ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Adolph Freiherr von Knigge veröffentlicht sein Werk "Über den Umgang mit Menschen" (2.1.1788)
    "Der Knigge" ist zum Gattungsbegriff für Benimmregeln geworden. Dabei geht es in dem Buch "Über den Umgang mit Menschen" um große Ideen wie Respekt und Anstand, und nicht ums Falten von Servietten oder Dresscodes... Das Werk des Freiherrn von Knigge wurde in viele Sprachen übersetzt und ist auch 235 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch ein Kultbuch. Adolph Franz Friedrich Freiherr von Knigge schrieb es ein Jahr vor Ausbruch der Französischen Revolution. Es machte ihn unsterblich, allerdings nicht als radikalen Aufklärer, sondern als "Benimmpapst". Denn im Laufe der Zeit wurde es immer mehr zu einem Ratgeber in Fragen der sogenannten Etikette umgemodelt. Ein Missverständnis, denn der Knigge in der Erstausgabe von 1788 ist eine Anleitung zum rücksichtsvollen Umgang mit Menschen. Es geht um Respekt und Anstand: "Die Kunst des Umgangs mit Menschen besteht darin, sich bemerken, geltend und geachtet zu machen, ohne beneidet zu werden."
    15 min
  • John Banister veranstaltet erste öffentliche Konzerte in London (30.12.1672)
    Seinen Namen kennt heute kaum jemand, und doch schrieb John Banister Musikgeschichte: In einer Kneipe im anrüchigen Londoner Stadtteil Whitefriars ereignete sich der Urknall der europäischen Konzert-Kultur. Dort veranstaltete der Komponist und königliche Geiger John Banister am 30. Dezember 1672 einen musikalischen Nachmittag, mit Lautenliedern, Instrumentalstücken, Tänzen. Für einen Shilling konnte sich das Publikum Musikstücke wünschen, zuhören oder sich unterhalten, rauchen, trinken, Billiard spielen. Mit diesem Ereignis beginnt die bürgerliche Musik-Kultur in Europa. Denn zuvor waren solche Vergnügungen dem Adel und den Höfen vorbehalten. In der Kirche diente Musik dem Gottesdienst, nicht der Unterhaltung. John Banister war mit seiner Konzertreihe aber ein kommerziell orientierter und erfolgreicher Musik-Unternehmer. Sein Beispiel wurde in ganz Europa nachgeahmt. Es entstand ein Musik-Markt, eine neue Form des Musik-Hörens. In ganz Europa entstanden Konzertgesellschaften, die eigene Reihen organisierten und Konzert-Säle einrichteten. Dort konnten sich Musikfreunde versammeln, neue und alte Werke hören, sich austauschen. Eine solche Konzertkultur gehört heute zum gesellschaftlichen Leben. Es gibt unterschiedliche Konzertformen, um Publikum zu erreichen: in einzigartigen Gebäuden wie dem Wiener Konzertverein oder der Elbphilharmonie, unter freiem Himmel, für Babys oder Demenzkranke, für Jugendliche in Clubs oder als Event in rohen Industriehallen, ob live oder im Internet. John Banister ist heute vergessen. Doch begraben wurde er 1679 in der Nähe von Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und Queen Elisabeth I. in Westminster Abbey.
    15 min
  • John Archibald Wheeler etabliert die Bezeichnung "Schwarzes Loch" (29.12.1967)
    Schwarze Löcher, die alles verschlingenden Schwerkraftmonster, sind ebenso faszinierend wie unbegreiflich. Bald nachdem Isaac Newton Ende des 17. Jahrhunderts sein Gravitationsgesetz entdeckte, spekulierte man über Sterne, deren Schwerkraft selbst das Licht gefangen hält. Schwarze Sterne sozusagen... Die frühen Gedankenkonstrukte über die astronomischen Lichtstaubsauger wurden bald wieder vergessen. Bis Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie Anfang des 20. Jahrhunderts die Phantome wiederbelebte. Als man Ende der 1930er den Kollaps von Sternen untersuchte, bekamen sie Konturen. Aber erst 1972 entdeckten Astronomen einen Kandidaten im Sternbild Schwan und bald darauf machte John Wheeler die Bezeichnung "Black Hole" populär. Heute können Astronomen sie sogar fotografieren, etwa das supermassive Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße. Doch wie's in Schwarzen Löchern aussieht, bleibt ihr Geheimnis, denn dort versagt die heutige Physik.
