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  • Kapitulation: Von der "Stunde Null" zum Tag der Befreiung

    Für viele Deutsche kommt die Kapitulation am 8.5.1945 als Katastrophe. 40 Jahre später deutet Richard von Weizsäcker sie zur Befreiung um und gibt damit der kollektiven Erinnerung eine neue Richtung.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • wie das Ende der Kämpfe international gefeiert wird,
    • warum die Deutschen zunächst kaum um die Opfer trauern,
    • von einer einzigartigen Erinnerungslandschaft mit zahlreichen Mahnmalen,
    • warum Richard von Weizsäckers Rede - bei aller Kritik - immer noch aktuell ist.

    Es ist der Morgen des 8. Mai 1945. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht ist unterzeichnet, die Kämpfe in Europa sind beendet. Die traurige Bilanz: Sechs Millionen ermordete Juden, 60 bis 70 Millionen Tote wird der Krieg an seinem Ende am 2. September 1945 insgesamt gefordert haben. Doch Trauer kommt im Gefühlshaushalt der Nachkriegsdeutschen kaum vor. Stattdessen gibt es Selbstmitleid und Opferstilisierung.

    Mittlerweile hat sich der Blick auf das Kriegsende grundlegend gewandelt - auch, weil es immer wieder Denkanstöße und Zäsuren gibt, die den Fluss der Erinnerung in andere Bahnen leiten. Die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker 1985 ist so eine Zäsur. Er spricht von einem "Tag der Befreiung" und fordert, den 8. Mai nicht als Niederlage zu sehen.

    Es ist ein wichtiger Schritt, aber nur ein erster. Weizsäcker wendet sich entschieden gegen jede Forderung nach einem „Schlussstrich“ unter den NS-Verbrechen. Die Erinnerung daran versteht er als dauerhafte Verpflichtung.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Frank Bajohr, Historiker, Gründungsdirektor des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte der LMU
    • Daniel Greene, Historiker, Professor an der Northwestern University in Illinois und Kurator am US Holocaust Memorial Museum in Washington, DC
    • Harald Jähner, Publizist und Autor
    • Frank Bajohr: Der Holocaust. Ergebnisse und neue Fragen der Forschung. Frankfurt/M. 2015
    • Daniel Greene und Edward Phillips: Americans and The Holocaust. A Reader. New Brunswick 2022
    • Harald Jähner: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955. Berlin 2019

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 15.04.1920 - Geburtstag Richard von Weizsäcker
    • Stichtag: 23. Januar 1943 - Hitler lehnt Kapitulation in Stalingrad ab
    • Website des United States Holocaust Memorial Museum

    Hörtipp:
    Podcast-Interview von Almut Finck mit Frank Bajohr im Historycast: „Holocaust - Alles erforscht?“

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
    Technik: Annette Skrzydlo

    15 min
  • Ein medizinischer Aufklärer im Kampf gegen Vampire

    War er der echte "van Helsing"? Gerard van Swieten ist als Leibarzt Maria Theresias der ranghöchste Mediziner Österreichs. Bekannt wird er aber als Vampirjäger, der die Popkultur beeinflusst.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Nik Berger:

    • warum Gerard van Swieten zunächst nicht an den Hof nach Wien will,
    • wie Maria Theresia den Niederländer doch noch für sich gewinnen kann,
    • mit welchen Trick Gerard van Swieten versucht, Maria Theresia von ihren üppigen Mahlzeiten abzubringen,
    • warum Aufklärung und Glauben für van Swieten kein Widerspruch sind.

    Gerard van Swieten ist Katholik und rationaler Wissenschaftler – und glaubt nicht daran, dass menschliche Körper als Tote wieder auferstehen können. Als Mitte des 18. Jahrhunderts Berichte über Leichen, die unversehrt in ihren Gräbern liegen, eine Vampir-Hysterie auslösen, schreitet der Leibarzt von Maria Theresia ein. Seine sachliche Erklärung: Mangelnder Sauerstoff verhindere die Verwesung der Toten in Mähren.

