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  • Der Zauberer von Oz: Ein amerikanisches Märchen

    Der Mythos "Zauberer von Oz": Das Buch von Lyman Frank Baum ist jetzt 125 Jahre alt (erschienen: 28.5.1900) - seine Motive sind feste Bestandteile der Popkultur.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • wie "Der Zauberer von OZ" zum amerikanischen Mythos wird,
    • wie ein Musical von 1939 zahlreiche Zitate liefert, die im Buch von 1900 gar nicht vorkommen,
    • was "Der Zauberer von Oz", "Alice im Wunderland" und "Pinocchio" gemeinsam haben,
    • wie Salman Rushdie, Autor der "Satanischen Verse", den Zauberer von Oz deutet.

    Als Lyman Frank Baum am 28. Mai 1900 die ersten Exemplare seines Buches in Händen hält, ist er sicher, etwas Besonderes geschaffen zu haben. "The Wonderful Wizard of Oz", wie das Buch ursprünglich heißt, ist seinerzeit ein ähnlicher Erfolg wie gut hundert Jahre später "Harry Potter": Die ersten Auflagen finden reißenden Absatz und erlösen den 44-jährigen Baum von seinen finanziellen Sorgen. Danach möchte der Autor sich eigentlich mit etwas anderem beschäftigen. Doch das Publikum will nur "Oz" von ihm, so dass er bis zu seinem Tod 13 weitere Bände folgen lässt.

    Baum verlegt den Beginn seiner Geschichte nach Kansas, dem wohl unmärchenhaftesten Ort der USA. Wirbelstürme fegen über das karge Land, die Arbeit der Farmer ist mühsam und bringt wenig ein. Auf den ersten Seiten kommt neunmal das Wort "grau" vor. Doch dann trägt ein Wirbelsturm Dorothy nach Oz, wo alles bunt und phantastisch ist.

    So wie sich das Mädchen sofort ins graue Kansas zurücksehnt, haben auch die Gefährten, die sie auf ihrer Reise trifft, einen Wunsch: Die Vogelscheuche möchte Verstand, der Blechmann ein Herz und der feige Löwe Mut. Oz, der Große und Mächtige, soll diese Wünsche erfüllen. Die Pointe der Geschichte ist, dass alle längst haben, wonach sie sich sehnen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Robin Curtis, Institut für Medienkultur, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    • Johanna Weißert, Regisseurin, Kinder- und Jugendtheater Dortmund
    • Michael Patrick Hearn: Alles über den Zauberer von Oz, Hamburg und Wien 2003
    • Frank Kelleter: Film Remakes, Adaptations and Fan Productions. Edited by Kathleen Loock and Constantine Verevis. New York 2012

    Weiterführende Links:
    • Theater Dortmund: "Der Zauberer von Oz".
    • Zeitzeichen: 10.06.1922 - Geburtstag von Judy Garland
    • Filmstart "Wicked": Neues aus der Welt vom "Zauberer von Oz"

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Christiane Kopka
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Theo Kramer

    15 min
  • Seeschlacht von Tsushima: Als Japan Russlands Flotte vernichtete

    Es ist der erste Sieg asiatischer Truppen über eine europäische Großmacht: Japan versenkt am 27.5.1905 Russlands Flotte. Damit endet der Russisch-Japanische Krieg.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Struck-Schloen

    • was hinter dem Slogan "Reiches Land, starke Armee" steckt,
    • wie Preußen und England zum Vorbild für die japanische Aufrüstung werden,
    • mit welcher Strategie das kleine Japan das Zarenreich besiegt,
    • warum der Ukrainekrieg den Blick auf die Schlacht von Tsushima verändert.

    Rund zwei Jahrhunderte lang schotten sich die Japaner weitgehend vom Weltgeschehen ab, dann entwickeln auch sie einen imperialistischen Ehrgeiz. Im Februar 1904 schreiten sie zur Tat: Ohne eine offizielle Kriegserklärung abzugeben, beschießen die japanischen Soldaten Port Arthur, einen unter russischer Verwaltung stehenden Hafen auf der chinesischen Halbinsel Liaodong.

