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Wir können Wein heute präziser analysieren und kontrollieren als je zuvor. Doch was sagt all dieses Wissen tatsächlich über seine Qualität?
Prof. Dr. Jochen Vestner verbindet zwei Perspektiven: Er ist im Familienweingut an der Nahe aufgewachsen und hat später Chemie, Aromaforschung, Sensorik und moderne Önologie zu seinem wissenschaftlichen Arbeitsfeld gemacht. Seit August 2026 ist er Professor für Önologie an der Hochschule Geisenheim.
In dieser Folge von Genuss im Bus geht es unter anderem um:
Pasteur, Reinzuchthefen und die Gamechanger moderner Önologie
Ein zentraler Gedanke des Gesprächs:
Je mehr ein Winzer über sein Ausgangsmaterial und seine Prozesse weiß, desto eher kann er möglicherweise auf Eingriffe verzichten.
Über Jochen Vestner
Prof. Dr. Jochen Vestner ist im Weingut seiner Familie an der Nahe aufgewachsen. Er studierte Weinbau und Getränketechnologie in Geisenheim sowie Chemie in Stellenbosch und promovierte in Zusammenarbeit zwischen Geisenheim und Bordeaux.
Am DLR Rheinpfalz leitete er zuletzt die Aromaforschung. Seit dem 1. August 2026 ist er Professor für Önologie an der Hochschule Geisenheim.
Weinkenner Masterclass
Du beschäftigst dich schon länger intensiv mit Wein und möchtest Regionen, Rebsorten, Jahrgänge, Stilistik und Herkunft noch systematischer verstehen und im Glas vertiefen?
Genau darum geht es in meiner Weinkenner Masterclass: in einer kleinen Gruppe erfahrener Weinliebhaber, mit Live-Webinaren, gemeinsamen Verkostungen, Gesprächen mit Winzern und einer Exkursion.
Mehr Informationen:
www.dr-staudt-weinerlebnisse.de
Ausblick
In 14 Tagen geht es weiter bei Genuss im Bus. Dann führt uns die Reise ins Jura – in eine Weinregion, in der Tradition, Herkunft und Veränderung auf besonders spannende Weise zusammenkommen.
In dieser Episode:
– Warum der Etna trotz jahrhundertealter Weinbautradition erst spät zu einer großen Fine-Wine-Herkunft wurde
Wer solche Fragen zu Herkunft, Rebsorten und Stilistik gemeinsam mit mir vertiefen und vor allem im Glas nachvollziehen möchte, findet weitere Informationen zu meiner Masterclass auf meiner Website oder hier.
In 14 Tagen geht es weiter: Dann geht es um die Frage, wohin die moderne Önologie steuert. Zu Gast ist ein Wissenschaftler aus Geisenheim, mit dem ich darüber spreche, was sich im Keller gerade grundlegend verändert – und was davon für die Weine der Zukunft wirklich relevant sein wird.
Kapitelmarken
00:00 Cold Open: Kann ein Trollinger 100 Euro kosten?
Wein nicht nur trinken, sondern genauer verstehen
Du beschäftigst dich bereits intensiv mit Wein und möchtest Herkunft, Jahrgang und Machart noch präziser einordnen sowie deine sensorische Urteilskraft gezielt schärfen?
Im November startet meine nächste sechsmonatige Weinkenner Masterclass: mit 21 Live-Webinaren und gemeinsamen Verkostungen, einer begleitenden Lernplattform, Begegnungen mit Winzerinnen und Winzern sowie einer gemeinsamen Exkursion. Die Gruppe umfasst maximal zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Alle Informationen und die Möglichkeit zu einem persönlichen Erstgespräch findest du unter:
Shownotes
In dieser Folge von Genuss im Bus ist Sven Ellwanger vom Weingut Bernhard Ellwanger in Weinstadt-Großheppach zu Gast.
Wir sprechen über das Remstal als kühles, kleinteiliges Weinbaugebiet mit steilen Lagen, großen Temperaturunterschieden und einer bemerkenswerten Vielfalt an Keuperböden: Gipskeuper, bunte Mergel, Schilfsandstein, Kieselsandstein und Stubensandstein.
