timeline; End of transition period; Trade and Cooperation Agreement
    • Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP): Veröffentlichungen und Expertise von Dr. Nicolai von Ondarza zu EU, Großbritannien und Post-Brexit-Beziehungen.
    • Deutsche Welle (DW): Das Leben nach der EU: Brexit-Verlierer und Gewinner (Dokumentation)

    Weiterführende Links:
    • Einigung zum Beitritt Großbritanniens zur EG (am 23.06.1971)
    • Charles de Gaulle, frz. Staatspräsident (Todestag 9.11.1970)
    • Vom Versager zum Retter vor den Nazis: Winston Churchill
    • Margaret Thatcher, brit. Regierungschefin (Todestag, 08.04.2013)
    • Wiener Kongress: Als Europas Landkarte neu gezeichnet wurde

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Forty Elephants: Eine Frauenbande mischt Londons Unterwelt auf

    Am 22.6.1896 wird Alice Diamond geboren: Mit 18 wird sie Anführerin der Forty Elephants, die Frauenbande räumt Luxusläden aus und dominiert lange Londons Unterwelt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:

    • wie Alice Diamond zu ihrem Spitznamen "Diamond Annie" kommt,
    • wie die Bandenchefin London in Reviere aufteilt und ihre Diebinnen mit fast militärischer Präzision organisiert,
    • mit welchen verblüffenden Methoden sie Polizei und Kaufhausdetektive täuschen.

    Als Alice Diamond am 22. Juni 1896 im Lambeth Workhouse Hospital geboren wird, deutet wenig darauf hin, dass sie einmal die berühmteste Verbrecherin Großbritanniens werden soll. Doch die Tochter eines Kleinkriminellen wächst in einer Welt auf, die von Armut, Wohnungsnot und Gewalt geprägt ist.

    Schon als junge Frau schließt sie sich den Forty Elephants an: einer außergewöhnlichen Bande, die ausschließlich aus Frauen besteht. Mit Eleganz, Disziplin und ausgeklügelten Tricks stehlen die Mitglieder Schmuck, Pelze und Luxuswaren aus den vornehmen Geschäften Londons. Unter Alice Diamonds Führung entwickelt sich die Gruppe zu einem der erfolgreichsten kriminellen Netzwerke ihrer Zeit.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Paul Schilling, Filmregisseur ("Forty Elephants")
    • Brian McDonald: Alice Diamond and the Forty Elephants, Wrea Green 2015
    • Emily Jane Burgess: Alice Diamond, giant-queen of the terrors: Female gangsterism, violence and criminal mythmaking in the late-nineteenth and early twentieth-century London ‘underworld‘, Abingdon 2025
    • Erin Bledsoe: The Forty Elephants, Ashland 2022

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Der Gangsterboss, der das Verbrechen organisierte
    • Zeitzeichen: Wie der Fall Vera Brühne zum Justiz-Krimi wurde
    • Zeitzeichen: Boudicca - wie die keltische Rebellin London niederbrannte
    • Zeitzeichen: Warhol-Attentäterin, radikale Feministin - Valerie Solanas

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    Autor: Christopher Heimer
    Redaktion: Matti Hesse

    14 min
  • Freistadt Christiania: Ein fast wahr gewordener Hippietraum?

    Die Hippie-Kommune Christiania ist weltberühmt: Für Autonomie und Drogenverkauf in der Pusher Street. Im Juni 2011 wird das Experiment legalisiert - doch zu welchem Preis?



    In diesem Zeitzeichen erzählt Merle Schaack:

    • wie aus einer Hippie-Siedlung mitten in Kopenhagen eine selbstverwaltete "Freistadt" entsteht,
    • warum Eigentum, Konsensdemokratie und Gemeinschaft hier radikal neu gedacht werden,
    • wieso Drogenhandel und Gewalt das Experiment immer wieder bedrohen,
    • wie ein Rechtsstreit über Jahre das Ende von Christiania heraufbeschwört,
    • dass eine Stiftung die Rettung für die alternative Lebensform wird.

    Ein verwunschenes Gelände, auf dem einst Waffen lagerten, wird Anfang der 1970er Jahre zum Experimentierfeld: Menschen ziehen ein, bauen Hütten, schaffen sich eine Welt jenseits klassischer Besitzverhältnisse. Entscheidungen fallen im Konsens, die Gemeinschaft steht über allem. Ein Lebensentwurf zwischen Utopie und Chaos.

    Doch der Traum gerät unter Druck. Konflikte mit Staat und Polizei, Drogenhandel und organisierte Kriminalität bedrohen die Freistadt. Nach jahrelangem juristischen Ringen kommt es 2011 zum entscheidenden Wendepunkt: Christiania bekommt eine legale Grundlage - und muss sich zugleich an neue Regeln anpassen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Knud Foldschack (Anwalt und "Architekt" der Stiftung "Fonden Fristaden Christiania")
    • Mette Prag (Bewohnerin und Mitglied des Stiftungsvorstands)
    • Nina Pontoppidan (Bewohnerin und Guide)
    • Irma Clausen (ehemalige Bewohnerin)
    • Offizielle Website der Freistadt Christiania

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 26.09.1971: Ausruf der "Freistadt Christiania"
    • Deutschlandfunk Kultur: Europas größtes alternatives Wohnprojekt

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    Autorin: Merle Schaack
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