ERF Plus - Wort zum Tag

ERF Plus - Wort zum Tag

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
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ERF Plus - Wort zum Tag episodes

  • Fokus Beziehung
    Die Bibelstelle Lukas 10,39 – ausgelegt von Matias Wiens.

    Ich möchte mit zwei Bildern starten. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Park in guter Gemeinschaft und strahlendem Sonnenschein. Es wird erzählt, gelacht, genossen. Der Austausch ist richtig entspannt und Sie haben eine gute Zeit.

    Zweites Bild. Stellen Sie sich vor, Sie erwarten einen Ehrengast bei sich zuhause. Vielleicht den Chef Ihrer Firma, oder einen bekannten Redner. Dafür haben Sie jedes Detail geplant und alles wird perfekt vorbereitet. Sie sind angespannt, und hoffen, dass der geplante Austausch in einem geeigneten Rahmen abläuft.

    Kann ich diese beiden Situationen miteinander verbinden? Das Entspannte miteinander Quatschen, mit einem besonderen Besuch, bei dem alles perfekt laufen muss?

    Wohl kaum. Und wenn doch, wäre das irgendwie seltsam, vielleicht sogar unangebracht.

    Aber genau das passiert in dem Bibeltext. Jesus kommt zu Besuch zu zwei Schwestern, Maria und Marta. Jesus ist der Ehrengast, und alles soll perfekt für ihn vorbereitet sein. Deswegen ist Marta im Stress. Und was macht Maria? Im Lukasevangelium, Kapitel 10 Vers 39 steht: „Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu.“ Hey Maria, das ist doch Park-Verhalten, bei so einem Würdenträger… Sowas macht man doch nicht, oder? Genau das warf ihr auch Marta vor! Marta sagt es im folgenden Vers so zu Jesus: „Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Martas Anliegen ist gerechtfertigt – Arbeitsteilung wäre doch nur fair. Aber Jesus bringt einen neuen Blickwinkel in das Gespräch. Er sagt: „Marta, du hast viel Stress, aber nur eine Sache ist jetzt wirklich wichtig. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.“ 

    Sagt Jesus hier, dass ich nicht mehr im Haushalt mithelfen soll? Fordert Jesus durch diese Geschichte etwa, dass ich mich nicht mehr an die Etikette halten soll? Ich denke nicht.

    Bei besonderem Besuch bin ich froh, wenn er vorbei ist. Bei einem lockeren Gespräch ist die Zeit viel zu schnell vorbei. Jesus ist ein ganz besonderer Gast, eindeutig. Aber er will mit mir ein lockeres Gespräch führen. Er will, dass ich gerne mit ihm Zeit verbringe. Deswegen sagt Jesus auch, dass Maria das Bessere gewählt hat. Mehr als ein aufgeräumtes Haus, großartiges Essen und vornehme Etikette wünscht sich Jesus Beziehung. Mehr als frommen Gottesdienstbesuch, ein ordentliches Leben und Pflichterfüllung im Glaubensleben wünscht sich Jesus Beziehung. Beziehung mit Marta, Maria, mit mir, und mit Ihnen. 

    Ja, um diese Beziehung möglich zu machen, kommt Jesus auf die Welt. Jesus kommt auf die Erde, um Beziehung zu uns Menschen zu ermöglichen, indem er das ausräumt, was der Beziehung im Weg steht. Sünde. Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus die Strafe der Sünde, den Tod, auf sich genommen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod besiegt. Ja, er ist der allmächtige Gott, Ehrengast, und ja, er hat alle Hindernisse zwischen Gott und Mensch aus dem Weg geräumt und will Freund sein.

    „Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu.“ Ich ermutige Sie heute, sich Zeit zu nehmen für ein unkompliziertes Gespräch mit Gott. Nutzen Sie ein Gespräch im Park – mit Jesus. Leben Sie eine echte Beziehung mit Jesus.

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    Autor: Matias Wiens

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    5 min
  • „Ich zahle gerne Steuern!“
    Die Bibelstelle Markus 12,17 – ausgelegt von Lothar Eisele.

    In einem Gespräch werde ich sehr überrascht. In unserem Ort wohnt eine Steuerberaterin, die ich in den letzten Jahren etwas näher kennenlerne. Wir sprechen darüber, dass viele Menschen mit der Erwartung an eine Steuerberaterin herantreten, möglichst viele Steuern zu sparen. Und da sagt sie plötzlich: „Weißt du, ich zahle gerne Steuern. Ich wohne in einem Land, in dem es Straßen gibt, in dem Schulen und Kindergärten da sind, in dem es eine Verwaltung gibt, die nicht korrupt ist, in der arme Menschen Unterstützung bekommen. Das alles muss bezahlt werden – und da gebe ich gerne meinen Beitrag. Ich bezahle meine Steuern gerne.“

    Für einen kurzen Moment bin ich sprachlos.