    Am Ende sind 75.000 Soldaten tot. "Die Körper der Toten bildeten Hügel auf Hügel", schreibt später der Schriftsteller Sakurai Tadayoshi, der bei der Schlacht verwundet wurde. Nachdem durch Kämpfe auf See auch die russische Pazifikflotte nahezu kampfunfähig geworden ist, beordert der russische Zar kurzerhand die Ostseeflotte ins Chinesische Meer. Hier wartet am 27. Mai 1905 bei der Insel Tsushima eine hochmoderne japanische Flotte auf die veralteten russischen Schiffe.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Frank Jacob, Historiker und Buchautor
    • Frank Jacob: Tsushima 1905. Ostasiens Trafalgar, Paderborn 2017
    • Film: Battle of the Japan Sea (1969)

    Weiterführender Link:
    • Das Vergangene ist nie wirklich vergangen. Der Schriftsteller Frank Thiess, SWR Retro, 5. Juli 1955

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Michael Struck-Schloen
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min
  • Keine Heldengeschichte im Wilden Westen: Der Indian Removal Act

    Die Eroberung des "Wilden Westens" durch weiße Siedler war oft keine Heldengeschichte, wie wir sie aus vielen Filmen kennen. Ein Gesetz zur Umsiedlung der Indianerstämme vom 28.5.1830 löste eine ethnische Säuberung aus.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • welche Rolle die Kirche im Umgang mit den nordamerikanischen Ureinwohnern spielt,
    • was die Kanarischen Inseln und Irland mit der Indianer-Ausrottung in den USA zu tun haben,
    • warum der Fund von Gold der unmittelbare Anlass für das Indianer-Umsiedlungsgesetz ist,
    • wie die Cherokee-Indianer ihre Vertreibung mit einer Petition an den US-Senat verhindern wollen,
    • welchen Helden- und Opfermythos die US-Populärkultur über die Bezwingung der Indianer verbreitet.

    "Trail of Tears" ("Pfad der Tränen") nennen die Indianer den Weg, auf den sie nach Westen gezwungen werden - weil ein Viertel von ihnen dabei stirbt, verhungert, erfroren, der Grippe erlegen. Tatsächlich gibt es mehrere "Trails of Tears". Insgesamt werden über einen Zeitraum von knapp acht Jahren mehr als 100.000 Menschen nach Oklahoma deportiert. Die Gegend ist damals noch kein Staat, sondern "Indian Territory" ("Indianergebiet").

    Der "Indian Removal Act" verspricht den Ureinwohnern des nordamerikanischen Ostens: In eurer neuen Heimat im Westen dürft ihr auf ewig bleiben. Doch diese Ewigkeit dauert keine sechs Jahrzehnte: bis zum 22. April 1889. Dann beginnt der sogenannte "Oklahoma Land Rush". 50.000 Weiße stürmen innerhalb eines Tages das "Indian Territory". Die Regierung in Washington hat es zur Besiedlung freigegeben. 1907 wird Oklahoma als 46. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Michael Hochgeschwender (Professor für Amerikanistik, LMU München)
    • Michael Hochgeschwender: Die Amerikanische Revolution - Geburt einer Nation 1763-1815. München 2016
    • Heike Bungert: Die Indianer - Geschichte der indigenen Nationen. München 2020
    • Aram Mattioli: Verlorene Welten - Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas. Stuttgart 2017

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Ist die Bezeichnung "Indianer" diskriminierend?
    • Zeitzeichen 22.04.1889: Der "Oklahoma Land Run"
    • Zeitzeichen 02.06.1924: "Indian Citizenship Act" wird unterzeichnet
    • Zeitzeichen 08.05.1973: Indianer geben die Besetzung von Wounded Knee auf

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    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: David Rother
    Technik: Annette Skrzydlo

    15 min
  • Rock am Ring startet am 25.5.1985: Beginn eines Festivalmythos

    Bis zu 90.000 Musikfans, Weltstars in der Eifel, Rock´n´Roll bei jedem Wetter: Das alles begründet den Kult um Deutschlands erstes großes Rockmusik-Festival.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed:

    • warum "Rock am Ring" nicht schon 1980 startet,
    • was am Festival am Nürburgring so besonders ist,
    • warum das Festival zwei Jahre lang auf dem 35 Kilometer entfernten Flughafen Mendenich stattfindet.

    Eigentlich soll es nur ein Einzel-Event werden - organisiert von Konzertveranstalter Marek Lieberberg und Marcel Avram auf der Südschleife des Nürburgrings, einer international bekannten Rennstrecke. Doch das Festival ist ein überwältigender Erfolg: "85.000 Menschen, die zusammen kamen, um so ein Spektrum zwischen Simply Red und U2, Huey Lewis & the News und Joe Cocker zu hören", erinnert sich Lieberberg. Ihm ist klar: Er hat eine Marktlücke entdeckt.

