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Der Titel ist unvollständig. Eigentlich müsste er lauten: Bericht von einem, der auszog, den Bordeaux-Primeur-Zirkus zu erkunden (und jede Menge Tipps für die 25er Kampagne mitgebracht hat) und die ultimative Antwort auf die ewige Verschlussfrage. Kein Wunder, dass das die längste Blindflugfolge aller Zeiten ist.
Eines vorweg: im zweiten Teil hat Ollies Mikro den Saft verloren, aber das nur als Erklärung für den andersartigen Sound, denn eine Entschuldigung ist nicht nötig. Alles ist ohne Probleme verständlich.
Ollie is back und viele von Euch haben sich gewünscht, er möge sich mal vollumfänglich zu Bordeaux auskeksen. You want it, you get it. Also muss Felix den Wissenschaftler geben. Es stecken mehr als 30 Stunden Literaturarbeit in seinem Beitragt zu dieser Folge. Wer sich drüber freut, sollte vielleicht eine Steady-Mitgliedschaft in Betracht ziehen.
Kork oder Schrauber ist ein Thema, zu dem jeder eine Meinung hat, viele Weinfans berufen sich dabei auf Fakten, die keine sind. Hier kriegt ihr es jetzt also einmal in aller Ausführlichkeit von einem, der keine Meinung dazu hat, weil er sie vor der Arbeit an der Garderobe abgegeben hat. Seine Schlussfolgerungen? Sind nur zwei Stunden entfernt. Viel Spaß beim Deep Dive.
Ollie hat einen Silvaner im Gepäck. Pferd Willi 2023 von Dr. Heger. Felix ist bei Rotwein, weil er die ganze Zeit der Bordeaux-Geschichte lauscht und weil der Wein transportbedingt sehr warm ins Glas kommt. Er schmeckt nach Holz und Zigarrenkiste und daneben bietet er eher wenig. Auflösung: Neues Holzn hat der Wein nicht, ist aber recht lang auf der Hefe ausgebaut. Über die nächsten zwei Tage weiß der bei passender Temperatur durchaus zu gefallen. So ist es aber eher ein klassischer Fehlschlag.
Felix bringt Montrose 2001 aus Bordeaux ins Glas, einen Wein, den er Ollie vor mehr als zehn Jahren schon einmal eingeschenkt hat. Damals hat Ollie sich beschwert, der Wein sei zu jung. Nun also der nächste Versuch und es ist die richtige Zeit. Ollie ist glücklich, Felix sowieso. Das ist kein großer Montrose, aber es ist ein wunderbar gereifter, druckvoller Bordeaux aus einer Zeit, als das noch mit 12,5 Prozent Alkohol ging. Tempi passati.
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Blindflug – Folge 191
Zusammenfassung mit Ollie: Bordeaux-Jahrgang 2025 (En primeur) & Kork vs. Schraubverschluss
Ollie ist zu Gast; aufgenommen am 19. Juli in der Sommerpause. Ohne Würfeln schenkt Ollie zuerst ein und gibt den Wein für die Zuhörer preis: ein Drei-Sterne-Silvaner „Pferd Willi“ 2023 vom Weingut Dr. Heger (Baden, Kaiserstuhl) – eigens gewählt, weil Felix bekennender Silvaner-Fan ist.
Hörer hatten sich „mal was zu Bordeaux von Ollie“ gewünscht. Und Ollie muss was loswerden: Aufhänger war eine frühere Folge mit Flo, in der ein Video von Konstantin Baum MW erwähnt wurde (2025 sei gar kein so großer Jahrgang) – und dass Flo diese Einschätzung „ehrlich“ nannte. Ollie fand genau diese Reflexhaltung interessant: „nicht so gut wie alle sagen“ gilt automatisch als ehrlich. Er war selbst im April zwei Wochen bei der En-primeur-Verkostung in Bordeaux und berichtet, vor Ort seien sich alle einig gewesen, dass es kein großer Jahrgang sei. Dagegen stünden Händler-Hypes: Lobenberg (Bremen) pries ihn euphorisch als „wie 2022, nur besser“; Extraprima (Mannheim) postulierte eine „Badewanne“ (Spitze okay, Mittelklasse erschreckend schwach, unten wieder gut). Ollies eigene Sicht: 2025 ist ein sehr schwieriger, aber bei den Gelungenen hochinteressanter Jahrgang – mit extrem steilem Gefälle nach unten; die kleinen Weine „fallen von der Klippe“.
Ollie kam über eine Cousine (Handel in Bordeaux) und den Négociant-Betrieb auf die Listen; alles selbst bezahlt und organisiert, im Bus von Château zu Château, kein Eintritt, überall frisch geöffnete Flaschen. Zehntausende durchlaufen die Woche; die Teams „gehen am Stock“ (Dauer-Galas, immer dieselben Fragen). Kontrast zu Burgund (Winzer mit Pferdemist am Stiefel) vs. Bordeaux (Anzug, Krawatte, „Versicherung/Banken/Corporate“, 200.000 statt 200 Flaschen) – aber die Leute brennen für ihren Job, hinter dem Marketing kommt echte Leidenschaft zum Vorschein.
Ollies zentrale Beobachtung: Der Jahrgang arbeitet die stilistischen Unterschiede zwischen den Châteaux (die sich selbst als „Marken“ verstehen) so sauber heraus wie nie. Calon-Ségur schmeckt wieder voll nach Calon-Ségur (nach einer Findungsphase mit ~15 % Alkohol nach dem Tod von Madame Gasqueton ist man zum klassischen Stil zurückgekehrt). Montrose ist für Ollie „ein Premier Grand Cru für ein Sechstel des Preises“, stilistisch fast schon zwischen Pauillac und Saint-Julien angesiedelt (das Gut füllt nur noch „Terrasse 4″, Calon-Ségur „Terrasse 3″ – daraus ergeben sich die Differenzen). Ollie ist bekennender Cabernet-/Bordeaux-Trinker und hat „hedonistisch“ entlang seiner Vorlieben verkostet – merlotlastige Weine teils hart abgestraft; seine Urteile also „mit einem großen Block Salz“ zu nehmen.
Die kommunalen Unterschiede (Saint-Estèphe kühler, mehr Lehm → mehr Merlot) seien heute geringer als die Unterschiede zwischen den Châteaux; entscheidend ist die aus dem Terroir folgende Rebsortenzusammensetzung plus die jeweilige Vision. Léoville Las Cases zieht seinen muskulösen Stil (viel Holz, braucht Jahre) gnadenlos durch – wer ihn mag, wird glücklich, Ollie selbst ist kein Fan. Den „Wein ohne Feinde“ sieht Ollie eher in Pichon Comtesse (Roederer-Haus): extrem mehrheitsfähig, verführerisch, Top-Niveau. Muskulöse Linie: Léoville Las Cases, Lynch-Bages, am rechten Ufer Pavie (2025 sehr gut, nicht mehr Parker-Karikatur).
2025 nur zu verstehen über 2024: kühle, nasse Blüte 2024 → die Rebe setzt 2025 weniger Frucht an. Dann Trockenheit von Anfang April bis Ende August; früh einsetzender Wasserstress auf kiesigen Terroirs stoppte den Stoffwechsel genau während des Beerenwachstums → sehr kleine, saftarme Beeren, extrem niedrige Erträge. Dilemma: mit 14 % lesen (unreif) oder bis 17 % warten. Reines Glück: zwei kräftige Regengüsse (50–60 mm) Ende August/Anfang September verdünnten perfekt reife Trauben auf 13–13,5 % (links, rechts meist deutlich unter 14,5 %), ohne Fäulnis. Problem: das verlangt parzellengenaue Lese morgens um neun – wer Personal, Material und Organisation nicht hat, wird „unreif oder überreif“. Terroirs mit unterirdischer Wasserversorgung hatten kein Problem; Lafleur (Kies, rechtes Ufer) musste bewässern, um die Reben zu retten, Cheval Blanc schnitt von fünf Trauben vier weg.
Hier trennt sich alles: Die großen (und mit großen Gütern assoziierten) Châteaux – etwa Léoville Barton mit Mauvesin Barton in Moulis – hatten Know-how und Mannschaft und holten pikfein reife, gesunde Trauben; die kleinen, unabhängigen Betriebe „fallen von der Klippe“ (viel Merlot, harsches Tannin, hohe Säure, hohle Weine – im Keller nicht zu retten). Dazu eine „unglaublich komplexe Gemengelage“ der Bordeaux-Krise: einzelne Châteaux und Négociants florieren, andere stehen vor der Pleite; fallende Weinbergspreise, fällig gestellte Kredite (Basel-Regulatorik), gescheiterte Familienübergaben an der Steuer. Unten das „Languedoc-Problem“ (zu viel schlechter Wein), in der Mitte „zu viel guter Wein“. Als Beispiel „klein, aber solide“: Lilian Ladouys (Saint-Estèphe, Lorenzetti-Gruppe), ~16 € in der Subskription – was Felix kontert: 16 € subskribiert ≈ 20 € effektiv, dafür bekomme man „im Rest der Welt“ fantastische Weine; einzig ein Chianti wäre für beide die echte Alternative.
Zur Verkostung kommen die alten englischen Händler (Berry Bros, Farr Vintners) – Schnitt „nördlich von 65″, die trinken aus ihrem Keller. Wachstum dagegen in jüngeren, weiblicheren Märkten: Vietnam, Nigeria, Brasilien. Offene Frage, ob der Wein dort getrunken oder nur gekauft wird (keine Keller, junge Käufer ohne Immobilien – dasselbe Problem wie bei der deutschen Jugend). Felix will die Exportstatistik prüfen. Zur Spuck-Frage: Ollie trank bei den Château-Besuchen vieles (kam „mit vier Kilo zurück“), spuckte nur auf den großen Massenverkostungen im Hangar.
Verkostet wurden ~150–200 Châteaux (nicht probiert u. a. die Weine von Moueix, der sein eigenes Négoce macht). Premier Grand Cru: kaufenswert nur Mouton und Margaux; Latour probiert und „völlig unfassbar“, aber Geduldsprobe; Haut-Brion war die große Enttäuschung aller Premiers (zu viel Merlot, ~14,5–14,7 %). Mittelklasse/Ehrgeizklasse mit Preisen (Subskription): Batailley (Pauillac, ~32–35 €, erstmals richtig groß), Haut-Bages Libéral, Clerc Milon & d’Armailhac, Duhart-Milon (schön, aber zu teuer), Talbot (idiotensicherer Saint-Julien, ~42–45 €). Gekauft hat Ollie (halbe Flaschen, zum Nachverkosten): Batailley, Haut-Bages Libéral, Langoa Barton (der einzige merlotlastige Wein außer Palmer, der ihm gefiel – er ist Léoville-Barton-Fanboy), Gruaud Larose (300-Jahr-Jubiläum, „hinterhergeworfen“ ~52–53 €, fand er besser als Léoville Barton), Calon-Ségur (~90–92 €, „wenn du’s magst, macht dich nichts anderes glücklich“; gefiel ihm besser als Cos d’Estournel, 116 €, der aber der bessere Wein sei), Montrose (nur in halben Flaschen – Premier-Niveau, aber „richtig geil in 30 Jahren“; wie „Andreas Möller – ewig Potenzial“), Grand-Puy-Lacoste, Brane-Cantenac (der günstigste kaufbare Deuxième in Margaux); nicht gekauft, aber top: Léoville Las Cases, Palmer, Pavillon Rouge, Rauzan-Ségla. Als „wahrscheinlich einziges unabhängiges Château mit richtig gutem Wein“ und Preis-Tipp: Sociando-Mallet (bester seit 1990, ~26,50 €). Crowdpleaser: Cantemerle (Haut-Médoc, ~20 €).
