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  • Gedankenknoten – Technikphilosophie 02 | Von Bernd Lukoschik
    Gedankenknoten sind kleine Texte, die philosophische Probleme erörtern, Fragestellungen aufwerfen und den Leser ins Grübeln bringen. Vom Altertum bis zur Moderne werden Begriffe besprochen, die zum Hinterfragen anregen und das philosophische Problematisieren schulen.

    Das Thema heute: Technikphilosophie
    Straßen und Brücken als Verkehrsproduzenten
    Zu behaupten, dass Brücken als Brücken – also Brücken, isoliert betrachtet – Verkehr erzeugen, wäre Unsinn.
    Als Brücken sind Brücken nämlich nur Mittel zu dem Zweck, vorhandenem Verkehr zu ermöglichen, Hindernisse zu überwinden. Und die Anwendung der Kategorien Mittel/Zweck legt nahe, dass Straßen und Brücken im Sinne unserer Zweckvorgaben gebaut, eingesetzt und verwendet werden. Unsere Zwecke werden nicht von der Art der Mittel beeinflusst: Die Mittel dienen, der Zweck liegt vor.
    Diese Sicht auf Brücken und die Anwendung der Kategorien Mittel und Zweck sind jedoch recht unphilosophisch.
    Philosophierend, also mit Hegels Blick auf „das Ganze als das Wahre“, wird die Brücke vielmehr als Teil, als Geräte- oder Maschinenteil, einer übergeordneten Maschine erkannt: des „Straßennetzes“ bzw. der „Verkehrsinfrastruktur“.
    So ist das „Straßennetz“ gegenstandstheoretisch von derselben Art wie die Industrie als Ganzes, die Verwaltung, der militärische Komplex, die ebenfalls Maschinen, dingliche oder soziale Maschinen, sind.
    Geräte/Maschinen haben drei Aufgaben: Sie sind erstens Produktionsmittel, sie alle stellen also etwas her; sie stehen zweitens unter der Vorgabe, ihre Produkte immer produktiver zu erzeugen; drittens, um der Forderung der Produktivitätssteigerung zu genügen, müssen sie sich zu immer höher geordneten Maschinensystemen vernetzen, wodurch jede einzelne Maschine zum Maschinenteil herabgestuft wird.
    Angewendet auf Straßennetz und Brücken: Sie stellen etwas her, ihr Produkt sind – Streckenzurücklegungen, die Beseitigung der Behinderung des räumlichen Abstands zwischen Beginn und Ziel einer Fahrt.
    Als Produktionsmittel müssen sie immer produktiver werden, d. h., die „Menge“ an Streckenzurücklegungen pro Zeit muss zunehmen.
    Damit wird deutlich: Straßen und Brücken sind nicht nur Mittel, sondern sie geben selbst Zwecke vor bzw. wirken auf unsere Zwecke verändernd ein: Sie beinhalten als Zweck die Aufforderung an die Autonutzer, immer mehr Autos in immer schnellerem Tempo in immer kürzerer Zeit durch und über die Verkehrsinfrastruktur zu jagen. Denn nur so kommt eine Maximierung der Streckenzurücklegungen pro Zeit zustande.
    Daraus würde folgen: Brücken als Teile der Infrastruktur sind Geräteteile, die, um ihre Produktivität steigern zu können, dazu auffordern, die Anzahl der Autos zu vergrößern. Je mehr Brücken wir bauen, umso stärker wird der Verkehr wachsen, umso notwendiger wird der weitere Bau von Brücken und Straßen werden, da ja das Straßennetz produktiver werden muss, was zu mehr Autos führt, was weitere Straßen und Brücken notwendig macht, die wiederum …
    +++
    Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
    +++
    Bildquelle: Anastasios71 / shutterstock
    4 min
  • Es brodelt nicht nur in der Ukraine | Von Hermann Ploppa
    Teile und Herrsche: Das ist das Erfolgsrezept der westlichen Wertegemeinschaft
    Ein Kommentar von Hermann Ploppa.
    Wir leben tatsächlich in einer extrem vernetzten Welt. Beim Wettergeschehen sagt man ja in der Chaostheorie, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Tokyo in letzter Konsequenz einen Orkan in Westeuropa auslösen kann. In der Weltpolitik ist es nicht anders. Wobei wir besser gleich von Geopolitik sprechen können. Geopolitik heißt in die Realität übersetzt: wo befinden sich wertvolle Schätze, und wie kann man diese Schätze den rechtmäßigen Besitzern wegnehmen? Oder wie kann man genau diesen Diebstahl verhindern? So befanden sich die Ölvorräte der Arabischen Halbinsel bis vor kurzem im Griff der westlichen Wertegemeinschaft. Um diese Ausbeutung abzusichern, gab und gibt es in der Region blutige Kriege, damit der Bodenreichtum möglichst nicht den Leuten zugutekommt, die auf diese Schätze ihre Füße stellen.
    Geopolitik spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle beim Ukraine-Krieg. Die westliche Wertegemeinschaft hat schon seit über einhundert Jahren ein begehrliches Auge auf die eurasische Kontinentalplatte geworfen. Der englische Geopolitiker Halford Mackinder stellte bereits 1904 strategische Überlegungen an, wie man dieses von ihm so genannte „Herzland“ (Heartland) für die Briten erobern kann. Dazu seien die Briten als Seemacht alleine nicht in der Lage. Dazu bräuchte man Kontinentalstaaten als Subunternehmer, die Russland unterwerfen. Zunächst dachten die Briten dabei an die Franzosen. Später dann wurde Deutschland unter Hitler vor den Karren gespannt. Mit den allseits bekannten Folgen. Nun leben in Eurasien sehr eigensinnige und ungeheuer gut aufgestellte Völkerschaften wie die Russen und die Chinesen, die man kaum mal eben so einfach niederwerfen kann wie dereinst Saddam Hussein im Irak. Nun hat sich die NATO seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis auf wenige hundert Kilometer an Moskau herangepirscht. Und deshalb wagt Putin das Vabanque-Spiel, mit militärischen Mitteln die NATO-Grenze gewaltsam wieder um einige hundert Kilometer nach Westen zurückzuschieben.
