Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Der neue Radikalenerlass – Kritik von Gewerkschaften und Studierenden | 29.1.1972
    Anfang der 1970er-Jahre nahm die politisierte Gewalt in Deutschland zu. Teile der Studentenbewegung haben sich radikalisiert. Andere, vor allem linke Gruppen, folgten offen der von Studentenführer Rudi Dutschke ausgegebenen Parole vom Marsch durch die Institutionen.
    Verfassungsfeinde dürfen Staat nicht unterwandern
    In dieser politischen Stimmung beschließen Bund und Länder parteiübergreifend den sogenannten Radikalenerlass. Das Ziel war zu verhindern, dass Verfassungsfeinde den Staat unterwandern.
    Die Folge war, dass, bevor eine Lehrerin oder auch ein Bahn- oder Postbeamter eingestellt wurde, eine sogenannte Regelanfrage beim Verfassungsschutz gestellt wurde.
    "Verfassungsfeindlich" – keine konkrete Definition
    Welches Verhalten genau als verfassungsfeindlich gelten sollte, war allerdings nicht eindeutig definiert. Klar war, dass es nicht nur um Parteizugehörigkeit – etwa zu kommunistischen Parteien – gehen sollte. Sowohl die SPD-geführte Bundesregierung unter Willy Brandt als auch die unionsgeführten Länder fassten den Beschluss gemeinsam. Die SPD auch, um ihre Distanz zum Kommunismus zu unterstreichen. Denn der SPD wurde – gerade auch wegen Brandts Ostpolitik und der Verträge mit Moskau – eine Nähe zum Kommunismus immer wieder vorgeworfen.
    Hamburg setzt den Erlass als erstes um – und erntet Kritik
    Es ist der 29. Januar 1972. Hamburg hat als erstes Bundesland den Radikalenerlass umgesetzt – und erntet dafür viel Kritik, nicht nur von Gewerkschaften. Der folgende Beitrag – der in seiner archivierten Fassung vorne und hinten etwas abreißt – zeigt die Reaktionen auf den neuen Erlass.
    Radikalenerlass führt zu mehr als drei Millionen Überprüfungen
    Bis 1991 wurden insgesamt 3,5 Millionen im öffentlichen Dienst überprüft. In der Folge wurden mehr als tausend Schul- und Hochschullehrkräfte nicht eingestellt, weil sie als "linksextrem" galten. Für diese Einstufung genügte unter Umständen schon eine kapitalismuskritische Dissertation. Rund 260 Personen wurden entlassen.
    Im Bild: Gegen den Radikalenerlass und für die Aufhebung des KPD-Verbots demonstrierten am 3. Februar 1972 in Bochum Betroffene, Studenten und Schüler
    6 min
  • "Unternehmen Zukunft!" – Die Privatisierung der Bahn | 10.1.1994
    Bundesbahn und Reichsbahn fusionieren
    Bis 1993 gab es die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn. Zwei staatliche Unternehmen, hochverschuldet, mit 70 Milliarden D-Mark in den roten Zahlen. Für Frust sorgten damals weniger unpünktliche Züge als vielmehr die noch langen Schlangen an den Fahrkartenschaltern. Und gerade im Osten stiegen immer mehr Menschen aufs Auto um.
    Privatisierung ab 1994 soll finanzielle Probleme lösen
    So sollte es nicht weiter gehen, und so lautete die Hoffnung: privatisieren! Mit Jahresbeginn 1994 werden beide zu einem privatwirtschaftlichen Unternehmen zusammengeschlossen. Flexibler, wettbewerbsfähiger und billiger sollte die Bahn werden und damit kundenorientierter, nicht mehr abhängig von den Entscheidungen im Verkehrsministerium.
    Der Bund übernimmt praktischerweise die Schulden, sodass das neue Unternehmen schuldenfrei loslegen kann. Die Berichterstattung ist wohlwollend.
    Zum Start des neuen Unternehmens kündigt der neue Vorstandschef Heinz Dürr medienwirksam das neue Guten-Abend-Ticket an, das vor allem für gute Stimmung sorgen soll.