    Lieberberg macht weiter und vergrößert das Festival jährlich. 1987 sind es bereits zwei Bühnen, weil David Bowie für seine komplizierte Show eine eigene Bühne will. Doch als 1988 die Ticketverkäufe von 75.000 rapide auf 30.000 zurückgehen, beschließt Lieberberg, das Festival zwei Jahre auszusetzen, um dann mit einem überarbeiten Konzept zurückzukehren. Mit Erfolg. Was seitdem wie ein Selbstläufer wirkt, hat aber auch mit Problemen zu kämpfen. Dazu gehören Streit um Geld, mehrere Unwetter, eine Terrorwarnung und die Zwangspause wegen Corona.

    Nach der Pandemie startet das Festival mit einem neuen Veranstalter wieder durch: 2022 ist das Festival mit 90.000 Tickets restlos ausverkauft. Was 1985 mit 17 Bands angefangen hat, ist mittlerweile eine Veranstaltung mit über hundert Bands, mehreren Bühnen und einer eigenen Infrastruktur.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Christoph Graf (Event-Experte und Autor)
    • Nina Fingskes (Musikjournalistin, Festival-Mitarbeiterin und Festival-Besucherin)
    • Ingo Knollmann (Sänger der "Donots")

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 27.04.1925: Baubeginn für den Nürburgring

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    Autorin: Amy Zayed
    Redaktion: David Rother
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Der wilde Lebensritt der Lady Florence Dixie

    Florence Dixie, geboren am 24.5.1855, ist eine ungewöhnliche viktorianische Lady. Sie reitet durch Patagonien, schreibt Bestseller, kämpft für Tier- und Frauenrechte.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:

    • warum Florence Dixie ausgerechnet durch Patagonien reist,
    • wie sie sich als Exzentrikerin bewusst von Rollenbildern abgrenzt,
    • wie sie aber auch die Lage der indigenen Bevölkerung romantisiert,
    • wie sie durch ihren Einsatz als Südafrika-Korrespondentin zur Aktivistin wird,
    • welche persönlichen Schicksalsschläge sie treffen.

    Florence Dixie ist 24 Jahre alt, als sie durch Patagonien reitet. Die gebürtige Schottin stammt aus hochadligem Haus, ist verheiratet mit Sir Alexander Beaumont Churchill Dixie. Beide teilen die Leidenschaft für Sport und Reisen. Ihre Söhne - der eine ein paar Monate alt, der andere zwei Jahre – lassen die Eltern auf dem Familiensitz zurück. Sechs Monate sind sie im Süden Lateinamerikas unterwegs.

    Weltreisende Frauen sind im 19. Jahrhundert die Ausnahme und erregen Aufsehen. Florence Dixie ist eine der wenigen Abenteurerinnen, die das nötige Geld haben, um das teure Vergnügen zu finanzieren. Sie hat aber auch die nötige Courage, sich über die rigiden Geschlechterrollen hinwegzusetzen. Und sie macht sich nichts daraus, als sonderbar zu gelten. Im Gegenteil: Florence Dixie pfeift auf Konventionen. Die kolonialen Praktiken des Empires stellt sie allerdings nicht infrage.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Marlena Tronicke (Professorin für englische Literatur und Kulturwissenschaft, Uni Köln)
    • Florence Dixie: Riding across Patagonia. A Victorian Equestrian Adventure, London 1880.
    • Florence Dixie: In the land of misfortune, London 1882.
    • Florence Dixie: Gloriana - or the revolution of 1900, London 1890.
    • Florence Dixie: The horrors of sport. Publikation der Humanitarian League, No 4. 1891.

    Weiterführende Links:
    • BBC: Lady Florence Dixie
    • LibriVox: Gloriana - or The Revolution of 1900, von Florence Dixie, gelesen von Mark Nelson

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Claudia Friedrich
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

    15 min
  • Kampf gegen Windmühlen: Don Quijote ist unsterblich

    Miguel de Cervantes' "Don Quijote" (1605/1615) wird bei einer Wahl von 2002 zum "besten Buch der Welt" erklärt - und wirkt heute aktueller, als man denkt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • warum Autor Miguel de Cervantes behauptet, "Don Quijote" sei ein Anti-Ritter-Roman,
    • welchen "wohlklingenden Namen" das Pferd von Don Quijote hat,
    • wen die Romanfigur Don Quijote für ihr Scheitern verantwortlich macht,
    • was ein arabischer Geschichtsschreiber mit dem Roman zu tun hat,
    • welches abenteuerliche Leben der Schriftsteller Cervantes selbst führt.