    15 min
  • Der Todestag des Komponisten Maurice Ravel (28.12.1937)
    Ein paar Takte genügen – und die meisten erkennen den weltbekannten "Bolero". Doch was weiß man über seinen Schöpfer, den scheuen Maurice Ravel? War er ein herzloses Musikkonstrukteur, wie manche Zeitgenossen ätzten? Warum sind seine Melodien dann so berührend? Geboren wurde Maurice Ravel 1875 als Sohn eines Ingenieurs und Tüftlers. Als er dann einer der wirkmächtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts geworden war, Schöpfer jenes populären "Bolero", der 1928 das Pariser und bald ein Weltpublikum erregte, nannte ihn der Kollege Strawinsky einen "schweizer Uhrmacher". Tatsächlich ist Ravel ein Feinmechaniker der Musik, ein Zauberkünstler der Klänge. Ein kleiner Mann mit der zarten Statur eines Jockeys, privat scheu, der auf gepflegte Kleidung Wert legte: ein Dandy. Von Liebesbeziehungen wissen wir nichts: War Ravel ein herzloser Konstrukteur? Warum aber fasziniert uns seine Musik? Am 28. Dezember 1937 starb Maurice Ravel nach einer Gehirnoperation.
    14 min
  • Der Geburtstag des französischen Naturwissenschaftlers Louis Pasteur (27.12.1822)
    Als Louis Pasteur heute vor 200 Jahren geboren wird, kursieren nur unklare Theorien darüber, was ansteckende Krankheiten auslöst oder Lebensmittel verderben lässt. Pasteurs Forschungen hat die Menschheit Impfungen und Verfahren zur Haltbarmachung von Lebensmitteln zu verdanken. "Man muss arbeiten." Nach diesem Motto lebte der französische Forscher Louis Pasteur. Zu seinen größten Leistungen zählt die Zähmung von Mikroben durch Pasteurisierung und Impfungen. Die schützen bis heute Lebensmittel und Menschen vor Keimen. Schon zum Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn ist Louis Pasteur erfolgreich, im Bereich Kristall-Chemie. Pasteur ist ein genauer Beobachter, und diese Gabe bringt ihm auch Erfolge, als er sich Prozessen wie der Gärung zuwendet. Er kann zeigen, dass Fäulnis und Co von bestimmten Arten von Mikroben ausgelöst werden. Pasteur sucht immer auch nach praktischen Lösungen. Basierend auf seinen Erkenntnissen werden in Frankreich bald darauf Wein und Bier, später auch Milch durch sanftes Erhitzen vor dem Verderben durch ungewollte mikrobielle Aktivität geschützt. Die Rolle von Mikroben bei Infektionskrankheiten klärt Pasteur zunächst bei Nutztieren wie Seidenraupen und Geflügel. In spektakulären öffentlichen Versuchen demonstriert er, dass seine Impfungen Schafe vor dem damals gefürchteten Milzbrand schützen und dass er einen Jungen durch Impfungen vor dem sicheren Tod durch Tollwut bewahren kann. In Frankreich ist Louis Pasteur aufgrund seiner vielfältigen Leistungen ein Mythos.
    15 min
  • Algerien wird französische Kolonie (23.12.1847)
    Die algerisch-französischen Beziehungen beginnen unter Gleichen: Es gibt stabilen Handel, das Land in Nordafrika liefert exzellente Waffen und Nahrungsmittel. Doch Frankreich zahlt schlecht und unpünktlich – ein langer und blutiger Konflikt beginnt... Schon 1564 hatte Frankreich ein Konsulat in Algier eröffnet und die Beziehung nach Nordafrika intensiviert. Hussein Dey, der Herrscher in Algier, unterstützte Napoleon mit Weizen – doch die mangelnde französische Zahlungsmoral sorgte Anfang des 19. Jahrhunderts für eine sich verschärfende diplomatische Krise. Dass Dey im Streit den französischen Konsul mit einem Fliegenwedel ohrfeigte, trug nicht zur Entspannung der Situation bei. Der Wirtschaftskonflikt im Mittelmeerraum mündete in einer militärischen Auseinandersetzung – im Juli 1830 besetzen französische Truppen Algier, später weitere Städte. Der algerischer Herrscher geht ins Exil nach Neapel. Die koloniale Besetzung des Landes ruft Widerstand hervor, an dessen Spitze sich Abd el-Kader setzt – ohne die Eindringlinge vertreiben zu können. 1847 gibt er auf. Zu diesem Zeitpunkt haben sich schon mehr als 100.000 Europäer in Algerien angesiedelt. Unter Vorwänden teilt Frankreich auch das Land zum Besiedeln auf. Ab Ende 1848 wird Algerien von Frankreich nicht mehr als Kolonie angesehen, sondern als Teil des Staatsgebietes. Gleichwertige Staatsbürger werden die gebürtigen Algerier allerdings nicht. Erst 1962 erlangt Algerien nach einem blutigen Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit zurück.