Les Carmes Haut-Brion ist für Ollie 2025 der beste, aber untypischste Pessac (endlich wieder „in Bordeaux verortet“, viel Cabernet); den 22er fand er misslungen, Felix‘ 22er-Probe hatte ihn mit 89 Punkten auch nicht gefeiert. Typischster/schönster Pessac: Haut-Bailly. Enttäuschend: Haut-Brion. Rechtes Ufer: die großen Saint-Émilion auf Kalk performten sehr gut, Pomerol schwierig. Figeac (auf Kies) super, Troplong Mondot ein „Kalkmonster“ (pure Energie, rotfruchtig, „nichts für Leute, die zum Lachen in den Keller gehen“). Preistipps: Capbern (Calon-Ségur-Team, Saint-Estèphe, bester seit je, „ein paar und 20 €“) und als Merlot-Alternative zu teurem Pomerol La Dame de Montrose (82 % Merlot, Zweitwein von Montrose). Zweitweine fielen oft ab; schön: Pavillon Rouge (Margaux), Petit Cheval Blanc und Pavillon Blanc. Bei den Weißweinen winkt Ollie ab (Sauvignon-Blanc-müde): Smith Haut Lafitte Blanc, Domaine de Chevalier Blanc – „gut, wenn man’s mag“.
Felix war völlig auf der falschen Fährte: Er erwartete Bordeaux, bekam den Wein zudem mit ~16 °C eingeschenkt und hielt ihn die ganze Zeit für einen Rotwein (viel Holz Richtung Zigarrenkiste/Tabak, „malbecig“, kräftige Säure, aber zu wenig Tiefe – der Funke sprang nicht über). Auflösung: Dr. Heger, Silvaner „Pferd Willi“ 2023, Kaiserstuhl. Spannend findet Felix, dass hier die sonst typische „gemüsig-vegetabile“ Silvaner-Fährte fehlt (keine Zwiebelschale, keine grünen Noten), stattdessen zart gelbe Frucht/Mirabelle – der einzige Silvaner, den Ollie „erträgt“. Die Temperatur war ein Versehen (Abmachung: Weißwein immer richtig temperiert); Felix probiert ihn später kühl in der Aftershow.
Felix schenkt Wein 2 ein (Montrose 2001, Auflösung am Ende) und liest die Hörerfrage von Benjamin: In seiner Burgunder-/Riesling-Handlung gibt es ständig Streit, ob man Schraubverschluss schmeckt (manche beschreiben „Brausetablette/schal“), und ob die Reifung unter Schrauber den großen Weinen schadet (GGs mit über zehn Jahren wirkten „zu jugendlich, mit Zischen“). Felix hat sich „acht Jahre davor gedrückt“ und arbeitet die Frage nun mit ~30 Stunden Literaturrecherche auf.
Die Önologie widerspricht seit Jahrzehnten. Standardwerke (Ribéreau-Gayon, „Traité d’Œnologie“; Wiley Handbook of Enology; Émile Peynaud, „Knowing and Making Wine“/„Connaissance et travail du vin“) sagen: Der in die Flasche eindringende Sauerstoff ist vernachlässigbar bis null und nicht der Motor der Reifung. Das Bukett großer Weine entsteht durch Reduktion; Flachheit (Aldehyde) ist das oxidative Phänomen. Empirisch gestützt durch den sinkenden Redox-Verlauf beim Reifen. Ursprung des Sauerstoff-Mythos ist ausgerechnet Louis Pasteur, „Études sur le vin“ (Paris 1866, im Auftrag Napoleons III.) – das Buch, in dem die Pasteurisierung erfunden wurde. Pasteurs zentrale Aussage war „c’est l’oxygène qui fait le vin“; das berühmte „Sauerstoff ist der Feind des Weins“ hat er so nie gesagt (angedichtet). Widerlegt wurde die Sauerstofftheorie von der Bordeaux-Schule (Messungen ab 1933). Jüngere Bestätigung: Hart & Kleinig 2005 (Southcorp/Penfolds) mit anaerob gereiften Weinen über sieben Jahre.
„Mikrooxidation“ in der Flasche gibt es nicht – das ist ein Fass-Konzept (10–45 mg O₂/Jahr im Fass gegen ≤1 mg/Jahr unter Kork, Faktor bis 60). Oxidation läuft immer gleich ab; der Sauerstoff „stürzt sich auf das Erste, was er findet“. Die Idee, der Korken lasse Sauerstoff „ganz langsam, kontrolliert“ ein, sei ein Kategoriefehler (Analogie: der Besucher, der die „Universität“ hinter den Gebäuden sucht).
„Absolute Dichtheit“ gibt es nicht (Helium wandert durch meterdickes Glas); Dichtheit ist eine technische Messgröße (Leckrate unter Schwellenwert) – die „naiv-absolutistische Deutung“ („ein Molekül durch = undicht“) ist unsinnig. Jeder Korken lässt auf molekularer Ebene durch Diffusion Sauerstoff durch. Die Forschung (v. a. die Dijon-Gruppe um Chanut/Lagorce-Tachon sowie Theodoro) streitet, ob das nach Fick oder Knudsen läuft (letzteres würde unter Druck langsamer, weil die „Zickzack“-Wege länger werden) – geklärt ist das nicht, erschwert durch die Unmöglichkeit zerstörungsfreier Messung. Chanut 2021 / Theodoro 2024: Ein unbehandelter Korken lässt ~100-mal mehr Sauerstoff durch als ein klassisch behandelter (fast alles läuft an der Grenzfläche Kork/Glas vorbei).
Jeder Korken wird außen mit einer Paraffin-Silikon-Emulsion besprüht (früher Vaseline; Emulsion ohne Lösungsmittel erst Anfang der 90er patentiert). Das Paraffin dichtet die Grenzfläche tatsächlich ab, das Silikon ist Gleitmittel – ursprünglich aufgetragen, damit sich maschinell verkorken lässt; dass es den Korken erst richtig dicht macht, war lange gar nicht bewusst. Deshalb gibt es praktisch keine unbehandelten Korken mehr. Bei Champagner-Korken ist Silikon tabu (es schädigt die Perlage). Zentrales Bild, das Felix einführt: die „Morgengabe“ – beim Eindrücken gast der zu ~60 % aus Luft bestehende, mit ~9 bar gestauchte Korken schlagartig viel Sauerstoff aus (logarithmisch: viel in 5 Tagen, abklingend über Monate), ~3 mg nach wenigen Tagen; die nächste vergleichbare Menge braucht dann 6–30 Jahre per Diffusion. Fazit (mit Lopes, Amorim-Forschungsleiter): Korken „atmen“ nicht – „keine Dusche, nur ein Konfirmanten-Rinnsal danach“. Belegt durch die Oliveira/Lopes/Pereira-Studie 2013 (Indigokarmin, 600 Flaschen, Kolorimeter): O₂-Eintrag nach 12 Monaten 0,3–4,8 mg (Faktor 16), 21 % erreichten die Messobergrenze → rechtsschiefe Verteilung, „in Wirklichkeit noch schlimmer“. Helena Pereira = „Kork-Päpstin“ („Cork: Biology, Production and Uses“); Lopes sei seriös, in Interviews aber „sehr gnädig“/biased.
Die 10- und 12-Jahres-Studien an Sauvignon Blanc (Bordeaux-Gruppen) nennen immer nur Obergrenzen des Verträglichen (~0,3 mg/Jahr), nie eine nötige Menge – weil Sauerstoff eben nicht nötig ist. Oliveira/Ferreira 2011 (Food Research International): Oxidation erzeugt Fehltöne, die in Spuren „komplex“ wirken können (Konjunktiv); das Hydroxylradikal oxidiert unselektiv „die erstbeste Spezies“ – keine gerichtete Veredelung. Der einzige wirklich nützliche sauerstoffabhängige Prozess ist die Acetaldehyd-Brückenbildung (Farbstabilisierung im Rotwein) – geschmacklich null; es gibt zudem einen anaeroben Reaktionsweg. Der Lagerböckser (H₂S/Reduktion) ist ein theoretisches Schrauber-Problem (älter als der Schrauber, tritt auch unter technischem Kork auf); Felix und von Oetinger hatten noch nie einen.
Frühe Verschlüsse waren extrem durchlässig (nicht einmal gasdicht). Erst die Zinn-/Saran-Folie im mehrschichtigen Inlay macht ihn mit ~0,0004 mg/Jahr praktisch dicht (1 mg erst nach 1000 Jahren). Es gibt wenige Inlay-Hersteller; moderne technische Inlays erlauben eine einstellbare, sehr variationsarme Permeabilität. Spektakulär: Alcovin Active (deutsch) – Aluminiumfolie mit immobilisiertem Kupfer, das einen Böckser sogar nachträglich (nach acht Monaten) wegzieht, ohne dass Kupfer in den Wein migriert. Praxis: Achim von Oetinger und Sandra Sauer (Schrauber seit 2007, unter den Ersten mit verschraubten GGs) nutzen Zinn-Inlays, aber ausdrücklich keine sauerstoffdurchlässigen – „ich will keinen Sauerstoff im Wein“. Fazit: Genau das, was als Story pro Kork erzählt wird (langsame, kontrollierte Zufuhr; Böckser-Schutz), ist nur mit dem Schrauber zu 100 % darstellbar – „wenn man Sauerstoff zur Reifung bräuchte“, was man eben nicht tut.
DIAM ist geschreddertes, gereinigtes Korkgranulat (100 % TCA-frei), mit Bienenwachs gebunden – dadurch sehr geringe Morgengabe (DIAM 10 ~0,8 mg/L) und 0,0 Diffusion. Wichtiger Hinweis: Alle Zahlen gelten für 45-mm-Korken; GGs/Bordeaux nutzen längere Korken → noch mehr Morgengabe, noch weniger später. Neue Dijon-Studie (Mai 2025): Mit standardisierten DIAM-Korken verschiedener Länge in Glasröhren zeigt sich saubere Skalierbarkeit; ab Monat 4 werden Korkphenole extrahiert, die Sauerstoff verbrauchen (passiert bei allen Korken, teils geschmacksrelevant); die längsten Varianten rutschten unter die Nachweisgrenze (dicht). Man könnte also ein perfektes „Plop“-Produkt bauen, indem man technische Korken kürzer sägt. Zum Scalping: Alle Verschlüsse nehmen Aroma auf (Kork am meisten) – der Naturkork gibt zusätzlich eigene Phenole ab, „aromatisiert“ also in beide Richtungen.
Warum beim TCA-Ausfall „1 % vs. 10 %“ beide recht haben: Silvaner und Pinot reagieren viel stärker auf Maskierung als Riesling und Bordeaux (Beleg: bei Horst/Sandra Sauer, gleiche Korken/Anlage, trifft es fast immer den Silvaner; Anekdote mit 17 prämierten Ceratiten-Weinen und einem 2004er TBA, bei dem die zwei Tischhälften „Tag und Nacht“ unterschiedlich schmeckten). Dazu Felix‘ langjähriges Rätsel: Er nimmt bei vereinzelten Weinen (und sogar Brötchen einer bestimmten Backstube) einen chemischen Fehlton wahr, den fast niemand sonst riecht – vermutlich ein hefebürtiges Molekül. Analogie: das Androstenon (Hans Hatt) – 70 % riechen es überhaupt, davon 90 % als Urin, 10 % als „Blumenwiese“; genetisch bedingt, höchste „Pisse“-Wahrnehmung im Vorderen Orient (Eberton/Schweinefleisch-Verbot). Ein anderer Betroffener beschrieb denselben Ton als „frisch aufgepusteter Schwimmflügel“. Felix‘ Punkt zur Hörerfrage: Solche echten Einzel-Wahrnehmungen sind extrem selten – dass in einer Runde gleich mehrere „Schrauber-Nasen“ zuverlässig treffen, sei unwahrscheinlich (eher Echokammer/selektive Wahrnehmung). Sauberer Test: verdeckt „Kork/Schrauber“ auf einen Zettel schreiben, später auflösen – aber technische Korken verhalten sich ohnehin wie Schrauber.
„Brause vs. schal“ erklärt Felix über CO₂: Restkohlensäure macht kleine Weine besser, große/gereifte flacher – je nach Wein also „Brause“ oder „schal“. Entscheidend sei die Zubereitung, nicht der Verschluss: verschraubte Weine müsse man genauso behandeln (z. B. in der Karaffe schütteln, damit CO₂ ausgast), sonst verfälsche man den Vergleich. Champagne: will einen 0,0-Korken (keine Morgengabe, kein Silikon, kein Durchlass), braucht aber den Kork fürs „Plop“/Sabrage; die gewaltige CO₂-Gegendiffusion (innen 6 bar) blockiert den Sauerstoff ohnehin, und gereifter Grundwein will gar keinen Sauerstoff. Verbreitung: Immer mehr gehen weg vom Naturkork – Friedrich Becker verschraubt seit je (Familienreserve nur verschraubt), Wittmann komplett auf DIAM 10, viele Burgunder Weißwein-Grand-Crus auf DIAM.