    Reporterin: Birgit Wentzien
    3 min
  • Studenten empören sich über Numerus clausus | 24.1.1968
    In Fächern wie Medizin und Pharmazie gab es Zulassungsbeschränkungen schon seit den 1950ern. Doch angesichts des wachsenden Andrangs von Abiturienten zeichnet sich ab, dass die Zulassung mit einem allgemeinen Numerus-Clausus-System weiter beschränkt wird.
    Studentenvertreter empören sich und halten den Numerus clausus für verfassungswidrig.
    5 min
  • Eugen Bolz spricht im Reichstag | 24.2.1932
    Eugen Bolz (15.12.1881 - 23.1.1945), Kaufmannssohn aus Rottenburg am Neckar, macht eine steile politische Karriere in Württemberg: Justizminister, Innenminister, Staatspräsident. Gleichzeitig sitzt er ab 1920 für die Zentrumspartei im Berliner Reichstag. Am 24. Februar 1932 spricht er dort über die aktuelle Krise: "Nicht genug, dass wir den Krieg verloren haben", sagt er, "es ist nicht notwendig, dass wir die Schlacht in unserem Inneren auch noch verlieren und elend zugrunde gehen."
    Anfangs hält Bolz die Machtübernahme Adolf Hitlers für ein notwendiges Übel in einer Krisensituation. Doch 1940 schließt er sich dem zivilen Widerstand um Carl Friedrich Goerdeler an.
    Am 23. Januar 1945 wird Eugen Bolz in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet.
    11 min
  • Margarete Mitscherlich über "Die Unfähigkeit zu trauern": "Was hatte man wirklich dagegen getan?" | 21.1.1989
    Margarete Mitscherlich war über Jahrzehnte die prominenteste deutsche Psychoanalytikerin. Sie war bekannt durch ihre wegweisenden Bücher wie "Die Unfähigkeit zu trauern", das sie 1967 zusammen mit ihrem Mann Alexander Mitscherlich geschrieben hatte. Drei Jahre nach dessen Tod erschien 1985 "Die friedfertige Frau", das Margarete Mitscherlich zu einer wichtigen Stimme des Feminismus machte.
    In diesem Gespräch von 1989 blickt Margarete Mitscherlich mit ihrer psychoanalytischen Brille auf die deutsche Nachkriegszeit und ihr eigenes Leben. Unter anderem äußert sie sich zur Rede von Bundestagspräsident Philipp Jenninger im November 1988 anlässlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht. Die Rede hatte einen Skandal ausgelöst und Jenniger war zurückgetreten.
    Die Interviewerin ist Susanne Lüdtke.
    39 min
  • Biden wird Präsident – Amanda Gorman und ihr Gedicht "The hill we climb" | 20.1.2021
    Unter extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen wird Joe Biden am 20. Januar 2021 als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.
    Die größte Aufmerksamkeit bei der Zeremonie bekommen jedoch weder er noch seine Vizepräsidentin Kamala Harris, sondern die 22-jährige afroamerikanische Schriftstellerin Amanda Gorman, die ihr fünfminütiges Gedicht "The hill we climb" vorträgt.
    Gedicht zur Amtseinführung des US-Präsidenten hat Tradition
    Ein Gedicht zur Inauguration eines Präsidenten – das ist Tradition in den USA. Amanda Gorman ist nun die jüngste, die diesen Auftrag bekommt. Knapp drei Wochen zuvor wurde sie von Joe Bidens Frau Jill darum gebeten.
    In dem Gedicht verarbeitet sie Bilder und Gedanken zum Sturm aufs Kapitol zwei Wochen zuvor. Aber auch die Hoffnung ihrer eigenen Generation, rassistische Diskriminierung zu überwinden. Sie spricht von sich als einem dünnen, schwarzen Mädchen, das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde, das davon träumen kann, Präsidentin zu werden, nur um sich selbst in einer Situation zu finden, in der sie für einen Präsidenten vorträgt.
    Amanda Gorman: The hill we climb
    When day comes, we ask ourselves,
    where can we find light in this never-ending shade?
    The loss we carry,
    a sea we must wade.
    We've braved the belly of the beast.
    We've learned that quiet isn't always peace.
    And the norms and notions
    of what just is, isn't always just-ice.
    And yet the dawn is ours
    before we knew it.
    Somehow we do it.
