Am 3. Oktober 1990 wurden die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik nach 40 Jahren Trennung zu einem Staat vereinigt. Von nun an gab es nur noch eine Bundesrepublik und die DDR war Geschichte, so schien es jedenfalls. Man hätte nüchtern davon ausgehen können, dass sich nur noch Historiker für das kleine Land interessieren und alle anderen froh sein würden, die Diktatur des Proletariats hinter sich zu lassen.
Aber auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das deutsch-deutsche Thema noch nicht zu Ende erzählt. Und vermutlich ein gewisser zeitlicher Abstand hilfreich, um bestimmte Ereignisse einzuordnen und zu erklären. Der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel hat seinen Anteil dazu bereits beigetragen, indem er uns zum Beispiel das Leben der Schriftstellerin Brigitte Reimann nähergebracht oder sich der literarischen Erinnerungskultur gewidmet hat.
Nun hat Carsten Gansel ein Buch geschrieben, das in dieselbe Richtung weist und dessen Titel aus einer Frage besteht: "Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“. Bettina Baltschev ist im Gespräch mit dem Autor.