    Der Niederländer ist aber nicht nur der Vampirjäger der Aufklärung, er reformiert auch das rückständige österreichische Gesundheitssystem. So lässt Gerard van Swieten Medizinstudenten mit Patienten arbeiten und setzt sich für die Lockerung der Buchzensuren ein.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Peter Mario Kreuter: Experte für den Glauben an Vampire in Südosteuropa am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg
    • Lesky, Erna; Wandruszka, Adam (Hrsg.): Gerard van Swieten und seine Zeit: Internationales Symposium, veranstaltet von der Universität Wien im Institut für Geschichte der Medizin, 8.-10. Mai 1972. Köln 2016.
    • Swieten, Gerard van: Abhandlung des Daseyns der Gespenster: nebst einem Anhange vom Vampyrismus. Augsburg 1768.

    Weiterführende Links:
    • 01.12.1967: Deutsche Filmerstaufführung "Tanz der Vampire"
    • Was hat der Vampir mit der Fledermaus zu tun (Planet Wissen)

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Nik Berger
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Hanns Dieter Hüsch: Der 100. Geburtstag des Kabarettisten

    Satiriker, Geschichtenerzähler, das schwarze Schaf vom Niederrhein: Hanns Dieter Hüsch ist einer der größten komischen Künstler der Deutschen. Am 6.5.1925 wird er geboren.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:

    • warum Hanns Dieter Hüsch als junger Kabarettist in die Schweiz geht,
    • wie er sein Äußeres vom zotteligen Studenten zum distinguierten Mann wandelt,
    • warum seine Frau Marianne als "Frida" zur Kultfigur seiner Programme wird,
    • über Hüschs größten Wunsch, einmal als Shakespeares König Lear auf der Bühne zu stehen.

    Seine Füße sind bei der Geburt nach hinten verdreht, deshalb kann Hanns Dieter Hüsch nicht mit den anderen Kindern draußen herumtollen. So wird die Welt der Erwachsenen sein Studienobjekt: ein Mosaik aus Typen, Stimmen und Stimmungen. Zwar schaut Hüsch dem gesamten Volk aufs Maul, der Niederrheiner ist aber sein Liebling: "Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären. Umgekehrt, wenn man ihm etwas erklärt, versteht er meistens nix."

    Politisch steht Hanns Dieter Hüsch stets auf der Seite des Kriegsgegner und der Benachteiligten. Dennoch wird er Ende der 1960er Jahre von den Linken angefeindet, weil ihnen Hüschs Humor nicht politisch genug ist. Die seinerzeit verbreiteten Thesen im Kabarett, wonach alle Politiker (gleich) blöd und der Kapitalismus schlecht sei, sind Hüsch zu einfach - obwohl er als Humanist viele Kritikpunkte der klassischen Satire teilt.

    Viel lieber hält Hanns Dieter Hüsch den Menschen den Spiegel vor. "Er schaffte es immer sehr, sehr boshaft und satirisch zu sein, ohne sich billig und mitleidslos über Leute herzumachen", erinnert sich sein Wegbegleiter Monty Arnold.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Monty Arnold – Komiker, Sprecher, Autor
    • Hüsch, Hanns Dieter: Du kommst auch drin vor – Gedankengänge eines fahrenden Poeten, 1990.
    • Budzinski, Klaus: Pfeffer ins Getriebe – So ist und wurde das Kabarett, 1982.

    Weiterführende Links:
    • Hanns Dieter Hüsch: Das schwarze Schaf vom Niederrhein
    • Malte Leyhausen (Hrsg.): Hanns Dieter Hüsch zum 100. Geburtstag. Erinnerungen von Freunden und Bewunderern, BoD 2025

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Fritz Schaefer
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Kapital statt Kirche: Eine Nonne wird zur Gründerin

    13 Kräuter und geschicktes Marketing sind das Erfolgsrezept Maria Clementine Martins (geb. am 5.5.1775). Dabei erfindet die Klosterfrau ihren Melissengeist gar nicht selbst.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • dass Maria Clementine Martin die Kräutermischung nicht selbst erfunden hat,
    • woher der Spruch "Wenn‘s vorne zwickt und hinten beißt, nimm Klosterfrau Melissengeist!" kommt,
    • warum es ohne Napoleon wohl kein Klosterfrau Melissengeist gegeben hätte,
    • wie sich das Kräuterelixier seit 200 Jahren auf dem Markt halten konnte.

