WDR Zeitzeichen

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WDR Zeitzeichen episodes

  • Der Weihnachts-Countdown: Die Erfindung des Adventskranzes

    Der heutige Adventskranz ist jung: Seit den 50er Jahren ist er das Symbol für die Vorweihnachtszeit. Am 1. Dezember 1839 hängt Johann Hinrich Wichern den ersten hölzernen Ring mit 24 Kerzen auf.



    Der Theologe Johann Hinrich Wichern gründet 1833 in Hamburg das "Rauhe Haus". Dort sollen verarmte und verhaltensauffällige Kinder eine Ausbildung erhalten. Vor allem aber will Wichern ihnen den christlichen Glauben näher bringen.

    Damit die Jugendlichen das Licht der Geburt Jesus erfahren, hängt Wichern 1839 ein Wagenrad mit 24 Kerzen im Gebetsraum auf. Jeden Tag zünden sie eine Kerze mehr an und jeden Tag wird es heller. "Brennt der volle Kranz mit allen 24 Lichtern, dann ist er da, der heilige Christ in all seiner Herrlichkeit", so Wichern.

    Vom Rauhen Haus aus verbreitet sich der Kranz in den folgenden Jahren in andere protestantische Einrichtungen. Erst 1925 soll erstmals ein Adventskranz in einer katholischen Kirche in Köln erblickt worden sein. Allerdings nur noch mit vier Kerzen für die vier Adventssonntage, dafür mit Tannengrün geschmückt - so, wie der Adventskranz seinen Weg in deutsche Wohnzimmer findet.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • warum die Zahl der Kerzen auf dem Wichern-Kranz jedes Jahr variiert,
    • welche Rolle Kerzen und Licht in Religionen spielen,
    • vom "Straßburger Adventsstreit" im 11. Jahrhundert,
    • warum auf Adventskränzen heute nur noch vier Kerzen brennen.

    Das ist unsere Interviewpartnerin und die wichtigsten Quellen:
    • Dr. Katrin Bauer, Wissenschaftliche Referentin im LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
    • Uwe Birnstein: Johann Hinrich Wichern. Wie der fromme Erzieher Kinder und Kirche retten wollte. Berlin 2018.
    • Rüdiger Vossen: Weihnachtsbräuche in aller Welt: Von Martini bis Lichtmess. Hamburg 2019

    Weiterführende Links:
    • Die Geschichte des Rauhen Hauses
    • Weihnachten 1843: In England werden erste Weihnachtskerzen verschickt
    • 24.12.1818: Das Lied "Stille Nacht" entsteht

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Sefa İnci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Musik im Schatten des Holocaust: Hans Krása (geb. 30.11.1899)

    Hans Krása ist auf dem besten Weg, einer der führenden Komponisten im 20. Jahrhundert zu werden. Die Nationalsozialisten beenden seine Karriere und nehmen ihm das Leben.



    Hans Krása wird am 30. November 1899 in Prag geboren. Finanzielle Sorgen kennt die Familie nicht. Krása lernt Klavier und Geige bei führenden Prager Musikern. Mit elf Jahren komponiert er ein erstes Orchesterstück, etwas später ein Streichquartett. Krásas Karriere verläuft im Eiltempo. Für seine Oper "Verlobung im Traum" wird er 1933 mit dem Tschechoslowakischen Staatspreis ausgezeichnet.

    Es ist eines von nur zwei Werken, das Krása für die Opernbühne komponiert. Die Kinderoper "Brundibár", schreibt er 1938 für einen Wettbewerb des tschechoslowakischen Bildungsministeriums. Dieser findet wegen des Kriegsausbruchs keinen Sieger. Stattdessen erlangt "Brundibár", ursprünglich ein hoffnungsvolles Werk über den Sieg des Guten über das Böse, im Konzentrationslager Theresienstadt traurige Berühmtheit.

    Nachdem Krása 1942 wegen seiner jüdischen Wurzeln dorthin deportiert wird, führt er die Kinderoper unter den erbärmlichen Lagerbedingungen mehr als 50 Mal auf. In einem Propagandafilm zeigen die Nazis "Brundibár" als Beleg für das "lebendige Kulturleben" in Theresienstadt.

