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International episodes

  • Bosnien-Herzegowina – so kann es nicht weiter gehen
    Skrupellose Politiker haben in letzter Zeit immer offener an der Demontage Bosnien-Herzegowinas gearbeitet. Gezielt haben sie die Kriegs-Wunden aus den 90er Jahren wieder aufgerissen. Jetzt aber hat der Krieg in der Ukraine dem Westen bewusst gemacht, dass das zu gefährlich ist.
    Am lautesten macht sich Serben-Führer Milorad Dodik bemerkbar. Mit einer Reihe von Gesetzen stellt er die Existenz von Bosnien-Herzegowina in Frage und spurt eine Abspaltung seines Landesteils, der Republika Srpska, vor. Viel subtiler aber genauso rücksichtslos arbeitet Kroaten-Führer Dragan Covic. Er legt den halben Staat lahm und stellt die Wahlen im Herbst in Frage, um seine Pläne durchzudrücken. Aber auch bei der dritten und grössten Bevölkerungsgruppe, den Bosniaken, sieht es ähnlich aus. Auch Bakir Izetbegovic bewirtschaftet virtuos die Angst vor neuer Gewalt.
    Im Lauf des letzten Jahres betrieben die drei ihre Politik immer hemmungsloser und die Gefahr wuchs, dass die Situation ausser Kontrolle gerät. Als dann Russland die Ukraine überfiel, wurde dem Westen klar, dass er aktiv werden muss, denn Russland hat offensichtlich ein Interesse an der Destabilisierung des Balkans, heizt die Situation seinerseits an.
    Die entscheidende Figur, um in Bosnien-Herzegowina mässigend zu wirken, ist der sogenannte Hohe Repräsentant, Christian Schmidt. Seine Aufgabe ist es, das Friedens-Abkommen von Dayton in Bosnien durchzusetzen.
    Die Reportage aus Banja Luka und Sarajevo zeigt, mit welchen Problemen es der Hohe Repräsentant zu tun hat, wie gross die Erwartungen der Bevölkerung an ihn sind und warum er Zuversicht schöpft, dass eine Eskalation doch verhindert werden kann.
    29 min
  • Moldawien – ein Land zwischen den Fronten
    Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, haben viele Moldawierinnen und Moldawier Angst, ihr Land könnte das nächste Ziel des russischen Präsidenten Wladimir Putin werden. Doch anders als die Ukraine hätte die ehemalige Sowjetrepublik im Osten einem russischen Angriff wenig entgegenzusetzen.
    Putin träumt von Russlands alter Stärke und das kann auch dem kleinen Moldawien nicht egal sein. Wie die Ukraine hat auch Moldawien eine grosse russischsprachige Minderheit. Wie in der Ukraine gibt es auch in Moldawien eine vom Kreml kontrollierte Separatistenrepublik.
    Moldawien selbst bemüht sich offiziell um so viel Neutralität wie möglich. Die Regierung hat Putins Krieg zwar verurteilt; aber Sanktionen gegen Russland gibt es keine. Auch, um die russisch-sprachigen Kreml-Sympathisanten im eigenen Land nicht vor den Kopf zu stossen. Denn diese sehen im Krieg gegen die Ukraine einen Befreiungsschlag für die dortige russische Minderheit. Und hoffen auf eine Fortsetzung davon in Moldawien.
    Ein realistisches Szenario, finden Sicherheitsexperten. Denn von Transnistrien aus, der vom Kreml kontrollierten Separatistenrepublik im Osten Moldawiens, wäre es ein Leichtes, auch den Rest des Landes einzunehmen. Noch immer sind in Transnistrien 1500 russische Soldaten stationiert, und noch immer lagern dort Tausende Tonnen Waffen aus sowjetischer Produktion.
    Was also, wenn Moldawien die nächste Ukraine wird?
    29 min
  • Frankreich: Macrons Milliarden für Marseille
    In manche der nördlichen Vorstädte Marseilles wagt sich die Polizei nur noch in Mannschaftsstärke. Der Staat hat sich zurückgezogen, Drogenbanden kontrollieren die Zugänge, blutige Abrechnungen machen Schlagzeilen. Doch die Politik in Paris gelobt Besserung - nicht zum ersten Mal.