Ein zentrales Thema ist die Entwicklung des Weinguts: Bernhard Ellwanger gründete den Betrieb 1975 und brachte früh neue Sorten und Ideen ins Remstal. Heute führen Sven und seine Schwester Yvonne den Betrieb gemeinsam. Aus einem experimentierfreudigen Familienweingut ist ein vielseitiger, breit aufgestellter Betrieb mit rund 36 Hektar Rebfläche, starker Privatkundschaft und klarer Qualitätsorientierung geworden.
Verkostet werden drei Weine:
Muskat-Trollinger Rosé
Roter Riesling
Lemberger-Syrah-Cuvée
Weitere Themen:
Sauvignon Blanc und Svens Zeit in Neuseeland
Kapitelmarken
00:00 Willkommen und Einführung ins Remstal
Weinkenner Masterclass: www.dr-staudt-weinerlebnisse.de
Die ProWein galt lange als zentraler Treffpunkt der internationalen Weinbranche. Doch diese Selbstverständlichkeit ist brüchiger geworden. Der Weinmarkt verändert sich tiefgreifend: Der Konsum sinkt, Trinkgewohnheiten verschieben sich, No/Low und neue Getränkekategorien gewinnen an Bedeutung, Exportmärkte werden unberechenbarer, und auch der Zugang zu Regalen, Weinkarten und Onlineplattformen wird anspruchsvoller.
Auch die Messelandschaft ist in Bewegung. Wine Paris hat stark an Bedeutung gewonnen, Vinitaly bleibt ein mächtiger Fixpunkt der italienischen Weinwirtschaft, London bedient den UK-Markt, kleinere Nischenmessen überzeugen durch Kuratierung, Szeneenergie und Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig betreibt die ProWein eigene internationale Formate in Asien und Südamerika.
Mein Gast ist Frank Schindler, Director der ProWein. Wir kennen uns bereits aus einer früheren Podcastfolge, damals war Frank Geschäftsführer von Esterházy im Burgenland. Heute verantwortet er eine Messe, die sich neu positioniert — weg vom alten Anspruch, Weltleitmesse zu sein, hin zu einer europäischen Leitmesse mit internationaler Kaufkraft.
In dieser Folge sprechen wir darüber, welche Fehler die ProWein in den vergangenen Jahren gemacht hat, warum Nähe zur Branche verloren ging, weshalb die Messe kleiner, fokussierter und stärker käuferzentriert werden soll, welche Rolle das Hosted-Buyers-Programm spielt und warum Deutschland als Importmarkt für Düsseldorf so wichtig ist.
Außerdem geht es um Wine Paris, Vinitaly, London und Nischenmessen, um die ProWein-Satelliten in Shanghai, Tokio, Mumbai, Hongkong, Singapur und São Paulo, um ProWein Zero+, ProSpirits, die ProWein Academy, die Agora, Hotelpreise, Hallenkonzepte — und um die grundsätzliche Frage, was eine große Weinmesse heute noch leisten kann, wenn die Branche selbst unter Druck steht.
Eine Folge über Messepolitik, Weinwirtschaft, Markenführung, Käuferlogik, Konkurrenzdruck — und über den Versuch, aus einer gemanagten Messe wieder einen lebendigen Teil der Branche zu machen.
Frank Schindlers Wechsel von Esterházy zur ProWein
Weinkenner Masterclass: www.dr-staudt-weinerlebnisse.de
In dieser Episode:
Warum manche Menschen Wein einfach genießen – und andere ihn verstehen wollen
Weinkenner Masterclass
Du liebst Wein, hast bereits einiges gelernt und möchtest die einzelnen Puzzleteile endlich zu einem großen Bild zusammenfügen?
Die nächste Weinkenner Masterclass startet im November 2026.
