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  • Vom Adel zum Faschismus: Oswald Mosleys Aufstieg und Fall

    Oswald Mosley gründet die Partei "British Union of Fascists". Der Diktator Benito Mussolini und die Nationalsozialisten sind ihm ein Vorbild. Er stirbt am 3.12.1980.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:

    • wie der britische Landadel durch die Industrialisierung an Bedeutung verliert,
    • wie der Erste Weltkrieg traditionelle Werte und Männlichkeitsbilder zerstört,
    • was es mit dem Keynesianismus auf sich hat,
    • worin sich die Politik Oswald Mosleys und Donald Trumps gleichen,
    • von der Verbindung Oswald Mosleys und seiner zweiten Frau Diana Mitford zu den deutschen Nationalsozialisten.

    Heute ist Oswald Mosley vor allem durch seine größte Niederlage bekannt. Am 4. Oktober 1936 wollen er und seine "British Union of Fascists" durch Ost-London marschieren. Etwa 3.000 seiner Anhänger versammeln sich am Tower of London. Rund 100.000 Gegendemonstranten und starke Polizeikräfte verhindern die Demonstration.

    Mosleys politische Laufbahn beginnt 1918 als jüngster Abgeordneter seiner Zeit für die Konservativen. Zunächst ist er ein Hoffnungsträger, zerstreitet sich, drückt für kurze Zeit als unabhängiger Abgeordneter die Oppositionsbank und wendet sich dann der sozialdemokratischen Labour-Partei zu. Aber auch diese Liaison endet in einem Zerwürfnis.

    Frustriert gründet Mosley 1931 die "New Party", aus der ein Jahr später die Organisation wird, mit der Mosley berühmt und berüchtigt wird: die "British Union of Fascists".

    Mosley und seine Gefolgsleute hoffen auf eine große Krise, mit der die etablierten politischen Parteien nicht mehr umgehen können. Aber stattdessen sind es andere Faschisten, die eine entscheidende Krise herbeiführen - für Großbritannien und für die "British Union of Fascists" selbst.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Martin Pugh, Historiker
    • Martin Pugh: Hurrah for the Blackshirts! Fascists and Fascism in Britain Between The Wars. London 2006
    • Stephen Dorril: Blackshirt. Sir Oswald Mosley and British Fascism. London 2006

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Der Schwarze Freitag von 1929
    • Planet Wissen: Hitler und Mussolini - eine fatale Freundschaft

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christian Werthschulte
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Tödliches Kolonialerbe: Südmolukker überfallen Zug bei Wijster

    Warum entführen junge Molukker in den Niederlanden am 2.12.1975 einen Zug - und nehmen Tote in Kauf? Ein Drama mit Wurzeln in der Kolonialgeschichte.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • von der Geschichte der Molukker - wer sie sind und woher sie kommen,
    • welche dramatischen Szenen sich im Zug bei Wijster abspielen,
    • warum die Zugentführung nur ein erster trauriger Höhepunkt ist und welche Aktionen der Südmolukker noch folgen,
    • von Integration als Schlüssel zum Erfolg gegen den Terror.

    Am 2. Dezember 1975 schaut die ganze Welt auf die Niederlande. Denn ein Zug wird in der Nähe des Dorfes Wijster zum Schauplatz einer brutalen Geiselnahme. Sieben schwer bewaffnete Jugendliche bringen an einem automatischen Bahnübergang dutzende Reisende in ihre Gewalt.

    Die Täter gehören der molukkischen Minderheit in den Niederlanden an. Sie fordern die Freilassung aller in den Niederlanden inhaftierten Molukken. Außerdem wollen sie, dass ihre 1950 gegründete Republik der Südmolukken unabhängig und anerkannt wird.

    Das Drama auf dem Gleis zieht sich fast zwei Wochen lang hin, dann geben die Terroristen auf, obwohl der Staat ihre Forderungen nicht erfüllt. Für den Lokführer und zwei Fahrgäste endet die Zugentführung tödlich.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professorin Beatrice de Graaf, Universität Utrecht
    • Petra Maria Becker: Die ethnische Sonderstellung der Ambonesen in Indonesien in der Zeit vor und nach Erlangung der politischen Unabhängigkeit, 1994
    • Beatrice de Graaf: Der Kampf gegen den Terror. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich, Münster 2020