    Zunächst bestand die Strategie Russlands darin, zum einen die russischsprachige Osthälfte der Ukraine unter ihre Kontrolle zu bekommen. Und zum anderen durch einen schnellen Vormarsch auf die ukrainische Hauptstadt Kiew die Zentralregierung zu entmachten und sodann mit einer neu zu installierenden ukrainischen Zentralregierung eine friedliche Koexistenz führen zu können. Es ging also darum, die faschistische Junta, die im Fortgang des Maidan-Putsches die Macht bis heute an sich gerissen hat, zu entfernen. Doch die Offensive auf Kiew scheiterte auf der ganzen Linie. Das Nazi-Regime in Kiew erwies sich als besser verankert und vernetzt als angenommen. Zudem hatten die ukrainischen Verbände aus den Fehlern vergangener Zeiten gelernt und waren taktisch erheblich besser aufgestellt als noch 2014 bei der Krim-Krise. Unter schwersten Verlusten zogen sich die Russen aus dem Großraum Kiew zurück, wobei eben auch die durch das Massaker bekannte Vorstadt Butscha geräumt wurde.
    Jetzt sind fast alle aktiven russischen Verbände östlich des Dnjepr-Flusses versammelt, um die russisch geprägten Regionen einzuhegen. Im Schwarzen Meer wurde das Flaggschiff der dortigen russischen Kriegsflotte „Moskau“ versenkt. Wesentlich zur erfolgreichen Versenkung haben Aufklärungssysteme der NATO in Rumänien und Bulgarien beigetragen. Um es deutlich und unmissverständlich zu sagen: die NATO führt bereits jetzt direkt Krieg gegen Russland. Jetzt stellen zudem Schweden und Finnland im Sommer einen Antrag auf Aufnahme in die NATO. Damit wird die russische Militäroperation zum Anlass genommen, die schon seit Jahrzehnten existierende enge Kooperation der beiden skandinavischen Staaten mit dem westlichen Militärbündnis auch ganz ungeniert öffentlich zu machen.
    Die Türkei hat wiederum eine sehr lange Küste am Schwarzen Meer.
    12 min
  • „Wie viel Zeit, denkt ihr, haben wir?“ | Von Paul Soldan
    Ein Standpunkt von Paul Soldan. 
    Thomas Sankara kam 1983 mit 33 Jahren infolge einer Revolution im westafrikanischen Land Burkina Faso an die Macht und wurde vier Jahre später durch seinen engsten Vertrauten ermordet. Unter Sankaras Führung entwickelte sich Burkina Faso für kurze Zeit zu einem Zentrum des internationalen Widerstandes gegen koloniale Strukturen, wodurch Sankara für die Großmächte zur Bedrohung wurde. Nach seinem Tod kehrte die neokoloniale Ausbeutung nach Burkina Faso zurück. Für viele Afrikaner ist Sankara bis heute ein Symbol für Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung.
    Thomas Isidore Noël Sankara wird am 21. Dezember 1949 in Yako, einem kleinen muslimischen Dorf, im Norden von Obervolta – der damalige Name Burkina Fasos – geboren und verbringt seine Kindheit in Gaoua im Süden des Landes. Obervolta liegt südlich der Sahara inmitten Westafrikas, ohne Zugang zum Meer. Seine religiösen Eltern hatten eigentlich eine Ausbildung zum Priester für ihn vorgesehen; er aber entscheidet sich dagegen und wählt den Besuch eines Gymnasiums in Bobo-Dioulasso, nach der Hauptstadt Ouagadougou, der zweitgrößten Stadt des Landes. Der ursprüngliche Plan des jungen Thomas Sankara ist es, Medizin zu studieren und Arzt zu werden. Dafür hofft er, einen Stipendiumsplatz zu gewinnen, was aber nicht gelingt, woraufhin er sich für eine Militärschule – das sogenannte Militär-Prytaneion – entscheidet.

    Lage Burkina Fasos in Westafrika | Karte: Wikipedia Commons, CC BY-SA 3.0
    Während dieser Zeit freundet er sich mit seinem Geschichtslehrer an, einem der Anführer der marxistisch-leninistischen Linken Obervoltas sowie einem der ersten afrikanischen Professoren überhaupt. Dieser lehrt, dass Geschichte sich in Bewegung befindet und der Mensch einen gewissen Einfluss nehmen kann. Sankara beginnt erstmals, sich für Politik zu interessieren.
    „Wer mit einer tödlichen Schusswaffe in Habachtstellung vor einer Fahne Befehle empfängt, ohne zu wissen, für wen und was, wird zum potenziellen Verbrecher. Er wartet nur auf das Signal, um Furcht und Schrecken zu säen. Wie viele Soldaten treiben ihr Unwesen in einem Land oder auf einem Schlachtfeld? Wie viele sorgen für Verzweiflung, ohne zu begreifen, dass sie gegen Männer und Frauen kämpfen, die die gleichen Ideale haben wie sie? (...) Ein Soldat ohne politische und ideologische Bildung ist ein potenzieller Verbrecher.“
    Seine Offiziersausbildung absolviert er in Madagaskar, für ihn ebenfalls eine prägende Zeit. Nach seiner Rückkehr nach Obervolta wird er der Abteilung Wehrtechnik der Luftwaffe in Bobo-Dioulasso zugeteilt und zum Fallschirmjäger ausgebildet. Dort lernt er auch den künftigen Hauptmann Blaise Compaoré kennen, der zu seinem engsten Weggefährten wird, ihn jedoch am Ende verrät.
