ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Todestag des Schriftstellers Marcel Proust (18.11.1922)
    Auch Menschen, die nie eine Zeile von ihm gelesen haben, kennen Marcel Proust. 2400 Seiten hat sein Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" und jede einzelne lohnt sich, sagen die, die es kennen. Das ZeitZeichen gibt eine Kurzfassung in 15 Minuten – das bewegte Leben des Autors eingeschlossen… Wenn ein Geruch oder Geschmack plötzlich bestimmte Erinnerungen wachruft, nennt man das mittlerweile Proust-Effekt. Eindeutig ein Beweis dafür, dass das in Lindenblütentee getauchte "Madeleine"-Gebäck aus Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" weit über den Nachruhm eines Superstars unter den Schriftstellern hinaus ein Begriff geworden ist. Auch für Leute, die nie eine Zeile von ihm gelesen haben. Und derer gibt es viele. Schließlich gilt diese regelrechte Zitadelle eines Buchs, bestehend aus sieben Teilen und 2400 Seiten zwar als ein Hauptwerk der Romanliteratur schlechthin, gleichzeitig aber auch als monumentaler Erinnerungserguss in Bandwurmsätzen eines der Aristokratie der Belle Epoque nachtrauernden affektierten Dandys. Erreichbar nur für die intellektuelle Elite. Dabei war der Mann, der dieses Porträt einer untergegangenen Gesellschaft in seinen 16 letzten Lebensjahren schrieb, ein ebenso kritischer wie humorvoller Zeitgenosse. Der u.a. durchaus auch witzige Persiflagen schreiben und entschieden für die Unschuld des als Verräter geltenden Hauptmanns Dreyfus eintreten konnte.
    14 min
  • Der Todestag von Gertrud der Großen (17.11.1301 oder 1302)
    Getrud von Helfta ist die einzige deutsche Heilige mit dem Beinamen "die Große". Tatsächlich war sie eine der herausragenden Frauen des Mittelalters. Teile der Bibel übersetzte Gertrud Jahrhunderte vor Martin Luther ins Deutsche. Wie konnten Frauen im Mittelalter ihre Talente und Fähigkeiten der Welt zeigen? Sie hatten damals zwei Möglichkeiten: Entweder sie wurden Königinnen oder sie gingen in ein Kloster. Beides war selten ihre eigene Entscheidung. Gertrud wurde – Mitte des 13. Jahrhunderts - bereits als Fünfjährige von ihrer Familie ins Zisterzienserinnen-Kloster Helfta bei Eisleben geschickt. Im Kloster erhielt das Mädchen eine umfassende Ausbildung, sowohl in der Theologie als auch in den damals so genannten freien Künsten. Gertrud, diese besondere Frau, wurde bald zur besonderen Gelehrten, zur Mystikerin, die die Theologie der Zeit vorangetrieben und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzt hat, übrigens Jahrhunderte vor einem gewissen Martin Luther. Gertrud starb am 17. November des Jahres 1301 oder – wahrscheinlicher – 1302. In der katholischen Kirche wird Gertrud von Helfta, auch die Große genannt, als Heilige verehrt.