    Krása selbst ist seit seiner Deportation ein gebrochener Mann. Dennoch gibt er nicht auf, organisiert Konzerte und komponiert weitere Werke. Bis im Oktober 1944 Theresienstadt mit einem Schlag nahezu verstummt. Hans Krása wird zusammen mit vielen weiteren Musikerkollegen nach Auschwitz verlegt und dort ermordet – da ist er noch keine 45 Jahre alt.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:

    • von Krásas sorgenfreier Jugend, seinem Aufstieg und dem Leben als Bohemien,
    • welche weiteren Musiker mit Krása in Theresienstadt inhaftiert sind,
    • von einem seiner letzten Werke, das wie ein Hilfeschrei klingt,
    • wie es die Nazis fast geschafft haben, eine der zentralen Musiksprachen aus dem 20. Jahrhundert auszulöschen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Daniel Hope, Geiger
    • Blanka Červinková: Hans Krása. Leben und Werk. Saarbrücken, 2005
    • Milan Kuna: Musik an der Grenze des Lebens. Musikerinnen und Musiker aus böhmischen Ländern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Übersetzt von Eliska Nováková. Frankfurt a.M., 1993
    • Ingo Schultz: Krása, Hans, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, Personenteil, Bd. 10

    Weiterführende Links:
    • 16.08.1944 - Drehbeginn des Propagandafilms über das KZ Theresienstadt
    • Schreiben im Untergrund - Das Jugendmagazin "Vedem" in Theresienstadt
    • 06.01.1838 - Geburtstag des Komponisten Max Bruch
    • 2. Mai 1883 - Nazi-Widerständler Otto Weidt wird geboren

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vratz
    Redaktion: Sefa İnci Suvak

    15 min
  • Massenmedien: "The Times" erstmals mit Schnellpresse gedruckt

    Friedrich Koenig hieß der deutsche Erfinder der dampfgetriebenen Zylinderpresse. Die Schnelligkeit des Drucks war revolutionär. Am 29. November 1814 wurde "The Times" erstmals mit der Schnellpresse gedruckt.



    Was heute im britischen Parlament besprochen wird, ist bei der Londoner "Times" schon am nächsten Morgen zu lesen - bei den anderen Zeitungen dagegen erst am übernächsten Tag. Dank der Schnellpresse brechen für das Blatt goldene Zeiten an und in ganz Europa boomt der Zeitungsmarkt: Es ist der Beginn der Massenblatt-Ära.

    Die technische Revolution ist zugleich der Höhepunkt im Leben von Friedrich Koenig. Denn der 1774 in Eisleben als Sohn eines Bauern geborene Unternehmer ist der Erfinder dieser buchstäblichen "Zeit-Spar-Maschine".

    Schon 1802 kommt der junge Koenig auf die Idee mit der neuen Druckpresse, doch anfangs will davon niemand etwas wissen. Erst John Walter von der "Times" erkennt 1814 die Zeichen der Zeit und bestellt zwei der Doppelzylinderdruckpressen. Damit verschafft der Verleger seiner Zeitung einen entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.

    Die Original "Times"-Schnellpresse ist etwa 3,50 Meter lang, knapp zwei Meter hoch und komplett aus Metall. Das Auftragen der Druckerschwärze besorgt die Maschine selbstständig mit Färbewalzen. Mit mehr als 1.000 Bogen pro Stunde ist Koenigs Apparat viermal so schnell wie die herkömmlichen handbetriebenen Druckapparate - bei halbem Personaleinsatz.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:

    • wieso der Technikoptimismus des einen die Zukunftsangst der anderen ist,
    • weshalb man den Drucker von damals angeblich an seinem Gang erkennen kann,
    • und warum keine deutsche Zeitung zuschlägt und Koenig für den Erfolg seiner Maschine nach England auswandern muss.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Eckhard Rieck, Maschinenbau-Ingenieur, Historiker und Autor
    • Volker Jansen, Professor für Print-Media-Technologies an der Uni Stuttgart
    • Sonja Neumann, Kuratorin im Fachbereich Drucktechnik, Deutsches Museum München
    • Kathrin Fahlenbrach, Medienwissenschaftlerin und Medienrezeption, Uni Hamburg
    • Eckhard Rieck: Friedrich Koenig und die Erfindung der Schnellpresse. Wege eines Pioniers der modernen Unternehmensgeschichte (2015)
    • Benjamin Krebs: Handbuch der Buchdruckerkunst. Frankfurt a.M., 1827