    Jahre der politischen Umwälzung
    Frankreichs ursprüngliches Interesse an dem Gebiet des späteren Burkina Fasos lag Ende des 19. Jahrhunderts darin, aus der bevölkerungsreichen Gegend Arbeitskräfte zu gewinnen sowie das Gebiet als Bindeglied für seine Besitztümer an der Küste im Westen und im Sahel im Osten zu benutzen. Wichtige Agrar- und Rohstoffe waren später zum einen Baumwolle und zum anderen Gold, deren Förderung zum Ende des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung gewann. Heute gehört Burkina Faso zu den größten Goldproduzenten in Afrika.
    Der Beginn der achtziger Jahre ist in Obervolta von politischen Umstürzen geprägt. 1980 putscht das Militär unter Führung von Oberst Saye Zerbo gegen den seit 1966 amtierenden Präsidenten Lamizana und ergreift die Macht; Zerbo wird neuer Präsident. Die neue Militärregierung erwartet von Sankara, dass dieser einen Ministerposten bekleidet. Er selbst lehnt dies eigentlich ab, beugt sich aber dem Befehl und wird mit gerade 31 Jahren Staatsekretär für Kultur und Information. Da er nun selbst Teil einer Regierung ist, deren Ansichten er nicht teilt, gerät der junge Minister in einen Gewissenskonflikt. Am 12.
    28 min
  • Smart City – ein neues Gesellschaftskonzept? | Von Norbert Häring
    Rom und Wien wollen mit Sozialpunkten und Smart Cities „ein neues Gesellschaftskonzept“ umsetzen.
    Ein Standpunkt von Norbert Häring.
    Die digitalen Pilotprojekte zur hoheitlichen Manipulation des Bürgerhandelns schießen wie Pilze aus dem Boden. Ist es wirklich Zufall, dass neben Bologna und Bayern, annähernd gleichzeitig auch Wien und Rom ihre Bürger mit Sozialpunkten für tugendhaftes Verhalten belohnen wollen und die EU-Kommission im Eiltempo den digitalen Euro auf den Weg bringen will?
    Wie üblich sind es die Digitalisierungsbehörden, die das vorantreiben und wie üblich gibt es den Zusammenhang mit einem sogenannten Smart-City-Programm.
    Die Digitalisierer der Stadtverwaltung Roms schreiben zu ihrem Projekt:
    "Die Citizen Wallet (Bürger-Brieftasche, Anm. des Autors) ist eine Belohnungsplattform, die tugendhaftes Verhalten der Stadtnutzer fördert, um die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Stadt im Einklang mit den Zielen der Agenda 2030 zu verbessern.“
    Es geht also um Ökologie und Soziales. Und was ist für diejenigen, die Rom zur Smart City machen wollen, ökologisch und sozial verantwortliches Verhalten, das mit Sozialpunkten für Tugendhaftigkeit zu belohnen ist? Für den Anfang ist das:



    Die Verwaltungsangestellten nicht zu behelligen und stattdessen Dienste online in Anspruch zu nehmen und danach zu bewerten, und


    Tickets für die Metro bargeldlos mit dem überwachungsfreundlichen tap&go-System kaufen.


    Im Laufe der Zeit will man natürlich noch andere „tugendhafte“ Verhaltensweisen prämieren. Für die Punkte bekommt man geldwerte Prämien von der Stadt und von Kooperationspartnern.
    Tugendhaft und nachhaltig sind diese Verhaltensweisen, weil sie den römischen Smart City Plan befördern, der angeblich das Nonplusultra in Sachen Lebensqualität und Nachhaltigkeit ist. Das Projekt Roma Smart City, in das das Citizen Wallet eingebettet ist, wird beschrieben als:
    "Das Projekt Roma Smart City zielt darauf, die Bedürfnisse und Bedarfe der Stadtnutzer ins Zentrum zu rücken, indem die folgenden Aspekte betont werden: Nachhaltigkeit, Förderung öffentlich-privater Partnerschaften (…), Datenregulierung um Informationen zu teilen, die strategische Entscheidungen leiten.“
    Übersetzt: Gewinnmöglichkeiten für die IT-Konzerne schaffen.
    An anderer Stelle schreiben die Digitalisierer Roms noch verräterischer:
    "Aber was ist eine intelligente Stadt? Die digitale Innovation ist nicht ausschließlich ein technologisches Thema, denn sie betrifft nicht nur die Verwaltung von Informationssystemen oder Infrastrukturen, die Menschen, Sensoren oder Maschinen miteinander verbinden. Es geht um die Schaffung eines neuen Gesellschaftskonzepts, bei dem die Digitalisierung zusammen mit der nachhaltigen Entwicklung und der sozialen und geschlechtsspezifischen Eingliederung einer der Grundpfeiler ist.“
    In ihrer Hybris wollen sie tatsächlich Menschen und Maschinen verbinden und ein neues Gesellschaftskonzept umsetzen. Das ist ziemlich genau das technokratisch-mechanistische Menschen- und Gesellschaftsbild von Klaus Schwab, dem Chef des Weltwirtschaftsforums. Er nennt es auch Transhumanismus, die Überwindung der menschlichen und gesellschaftlichen Schwächen durch Technik.