Felix‘ Dreiteilung: (1) Es ist keine Meinung, sondern eine Vorliebe – Naturkork, technischer Kork und Schrauber sind wie Röhrenverstärker, Digital und Grammophon; man darf den Kork mögen, aber „technisch überlegen“ ist er bei keinem messbaren Parameter (er verliert überall, Ausnahme evtl. Fremdstoffeintrag – wobei er Phenole einträgt). (2) Zwischen technischem Kork und Schrauber gibt Felix bewusst keine Meinung ab (er hat sie „an der Garderobe abgegeben“). (3) Er will dem Hörer nicht „mit der kleinen Doofmeinung“ die Fakten überschreiben. Seine persönliche Vorliebe: Verlässlichkeit – Hauptsache der bezahlte Wein schmeckt; fürs „Plop“ der technische Kork, praktischer der Schrauber. Offen seien noch 5–10 Jahre DIAM-Langzeitdaten; auffällig sei, dass führende Forscher gerade vom Schrauber zum technischen Kork schwenken.
Ollie riecht „Gereiftes aus Südwestfrankreich“, klar Bordeaux, etwas Tabak, schöner Schmelz, kräftige strukturierende Säure, gut abgeschmolzenes Tannin; Tipp ~2005, wärmeres Jahr. Felix lenkt: kühler und älter. Auflösung: Château Montrose 2001 (25 Jahre gereift, nur 12,5 % Alkohol) – „der alte Stil“, den es im neuen Bordeaux so nicht mehr gibt, und „kostet gar nicht die Welt“ im Preis (~100 €). Dazu Felix‘ Anekdote, wie er und Ollie sich vor ~15 Jahren bei einer Blaufränkisch-/Lemberger-Probe kennenlernten und Ollie ihn einst für einen zu früh geöffneten 2001er Montrose rügte – weshalb Felix die verbliebene Flasche 12 Jahre für Ollie reservierte. Zum Abschluss die „Flugkapitän Felix Bodmann“-Durchsage.
Der Beitrag Blindflug 191: Kork oder Schrauber erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Wir reden über die Krise des Winzerhandwerks, die Vielleichtkrise von Wiesbaden und den Zusammenhang zwischen Preisen und Qualitätsmaßnahmen. Wir trinken Chardonnay und Pinot aus Deutschland, die noch als Geheimtipps durchgehen.
Es gibt viel zu loben an den Weinen, die dieses Jahr in Wiesbaden auf dem Tisch standen. Die Veranstaltung hat trotzdem ihren Zenith überschritten. Das ist symptomatisch für eine Branche in der Dauerkrise. Wenigstens zaubert uns der Inhalt unserer schwarzen Gläser ein Lächeln auf die Lippen.
Flo schenkt Felix den Chardonnay Alte Reben 2024 von Steitz aus Rheinhessen ein. Was für ein schöner Wein, was für ein Schnäppchen! Felix hat zunächst Sorgen, aber alles, was ihn beunruhigt, verzieht sich, sobald der sehr kalt eingeschenkte Wein die richtige Temperatur erreicht. Feinheit, vielschichtiges Holz – der Wein vermittelt eine Idee und der junge Winzer hat sie fast perfekt auf die Flasche gebracht. Den Mann sollte man im Auge behalten.
Felix hat den aktuellen Sieger-Rotwein von Best of Franken im Gepäck. Der Spätburgunder Bürgstadter Berg 2022 vom Weingut Josef Walter ist auch in der Qualitätspyramide dieses Nicht-VDPisten mit einer Ersten Lage gleichzusetzen. Und dafür (und für den schmalen Preis) ist der Wein eine Sensation. Die Aromatik ist nicht 100 Prozent typisch mit einer Johannisbeerfrucht und Seeluft in der Nase, aber immer noch so nah am Ideal, dass Flo den Wein als Spätburgunder erkennt. Das macht irre viel Spaß und sei von Herzen empfohlen.
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Anbei die Zusammenfassung des Transskripts. Da die Transskriptionssoftware fehler machen kann, dies Bitte nur zur raschen Auffindung von ungefähren Inhalten oder zur Navigation nutzen.
Nach dem Würfeln bekommt Felix von Flo blind einen Wein: Chardonnay „Alte Reben“ 2024 vom Weingut Steitz aus Rheinhessen (Steinbockenheim, bei Siefersheim). Daran hängt ein langes Gespräch über den extremen Hitzesommer 2025: Der meteorologische Sommer war deutschlandweit der zweitwärmste nach 2003 (in Berlin selbst eher durchwachsen). In der Pfalz „40 Tage am Stück über 30 Grad“ wie 2003; Flo konnte dort nur um 5 Uhr morgens Rad fahren. In Franken (Steigerwald, bei Castell) sah es aus wie in der Toskana – alles außer den Reben vertrocknet, samt Sorge um Tiere. In Frankreich noch krasser: Die Hospices de Beaune lasen ihren Meursault Premier Cru schon am 18. August (dunkelgelber Most, drohende ~15 % Alkohol, aber noch grüne Rappen); Benoît Ente war bei den weißen Sorten schon um den 12. August fertig. Kernfrage: „Nichts ersetzt Hängezeit“ – was bedeutet das für Turbosommer? In der Champagne wird es wegen zu alkoholreicher Basisweine eine Rekordmenge an Coteaux Champenois (Stillweine) geben. Fachliche Überlegung: In so einem Hitzejahr könnten sich die Reifezeitpunkte der Rebsorten stark angenähert haben; beim Riesling (Aromabildung v. a. nach der Weichwerdung) wirkt sich die Verkürzung anders aus als bei anderen Sorten. Man werde erst in einigen Jahren sehen, ob die aromatische Substanz die Struktur puffert.
Flo hat in einem Biergarten in Berlin-Friedenau (Südgelände) einen frisch ausgelernten Winzer getroffen, der die Lehre parallel zu einer American-Football-Karriere gemacht hat und nun Winzer werden will. Das führt zu alarmierenden Zahlen: 2024 legten nur 228 Gesellen-/Meisterprüfungen ab, 2025 begannen nur 210 die Winzerausbildung in ganz Deutschland – gegenüber ~1.000 vor zehn Jahren, also ein Einbruch um rund 75–80 % (Geisenheim-Studienzahlen sind mit ~160–170 Anfängern stabiler, aber nicht vergleichbar). Das schafft massive Probleme: Mittelbetriebe finden kaum noch Leute, die z. B. Schlepper fahren, konkurrieren mit den großen Gütern um die wenigen Kräfte, und Familien müssen 50 % mehr arbeiten. Felix vermutet ein kommendes Handwerks-Revival, gerade weil KI viele Studienberufe stärker treffe als handwerkliche (eine KI fahre keinen Schlepper; Roboter in der Steillage seien zu teuer und kaum genehmigungsfähig). Flo bringt einen politischen Haken: Angesichts der aktuellen Lage sei es fraglich, ob man ausländische Auszubildende gut für den ländlichen Raum gewinnen könne, wo sie teils nicht willkommen seien – dabei sei Winzer ein tolles, weltoffenes Berufsbild. Felix ergänzt, dass moderne Weingüter zunehmend im Team arbeiten und Aufgaben sinnvoll aufteilen (Kaufmann/Keller/Außenbetrieb), oft ohne Erbteilung in Harmonie geführt.
Felix‘ „Reise“: zunächst flach, mit einem vermeintlichen Cremetörtchen-Ton (den er als BSA-Verdacht deutet und hasst) – der sich beim Erwärmen komplett auflöst. Er stellt ausdrücklich fest: null BSA-Spuren, absolut sauber. Mit Luft wird der Wein immer nobler: leicht rauchige Holz- und Würzaromatik, feine Vanille, reifer Apfel/Birne, unaufdringlich (nicht so „poliert“ wie das meiste, was er zuletzt im Glas hatte), hinten eine feine, leicht pfeffrige, schmirgelnde Note, lebendige Säure. Tipp: Weißburgunder, warme Region (Baden), Jahrgang 2024, evtl. zwei Jahre im Holz. Auflösung: Chardonnayvom Weingut Steitz (Steinbockenheim/Rheinhessen, unter Siefersheim) – „Alte Reben“ für 17 Euro, gemacht vom Junior, der das Gut seit drei Jahren im Betrieb hat. Felix ordnet ihn einordnungstechnisch „zwischen Baum und Borke“ ein (Kategorie 1 vom Preis, aber als Kategorie 2 gemeint) – kein Makel, sondern typisch für Weine im Grenzbereich der Qualitätsstufen. Beide finden ihn für 17 Euro sehr gelungen.
Blind: Spätburgunder Bürgstadter Berg 2022, Weingut Josef Walter (Franken). Aus der (noch laufenden) Hörer-Umfrage stammt die Anregung, künftig zu jedem Wein eine Speisenempfehlung zu geben – eine kleine Änderung, die vielen gefallen dürfte (Desinteressierte können 30 Sekunden vorspulen). Zum Steitz-Chardonnay überlegen beide: Felix hält ihn für zu würzig/pfeffrig für klassische Forelle und zu wenig fleischig fürs Wiener Schnitzel; er passe eher zu einer deftigen Brotzeit (inkl. Leberwurst) oder zu gegrilltem Fisch (Dorade mit Thymian, Ofenkartoffeln). Flo hatte ihn zu gefüllter Zucchini (Kartoffel, Chili, Zwiebel, Knoblauch, Tomate, überbackener Schafskäse) – auch etwas Asiatisches könnte passen.
Felix‘ kritischer Rückblick auf die diesjährige VDP-GG-Vorpremiere in Wiesbaden: 83 Weine weniger, ~25 Güter ausgestiegen, kaum Neuzugänge – am Ende nur 110 von rund 190 GG-fähigen Betrieben. Gründe waren unterschiedlich: Paul Weltner blieb aus Protest weg (der Sonntag, an dem außer Riesling alles verkostet wurde, wurde abgeschafft – seitdem gibt es an jedem Tag Riesling, was Grauburgunder, Lemberger, Silvaner benachteiligt und die Franken schwächt). Uli Allendorf nannte den ökonomischen Grund: Es kämen mehr volle Flaschen zurück als hingeschickt. Felix rechnet die Kosten vor – ~1.000 Euro Sockelbetrag pro Betrieb (25 fehlende Güter = 25.000 Euro Budgetloch), plus ~100–150 Euro pro Wein; effektiv probierten am Ende teils nur ~40 Leute einen Wein. Besonders getroffen: der Rheingau (Kloster Eberbach, Künstler u. a. blieben weg). Zwei Betriebe kehrten nach ein, zwei Jahren Pause zurück: Prinz und – als Verkaufskandidat, bei dem ein Wiedereinstieg vor einem Verkauf sinnvoll ist – das Weingut Kaufmann. Bedenklich findet Felix den raueren Ton in der Kommunikation (Instagram) bis hin zur Häme – „da stecken Menschen und Arbeit dahinter“. Er selbst schreibe in seiner Arbeitsmappe zwar auch emotional und mal hart („brutal banal“), gebe das aber nur an ~200 Steady-Mitglieder mit der Bitte weiter, es nicht zu teilen, weil einzelne Bemerkungen so nicht für die Öffentlichkeit gedacht seien.
Felix‘ These: Die großen Rheingau-Güter (Leitz, Spreitzer, Allendorf, Weil, Künstler, Kloster Eberbach) betreiben Sortimentsplanung „wie Nestlé Produktmanagement“ und werden dafür abgestraft. Dabei toben sie sich bei den GGs aus – aber diese GGs verkaufen sich anders (Beispiel: fünf Jahre alte Hasensprung-GGs am Eltviller Rheinanleger von Allendorf, die keiner kauft; die Leute wollen eher halbtrockene Weine). Wer als Kritiker einen spontanvergorenen Wein als „riecht nach Reinzuchthefe“ verreißt, disqualifiziere sich fachlich (Reinzuchthefe kann man nicht riechen) – und lade Betriebe geradezu ein, wegzubleiben. Zudem verändere sich Wiesbaden: selbst um klassische „Rebellen“ würde es stiller – erstaunlich abgemeldet sei Peter Jakob Kühn, einst der „Säulenheilige“ des deutschen Nonkonformismus (früher Biodynamiker im VDP, erster Amphorenwein ~2005), der einst „der erste Ziereisen Deutschlands“ war. Auch Schäfer-Fröhlich und die Nahe insgesamt würden zunehmend „gebasht“, obwohl die Nahe für Felix ein Boutique-Gebiet mit höchster Spitzendichte (und ohne Genossenschaft) bleibt.