    Weiterführende Links:
    • WDR: Deutscher Herbst 1977 - Ein Dossier
    • Zeitzeichen 24.04.1975: Geiselnahme von Stockholm 1975: RAF überschreitet letzte Grenze

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Europas beste Mittelalter-Diplomatin: Margarete von Österreich

    Zum dritten Mal Witwe, will Margarete mehr sein als taktisches Heiratsmaterial. Sie stirbt am 1.12.1530 als erfolgreiche Politikerin und Architektin eines historischen Friedens.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:

    • dass Margarete ihr Stammland Österreich nie gesehen hat,
    • warum ihre dritte Ehe die schönste ist und die letzte bleibt,
    • wie sie den "Damenfrieden von Cambrai" verhandelt
    • und wie Margarete zur besten Diplomatin Europas wird.

    Schon früh wird Margarete von Österreich zum ersten Mal verheiratet - mit nur drei Jahren. Es folgen zwei weitere Ehen, die alle kurz bleiben und für Margarete herbe Schicksalsschläge bereit halten. Als ihr Vater sie zum vierten Mal verheiraten will, weigert sie sich - und wird stattdessen mit 27 Jahren zur Statthalterin der burgundischen Niederlande.

    Sie führt ein Leben als Regentin und arbeitet für ihren Neffen, den späteren Karl V.. Als dieser mit dem französischen König Franz I. aneinander gerät, verhandelt Margarete als Tante des deutschen Königs mit der Mutter des französischen Königs den "Damenfrieden von Cambrai". Für viele Mittelalter-Historiker gilt Margarete deshalb bis heute als beste Diplomatin Europas.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Birgit Studt, Universität Freiburg
    • Thea Leitner: Europas bester Diplomat. Margarete 1480-1530. Wien, 1987
    • Ursula Tamussino: Margarete von Österreich: Diplomatin der Renaissance. Graz, 1995

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 05.08.1529: Damenfrieden von Cambrai geschlossen
    • Zeitzeichen 07.06.1520: Heinrich VIII. und Franz I. treffen aufeinander

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Maren Gottschalk
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • "Gottesurteile" werden 1215 verboten

    Glühende Eisen an den Füßen, gefesselte Menschen im Wasser: Mittelalterliche "Gottesurteile" waren oft grausam - und werden 1215 vom päpstlichen Laterankonzil verboten. Was folgt, ist ein Schritt zur modernen Rechtsprechung - aber auch zur gefürchteten "Inquisition".



    In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:

    • warum einige Menschen im Mittelalter in siedendes Wasser greifen müssen,
    • woher der Ausdruck "heißes Eisen anfassen" kommt,
    • warum es schon früh Zweifel an den "Gottesurteilen" gibt,
    • wie sich unter Papst Innozenz III. alles ändert - aber nicht zum Guten.

    Mal müssen Beschuldigte über glühende Kohlen laufen, mal werden sie in tiefes Wasser gestoßen. Im Mittelalter gibt es viele rituelle Prüfungen, um die eigene Unschuld zu beweisen. Die Idee dahinter: Gott beschützt den Gerechten und lässt den Ungerechten ins Unglück fallen.

    Doch die Prüfungen sind nicht nur grausam, sie sind auch manipulationsanfällig. Deshalb spricht sich Papst Innozenz III. 1215 gegen diese "Gottesurteile" aus. An ihre Stelle rückt etwas nicht minder Grausames: die Inquisition.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Matthias Becher, Institut für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn
    • Prof. Arnold Angenendt, Theologe und Kirchenhistoriker an der Universität Münster († 2021)
    • Arnold Angenendt: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Freiburg 2009
    • Peter Dinzelbacher: Lebenswelten des Mittelalters, Badenweiler 2010
    • Peter Dinzelbacher: Das Fremde Mittelalter. Gottesurteil und Tierprozess, Essen 2006
    • Wolfgang Schild: Alte Gerichtsbarkeit, München 1980

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 31.12.1224: Wie es sich im Mittelalter lebt
    • Glossar des Instituts für Landeskunde Rheinland-Pfalz: Gottesurteil
    • Deutsche Bibelgesellschaft: Ordal

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Maren Gottschalk
    Redaktion: David Rother und Ronald Feisel
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Parlament statt Samurai: Japans erster Schritt zur Demokratie

    Mit der Eröffnung des ersten Parlaments in Japan beendet Kaiser Meiji am 29.11.1890 die Militärdiktatur der Samurai. Doch bis zu einer echten Demokratie ist es noch weit.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Nikolas Fischer:

    • warum der japanische Kaiser die lange Ära der Samurai beendet,
    • wie er eine Verfassung aufsetzt, um Japan zu modernisieren,
    • warum er dadurch nicht weniger, sondern mehr Macht erhält,
    • warum der erste Premierminister "Bismarck Japans" genannt wird.