    15 min
  • Der Panzerknacker Adolf Petersen schreibt im Gefängnis seine Memoiren (22.12.1927)
    Der beste deutsche Panzerknacker war immer piekfein angezogen. In Lackschuh und Melone führt er eine Bande von Schwerkriminellen im Hamburg des frühen 20. Jahrhunderts. Adolf Petersen selbst war Profi im Öffnen von Geldschränken mit dem so genannten "Knabberbesteck"… Adolf Petersen ist im Ganovendeutsch des frühen 20. Jahrhunderts ein "Schränker": einer, der mit roher Gewalt und hoher Kenntnis auch dickste Panzerschränke öffnen kann. Als solcher macht er Karriere, leitet bald eine riesige Verbrecherbande: alles Männer, die sich mit illegaler Geldbeschaffung – Spiel, Einbruch, Diebstahl, Hehlerei und Drogenhandel - bestens auskennen. Petersen selbst sieht aus wie ein feiner Herr – Bilder zeigen ihn stets in Lackschuh und Melone. "Lord von Barmbeck" wird er sich nennen. Mehrfach wird er geschnappt – mehrfach bricht er wieder aus. Im Dezember 1927 sitzt er wieder einmal und beginnt, seine Autobiographie zu schreiben: "Unwillkürlich drängt sich dem Leser die Frage auf, wie ich auf eine derart schiefe Bahn gelangt bin. Dies werden meine nun beginnenden Lebensschilderungen zeigen." Und so schildert er seine kriminelle Karriere an der Seite von Leuten wie Lockenfitsche, Schlachterkarl oder Rabenmax. Zwar wird er noch einmal auf legale Weise das Gefängnis verlassen – aber nur für kurze Zeit. Denn so reumütig er sich in seinen Memoiren auch gibt, es wird nicht glücklich enden...
    15 min
  • Der Geburtstag von Jane Fonda (21.12.1937)
    Jane Fonda blickt auf eine einzigartige Karriere als Schauspielerin, politische Aktivistin und Fitness-Ikone zurück, dekoriert mit zwei Oscars und unzähligen weiteren Preisen. Ihre jüngste Mission: Mit der Erfolgsserie Serie "Grace & Frankie" älteren Damen ein neues Image zu verleihen - als dynamische, sexuell attraktive Frauen… Geboren als Jane Seymour Fonda in New York entstammt sie einer Schauspiel-Dynastie, hat selber aber ganz andere Pläne. Sie studiert Malerei und Klavier, schreibt für die "Paris Review", bis sie mit 21 Jahren auf Lee Strasberg trifft, der sie persönlich an seinem Actors Studio unterrichtet. Nur ein Jahr später wird sie am Broadway gefeiert, erhält kurz darauf ihren ersten Golden Globe und soll eine der profiliertesten Bühnen- und Filmschauspielerinnen ihrer Generation werden. Als Prostituierte in "Klute" wird sie 1972 mit dem Oscar ausgezeichnet. Für ihr Drama über die Vietnam-Heimkehrer "Coming Home" erhält sie den 2. Oscar. Längst ist sie aus dem Schatten ihres Vaters getreten, der Hollywoodlegende Henry Fonda. So sehr ihr die Nähe zu ihm ins Gesicht geschrieben scheint - tatsächliche emotionale Nähe habe der nie zu ihr aufgebaut. Ihre Mutter suizidierte sich, als Jane 12 Jahre alt war. Sie hat früh gelernt zu kämpfen, wird ein führendes Mitglied der Frauenbewegung, engagiert sich gegen den Vietnam-Krieg, kämpft gegen Kernwaffen, den Klimawandel, die Diskriminierung von Prostituierten und ganz persönlich über 30 Jahre lang gegen Bulimie und eine tiefsitzende Selbstwertproblematik. Zurzeit verhilft Jane Fonda älteren Damen zu einem neuen Image als dynamische, attraktive Frauen: ob mit ihrer Erfolgsserie "Grace & Frankie" oder kürzlich als Gesicht und Model einer – heute heißt es nicht mehr Aerobic – globalen Workoutkampagne.