    15 min
  • Der Geburtstag des Sprachgenies Emil Krebs (15.11.1867)
    Emil Krebs sprach 68 Sprachen. Die meisten davon brachte er sich innerhalb weniger Wochen selbst bei. 40 Sprachen beherrschte er so gut, dass er amtliche Übersetzungen für das Auswärtige Amt anfertigen durfte. Sein Gehirn wurde nach Emil Krebs' Tod untersucht – faszinierend bleibt das Sprachgenie bis heute… Geboren als Sohn eines Zimmermeisters, war Emil Krebs schon als Jugendlicher der Sprachunterricht in der Schule zu wenig. Autodidaktisch lernte er einfach weiter und fand dann am orientalischen Seminar der Universität Berlin schnell zum Chinesischen. Eine ebenso herausfordernde wie gesuchte Sprache: Im Kaiserreich trieben deutsche Unternehmen immer eifriger Handel mit China, 1897 verleibte sich das Deutsche Reich die Gegend um Qingdao als sogenanntes Schutzgebiet ein. Emil Krebs arbeitet schon seit 1893 in Peking für die deutsche Gesandtschaft als Übersetzer – und ist dort oft der einzige, der die fremde Sprache überhaupt spricht. Bald geht er in gebildeten chinesischen Familien ein und aus, wird später sogar von der Witwe des Kaisers empfangen – und ist wohl nicht wirklich überzeugt von der ausbeuterischen und gewaltsamen Kolonialpolitik seines Auftraggebers. Mit dem Ersten Weltkrieg geht das deutsche Kolonialabenteuer zu Ende, was Emil Krebs zunächst ermöglicht, sich ganz seinen Sprachstudien zu widmen: 68 Sprachen versteht und spricht er, seine Privatbibliothek umfasst Schriften in insgesamt 111 Sprachen. Versuche, ihm eine wissenschaftliche Anstellung zu verschaffen, scheitern – ob aus akademischem Hochmut gegenüber dem Autodidakten oder weil Krebs weiterhin dem Auswärtigen Amt als Dolmetscher verbunden bleibt, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Allerdings: Nach seinem Tod wird Krebs für die Wissenschaft noch einmal auf ganz konkrete Weise interessant. Forscher untersuchen sein Gehirn – und entdecken, dass ein für Sprachproduktion relevantes Areal im Schläfenbereich bei Emil Krebs besonders ausgeprägt war.
    15 min
  • Der Geburtstag von Barbara Hutton (14.11.1912)
    Barbara Hutton war einmal die reichste Frau der Welt. Zu einem glücklichen Leben hat ihr das nicht verholfen. Sie wird als "armes reiches Mädchen" in die Geschichte eingehen: Sie ist sieben Mal prominent, aber unglücklich verheiratet, verprasst ihr Erbe des Woolworth-Konzerns und stirbt einsam. Barbara Hutton hatte alles und doch nichts. Ihre Eltern verliert sie früh. Mit sieben Jahren wird die Enkelin des Woolworth-Gründers Alleinerbin und erhält ein riesiges Vermögen. Barbara Hutton lebt damit so verschwenderisch, dass es unter den Woolworth-Mitarbeitern zu Protesten kommt. Doch die Jetsetterin gibt ihr Geld weiter mit vollen Händen aus. Mehrere Millionen verschlingen allein die Scheidungen. Die Kaufhauserbin führt sieben kurze Ehen mit illustren Partnern: mit Prinzen, einem Fürsten, einem Playboy, einem Polospieler und mit dem Schauspieler Cary Grant. Als sie ihrem langjährigen Freund, dem Tennisprofi Gottfried Freiherr von Cramm, das Ja-Wort gibt, scheint es, als habe sie ihr Glück gefunden, doch auch diese Ehe scheitert. Das "arme reiche Mädchen" sucht Trost in Drogen und Alkohol. Als Huttons einziges Kind 1972 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, verliert sie ganz den Boden unter den Füßen. Durch die zahlreichen Scheidungen ausgebeutet, stirbt Barbara Hutton im Mai 1979 mit 66 Jahren einsam und verbittert in einem Hotel in Los Angeles.