    Weiterführende Links:
    • Spiegel: Wie Zeitungen zum Massenmedium wurden. Die Welt im Leserausch
    • Deutschlandfunk Kultur: Wie die "Times" die Medienwelt revolutionierte
    • Stichtag: 1. Januar 1785 - Erstausgabe der "Times"
    • Zeitzeichen: 3. Oktober 1932 - "The Times" erscheint erstmals in der Schrift "Times New Roman"

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor und Technik: Stephan Beuting
    Redaktion: Sefa İnci Suvak

    15 min
  • Wie ein Preuße die US-Armee schuf: Wilhelm von Steuben

    F.W. von Steuben (gestorben am 28.11.1794) wird vermutlich wegen seiner Homosexualität aus dem preußischen Militär entlassen. Dann spielt er eine entscheidende Rolle im US-Unabhängigkeitskrieg...



    Der preußische Ex-General Friedrich Wilhelm von Steuben von ist gerade zum wiederholten Male entlassen worden und braucht dringend einen neuen Job. 
    Auf der anderen Seite des Atlantiks verzweifelt zur gleichen Zeit George Washington an seiner Bauernarmee. Mit diesen ungehorsamen Männern, die zur Erntezeit einfach nach Hause fahren, lässt sich die englische Krone nicht besiegen. Einen preußischen Militärexperten könnten die neu gegründeten Vereinigten Staaten gut gebrauchen - also reist Friedrich Wilhelm von Steuben nach Amerika.

    Dort bringt der Preuße die Truppen mit mehr Hygiene, Training und Disziplin so auf Vordermann, dass sie am Ende sogar die Engländer besiegen. Friedrich Wilhelm von Steuben avanciert zum amerikanischen Kriegshelden. Nach seinem Tod am 28. November 1794 werden Denkmäler errichtet, jedes Jahr zieht zu seinen Ehren eine bunte Parade durch New York.

    Heute steht vor allem Steubens sexuelle Orientierung im Blickpunkt und hat ihn ins Zentrum aktueller US-amerikanischer Kulturkämpfe gerückt. Baron Friedrich Wilhelm von Steuben soll Männer geliebt haben, junge Männer. Während die LGBTQ-Szene ihn nun als queeren Militär feiert, der die amerikanische Geschichte mitgeschrieben hat, wollen christlich-konservative Amerikaner seine Denkmäler abreißen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • warum die Armee der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika hauptsächlich aus Bauern besteht,
    • wie Latrinen helfen, die Engländer zu vertreiben,
    • warum die Frage zur Sexualität des Preußen so schwer zu beantworten sind,
    • von der Steuben-Parade, zu der jährlich Vereine aus Deutschland in die USA reisen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Michael Hochgeschwender, Historiker, LMU München
    • Michael Hochgeschwender: Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation. 1763-1815. München 2018
    • Franz Fabian: Steuben. Ein Preuße in Amerika. Berlin 1996
    • Armin M. Brandt: Friedrich Wilhelm von Steuben. Preußischer Offizier und amerikanischer Freiheitsheld. Halle 2006

    Weiterführende Links:
    • 6.4.1798: George Washington wird zum ersten US-Präsidenten gewählt
    • 16.12.1773: Die Boston Tea Party
    • 17.9.1730: Friedrich Wilhelm von Steuben wird geboren

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    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: David Rother
    Technik: Annette Skrzydlo

    15 min
  • Auto-Fan Bertolt Brecht kauft einen Sportwagen (am 27.11.1949)

    Bertolt Brecht hat den Kapitalismus verachtet - aber schnelle Sportwagen geliebt. Und deshalb sogar einen Werbeslogan für die Marke "Steyr" geschrieben...