    Den Namen "Maria Clementine" gibt sich die am 5. Mai 1775 geborene Wilhelmine Martin nach ihrem Eintritt ins Kloster. Elf Jahre verbringt sie im Coesfelder Konvent und lernt dort auch den Karmelitergeist kennen, ein Kräutergebräu französischer Ordensleute. Dann kommt Napoleon, verstaatlicht die Klöster und Maria Clementine braucht eine neue Aufgabe.

    Die findet sie über Umwegen in Köln. Die 51-Jährige erkennt, dass die Menschen für gesundheitsfördernde Mittel empfänglich sind. Kurzerhand verfeinert Marie Clementine Martin den Karmelitergeist und vertreibt die hochalkoholische Kräutermischung unter dem Namen "Klosterfrau Melissengeist". Die geschäftstüchtige Unternehmerin gewinnt Klerus und König als Kunden, schaltet Anzeigen in Zeitungen und schickt Reiter mit Kostproben an europäische Fürstenhöfe.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Helmut Heckelmann, Historiker, Promotion über Maria Clementine
    • Andreas Drexler, Sprecher der Klosterfrau Healthcare Group , Köln
    • Helmut Heckelmann: Die Firma Klosterfrau in Köln und die Geschichte ihrer Gründerin Maria Clementine Martin (1775-1843), in: Internetportal Rheinische Geschichte
    • Tanja Schurkus: Schwester Melisse: Die Klosterfrau von Köln – Biografischer Roman, Gießen 2014.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 8. Oktober 1792 - Das Rezept für 4711 wird verschenkt

    Hinweis:
    Im Zeitzeichen über Maria Clementine geht es auch um das Produkt Klosterfrau Melissengeist. Dieses kann aufgrund seines hohenm Alkoholgehalts auch als Einstieg in den Alkoholismus fungieren. Dort wird es oft zum versteckten Alkoholismus missbraucht. Dies gilt genauso auch für andere Kräuterschnäpse oder Medikamente mit hohem Alkoholgehalt. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder fragen Sie in Ihrer Apotheke.

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min
  • Christine Teipel wird mit 9 Jahren als Hexe hingerichtet

    1630 im Sauerland: Als die neunjährige Christine Teipel behauptet, eine Hexe zu sein und dasselbe über andere sagt, brennen am Ende 58 Menschen auf dem Scheiterhaufen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • vom "Hexenhammer" - einem Buch, das zu Folter, Mord und Totschlag anstiftet,
    • welche teuflischen Details Christine Teipel bei ihrem Verhör angeblich zu Protokoll gibt,
    • wie aus der Hexenverbrennung auf perfide Weise Profit geschlagen wird,
    • wie die Aufklärung und das Wetter die Hexenjagd langsam beenden.

    Anfang des 17. Jahrhunderts beherrschen Unsicherheit und Angst das Leben. Außerdem spielt das Wetter verrückt, es ist bitterkalt. Schuld an der Misere, so glaubt man, sind der Teufel und seine Hexen. In diese düstere und kalte Welt voller Hexenglauben wird Christine Teipel 1621 geboren. Ihr Vater ist Tagelöhner, in der Gesellschaft ganz unten angesiedelt.

    Die kleine Stine ist offenbar fasziniert von den magischen Wesen und behauptet, selbst eine Hexe zu sein. Ihre Fantasie kostet das Mädchen letztlich das Leben. Als Neunjährige wird sie festgenommen und verhört. Bereitwillig gibt sie Auskunft, wen sie auf einem nahegelegenen Hexentanzplatz gesehen haben will. Teipels Aussagen führen im Ort Oberkirchen zur Katastrophe. Viele Einwohner des Ortes werden verhaftet. Fast alle sterben - auch die neunjährige Stine, die am 4. Mai 1630 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dagmar Sträter-Müller, Gerichtsmuseum Bad Fredeburg
    • Ausstellungskatalog des Sauerland-Museums Arnsberg: Du Hexe! Opfer und ihre Häscher. Meschede 2022
    • Alfred Bruns (Hrsg.): Hexen. Gerichtsbarkeit im kurkölnischen Sauerland. Schmallenberg 1984