    Sie spricht eine Selbstverständlichkeit aus – aber von ihr als Steuerberaterin habe ich das nicht erwartet. Und gerade deshalb freue ich mich darüber. Und ich frage mich auch: Zahle ich gerne Steuer oder doch nur mit einem „wenn’s dann unbedingt sein muss.“

    Jesus sagt es eindeutig: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Übersetzt in unsere heutige Situation: Gebt dem Staat, was dieser braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen. Und gebt es nicht zähneknirschend, sondern bereitwillig. Deshalb: Wenn Sie das nächste Mal sehen, dass eine Straße ausgebessert wird, denken Sie daran: Das geschieht auch mit der Steuer, die Sie bezahlen. Wenn das nächste Mal das marode Schulgebäude instandgesetzt wird, das geschieht auch mit Ihren Steuern. Wenn Sie einen Lehrer treffen, der mit Freude und Engagement unterrichtet: Den bezahlen Sie auch mit Ihren Steuern.

    Doch dann fügt Jesus noch etwas Entscheidendes hinzu: Und gebt Gott, was Gott gehört.

    Gott hat mir das Leben geschenkt. Er schenkt mir Luft zu atmen. Nahrung, um zu essen. Menschen, die er mir anvertraut. Und schließlich: Er schenkt mir Jesus, der mir die Liebe des himmlischen Vaters zeigt und der mir durch sein stellvertretendes Sterben für mich Vergebung schenkt.

    Und deshalb bedeutet der Satz Jesu: Gib dich selbst Gott hin. Stell ihm dein Leben zur Verfügung! Genieß seine Liebe. Aber dann lass seine Liebe auch zu den Menschen fließen.

    Und deshalb ist es ein richtig gutes Gebet am Morgen:

    Herr, zeige mir, was dir heute wichtig ist. Zeige mir, wo du mich gebrauchen kannst. Zeige mir, wo ich deine Liebe zu den Menschen weitergeben kann. Lass mich wahrnehmen, was dir wichtig ist. Amen.

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    Autor: Lothar Eisele

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    5 min
  • Ein Geschenk – ein neuer Anfang
    Die Bibelstelle Jesaja 60,10 – ausgelegt von Lothar Eisele.

    Manchmal braucht es eine schmerzvolle Erfahrung, bevor ich bereit bin, mein Leben zu ändern. Mein Herzinfarkt kommt plötzlich, unerwartet und heftig. Gott sei Dank kommt der Rettungswagen schnell. Zwei Tage danach steht der Notarzt an meinem Bett. Sinngemäß sagt er: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie noch einmal sehe. Gut, dass sich ihr Herz erholt. Bewegen sie sich viel. Nehmen sie 10 Kilo ab und essen sie mediterrane Kost. Ich wünsche Ihnen alles Gute.“ Damit verlässt er das Zimmer. Seine Worte hallen lange in mir nach. Und ja, sie dringen in mich ein – und ich versuche seither eine Stunde Bewegung in Wald und Feld einzubauen – und auch auf gute Ernährung zu achten. Ich wusste schon vorher, dass das gut ist – aber es brauchte diesen Einbruch.

    Und langsam begreife ich auch: Dieser Infarkt ist auch ein Reden Gottes mit mir. „Lothar, hetze nicht nur durch das Leben. Eile nicht nur von Termin zu Termin. Atme zwischendurch auch gut tief durch und gönne dir Pausen, auch Pausen bewusst in der Gegenwart deines himmlischen Vaters.“

    Und nun bin ich dankbar, dass mein Herz sich wirklich erholt. Diese schwere Erfahrung hat eine Verhaltensänderung ermöglicht.

    Auch in den Berichten der Bibel ist es so, dass nachhaltige Änderungen oftmals erst nach einem Tiefschlag kommen. Der Prophet Jesaja berichtet davon, dass das Volk stolz ist, sich nur auf die eigene wirtschaftliche Stärke verlässt, Götter anbetet, die letztlich nichts als das Werk von Menschen sind. All die Warnungen durch Propheten führen zu keiner dauerhaften Verhaltensänderung.

    Es kommt zum Niedergang – schließlich zur Eroberung durch fremde Heere, dann Verschleppung. Aber genau in diesem Niedergang beginnt die innere Erneuerung. Erinnerung an den Gott, der sein Volk berufen hat und ihm treu ist. Die Bereitschaft, umzukehren, sich neu Gott zuzuwenden. Später Rückkehr in die Heimat, Aufbau der Städte und auch des Tempels. Und vor allem: Hören auf Gottes Wort.