    Von einem rot-schwarzen Steyr träumt Bertolt Brecht schon lange. Die österreichische Automobilmarke hat Ende der 1920er Jahre eine Strahlkraft wie später Porsche oder Ferrari. Doch zunächst muss sich Brecht mit einem Opel begnügen, mehr gibt sein Budget nicht her. Erst mit dem Erfolg der Dreigroschenoper kann sich der Schriftsteller seinen ersten Steyr leisten. Doch die Gestapo beschlagnahmt sein Auto nur wenige Jahre später zusammen mit seinem Haus.

    Im dänischen Exil fährt Brecht einen Ford T - kein Vergleich mit einem Steyr. Er notiert: "Ford hat ein Auto gebaut; das fährt ein wenig laut; es ist nicht wasserdicht; und fährt auch manchmal nicht." Erst als er aus dem Exil zurück nach Berlin kommt, ist Bertolt Brecht wieder mit dem Wagen unterwegs, an dem sein Herz besonders hängt: Am 27. November 1949 kauft er einen gebrauchten, rot-schwarzen Steyr.

    Sein Traumauto wird später von der DDR-Polizei aus dem Verkehr gezogen. Ein 15 Jahre altes Auto auf der Straße? Eine Konsumverweigerung gegenüber der heimischen Autoindustrie, nahezu konterrevolutionär.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Jürgen Werth:

    • warum Brecht einige Autos wie Geliebte behandelt haben soll,
    • wofür der notorisch untreue Schriftsteller seine Autos außer für Ausfahrten noch genutzt hat,
    • warum der Minister für Kultur der DDR Bertolt Brecht in den fünfziger Jahren ein EMW Kabrio überlässt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner und -partnerinnen:
    • Erdmut Wizisla, langjähriger Leiter des Brecht-Archivs
    • Ursula Muscheler, Architekturhistorikerin
    • Egon Monk, Brecht-Schüler
    • Ursula Muscheler: Ein Haus, ein Stuhl, ein Auto. Bertolt Brechts Lebensstil. Berlin 2024.
    • Werner Hecht: Brechts Leben in schwierigen Zeiten. Berlin 2007.

    Weiterführende Links:
    • 06.05.1971: Helene Weigel stirbt
    • 14.08.1956: Bertolt Brecht stirbt in Ost-Berlin
    • 02.02.1954: Sie beherbergt Brecht im finnischen Exil: Hella Woulijoki
    • 17.01.1932: Uraufführung von "Die Mutter" von Brecht
    • 31.08.1928: Uraufführung der "Dreigroschenoper" von Brecht

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Jürgen Werth
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Holger Maerten und Antonia Herzog

    15 min
  • Verträumter Nonsens statt Moralerziehung: Alice im Wunderland

    Bei einem Bootsausflug mit der kleinen Alice Liddell erfindet Lewis Carroll die Geschichte, die später Dalí und die Beatles inspiriert. Am 26.11.1864 übergibt er ihr sein Manuskript.



    "Alice’s Adventures Under Ground" - so lautet der ursprüngliche Titel, den Charles Dodgson, besser bekannt als Lewis Carroll, 1864 seiner ersten Version der berühmten Erzählung gibt. Was als spontane Geschichte während eines Bootsausflugs auf der Themse beginnt, wird auf Drängen der zehnjährigen Alice Liddell, Dodgsons junger Zuhörerin, zu einem Manuskript - ausgestattet mit Zeichnungen des Autors selbst.

    Die Geschichte der jungen Alice ist weit mehr als ein Kinderabenteuer: Sie sprengt die Regeln viktorianischer Konventionen und belehrender Kinderliteratur. Statt Gehorsam und Moral zeigt Alice Mut, Witz und die Fähigkeit, im Chaos ihren eigenen Weg zu finden. Figuren wie die Grinsekatze, der Hutmacher oder die herzlose Herzkönigin, die absurde Logik und sprachliche Spielereien machen die Geschichte bis heute zu einem literarischen Phänomen.

    Im November 1864 überreicht Dodgson der kleinen Alice sein handgeschriebenes Manuskript. Doch dabei bleibt es nicht: Dodgson überarbeitet und erweitert sein Werk. Mit Unterstützung eines befreundeten Schriftstellers veröffentlicht er seine Geschichte 1865 schließlich unter dem Titel, den man bis heute kennt: "Alice’s Adventures in Wonderland".

