Vor einem Monat ist im Kanon Verlag das Buch "Oh Boy!" erschienen, in dem 16 Autor*innen beschreiben, was für sie heute Männlichkeit bedeutet. Die Presse hat das Buch zunächst gefeiert, weil es mit alten Rollenvorstellungen bricht und vielfältige neue Perspektiven eröffnet. Doch jetzt ist die Debatte umgeschlagen. Eine Frau hat sich in einem der Texte wiedererkannt. Der Autor Valentin Moritz, der zu den Herausgebern des Bandes gehört, schildert darin in fiktionalisierter Form selbstkritisch einen von ihm selbst begangenen sexualisierten Übergriff, und das obwohl ihn die betroffene Frau darum gebeten hatte, das nicht zu tun. Der Verlag war informiert und hat erst jetzt, wo sich in den sozialen Medien eine Welle des Protests aufgebaut hat, reagiert: Er hat die Auslieferung des Buchs gestoppt und bereitet eine Neuveröffentlichung ohne den Text von Valentin Moritz vor. Wie ist das zu bewerten? Darüber sprechen wir mit Autorin Mithu Sanyal, die für das Buch das Nachwort geschrieben hat.