Felix findet 2025 eigentlich ein ziemlich gutes Jahr, die Stimmen dazu waren aber nur mittelmäßig. Er überlegt, seinem Fazit doch noch den Merksatz nachzutragen, dass sich ein Riesling-Jahrgang erst im übernächsten Jahr beurteilen lässt: Im ersten Jahr nach der Füllung entscheidet sich, ob die Weine „üppig und pummelig“ werden oder tight bleiben. Positives Extrembeispiel war 2016 (schmeckte 2018 wie 2017), negatives 2015 („hat sich ein Jahr auf die Couch geflätzt und Chips gefressen“) – Letzteres bleibt für beide schwierig. Der Rheingau und die Nahe „kriegen auf die Mütze“, und es fehle an alternativen Reizen; ausgerechnet in diesem Jahrgang fand Felix Bürklin-Wolf nicht so überragend, wie es gerade alle feiern. Kurz gestreift: der neue Wachenheimer Versteigerungswein von Bürklin-Wolf (toll, aber preislich schwer einzuschätzen – ein Premier Cru, der bei 350–500 Euro landen könnte).
Im Rahmenprogramm probierte Felix im Weingut Kranz (Ilbesheim) die Lage Kleine Kalmit – eine kleine Premiere: den 2025er flüssig im Glas, den 2026er als erntereife Traube in der Hand. Boris Kranz erklärte, dass sie beim Weißburgunder nun Traubenteilung plus Schulterschnitt machen (sehr aufwendig, eigentlich nur bei besten Spätburgundern üblich). Das nutzt Felix als Aufhänger für eine ausführliche Vollkosten-Rechnung (Vorschau auf die versprochene Preis-Folge vor Weihnachten): Die drei Schnitte kosten grob 1 Euro Arbeitslohn pro Flasche, was mit allen Rabatten und Mehrwertsteuer ~3 Euro Endverkaufspreis nötig macht – daher stieg das GG zuletzt jedes Jahr um 3 Euro (aktuell ~46 Euro). Rückblick: Das 2013er GG (letzter konventioneller, ertragreicher Jahrgang, 50 hl/ha) kostete 23 Euro. Seitdem: 100 % Preisaufschlag, aber ~40 % weniger Ertrag (nur noch 30 hl/ha), verdoppelte Arbeits- und Trockenmaterialkosten (Flasche, Etikett, Verschluss). Fazit: Mit dem alten 23-Euro-GG verdiente Kranz mehr; um den gleichen Deckungsbeitrag zu halten, müsste der Wein eigentlich ~55–70 Euro kosten (bei 80 % Export sogar ~80). Kernbotschaft: „Das schlechteste Argument für oder gegen aktuelle Preise sind frühere Preise.“ Je mehr Kranz die Qualität auf die Spitze treibt, desto weniger verdient er am GG – weshalb es den beliebten Landschneckenkalk (ein Preis-Genuss-Wunder) inzwischen nicht mehr gibt.
Übergang, weil das Kranz-GG (2024er) der Blindflug-Wein ist – auch der 2025er sei stark. Felix schildert, wie schwer Preis-Leistungs-Aussagen in Wiesbaden sind, weil ihm bei den meisten Weinen das Hintergrundwissen fehlt: Beim Bienenberg von Huber (95 Euro, Hubers kleinstes GG) werde so getan, als blase er alles weg – dabei koste Kellers Achkarrer Schlossberg ebenfalls 95 Euro und sei dort das größte GG. Blind-Verkostung kann Vorurteile auch umkehren: Im Pettenthal-Flight (Roter Hang, Rheinhessen) galt der Rappenhof vorab als „fast so gut wie die anderen beiden“ – Felix fand dann blind alle drei sehr gut, aber Gunderloch (er ist Pettenthal-Fan) am attraktivsten, und erkannte Kühling-Gillot nicht sofort. Er versteht, dass Erzeuger wie Groebe aussteigen, wenn sie ständig hören, sie könnten „fast mithalten“ – zumal am Roten Hang nach dem Ausstieg von St. Antony bald nur noch Gunderloch und Kühling-Gillot GGs anstellen; Wittmann macht dort nur Ortswein. Wenn nur noch die Export-Zwänge-Betriebe anstellen, werde die Veranstaltung langweilig.
Flo beschreibt einen schönen, gereiften Rotwein: jodig, zigarrenkistig, teerig, wenig Frucht (etwas Johannisbeere am Gaumen, nicht in der Nase), sehr elegant, kein Kraftmeier, würzige Ebene. Felix betont, dass Jod hier positiv (Seeluft/Salzbrise, nicht medizinal), Zigarrenkiste und Teer für Nebbiolo-Freunde attraktiv sind. Flo tippt erst Nebbiolo, dann Pinot, Jahrgang ~2016. Auflösung: Spätburgunder Bürgstadter Berg 2022, Weingut Josef Walter (Franken), 13 % Alkohol, ~25 Euro – gerade Sieger bei „Best of Franken“. Josef Walter ist der Cousin von Paul Fürst; das Gut (nicht im VDP) staffelt ähnlich: Bürgstadter Berg (~25 €), Centgrafenberg (~30 €), eine Filet-Parzelle „Hunsrück“ (~50 €) und ein 300-Flaschen-Wein (~80 €). Für Felix eine „Sensation“ für eine faktische Erste Lage; klare Merk-Empfehlung. Speisen: Felix zu allen Pinots etwas Fettes (Rib-Eye, Chuck-Eye) oder deftig fränkisch (Bratwurst mit Sauerkraut, brauner Soße, Klößen); Flo eher iberisch (Chorizo, Bratpaprika, Couscous).
Die gewohnte „Flugkapitän Felix Bodmann“-Durchsage zum Abschied.
Der Beitrag Blindflug 190: Drei Schnitte für ein Halleluja erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Erfolgreiche Geschichten schreien nach einer Fortsetzung. Das gilt für das Champagner-Pop-up wie für die beliebteste Publikumsbeschimpfung in unserer Podcastgeschichte.
Heute gibt es eine Tonne Links vorweg. Zum ersten sind da natürlich die Siegerpakete des Berliner Chardonnay Awards, die ihr hier über den Planeten beziehen könnt.
Dann haben wir die Eintrittskarten für das Champagner-Pop-up und viele spannende Wein-Events von Sascha.
Und dann freuen wir uns weiterhin über die Teilnahme an unserer Hörerbefragung.
Felix erzählt vom Berliner Chardonnay Award, was für Leser des Blogs natürlich ein bisschen wie die Zeitung von gestern klingt. Deswegen vermengt er das Thema mit einem anderen, dem Update zur Frage nach guten Kritikern, berechtigter Kritikerkritik und so weiter. Sascha hat einen arbeitsamen Sommer hinter sich und berichtet von Ergebnissen. Mehr Infos unten in der ausführlichen Zusammenfassung mit Timecodes.
Der ‚Große‘ 2020er der Tenuta Monteti aus der Maremma (Toskana), den Felix Sascha ins schwarze Glas einschenkt ist ein eigenständiger, eher leiser und eleganter Wein, den Sascha zunächst in Italien verortet, bevor er sich für Spanien entscheidet. Gut zur Hälfte aus Petit Verdot, mit etwas Luft übernimmt der Cabernet mehr Verantwortung und das Holz ist zu 70 Prozent gebraucht – das ergibt etwas recht Eigenes, das zu bestimmen wohl nur gelingt, wenn man es schon mal im Glas hatte. Die Freude über einen schönen Wein zum vergleichsweise kleinen Preis ist auf jeden Fall groß.
Sascha hat für Felix den 2024er Riesling Pettenthal vom Weingut Huff ausgewählt. Der startet mit so verführerischer Frucht, das Felix erst denkt, es geht um einen süßen Wein. Doch mit der Zeit merkt er: das ist kein Zucker (der Wein hat auch nur 2,2 Gramm). Doch so richtig kommt er nicht hinter das Geheimnis dieses sehr schönen und vor allem vielversprechenden Weines. Egal, das Glas ist rasch leer und die Begeisterung groß.
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Begrüßung & Wein 1 wird eingeschenkt (00:30 – 02:37)
Rückkehr aus der Sommerpause. Nach dem Würfeln fängt Felix an und schenkt blind einen Rotwein ein: den großen Wein der Tenuta Monteti aus der Maremma, eine Bordeaux-Cuvée, Jahrgang 2020. Kurzer Aufruf zur laufenden Hörer-Umfrage: bisher 198 Antworten, er hätte gern 250; abgefragt werden u. a. Kellerbestand und Erwartungen an den Blindflug (auch Leute ohne Keller sind erwünscht), die Auswertung folgt in einer eigenen Folge.
Rahmen des Hauptthemas: „Was macht einen guten Kritiker aus?“ (03:00 – 06:36)
Felix vermengt bewusst zwei Themen: den Berliner Chardonnay Award und ein Update zur alten Folge „Die Rache des Kritikers“ (Folge 75). Die gehört zu den meistgehörten Folgen – neben „Je mehr Lametta, desto better“ (Erklärung von Burgund und Barolo, hart geskriptet mit vier Seiten Listen) war „Die Rache des Kritikers“ mit ihren Bestenlisten und der Einordnung von VDP-„Blue Chips“ ein Dauerbrenner. Anlass ist eine provokante Frage aus einer Steady-Session: Ein Mitglied lobte die von-Buhl-Kollektion und wollte wissen, ob Felix seinen damaligen „Abgesang“ auf die drei Forster/Deidesheimer Niederberger-Güter (von Winning, von Buhl, Bassermann-Jordan) zurücknehmen müsse, nachdem von Winning nun den Chardonnay Award gewonnen hat. Witzigerweise hatte Felix genau das in Folge 75 gesagt – so lässt sich beides zusammenführen. Als „Fortschritt“ formuliert er: Seine Dauer-Angst – jemand kauft alle Jahresempfehlungen und erklärt sie für schlecht – entschärft sich, weil die frühen Jahrgänge (2012, 2014) ihren Zenit überschreiten und es dort ohnehin „nur noch gute und schlechte Flaschen“ gibt.
Berliner Chardonnay Award – der Bericht (06:36 – 08:55)
Anja hat wieder Siegerpakete gepackt (Bestellung über ihren Shop, Planet Wein), diesmal zwei Varianten: nur die drei Sieger (in Kategorie 1 gibt es zwei Sieger) oder ein erweitertes Paket mit drei zusätzlichen „Großes Gold“-Weinen. Die Sieger waren diesmal vergleichsweise günstig, das Paket also erschwinglich; Felix bekommt 5 Euro pro Paket. Rahmen: hohes Niveau, in der Breite einen Hauch unter dem ersten Jahr, in der Spitze kaum unterscheidbar. Nicht alle Vorjahresteilnehmer wurden wieder eingeladen (max. 60 Weine). Pech: Ziereisen und ein Wein von May wurden vom Paketdienst „verschluckt“ und mussten einzeln nachprobiert werden. Wegen des Termins keine GGs – verschmerzbar, da die Chardonnay-GGs in Wiesbaden ohnehin nicht so überzeugten; der beste war von BCA-Sieger Blankenhorn.
Persönliche Highlights des Awards (08:55 – 12:01)
Starke Neuzugänge wie Franz Keller und Wagner-Stempel. Gewonnen hat von Winning in Kategorie 2 (die Großen). Weitere Highlights:
Der Sieger: von Winning (12:01 – 14:26)
Sascha wollte 100 Punkte geben und hat hart dafür gekämpft; der Wein spiele stilistisch bei den ganz großen Burgundern mit. Es waren zwei Weine, die gewannen: der Haardter Herzog und der Haardter Herrenletten, mit 95 Punkten (Großes Gold). Prägend ist ein dunkelwürziges Holz – fast wie geröstete Kastanie –, ein „Wohlfühleffekt“, der nach hinten aber nicht bloß mellow und karamellig bleibt, sondern Anspruch und Lagerpotenzial zeigt. Das wird nicht jedem gefallen (rauchig, „dickes Ding“).