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • warum der Mathematik-Dozent und Hobbyfotograf Charles Dodgson unter dem Pseudonym Lewis Carroll schrieb,
    • wer die zehnjährige Alice Liddell ist, die Carrolls Geschichte inspirierte,
    • wie Carroll reale Personen, Orte und Eigenheiten wie sein Stottern humorvoll in die Figuren des Buches einarbeitet,
    • und warum seine Fotos von Alice Liddell und anderen Kindern noch heute kontrovers diskutiert werden.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Lewis Carroll: Alles über Alice. Hamburg 2002.
    • Peter Hunt: Alice im Wunderland. Wie alles begann, Darmstadt 2021.
    • Thomas Kleinspehn: Lewis Carroll, Hamburg 1997.

    Und das ist unsere Interviewpartnerin:
    • Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans, Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum

    Weiterführende Links:
    • Klassiker der Weltliteratur – Lewis Carroll
    • British Library – The Original Alice
    • Planet Wissen – Kinderliteratur

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christian Kosfeld
    Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

    15 min
  • Deutsche Antwort auf Sherlock Holmes: Autorin Jenny Hirsch

    Die am 25.11.1829 geborene Schriftstellerin kämpft zeitlebens für die Unabhängigkeit von Frauen. Ihr Engagement finanziert sie selbst, mit unkonventionell verdientem Geld.



    Ein geheimnisvolles Buch. Geschrieben von Fritz Arnefeldt. Ein Kriminalroman - Ende des 19. Jahrhunderts ein ganz neues Genre in Deutschland. Im Buch versteckt sind kleine unterschwellige Botschaften, die eigentlich nicht zu einem männlichen Autor passen. Des Rätsels Lösung: Fritz Arnefeldt gibt es gar nicht. Die eigentliche Autorin ist Jenny Hirsch. Schriftstellerin, Redakteurin und Frauenrechtlerin.

    Hirsch wird am 25. November 1829 in Zerbst geboren, eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater ist Kaufmann, die Familie streng jüdisch. Früh beginnt Jenny Gedichte und Geschichten zu schreiben. Unter dem Pseudonym J. N. Heynrichs, ein Anagramm ihres Namens, sendet sie ab und an ihre literarischen Arbeiten an verschiedene Verlage. Unter ihrem richtigen Namen darf sie nicht veröffentlichen, da sowohl der Vater als auch ihre Verwandten in Zerbst ihre schriftstellerischen Ambitionen missbilligen.

    Doch aufgeben ist für Hirsch nie eine Option. Sie kämpft - nicht nur für ihre Rechte. Vielmehr wird Hirsch eine der führenden Persönlichkeiten der frühen bürgerlichen Frauenbewegung. Sie ist Mitinitiatorin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Leipzig, die erste Schriftführerin des "Vereins zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts" (später Lette-Verein) und Herausgeberin der Zeitschrift "Der Frauen-Anwalt".

    Neben all diesem Engagement findet Hirsch auch noch Zeit, um Romane zu schreiben - mit Subtext. So machen sich Frauen in ihren Büchern selbstständig oder werden Ärztin. Allein unter dem Pseudonym Fritz Arnefeldt soll sie 29 Krimis und Erzählungen geschrieben haben, die bis in den USA verkauft wurden. Aber irgendwann geht es nicht mehr. Jenny Hirsch erblindet im Alter und stirbt schließlich mit 72 Jahren in Berlin.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:

    • von Hirschs schwieriger Kindheit im kleinstädtischen Zerbst,
    • warum Hirsch trotz ihres Engagements in manchen Frauenkreisen nicht besonders gut gelitten ist,
    • welche Vorbilder aus dem wahren Leben Hirsch als Vorlage für ihre Romanfiguren dienen,
    • welches Buch von ihr im Internet heute Preise von über 1.000 Euro erzielt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:
    • Jana Mikota, Oberstudienrätin (Uni Siegen)
    • Jana Haase, Archivarin des Lette Vereins in Berlin
    • Marianne Brüning: Jenny Hirsch. Frauenrechtlerin, Redakteurin, Schriftstellerin; Jüdische Miniaturen (2004)
    • Jenny Hirsch: Ein seltsamer Fall. Ein Kriminalroman von 1912 (2019)

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 13. August 1818 - Geburtstag der amerikanischen Frauenrechtlerin Lucy Stone
    • Lette Verein Berlin

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    Autorin: Irene Geuer
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Patent für Stacheldraht: Das Ende der Cowboy-Ära?