    Seit über 400 Jahren reitet der "Ritter von der traurigen Gestalt" nun schon mit seinem Knappen Sancho Pansa durch die Literaturgeschichte. Trotz seiner Verrücktheiten - wie dem berühmten Kampf gegen Windmühlen - gilt Don Quijote als positiver Held. Er will das Edle und Wahre. Doch seine verzerrte Sicht der Dinge führt dazu, dass er an der Realität scheitert.

    Als der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra 1605 den ersten Teil des Romans veröffentlicht, wird der ein Riesenerfolg. Cervantes plant deshalb einen zweiten Teil. Doch bevor der 1615 gedruckt wird, veröffentlicht ein bis heute unbekannter Autor unter dem Pseudonym Avellaneda eine unautorisierte Don-Quijote-Fortsetzung.

    In seiner eigenen Fortsetzung des Romans stellt Cervantes deshalb klar, dass alles, was sein Konkurrent über Don Quijote erzählt hat, Lüge ist. Um weitere falsche Don Quijotes zu verhindern, beendet Cervantes seine Erzählung so, dass sie keine Fortsetzung erlaubt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christoph Strosetzki (emeritierter Professor für Romanistik an der Universität Münster, Cervantes-Experte)
    • Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote, Stuttgart 1985.
    • Horst Weich: Meisterwerke kurz und bündig: Cervantes' Don Quijote, München 2001.
    • Christoph Strosetzki: Miguel de Cervantes. Epoche - Werk - Wirkung, München 1991.
    • Christoph Strosetzki (Hrsg.): Miguel de Cervantes' Don Quijote. Explizite und implizite Diskurse im Don Quijote. Berlin 2005.

    Weiterführende Links:
    • ARD alpha: Klassiker der Weltliteratur - Miguel de Cervantes
    • Deutschlandfunk Kultur: Hörspiel nach Cervantes - Don Don Don Quijote - Attackéee

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    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Wie Johann Weck das Haltbarmachen revolutionierte

    Im Jahr 1895 erwirbt Johann Weck das Patent zur luftdichten Lagerung von Lebensmitteln. Die werden praktisch unbegrenzt haltbar durch das nach ihm benannte Einwecken.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • wie ein zu früh verstorbener Chemiker, ein schrulliger Antialkoholiker und ein pfiffiger Kaufmann eine wichtige Erfindung auf den Weg bringen,
    • welche Rolle sogenannte "Wanderlehrerinnen" bei der Verbreitung des neuen Verfahrens spielen,
    • seit wann der Begriff "einwecken" im Duden zu finden ist,
    • dass der Erste Weltkrieg gleichermaßen Fluch und Segen für die Firma Weck ist,
    • was es mit der "Ewigen Liebe im Glas" auf sich hat.

    Ende des 19. Jahrhunderts. Johann Weck, aktives Mitglied der Antialkoholiker, will ein Verfahren anbieten, das naturreine Lebensmittel auf unbeschränkte Zeit garantiert. Dieses Verfahren hat wenige Jahre zuvor der Chemiker Rudolf Rempel entwickelt und patentieren lassen - kurz vor seinem Tod.

    Weck kauft das Patent 1895 und macht sich an die Produktion der Einmachgläser. Doch die erweisen sich zunächst als Ladenhüter - bis Georg van Eyck ins Spiel kommt. Im badischen Ölfingen gründen die beiden Männer im Jahr 1900 eine Firma. Van Eyck, ein junger Kaufmann aus Emmerich, bringt mit großem Erfolg die Gläser unter die Hausfrauen.

    Die Blütezeit des Einkochens endet in den 1960er-Jahren. Das Einfrieren löst das Einkochen weitgehend ab. Als nach der Insolvenz der Firma Weck im Jahr 2023 ein neuer Investor das Werk übernimmt, ist die Erleichterung der Einweck-Fans groß. Ob Schnibbelbohnen, Kimchi oder Konfitüre - Einwecken ist wieder Trend.