    Ja, immer wieder geschieht es auch heute, dass ich einen Absturz erlebe, aber gerade dies dann dazu führt, dass ich mich neu daran erinnere, dass ich immer zu Gott umkehren darf.

    „In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich“, sagt Gott durch den Propheten Jesaja. (Jesaja 60,10)

    Schwere Erfahrungen wollen mich in die Nähe Gottes und zur Umkehr führen. Und oft folgt ihnen eine Erfahrung von Beistand und Erneuerung.

    Denn das ist letztlich das Ziel der Wege Gottes mit Ihnen und mir: Die Erfahrung, dass er uns annimmt und uns immer wieder einen neuen Anfang schenkt.

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    Autor: Lothar Eisele

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    5 min
  • Dankbar
    Die Bibelstelle Lukas 17,16 – ausgelegt von Friederike Deuschle.

    „An diesem Tag ist mir das Leben noch einmal neu geschenkt worden.“ Die junge Frau ist noch gezeichnet von den Folgen ihres Unfalls. Doch ihre Augen leuchten, wenn sie spricht. „Seit dem Unfall lebe ich anders. Bewusster. Ich bin dankbar für jeden neuen Tag!“

    „Heute ist mir das Leben neu geschenkt worden.“ So könnte auch er es sagen: Ein Mann, den Jesus heilt. Bei ihm ist es eine Krankheit, die sein Leben bedroht. Aussatz. Zu seiner Zeit ist das ein Todesurteil. Ja schlimmer noch: Wer Aussatz hat, der darf ab sofort nicht mehr am Leben der anderen teilnehmen. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Wer Aussatz hat, ist zwar noch am Leben, aber für die Gesellschaft so gut wie tot.

    Doch dann das Wunder. Er begegnet Jesus und der heilt ihn. Nicht nur ihn, sondern auch noch 9 andere. „Geht und zeigt euch den Priestern“, so sagt Jesus. Und sie gehen – und schon auf dem Weg merken sie: Wir sind gesund!

    Was für eine Freude! Das Leben noch einmal neu geschenkt.

    Voller Dankbarkeit läuft er zurück. 

    Im Lukasevangelium, Kapitel  17, Vers 16 lese ich von ihm:

    „Der Samariter fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm.“

    Er ist dankbar für das Leben, das ihm neu geschenkt wird. Und er weiß auch, wem er es verdankt. Er lobt Gott, so dass alle Welt es hört, und er kommt zu Jesus und dankt ihm.

    Warum wohl nur dieser eine umgekehrt ist? Wie ist wohl die Geschichte der anderen neun weitergegangen? Sind sie einfach möglichst schnell in ihr altes Leben zurückgekehrt? Haben sie einfach weitergelebt wie vorher?

    Wir wissen es nicht. Aber bevor ich anfange, mich zu wundern über sie, will ich mich lieber selbst fragen: Wie sieht es eigentlich aus mit meiner Dankbarkeit? Kann ich mir so sicher sein, dass ich umkehre, wenn ich an der Stelle dieser Geheilten bin?

    Und: Kann ich mir nicht auch ohne die Erfahrung einer schweren Krankheit oder eines Unfalls bewusst machen: Das Leben ist ein Geschenk? Jeder Tag, ein Grund dankbar zu sein?

    Wenn ich darüber nachdenke, gibt es auch in meinem Leben viele Momente, in denen ich Bewahrung erlebe: Der Unfall, der eben nur fast passiert wäre. Die Entscheidung, die sich im Nachhinein als genau richtig herausgestellt hat. Bin ich dankbar dafür?

    Und dann fällt mir auf, wie die Geschichte weitergeht. Jesus fragt nach den anderen: „Sind nicht die zehn rein geworden? Wo aber sind die neun?“ Und zu dem, der zu seinen Füßen kniet sagt er: „Dein Glaube hat dich gerettet.“

    Die Dankbarkeit hat ihn zurückgebracht zu Jesus. Und das ist vor allem für ihn selbst ein Segen. Denn Jesus will ihm noch viel mehr schenken als Gesundheit. Er ist in die Welt gekommen, um zu retten, um ewiges Leben schenken. – Ein neues Leben in einem noch viel tieferem Sinn.  Ein Leben, das von Krankheit, Unfall und Tod nicht mehr in Frage gestellt werden kann.

    Und deshalb fragt Jesus auch mich nach meiner Dankbarkeit. Nicht, weil er meinen Dank einfordert, sondern weil er mich hinbringt zu Jesus. 

    Und so will ich das heute dem Geheilten ganz bewusst nachmachen: Umkehren zu Jesus, ihm danken von ganzem Herzen – für das Leben, das er schenkt in dieser und in der ewigen Welt.