    Die «Quartiers Nord», die Hochhaussiedlungen im Norden von Marseille, sind seit Jahrzehnten soziale Brennpunkte. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Drogenclans terrorisieren die Menschen, die in den grauen Sozialwohnungsblocks wohnen. Diese klagen darüber, dass der Staat sie im Stich lasse. Tatsächlich investierten die Marseiller Politiker lieber in glamouröse Prestigeprojekte als in die Erschliessung der peripheren Quartiere. Doch der französische Präsident Emmanuel Macron gelobte vor seiner Wiederwahl Besserung: Ein milliardenschwerer Masterplan für Marseille soll die «Quartiers Nord» zurück in den Kontrollbereich des Staates holen. «Wenn wir es schaffen, wenigstens die Schulen etwas zu verbessern, endlich den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, dann lässt sich ein Horizont erahnen», sagt der Journalist Xavier Monnier in Marseille. Mit dem Zauberstab geht das nicht. «Es braucht dazu mindestens ein Jahrzehnt des politischen Willens». An dem hat es bisher stets gefehlt. Die Hoffnung aufgeben mag Monnier nicht und fragt sich zugleich: «Vielleicht ist das naiv?» Reportage aus dem Quartier «La Castellane» am nördlichen Rand der zweitgrössten Stadt Frankreichs.
    25 min
  • Sudan – der lange Atem der Revolution
    Vor drei Jahren wurde Diktator Omar al-Bashir nach einem monatelangen Volksaufstand entmachtet. Eine Demokratie schien möglich, das Land kam aus der Isolation. Doch dann setzte das Militär dem Experiment mit einem Putsch ein Ende. Die Protestbewegung kämpft weiter und zahlt dafür einen hohen Preis.
    «Wir waren so glücklich und so voller Hoffnung und wir spürten, dass ein grosser Wandel bevorstand». Das sagt die 23-jährige sudanesische Studentin Anda Kamal, die von Anfang an bei den Protesten gegen Diktator al-Baschir dabei war. Es ging von Anfang an nicht nur um al-Baschir, sondern um einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft, und um Gerechtigkeit. Die Verantwortlichen für die jahrelangen Gewalttaten – Stichwort Darfur, Stichwort Bürgerkrieg – sollten zur Verantwortung gezogen werden.
    Der erhoffte grosse Wandel aber ist ausgeblieben. Das Militär hat die Macht wieder an sich gerissen. Anda Kamal und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen aber wollen nicht aufgeben. Der Preis dafür ist aber hoch: Fast jeden Tag werden Menschen bei Strassenprotesten getötet. Deshalb fragen sich inzwischen viele, ob der ersehnte Wandel die vielen Toten wert ist. Ausserdem gehen in der Protestbewegung die Meinungen auseinander darüber, wie wichtig Frauenrechte sind, wie weit die Forderungen nach gesellschaftlichem Wandel gehen sollen. Aufgeben aber – das ist für viele der Aktivisten und Aktivistinnen keine Option – die Revolution, so zeigt sich, hat einen langen Atem.
    27 min
  • Russlands neuer Stalin-Kult
    Über dreissig Jahre lang herrschte Josef Stalin über die Sowjetunion. Er ist verantwortlich für Millionen Tote. In seinem Lager-System, dem Gulag, liess er selbst engste Vertraute ermorden. Doch nun, unter Wladimir Putin, erlebt Stalin ein Revival und sein Regime eine Umdeutung.
    Putin, der selbst gerne Aufsätze über die russische Geschichte schreibt, sieht in Stalin keinen Massenmörder, sondern einen entschlossenen Staatsmann, der die Sowjetunion einte und im Zweiten Weltkrieg den Faschismus in Hitler-Deutschland besiegte. Die Schattenseiten des Stalinismus blendet Putin dabei aus. Zum Beispiel, dass es unter Stalin in Russland Millionen Zwangsarbeiter gab, die im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion ermordet wurden.
    Mit seinem neuen Stalin-Kult will Putin den Rückhalt für seine Politik in der Bevölkerung stärken: Inzwischen ist es fester Bestandteil der russischen Propaganda zu behaupten, dass Russland unter Putin gegen den Faschismus in der Ukraine kämpfe, wie einst die Sowjetunion unter Stalin gegen Nazi-Deutschland.
    Trotzdem ist der neue Stalin-Kult nicht einfach das Wiederaufleben des Stalinismus. Beobachterinnen und Beobachter sehen darin vielmehr eine Art postimperiales Syndrom, welches Russland immer stärker im Griff hat und zunehmend die öffentliche Meinung bestimmt.