    Am 24.11.1874 verändert ein Patent die USA und den Wilden Westen: Der Stacheldraht revolutioniert die Viehhaltung - und hat dramatische Folgen für Cowboys und Indianer.



    Das Prinzip ist simpel: Zwei lange, ineinander verdrillte Drähte und darin in kleinen Abständen eingearbeitet kurze Drähte, deren Enden angespitzt nach außen abstehen. Eine praktische Erfindung, dieser Stacheldraht: billig zu produzieren, auch auf große Distanzen einfach zu installieren und dabei so wirksam wie kein anderer Zaun. Am 24. November 1874 erhält der Farmer Joseph Glidden aus Missouri für diese Erfindung das US-Patent Nr. 157.124.

    Glidden ist nicht der Einzige, der sich an der Entwicklung eines stachelbewehrten Drahtzauns versucht hat. Als Erster hat er jedoch die Idee, die Metalldornen durch Verdrillen zweier Längsdrähte so zu fixieren, dass sie nicht mehr hin und her rutschen können. Mit einer umgebauten Kaffeemühle produziert Joseph Glidden die ersten Meter seiner flexiblen Stahlbarriere, die in kürzester Zeit das Gesicht des amerikanischen Westens grundlegend verändern wird.

    In diesem Zeitzeichen erweckt Autor Martin Herzog die Geschichte vom Stacheldraht und dem Ende der Cowboys auf Grundlage historischer Fakten zum Leben.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • Vom Reichtum des Stacheldraht-Erfinders und was Glidden mit dem Geld anfängt,
    • was Gliddens Stacheldraht von anderen unterscheidet und sicherer macht,
    • wie Glidden die skeptischen Texaner von seiner Erfindung überzeugt und sich anschließend vor Aufträgen nicht mehr retten kann,
    • wieso die Cowboys und auch die Indianer unter den zunehmenden Stacheldraht-Barrieren leiden.

    Das ist unsere wichtigste Quelle:
    • Olivier Razac: Politische Geschichte des Stacheldrahts. Prärie, Schützengraben, Lager. Zürich-Berlin 2003

    Weiterführende Links:
    • SWR2 Wissen: 14.03.1794: Patent für erste Baumwoll-Entkörnungsmaschine "Cotton Gin"
    • 23. Mai 1842 - John Bennet Lawes meldet Kunstdünger zum Patent an
    • 9. April 1872 - Patent für die Herstellung von Milchpulver
    • 28. Dezember 1886 - Erste funktionierende Spülmaschine patentiert

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Das geheime Leben der DDR-Elite: die Waldsiedlung Wandlitz

    Die Waldsiedlung Wandlitz, fast 30 Jahre exklusiver Wohnort für SED-Politbüromitglieder. Am 23.11.1989 gewährt erstmals eine TV-Reportage der Öffentlichkeit Einblick.



    Offiziell existiert die Waldsiedlung Wandlitz nicht. Das Gebiet ist auf keiner Karte verzeichnet. Es ist scheinbar Niemandsland. Die DDR-Öffentlichkeit erfährt nichts von der Siedlung. Intern gilt die Regel: Wer Mitglied oder Kandidat des SED-Politbüros wird, muss nach Wandlitz umziehen. Es reicht also nicht aus, nur Minister oder Vorsitzender einer Blockpartei zu sein.

    Im Herbst 1989 versucht das DDR-Fernsehen erstmals, die Siedlung zu besichtigen. Reporter Jan Carpentier fährt mit einem Kamerateam für die Jugendsendung "Elf99" dorthin, wo die politische Macht Ostdeutschlands wohnt. Doch sie werden abgewiesen. Es handele sich um ein militärisch gesichertes Objekt.