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    Autor: Friederike Deuschle

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    5 min
  • Sehend werden
    Die Bibelstelle Johannes 9,11 – ausgelegt von Friederike Deuschle.

    Manchmal sehen Blinde mehr als die Sehenden.

    Im Fernsehen erzählen davon die beiden Krimireihen „Blind Sherlock“ und „Blind ermittelt“. In beiden Serien steht ein blinder Ermittler im Mittelpunkt, der die Fälle durch eine ganz besondere Wahrnehmung löst.

    Ganz ähnlich ist das in einer Geschichte im Johannesevangelium. Dort steht auch ein Blinder im Mittelpunkt. Einer, der schon von Geburt an blind war. Und die Geschichte erzählt davon, dass gerade diese Blindheit zu einer Entdeckung geführt hat.

    Am Anfang steht eine Begegnung mit Jesus. Jesus sieht ihn und er macht ihn gesund. Er macht aus Erde und Spucke einen Brei und streicht ihn auf seine Augen. Dann sagt er: „Geh zum Teich Siloah und wasche dich!“ Und das Wunder geschieht. Auf einmal kann er sehen.

    Und das ist natürlich großartig. Aber gleichzeitig irgendwie gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, was dann passiert.

    Andere werden aufmerksam. Nachbarn und Bekannte fragen sich, ob sie ihren Augen noch trauen könne. Ist er´s oder ist er´s nicht? Wie kann das sein, dass er auf einmal sehen kann?

    Noch hat der ehemals Blinde gar nicht so recht verstanden, was ihm da eigentlich passiert ist. Und erst recht nicht, mit wem er es da zu tun gehabt hat. Er weiß noch nicht viel von Jesus. Er erzählt einfach, was er erlebt hat.

    Im Johannesevangelium, Kapitel 9 Vers 11 steht:

    Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend.

    Nicht überall kommt dieser Bericht gut an. Einige stellen sogar in Frage, dass es da mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie wollen ihn dazu bringen, etwas Schlechtes über Jesus zu sagen. Doch er bleibt dran. Und dann begegnet ihm Jesus ein zweites Mal. Und er erkennt: Jesus ist viel mehr als ein Mensch. Er ist der Menschensohn. Er ist der, der alles in seinen Händen hält.

    Ich bin nicht blind. Und ich habe auch noch kein solches Heilungswunder erlebt. Aber trotzdem tröstet mich diese Geschichte.

    Denn manchmal ist es auch bei mir so, dass ich nicht richtig sehen kann. Dass ich nämlich nur den Mangel in meinem Leben sehe. Das, was ich nicht kann. Wo ich unzufrieden bin mit mir, so wie ich nun einmal bin. Oder mit der Situation, in der ich mich gerade befinde.

    Und dann erinnert mich diese Geschichte daran: Ich kann zwar vielleicht gerade nichts sehen, aber ich bin gesehen. Jesus sieht mich. Und er kann auch aus meinen Unzulänglichkeiten etwas Gutes machen. Er kann schwierige Situationen verwandeln. Ja manchmal mutet er mir gerade deshalb Schweres zu, damit ich seine Größe und seine Möglichkeiten erkenne.

    Und deshalb will ich heute ganz bewusst die Augen öffnen, für das, was er in meinem Leben tut – die größeren und kleineren Wunder, die Tag für Tag auch in meinem Leben geschehen. Ich will mitten in meinem Alltag mit ihm rechnen. Und wo ich unzufrieden bin mit mir oder in Schwierigkeiten stecke, will ich ihm neu vertrauen, dass er etwas Gutes daraus macht – vielleicht heute schon, vielleicht erst morgen, aber spätestens in seiner Ewigkeit.

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    Autor: Friederike Deuschle

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    5 min
  • Gott ist treu
    Die Bibelstelle Psalm 105,8 – ausgelegt von Mike Lange.

    Ich liebe es, einen Regenbogen am Himmel zu sehen. Dieses Leuchten nach dem Regen. Diese Farben, die plötzlich über den Himmel gespannt sind. Auch meine Kinder hat das immer wieder fasziniert. Und manchmal war so ein Regenbogen eine wunderbare Gelegenheit, ihnen von Gott zu erzählen.

    In der Bibel ist der Regenbogen nicht nur ein schönes Naturereignis. Er ist ein Zeichen Gottes. Nach der großen Flut schließt Gott mit Noah einen Bund. Er verspricht: Ich lasse diese Welt nicht los. Ich halte an meiner Schöpfung fest. Ich bleibe den Menschen zugewandt.

    Ein Regenbogen erzählt vor allem etwas über Gott selbst: Gott gibt Zusagen. Und Gott hält sich an seine Zusagen.

