Grenzen der KI und warum menschliches Denken unverzichtbar bleibt
Was bleibt von juristischer Arbeit, wenn KI immer besser schreibt, sortiert und plausibilisiert? Und wo liegen die Grenzen, die auch durch Technik nicht verschwinden? In dieser Folge von «Mit 40i cha mers mit de Tiger» sprechen Frank Renold und Duri Bonin über künstliche Intelligenz im Berufsalltag und darüber, was das für Juristerei, Strafverteidigung, Ausbildung und Entscheidungsfindung bedeutet.
Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Podcastserie, die Frank Renold gehört hat: «Back to the Future – KI nach dem Hype», in der Duri Bonin mit Patrick Arnecke (Data Scientist, Statistisches Amt Kanton Zürich) über KI spricht. Frank greift daraus Fragen auf, die ihn in seinem eigenen beruflichen Umfeld beschäftigen: Was hilft heute konkret? Wo liegen Chancen, Grenzen und notwendige Leitplanken – gerade für Wissensarbeit?
Duri übersetzt diese Fragen in die Juristerei. KI kann unterstützen, aber sie ist fehleranfällig, bias-anfällig und produziert oft genau das, was man hören will. Gerade im Strafverfahren wird das heikel: Wer sich auf plausibel klingende Texte verlässt, riskiert taktische Fehlentscheide. Entscheidend bleibt menschliche Kontrolle – fachlich, prozessual und ethisch.
Ein weiteres Thema ist die Ausbildung: Wenn KI als allgegenwärtiger „Junior“ eingesetzt wird, droht der Mittelbau wegzufallen. Lernen ohne Verstehen, Ergebnisse ohne Denkprozess. Gleichzeitig öffnet sich ein Gegenbild: Wenn Routine delegiert wird, könnte Raum entstehen für Beziehung, Kreativität und echtes Denken jenseits der Vorlage.
Am Ende weitet sich der Blick: KI als Wahrscheinlichkeitsmaschine, Parallelen zur Plausibilitätslogik im Gericht, soziale Distanz zwischen Entscheidenden und Betroffenen – und die Frage, was an juristischer Arbeit nicht automatisierbar ist.
Darum geht es in dieser Episode
KI im juristischen Alltag: Hilfe oder trügerische AutoritätBias und Bestätigungstendenzen bei KI-generierten ErgebnissenKI als Wahrscheinlichkeitsmaschine und Parallelen zur richterlichen PlausibilisierungWarum menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibtKI als „Junior“: Qualitätsgewinn ja, Zeitgewinn nicht zwingendRisiken für Ausbildung und Nachwuchs: Lernen ohne VerstehenJustiz und Strafzumessung mit KI: Skepsis, Datengrundlagen, VerantwortungWarum KI keine Strafverteidigung führen kann: Verfahren, Taktik, Soft FactorsMassschneidung statt Anzug ab Stange: Einzelfall statt StandardantwortKreativität, Beziehung, gemeinsames Denken als menschlicher Kern«Denken ausserhalb des Kopfes» und die Frage nach echter NeuerfindungZukunftsoptimismus vs. Überrollungsgefühl im juristischen BerufEin Zitat, das bleibt: «KI wird nie eine Strafverteidigung führen können.»
Für wen ist diese Folge: Für Juristinnen und Juristen in Strafverteidigung, Staatsanwaltschaft, Gerichten, Kanzleien und Rechtsabteilungen, die KI bereits nutzen oder nutzen möchten. Für alle, die sich fragen, wie Qualität gesichert, Nachwuchs ausgebildet und Verantwortung getragen werden kann, wenn Textproduktion billig wird – und Denken knapp.
Ein Buch zum Anwaltsmangement mit einem Kapitel über die digitale Zukunft, KI und WeiterbildungDas Buch zum Podcast: In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & UrteilsfindungAnwaltskanzlei von Duri BoninFirma von Frank RenoldDie Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.