    15 min
  • Der Geburtstag des Doppelagenten George Blake (11.11.1922)
    Spione gelten als irgendwie zwielichtige Gestalten. Aber was ist dann ein Doppelagent? Doppelt fragwürdig? George Blake hätte das Gegenteil behauptet: Seine Tricks und Täuschungen zwischen Ost und West im Kalten Krieg fand er hochmoralisch! Die ersten Zweifel an der vermeintlich weißen Weste des Westens kamen George Blake, so schilderte er es, im Koreakrieg. Dort erlebte er US-Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung mit – und wurde in nordkoreanischer Gefangenschaft, ausgerechnet, zum überzeugten Kommunisten, bald darauf zum Doppelagenten. Fortan spitzelte er also anscheinend für den Weltfrieden. Gehirnwäsche oder ehrliche Überzeugung? Für Blake spricht, dass er schon vor dem Kalten Krieg einen klaren Kompass hatte. Geboren als Sohn niederländisch-ägyptischer Juden, war er im von den Nazis besetzen Holland im Widerstand aktiv gewesen. Von den Briten wurde er dann ins Berlin der Nachkriegszeit entsandt – und gab dort etliche Interna der westlichen Geheimdienste an die Sowjets weiter. Eine Topquelle also, weswegen er bei seiner Enttarnung 1961 nicht auf Gnade hoffen konnte: 42 Jahre Freiheitsstrafe, die Blake durch eine spektakuläre Flucht bedeutend verkürzte und fortan in der Sowjetunion lebte. Er starb 2020 in Moskau – hochdekoriert, sogar von Putin höchstpersönlich.
    15 min
  • Das erste Buch in Reclams Universal-Bibliothek (10.11.1867)
    Die Bücher sind handlich wie ein Handy, doch bei Schülerinnen und Schülern längst nicht so beliebt. Generationen haben die gelben Reclamhefte gelesen, manchmal gemocht, oft verflucht und zerfleddert. Heute werden die kleinen Bändchen mit großer Literatur 155 Jahre alt. Am 10. November 1867 kommen die ersten Büchlein von Reclams "Universal-Bibliothek" auf den Markt. Der Leipziger Verlag startet mit Goethes "Faust I". Den Klassiker im Kleinformat gibt´s für kleines Geld; er kostet 2 Silbergroschen und ist schnell vergriffen. Weitere Werke großer Schriftsteller folgen. Eine Änderung des Urheberrechtes macht es dem Reclam-Verlag möglich, Weltliteratur im Westentaschenformat zu drucken. Die Rechte eines Schriftstellers erlöschen seitdem 30 Jahre nach dem Tod des Urhebers; seine Texte sind gemeinfrei. Mehr als 100 Jahre sind die Reclam-Hefte blassrot oder beige. 1970 bekommen sie ihren markanten gelben Einband.
    14 min
  • Die erste Sherlock Holmes Erzählung erscheint (im November 1887)
    Sherlock Holmes ist ohne Zweifel der berühmteste Detektiv der Welt. Und das, obwohl er nie gelebt hat. Vor 135 Jahren erblickte Holmes das Licht der literarischen Welt und bis heute findet er immer wieder neue Fans. Der nur mäßig erfolgreiche Arzt und Hobbyschriftsteller Arthur Conan Doyle ist froh, als er seine Detektivgeschichte "Eine Studie in Scharlachrot" endlich einem Verlag verkaufen kann. In "Beeton's Christmas Annual" erscheint 1887 die Erzählung, deren Hauptfigur Sherlock Holmes nun ihren Siegeszug antritt. Das Publikum schreibt dem fiktiven Detektiv wäschekörbeweise Fanpost und nicht nur das. Als der von seiner Figur genervte Doyle seinen Detektiv am Reichenbachfall den Heldentod sterben lässt, besteht das Publikum sogar auf der Wiederauferstehung des Meisterdetektivs. Doyle fügt sich. Von seinem Charme hat Sherlock Holmes bis heute nichts eingebüßt. Über die Jahrzehnte hat es unzählige Holmes-Adaptionen gegeben. Eine preisgekrönte BBC-Serie holte den Meisterdetektiv jüngst sogar ins Hier und Jetzt und sorgte so weltweit für ein neues Sherlock-Fieber.