    Für die erste japanische Verfassung lassen sich die Autoren auch von Deutschland inspirieren. Ein extra aus Deutschland eingereister Rechtsgelehrter rät zwar von der Schaffung eines Parlaments ab, doch davon wollen die Japaner nichts wissen. 1890 eröffnet Kaiser Meiji nach 250 Jahren Militärdiktatur das erste Parlament in der Geschichte Japans.

    Was fortschrittlich klingt, ist es im Grunde nicht: Meiji handelt nur auf Druck von außen, das Parlament hat keine richtige Macht. Auch eine Gewaltenteilung ist nicht vorgesehen. Der Kaiser bleibt der Inhaber aller politischen Macht in Japan. Das ändert sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Sven Saaler, Sophia-Universität in Tokio
    • Prof. Dr. Gabriele Vogt, LMU München
    • Junko Ando: Die Entstehung der Meiji-Verfassung. Zur Rolle des deutschen Konstitutionalismus im modernen japanischen Staatswesen, Tokio 200
    • National Archives of Japan: Kaiserliche Erlasse für die Eröffnungszeremonien des Reichstags von der 1. bis zur 85. Sitzung (japanisch)
    • Deutsche Digitale Bibliothek: Ratinger Zeitung vom 16.7.1904

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 11.02.1889: Japan verabschiedet die Meiji-Verfassung
    • Zeitzeichen 06.11.1600: Samurai Ishida Mitsunari wird hingerichtet
    • Planet Wissen: Die Geschichte Japans

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Nikolas Fischer
    Redaktion: Jakob Schiffer und Matti Hesse
    Technik: Christine Reinartz

    15 min
  • "Cablegate": Als Wikileaks die Weltpolitik erschüttert

    Am 28.11.2010 veröffentlicht Julian Assange 250.000 geheime US-Dokumente. Es folgt ein diplomatischer Skandal - und die Frage, wie viel Transparenz Demokratie verträgt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:

    • was in der geheimen Diplomatenpost über die Mächtigen in aller Welt vermeldet wird,
    • was etablierte Medien wie The Guardian, Le Monde oder Spiegel Online mit der Veröffentlichung zu tun haben,
    • welche Folgen "Cablegate" für Manning und Assange hat,
    • warum "Wikileaks" erst gehyped und dann zunehmend kritisch gesehen wird.

    Es ist ein digitaler Stich mitten ins Herz der USA: Am 28. November 2010 veröffentlicht die Enthüllungsplattform "Wikileaks" über 250.000 Depeschen von US-Botschaften. Deren Angestellte berichten aus aller Welt an die USA, was von Politikern im Ausland zu halten sei - auch von deutschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa sei "selten kreativ" und verhalte sich wie "Teflon", alles perle an ihr ab.

    Die damals noch als Mann lebende US-Soldatin Chelsea Manning hatte die geheimen Dokumente heruntergeladen und "Wikileaks"-Gründer Julian Assange zugespielt. Dieser schlägt mit seiner Idee radikaler Transparenz ein neues Kapitel der Informationsgesellschaft auf - und legt zugleich ihre Grenzen offen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Holger Stark, Journalist und stellvertretender Chefredakteur, Die Zeit
    • Markus Beckedahl, Netzaktivist und Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie
    • Marcel Rosenbach und Holger Stark: Staatsfeind WikiLeaks. Wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mächtigsten Nationen der Welt herausfordert, München 2011

    Weiterführende Links:
    • NDR-Doku: Wikileaks - Die USA gegen Julian Assange
    • Hörspiel: Im Dienst der Sache - Protokoll eines Verrats um Wikileaks
    • Stichtag: 30. Juli 2013 - Whistleblower Manning wird verurteilt

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Jonas Colsman
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Nackt unter Palmen: Aussteiger August Engelhardt

    Fast nur von Kokosnüssen lebt Engelhardt (geb. 27.11.1875) im "Sonnenorden" in der Südsee. Er verspricht seinen Anhängern ewiges Leben. Die sterben einer nach dem anderen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • auf welchen Wegen und mit welchen Versprechungen Engelhardt für sein Aussteigerleben wirbt,
    • warum der Traum vom Südseeparadies Ende des 19. Jahrhunderts viele anzieht,
    • von Heinrich Aueckens, der als erster Europäer auf Engelhardts Insel kommt und dort den Tod findet,
    • von einem tödlichen Streit zwischen Engelhardt und seinem Mit-"Kokovoristen" August Bethmann.