    Auch wenn die Zeiten sich geändert haben, hat eines überdauert. Das Lieblings- und Einstiegsrezept der Einweck-Fans ist unverändert die Erdbeermarmelade.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Steffi Burmeister, Verpackungsexpertin und Inhaberin des Youtube-Kanals "Steffi kocht ein"
    • Eberhard Hackelsberger, Urenkel des Firmengründers Georg van Eyck und Geschäftsführer der Firma Weck bis 2023. Interview von 2012.
    • ARD Archiv
    • Schulungs- und Werbefilme der Firma Weck aus den 1930er-Jahren

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Frischhalten - So verderben Lebensmittel
    • RBB: Einwecken - So geht das Einmachen und Einkochen

    Unser Hörtipp:
    • WDR 5: Alles in Butter - Das Magazin fürs Genießen

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    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
    Technik: Jürgen Mönkediek

    16 min
  • Der Baader-Meinhof-Prozess: Showdown zwischen Staat und RAF

    Der Gerichtssaal wird eigens für diesen Prozess gebaut: Am 21.5.1975 beginnt die Verhandlung gegen die RAF-Terroristen um Andreas Baader in Stuttgart-Stammheim.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:

    • wie Stammheim zum Synonym für die RAF wird,
    • wie der Staat juristisch zwar als Sieger aus dem Prozess hervorgeht, aber bedenkliche Schwächen zeigt,
    • wie auch die Anwälte von Anfang an unter Generalverdacht stehen,
    • wie der Prozess 1977 mit dem "Deutschen Herbst" in einer beispiellosen Welle der Gewalt mündet.

    Am 21. Mai 1975 beginnt im eigens gebauten Hochsicherheits-Prozesssaal der JVA Stuttgart-Stammheim ein Prozess der Superlative. Fast zwei Jahre dauert der zermürbende Showdown zwischen Rechtsstaat und den Köpfen der Roten Armee Fraktion, die sich als Kriegsgefangene bezeichnen und einen politischen Prozess inszenieren wollen.

    Angeklagt sind Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Ihnen werden vier Morde, 54 Mordversuche und sechs Sprengstoff-Anschläge vorgeworfen. Der ursprünglich mitangeklagte Holger Meins stirbt ein halbes Jahr zuvor an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis. Ulrike Meinhof erhängt sich im Mai 1976 in ihrer Zelle.

    Der Prozess wird immer wieder durch Wortgefechte der Angeklagten und ihrer Verteidiger mit dem Richter Theodor Prinzing unterbrochen. Am 28. April 1977 werden die verbliebenen Angeklagten nach 192 Verhandlungstagen zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

    Die zweite Generation der RAF beginnt eine blutige Offensive, um die Terroristen freizupressen. Angeführt wird sie von Brigitte Mohnhaupt, die kurzzeitig ebenfalls im Stammheimer Hochsicherheitstrakt einsitzt und von Baader Befehlsgewalt erhält.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Stefan Aust (Journalist, Autor)
    • Heribert Prantl (Journalist, Autor, Jurist)
    • Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex, aktualisierte Ausgabe. München 2020
    • Butz Peters: 1977: RAF gegen Bundesrepublik. München 2017

    Weiterführende Links:
    • WDR Dossier: Deutscher Herbst 1977
    • WDR Dossier: Die Stammheim-Tonbänder
    • Stichtag: 17.03.1977: Abhörskandal in Stuttgart-Stammheim
    • Planet Wissen: Deutsche Geschichte - Die Rote Armee Fraktion (RAF)
    • ARD-Audiothek: SWR Kultur - Die RAF und der Deutsche Herbst 1977: Die Vorgeschichte

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    Autor: Christopher Heimer
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Jürgen Hinzpeter dokumentiert das Militärmassaker in Südkorea

    Am 20.3.1980 gelingt es dem Kameramann Jürgen Hinzpeter unter Lebensgefahr, das Militärmassaker im südkoreanischen Gwangju zu dokumentieren. Dabei sollte die Welt davon nichts erfahren.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:

    • wie ARD-Kameramann Jürgen Hinzpeter und sein Team ihre Leben riskieren, um aus der Stadt Gwangju zu berichten,
    • wie eine gut erzählte Geschichte Wunder bewirkt,
    • welche wichtige Rolle eine Keksdose in dem dramatischen Geschehen bekommt,
    • wie die Bilder des Kameramanns Jürgen Hinzpeter weltweit Empörung auslösen und so Druck auf das südkoreanische Militärregime erzeugen.