    Ich würde sagen, eine begründete Vermutung, wer hinter den aus dem Boden sprießenden Sozialpunkteprojekte steht, ist gefunden: Das Weltwirtschaftsforum und die großen IT-Konzerne als dessen mächtigste Träger. Sie haben schließlich über verschiedenste öffentliche-private Partnerschaften Sponsoring und Beratung intimste Kontakte und größten Einfluss auf die Digitalisierungsbehörden. Nicht ohne Grund legte das Weltwirtschaftsforum 2022 – und wohl auch schon vorher – bei der Auswahl seiner Einflussagenten Young global Leaders einen Schwerpunkt auf die Unterwanderung der Digitalisierungsbehörden.
    8 min
  • Die Mär von der Ukraine | Von Rainer Rupp
    ... als „junge und lebendige Demokratie.“
    Aber die Ukraine ist – frei nach Bismarck - nicht das Leben eines einzigen Bundeswehrsoldaten wert.
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.
    Die Seriensendung mit dem Moderator Plasberg, die vergangenen Montagabend auf ARD, (Allgemeiner Regierungsdienst) lief, trägt den hochtrabenden Titel: „Hart aber fair“. Das ist wie beim ARD inzwischen an der Tagesordnung allerdings reinster Verpackungsbetrug. Das galt für die der Ukraine gewidmete Sendung am Montagabend noch mehr als für alle anderen. Tatsächlich hätte die Sendung mit dem abgebrühten Propagandisten Frank Plasberg heißen müssen: „Total einseitig und so unfair wie möglich!“
    So unfair wie möglich hatte Plasberg dadurch sichergestellt, dass er mit den eingeladenen Gästen und den handverlesenen Applaus-Zuschauern auch diesmal wieder eine so genannte ECHOKAMMER hergestellt hatte. Das ist eine Diskussionsrunde, in der alle derselben Meinung sind und alle nur noch versuchen den anderen in Einseitigkeit, in Vorurteilen, Extremismus und Kriegsgeilheit zu übertreffen. Das Pünktchen auf dem „i“ stellen dann noch die ausgesuchten, ausschließlich einschlägigen Zuschauermeldungen dar, die dann dem Fernsehpublikum zu Hause in den Wohnstuben als die Bestätigung des Gesagten durch den Volkswillen verkauft wird, ganz so, als gäbe es nur noch die berühmt-berüchtigte Sorte "Deutsche", die lieber heute als morgen für die arme unschuldige Ukraine gegen die mörderischen russischen Barbaren in den Krieg ziehen wollen, und so ganz nebenbei auch zwecks Nervenkitzel eine bisschen begrenzten Atomkrieg riskieren wollen.
    In Plasbergs „Total einseitig und so unfair wie möglich!“-Diskussion am Montag wurden natürlich mit Kriegsgegnern jeglicher Couleur hart ins Gericht gegangen. Typisch Echokammer übertraf man sich auch dabei, was besonders leicht war, weil von der unentwegt gescholtenen Seite weder jemand eingeladen noch zugeschaltet noch als Zuschauer-Meinung zitiert wurde. Es gab keine einzige gegenteilige Meinung, auch nicht von widersprechenden Gästen auf den Zuschauerrängen, denn die Zuschauer hatte man zur Sicherheit offenbar nicht eingeladen. Folglich fiel auch kein einziges Wort über die Geschichte der Ukraine, weder vor noch nach 2014, auch kein böses Wort über die NATO, die stets nur eine friedenstiftende Organisation ist, die deshalb skrupellosen russischen Hetzkampagnen ausgesetzt ist. Von den NATO-Angriffskriegen, von Serbien, Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und so weiter und so fort, all das existierte in der Diskussion überhaupt nicht. Stattdessen hat urplötzlich eine Re-Inkarnation von Stalin und Rasputin in der Person des wahnsinnigen Wladimir Putin sein „Coming Out“ als blutiger Diktator gezeigt, und sich daran gemacht, die seit 30 Jahren friedliche Weltordnung der vorbildlichen, freiheitlichen westlichen Demokratien mit brutaler Gewalt zu bedrohen.
    Das ist die Quintessenz der heutzutage in Deutschland gefeierten Presse- und Meinungsfreiheit, die nur erlaubt ist, wenn man die in der Politikerkaste in Berlin herrschende Meinung der vertritt. Denn das Stören einer Demonstration ist laut Polizei inzwischen bereits eine Straftat, aber nur wenn es die falschen Störer sind. Nach der Kundgebung zum Tag der Arbeit in Düsseldorf ermittelt die Polizei, weil die Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) von einer Gruppe aus der Querdenker-Szene massiv gestört worden sei. Die Polizei ermittelt jetzt gegen unbekannt, außerdem liegen gegen zwei Personen Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Störung der Versammlung vor.
    Anhänger der "Querdenker"-Szene hatten sich ins Publikum gemischt, um Stimmung zu machen zum Beispiel mit Sambatrommeln. Außerdem wurde lautes Glockengeläut über Lautsprecher abgespielt, so dass die Reden teilweise kaum hören waren. Die Anhänger der "Querdenker"-Szene nannten Scholz einen "Lügner" und "Kriegstreiber" und forderten einen Stopp der Waffenlieferungen in die Ukraine.