    August Engelhardt ist seit seiner Jugend Anhänger der neuen Lebensreform-Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts en vogue wird. In einer zunehmend industrialisierten und verstädterten Umwelt propagieren ihre Anhänger dazu einen Gegenentwurf: zurück zur Natur, vegetarische Ernährung, Freikörperkultur und Homöopathie.

    Engelhardt wandert in die Südsee aus, wo er 1902 den "Sonnenorden" gründet. Seine Botschaft: Das nahezu ausschließliche Essen von Kokosnüssen mache unsterblich und vereine mit Gott. Mehr als ein Dutzend Anhänger des Sonnenordens gibt es vermutlich nie. Malaria, Hitze und die karge Kost machen den "Kokovoristen" zu schaffen.

    Für Engelhardt, den viele nur als lebendes Kuriosum sehen, kommt Aufgeben nicht in Frage. Er bleibt bis zu seinem Tod in der Südsee. Er wird nur 43 Jahre alt.

    Das ist unser Hörtipp:
    • Das philosophische Radio - in der aktuellen Folge geht es um Hannah Arendt

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Sven Mönter, Historiker
    • Rainer Buschmann, Historiker, Kolonialgeschichte Papua-Neuguineas
    • Rainer F. Buschmann: Hoarding New Guinea. Writing Colonial Ethnographic Collection Histories for Postcolonial Futures, Lincoln 2023
    • Dieter Kiepenkracher (Hrsg.): Hoch der Äquator! Nieder mit den Polen! Eine sorgenfreie Zukunft im Imperium der Kokosnuss, Norderstedt 2012
    • Sven Mönter: The "Sonnenorden". A cultural-historical case study of German colonists in the Pacific, Masterarbeit, Auckland 2005

    Weiterführende Links:
    • Westart: "Para-Moderne. Lebensreformen ab 1900"
    • Zeitzeichen 17.03.1877: Geburtstag von Otto Gross, Psychoanalytiker und Anarchist
    • Planet Wissen: Die deutsche Kolonialzeit – Was wir heute über sie wissen

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Kath
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
    Technik: Sascha Schiemann

    16 min
  • Reichskanzler und Totengräber der Demokratie: Heinrich Brüning

    Heinrich Brüning, geboren am 26.11.1885, regiert als Reichskanzler der Weimarer Republik ab 1930 mit Notverordnungen - und wird zum Symbol für das Ende der Demokratie.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • warum Brüning als Totengräber der Demokratie gilt,
    • von Brünings verklärter Sicht auf den Ersten Weltkrieg,
    • wie sich Brünings Notverordnungen auf das alltägliche Leben der Menschen auswirken,
    • von seiner schwankenden Haltung gegenüber der NSDAP.

    Geboren als Sohn eines Essigfabrikanten, legt Heinrich Brüning eine erstaunliche politische Karriere hin: Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reichstagsabgeordneter, Fraktionsvorsitzender und ab 1930 Reichskanzler der Weimarer Republik. Seine Amtszeit dauert aber nur zwei Jahre, denn wegen seiner Sparmaßnahmen ist Brüning sehr unbeliebt.

    Nach der Machtübertragung an die Nazis wird er Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei und stimmt 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu. Ein Jahr später flieht Brüning aus Deutschland, verbringt den Rest seines Lebens vor allem in den USA.

    Seine Memoiren lösen später heftige Kontroversen unter Historikern und Publizisten aus. Hat Brüning wirklich versucht, den Marsch in eine Diktatur aufzuhalten? Welchen Handlungsspielraum hatte er? Fest steht nur: Selbstkritik ist von ihm nicht überliefert.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Michael Dreyer (außerplanmäßiger Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik)
    • Webseite des Weimarer Republik e.V.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 15. Februar 1932 - Reichspräsident Hindenburg kündigt Wiederkandidatur an
    • Zeitzeichen: 30. Januar 1933 - Adolf Hitler wird Reichskanzler
    • Stichtag: 14. August 1919 - Weimarer Verfassung tritt in Kraft