    15 min
  • Der Todestag des Schriftstellers Günter Eich (20.12.1972)
    Heute vor 50 Jahren starb der Schriftsteller Günter Eich. Seine nüchterne, fast karge Sprache der "Trümmerliteratur" setzte den Ton für den literarischen Neuanfang in Deutschland nach 1945. Dabei hatte Günter Eich seine Karriere auch unter den Nazis vorangetrieben. Seine lyrische Stimme war leise, aber eindringlich, in der Bundesrepublik galt Günter Eich als moralische Instanz, als "poetischer Prophet unserer Zeit". Weniger beleuchtet wurde lange Eichs Rolle in der NS-Zeit. "Sonst nichts Neues, außer, dass ich in die NSDAP eingetreten bin. Heil Hitler! Günter" – das schrieb Eich 1933 an einen Freund. Seine Karriere als Schriftsteller und Rundfunkautor sollte auch unter den neuen Machthabern weitergehen. Nach dem Krieg wurde Günter Eich der erste Preisträger der "Gruppe 47". Mit seinem eindringlichen, kargen, oft geheimnisvollen und sehnsüchtigen Ton wurde er zum stillen Star. "Die ist meine Mütze, dies ist mein Mantel, hier mein Rasierzeug, im Beutel aus Leinen", heißt es in dem Gedicht "Inventur", so etwas wie das Gründungsdokument der neuen deutschen Literatur in der Nachkriegszeit, Pflichtlektüre in deutschen Schulbüchern. Am Ende seines Lebens veröffentlichte Eich "Maulwürfe": tiefgründige, komisch-absurde Kurzprosa. Kritik und Leser:innen waren ratlos und fasziniert. Heute gelten sie als Meisterwerke der Literatur. Worum es in den Miniaturen geht, ist schwer zu sagen. Eine Zeile lautet: "Nachher hat man immer recht, man sollte gleich nachher leben". 1972 starb Günter Eich in Salzburg.
    15 min
  • Der Todestag von Keiji Nakazawa (19.12.2012)
    Der Manga "Barfuß durch Hiroshima" hat die Welt der Comics revolutioniert. Der japanische Zeichner Keiji Nakazawa verarbeitet darin sein Leben nach dem Abwurf der Atombombe auf seine Heimatstadt Hiroshima. Das Werk gilt als einer der bewegendsten Comics aller Zeiten. Keji Nakazawa ist sechs Jahre alt, als die Atombombe seine Heimatstadt Hiroshima auslöscht. Sein Vater und zwei Geschwister kommen dabei uns Leben. Die Mutter stirbt 1966 an den Folgen der Strahlung. Nakazawa selbst leidet an Leukämie und wird von der japanischen Regierung als Hibakusha, also als Atombombenopfer, anerkannt. Am 19. Dezember 2012, heute vor zehn Jahren, stirbt Keiji Nakazawa in Hiroshima an Lungenkrebs. 1972, im Alter von 33 Jahren, zeichnet Keiji Nakazawa seinen autobiografischen Comic "Barfuß durch Hiroshima", der ihn weltberühmt macht. Dank seiner Ernsthaftigkeit, der vielschichtigen Zeichnung der Charaktere und dem genauen Blick auf die japanische Gesellschaft gilt er als erstes "graphic novel" – ein Genre, das die Comic-Kunst in die Hochkultur katapultierte. 1982 erscheint die Geschichte in deutscher Übersetzung als erster deutscher Manga. In Japan ist das 2500 Seiten umfassende Comic inzwischen Pflichtlektüre an den Schulen, eine Mahnung gegen Krieg und Atomwaffen. Im Comic hält eine Mutter ihr Neugeborenes über die soeben zerstörte Stadt Hiroshima: "Wenn du groß bist, darfst du nie zulassen, dass so etwas noch einmal geschieht."
    15 min

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