    Genau davon spricht auch Psalm 105, Vers 8: „Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.“

    In Psalm 105 geht es um Gottes Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Also um die Geschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk Israel. Gott hat Abraham versprochen: Ich gehe mit dir. Ich segne dich. Aus dir soll ein großes Volk werden. Und durch dich sollen alle Völker dieser Welt gesegnet werden.

    Wenn ich die Geschichte Israels anschaue, sehe ich: diese Geschichte ist nicht einfach. Doch bis heute ist Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel nicht zu Ende. In der Beziehung zwischen Gott und seinem auserwählten Volk gibt es Wüstenzeiten, Schuld, Umwege, Zweifel, Gefangenschaft und Neuanfänge. Aber mitten durch all das hindurch bleibt Gott seiner Zusage treu.

    Das berührt mich. Denn ich kenne das auch: ich vergesse Gottes Zusagen und Weisungen schnell. Im Alltag reicht manchmal schon eine schlechte Nachricht, ein Streit, eine Sorge um die Zukunft, eine Krankheit, eine offene Rechnung – und schon wird mein Vertrauen in Gott klein. Dann weiß ich zwar theoretisch, dass Gott treu ist. Aber praktisch lebe ich, als müsste ich alles allein tragen.

    Darum finde ich diesen Satz so stark: Gott gedenkt ewiglich an seinen Bund. Gottes Treue hängt nicht daran, wie gut ich mich an ihm festhalte. Sie hängt daran, dass er an seinem Wort festhält.

    Und diese Treue Gottes zeigt sich am tiefsten durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus. Durch Jesus Christus schließt Gott den neuen Bund mit uns. Jesus Christus kommt als Mensch in diese Welt. Er vergibt Schuld. Er schenkt neues Leben. Er legt seine Zusage direkt in mein Herz.

    Gottes Verheißungen galten nicht nur den Israeliten damals. Seine Treue reicht bis in meinen Alltag. Auch in meine Sorgen. Auch in das, was noch nicht heil in mir ist.

    Vielleicht sehen Sie beim nächsten Regenbogen auch mehr als nur schöne Farben. Vielleicht erinnert er Sie daran: Gott hält seine Zusagen. Gott bleibt treu.

    Und sein letztes Wort über dieser Welt heißt nicht: es bleibt alles, wie es ist. Sondern, Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

    Mit dieser Gewissheit wünsche ich Ihnen einen Regenbogen für Ihr Herz und Leichtigkeit in Ihrem heutigen Tag.

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    Autor: Mike Lange

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    5 min
  • „Lieber Vater!“
    Die Bibelstelle Psalm 103,13 – ausgelegt von Mike Lange.

    David, der König, Prophet und Bezwinger des Riesen Goliath, hat vor circa 3.000 Jahren im Psalm 103 ein beeindruckendes Loblied auf Gott den HERRN verfasst. „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

    David singt so überschwänglich von der Liebe und der Güte Gottes, dass es einfach nur ansteckend ist.

    Mit dem Vers der heutigen Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine dürfen wir mit einstimmen in diesen Lobpreis: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“ (Psalm 103,13)

    Gott ist unser himmlischer Vater. Mit ihm haben wir einen Vater, der extrem lebendig und agil ist, obwohl er, quasi schon eine Ewigkeit auf dem Buckel hat. Und dabei schläft und schlummert er nicht mal. Ganz im Gegenteil, „er wirkt auch heute noch Wunder. Stunde für Stunde, Tag für Tag.“ Wie es in einem Lied von Samuel Harfst heißt.

    Dabei hat Gott auch noch jede Menge Ärger zu ertragen. Auch wenn ich meinen Vater im Himmel sehr liebe, versündige ich mich doch recht häufig an ihm und meinen Mitmenschen.

    Da ist es gut zu wissen, dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Gott denkt und handelt uns gegenüber mit unendlich großer Güte, Barmherzigkeit und Gnade.

    Ich stolpere jedoch etwas über die Aussage im heutigen Bibelvers, dass Gottes Barmherzigkeit für diejenigen gelten soll, „die ihn fürchten.“ Das Wort Furcht gilt es jedoch aus der Perspektive der Ehrfurcht und Gottesfurcht zu verstehen. So wird mir schnell klar: ich begegne dem einzig wahren und heiligen Gott mit einer positiv versehenen Verehrung. Ich begegne Gott voller Bewunderung, Respekt und Hochachtung.

    Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen mir und meinen Kindern?

    Es ist noch gar nicht so lange her, da sprachen Kinder ihren Vater sehr ehrfurchtsvoll nur mit SIE an. Die Kinder standen stramm und taten, was der Herr Vater wollte. Gott sei Dank, sind diese Zeiten vorbei.

    Meine zwei Kinder sind mittlerweile erwachsen. Sie gehen ihre eigenen, guten Wege und wir sind in Liebe miteinander verbunden. Und doch hätte ich sie früher manchmal echt…naja, sie wissen schon.