    14 min
  • Der Bau des Drei-Schluchten-Staudamms in China beginnt (8.11.1997)
    Es ist bis heute das größte Wasserkraftwerk der Erde: Heute vor 25 Jahren begann die Umleitung des Jangtse, Chinas größtem und wildesten Fluss. Es war der Start des "Drei-Schluchten-Staudamm", ein Musterbeispiel chinesischer Gigantomanie. Schon vor dem Baubeginn sorgte die Aufstauung des Flusses Jangtsekiang weltweit für Debatten und Proteste. Es war ein gewaltiger Eingriff des Menschen in die Natur: der Jangtse sollte endlich "gebändigt" werden. "Zum Schutz der Menschen", so die Befürworter. Dazu wurde der Strom auf einer Länge von 650 Kilometern aufgestaut. 1,4 Millionen Anwohner wurden zwangsweise umgesiedelt, Fabriken geschlossen, Tempelstätten überflutet. Chinas Ministerpräsident Li Peng setzte sich über alle Bedenken hinweg. Offizielle Baukosten: 27 Milliarden Euro. 2012 gingen die letzten der heute 32 Turbinen unter der 185 Meter hohen Betonstaumauer in Betrieb und liefern Energie für Chinas Weltmachts-Ambitionen. Aber auch den Stoff für weitere Proteste: Schon nach wenigen Jahren traten die befürchteten Schäden ein: Trockenheit, niedrige Flusspegelstände, fehlende Sedimentablagerungen, Artensterben.
    15 min
  • Der Geburtstag von Marie Curie (7.11.1867)
    An der Warschauer Universität waren Frauen damals nicht zugelassen, also studierte die begabte Maria Sk?odowska in Paris. Zwölf Jahre später war Marie Curie eine der bekanntesten Frauen Europas, als sie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie den Nobelpreis für Physik erhält. Weitere acht Jahre später folgt der Nobelpreis für Chemie. Der Weg zum Erfolg war schwierig. Um in Paris studieren zu können, arbeitete Marie Curie nebenbei als Gouvernante und auch ihre ersten Forschungen musste die junge Physikerin mit Nebenjobs finanzieren. Besonders bekannt wurde Marie Curie wegen ihrer Forschung über Radioaktivität. Doch diese Arbeit machte sie krank. Sie starb aufgrund der Strahlung, der sie selbst stets bei ihren Experimenten ausgesetzt war, am 4. Juli 1934 im Alter von 66 Jahren.
    15 min
  • Der Geburtstag der "grauen Eminenz" Père Joseph (4.11.1577)
    Père Joseph war tiefreligiös und gleichzeitig ein skrupelloser Machtmensch – ein Leben zwischen Mystik und Politik. Um ihn von den Kirchenmännern in roten Roben zu unterscheiden, nannte man Bruder Joseph "graue Eminenz": bis heute der Begriff für arglistige Strippenzieher im Hintergrund. Der französische Kapuzinermönch wurde als Schurke und auf Abwege geratener Ordensmann diffamiert, wurde fanatisch und grausam genannt. Er galt aber auch als herausragender Geistlicher und bedeutender Berater mit politischem Fingerspitzengefühl. Er lebte in einer Zeit, in der die Kirche viel politische Macht hatte: Bruder Joseph war der Beichtvater und engst Mitarbeiter Kardinal Richelieus – der wiederum Frankreichs Premierminister unter König Ludwigs XIII. war. Der Kapuziner Père Joseph hat den Begriff "Graue Eminenz" geprägt. Denn so nannte man den einflussreichen Flüsterer hinter dem großen Staatsmann – seinerseits auch "Rote Eminenz" tituliert. Diskret und unscheinbar, aber einfach der Mann, an dem keiner vorbeikommt. Drahtzieher des weltweiten geheimen Informantennetzes seiner Ordensbrüder, Schriftleiter eines offiziellen Verlautbarungsorgans, persönlicher Gesandter des Kardinals bei internationalen Konferenzen, aber auch Unterhändler in eigener Sache: dem Traum eines erneuten Kreuzzuges. Fast wäre es Père Joseph gelungen, die christlichen Fürsten Europas noch einmal gegen die Osmanen zu einen. Aber der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges verlangte im Interesse Frankreichs kompliziertere Allianzen, sogar mit den Protestanten, um die Vormachtstellung der katholischen Habsburger zu schwächen…
    15 min

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