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 05.12.1484 - Die Hexenbulle von Innozenz VIII. erscheint
    • Planet Wissen: Hexenverfolgung
    • WDR 3 Mosaik: "Hexenjagden" - Historische und aktuelle Fakten

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Heiner Wember
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Landluft und Soundvisionen: Musikproduzent Conny Plank

    Kraftwerk. Eurythmics. Gianna Nanini. Viele Musikgrößen bauten auf seine unkonventionelle Kreativität und kamen in sein Bauernhof-Tonstudio in Wolperath: Konrad "Conny" Plank, geboren am 3.5.1940.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • wie Conny Plank U2-Sänger Bono abblitzen lässt,
    • wie Planks Sohn Stephan es findet, mit Rockstars an einem Tisch zu sitzen,
    • von Planks besonderen Regeln für die Soundproduktion und seiner klaren Haltung in Sachen Drogen,
    • was eine Eurythmics-Tour durch Japan mit seinem nahenden Tod zu tun hat.

    Conny Plank verhilft Bands und Künstlern wie den Scorpions, Kraftwerk, Gianna Nannini oder den Eurythmics zu Weltruhm. Dabei geht der am 3. Mai 1940 geborene "Klangalchemist" oft unkonventionell, aber immer mit viel Leidenschaft ans Werk.

    Der Ort, an dem alles anfängt, ist ein ehemaliger Bauernhof in Wolperath bei Köln. Hier richtet Konrad, genannt Conny, Plank 1974 sein legendäres Studio ein, in dem schon bald Musikstars aus der ganzen Welt ein und aus gehen. Der gelernte Starkstromingenieur und Sendetechniker kann es sich leisten zu experimentieren und Regeln auf den Kopf zu stellen, denn er weiß, was er tut. Sein Credo: Jedes Geräusch hat das Potenzial, Musik zu sein, wenn es von einem Menschen gemocht wird.

    Mitte der 80er Jahre wird der visionäre Musikproduzent schwer krank. Conny Plank stirbt im Winter 1987 an Krebs - er wird nur 47 Jahre alt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Stephan Plank, Sohn von Conny Plank
    • Film: Conny Plank - The Potential Of Noise

    Weiterführende Links:
    • Deutschlandfunk: Dokumentarfilm über Conny Plank - "Sehr viel Produktionsarbeit fand am Küchentisch statt"
    • Saarländischer Rundfunk: "Und in der Technik: Conny Plank!" - Ein Produzenten-Genie beim SR

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
    Technik: Jürgen Mönkediek

    15 min
  • Mit Rad und Revolver: Heinrich Horstmann umrundet die Welt

    Als erster Deutscher will der 20-Jährige die Welt umradeln. Am 2.5.1895 bricht er zu der lebensgefährlichen Reise auf, ohne Geld. Er kehrt vermögend und berühmt zurück.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:

    • was und wen Horstmann auf seiner Reise alles zu sehen bekommt,
    • von seiner Liebe zum Bier und zur deutschen Gemütlichkeit,
    • wie Horstmann es schafft, seine Weltumradlung finanziell erfolgreich zu machen,
    • warum er auf seiner Reise mehr als einmal in Lebensgefahr gerät.

    Heinrich Horstmann ist gerade mal Anfang 20, als er sich entschließt, ohne einen Pfennig in der Tasche die Welt zu umrunden. Vermutlich gibt eine Wette den Anlass dazu. Am 2. Mai 1895 geht es in Dortmund los - auf einem Fahrrad ohne Bremse. Bergab lässt er die Pedale sausen und bremst mit dem Fuß am Reifen.