    Ja, ja,
    16 min
  • Namibia, der Traum wird wahr | Von Jochen Mitschka
    Fazit der ersten Wochen in Namibia
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Als ich 2020, nachdem ein Nachbar erklärte man könne ja gehen, wenn einem die Maßnahmen der Regierung nicht gefallen, begann, darüber nachzudenken Deutschland zu verlassen, war eigentlich die Planung viel langfristiger angelegt. Über Monate hatte ich recherchiert, Zeitungen von Namibia durchstöbert, mit dort lebenden Ausländern gesprochen und schließlich das Land besucht, um vor Ort die Annahmen zu verifizieren. Als meine Frau dann ihren Job im Krankenhaus verlor, und das sogar ohne Kündigung durch den Arbeitgeber, ging plötzlich alles ganz schnell. Jetzt sind wir ein paar Wochen in Namibia und können ein erstes Zwischenfazit ziehen.
    Problemlösungen
    Die Probleme, welche bisher in Namibia auftraten, ließen sich rückblickend eigentlich alle lösen. Nicht zuletzt weil jeder, mit dem man sprach, hilfsbereit war, Tipps gab, oder direkt half. Manche Hürden erwiesen sich nachträglich als eigene Dummheit. Ein Beispiel: In Deutschland ist es ein ziemlicher Aufwand, will man Bank-Limits zur Überweisung erhöhen. Man muss persönlich bei der Bank vorsprechen und die Begründung abgeben, dann, mit Glück, wird das Limit erhöht. Und zusätzlich geht das, wie in unserem Fall, noch ein paar Mal schief, d.h. die Limiterhöhung funktionierte nicht.
    Als ich in Namibia von unserem brandneuen Bankkonto eine erste Überweisung machen wollte, war das auch nicht möglich. Allerdings lernte ich dann bei der Reklamation in der Bank, dass man die Limits für verschiedene Bankaktionen selbst im Online-Banking unter den Einstellungen bestimmen kann. Und nebenbei nahm ich dann auch gleich eine Bankkarte mit Visa-Funktionen mit.
    Man kann sagen, dass bisher in Namibia alle Probleme mit einem freundlichen Lächeln und einer netten Bitte, und ohne die oft erwähnte Korruption, gelöst wurden. Eine Erfahrung, die wir leider in Deutschland so nicht gemacht hatten. Wer hier ein Problem nicht lösen konnte, verwies einen an einen Kollegen, Freund oder Bekannten, der es vielleicht konnte, der dann wieder an einen weiteren, bis jemand half das Problem zu lösen. Ein einziges Mal hatten wir einen mürrischen Gegenüber gesehen.
    Von Deutschland kannten wir, dass Menschen ohne Pass und Geld besonders willkommen waren, während unsere Verwandten aus Asien, mit Eigentum, Job und Pass regelmäßig für Besuche erniedrigende Prozeduren über sich ergehen lassen mussten. Da Namibia ein armes Land ist, ist hier natürlich das Gegenteil der Fall. Es ist auch verständlich, wenn man Menschen, mit, im Verhältnis zum Durchschnitt der Einwohner viel Geld, anders besteuert als die Masse. Ebenso, dass man möchte, dass Zuwanderer helfen, die Gesellschaft finanziell zu stärken.
    Rassenprobleme
    Wenn man vom südlichen Afrika redet, wird immer die Stirn gerunzelt und auf Rassenunruhen verwiesen. Ich denke, wenn man weiß, welche Verbrechen in der Vergangenheit von Kolonisten begangen wurden, und wie teilweise, nicht immer, heuchlerisch „Entwicklungshilfe“ immer auch den Industrien der Geberstaaten dienen soll, also immer noch eine Ausbeutung Afrikas durch europäisch Länder stattfindet, sind Ressentiments meiner Meinung nach verständlich. Aber in Namibia sind diese so versteckt, dass wir bisher nur von einem Fall gehört hatten, in dem eine weiße Frau, die keine Krankenversicherung hatte, was eigentlich für Residenten zwingend vorgeschrieben ist, als „Letzte“ im staatlichen Krankenhaus, erst nach schwarzen Patienten, behandelt wurde.
    Am Freitag hatten wir in der Lodge des Golf Resorts Rossmund eines der kleinen Bungalows bezogen, und am Samstag war reger Wochenendverkehr auf dem Golfplatz. Wenn man aus dem Fenster sah, oder am Parkplatz vorbei ging, sah man fast die gleiche Anzahl von Menschen mit farbiger und weißer Haut, und nein, das waren keine Caddies, die es natürlich auch gab.
    Andersherum: Als wir am Donnerstagabend eine Pizza zur Lieferung bestellten bracht...
    19 min
  • Das Selenskyj-Theater präsentiert | Von Rob Kenius
    Flucht nach Hollywood
    Ein Kommentar von Rob Kenius.
    Wolodymyr Selenskyj ist an erster Stelle ein Glückspilz und an zweiter Stelle Schauspieler. Außerdem ist er seit Mai 2019 Präsident der Ukraine. Jeder kennt ihn, denn Selenskyi hat ein seltenes Medientalent von globalem Format. Zunächst wurde nur bekannt, dass er im Film jemanden gespielt hat, der zufällig Präsident wurde und dass er dann mit Unterstützung der Mächtigsten wirklich zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde.
    Der professionelle Medienstar
    "Diener des Volkes" war eine satirische Fernseh-Serie über 4 Jahre mit 51 Episoden in 3 Staffeln, die Selenskyi selber produziert hat. Die Serie wurde jetzt synchronisiert und weltweit vermarktet. Als Producer verdient er an den Filmrechten und je länger der Krieg dauert, um so mehr. Auch in den Panama-Papers wurden er und seine Ehefrau Olena erwähnt. Vor der Wahl 2019 hat er Firmenanteile an der Produktionsfirma „Maltex“ (auf den Britischen Jungferninseln) an seine Geschäftspartner übereignet, ohne Gegenleistung.
