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ZeitZeichen episodes

  • Der Bundestag ratifiziert den Maastricht-Vertrag (2.12.1992)
    Die Debatte war ernsthaft, differenziert und kontrovers - doch das Abstimmungsergebnis fiel eindeutig aus: 543 Abgeordnete stimmten am 2. Dezember 1992 für den Vertrag über die Europäische Union. Der sog. Maastricht-Vertrag war ein Jahr zuvor von Bundeskanzler Kohl und den anderen Staats- und Regierungschefs in der niederländischen Grenzstadt beschlossen worden. Es war der Einstieg in eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Begründung einer Wirtschafts- und Währungsunion – inklusive einer gemeinsamen Währung. Bis zur Einführung des Euros in den Lebensalltag sollten aber noch zehn Jahre vergehen. Gerade mit dieser Frage beschäftigten sich viele Sorgen: Würde die "harte" D-Mark für einen "weichen" Euro aufgegeben? Würden deutsche Steuerzahlende künftig für verschuldete europäische Nachbarstaaten geradestehen müssen? Für den Maastricht-Vertrag musste das Grundgesetz in mehreren Artikeln angepasst werden. Am 1. November 1993 trat er in Kraft.
    15 min
  • Der Geburtstag der Dichterin Anna Louisa Karsch (1.12.1722)
    Ihre Lebensgeschichte liest sich wie ein Horrorroman, ein Beispiel weiblicher Unterdrückung und Rechtlosigkeit – aus der sie sich durch ihre Begabung zumindest teilweise befreien konnte: die Dichterin Anna Louise Karsch, geboren am 1. Dezember 1722. Die Gastwirtstochter wurde nach dem Tod des Vaters abgeschoben: Zu Verwandten, die ihr immerhin Lesen und Schreiben und etwas Latein beibrachten - bis die Mutter sie als Magd und Kuhhirtin zurückholte und später zweimal in eine Ehe mit einem brutalen, saufenden Mann zwang. Sie bekam sieben Kinder, bis sie sich aus ihrem Ehegefängnis befreien konnte. Trotz allem aber schrieb sie: Gedichte von solcher Kraft, Trauer und Herzenswärme, dass "die Karschin", wie man sie nannte, zu einer der bekanntesten deutschen Dichterinnen ihrer Zeit wurde. Dennoch blieb sie arm, weil sie als unverheiratete Frau nicht über ihr Geld verfügen durfte, wäre vielleicht sogar verhungert, wenn befreundete Künstler sie nicht unterstützt hätten. Später schenkte der preußische König der "deutschen Sappho" – wie der Dichter Ludwig Gleim sie pries - ein Haus in Berlin, in dem sie viele berühmte Kollegen empfing. Doch nach ihrem Tod 1791 teilte "die Karschin" das Schicksal vieler Künstlerinnen: ihr Nachlass wurde schlecht verwaltet, ihr Werk - und damit auch sie selbst - allmählich vergessen. Trotz ihrer Grabinschrift: "Kennst du, Wandrer, sie nicht/ So lerne sie kennen."
    15 min
  • Das erste Fußballländerspiel (30.11.1872)
    Das allererste Länderspiel der Fußballgeschichte war eine Nullnummer. Dabei spielte England damals mit acht Stürmern. Das Match fand nicht im Mutterland des Fußballs statt, sondern auswärts, im schottischen Glasgow. Und dann auch noch in einem Cricketstadion! Die immerhin 4000 Zuschauer waren enttäuscht. Auch, weil ihr schottisches Team den technisch besseren Engländern klar unterlegen war und nur mit viel Glück und leidenschaftlicher Abwehrarbeit ein schmeichelhaftes 0:0 erkämpfte. Dabei standen damals 14 Stürmer auf dem Platz, denn England hatte acht Stürmer in der ersten Elf nominiert, Schottland sechs. Die einzige Pressezeichnung des Events zeigt bärtige Männer in unterwäsche-ähnlicher Sportkleidung und ein Tor, das aus zwei Latten und einer gespannten Leine bestand. Immerhin: Beide Mannschaften gingen nach dem Spiel gemeinsam essen. Wir wissen heute: Der mühsame Beginn war kein Hindernis für die Erfolgsgeschichte der Weltsportart Nummer eins.
    15 min
  • Der Geburtstag des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti (29.11.1797)
    "Ich wurde unter der Erde in Borgo Canale geboren. Man stieg die Treppe hinunter in den Keller, wohin nie ein Sonnenstrahl drang. Und wie eine Eule flog ich hinaus." Diese Inschrift auf einer Marmortafel im Haus Borgo Canale Nr. 14 zitiert den später weltberühmten Komponisten, der als fünftes von sechs Kindern einer Textilarbeiterfamilie in einem Armenviertel in Bergamos Oberstadt zur Welt kam: Gaetano Donizetti. Seine musikalische Entwicklung verdankt er seinem "zweiten Vater", dem bedeutenden Opernkomponisten Johann Simon Mayr, der an Bergamos Musikschule die außerordentliche Begabung Donizettis erkannte und förderte. Nach der soliden Ausbildung bei Mayr und später bei Padre Mattei in Bologna brachte Donizetti bereits mit Anfang 20 in Venedig seine erste Oper heraus. Bildliche Vorstellungskraft, Theaterinstinkt und Melodienreichtum kennzeichnen sein Opernschaffen, das 70 Werke umfasst. Die meisten werden erst seit einigen Jahrzehnten wiederentdeckt, wie zum Beispiel beim jährlichen Donizetti-Festival in seiner Geburtsstadt Bergamo Ende November.