    Ab 1961 regiert in Südkorea Diktator Park Chung Hee. Als dieser 1979 von seinem eigenen Geheimdienstchef ermordet wird, hoffen viele südkoreanische Studenten auf Demokratie. In dieser Phase des Umbruchs aber reißt General Chun Doo-Hwan mit einem Putsch die Macht an sich.

    Das Militär verhängt das Kriegsrecht, schließt die Universitäten und lässt zahlreiche Oppositionelle verhaften. Dagegen formiert sich massiver Widerstand. Allein in Seoul gehen an die 100.000 Studierende auf die Straße und fordern die Rücknahme des Kriegsrechts. Das Militär reagiert mit Härte und verbietet am 17. Mai 1980 sämtliche politische Aktivitäten - der Beginn des Aufstandes in der Provinzhauptstadt Gwangju, der gewaltsam niedergeschlagen wird.

    Der ARD-Kameramann Jürgen Hinzpeter fliegt nach Absprache mit der Redaktion in Hamburg gemeinsam mit dem Tontechniker Henning Rumohr von Tokio noch am selben Tag in die südkoreanische Hauptstadt Seoul. Unter höchsten Gefahren fahren Hinzpeter, Ruhmohr und ihr Fahrer Kim Sa-Bok nach Gwangju. Hinzpeter ist der einzige Journalist, der über die Ereignisse und das brutale Vorgehen des Militärs gegen die Demonstranten berichtet.

    Jürgen Hinzpeter stirbt am 25. Januar 2016 im Alter von 78 Jahren in der Universitätsklinik Lübeck. Als "der Zeuge mit den blauen Augen" wird er in Südkorea verehrt - für Mut, Wahrheit und journalistische Verantwortung.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Hannes Mosler, Professor für Ostasienkunde an der Universität Duisburg und Südkorea-Experte

    Weiterführender Link:
    • Planet Wissen: Geschichte Koreas - das geteilte Land

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    Autor: Thomas Mau
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Vietnams Nationalheld und 68er-Ikone: Ho Chi Minh

    Als Nguyen Sinh Cung wird er am 19. Mai 1890 in einem nordvietnamesischen Dorf geboren. Als Ho Chi Minh, den Revolutionär und Freiheitskämpfer, kennt ihn bis heute die Welt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • wie Ho Chi Minh vom Tellerwäscher zum Revolutionär wird,
    • dass er mit den Franzosen und den USA paktiert - und dafür in der eigenen Partei in die Kritik gerät,
    • von Ho Chi Minh und Che Guevara - zwei Ikonen der 68er-Bewegung,
    • warum sich Ho Chi Minh eigentlich ein ganz anderes Begräbnis gewünscht hat.

    Ho Chi Minh ("Der weise Gewordene") kommt am 19. Mai 1890 in der vietnamesischen Stadt Kim Lien als Sohn eines Provinzbeamten zur Welt. Geboren wird er als Nguyen Sin Cung - im Laufe seines Lebens ändert er mehrfach seinen Namen. Er studiert in Moskau und ist doch immer mehr Nationalist als Kommunist im verworrenen Kampf um die Unabhängigkeit und die Einheit Vietnams.

    Unter seiner Führung besiegen vietnamesische Kämpfer zuerst die französischen Kolonialherren und später die Supermacht USA. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Ho Chi Minh diese Kriege gar nicht wollte. In Vietnam ist "Onkel Ho" noch immer eine Kultfigur, das Mausoleum in Hanoi bis heute eine Pilgerstätte.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Peter Neville, britischer Historiker und Verfasser einer Biographie über Ho Chi Minh
    • Martin Großheim, Historiker für vietnamesische Geschichte, Universität Seoul und Verfasser einer Biographie über Ho Chi Minh
    • Pierre Brocheux: Ho Chi Minh. A Biography. New York, 2007
    • Martin Großheim: Ho Chi Minh. Der geheimnisvolle Revolutionär. München, 2011
    • Peter Neville: Ho Chi Minh. London, 2019

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Ho Chi Minh
    • Stichtag: 27. Januar 1973 - Abkommen über das Ende des Vietnamkriegs unterzeichnet
    • Stichtag: 2. Juli 1976 - Offizielle Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam

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    Autorin: Andrea Kath
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min

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