Bandbreite der Jury & weitere Preisträger (14:26 – 18:41)
Als Kontrast steckt im Sechserpaket ein Wein von Aldinger (Hanweiler Maien) – Feuerstein, zitrisch, kreidig, viel feiner Gerbstoff, also das komplette Gegenteil. Genau diese Bandbreite lobt Felix an der (weitgehend gleich gebliebenen) Jury: keine Vorlieben, jeder Stil wird offen aufgenommen. Kniffliger wird es beim Schlossberg von J. Neus, der in der Nase leicht reduktiv „stinkt“ – der Jury kein Problem, einzelnen Hörern vielleicht schon. Grundtenor: Alles ist „purer Gechmack“, man urteile aber sehr offen und vorurteilsfrei. In Kategorie 2 außerdem Leon Gold (lange gute Sachen, unterm Radar, weil nicht VDP – ein Burgunder-Spezialist wie Kopp) und Au Terroir (eine Hörerempfehlung). In Kategorie 1 teilten sich Blankenhorn und Höfler (Michelbacher Steinberg, Franken) Platz 1. Höfler hatte Felix in Mainz bei der Weinbörse entdeckt („mich trifft der Blitz“), er postete es auf Insta, woraufhin Leute eigens vorbeikamen; er bat um Muster, dann gewannen sie. Weiter: Knipser (Vorjahressieger, jetzt Großes Gold), noch einmal Kuhn (einfacher Kalkmergel, 19 Euro, aus dem Ortswein), Kopp und wieder Leon Gold.
Kritiker-Update I: von Winning & die Niederberger-Vision (18:41 – 22:56)
Muss Felix etwas zurücknehmen? Er rekapituliert: Die drei Güter (von Winning, ehemals Dr. Deinhard; von Buhl; Bassermann-Jordan) wurden von einem Unternehmer mit klarer Vision gekauft: Luxushotel mit Sternerestaurant in Deidesheim, Tagungshotel, und die drei Weingüter „aufbohren“. Aus von Buhl sollte der führende Sektproduzent außerhalb der Champagne werden (dafür wurde ein Kellermeister aus der Champagne geholt), aus Bassermann-Jordan ein Bürklin-Wolf-Konkurrent, aus von Winning „Deutschlands Antwort auf Montrachet“. Bilanz: Der gastronomische Teil ging voll auf – der Ketschauer Hof ist Hochzeits-Hotspot der Pfalz, das L.A. Jordan hat den dritten Stern, das Tagungshotel existiert. Die Weine sollten über diese „Hubs“ (Hotel, internationale Karten, zugekaufte Village-Weine) verkauft werden – das klappte nicht in der geplanten Größe. Von Buhl ist als Sektproduzent nicht mehr so prominent (der Hype war rein deutsch); Bassermann-Jordan war zwischenzeitlich eine Art „Budget-Bürklin-Wolf“ (Kirchenstück 130–150 statt 300 Euro); die Zukauf-Abenteuer bei von Buhl (Edeka-Vertrieb) waren teuer und „flogen nicht“. Wichtig: Felix hat nie behauptet, die Güter seien pleite. Von Winning schleust laut Internationalem Rieslingsymposium über 12.000 Besucher pro Jahr durch den Keller (extrem viele Kellerführungen), hat einen Besuchershop, und die Marketing-Frau ist sehr kreativ und fleißig: Yoga im Garten mit Wein, Trockenblumenkranz-Flechtworkshop zur Adventszeit (95 Euro, davon 25 für die Blumen), ein eintrittspflichtiges Weinfest „unter der Platane“ über zehn Tage. Finanziell dürfte es dem Gut gut gehen. Felix‘ Punkt war nur, dass die Idee der „drei großen Leuchttürme der Pfalz“ nicht aufging.
Warum „blind“ so wichtig ist – und der von-Winning-Stil (22:56 – 26:20)
Sascha ist froh, dass der Award blind ist: Hätte er von Winning erkannt, hätte ein inneres Vorurteil den Wein schlechter dastehen lassen. Erklärung des Stils: Bei einer Veranstaltung im Weingut Weil hat Felix zuletzt Monte Vacano und einen Primi I Grande Cuvée von Cantina Terlan verkostet, beide zwei Jahre auf der Hefe. Weißburgunder auf Vollhefe wird nach zwei Jahren nussig, karamellig, röstig – man würde auf neues Holz wetten, obwohl es sogar im 30 Jahre alten Stockinger-Fass passiert. Bei Riesling passiert das gar nicht, bei Chardonnay ein bisschen. Zum Reflex „Limo mit Sägespänen“: Früh gelesene Weine plus ein extraktreiches Jahr ergeben eine „lackierte“, leicht klebrige Frucht auf einer Zitrus-Nummer, dazu eine grüne Note (wie frisch abgebrochene, saftende Weidenzweige). Die von-Winning-GGs nutzen Fässer ohne Toasting und liegen nur zwölf Monate – daher fehlen die Fleisch-/Extraktnoten des langen Hefelagers, und das Grüne tritt hervor. Der Award-Sieger dagegen hatte vermutlich Medium-Toasting, daher dunkel und rauchig. Fazit: Stefan Attmann kann mit Holz umgehen. Im Vergleich wirke von Buhls „halb viel Holz“ oft seifig und unentschieden, während von Winnings „ganz viel Holz“ eine klare Aussage habe. Zur Ehrenrettung: In einer „10 Jahre danach“-Probe belegten von-Winning-GGs aus Felix‘ Privatkeller die Plätze 3 und 5.
Kritiker-Update II: Die Mercedes-Anekdote (26:20 – 27:52)
Als Bild für Kaufpsychologie: Ein Mercedes-Fan hat ein Montagsauto, das ständig kaputtgeht – „diese Scheißkarre“. Zwei Jahre später fährt er wieder Mercedes: „Ich fand nur das Auto scheiße, nicht die Marke.“ Menschen ergänzen Erzähltes um das, was sie für logisch halten.
Kritiker-Update III: Was Felix bewusst nicht gesagt hat (27:52 – 31:47)
Kritiker-Update IV: Wo Felix danebenlag (31:47 – 35:41)
Verkostung Wein 1 (Monteti) & Auflösung (35:46 – 41:41)
Sascha war beim Reinriechen „italienisch unterwegs“: schönes, zartes Tannin, das im Rachen eine feine Fülle hinterlässt; anfangs saubere Kirschfrucht, mit Luft etwas süßer und beeriger, wenig Alkohol-Eindruck, macht viel Spaß. Sein Tipp: erst ein junger, gut gemachter Nebbiolo, dann eher Spanien. Auflösung: eine Bordeaux-Cuvée mit ungewöhnlicher Zusammensetzung – dominant nicht Cabernet, sondern Petit Verdot. Der 2019er lag bei ca. 55 % Petit Verdot, 25 % Cabernet Franc, 20 % Cabernet Sauvignon; sehr zurückhaltendes Holz (70 % alt, 30 % neu); Maremma/Toskana. Das Weingut Tenuta Monteti wurde Ende der 90er von einem ehemaligen italienischen Wirtschaftsminister und Präsidenten der Biennale Venedig gegründet (ein Freigeist; seine Frau eine bekannte Dichterin) – eine rosa Villa in der Maremma auf riesigem Landtück, davon nur ein Teil Reben; besuchbar, mit Küvetierungs-Workshops, heute von den Kindern geführt. Önologe ist Carlo Ferrini, Italiens derzeit berühmtester Önologe (nach Riccardo Cottarella), der mit seiner Tochter das eigene, sehr teure Projekt Giodo (Brunello, Etna) macht; ein weiterer Ferrini-Wein sei „Liliana“, ein Cabernet Sauvignon aus dem Süden. Der Monteti kostet nur 45 Euro, kommt erst im sechsten Jahr nach der Ernte in den Handel (aktuell der 2019er; der 2020er folgt), ist damit trinkreif, hält aber noch ~15 Jahre. Felix‘ erste Flasche hatte Kork; es gibt zudem einen Rosé und einen kleinen Roten (praktisch, wenn man das Sechserpaket füllen will).
Wein 2 wird eingeschenkt (41:41 – 42:25)
Blind: Weingut Huff, Pettenthal Riesling 2024 – kein VDP-Mitglied; Sscha will die (oft sehr teure) Lage Pettenthal einmal in einer günstigeren Variante beleuchten.
FWH-Events & Proben-Pläne (42:25 – 44:16)
Sascha stellt sein Sommerprojekt vor: die neue Seite FWH-Events.de, auf der die Proben-Formate gebündelt und vermarktet werden (Ziel: das Ganze so aufstellen, dass man „noch ~60 Jahre“ weitermachen kann). Geplante Proben u. a. eine Romanée-Conti-Probe (teuer, verkauft sich gut), eine Sassicaia-Vertikale und eine Dom-Rosé-Vertikale; einige moderiert Felix, andere Sascha.
Champagner-Pop-up am 9./10. Oktober (44:16 – 50:02)
Neue Location „Der falsche Hase“ mit Blick über Berlin, bewusst auf max. 100 Gäste begrenzt (mehr Bar-Charakter, engerer Austausch). Es gibt Charcuterie und Austern (diesmal keine Currywurst), eine wechselnde Offenkarte ab 11 Euro fürs günstigste Glas (0,1 l). Felix macht an beiden Tagen eine „Herzensprobe“ mit raren, teils gar nicht super teuren, aber kaum erhältlichen Champagnern – Beispiele: Frédéric Savart „Haute Couture“ (Savart gibt’s gut zu kaufen, den Haute Couture praktisch nie), Marie-Noël Ledru (hat vor ~8 Jahren aufgehört – „letzte Chance“, der Neffe übernimmt, dann kommt Nachschub), Georges Laval und ein Pinot Meunier von Christophe Baron (war schon im Podcast, extrem schwer zu bekommen). Zur Einordnung schwärmt Felix von der Spitze mancher Häuser: Bei Ulysse Collin sei die untere Sortimentshälfte (13 % Alkohol) überbewertet, die obere Hälfte dagegen großartig. Pop-up-Tickets: 29 Euro (inkl. Winzer-Champagner) bzw. 59 Euro (mit etwas Größerem im Glas).
Saschas Insta-Formate (50:02 – 57:07)
Dreimal wöchentlich: „Sascha fragt“ (jemand nennt seinen Lieblingswein bis 100 Euro und warum), „Sascha blind“ (zwei schwarze Gläser, auf zwei Minuten geschnitten, Scheitern eingeplant) und „Sascha kauft“ (ungeschnitten, ~20 Sekunden, echte Kaufempfehlung). Bei „Sascha blind“ hatte Sascha zuletzt einen unerwartet großartigen, burgundisch wirkenden Weißburgunder vom Weingut Dreissigacker (Jahrgang 2018) im Glas, den er für einen sehr guten Chardonnay hielt; als weiteres Beispiel nennt er den Geiersberg 2011 desselben Guts, der beim Öffnen fantastisch war. „Sascha kauft“ generiert die meisten Views (die Leute lieben Kaufempfehlungen), ohne dass Sascha daran verdient. Ironisch-selbstironisch will er „Instagram-Star“ werden; das Format „Sascha fragt“ funktioniert, weil ihm die Leute abnehmen, dass er gern Wein trinkt und die passenden Leute kennt.