    Doch egal, was sie ausgefressen haben, änderte das nichts an meiner grundsätzlichen Liebe zu ihnen. Sie sind und bleiben meine geliebten Kinder.

    In der Bibel, im Lukasevangelium, Kapitel 15 lese ich vom Gleichnis des verlorenen Sohnes. Hierin hat sich der Jüngere der beiden Söhne, kurz gesagt, wirklich richtig mies gegenüber seinem Vater verhalten.

    Aber trotz Allem ist der Vater unendlich froh bei der Rückkehr seines verloren geglaubten Sohnes. Er empfängt seinen Sohn freudestrahlend, mit offenem Herzen und offenen Armen. Der Vater vergibt dem Sohn und feiert sogar ein Fest zu seinen Ehren.

    Das Verhalten des Vaters in diesem Gleichnis bringt uns Gottes bedingungslose Liebe und Barmherzigkeit ganz nah an unser Herz.

    Gott, der Vater hat für uns sogar seinen eigenen Sohn Jesus Christus am Kreuz geopfert. Wie groß nur muss Gottes Liebe zu uns sein?

    Ich wünsche Ihnen heute einen Tag voller Barmherzigkeit. Seien Sie barmherzig und großzügig gegenüber Ihren Mitmenschen. Vielleicht ja insbesondere gegenüber Ihrem leiblichen Vater. Seien Sie heute besonders großzügig zu Ihren Kindern. Und zu sich selbst.    

    Denn: Im Namen Jesu Christi und durch den Heiligen Geist dürfen wir zu Gott rufen: Abba, lieber Vater!

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Mike Lange

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    5 min
  • Wohin sonst!
    Die Bibelstelle Johannes 6,68-69 – ausgelegt von Bärbel Wilde.

    Es begann mit einer Massenbewegung. Fünftausend Menschen waren begeistert, weil Jesus sie satt machte. Doch als Jesus sagte: “Ich bin das Brot des Lebens“, schmeckte den Leuten dieser Anspruch nicht. Es bröckelte ab.

    Schließlich bleiben nur noch Zwölf übrig. Und Jesu kämpft nicht gegen den Sog der Abwanderung. Er beschwört nicht die letzten Zwölf: „Bitte, lasst ihr mich wenigstens nicht im Stich.“ Er zwingt sich keinem auf. Er fragt: „Wollt ihr auch weggehen?" Er gibt den Weg frei. Er steht nicht händeringend da wie ein Vereinsvorsitzender, dem die Mitglieder weglaufen. Er bringt sein Angebot nicht nach dem augenblicklichen Trend auf den kleinsten gemeinsamen  Nenner, um möglichst viel Akzeptanz zu bekommen. Er bleibt bei seinem Anspruch: „Ich bin das Brot des Lebens."

    Wer Jesus begegnet, kommt nicht an einer Entscheidung vorbei. An ihm scheiden sich die Geister. Wer bei ihm bleiben will, soll es in ganzer Freiheit tun. Nicht unter seelischem Druck, nicht als Ergebnis von psychologischer Beeinflussung, nicht nur aus bloßer Tradition, sondern aus ganzer Überzeugung. Das tut er nicht, weil wir ihm gleichgültig wären. Nein. Jesus will uns. Jeden von uns.

    Aber er gibt uns die Freiheit zu gehen, weil er uns liebt. 

    Er will unsere Liebe. Und Liebe kann man nicht erzwingen. „Willst du auch weggehen?"

    Heute steht im Lehrtext der Losungen die Antwort des Petrus aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums: Herr, wohin sollen wir gehen? „Du hast Worte des ewigen Lebens: und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

    Gehen manche von Jesus weg, ohne darüber nachzudenken, wo sie überhaupt hin wollen? Das Weggehen scheint ihnen wichtiger zu sein als das Wohin.

    Thea Eichholz-Müller nimmt in einem Lied die Antwort des Petrus auf:

    Herr, wohin sonst sollten wir gehen?

    Wo auf der Welt fänden wir Glück?
    Niemand, kein Mensch kann uns
    so viel geben wie du.
    Du führst uns zum Leben zurück.
    Nur du, nur du schenkst uns Lebensglück.
    An deinem Tisch wird mein Hunger gestillt.
    Herr, wohin sonst sollten wir gehen?

    Eigentlich sagt Petrus: „Zu wem? sollen wir gehen?" Er steht vor dem, der die Antwort ist. Jesus braucht keine Konkurrenz zu scheuen. Zu Jesus will ich gehen. Wohin denn sonst? 

