Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Vorlesung über Vererbungslehre auf der NS-Ordensburg Vogelsang | 9.12.1937
    Ideologische Schulungen in der Kaderschmiede der NSDAP
    Die NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel war eine der Kaderschmieden der NSDAP. Die als "Junker" bezeichneten Lehrgangsteilnehmer sollten für hochrangige Regierungs- und Verwaltungsämter vorbereitet werden. Teil der Ausbildung waren tägliche Vorlesungen, die der ideologischen Schulung dienten.
    Kommandeur Hans Dietel fabuliert über "Rassenmerkmale"
    Hans Dietel war Kommandeur der Ordensburg Vogelsang und Hauptlehrer für "Erblehre und Rassenkunde". Er hält am 9. Dezember 1937 eine Vorlesung, in der er über die Vererbbarkeit von angeblichen "Rassenmerkmalen" und "Nerven- und Geisteskrankheiten" fabuliert. Gleichzeitig greift er die Fürsorgepolitik der Kirche heftig an. Sie sei Stütze und Förderer "der Entwicklung alles schwachen und kranken Lebens".
    Die Aufnahme des Vortrags ist lückenhaft und Hans Dietel verlässt mehrfach das Mikrofon.
    Mit Kriegsbeginn, im September 1939, wurde der Schulungsbetrieb ausgesetzt und die "Junker" eingezogen. Als fanatische Anhänger beteiligten sich einige in den "Reichskommissariaten Ostland und Ukraine" an schweren Kriegsverbrechen.
    2 hr 7 min
  • Erwin Schrödinger: "Unsere Vorstellung von der Materie" | 9.12.1952
    Erwin Schrödinger: "Der mit der Katze" und Begründer der Quantenmechanik
    In der Physik ist Erwin Schrödinger (1887 - 1961) derjenige, dem die Quantenmechanik die Wellengleichung verdankt. In der breiten Öffentlichkeit ist Schrödinger vor allem bekannt als "der mit der Katze". Eine Anspielung auf sein berühmtes Gedankenexperiment, in dem Schrödinger sich eine Katze ausmalte, deren Leben davon abhängt, ob ein einzelnes radioaktives Atom zerfällt oder nicht. Solange niemand dieses Atom beobachtet, das war die Erkenntnis der Quantenmechanik, befindet sich dieses Atom in einer Überlagerung aus zwei Zuständen: zerfallen und nicht zerfallen. Und da dieses Atom über das Leben der Katze entscheidet, müsste für sie das gleiche gelten. Sie befindet sich in einer Überlagerung aus tot und lebendig.
    Vortrag über Materie 1952 in der Schweiz
    Schrödinger glaubte nicht, dass das wirklich so wäre, für ihn war das mehr ein Beispiel, dass mit der klassischen Deutung der Quantenmechanik etwas nicht stimmen konnte. Aber dieses Gedankenexperiment ist nun wirklich nicht das einzige, was er hervorgebracht hat.
    1952 hält er in der Schweiz einen Vortrag zum Thema: "Unsere Vorstellung von der Materie". Der genaue Ort ist nicht dokumentiert.
    1 hr 17 min
  • Krieg im Äther: Russische Störsender überlagern deutsche Propaganda | 8.12.1942
    Im Krieg war auch der Rundfunk ein Schlachtfeld. Die Kriegsparteien versuchten zum Teil, die Übertragung des gegnerischen Funks zu stören, etwa indem man das Programm überlagerte mit einer eigenen Übertragung. Es ist allerdings nicht klar, wie oft man das versucht hat und mit welchem Erfolg.
    Im Archiv findet sich aber eine eindrucksvolle Aufnahme. Während der deutschen Lagemeldung ist dröhnend Laut Gegenpropaganda zu hören, vermutlich von russischer Seite gesendet. Ein Sprecher brüllt: "Wo ist Rommel?", "in Italien geht alles drunter und drüber", "alles Lügen" oder "aus Russland kommt niemand zurück".
    9 min
  • John Lennon wird ermordet | 8.12.1980
    John Lennon wird vor dem "Dakota Building" in New York erschossen
    John Lennon, weltbekannt als Sänger und Gitarrist der Beatles, der erfolgreichsten Band der Musikgeschichte, wird vor seinem Haus ermordet. Es ist der Abend des 8. Dezember 1980. USA-Korrespondent Hans-Joachim Kruse schildert die Ereignisse.
    2 min
  • 100 Jahre SWR: Südwestdeutscher Rundfunkdienst wird 1923 gegründet
    Der Rundfunkbetrieb in Deutschland startete am 23. Oktober 1923 mit der berühmten Ansage:
    Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin.