    15 min
  • Die Entdeckung des ersten Pulsars (28.11.1967)
    Signale außerirdischen Lebens oder die Impulse gestorbener Sterne? Den Radioastronomen Jocelyn Bell und Anthony Hewish fiel die Unterscheidung 1967 noch schwer – bis sie erkannten, dass sie ein neues Phänomen im Weltall entdeckt hatten – Pulsare. Die schnell rotierenden Reste gestorbener Sterne gehören heute zum bekannten Standard der Radioastronomie, und können sogar Teile von Einsteins Relativitätstheorie beweisen. Das Weltall besteht tatsächlich aus unendlichen Weiten, Sterne liegen galaxienweit auseinander. Explodiert ein Stern in einer Supernova, so entsteht ein aufgeladener Gasnebel. Die Reste des Sterns verdichten sich in diesem Nebel zu einem kosmischen Ball, der sich mit irrsinniger Geschwindigkeit um sich selbst dreht. Die von ihm ausgesandte Energie strahlt in regelmäßigen Abständen ins Weltall, wie bei einem Leuchtturm – der Stern pulsiert. Sehen kann man dieses Pulsieren kaum – aber die Radiowellen mit einer großen Antenne messen. Zum ersten Mal gelang diese Messung der Radioastronomin Jocelyn Bell. Die Signale waren so regelmäßig, dass Bell und ihr Doktorvater Anthony Hewish sie zunächst für außerirdische Funksignale hielten. An dieser Ansicht halten heute nur noch Laien fest – etwa 1700 Pulsare sind mittlerweile bekannt, in unterschiedlichen Formen. Mit ihrer Hilfe war es möglich, die Existenz von Gravitationswellen zu beweisen – und damit einen Teil der Einstein'schen Relativitätstheorie. Hewish erhielt für die Entdeckung später den Nobelpreis, die eigentliche Entdeckerin Bell wurde übergangen.
    14 min
  • Der Todestag des Ethnologen und Weltreisenden Wilhelm Joest (25.11.1897)
    Wilhelm Joest war Forscher, Ethnologe, Weltreisender. Ein aufmerksamer Beobachter, ein humorvoller Erzähler. Anderen gilt er als kolonialer Sammler, der Artefakte von den verdrängten Naturvölkern mitbrachte. Darf man sein gesammeltes Erbe behalten? Der Kölner Wilhelm Joest war ein sehr komplexer Mensch. Einer, der auf seinen Reisen auch mal eine Verkostung von Kölnisch Wasser organisierte, weil er erfahren hatte, dass in anderen Völkern das Parfum getrunken wurde. Hinter der Jovialität verbarg sich eine Sammelleidenschaft, die man auch Sammelwut nennen könnte. Wie viele Forscher seiner Zeit ging er davon aus, dass die so genannten Naturvölker künftig verschwinden würden. Von seinen Reisen brachte er also Speere, Pfeile, Kleidung, Schmuck, Skulpturen oder Tabakdosen mit. Schwester und Schwager ließen dafür ein Museum in Köln bauen. Joest hat vieles auf seinen Reisen getauscht und auch gekauft und doch wird heute kritisch mit seinem gesammelten Erbe umgegangen. Kann man seine ethnografische Sammlung behalten?
    15 min
  • Der Geburtstag Baruch de Spinoza, niederländischer Philosoph (24.11.1632)
    Dieser Mann ist eine Gefahr für die abendländische, "wahre" Religion. Sagen seine Gegner. Baruch de Spinoza gilt als einer der ersten säkularen Juden – das macht ihn in den Augen seiner Feinde zu einem gefährlichen Atheisten. Zu Lebzeiten wird er gehasst, verspottet und verfolgt. Die jüdische Gemeinde schließt ihn aus und die katholische Kirche setzt Spinozas Werke auf den Index. Er zählt zu den ersten westlichen Philosophen, die gedanklich einen Rechtsstaat entwerfen, der politische und religiöse Mächte trennt und die Gewissens- und Meinungsfreiheit des Einzelnen garantiert. In der Frühen Neuzeit und noch in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts wird Spinozas Philosophie als die bei weitem gefährlichste Bedrohung wahrgenommen für Religion, staatliche Ordnung und ein philosophisch akzeptables Weltbild. Die Bibelkritik des 19. Jahrhunderts nimmt er vorweg. 1632 wird er im Amsterdamer Judenviertel geboren. Hierhin ist seine Familie einst aus Portugal geflohen, vor dem christlichen Terror. Als er sein Hauptwerk "Ethik" veröffentlicht, gilt er im eigenen Land als Ketzer. Dabei ist er einer der radikalsten Philosophen der frühen Neuzeit. Erst lange nach seinem Tod im Jahr 1677 erhält er die Anerkennung, die seinem Denken gebührt.