    Selenskyi ist Medienprofi durch und durch, als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent von mehreren Dutzend Werken. Sein Markenzeichen ist das harmlose Gesicht, das er als Präsident im Krieg der ganzen Welt präsentiert. Von Politik versteht er nicht viel, muss er auch nicht, um den Präsidenten zu spielen. Für die Politik ist das Drehbuch zuständig und der Drehbuchautor schreibt auch die Präsidentenreden.
    Dazu wurden eigene Formate entwickelt, die das Fernsehen einem normalen Schauspieler nicht bieten kann: Szenen mit gut aussehenden Kämpfern, im Hintergrund zerstörte Häuser oder Panzer und Kanonen. Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Bilder genau durchdacht und aufgebaut sind. Man erkennt es an der Bildkomposition und an der Blickrichtung der Beteiligten.
    Der Clou war das Format Videoauftritt des Präsidenten der Ukraine in einem anderen Parlament. Selenskyi hat es in mehreren Ländern durchgespielt und überall eine auf das jeweilige Land zugeschnittene Ansprache gehalten. Mal bettelnd, mal drohend oder fordernd. In Israel ist er böse angeeckt, weil er oder sein Drehbuchautor die dreiste Idee hatten, den Angriff auf die Ukraine mit dem Holocaust gleichzusetzen.
    Heute hier und morgen anders
    Wer Selsnskyis Auftritte und seine Aussagen verfolgt, stellt fest, seine Statements und Forderungen sind nicht konsistent. In Istanbul verhandelt er mit Russen über Waffenstillstand, in Berlin fordert er Panzer und schwere Waffen, in Polen hetzt er die Hardliner auf, in München hat er behauptet, die Ukraine könne Atomwaffen produzieren.
    Damit die Menschen in der Ukraine, die am nächsten dran sind, nicht erkennen, wie sie aufgestachelt und verheizt werden, sind alle Nachrichten im Land gleichgeschaltet und die oppositionellen Parteien wurden verboten. Teilweise wurde das Mobilfunknetz abgeschaltet. Selenski agiert nicht allein, er hat rabiate Leute hinter sich.
    Selenskyi schafft ein mediales Großereignis, ständig neue Szenen, manchmal auch durchsichtig und geschmacklos. Das passt ins Zeitalter von Twitter und Whatsapp.
    Psychologische Kriegsführung
    Die durchsichtigen Inszenierungen des Verteidigers der westlichen Werte mit gestellten Fotos und ausgetüftelten Videobotschaften werden flankiert von einer völlig verzerrten Darstellung des Krieges, die fast nur aus Kriegsverbrechen russischer Bestien besteht, was von unseren Medien und Politikern (!) kritiklos übernommen wird. Für weibliches Publikum, besonders in Deutschland, wird von sexualisierter Gewalt gegen Zivilistinnen und Angriffen auf Krankenhäuser und Kindergärten erzählt.
    Das alles erinnert stark an die bekannte Brutkastenlüge gegen den Irak. Der Unterschied: Die Taktik des Filmprofis Selenskyi ist wesentlich vielseitiger und sehr kreativ. Im Film- und Fernsehgeschäft war er ein Vielschaffender. Ehe eine Lüge enttarnt werden kann,
    13 min
  • Eine Ostfront, ein Garten und psychische Flach-Erdler*innen | Von Felix Feistel, Jill Sandjaja und Anke Behrend
    Ein Standpunkt von Felix Feistel, Jill Sandjaja und Anke Behrend.
    Drei Einblicke in die Wochenzeitung Demokratischer Widerstand von Felix Feistel, Jill Sandjaja und Anke Behrend, Redaktionsmitglieder der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand
    Felix Feistel ist studierter Rechtswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Völker- und Europarecht und Redakteur der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand, siehe demokratischerwiderstand.de/verteilen.
    Jill Sandjaja ist Architekturstudentin, Layouterin und Redaktionsmitglied der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand.
    Anke Behrend ist TV-Profi, Autorin und Redakteurin der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand.
    I. Schrottplatz Ukraine
    Bericht von der Ostfront von Felix Feistel, Redakteur der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand
    Die deutsche Bundesregierung hat zuletzt erklärt, sie werde schwere Waffen in die Ukraine zu liefern. Sie bietet gebrauchte Gepard-Panzer an, die der Flugabwehr dienen. Da die russische Armee die Flugabwehr der Ukraine schon vor längerer Zeit zerstört hat, könnte sie diese Panzer gebrauchen.
    Der Haken ist allerdings, dass die Bedienung der Geräte recht kompliziert ist. Es bedarf einer einjährigen Ausbildung, um sie wirklich im Kampf einsetzen zu können. Auch hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert, dass Deutschland kaum Munition für die Panzer liefert. Flugabwehrpanzer ohne Munition haben für die Ukraine keinerlei Nutzen. Die Gepard-Panzer werden von der Bundeswehr schon lange nicht mehr benutzt. Es ist fraglich, ob es überhaupt noch Offiziere gibt, die sich mit der Technik auskennen.


    Damit wird die Ukraine immer mehr zum Schrottplatz ausgemusterter, westlicher Militärtechnik. Es wird berichtet, dass auch die von den USA gelieferten Javelin-Raketen altersschwach seien. So prallten die Geschosse an den russischen Panzern einfach ab, da die Sprengköpfe defekt seien. Wer Verbündete wie den Westen hat, braucht wahrlich keine Feinde mehr. Den größten Nutzen davon hat die westliche Rüstungsindustrie, die sich über Aufträge freuen kann. Denn da die Lager nun ausgemistet sind, hat das Militär vieler Länder Platz für neue Anschaffungen.