    Quelle: Funk-Stunde AG, Berlin

    Gesendet hat das die Funk-Stunde AG in Berlin. Der Name verrät es: Das war kein öffentlich-rechtlicher Rundfunk; den gab es noch nicht. Sondern eine AG, also eine privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft, betrieben von der Reichspost zusammen mit privaten Investoren.
    SWR, WERAG, NORAG: Rundfunkgesellschaften im Deutschen Reich
    Innerhalb kurzer Zeit entstanden solche Rundfunkgesellschaften im gesamten Deutschen Reich. Die WERAG in Westdeutschland, die NORAG in Norddeutschland und eben auch der SWR – der Südwestdeutsche Rundfunkdienst.
    Der SWR deckte ein Gebiet vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis in Teile Hessen ab. Anfangs wurde drei bis fünf Stunden gesendet, vor allem Nachrichten und Unterhaltungsmusik. Irgendwann kamen Reportagen dazu, aufgenommen draußen mit dem Mikrofon. Der Pionier im damaligen SWR war Paul Laven.
    Gesendet hat der damalige SWR aus Frankfurt. In Stuttgart wiederum entstand ein paar Wochen später die SÜRAG, die Süddeutsche Rundfunk AG. Beide wurden 1925 Mitglieder der Reichsrundfunkgesellschaft.
    Nationalsozialismus: SWR AG wird Reichssender Frankfurt
    Die Zeit der SWR AG endete mit der Machtübernahme der Nazis, die die Sender verstaatlichten. Aus der SWR AG wurde der Reichssender Frankfurt, aus der SÜRAG der Reichssender Stuttgart.
    SDR und SWF fusionieren 1998: Es gibt wieder einen SWR
    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Rundfunk neu aufgebaut, aber die Namen kamen wieder mit dem Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Der fusionierte 1998 mit dem Südwestfunk zum Südwestrundfunk. Da war er also wieder: Der SWR, und doch ganz anders als vor 100 Jahren.
    2 min
  • Die Anfänge des Zeitfunks – Paul Laven über die frühe aktuelle Berichterstattung | um 1970
    1923 startete der Rundfunkbetrieb in Deutschland, ab 1925 war auch Paul Laven (1902 - 1979) mit dabei. Mit gerade mal 22 Jahren kam er zum damaligen Südwestdeutschen Rundfunkdienst nach Frankfurt am Main.
    Rundfunkpionier Laven blickt auf die Anfänge des Rundfunks zurück
    Bestand der Rundfunk anfangs aus Unterhaltungssendungen und Hörspielen, machte es sich Laven zur Aufgabe, die aktuelle Berichterstattung zu stärken. Auf ihn geht der Begriff "Zeitfunk" zurück, der lange für die aktuellen Sendungen verwendet wurde. Und er wurde Pionier der Sportreportage. Am 28. Juni 1925 berichtete er von einer Ruderregatta auf dem Main, 1926 übertrug er die deutsche Fußballmeisterschaft.
    Laven konnte auch in der NS-Zeit weiterarbeiten: Er war zwar nicht NSDAP-Mitglied, aber passte sich an. Er berichtet von den Parteitagen ebenso von der Einweihung der Reichsautobahn oder 1936 von den Olympischen Spielen in Berlin.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor er seine Festanstellung und bekam nur noch gelegentlich Aufträge vom Rundfunk. Aber er wird eingeladen, um über die Anfänge zu reden. So wie in diesem Gespräch, in dem er einen Einblick gibt, wie sich in den ersten Rundfunkjahren die verschiedenen Sparten des Rundfunks, insbesondere der Zeitfunk und die Reportagen, entwickelt haben.
    Das Datum der Aufnahme ist leider ebenso wenig dokumentiert wie der Name des Interviewers.
    Quelle: HR
    38 min
  • Zweites Vatikanisches Konzil reformiert die katholische Liturgie | 4.12.1963
    Volksnahe Gottesdienste und ökumenische Erneuerung
    Drei Jahre lang dauerte das Zweite Vatikanische Konzil, einberufen von Papst Johannes XXIII. Ziel war eine "pastorale und ökumenische Erneuerung": Ökumenisch, indem sich die katholische Kirche stärker gegenüber der evangelischen Kirche und der Orthodoxie öffnen sollte. Pastoral, indem die Liturgie reformiert wurde. Die Gottesdienste sollten volksnäher werden, Laien mehr einbinden und vor allem in der jeweiligen Landessprache statt in Latein abgehalten werden.
    Beschluss der Liturgiereform: Sacrosanctum Concilium
    Diese Reform nimmt in der zweiten Sitzungsperiode 1963 Gestalt an, die unter Johannes‘ Nachfolger, Paul VI., abgehalten wird. Am 4. Dezember 1963 beschließt das Konzil die Grundlage für die Liturgiereform, das Dokument "Sacrosanctum Concilium".
    Stellungnahme zur Bedeutung der modernen Massenmedien
    In einem zweiten Dekret "Inter mirifica" bezieht das Konzil Stellung zu den immer wichtiger werdenden Massenmedien. Es plädiert für Pressefreiheit, aber auch für Jugendschutz. Vor allem aber nimmt sich der Vatikan vor, selbst stärker medial aktiv zu werden.
    Der Südwestfunk berichtet noch am selben Tag in einer Sondersendung über die Bekanntgabe aus Rom.
    30 min
  • Henry Kissinger im Gespräch mit Dieter Kronzucker | 4.11.1990
    Kissingers politisches Leben war bestimmt vom Ost-West-Konflikt
    4. November 1990 – Deutschland ist seit einem Monat wiedervereinigt. Ein guter Zeitpunkt für ein ausgiebiges Gespräch mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger (1923 - 2023), dessen politisches Leben wesentlich bestimmt war vom Ost-West-Konflikt in all seinen Ausprägungen. Von der Kuba-Krise über den Vietnamkrieg bis zum Eisernen Vorhang in Europa, der Deutschland 40 Jahre lang in Ost und West geteilt hat.
    Ich war auf der Seite der Falken, nicht der Tauben