    Somehow we've weathered and witnessed
    a nation that isn't broken,
    but simply unfinished.
    We, the successors of a country and a time
    where a skinny Black girl
    descended from slaves and raised by a single mother
    can dream of becoming president
    only to find herself reciting for one.
    And yes, we are far from polished,
    far from pristine,
    but that doesn't mean
    we are striving to form a union that is perfect.
    We are striving to forge our union with purpose.
    To compose a country, committed to all cultures, colors, characters, and conditions of man.
    And so we lift our gaze, not to what stands between us
    but what stands before us.
    We close the divide because we know to put our future first,
    we must first put our differences aside.
    We lay down our arms
    so we can reach out our arms
    to one another.
    We seek harm to none and harmony for all.
    Let the globe, if nothing else, say, this is true:
    That even as we grieved, we grew.
    That even as we hurt, we hoped.
    That even as we tired, we tried.
    That we'll forever be tied together, victorious.
    Not because we will never again know defeat,
    but because we will never again sow division.
    Scripture tells us to envision
    that everyone shall sit under their own vine and fig tree
    and no one shall make them afraid.
    If we're to live up to our own time,
    then victory won't lie in the blade, but in all the bridges we've made.
    That is the promise to glade
    The hill we climb.
    If only we dare
    It's because being American is more than a pride we inherit.
    It's the past we step into
    and how we repair it.
    We've seen a force that would shatter our nation, rather than share it.
    Would destroy our country if it meant delaying democracy.
    And this effort very nearly succeeded.
    But while democracy can be periodically delayed,
    it can never be permanently defeated.
    In this truth,
    in this faith we trust
    For while we have our eyes on the future,
    history has its eyes on us.
    This is the era of just redemption.
    We feared at its inception
    We did not feel prepared to be the heirs
    of such a terrifying hour,
    but within it, we found the power
    to author a new chapter.
    To offer hope and laughter to ourselves.
    So while once we asked,
    how could we possibly prevail over catastrophe?
    Now we assert
    how could catastrophe possibly prevail over us?
    We will not march back to what was,
    but move to what shall be
    a country that is bruised but whole
    benevolent, but bold,
    fierce, and free.
    We will not be turned around
    or interrupted by intimidation
    because we know our inaction and inertia
    will be the inheritance of the next generation.
    Our blunders become their burdens,
    but one thing is certain.
    If we merged mercy with might,
    and might with right,
    then love becomes our legacy, and change our children's birthright.
    So let us leave behind a country
    better than the one we were left with
    Every breath, my bronze-pounded chest.
    We will raise this wounded world into a wondrous one.
    We will rise from the gold-limbed hills of the West.
    We will rise from the windswept Northeast
    where our forefathers first realized revolution.
    We will rise from the lake-rimmed cities of the midwestern states.
    We will rise from the sunbaked South.
    We will rebuild, reconcile and recover
    and every known nook of our nation.
    And every corner called our country.
    Our people diverse and beautiful will emerge,
    battered and beautiful.
    When day comes, we step out of the shade
    aflame and unafraid
    The new dawn blooms as we free it.
    For there was always light.
    If only we're brave enough to see it.
    If only we're brave enough to be it.
    7 min
  • Urteil: Betriebe dürfen Rauchen verbieten | 19.1.1999
    Heute kaum noch vorstellbar: Früher mussten Nichtraucher fast überall Zigarettenqualm ertragen: bei der Arbeit, in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden. Doch dann beginnt ein Umdenken. Den Anfang machen die Fluglinien.
    Rauchen nur im Raucherstand auf dem Hof: Mitarbeiter klagt erfolglos
    Die Lufthansa verbietet 1995 das Rauchen auf Inlandsflügen und ab 1998 generell. Auch erste Betriebe fangen an, das Rauchen zu untersagen. Das Philips Halbleiterwerk in Hamburg beginnt damit 1996 und gerät in die Schlagzeilen, weil ein Mitarbeiter dagegen klagt, dass er zum Rauchen in eine spezielle Ecke auf den Hof muss. Doch am 19. Januar 1999 verliert er seinen Prozess. Das Bundesarbeitsgericht billigt das Rauchverbot in einem wegweisenden Urteil.