    Wir haben in unserem Leben schon manche Wege beschritten auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, auf der Jagd nach Liebe und Ehre, Reichtum und Glück. Aber was ist, wenn die große Liebe Risse bekommt? Wie verkraften wir es, keine Ehrungen, sondern massive Kritik zu bekommen? Und Reichtum? Satter Bauch, hungrige Seele ist zu wenig. Und Glück? Wir können es nicht pachten.

    Holzwege, Sackgassen. Wo finden wir unsere Lebenserfüllung? Wir suchen, was wir nicht finden – aber wir finden, was wir nicht gesucht haben. Wer Jesus begegnet, merkt, dass er der ist, den man eigentlich gesucht hat.

    Die Frage Jesu von damals geht an uns heute. Ich will wie Petrus antworten: „Herr, ich möchte bei dir bleiben. Du hast Worte des ewigen Lebens." 

    In meinem langen Dienst als Pastorin habe ich hin und wieder auch Sterbende begleitet. Auf dem Sterbebett wird manches bereut. Aber ich habe noch nie erlebt, dass jemand bereut hätte, eine Entscheidung für Jesus getroffen zu haben.

    Jesus, der von uns eine Entscheidung erwartet, hat sich schon längst für uns entschieden. Er ist am Kreuz von Golgatha für uns gestorben. Er ist auferstanden und lebt. 

     Herr, wohin sonst sollten wir gehen?

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Bärbel Wilde

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    6 min
  • Spiel oder Ernst?
    Die Bibelstelle Matthäus 25,31-32 – ausgelegt von Bärbel Wilde.

    „Nur geringe Chance für eine Jesus-Rückkehr“ stand kürzlich als Schlagzeile über einem Zeitungsartikel. Es wurde von Wetten berichtet. Kaum ein Zukunftsereignis ist bei den sogenannten Prognosemärkten tabu. Inzwischen werden in den USA jedes Jahr Milliarden Dollar für diese Wetten eingesammelt. 

    Bei der Wette mit dem Titel „Kehrt Jesus Christus vor 2027 zurück“ ist ein Einstieg mit der Antwort „Ja" günstig zu haben, denn diesem Ereignis wird eine nur geringe Chance zwischen drei bis vier Prozent eingeräumt.

    Rechnen wir eigentlich damit, dass Jesus in seiner Herrlichkeit wiederkommen wird? Das jedenfalls sagt Jesus in dem Lehrtext der Losungen heute aus dem 25 Kapitel des Matthäusevangeliums: „Wenn der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.“

    Die Wiederkunft Jesu ist das größte welthistorische Ereignis, dem wir entgegengehen. Dann wird der auferstandene Jesus Christus alle Völker vor sich versammeln. Paulus schreibt: 'Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes'

    Das Thema ist nicht das überflüssige Nachdenken über einen St. Nimmerleinstag. Manche lächeln überheblich, wenn die Bibel vom Jüngsten Gericht redet. Aber viele Christen bekennen jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis: „Von dort (von der Rechten Gottes des allmächtigen Vaters im Himmel) wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Ist das nur Blabla, wenn Jesus von seiner Wiederkunft redet?

    Ich werde nie vergessen, wie ich mit einem Vorstandsmitglied des christlichen Medienverbundes zu einer Sitzung fuhr. Gerade war ein skandalöses Verhalten in einem christlichen Werk bekannt geworden. Als wir das ansprachen, sagte mein Vorstandskollege: „Denken die eigentlich gar nicht daran, dass sie Rechenschaft ablegen müssen vor dem Richter der Welt?“ Diese Frage hat sich tief bei mir eingeprägt. Unsere Worte und Taten haben ihre Bedeutung über den Tod hinaus. Und auch unsere Versäumnisse. Das Unrecht versickert nicht sang und klanglos. Es gibt eine letzte Gerechtigkeit.

    Der Glaube, dass Jesus einmal als Richter auf den Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, verändert unser Leben. Er lähmt nicht, sondern beflügelt. Dafür gibt es viele Beispiele in der Kirchengeschichte.

    Ich denke an Friedrich von Bodelschwingh, dessen Name sich bis heute mit den großen diakonischen Anstalten in Bethel bei Bielefeld verbindet. Er hatte die lebendige Hoffnung: Jesus wird wiederkommen. Es wird sogar vermutet, dass er auf den festen Häuserbau nicht so viel Wert legte, da er die Wiederkunft in naher Zukunft erwartete. Diese Hoffnung führte ihn nicht zur Weltflucht. Im Gegenteil.

    Sie war seine innere Kraft, sich für die Ärmsten der Armen einzusetzen. Den Ausgestoßenen, Kranken und Wanderarbeitern eine Zuflucht zu geben. Bodelschwingh handelte nicht, weil er meinte, sich so den Zugang zum Reich Gottes zu verdienen.