Alle Informationen und die Möglichkeit zu einem unverbindlichen Erstgespräch findest Du hier:
www.dr-staudt-weinerlebnisse.de
In dieser Folge geht es um:
– die Frage, warum klassischer Mosel-Kabinett seltener geworden ist
Weinkenner Masterclass
Wenn dich solche Fragen interessieren — wenn du Wein nicht nur trinken, sondern wirklich lesen und verstehen möchtest — dann ist die Weinkenner Masterclass genau dafür gemacht.
In der Masterclass geht es sechs Monate lang um die großen Zusammenhänge des Weins: Rebsorten, Regionen, Klima, Böden, Vinifikation, Stilistik und vor allem um die Frage, warum ein Wein genau so schmeckt, wie er schmeckt. Im Zentrum steht mein analytisches Verkostungssystem: weniger Aromensuche, mehr Struktur, Herkunft, Balance und sensorische Logik.
Mehr Informationen zur Weinkenner Masterclass findest du hier: dr-staudt-weinerlebnisse.de
Als Einstieg empfehle ich dir außerdem mein kostenloses 12-Minuten-Audio: https://www.wolfgangstaudt.com/gaumenauftritt/
Genuss im Bus ist der mobile Weinpodcast von Wolfgang Staudt.
Fahrgastfragen — Folge [XXX]
In dieser Episode geht es um das Weingut Siegrist in Leinsweiler an der Südlichen Weinstraße. Bruno und Jakob Siegrist erzählen, wie eng Familie, Arbeit und Alltag in einem Weingut miteinander verwoben sind: vom gemeinsamen Mittagstisch über die Ausbildung junger Winzerinnen und Winzer bis zur Frage, wie Verantwortung von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.
Ein wichtiger Bezugspunkt des Gesprächs ist Thomas Siegrist. Bruno beschreibt, wie stark ihn Thomas geprägt hat – nicht nur in der Frage, wie Wein gemacht wird, sondern auch darin, wie Wein gelebt wird. Zugleich erzählt Jakob von seinem Großvater, von gemeinsamen Erinnerungen und davon, was es bedeutet, heute in einen Betrieb hineinzuwachsen, dessen Stil bereits eine lange Geschichte hat.
Weinfachlich führt die Folge unter anderem zum Chardonnay aus der Parzelle Kinzegg, zu Fragen von Vorklärung, Trub, Hefelager, Holz und Stilbewusstsein. Der Wein steht bewusst nicht für eine asketisch-reduktive Chardonnay-Mode, sondern für einen eigenständigen, kraftvollen, reifefähigen Stil. Dazu kommt ein gereifter Riesling Sonnenberg Großes Gewächs 2017, der zeigt, warum Zeit im Weingut Siegrist ein zentrales Thema ist.
Außerdem sprechen wir über biologische Bewirtschaftung ohne Zertifizierung, mögliche nächste Schritte in Richtung Bio, über die geplante Konzentration auf bessere Flächen, Schafe im Weinberg, Nussbäume statt entfernter Rebflächen, feinere Extraktion beim Pinot Noir und über die Inspiration, die Bruno und Jakob bis heute aus Burgund und aus dem Austausch mit den „Fünf Freunden“ ziehen.
Kapitelmarken / Timestamps
00:00 Begrüßung: Bruno und Jakob Siegrist
Champagne wirkt von außen oft erstaunlich eindeutig: Kreide, Chardonnay, Pinot Noir, große Häuser, Luxus, Perlage. Im Inneren aber ist die Region viel heterogener, fragiler und spannungsreicher gebaut, als ihr Mythos vermuten lässt. Genau darum geht es in dieser dritten Folge von „Frankreich 2026: Labor der Disruption“.
Ausgangspunkt ist eine Hörerfrage: Warum schmecken manche Champagner heute breiter, obwohl sie formal trocken sind? Und stimmt es wirklich, dass Brut Nature die ehrlichste Form von Champagne ist?
Die Antwort führt mitten in das eigentliche Missverständnis der Region. Champagne ist nicht einfach deshalb groß, weil sie Schaum erzeugt. Sie ist groß, weil sie aus einem hochkontrollierten Zusammenspiel von Grundwein, Reserveweinen, zweiter Gärung, langem Hefelager, Dégorgement und Dosage eine Form von Wein baut, in der Herkunft, Zeit und Verfahren untrennbar werden.