    29 min
  • Afghanistan – Wenn nicht ohne die Taliban, dann mit ihnen
    Als die Taliban letztes Jahr die Macht übernahmen, brach für die Leute in den Städten die Welt zusammen. Plötzlich war Schluss mit Frauen- und mit Menschenrechten. Den Leuten in den Dörfern aber haben die Taliban Frieden gebracht. Hat das Land eine Zukunft mit den Taliban und wie soll sie aussehen?
    Wer die Machtübernahme durch die Taliban verstehen will, muss in den Süden Afghanistans reisen, dahin wo die militante Bewegung herkommt. In den letzten 20 Jahren hat die Bevölkerung dort nicht Fortschritt, zivile Freiheiten und wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, sondern Krieg und Zerstörung. Die Drohnenangriffe der USA kosteten vielen Zivilisten das Leben, genauso wie das brutale Vorgehen von afghanischen Einheiten, die vom CIA ausgebildet wurden. Viele junge Männer schlossen sich deshalb den Taliban an.
    Zudem mussten viele Menschen wegen des Kriegs in die Städte fliehen. Inzwischen können sie aber in ihre Dörfer zurückkehren und erleben die Machtübernahme durch die Taliban als Befreiung. Für Hunger und Not, die jetzt herrschen, machen sie nicht die Taliban verantwortlich, sondern die vorherige korrupte Regierung und den Westen.
    Schwarz und weiss gebe es nicht in Afghanistan, sagt die bekannte Menschenrechtsaktivistin Mahbouba Seraj, die in Kabul ausharrt. Das Bild gute Regierung gegen böse Taliban, sei falsch. Ohne die Fehler der gefallenen Regierung und des Westens wären die Taliban nicht da, wo sie heute sind. Und jetzt einfach Sanktionen zu verhängen, sei verantwortungslos. Seraj sieht den Ausweg in einem Geben und Nehmen zwischen dem Westen und den Taliban
    31 min
  • Katar und Vereinigte Arabische Emirate: Rivalität unter Golfprinzen
    Die Emirate haben gerade die erste Weltausstellung im Nahen Osten ausgerichtet, Katar rüstet sich für die erste Fussballweltmeisterschaft in der Region. Mitten in der globalen Krise strotzen zwei schwerreiche Scheichtümer vor Optimismus und Sendungsbewusstsein. Zugleich sind sie scharfe Rivalen.
    Öl gibt es auch anderswo, doch wir in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben es verstanden, das Vermögen aus diesem Bodenschatz sinnvoll einzusetzen, sagt der Publizist Mohamed Al Hammadi mitten in der Hochhauskulisse von Dubai. Die Ambitionen der Vereinigten Arabischen Emirate reichen schon bis ins Weltall. Sie haben sich in den USA und in Japan die Technologie für eine eigene Marssonde eingekauft. Auch ein Museum der Zukunft gibt es in Dubai schon. Al Hammadi nimmt es als Beweis, dass die Emirate stets fünfzig Jahre voraus dächten. «Wer solche Horizonte vor Augen hat, der will sich nicht in Konflikte verstricken», sagt der Publizist.
    Genau das freilich wird den Emiraten vorgeworfen: Dass sie nicht nur Wolkenkratzer und Luxushotels bauen, sondern sich mit ihren Ölmilliarden in der ganzen Region einmischen, bis zum Horn von Afrika Häfen aufkaufen, in der arabischen Welt Kriegsparteien unterstützen.
    Wie die Emirate so pumpte auch Katar im letzten Jahrzehnt Milliarden in Konfliktzonen der Region, zugunsten der Gegenseite. Katar finanziere Terroristen, sagten die Emirate und verlangten vom widerspenstigen Nachbarn, dass er auf eine eigenständige Aussenpolitik verzichten und ganz auf den Kurs der andern Golfstaaten umschwenken solle. Katar dachte nicht daran. Und schon im Landeanflug auf die Hauptstadt Doha wird klar: so sieht kein Verlierer aus. Auch in Doha bestimmen Wolkenkratzer die Skyline, auch hier ist die Handschrift der Stararchitekten zu erkennen. Die Aussicht auf die Fussballweltmeisterschaft im nächsten Winter hat in Katar einen gewaltigen Bauboom ausgelöst. «Wir sind bereit, die Welt zu empfangen», sagt Mohammed Al Mulla vom staatlichen Organisationskomitee. Mit dem rund um den Globus beachteten Sportereignis will Katar sich selbst und der ganzen Welt die eigene Unverzichtbarkeit beweisen.