Verkostung Wein 2 (57:07 – 01:03:53)
Wein 2: Felix startet bei einem scheinbar süßen Wein (erst Spätlese, Kabinett, feinherb vermutet) – am Ende „einfach eine sehr süße Frucht“, die im Abgang aber trocken wird (Tabakwürze, griffige, feine Phenolik). Sascha hilft. Auflösung: Weingut Huff (Christine Huff), Pettenthal Riesling 2024, unter 30 Euro. Kontext zur Lage: teure Pettenthal-Beispiele sind das Versteigerungs-GG von Keller (~1.000 Euro), Kühling-Gillot und Gunderloch. Für Felix ist das Pettenthal die „helle, strahlende“ Lage gegenüber dem rauchigeren Rothenberg – ein Gegensatzpaar wie Siegelsberg/Marcobrunn oder Frühlingsplätzchen/Halenberg. Der Wein hat nur 2,2 g Restzucker, wirkt durch Extrakt und Glycerin aber viel süßer – ein Effekt, der bei den warmen Jahrgängen immer ausgeprägter wird. Wichtig: 2024 „hält die Form“ (nicht pummelig), was Reifepotenzial verspricht; die spannende Frage sei, ob 2025 eher wie 2015 (aus der Form) oder wie 2019 (formhaltend) wird. „Wir müssen ganz viel neu lernen.“
Outro (01:03:53 – Ende)
Der Beitrag Blindflug 189: Die Rache des Kritikers (2) erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Wir gehen in die Sommerpause und machen vorher noch einen Crashkurs Neuseeland. In der Zwischenzeit seid ihr gefragt.
Die Sommerpause kommt und wir haben eine bitte an Euch: nehmt an unserer Umfrage Teil, damit wir in der nächsten (und vielleicht letzten) Staffel dieses Podcasts genau die Weine besprechen, die euren Interessen entsprechen. Also hier entlang bitte. oder für C&P: https://forms.gle/iAqETppxAndLjmcN8
Wir tagen zu dritt und wie immer gibt es ein paar Probleme mit der Technik, aber auch dieses Mal ist das Ergebnis ungewohnt und nicht unhörbar: was ihr dieses Mal an Schmatzen auf die Ohren bekommt ist bei den meisten Kollegen normal. Wir müssen ein bisschen über Befindlichkeiten und Perspektiven sprechen und sehr viel über Neuseeland, denn wir haben gleich sechs Weine von dort im Glas.
Die ersten beiden Weine sind ein Sauvignon Blanc und ein Exot. Der Sauvignon Blanc Seaside Reserve 2024 vom Weingut te Pá bedient alle Klischees von der Überseebombe und ist trotzdem nicht banal und einfach. Das ist ein kräftiger und doch gut strukturierter Wein mit feinem Abgang. Der im anderen Kelch gereichte Chenin Blanc ‚Schisteux‘ 2019 von Sato ist ein Opfer des schwarzen Glases, denn mit Kontext (wer denkt bei NZ schon an Chenin?) ergibt das alles Sinn und der Wein ist tatsächlich ziemlich großartig..
Ob nun wirklich einige der besten Chardonnays der Welt aus Neuseeland stammen, vermögen wir nach einer Probe nicht zu sagen, aber Flight 2 war definitiv ein ganz wunderbares Wein-Erlebnis. 125 Gimblett 2021 von Trinity Hill und Cuvée Aux Antipodes 2022 von Prophet’s Rock haben uns alle drei zur fröhlichen Diskussion angeregt. Mit zwei Tagen Luft waren die Reste des Prophetenfelsen dann tatsächlich atemberaubend.
Im dritten, roten und letzten Flight geht es dann ans Eingemachte. Ata Rangi Masters Pinot Noir 2021 fällt durch und ist doch ziemlich sicher nur zu jung, schließlich hat schon der kleine Bruder auch im schwarzen Glas im richtigen Alter hier zeigen können, dass er gut ist. Der ‚Masters‘ ist eine schwer zu findende Einzellage, die wir definitiv in ein paar Jahren noch einmal verkosten müssen. Der Zweite Wein ist der 2021 Syrah Le Sol von Craggy Range. Kann was, aber richtig!
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Der Beitrag Blindflug 188: Schönen Sommer! erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Der QR-Code und romantische Vorstellungen. Da braut sich was zusammen. Darüber müssen wir reden. Dazu Malvasia von Mallorca der nach deutschem Riesling schmeckt und deutschen Spätburgunder, der an gereiften Bordeaux erinnert.
Es ist verlockend: Neuerdings erlaubt die verpflichtende Auflistung von Inhaltsstoffen auf dem Weinetikett, wahlweise als QR-Coder hinterlegt, einen Einblick in das Winemaking. Und siehe da: alles Panscher! Wir müssen darüber reden, welcher Aspekt dieser Neuerung ein Segen und welcher ein Fluch ist.
Flo schenkt Felix einen faszinierenden Wein ein: Riecht nach Leberwurst, macht nach hinten raus mit austrocknendem Gerbstoff zu und ist trotzdem attraktiv. Dazu hält Felix den Wein für einen Riesling, obwohl Riesling selten nach Leberwurst riecht. Das liegt aber nicht daran, dass Felix völlig auf dem Schlauch stünde. Flo, der den Malvasia Cati Ribot 2024 von Galmés i Ribot von der Insel Mallorca einschankt, denkt schließlich auch: das kann man locker als Riesling trinken. Drei Tage später ist er Wein am Schneidetisch weitweniger sperrig und zeigt: Luft oder Lager, dann zündet die Rakete.
Stefan Bardorf ist ein Tüftler, der großartige Weine produziert. Sein Spätburgunder Randersackerer Teufelskeller 2020 Reserve ist ein ganz eigenes Gewächs. Die Frucht ist sehr untypisch, die erdigen Aromen sind leicht animalisch-ledrig eingefasst, was nur so halb burgundisch erscheint, eher wie (gut) gereiftes Medoc. 13,5 Prozent Alkohol und eine deutlich reife Note gelten vielen nicht als ideal (hat aber sogar Romanée-Conti manchmal), aber auch das geht hier. Ein Spätburgunder, den man gerne mal erkunden darf. Flo liegt fröhlich daneben, aber wie beim Riesling aus Mallorca findet auch hier der nicht blind verkostende Einschenker die Beschreibung durchaus passend.
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Hier ist eine strukturierte Zusammenfassung der Folge. Zeitangaben sind ungefähre Startpunkte der jeweiligen Themen.
Außer der Reihe: Neu verkorkter Wein (00:20 – 04:09)
Felix „überfällt“ Flo mit einem Wein, den er selbst noch nie getrunken hat. Das Besondere: Die Flasche wurde vor vier Wochen neu verkorkt und mit einer kleinen Schwefelgabe aufgefrischt. Hintergrund: Alle 304 vorhandenen Flaschen wurden geöffnet, vier hatten Kork (wurden aussortiert), der Rest wurde aufgefrischt, neu verkorkt und nach 25 Jahren neu in den Handel gebracht – inklusive nochmal „25 Jahre Garantie“. Fachlicher Punkt: Bei Süßwein kann man die Schwefelwerte nicht auf Weißwein hochrechnen – der Wein hatte bei der Füllung 2002 noch 69 mg freien Schwefel, davon waren zuletzt nur noch 25 mg übrig. Der Schwefel ist schmeckbar, aber angenehm.
Würfeln & Wein 2 (04:09 – 05:42)
Flo schenkt ein: ein Malvasia von Mallorca vom Weingut Cati Ribot, Jahrgang 2024, 12 %, naturnah und „nonkonformistisch“ produziert. Felix‘ erster Eindruck: „Das riecht nicht nach Wein.“
News-Block: Prinz zur Lippe kauft Schloss Staufenberg (05:42 – 08:43)
Prinz zur Lippe (Schloss Proschwitz) kauft Schloss Staufenberg samt Ländereien vom Markgraf von Baden. Das Gut hat in Baden bereits gerodet, übrig sind ca. 55 Hektar (eher Richtung Bodensee/Salem). Da Proschwitz schon rund 90 Hektar hat, würde der Winzer mit ~140 Hektar zu einem der größten Winzer Deutschlands. Der Sohn von Prinz zur Lippe (Ausbildung u. a. bei Weil und Rebholz) soll das Gut übernehmen.
Spiel: Vier Schaumweine blind im schwarzen Glas (08:43 – 20:11)
Ein Format, das beide wärmstens empfehlen („Wir müssen mehr spielen!“). Aufbau: vier Schaumweine im schwarzen Glas, pro Person in unterschiedlicher Reihenfolge eingeschenkt (professioneller Einschenkplan). Drei (Christoph, Sascha, Flo) tranken komplett blind, Felix „halbblind“ (er kannte die Weine, die Gläser wurden nur durchgemischt). Erst verkosten und nach Vorliebe ordnen, dann erst zuordnen – beides gleichzeitig geht schief.
Die Aufgaben kamen gestaffelt: zuerst nur Rangfolge, dann die Kategorien (Blanc de Noir, Blanc de Blanc, Traditionscuvée, Rosé), und erst im vierten Durchgang die Info „dreimal Champagner, einmal Pirat“.
Die vier Schaumweine waren: Krug Rosé, Taittinger Comte de Champagne, Jules Bonnet von Bonnet-Ponson und als „Pirat“ (Nicht-Champagner) Ca‘ del Bosco Anna Maria Clementi (Franciacorta).
Die großen Aha-Momente:
Ernüchterndes Fazit: Von den drei komplett Blinden hatte praktisch niemand die Kategorien getroffen (Sascha eine, sonst null richtige Zuordnungen – statistisch im Zufallsbereich). Die Kernlektion: Schaumwein im schwarzen Glas ist das Allerschwierigste, und alle tippen den geschmeidigsten/karamelligsten Wein als Rosé. Der Jules Bonnet von Bonnet-Ponson (50 €, 124 Monate Hefelager, Basis 2013, aber erst 2025 degorgiert) wurde Letzter, weil ihm nach dem späten Degorgement noch die „Molligkeit“/Flaschenreife fehlte – darum steckte Flo ihn auch zum Brut Natur. Felix betont den Spaßcharakter ohne Wettbewerbsdruck – das Format funktioniert auch mit Chardonnays, Rieslingen verschiedener Qualitätsstufen usw., und sogar für Gäste, die sich nur am Rande für Wein interessieren.
Probe: 2022er Bordeaux jung verkostet (20:11 – 26:27)
Eine separate Runde, auf die sich Flo besonders gefreut hatte, weil er noch nie Bordeaux in dieser Breite so jung (vier bis fünf Jahre nach Ernte) getrunken hat – genau an der Schwelle, an der angeblich alle in die „Verschlussphase“ abtauchen. Felix hat dazu einen Blogbeitrag geschrieben. Im Feld u. a. Mouton, Lafite, La Fleur, Léoville Las Cases, Léoville Barton, Montrose und der gehypte Les Carmes Haut-Brion – Letzterer war für die Runde „erschütternd“: Alle fragten sich, warum der 100 Punkte bekommt, wo sie ihn eher bei 91–92 sahen.
Daraus eine Grundsatzdiskussion: Auffällig viele Weine hatten 100 Punkte, und die Meinungen am Tisch gingen weit auseinander (Hitzenoten, Blaubeere, balsamische Anklänge – für manche kein Problem, für Felix und Flo eher schon). In den Primeur-Verkostungsnotizen steht von Blaubeere und Hitzenoten nichts – die Weine müssen also frisch aufgestellt ganz anders geschmeckt haben, was den Wert von Primeur-Noten infrage stellt. Felix‘ These: Der Klimawandel bringt reifere Noten und veränderte Reifeverläufe; selbst Parker hätte heute vielleicht nicht mehr recht (2009 2010 und 2005 schon nicht mehr so – warme Noten waren nicht seine Sternstunden). Vielleicht stimmt auch die alte Vorstellung von der „absoluten Verschlussphase“ nicht mehr; manche Weine gehen womöglich nie dahin. Andererseits zeigten Vieux Château Certan und Léoville Las Cases Anzeichen, „nach hinten zuzumachen“ (austrocknendes Tannin) – die sollte man ein paar Jahre weglegen, aber eben keine 100 Jahre mehr. Lieblingsbeispiel bleibt Lafite, der schon nach ~10 statt früher angenommenen 20 Jahren eine erste Trinkreife zeigt. Schlusslichter der Runde: Les Carmes Haut-Brion und La Fleur (kostet ~1.000 €, an dem Abend höchstens 92 Punkte). Kontrovers: Pontet-Canet, den Felix sehr mochte und ein anderer gar nicht.