    Quelle: Henry Kissinger

    Nach Flucht vor den Nazis diplomatische Karriere in den USA
    Kissinger, der 1923 als Heinz Alfred Kissinger im fränkischen Fürth geboren wurde, floh mit seiner Familie 1938 vor den Nazis in die USA, später wird er sicherheitspolitischer Berater und schließlich Außenminister unter Richard Nixon.
    Wir hatten Erfolg, aber unsere Zeit war abgelaufen

    Quelle: Henry Kissinger über seine Afrika-Politik 1976

    Im Gespräch mit Dieter Kronzucker blickt er auf sein Leben zurück, auf die Weltlage nach dem Mauerfall und er geht auch auf die Kritik ein, die viele an seiner Politik geübt haben.
    Seltsame Erscheinung, vor allem für Intellektuelle … Wo er auch war ... hat er die Lage auf eine Weise dominiert, die einzigartig war.

    Quelle: Henry Kissinger über Ronald Reagan

    Quelle: DRA
    57 min
  • UN-Vollversammlung stimmt für Aufteilung Palästinas | 29.11.1947
    Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Palästina zum Osmanischen Reich. Das Osmanische Reich gehörte aber zu den Kriegsverlierern und hat sich in der Folge aufgelöst. Palästina wurde Mandatsgebiet von Großbritannien. In dieser Zeit und schon vorher wanderten viele Juden nach Palästina aus. Großbritannien hatte den Juden schließlich schon 1917 versprochen, in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Das war die berühmte Balfour-Erklärung.
    Jerusalem sollte unter internationale Kontrolle gestellt werden
    Die Einwanderung führte allerdings zu schweren Konflikten mit den ebenfalls dort lebenden Arabern. Großbritannien war mit den wachsenden Spannungen überfordert und stand auch unter Druck, Palästina in die Unabhängigkeit zu entlassen. Aber die Bevölkerung Palästinas bestand zu diesem Zeitpunkt aus Juden und Arabern und beide hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Landes.
    Also übergab Großbritannien das Problem an die Vereinten Nationen. Die verabschiedeten einen Teilungsplan. Palästina wurde auf dem Papier in einen jüdischen und einen palästinensischen Staat geteilt. In diesem Teilungsplan zerfiel übrigens auch der jüdische Staat in einen nördlichen und einen südlichen Teil, Jerusalem gehörte in diesem Plan nicht zum jüdischen Staatsgebiet, sondern sollte unter internationale Kontrolle gestellt werden.
    Über diesen Teilungsplan stimmte die UN-Vollversammlung am 29. November 1947 ab.
    Am 14. Mai 1948 erklärt Israel seine Unabhängigkeit
    Mit 33 Ja- zu 13 Nein-Stimmen bei 10 Enthaltungen stimmte die Mehrheit für die Aufteilung des Landes. Großbritannien hat sich als ehemalige Mandatsmacht enthalten. Ein halbes Jahr später erklärt Israel seine Unabhängigkeit.
    6 min
  • Erster autofreier Sonntag – Sondersendung | 25.11.1973
    Jom-Kippur-Krieg und Erdölembargo
    Im Herbst 1973 drosseln die OPEC-Länder den Erdölexport und sorgen damit für die erste weltweite Ölkrise.
    Das Ölembargo ist eine Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg. Am 6. Oktober 1973 hatten Ägypten und Syrien überraschend Israel angegriffen – am höchsten jüdischen Feiertag. Trotz schwerer Verluste kann Israel den Angriff abwehren.
    Die OPEC-Staaten setzen daraufhin das Erdölembargo als Sanktion gegen den Westen ein, der sich im Konflikt auf die Seite Israels gestellt hat.
    Autofreie Sonntage und Tempolimits in der Bundesrepublik
    Die Bundesrepublik reagiert auf die Ölknappheit mit einer ungewöhnlichen Sparmaßnahme. Sie verhängt vier autofreie Sonntage sowie Tempolimits.
    Der erste dieser Sonntage ist der 25. November 1973. Der Südwestfunk sendet dazu nachmittags eine dreistündige Sondersendung. Hier ein Zusammenschnitt aus der ersten Stunde. Vor allem die Musik haben wir herausgeschnitten.
    Besonders hörenswert: Die launige Reportage von SWF-Reporter Pit Klein, etwa ab der 3. Minute dieser Aufnahme.
    24 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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