    Horstmann trotzt dem Wetter und den Gefahren des Wilden Westens: Einmal erschießt er einen Landstreicher, weil er glaubt, dass der ihm die Taschenuhr klauen will. Komplett um die Erde radelt der Abenteurer allerdings nicht. Von San Francisco aus nimmt er das Schiff und verzichtet wegen einer in Indien ausgebrochenen Cholera-Epidemie auf die Durchquerung Asiens.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Peter Schubert, Hobbyradler
    • Heinrich Horstmann: Meine Radreise um die Erde. Der Bericht des ersten deutschen Fahrradweltreisenden anno 1895. Leipzig 2007
    • Hans-Erhard Lessing: Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte. Stuttgart 2017

    Weiterführende Links:
    • WDR: 51 Jahre mit dem Fahrrad um die Welt
    • Zeitzeichen: 26. September 1872 - Das Reisebüro "Thomas Cook" startet die erste Weltreise
    • Zeitzeichen: 14. November 1889 - Nellie Bly und Elisabeth Bisland starten ihr Rennen um die Welt

    Hörtipp:
    • Quarks Daily Spezial: Geld, Job, Liebe - Was macht wirklich glücklich?

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    Autorin: Claudia Belemann
    Redaktion: Carolin Rückl und David Rother
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Lebensmittelkarten: Hungern auf Raten

    Lebensmittel sind in Kriegszeiten Mangelware. Ihre Rationierung gehört für die Nationalsozialisten zur Vorbereitung. Erst am 1.5.1950 werden die Lebensmittelkarten in den Westzonen abgeschafft.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • von der Rationalisierung von Lebensmitteln im Ersten und Zweiten Weltkrieg,
    • wie nach Kriegsende von den Alliierten anfangs mehr Kalorien versprochen werden als gehalten werden kann,
    • vom Hungerwinter 1946/47 und seinen Folgen,
    • wie der Marschallplan zum Ende der Lebensmittelkarten beiträgt.

    In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mangelt es an ziemlich allem. Lebensmittel werden nur gegen Bezugsscheine verkauft, so genannte Lebensmittelkarten. Das bedeutet: Essen, um satt zu werden, ist für viele ein Traum. Ursprünglich hatten die Amerikaner geglaubt, jedem Deutschen Rationen von täglich 2.600 Kilokalorien garantieren zu können. Das erweist sich als zu optimistisch - zu groß sind die Zerstörungen in der Landwirtschaft. Gerade einmal 1.000 bis 1.250 Kilokalorien pro Tag und Person können verteilt werden.

    Bis Anfang 1950 verbessert sich die Lage - vor allem bei Fleisch, Brot, Fett und Milch. Bei Zucker sieht es schlechter aus und so beschließt die Regierung, ab dem 1. März 1950 nur noch Zuckerkarten auszugeben. Am 1. Mai endet auch diese Rationierung - die letzten Lebensmittelmarken verlieren ihre Gültigkeit. In der DDR dauert es bis zur Abschaffung der Lebensmittelkarten noch acht weitere Jahre.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Volker Hess, Medizinhistoriker
    • Lebendiges Museum Online: Überlebensmittel
    • Zeitklicks: Überleben auf Lebensmittelkarten

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 30. Dezember 1947 - Kälte- und Hungerwinter in Deutschland
    • Zeitzeichen: 01.06.1945 - Frauen zur Trümmerarbeit verpflichtet
    • Zeitzeichen: 20.06.1948 - Währungsreform tritt in Kraft

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    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Annette Skrzydlo

    14 min
  • Eroberer wie Caesar und Alexander der Große: Mahmud von Ghazni

    Vom Sohn eines Söldners steigt Mahmud von Ghazni zu einem der mächtigsten Herrscher seiner Zeit und ersten Sultan der Geschichte auf. Am 30.4.1030 stirbt er - an einem Mückenstich.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • welche Legende Mahmud von Ghazni mit Alexander dem Großen und Julius Cäsar verbindet,
    • von der Dynastie der Samaniden, dem Volk für das Mahmuds Vater kämpft,
    • was der Begriff "Sultan" zu Mahmuds Zeiten bedeutet,
    • von Mahmuds Beziehung zum berühmten Dichter Firdausi.

    Mahmud von Ghazni ist ein politischer und militärischer Feldherr und Eroberer des späten 10. und frühen 11. Jahrhunderts. Er beginnt seine Karriere unter seinem Vater, einem Sklavenführer im Samanidenreich. Nach dessen Tod unternimmt er zahlreiche Feldzüge - auch nach Nordindien.