Exkurs: Flos „Riesling-Frust“ (26:27 – 29:32)
Flo fällt es dieses Jahr schwer, Riesling zu trinken – aus „Enttäuschungsgefahr“ bei seinen GGs. Bei einem Kumpel (Philipp) blind getrunken: Kastanienbusch von Rebholz 2015 („Tropifrutti, Piña Colada pur“, hart zu trinken) und ein Lorcher Pfaffenwies, Erste Lage von Kesseler – viel Frucht, warmes Jahr. Felix‘ Einordnung: Kastanienbusch ist ein „Achterbahn-GG“, für das er keine Kaufberatung übernehmen würde. Gerettet hat den Abend ein Saumagen von Rings (Umstieg auf Rotwein, 2015). Flos Appell an alle mit gut gefülltem Keller: Wenn eine Flasche nichts zeigt, wieder zumachen, wegstellen und in zwei Tagen nachprobieren – sich nicht zwingen, eine enttäuschende Flasche auszutrinken. Dazu ein ironischer Mondkalender-Einschub (Maria Thun): Der fragliche Abend, der 12. Juni, war ein „Wurzeltag“ (Mond abnehmend, im Stier) – nicht für Wein geeignet, aber „ein guter Termin, um Zehennägel zu schneiden“.
Verkostung Wein 2 (Malvasia) & Rebsortenkunde (29:32 – 35:48)
Felix riecht „extrem Leberwurst“ (fein, nicht grob), die Nase trägt sonst wenig bei. Am Gaumen eine fordernde, austrocknende Phenolik, weshalb er nicht nachschenken würde – attestiert dem Wein aber Klasse und würde ihn drei Jahre weglegen. Niveau eher Ortswein/Erste Lage, kein GG. Sein Tipp: Riesling, Deutschland, Jahrgang 2023/2024. Auflösung: Malvasia von Mallorca, Weingut Cati Ribot, 2024, 12 %, gemacht vom ehemaligen 4-Kilos-Winzer Eloi Cedó, der im Keller der Familienbodega (Galmés i Ribot) arbeitet; Nordwesten Mallorcas, 14 Hektar, viele autochthone Sorten. Flo hatte den Wein beim Berliner Fachhändler Viniculture gekauft – als Tipp für Mallorca-Urlauber, ~20–24 €. Fachlicher Einschub: Malvasia ist keine einzelne Rebsorte, sondern eine Sortenfamilie mit vermutlich 50–100 europäischen Sorten dieses Namens (Penedès: süßer Cava; Italien: gespritete Süßweine; sonst auch trockene Weine). In Deutschland war „Malvasier“ früher sogar ein Gattungsbegriff (Buddenbrooks-Referenz).
Wein 3 wird eingeschenkt (35:48)
Randersacker Teufelskeller, Spätburgunder Reserve 2020 vom Weingut Bardorf (Franken).
Inhaltsstoffe, QR-Code & „Mythen“ im Weinmachen (35:48 – 01:16:19)
Ausgelöst durch zwei (eigentlich drei) Hörerfragen.
Hörerfrage 1 – Daniel ärgert sich, dass selbst beim Gräfenberg von Weil im QR-Zutatenverzeichnis Saccharose (Zucker) und Weinsäure stehen („Zucker und Säure aus der Tüte – Skandal!“). Felix antwortet mit einer humorvollen „Publikumsbeschimpfung“: Die Vorstellung, Wein entstehe quasi von selbst aus Trauben plus etwas Schwefel, sei zwar romantisch, aber spätestens für langjährige Hörer merkwürdig. Gärung sei grundsätzlich ein Zerfalls-/Verderbprozess, aus dem in der Natur „nie etwas Genießbares“ entsteht; Winzer durchlaufen nicht umsonst Ausbildung, Studium, teils Promotion. Weihnachtsmann-Analogie: An den Weihnachtsmann zu glauben sei mit 6 romantisch, mit 12 ein Kompliment an die Eltern, mit 33 nicht mehr. Sein Podcast sei der „Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann“-Podcast.
Dann die fachliche Entlastung in mehreren Strängen:
Warum „Chaptalisieren UND Ansäuern“ beim Gräfenberg kein Widerspruch ist (40:40 – 43:07): Bei ~40.000 Flaschen aus einem Weinberg mit fast 100 m Höhenunterschied (oben über 300 m – im Rheingau sehr hoch) werden Parzellen unterschiedlich reif. Untere, wärmere Partien verlieren ggf. Säure und werden angesäuert; obere Partien mit toller Säure, aber etwas „schwachbrüstig“, werden ggf. angereichert. Im fertigen Cuvée steht dann beides auf dem Etikett – ohne dass jemals beides auf dieselbe Partie angewendet wurde. Im Klimawandel ist genau diese Doppelstrategie sinnvoll (früher lesen gegen Hitze-Reifenoten, dann moderat aufzuckern).
Abgrenzung zum Betrug (43:07): „Nassverbesserung“ (Zucker plus Wasser) ist eine Straftat (Stichwort Glykol-Skandal vor ~50 Jahren). Heute ganz andere Verhältnisse. Positivbeispiel Schloss Johannisberg 2022 Silberlack – für Felix das beste GG seit 20 Jahren bzw. der Ära Stefan Doktor: Nach Regen geerntet, gesunde Trauben, die aber Wasser gezogen hatten und wenig Öchsle brachten – also angereichert. Der neue Stil (1,5–2 Jahre auf der Hefe) wirkt jung üppig, reift aber wunderbar (wie die Rheingauer Weine um 1917/1920).
„Weg vom Pauschalverdacht Betrug“ – Ernten nach Geschmack (43:07 – 47:20): Die Qualitätssteigerung in Deutschland der letzten 30 Jahre kam wesentlich daher, dass man – wie im Burgund – nach Geschmack erntet statt nach Refraktometer/Öchsle. Wenn die Traube perfekt schmeckt, aber nur für 11,4 % Alkohol reicht, reichert man eben moderat (meist < 1 %) auf 12 % an. Ironie der Generationen: Ausgerechnet jüngere Leute werden heute oft zu „Öchsle-Nazis“ und „lass doch mal hängen“-Predigern und klingen wie Felix‘ Vater – der „Silberrücken-Effekt“ (man hört vermeintlich Erfahrenen eher zu). Diese Fortschritte dürfe man auf keinen Fall zurückgeben. Grenze des Prinzips: Philipp Wittmann/Morstein-Geschichte – eine Kernparzelle einmal weggelassen und separat als Ortswein gefüllt, dann gemerkt, dass dem GG dadurch etwas Wesentliches fehlte. Seitdem stehen die Kernparzellen fest und werden konsequent mitgenommen (und hoffentlich ggf. angereichert) – Ziel ist der bestmögliche Wein unter Einhaltung ethischer Standards (Gummi Arabicum tabu).
Säuern als komplexes Thema (50:11 – 52:23): Achim von Oetinger säuert alle Moste (außer GG) pauschal um 0,5 g auf, weil bei ihm in der Gärung verlässlich ≥ 0,5 g Weinsäure ausfällt (Terroir-, Arbeits- und Kellerflora-Effekt). Philosophische Frage: Ist ein Wein „aufgesäuert“, wenn er am Ende weniger Säure hat als der Most? Die Moleküle sind ohnehin identisch (reine Weinsäure).
pH-Wert & Spontangärung (52:23 – 54:42): Merksatz „Ein Most kann gären oder gammeln.“ Je höher der pH-Wert, desto höher die Gammelgefahr – minimale Säuregaben kaufen Haltbarkeit und erlauben eine stabilere Spontangärung (Wettlauf Bakterien vs. Hefe; sonst droht eine „Histaminrakete“). Anschauliches Gastronomen-Szenario: Würde man als Wirt ein Risiko-Fass ohne jede Korrektur abnehmen, das die Gäste auf die Toilette zwingt? „Einen Tod muss man sterben.“
Hörerfrage 2 – Benedikt aus Frankfurt (55:55): Beeinflusst die Zutaten-Pflicht Verkostungen/Bewertungen? Flo: eine „sehr deutsche“ Herangehensweise (verkosten, dann auf die Liste schielen). Die Angaben seien ernst zu nehmen – aber nur über den QR-Code auf der Flasche, nicht über Online-Shops.
AP-Nummer, EAN-Code und die Inkompatibilität der Systeme (57:00 – 01:05:37): Das eigentliche „Weinetikett“ ist das Rückenetikett; wichtigster Identifikationspunkt ist die AP-Nummer (Betriebsnummer + Füllungsnummer + Jahrgang). Pro Wein können mehrere AP-Nummern existieren, mit teils großen Unterschieden – Beispiele: Heymann-Löwenstein Schieferterrassen 2007 (eine Füllung 5 g süßer), Knipser (abgestufte Spätburgunder-Fässer), Klaus-Peter Keller Kirchspiel (die kontroverse Behauptung, das beste Fass gehe an Kritiker). Beim VDP gibt es wohl eine interne Sprachregelung, dass GGs nur noch eine AP-Nummer haben sollen. Bei großen GGs wie dem Gräfenberg (größter Tank 20.000 l, aber 40.000 Flaschen) ergeben sich zwangsläufig zwei Füllungen = zwei AP-Nummern. Online-Händler nutzen dagegen den EAN-Code (European Article Number, 1977 in Deutschland erfunden, heute Weltstandard), der jahrgangsübergreifend gilt und sich nicht sauber auf einzelne AP-Nummern/Chargen abbilden lässt. Folge: Online lässt sich gar nicht zuverlässig darstellen, welche Charge man bekommt. Dazu ein Rechtsstreit-Szenario (Händler mahnt Konkurrenten wegen falscher Chaptalisierungs-Angabe ab) und daraus der Hinweis: wirklich zählt nur der QR-Code auf der Flasche; die Herbstbuch-Dokumentationspflicht (Folge des Glykol-Skandals) ist heilig, Verstöße sind Straftaten. Iglo-Fischstäbchen-Analogie für Toleranzen und Rundungen: Restzucker wird pro 100 ml angegeben und gerundet (0,5 g/100 ml = 5 g/l, real evtl. 4,1 g …). Online-Angaben werden mit den Jahren zunehmend ungenau.
Wie man eine „weiße Weste“ behält (01:05:37 – 01:08:51): Chaptalisieren ist legal und die beliebteste Maßnahme. Trickreiche, deklarationsschonende Verfahren: trockenen Wein anreichern und Süße/Cremigkeit über einen mit Aktivkohle blankgezogenen TBA- oder Auslese-Verschnitt zurückholen (oft bezeichnungsunschädlich); saure Trauben früh ernten, kühlen, Bitterstoffe schönen. Vieles davon erscheint gar nicht in der Zutatenliste.
Weinstein-Stabilisierung (01:10 – 01:15): Solche Maßnahmen kosten Geld und passieren aus Notwendigkeit/Angst (Export, besorgte Kunden), nicht aus Gier. Verbreiteter Mythos: Weinstein entstehe nur durch Aufsäuern/Chaptalisieren. Stabilisieren geht physikalisch (Kälte – erfordert aber kalten Keller/Innenhof/teure Kühltechnik), per Meta-Weinsäure (baut sich zu Weinsäure ab, ist aber nicht ewig stabil und „stinkt“ bzw. riecht nach Liebstöckel) oder per geruchs- und geschmacksneutraler, ewig stabiler Chemikalie (harmlos, wird ausgeschieden). Das ist die legitime Entscheidung des Winzers, der seine Märkte kennt. Eine wirklich nicht zu rechtfertigende Zutat: Gummi Arabicum – aber auch dort nur trauen, wenn es auf dem QR-Code der Flasche steht (Copy-&-Paste-Fehler bei Händlern).
QR-Code-Fazit (01:15:27 – 01:16:19): Grundsätzlich gut, weil mehr Transparenz. Aber: nur dem QR-Code auf der Flasche trauen, nicht Online-Angaben; bei der Restzucker-Frage (Extrakt vs. Zucker) hilfreich, aber gerundet. Flos Schlussbemerkung: Das alles aus dem Mund von jemandem, der gerade voller Überzeugung einen Blanc-de-Blanc-Champagner als Rosé getrunken hat – man bilde sich vieles ein und verderbe sich nur das Vergnügen.