    15 min
  • Das Landgericht Osnabrück verkündet sein Urteil gegen Bruno Fabeyer (23.11.1967)
    Tausende von Polizisten fahnden nach Bruno Fabeyer. Dem "Moormörder", der einen Kollegen erschossen hat. Schützen- und Jagdvereine helfen über Monate bei der Suche. Fabeyer wird gefasst und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Aber ist er der geborene, unverbesserliche Verbrecher, als der er dargestellt wird? Es war die bis dahin größte Fahndung in der Geschichte der Bundesrepublik. Tausende von Polizisten, aber auch Schützen- und Jagdvereine beteiligten sich über Monate an der Suche nach Bruno Fabeyer- dem "Moormörder", der sein Leben zwischen Knast und Landstraße verbracht hatte. Einen Polizisten hatte Fabeyer auf der Flucht erschossen und einen Postbeamten angeschossen. Als er schließlich verhaftet und vom Osnabrücker Landgericht zu lebenslangem Zuchthaus verurteiltet wurde, war das öffentliche Bild eindeutig: Fabeyer war der geborene, unverbesserliche Verbrecher. Doch stimmt dieses Bild? Denn die Geschichte lässt sich auch ganz anders erzählen. Und sie hat dann viel mit der deutschen NS-Vergangenheit zu tun.
    15 min
  • Die 6. Armee im Kessel von Stalingrad (22.11.1942)
    Im Grunde ist Stalingrad nur ein Nebenschauplatz des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion. Doch die Stadt Stalins an der Wolga wurde für Hitler zur Obsession. Der Kampf um die Stadt kostet 700.000 Menschen das Leben. Operation Blau lautet 1942 der Deckname für die Sommeroffensive der Wehrmacht im deutschen Angriffskrieg auf die Sowjetunion. Sie galt der Sicherung der Ölfelder im Kaukasus. Bei Stalingrad soll die Wolga, Russlands Lebensader und wichtiger Transportweg, abgeschnitten werden. Am 23. August 1942 beginnt die Schlacht von Stalingrad, während der rund 1 Million deutscher Bomben auf die Stadt geworfen werden. Am 19. November 1942 startet die Rote Armee ihre erfolgreiche Gegenoffensive, bereits am 22. November sind rund 300.000 Soldaten der Wehrmacht und verbündete Truppen aus Rumänien, Italien und Ungarn vollständig eingekesselt. Hitler befiehlt, die Stadt zu halten. Doch die Versorgung der Eingeschlossenen aus der Luft wird zum Fiasko. Am 2. Februar 1943 kapitulieren die noch lebenden schätzungsweise 130.000 Soldaten. Die Deutschen erfahren davon zunächst nichts, bereits mit der Einkesselung waren alle Bilder aus Stalingrad aus der Wochenschau verschwunden. Auch dass es Überlebende gab, wird verschwiegen. Die 6. Armee, heißt es, habe sich geopfert für die Größe Deutschlands. Nur rund 6.000 der Gefangenen kehren in die Heimat zurück, die meisten erst Mitte der 1950er Jahre.
    15 min
  • Der Todestag der Schriftstellerin Maxie Wander (21.11.1977)
    Maxie Wander war bereits todkrank, als ihr 1977 mit dem Buch "Guten Morgen, du Schöne" ein Sensationserfolg gelang. "Ich habe nicht nach äußerer Dramatik gesucht oder persönlicher Übereinstimmung. Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden." Auch ihr eigenes Leben ist "mitteilungswürdig": Die Österreicherin, 1933 in Wien geboren, war 1958 mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Fred Wander, in die DDR gezogen. Sie arbeitete als Sekretärin, Fotografin und Journalistin, bevor sie ihre ganz eigene literarische Form fand. Ihr Bucherfolg wird nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen begeistert gefeiert. 19 Frauen, von der Serviererin bis zur Kunst-Dozentin, von der Schülerin bis zur Großmutter, reden über Arbeit und Politik, über Liebe, Sex und die Suche nach Glück. Dabei geben sie einen erstaunlich tiefen Einblick in ihr Leben, in ihre Hoffnungen und Sehnsüchte. Die "Protokolle nach Tonband" sind allerdings nicht wortgetreu wiedergegeben, sondern literarisch bearbeitet. Maxie Wander hat sie gekürzt und verdichtet, das ein oder andere auch hinzugefügt. Nur wenige Monate nach dem Erscheinen des Buches starb Maxie Wander an Krebs.
    15 min

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