    Mit brutaler Härte aber auch militärischem Geschick sichert sich Mahmud die Kontrolle über große Teile der Region. In den indischen Geschichtsbüchern gilt er noch heute als brutaler Aggressor. Sein Herrschaftsgebiet, das Reich der Ghaznawiden, bestimmt von 977 bis 1186 die Geschichte des südlichen Zentralasiens.

    Mahmuds Macht wird so groß, dass er sich als erster bekannter Herrscher in der Geschichte mit "Sultan" ansprechen lässt. Im Gegensatz zu seinem Leben ist sein Tod geradezu gewöhnlich. Während seiner letzten Expedition erkrankt Mahmud an Malaria. Er stirbt am 30. April 1030 in Ghazni - mit 58 Jahren.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Professor Stefan Heidemann (Islamwissenschaftler, Universität Hamburg)

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 4. März 1193 - Todestag von Saladin, Sultan von Syrien und Ägypten
    • Zeitzeichen: 10. Juni 323 v. Chr. - Alexander der Große stirbt
    • Zeitzeichen: 13. Juli 100 v.Chr. - Geburtstag von Gaius Julius Caesar

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    15 min
  • Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter (Geburtstag am 29.4.1885)

    Vor 140 Jahren wird Egon Erwin Kisch in Prag geboren. Er ist bis heute einer der bekanntesten deutschsprachigen Journalisten und Reporter - sprachlich brillant und politisch engagiert.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Hildburg Heider:

    • wie Egon Kisch und seine Brüder es im Prager Elternhaus hoch hergehen lassen,
    • wie Kisch zwischen den beiden Weltkriegen die Form der modernen Reportage entwickelt,
    • unter welchem Pseudonym Kisch das Veröffentlichungsverbot für Schüler umgeht,
    • welche Rolle Prags Gassen, Kneipen und Kaschemmen bei Kischs beruflicher Entwicklung spielen,
    • wie Kisch seine Leser an Orte mitnimmt, an denen er selbst nie war.

    Der Journalist Egon Kisch schreibt ab Anfang des 20. Jahrhunderts alles auf, was er erlebt. Was er riecht, schmeckt, ertastet. Ein ganzes Reporterleben lang.

    Als Bürger der österreichisch-ungarischen Monarchie leistet Kisch Militärdienst, dann besucht er in Berlin eine private Journalistenhochschule. Zurück in Prag schreibt er für die deutsche Tageszeitung "Bohemia" Reportagen aus dem Alltagsleben.

    Ihm könne eigentlich nichts passieren, behauptet Kisch einmal. "Ich bin ein Deutscher. Ich bin ein Tscheche. Ich bin ein Jud. Ich bin aus gutem Hause. Ich bin Kommunist. Ich bin Corpsbursch. Etwas davon hilft mir immer."

    Als er das niederschreibt, ist er schon lange auf der Flucht. 1933 wollen ihn die Nationalsozialisten inhaftieren, später wird er nach Prag abgeschoben. Dorthin kehrt er nach Aufenthalten in Paris, Madrid, den USA und Mexiko 1946 zurück. Nach zwei Schlaganfällen stirbt Kisch am 31. März 1948, einen Monat vor seinem 63. Geburtstag.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christian Buckard, Kisch-Biograf
    • Henryk M. Broder, Reporter und Publizist
    • Günter Wallraff, im Mittagsmagazin des WDR vom 31.3.1983
    • Christian Buckard: Egon Erwin Kisch - Die Weltgeschichte des rasenden Reporters, Berlin 2023
    • Egon Erwin Kisch: Gesammelte Werke. 1983
    • Egon Erwin Kisch (Hrsg.): Klassischer Journalismus. 1982

    Weiterführende Links:
    • Deutsches Historisches Museum Berlin: Egon Erwin Kisch - Der rasende Reporter
    • Planet Wissen: Deutsche Geschichte - Der Erste Weltkrieg
    • Planet Wissen: Nationalsozialismus - Der Zweite Weltkrieg

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    Autorin: Hildburg Heider
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Jens Buchheister

    15 min

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