    Derweil hat die russische Armee nicht nur wichtige Bahnhöfe der Ukraine, sondern auch Umspannwerke, die für den Bahnverkehr relevant sind, zerstört. Damit dürfte der Bahnverkehr in der Ukraine weitestgehend stillstehen. Über die Schienen erfolgt ein großer Teil der Versorgung ukrainischer Soldaten an der Front, sowie der Nachschub. Selbst wenn also weitere westliche Waffen geliefert werden, erreichen sie ihr Ziel wohl kaum. Hinzu kommt, dass schon in der Vergangenheit westliche Waffenlieferungen durch russische Luftschläge zerstört wurden, noch bevor sie ihren Bestimmungsort erreicht hatten. Immer wieder werden auch verlassene, ukrainische Stellungen eingenommen, die voll sind von ungenutzten, westlichen Waffensystemen, sodass die Russen schon spotten, der Westen beliefere eigentlich die russische Armee.
    Zivilisten unter Beschuss
    In letzter Zeit häuft sich der ukrainische Beschuss russischer Dörfer, Städte oder militärischer Depots in der Nähe der Grenze. So ist die Stadt Belgorod in der Nacht auf Montag von zwei heftigen Explosionen erschüttert worden. In Berichten war die Rede von ukrainischen Drohnen, die in der Nähe der Stadt gesichtet worden seien. Immer wieder werden Einschläge und Explosionen im russisch-ukrainischen Grenzgebiet berichtet, die mit Sachschäden einhergehen. Auch von Verletzten war bereits die Rede. Todesopfer gab es bislang zumindest auf der russischen Seite der Grenze noch nicht.
    Die Ukraine beschießt überdies weiterhin zivile Ziele im Donbass. Dabei kommt es immer wieder zu toten und verletzten Zivilisten, auch Wohnhäuser werden zerstört. Berichten zufolge verwendet die Ukraine zudem sogenannte Flechette-Geschosse, also kleine, metallene Pfeile,
    18 min
  • Gedankenbrecher | Von Rüdiger Lenz
    Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.
    Vorbemerkung: Dies ist der erste Teil eines Beitrags über “Gedankenbrecher”, dessen zweiter Teil demnächst auch hier auf apolut.net erscheinen wird.
    In die heutige Lage hat uns die Masse der Deutschen gebracht. Sie hinterfragt nichts, schaut in die Röhre, um ihren Tagesbefehl zu erhalten. Die Masse irrt so gut wie immer, das wissen wir aus der Geschichte. Doch um die Zukunft zu gestalten, braucht es das Brechen vieler Gedanken, die die Zukunft an die Vergangenheit verkaufen wollen.
    Gedanken brechen
    Können sie ihre Gedanken brechen, sie aufbrechen und vollkommen anders denken? Ich meine nicht bloß vom Saulus zum Paulus zu werden, ich meine neu denken, in etwa so, als befänden sich ihre neuen Gedanken auf einem ganz anderen Planeten mit einer gänzlich anderen Lebensweise konfrontiert. Nun, das Undenkbare können wir nicht denken, sagen die Philosophen. Ich glaube, damit liegen sie richtig. Doch können wir unsere harteingefrästen Gedanken und das Denken dazu vollkommen ändern? Ich meine damit nicht bloß, sich einen Irrtum einzugestehen. Können wir Menschen das?
    Können sie vom politischen Bewusstsein in ein transformatives Bewusstsein wechseln, und zwar in der Art, dass ihre Transformation das Entscheidende wird und sie das politische Feindbild- und Täterdenken gänzlich loslassen? Können sie ihr politisches Bewusstsein loslassen? Opfer-, Täter- und Feindbilddenken im politischen Bewusstsein füttert die Energie der politischen Sieger. Und damit, sie können es drehen und wenden wie sie wollen, sind alle drei am Gewinn des politischen Systems, wie es heute existiert, Modellierer des politischen Istzustandes. Die Opfer, die Täter und alle Feindbildkonsumenten. Don`t Feed the Beast!
    Gehen wir eine weitere gedankenbrecherische Hürde an. Ich will ihnen ein paar Beispiel nennen.
    Können sie denken, dass unsere Entstehungsgeschichte eine gänzlich andere ist, als die, die uns als Evolutionsnarrativ in den Schulen erzählt wurde?
    Können Sie denken, dass die Virustheorie eine Verkaufsstrategie und keine echte Theorie ist?
    Können sie von etwas, von dem sie felsenfest überzeugt sind, abspringen und sagen, da habe ich ja zwanzig Jahre falsch gedacht?
    Können sie sich beispielsweise auch nur vorstellen, dass die Erde gar keine Kugel, kein Globus ist?
    Können sie sich vorstellen, von auch nur einem einzigen Narrativ in ihrer Vorstellungswelt und ihren Glaubenssätzen einen Millimeter abzurücken?
    Können Sie sich vorstellen, dass die Menschen nicht die erste Spezies hier auf der Erde war, die Kultur in dem Ausmaße schuf, wie wir es bisher taten?
    Können sie ihre Gedanken brechen, und zwar so, wie es Platon in seinem Höhlengleichnis tat, oder Alice im Wunderland es im Kaninchenbau tat?
    Können sie sich völlig neu erfinden?
    Können sie Gedanken denken als ein Lebensspiel von Gedanken, auch wenn diese noch so allumfassend nach Wahrheit riechen?
    Können sie denken, dass ihr Denken, egal wie sie sich bemühen und egal wie viele Auszeichnungen ihr Denken erreicht hat und noch erreichen wird, nicht wirklich auch nur zu einer einzigen Wahrheit führt?