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    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Weißes Schiff: Mittelalter-Drama, das England bis heute prägt

    Richard Löwenherz und die Magna Carta hätte es ohne den Untergang des Weißen Schiffs bei Barfleur am 25.11.1120 wohl nicht gegeben. 300 Menschen sterben - auch der Thronfolger.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • von gleich mehreren entscheidenden Wendungen in der englischen Geschichte des 11. und 12. Jahrhunderts,
    • von einem Alkohol-Gelage und schlechter Seemannskunst,
    • was die uneheliche Schwester mit dem Tod des Prinzen zu tun hat,
    • warum es ohne den Schiffbruch wohl keine Magna Carta gegeben hätte.

    Am 25. November 1120 sticht das "Weiße Schiff" an der Küste der Normandie in See, um nach England zu segeln. Doch die Fahrt nimmt kein gutes Ende. Unmittelbar nach der Abfahrt aus dem Hafen von Barfleur läuft das Schiff auf einen Felsen und sinkt. 300 Menschen ertrinken - unter ihnen auch William Aetheling, der einzige legitime Erbe von König Heinrich I. von England.

    Fast 20 Jahre streiten Heinrichs Tochter Matilda und sein Neffe Stephen von Blois anschließend um die Krone. Historiker geben den blutigen Thronwirren später den Namen "The Anarchy". Am Ende steht ein Kompromiss und mit Matildas ältestem Sohn Heinrich II. ein neuer König. Er ist der erste Monarch aus dem Hause Plantagenet. Weitere sind etwa Richard Löwenherz und der "Magna-Carta-Begründer" König John. Ohne den Untergang des Weißen Schiffs wäre Englands Geschichte vermutlich anders verlaufen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Richard Huscroft (Historiker und Experte für englische Geschichte des 12. Jahrhunderts)
    • Richard Huscroft: Tales from the Long Twelfth Century. The Rise and Fall of the Angevin Empire. New Haven and London 2016
    • Richard Huscroft: Ruling England 1042-1217. 2nd Edition. London and New York 2016
    • Charles Spencer: The White Ship - Conquest, Anarchy and the Wrecking of Henry I’s Dream. London 2020

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 06.04.1199 - Der englische König Richard Löwenherz stirbt in Châlus
    • Zeitzeichen: 15.06.1215 - Die Magna Carta wird unterzeichnet

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    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min
  • Amadeu Antonio: Todesopfer der "Baseballschlägerjahre"

    Am 24.11.1990 wird Amadeu Antonio in Eberswalde Opfer eines rassistischen Angriffs. Sein Tod erschüttert das Land und zeigt die Gefahr rechter Gewalt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer

    • wie die Polizei dem Gewaltopfer Amadeu Antonio nicht zur Hilfe kommt,
    • dass die fünf Angeklagten vor Gericht keine Reue zeigen,
    • über die Ursachen der Ausländerfeindlichkeit nach der Wende,
    • und wie sich Rassismus heute in der Politik etabliert.

    Am 24. November 1990 rotten sich in Eberswalde, Ostdeutschland, rund 50 Skinheads und Neonazis zusammen, um es mal "ordentlich krachen zu lassen". Das nennen sie "Neger aufklatschen". Die bewaffnete und gröllende Meute zieht zum Hüttengasthof, eine der wenigen Kneipen der Stadt, in denen Angolaner geduldet werden.

    Amadeu Antonio kann nicht mehr rechtzeitig fliehen und wird brutal verprügelt. Auch als er schon am Boden liegt, springen Skins auf seinen Kopf. Elf Tage später stirbt Amadeu Antonio an seinen Verletzungen. Er gilt als erstes Todesopfer rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung.

    Eberswalde ist keine Einzelfall, sondern markiert den Beginn der Zeit, die als "Baseballschlägerjahre" in die Geschichte eingehen wird. Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen werden zu Synonymen für brutale Gewalt gegen Ausländer.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Jone Munjunga, Projektleiter im Kulturverein Palanca in Eberswalde
    • Bettina Kohlrausch, Soziologin, Hans Böckler Stiftung
    • Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin

    Weiterführende Links:
    • Amadeu Antonio Stiftung
    • Stichtag: 29. Mai 1993 – Fünf Türkinnen bei Brandanschlag in Solingen ermordet
    • Stichtag: 22. August 1992 – Ausländerfeindliche Krawalle in Rostock

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