    Rauchverbote nach und nach in verschiedenen Bereichen
    Das Urteil führt allerdings nicht gleich zu großflächigen Rauchverboten. Die meisten Betriebe ziehen erst Mitte der 2000er Jahre nach. Das Rauchen in öffentlichen Gebäuden wurde 2007 verboten, von da an gibt es in der Bahn auch keine Raucherabteile mehr. Ein Jahr später wird auch die Gastronomie rauchfrei – explizite Raucherkneipen ausgenommen.
    5 min
  • Erster Smogalarm in der Bundesrepublik | 17.1.1979
    Smog-Krise bereits 1962 im Ruhrgebiet
    Beim Wort "Smog" dachten die meisten Menschen jahrzehntelang vor allem an London. Dort wurde das Wort, das sich aus Smoke und Fog – also Rauch und Nebel – zusammensetzt, geprägt.
    Doch in den 1960ern mussten die Deutschen erfahren, dass auch sie von Smog nicht verschont bleiben. Das Ruhrgebiet erlebte 1962 eine schwere Smog-Krise. Durch die Kombination aus Kohleverbrennung – damals wurde noch viel mit Kohle geheizt –, Autoverkehr – damals ohne Katalysator – und einer Inversionswetterlage stauten sich Ruß und Schwefeldioxid am Boden und führten zu einem starken Anstieg von Atemwegserkrankungen. Anschließend erließen Nordrhein-Westfalen und in der Folge weitere Bundesländer Smog-Verordnungen.
    1979 erster bundesweiter Smogalarm
    Am 17. Januar 1979 kommt es zum ersten Smogalarm in der Bundesrepublik – wieder im Ruhrgebiet.
    Zunächst eine Umfrage, anschließend ein Hintergrundbericht im Süddeutschen Rundfunk.
    12 min
  • Ansprache des Landeskommandanten von Tirol | 16.1.1916
    100-Jahrfeier der Tiroler Kaiserjäger
    Die Kaiserjäger waren vier Infanterieregimenter der k.-u.k. Armee. Sie kämpften zunächst in Galizien und den Karpaten gegen Russland, bis sie nach dem Beginn der Kämpfe an der italienischen Front eingesetzt wurden.
    Victor Freiherr von Dankl
    Victor Freiherr von Dankl (1854 - 1941) war Generaloberst der österreichisch-ungarischen Armee. Im Mai 1915 übernahm Dankl das Kommando über die Verteidigung Tirols. Mit den eigentlich völlig unzureichenden Kräften, die ihm dort zur Verfügung standen, gelang es ihm dennoch, die Angriffe der Italiener aufzuhalten, bis Verstärkungen von der Ostfront eintrafen. Im März 1916 wurde ihm das Kommando über die Frühjahrsoffensive im Trentino übertragen.
    Der Namenstag der Kaiserjäger ist "stolzer Gedenktag" für ganz Tirol und Vorarlberg / Seit der Zeit Kaiser Franz I. heroischer Einsatz für Kaiser und Reich / Denkmäler in der Kriegsgeschichte, Heiligtum auf dem Berg Isel / Erfolgreiche Teilnahme der Kaiserjäger an den vergangenen Kriegen / Bald wird die große Stunde schlagen, da wir den heimtückischen Feind niederringen werden zum Heile des Vaterlandes.
    Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
    3 min
  • Proteste gegen den Schah-Besuch in Berlin – kommentiert von Ulrike Meinhof | 2.6.1967
    Der Schah besucht mit seiner Frau Farah Diba Berlin und Tausende protestieren gegen ihn wegen der Menschenrechtsverletzungen in Persien.
    Abends, als das Schah-Ehepaar sich die "Zauberflöte" ansehen will, versammeln sich die Studenten vor der Deutschen Oper. Unter ihnen ist auch der Student Benno Ohnesorg, der an jenem Abend um 20:30 Uhr von einem Polizisten erschossen wird. Ein Schlüsselereignis für die Radikalisierung der Studentenbewegung. Reporter ist Erich Nieswandt.
    Auch die Journalistin – und spätere RAF-Terroristin – Ulrike Meinhof äußert sich in einem ARD-Kommentar zum Schah-Besuch. Sie vergleicht darin den Polizeistaat im Iran mit der Situation in der Bundesrepublik.
    9 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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