Verkostung Wein 3 (Spätburgunder) & Auflösung (01:16:19 – 01:22:37)
Flo beschreibt eine „komplexe Reise“: Start als Altweinerlebnis, reife Nase mit Erde und Unterholz, wenig Frucht, viel feiner Gerbstoff, mit Luft wirkt der Wein jünger. Sein Tipp: alter, klassischer Bordeaux mit etwas mehr Merlot, Anfang der 2000er (2001/2004). Auflösung: ein deutscher Spätburgunder – Randersacker Teufelskeller, Spätburgunder Reserve 2020 vom Weingut Bardorf (Winzer Stefan Bardorf), 13,5 %, 19 Euro. Felix lobt das Erdig-Lederige als Quelle des „Alters“-Eindrucks; auf deutschen Pinot wäre hier niemand gekommen (Waldbeer-/Pflaumenton, „nichts Deutsches in der Frucht“). Entdeckungsgeschichte über einen Tipp von Andreas Göpfert auf der ProWein; der Winzer Stefan Bardorf sei ein Tüftler und Qualitätsfanatiker mit wenigen Hektar, hoch dekoriert, aber wenig bekannt. Klare Empfehlung: Für 19 Euro ein deutscher Spätburgunder, der nach reifem Bordeaux schmeckt, sollte man mal probieren.
Der Beitrag Blindflug 187: Gären oder Gammeln erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Reden wir über reife und alte Weine und was da eigentlich passiert. während der Wein in der Flasche reift. Dazu trinken wir Weißwein in leicht und sehr gereift.
Grundsätzliche Wissensfragen aus der Welt des kleinen Wein-Einmaleins behandelt eigentlich die Webweinschule. Aber Felix hatte das Bedürfnis doch noch einmal bei Adam und Eva mit dem Thema Reife anzufangen. Dass es dazu einen Wein vom extremen Rand des Spektrums (und dann auch noch vom positiven Rand) gab, war Zufall – oder vielleicht Vorsehung?
Felix öffnet einen Wein, der sich sehr spät erst als echte Granate entpuppt hat. Da waren 99 Prozent der Flaschen schon getrunken. 1997 Saarburger Rausch Riesling Spätlese trocken von (Forstmeister Geltz) Zilliken kam aus einer Flasche mit perfektem Korken, Originalfüllstand und null balsamischen Noten. Sascha dachte an weniger als ein Jahrzehnt Reife und beide Podcaster unterbrachen die Aufzeichnung, um erst noch ein Gläschen dieses Zauberstoffs zu trinken (Sündenfall!).
Sascha hat einen großen Klassiker im Gepäck: 2018 Weingut Knoll, Ried Loibenberg Smaragd, Grüner Veltliner aus der Wachau. Der war definitiv überfällig. Jahrgangsbedingt zeigte er eine sehr milde Säure, was aber kein Problem war, weil er ein so breit aufgefächertes Aromenspektrum im Angebot hatte, dass die SPannung eher aus der Vielfalt kam. Ein ganz wunderbarer Veltliner, der einen perfekten Speisebegleiter abgibt. Und sehr gut (weiter) reifen wird er sicherlich auch.
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Hier ist eine strukturierte Zusammenfassung der Folge bei der ich ein vollständiges Transskript von Claude habe zusammenfassen lassen und dann händisch nachbearbeitet habe. Zeitangaben sind ungefähre Startpunkte der jeweiligen Themen.
Intro & Aufwärmen (00:00 – 02:15)
Mittagswein 1 wird eingeschenkt – wie immer blind (02:15 – 03:04)
Hauptthema: Das „Reife-1×1″ – Grundlagen (03:04 – 04:09)
Mythos „Guter Wein muss reifen“ (04:09 – 06:39)
„Reife comes at a price“ – was Reife bringt und kostet (06:39 – 09:00)
Klarheit, Strahlkraft & Jahrgangsabhängigkeit (09:00 – 11:47)
Was passiert chemisch beim Reifen (11:47 – 14:34)
Kann man Trinkreife vorhersagen? (14:34 – 16:49)
Verschluss- und „hedonistische“ Phase (16:49 – 19:01)
Einflussfaktoren auf die Reife (19:01 – 27:46)
Was kann schiefgehen? Lagerschäden & Forschungslücken (27:49 – 32:11)
Bewertung gereifter Weine & die 82er-Probe-Problematik (32:11 – 37:34)
Substanz vs. Alkohol – „würdevolles“ Reifen (37:34 – 40:24)
Praktischer Rat (40:24 – 41:43)
Auflösung & Verkostung Mittagswein 1 (41:43 – 47:19)
Mittagswein 2 wird eingeschenkt – noch blind (47:19 – 47:30)
Die 82er-Bordeaux-Probe: Format & Belüften (47:30 – 53:17)
Durchgang durch die Flights der 82er (53:17 – 01:07:02)
Ausblick 22er-Probe & Blindverkostungs-Tipp (01:07:02 – 01:08:36)
Reflexion über die Proben (01:08:36 – 01:11:21)
Blindverkostung & Auflösung Mittagswein 2 (01:11:21 – 01:16:28)
Der Beitrag Blindflug 186: In Würde altern erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Ehrliches Bemühen in der Auseinandersetzung mit Wein ist die Voraussetzung dafür, dass Kritik nicht persönlich genommen wird. Da fahren wir gerade ein bisschen die Früchte von acht Jahren öffentlicher Anstrengung ein. Das kann man ja mal feiern.
Felix war auf der Mainzer Weinbörse und hat viel freundliches Feedback erfahren, gerade von Winzern, die vorher das Ziel von leicht eingeschränktem Lob waren. Das zeigt: ein Podcast kann aus Betroffenen Beteiligte machen und das ist der Schlüssel zu einem guten Miteinander.
Felix hat einen Wein besorgt, der ihm auf der Mainzer Weinbörse besonders gefallen hat. Der 2024er Bingerbrücker Ortsriesling ‚1937‘ von Kruger Rumpf von der Nahe ist eine besondere Selektion aus der Ersten Lage ‚Abtei‘ und preislich zwischen den Ersten Lagen und GGs angesiedelt. Wieso, weshalb warum erfahrt ihr im Podcast. Flo trinkt den Wein mit Vergnügen als Silvaner und das gleiche Maß an Begeisterung wie bei Felix stellt sich nicht ein, aber das ist ja Sinn und Zweck der schwarzen Gläser.
Auch Felix denkt, er habe Silvaner im Glas, denn der von Flo eingeschenkte Chardonnay 2025 von Frank John aus der Pfalz hat einen deutlich vegetabilen Ausdruck neben einer wunderbar singenden Frucht. Mit der Struktur hadert Felix ein wenig, was sehr gut an der Jugend des Weines liegen kann. Der ist gerade erste gefüllt und hat vermutlich ein langes Leben mit viel Entwicklung vor sich. Für ein abschließendes Urteil ist es definitiv zu früh.
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Der Beitrag Blindflug 185: Ringen um Worte erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Die Weinkrise wird zum Flächenbrand und der Ruf nach staatlicher Intervention wird laut. Höhere Zölle und Zwangsquoten für heimischen Wein hat ein Teil der Schweizer Weinwirtschaft jetzt ins Spiel gebracht. Bringt das was?
Ja, man könnte durchaus argumentieren, das wir uns als Weinpodcast aus Berlin bei diesem Thema ruhig raushalten könnten. Andererseits haben wir erstaunlich viele Hörer unter den Eidgenossen und einige haben sich eine Stellungnahme erbeten. Also gibt es jetzt unseren Senf dazu. Im Glas trotzen wir der Krise mit Dekadenz. Was bleibt uns auch anderes übrig?
Sascha hat zwei Weine mitgebracht, weiß nicht, welchen er lieber einschenkt und serviert schließlich beide. Den Sauvignon Blanc ‚Grüne Libelle‘ 2017 von Tscheppe aus der Steiermark in Österreich erkennt Felix ziemlich schnell als Sauvignon Blanc, aber bis zum Schluss nicht als Naturwein. Das ist bei vielen Vertretern des Genres eher andersherum. Aber nicht nur deswegen löst der Wein Begeisterung bei ihm aus. Ein Wein mit toller Struktur, damit kriegt man Felix immer. Der Bourgogne 2019 von Claude Dugat hingegen ist zwar mit fantastischem Tannin gesegnet, ansonsten aber eher einfach. Was durchaus so sein soll, auch wenn Händler dem Wein große burgundische Qualitäten andichten. Ein 60-Euro-Schoppen, der am besten leicht gekühlt ins Glas kommt. Wenn das mehr Leute klaglos zahlen würden, gäbe es keine Krise.
Felix geht mit Champagner an den Start. ‚Fleur de Miraval‘ ER4 von Pitt, Perrin, Péters, Rosé mit einer speziellen Reserve aus alten Champagnern. Ein Wein, der nicht nur Starqualitäten im Namen hat, sondern dank einer Extraportion Aufwand in luftige Höhen entschwebt. Nur die Gläser sind ständig leer.
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Der Beitrag Blindflug 184: Eine Frage der Organisation erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
Über Topfreben, die nicht vorhandene Maximaltemperatur für den Rieslinganbau, Sand, Schluff, Ton und merkwürdige Scherenstudien unterhalten wir uns mit grandiosen Getränken im schwarzen Glas.
Letztes Mal haben wir auf höchstem Niveau international gebechert, heute lassen wir es uns mit außergewöhnlichen Weinen aus Deutschland gut gehen. Dazu müssen wir noch mal über Pflanzen und Böden sprechen, obwohl das eigentlich so nicht geplant war.
Flo hat einen Sekt von Rebholz im Gepäck. Der π No. XII Sekt Extra Brut ist tatsächlich ohne Dosage nach vier Jahren Hefelager degorgiert worden. Was den Rebsortenmix angeht, widerspricht sich die Webseite des Weinguts, im Fließtext ist es ein Blanc de Noir, in der tabellarischen Zusammenfassung eine Cuvée mit Chardonnay. Unabhängig davon findet Felix den Wein unglaublich entspannt, harmonisch, mit mittelfeiner Perlage, schönem Frucht-Säure-Spiel und einem großen Suchtfaktor.
Flo hat die Verkostung der Auktionsreserven und dadurch sein jährliches Behaglichkeitsmoment mit August Eser aus dem Rheingau versäumt. Also hat Felix ein GG vom Weingut besorgt, dass er für das beste hält, was die Winzerin bisher gefüllt hat. Riesling Wisselbrunnen GG 2020. Flo ist schockverliebt, muss spontan seine Begeisterung bekunden und einen Nachschlag anfordern. Felix findet auch, dass die damals hier ausgesprochene Empfehlung unbedingt erneuert werden muss.
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Zwei absolute Highlights machen Zwischenstopp in unseren schwarzen Gläsern: Luce Brunello und Puligny-Montrachet 1er Cru. Dazu gibt es einen kleinen Zwischenstand über den Deutschen Weinmarkt und ein paar Tipps, wie man ihn erfolgreich bearbeiten kann.
Felix hat einen Vortrag auf der ProWein gehalten. Thema war der Deutsche MArkt und wie ausländische Produzenten ihre Erfolgschancen bei einem Markteintritt erhöhen können. Darum gehts es heute auch in seinem Redebeitrag. Sascha berichtet von einer gelungenen Burgunderprobe und gibt eine Vorschau zum Champagner-Popup.
Felix hat eine Pressemitteilung zum Erscheinen des neuen Jahrgangs zum Anlass genommen, endlich einmal den Luce Brunello für den Blindflug abzufordern. Der Jahrgang 2021 zeigt ein fantastisches Potenzial mit einer bemerkenswerten Eleganz im Tannin. Leise, geschliffen, fein – das hat nicht ansatzweise den Blockbuster-Charakter, mit dem der Supertoskaner gleichen Namens manchmal über das Ziel hinaus schießt. Der Brunello ist ein großer Wurf
Der erste Wein war kaum zu toppen, doch Saschas Mitbringsel hat es geschafft. Jacques Prieur, Puligny-Montrachet 1er Cru ‚Les Combettes‘ 2013 entspricht dabei nicht den klassischen Vorgaben, denn er ist in der Säure eher mild und kaum nussig oder cremig. Die Frucht ist außergewöhnlich, aber umwerfend. Felix kommt nicht auf Chardonnay, hat keine Ahnung, was es sein könnte – außer ein ganz großer Wein.
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Der Beitrag Blindflug 182: Satter Markt erschien zuerst auf Der Schnutentunker.
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