    Erst zwei Tage später, am 23. November, gibt es den ersten offiziellen Termin zur Besichtigung der Politbürosiedlung. Ein Mensch, der sich als Schmidt vorstellt, führt die Pressevertreter durch ein schon länger leer stehendes Wohnhaus und behauptet, die Einrichtung stamme aus DDR-Produktion. Nur einige Sanitärarmaturen seien importiert worden.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • in welchem Teil von Berlin die DDR-Führung zunächst wohnt,
    • was der russische Dichter Wladimir Majakowski damit zu tun hat,
    • warum die SED-Prominenz 1953 nach Berlin-Karlshorst umzieht,
    • wann sich die ersten Funktionäre in der Wandlitzer Waldsiedlung niederlassen,
    • wie das Haus von SED-Chef Walter Ulbricht ausgestattet ist.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Ulrich Mählert (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 14.07.1945: Beginn der "Blockparteien" in der Sowjetischen Besatzungszone
    • Zeitzeichen 22.04.1946: KPD und SPD vereinigen sich in Ost-Berlin zur SED
    • Zeitzeichen 17.06.1953: Aufstand in Ost-Berlin und in der DDR
    • Zeitzeichen 06.01.1990: Erste DDR-Tournee von Udo Lindenberg
    • IFL: Stelenrundgang in der Waldsiedlung Wandlitz
    • Bundesarchiv: Stasi-Dokumente zum "Politbüro des ZK der SED"
    • bpb.de: Institutionen der SED

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

    15 min
  • Start ins Chaos: Konferenz zur Rechtschreibreform (22.11.1994)

    Groß, klein, zusammen, getrennt - die deutsche Rechtschreibung ist voller Fallstricke. Mit einer Reform sollte sie vereinheitlicht und vereinfacht werden - mit gemischtem Erfolg.



    Fachleute aus der BRD, DDR, Österreich und der Schweiz beraten über viele Jahre, wie die Rechtschreibung einfacher, einheitlicher, verständlicher für Lernende werden kann: 1964 wird das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim gegründet, als wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung der deutschen Sprache.

    1987 beauftragt die Kultusministerkonferenz der Länder das Institut, ein Regelwerk zu erstellen. Sieben Jahre später ist es soweit. Vom 22. bis 24. November 1994 treffen sich Wissenschaftlerinnen, Fach-Beamte und Verbände zur Wiener Orthographiekonferenz. Sie empfehlen eine umfassende Rechtschreibreform.

    Schließlich beschließt die Kultusministerkonferenz die Einführung der neuen Rechtschreibung zum 1. August 1998. Als die Vorschläge bekannt werden, bricht eine Protestwelle los. Doch das Bundesverfassungsgericht entscheidet: Die Reform ist rechtmäßig und darf bis zum Jahr 2005 in Behörden, Verwaltungen, Schulen und Hochschulen eingeführt werden. Auch sie wird in den folgenden Jahren mehrmals reformiert.


    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • was Konrad Duden 1876 anlässlich einer ersten Rechtschreib-Konferenz erklärt,
    • welche wichtigen Änderungen die "Neue Rechtschreibung" von 1901 enthält,
    • wie viele Germanisten an der Wiener Orthographie-Konferenz teilnehmen,
    • warum 2004 der "Rat für Deutsche Rechtschreibung" gegründet wird,
    • wie wichtig das Lernen von Rechtschreibregeln trotz KI und Textprüf-Programmen ist.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Sabine Krome (Projektleiterin Orthographieforschung am Leibniz Institut für Deutsche Sprache Mannheim, Ex-Geschäftsführerin des "Rats für deutsche Rechtschreibung")
    • Ilpo Tapani Piirainen: Der Weg zur deutschen Rechtschreibreform von 1998. Zur Geschichte einer Kulturfertigkeit. In: Orbis Linguarum, 1999
    • Günther Thomé: Deutsche Orthographie: historisch - systematisch - didaktisch. Grundlagen der Wortschreibung. Oldenburg 2019

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Geschichte der Rechtschreibung
    • MoMa: 25 Jahre Rechtschreibreform
    • Rat für deutsche Rechtschreibung: Grundlagen der deutschen Rechtschreibung

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    Autor: Christian Kosfeld
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min

About WDR Zeitzeichen

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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George…

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