Historisch war Champagne ein Grenzklima-System. Hohe Säure, unsichere Reife und nervige Grundweine waren lange keine Ausnahme, sondern Ausgangslage. Genau daraus entstand die klassische Stärke der Region: Reife absichern, Spannung bauen, Balance organisieren. Doch dieses Modell verschiebt sich. Unter wärmeren Bedingungen wird Zucker leichter erreicht, die Lese rückt nach vorn, die Äpfelsäure sinkt, pH-Werte steigen. Reife ist also nicht mehr das Hauptproblem. Die eigentliche Herausforderung lautet heute: Spannung retten.
Darum reicht der Blick auf analytische Trockenheit oder Säurewerte allein nicht mehr aus. Spannung entsteht größer: aus Textur, Vertikalität, Salzigkeit, Druckaufbau, phenolischer Ordnung und der Fähigkeit eines Weins, trotz Reife nicht in Breite aufzugehen. Genau deshalb können Champagner heute formal trocken sein und dennoch weich oder flächig wirken.
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Dosage. Sie wird im gehobenen Champagner-Diskurs oft moralisch verhandelt, fast so, als sei weniger automatisch wahrer. Die Folge argumentiert anders: Brut Nature ist nicht die moralisch höhere Wahrheit der Champagne, sondern ihre exponiertere Form. Eine klug gesetzte Dosage arbeitet nicht nur an Süße, sondern an Proportion, Textur, Mittelgaumen und Nachhall. Die entscheidende Frage lautet also nicht: Wie wenig Dosage geht noch? Sondern: Was braucht dieser Wein, um seinen inneren Bauplan glaubwürdig zu zeigen?
Außerdem geht es um die stille Transparenzrevolution der Region. Basisjahrgang, Dégorgierdatum, Reserveanteil, Editionslogik und Grundweinverständnis werden heute viel offensiver kommuniziert. Champagne wird nicht weniger gebaut – aber lesbarer gebaut.
Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Verhältnis von großen Häusern und Winzern. Nicht als einfache Gegenüberstellung von Marke versus Authentizität, sondern als zwei verschiedene Arten, Ort durch Prozess zu organisieren. Die Häuser arbeiten mit Reserve, Assemblagekompetenz und Stilkontinuität. Die Winzerseite hat die Region zugleich stärker parzellenbezogen, grundweinnäher und oft burgundischer lesbar gemacht. Beides prägt die Champagne der Gegenwart.
Schließlich geht es um Nachhaltigkeit und Anpassung. Bio wächst in der Champagne langsamer als in vielen anderen französischen Weinbaugebieten – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil das feuchte, pilzdruckreiche Klima die Umstellung riskanter macht. Deshalb spielen Umweltzertifizierungen wie „Viticulture Durable en Champagne“ eine so große Rolle. Auch hier zeigt sich: Champagne antwortet auf neue Bedingungen weniger romantisch als organisiert.
Und dann ist da noch der Blick nach England. Wenn Häuser wie Taittinger oder Vranken-Pommery jenseits des Ärmelkanals investieren, dann geht es nicht um Folklore, sondern um Resilienz. Zugespitzt könnte man sagen: Sie kaufen dort nicht Boden, sondern Kühle.
Diese Folge liest Champagne deshalb nicht als Luxuskulisse, sondern als Spannungssystem unter Druck.
Wer tiefer in solche Fragen von Herkunft, Stil und sensorischer Präzision einsteigen möchte, findet mehr dazu in meiner Weinkenner Masterclass. Und für alle, die ihre Verkostung am Gaumen schärfen wollen, gibt es außerdem mein kompaktes Audio „Die Nase ist der Trailer …“ — ein konzentrierter Zugang zu dem, was Wein im Mund wirklich zeigt.
Weinkenner Masterclass: https://dr-staudt-weinerlebnisse.de/
12-Minuten-Audio: https://www.wolfgangstaudt.com/gaumenauftritt/
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