ERF Plus - Bibel heute

Zerbrochener Glaube


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Der zweifelnde Thomas – Wenn der Glaube zerbricht

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Abdrücke der Nägel sehe und meine Finger in die Abdrücke der Nägel lege und meine Hand in seine Seite drücke, weigere ich mich zu glauben.“

Das sagt ein Jünger von Jesus; ich möchte versuchen, mich in diesen Menschen hineinzudenken. Es ist Thomas, den man – so stelle ich es mir vor – kaum von seinem Bruder unterscheiden kann. Einer, der seit Kindesbeinen lesen und schreiben kann, und dazu die fünf Bücher Mose mehr als gut kennt. Einer von denen, der von Johannes dem Täufer gehört hat: Dieser Jesus – das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt, und – dieser ist Gottes Sohn. Dann lernt Thomas drei Jahre bei Jesus die Schrift, d.h. das Alte Testament, und den Vater Jesu noch viel genauer kennen. Es erfolgt ein Bruch durch Jesu Sterben am Kreuz und das leere Grab. Thomas wird nicht als Glaubensheld geschildert. Bei ihm ist alles in die Brüche gegangen. Sein Glaube fehlt. Da ist nicht ein Funke Glaube mehr vorhanden. Genau das wird hier dokumentiert. Thomas weiß, dass das Grab leer ist: Ja, Wissen ist noch nicht Glaube. Er weigert sich zu glauben, dass Jesus auferweckt wurde. Warum will Thomas die Abdrücke der Nägel sehen, die durch die Hand ins Holz getrieben wurden und dadurch den Handrücken auf dem Holz ausbluten ließen?

 

Das Holz in der Bibel – Fluch, Trennung und Rettung

Die Antwort findet sich für mich in dem jüdischen Hintergrund. In der hebräischen Bibel steht für das Wort Holz das Wort „ez“: und das bedeutet neben Holz auch Balken, Pfahl oder Baum.

Thomas weiß aus seiner Bibel: Wer zum Tode verurteilt ist und am Holz hängt, der ist von Gott verflucht (5. Mose 21, 22-23). Es ist schon grausam, für Schuld mit dem Tod bestraft zu werden. Noch viel schlimmer ist es, im Tod verflucht zu werden, ohne Frieden zu sterben, ohne Segen, von Gott entfernt zu bleiben. Nur wenn Jesus auferweckt wurde, nur dann, hat Gott selbst das Allerschlimmste nicht nur abgeschafft, sondern auf sich selbst genommen, sodass es niemand anderen mehr treffen muss.

Das zweite Holz, der zweite Baum, steht im Garten Eden. Satan hatte es geschafft, mit Unterstützung des Menschen und mithilfe der Frucht des Baumes, den Menschen von Gott zu trennen, und die Gemeinschaft zu zerstören. Aus dem Leben mit Gott wurde ein Leben ohne Gott. Die Folge: der Tod als Totalschaden. Satan hatte aus dem Besten das Schlechteste gemacht. Als Jesus auferweckt wurde, hat Gott aus dem Schlechtesten das Beste gemacht. Dann hat er aus dem Tod das Leben geschaffen, und aus der Trennung von Gott das Leben mit Gott. Das wäre doch zu schön, um wahr zu sein.

Und das dritte Holz waren die Türbalken mit Blut in jener ersten Passanacht Israels als sie noch in Ägypten waren. Das Blut an den Türpfosten rettete die Israeliten vor dem Todesgericht (2. Mose 12,12). Das war der Anfang, um aus der Knechtschaft Ägyptens erlöst zu werden.

 

Die Begegnung mit dem Auferstandenen – Glaube durch Jesu Kraft

Thomas weigert sich, zu glauben, weil er nicht glauben kann. Deshalb sagt Jesus, als sie sich begegnen – so stelle ich mir das jedenfalls vor: „Stopp: Nichtglaube! Aber ab jetzt: Glaube!“ „Stopp: Nichtglaube! Aber ab jetzt: Glaube!“

Und sofort konnte Thomas glauben! Thomas, und alle, die bei ihm sind, erleben als Augenzeugen, wie es Hans-Peter Royer ab und zu sagte: „Jesus erfreut sich bester Gesundheit.“ Und sie erfahren: Jesus kommt in das Leben des Thomas hinein. Ja, zuerst kommt Jesus in das Leben des Thomas hinein, und dann nimmt Thomas Jesus in sein Leben auf.

Durch die Worte Jesu konnte Thomas sofort glauben. Es geschah wie bei der Schöpfung, wie bei der Sturmstillung, wie bei den Blinden, wie bei den Gelähmten, wie bei den Aussätzigen. Allein durch die Kraft Jesu ist der Glaube da, einfach so. Mit Jesus leben, geht nur durch seine Kraft. Wenn nur Jesus den Anfang schafft, dann schafft nur er auch alles weitere.

Manchmal habe ich noch so viel Kraft, dass Jesus nicht mit seiner Kraft in mir wirken kann. Die Worte Jesu kommen mit Macht von außen in Thomas hinein, und nicht von innen hoch. Statt eines tiefen Eindrucks – gibt es eine echte Begegnung, statt Traum – sind es handfeste Abdrücke, statt Einbildung – erlebt Thomas eine Offenbarung. Es brauchte auch nicht Petrus als Vermittler oder Johannes als Coach. Thomas läuft vorher nicht von einem zum anderen und fragt: Habt ihr etwas gehört? Hätte er das gemacht, dann hätte er nicht zu Jesus gesagt: „Mein Herr und mein Gott.“ Thomas erlebt buchstäblich: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem einzelnen Wort, das aus dem Munde Gottes geht.“ (5. Mose 8,3 / Matthäus 4,4)

Mich begeistert auch noch: Jesus überrascht Thomas. Jesus kommt zu Thomas, als sein Glaube zerbrochen ist, hinein und nimmt sich Zeit für Thomas. Ja, Jesus, der Sohn Davids, hat Thomas lieb, und macht es so, wie es für Thomas gut ist. Und, Jesus will Thomas so haben, wie er ist, nicht so leicht zu überzeugen und will ihn genau so gebrauchen. Jesus macht es manchmal ganz schön spannend.

 

Das Bekenntnis des Thomas – und die Frage an uns

Thomas kann nicht aus eigener Kraft glauben, sondern nur durch die Kraft und die Worte Jesu. Deshalb glaubt er jetzt: Jesus wurde auferweckt und lebt; Gott ist in Jesus, dem Sohn Gottes da, und Gott selbst war in dem Schlimmsten am Kreuz festgenagelt worden, und Gott hat daraus das Beste gemacht. Ja, Gott hat in Jesus selbst das allerschlimmste Gericht auf sich selbst genommen, sodass es niemand anderen mehr treffen muss. Er hat es geschafft. Es ist wirklich wahr: Er hat aus dem Schlechtesten das Beste gemacht, und es gibt wirklich eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Jesus und ewigen Gott.

Zwei Fragen bleiben: Möchte ich, dass Jesus mit seinem Leben in mein Leben hineinkommt? Und möchte ich Jesus recht geben, dass ich nicht mehr aus eigener Kraft im Glauben lebe?

Autor: Dirk Bösenberg

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