    Können sie denken, dass ihr Erkennen des Universums niemals zur Wahrheit führen wird, auch dann nicht, wenn sie der Illusion einer Wissenschaft anheimgefallen sind, die nie vorgab, Wahrheiten zu finden, sondern bloß Wissen, also Orientierung?
    Können sie den Gedanken denken, dass Wahrheit nur nach Kontrolle sucht und dass Kontrolle nicht in ihrem Vermögen liegt?
    Läge Kontrolle in unserem oder in ihrem Vermögen, so hätten wir alle unsere Haarfarbe, Herkunft und Geschlecht selbst auswählen können. Doch in Wirklichkeit haben wir nicht einmal Einfluss auf unsere Hautfarbe, unsere Zähne und unsere Muskulatur oder Augenfarbe. Ich will sie nicht ärgern, aber verstehen sie, worauf ich hinaus will?
    Wie oft dachten sie, dass der Autor das glaubt,
    17 min
  • Zensur russischer Sender – und Gegenmaßnahmen | Von Markus Fiedler
    Die Fassadendemokratie zeigt ihre totalitäre Fratze.
    Ein Standpunkt von Markus Fiedler.
    Die Lufthoheit über die öffentliche Meinung
    Krieg wird immer begleitet von Propaganda und die ist besonders beliebt in den ach so tollen westlichen „Vorzeigedemokratien“.
    Der oberste NATO-Sprecher Jamie Shea kommentierte die Medienberichterstattung zum Angriffskrieg der NATO auf Jugoslawien folgender Maßen:
    „Das Wichtigste ist, dass der Feind nicht das Monopol über die Bilder haben darf. Denn das rückt die Taktik der NATO in das Licht der Öffentlichkeit […].“ 1
    Im Klartext: Um sein eigenes barbarisches Verhalten vor den eigenen Wählern zu verschleiern bzw. zu rechtfertigen muss man sicherstellen, dass ausschließlich die eigene Propaganda, also die eigene Sichtweise, nötigenfalls Lügen zum Krieg verbreitet werden. Man will die Lufthoheit über die öffentliche Meinung haben.
    Da ist eine Verbreitung von anderslautenden Nachrichten nicht hilfreich. Und daher stellten schon die Nazis im dritten Reich, das Hören von Feindsendern unter Strafe.2
    Auf den Seiten des Deutschlandfunks (DLF) kann man dazu ein Zitat aus den Verlautbarungen der Reichsregierung von 1939 lesen:
    „Jedes Wort, das der Gegner herübersendet, ist selbstverständlich verlogen und dazu bestimmt, dem deutschen Volk Schaden zuzufügen.“3
    Die Initiative zum Verbot vom Feindsender-Hören soll von Joseph Göbbels ausgegangen sein.4
    Wir mussten jüngst erleben, dass dem Sender Russia Today in deutscher Sprache, kurz RT DE zum Jahreswechsel 2021/22 die Lizenz zum Senden via Satellit bzw. Kabel verweigert wurde.
    In einem anderen Artikel auf den Seiten des DLF kann der verwirrte Zuschauer dazu folgendes erfahren:
    „Die Politik beschäftigt sich schon seit Jahren mit RT DE – immer wieder würden hier Desinformationskampagnen verbreitet, heißt es von deutscher Seite.“5
    Ach, die Politik beschäftigt sich mit RT? Genau die Politiker, die durch RT kritisiert werden? Wenn die Politiker verstimmt sind, dann darf RT nicht mehr senden? Hier sehen wir keine kritische Einordnung solcher Aussagen. Der Artikel zeigt insgesamt eine zustimmende Haltung zum Verbot von Russia Today.
    Der DLF ordnet auch nicht diesen eklatanten Verstoß gegen den Artikel 5, dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit entsprechend ein, sondern transportiert unkommentiert die Scheinbegründung von Wolfgang Kreißig, Vorsitzendem der Konferenz der Landesmedienanstalten. Dieser wird folgender Maßen zitiert:
    „In der Tat ist es nochmal ganz wichtig, dass wir eine Feststellung getroffen haben: Dass es einen Sender gibt, nämlich RT DE, betrieben von der RT Productions GmbH, die die Verantwortung für diesen Sender trägt, die von Deutschland aus sendet, für Deutschland. Und dafür braucht sie nach dem Medienstaatsvertrag eine Lizenz, die nicht vorliegt.“6
    Wie es im Nachkriegsdeutschland innerhalb von wenigen Jahren zu einem derartig verfassungsfeindlichen Stimmungsumschwung in der Presse kommen kann, ist erschreckend! Vor allem deswegen, weil besonders Medien des öffentlichen Rundfunks eine Verpflichtung zur Grundgesetztreue und zur Staatsferne haben.7 So kann man beispielsweise auf den Seiten des ZDFs lesen:
    „Das ZDF ist den im Grundgesetz verankerten demokratischen und rechtsstaatlichen Werten verpflichtet. Angebote des ZDF beleuchten daher undemokratische Entwicklungen kritisch.“8
    Ich erspare ihnen an dieser Stelle, was das ZDF zum Thema Sperrung von RT veröffentlicht hat, ansonsten laufen Sie Gefahr, sich spontan zu übergeben, aber falls Sie da einen abgehärteten Magen haben lesen Sie sich das Zitat in der Fußnote durch.9
    Grundgesetz und Rundfunkurteile des Bundesverfassungsgerichts
    Das Bundesverfassungsgericht schrieb in seinem wohl spektakulärstem Urteil zum Thema Meinungsfreiheit im Jahre 1958 allen deutschen Regierungen ins Stammbuch:
    9 min

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das denk' ich auch