    Sein Tun hatte seine Motivation darin, dass er die Liebe Gottes, die er empfangen hatte weitergeben wollte. Denn einen Glauben ohne Liebe kennt die Bibel nicht.

    Die biblische Verheißung, dass Christus wiederkehrt und alles Leid ein Ende haben wird, gab ihm auch die persönliche Kraft in der Trauer. Besonders nach dem Verlust seiner eigenen Kinder fand er in dieser christlichen Hoffnung Halt.

    Jesus, der Sohn Gottes, der für uns Mensch geworden ist, will nicht, dass Menschen verloren gehen. Darum will ich heute im Gebet mich dem Weltenrichter zuwenden: „Jesus, du hast gesagt: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinaus stoßen.“

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Bärbel Wilde

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    6 min
  • Same geht auf
    Die Bibelstelle Matthäus 13,37-38 – ausgelegt von Michael Laage.

    Unsere Tochter hat vor kurzem einen Avocadokern zum Keimen gebracht. Vielleicht kennen Sie das: Man befestigt den abgeschälten Kern über einem Wasserglas. Es dauert einige Tage, bis der Kern aufbricht und ein zarter Keimling hervorkommt. Bald bildet er Wurzeln nach unten, und ich kann ihn in einen Topf mit Erde setzen. Es ist faszinierend, dabei zuzuschauen. Bei den meisten Samen geschieht das verborgen vor unseren Augen in der Erde -- hier passiert es ganz offen, so dass ich es sehen kann. Der Avocadokern ist ein sogenannter Lichtkeimer.

    Später, viel später, kann daraus ein großer Baum werden, mit vielen Früchten - jedenfalls im warmen Klima.

    Jeder Same braucht seine Zeit und die passenden Bedingungen, damit er keimt und zu einer Pflanze heranwächst. Es ist ein Wunder, das mich immer wieder fasziniert: So viel Ordnung und Plan steckt in dem kleinsten Samenkorn!

    Jesus nimmt dieses Geschehen oft als Beispiel. So auch in diesem Bibel Wort: „Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt.“ Das steht im Matthäusevangelium im 13. Kapitel.

    Der Menschensohn, das ist die Art, wie Jesus von sich selbst spricht. Er meint damit: Sohn Gottes und zugleich Sohn von Menschen. Und damit ist er Gott und im gleichen Moment den Menschen nah. In einer Weise, wie nie jemand zuvor. Deswegen kann Jesus so von Gott sprechen, wie man es bis dahin noch nie gehört hat. Zum Beispiel hat Jesus zu Gott "Vater" gesagt. Und er hat uns Menschen ermutigt, auch so vertrauensvoll zu Gott zu sprechen: "Vater unser!" Er meinte damit: Rede doch einfach mit Gott, wie du es von zu Hause, von Familie kennst. So vertrauensvoll, so nah: Vater unser!

    Das ist für mich so ein Same, den er ausgestreut hat, und der in meinem Herzen aufgegangen ist. Dieses einfache Wort „Vater“ für „Gott“. Es bedeutet für mich, dass ich vertrauensvoll und frei von Angst mit Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde sprechen kann.

    Es gibt noch viel mehr Samen, die Jesus in die Herzen und in die Lebensgeschichten von Menschen gestreut hat. Manches davon braucht viele Jahre, bevor es keimt und größer wird. Aber es ist da, in dieser Welt, und niemand kann es wegnehmen. Und es wird keimen und Frucht bringen, an vielen verschiedenen Orten, in Menschen und zwischen Menschen. Die Worte und Taten Jesu sind da, und sie wirken, oft im Verborgenen.

    In unserer Kirchengemeinde mussten wir vor einiger Zeit eine Kirche entwidmen. Das ist eine Entwicklung, die ich so oder so ähnlich in vielen Gemeinden im Umkreis erlebe: Gemeindeteile werden zusammengelegt. Gebäude werden aufgegeben und verkauft. Die finanziellen Möglichkeiten und die Zahl der Kirchenmitglieder sind zurückgegangen. Es gibt Menschen, die Angst um die Zukunft der Kirche haben. Sie fragen sich: „Wohin soll das noch führen? Werden wir jetzt immer weniger?“

    Das Wort Jesu macht mich dagegen zuversichtlich. Es liegt nicht nur an uns selbst oder an den gesellschaftlichen Umständen, ob die guten Worte Jesu in dieser Welt keimen und wirken und Frucht bringen.

    Es ist Jesus selbst, der seine Worte, seine Liebe und seinen Geist immer neu ausstreut. Und wir dürfen uns davon überraschen lassen, wo etwas Gutes aufgeht und anfängt zu blühen. In dieser Hoffnung will auch ich alles mir Mögliche dazu tun!

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Michael Laage

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