    33 min
  • Das Massensterben der «Manatees» in Florida
    Floridas Seekühe sind eine Art inoffizielles Wappentier des US-Bundesstaates. Doch allein im letzten Jahr starben über 1'100 der geschützten «Manatees». Gewässerverschmutzung und Überdünnung der Gewässer zerstören ihre Lebensgrundlage. Ihr Massensterben ist ein Alarmsignal für ganz Florida.
    Manatees sind gesellig und ausgesprochen friedliebend – und in Florida sehr beliebt. Doch die Seekühe am südöstlichen Zipfel der USA sind akut bedroht. Viele verhungern, weil sie kein Seegras mehr finden, das ihre Hauptnahrungsquelle ist. In vielen küstennahen Gewässern Floridas sind in den letzten Jahren bis zu 95 Prozent der Seegrasbestände verschwunden. Dies ist eine Folge der anhaltenden Gewässerverschmutzung und der Überdüngung von seichten Küstengewässern, die damit einhergeht.
    Schuld daran ist der Mensch: Unzählige Häuser in Florida sind nicht an die Kanalisation angeschlossen. Über «septic tanks», eine Art Sickergruben, geraten Nährstoffe aus Fäkalien ins Grundwasser und von dort ins Meer, was zu massiven Algenblüten führt.
    Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass das Massensterben der Seekühe ein Alarmsignal für ganz Florida ist. Denn die Gewässerverschmutzung wird allmählich auch zur Bedrohung für den wirtschaftlich wichtigen Tourismus. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels verschärft sich das Problem noch zusätzlich. Dennoch hat die Regierung in Florida bislang kaum wirksame Massnahmen eingeleitet. Dabei fehlt es nicht an Gesetzen, sondern an deren Durchsetzung.
    28 min
  • «Il Corviale»: Ein Kilometer Italien
    Der Corviale ist nicht das höchste, aber eins der längsten Hochhäuser der Welt – und in Italien längst ein Symbol für staatliches Versagen und soziale Brennpunkte. Nun soll das Betonmonster bei Rom mit Geld aus dem EU-Coronafonds saniert worden. Eine Reportage aus der Tristesse.
    Der Corviale wurde in den späten 1970er Jahren gebaut und sollte Sozialwohnungen für 8'000 Menschen bieten. Merkwürdig still ist es heute in dem maroden Bau, an dem sich viele Probleme ablesen lassen, die Italien plagen. Papst Franziskus oder auch Staatspräsident Sergio Mattarella haben den Corviale besucht. Mehr als öffentlichkeitswirksame Fotos und Fernsehbilder sind von den Besuchen nicht geblieben.
    Jetzt soll der Corviale, der sich über einen ganzen Kilometer im Südwesten der Hauptstadt erstreckt, mit Geld des Coronafonds aus Brüssel saniert werden. Ein zweifelhaftes Vorhaben, wie die Reportage aus dem Hochhaus zeigt, das eine Art «Italien im Kleinen» ist.
    29 min
  • Nordirland – trotz wirtschaftlichem Erfolg staut sich die Wut
    Beim Brexit war allen klar, um den Frieden in Nordirland nicht zu gefährden, darf zwischen Nordirland und Irland keine harte Grenze entstehen. Nordirland blieb deshalb im EU-Binnenmarkt. Diese Entscheidung lässt jetzt aber die Emotionen hochgehen, insbesondere bei den protestantischen Unionisten.
    Beide Seiten haben sich einvernehmlich darauf geeinigt, die Regierung von Boris Johnson in London und die Europäische Union: Nordirland bleibt im EU-Binnenmarkt. Das hat den Vorteil, dass sich Menschen und Güter weiterhin völlig ungehindert zwischen dem Norden der Insel und der Republik Irland hin und her bewegen können. Es hat aber den Nachteil, dass es jetzt in der Irischen See eine Zollgrenze gibt, die Nordirland vom britischen Mutterland trennt.
    Die protestantischen Unionisten fühlen sich deshalb verraten und sehen ihre britische Identität in Gefahr. Immer wieder führt die Frustration zu Protesten, wiederholt schon zu Gewalt. Busse und Autos brannten. Steine und Flaschen flogen.
    Die Emotionen gehen hoch, obwohl die Unternehmen in Nordirland zufrieden sind mit der neuen Lösung. Seit dem Brexit floriert das Geschäft nämlich in beide Richtungen, zum Süden der Insel hin und – trotz der neuen Zollgrenze in der Irischen See - zum Mutterland auf der anderen Seite. Warum sind Fragen der Identität wichtiger als der wirtschaftliche Erfolg? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Reportage aus Nordirland.
    30 min

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Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen.

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