Lena Schätte wurde unter 59 Bewerbern ausgewählt. Mit Schreibwerkstätten, Gesprächsrunden und Lesungen möchte sie sich direkt ins Stadtleben einbringen, aber auch schreibend Zeit in Cafés oder im öffentlichen Raum verbringen. „Schreiben in den Zwischenräumen“ nennt sie es, wenn sich ihre Gedanken in Worte geformt auf Notizzettel, im Handy oder kleinen Notizbüchern wiederfinden. „Schreiben ist meine Art, das Leben auszuhalten“, formuliert Lena Schätte und, daß sie Orte anziehen, die noch nicht auserzählt sind, wie sie auch in Erfurt mit der ersten Begegnung fand. Der Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ beginnt mit den Sätzen „Meine Mutter bringt uns Töchtern Dinge bei. Andere Dinge, als mit geradem Rücken am Esstisch zu sitzen, als Danke und Bitte zu sagen, andere Dinge als ihrem Sohn. Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet“, um Zeilen später zu dem Satz zu kommen „Und sie bringt uns bei, dass eine Frau immer Fluchtgeld haben muß.“ Eine klare, direkte, dichte, aber manchmal auch zärtliche Sprache findet Lena Schätte. Motte wird die Protagonistin von ihrem Vater genannt. Der Roman erzählt von einer Arbeiterfamilie in den Neunzigerjahren im Sauerland, da wo auch Lena Schätte aufwuchs, aber die Geschichte könnte überall spielen. Denn Menschen trinken überall. Auf dem Dorf. In der Stadt. In unterschiedlichen sozialen Milieus. Ort, Zeit und Handlung von „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ sind global übertragbar, sagt Lena Schätte. In Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen wurde Lena Schätte 1993 geboren. 2014 debütierte sie mit dem Roman „Ruhrpottliebe“, erschienen im Marlon Verlag. Parallel zum Schreiben arbeitete Lena Schätte als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. 2023 war sie Hausgast im Literarischen Colloquium Berlin, erhielt ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats und arbeitete in der Redaktion der Anthologie „Tippgemeinschaft“ mit. Sie arbeitete bei suchtkranken Menschen in Lüdenscheid und widmete sich weiter dem literarischen Schreiben. Heute lebt Lena Schätte im nordrhein-westfälischen Altena. Im Café des Hagebaumarktes im benachbarten Ort Neuenrade schrieb sie den Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“, erschienen im S. Fischer Verlag. Dafür erhielt Lena Schätte 2024 den W.-G.-Sebald-Literaturpreis und den Förderpreis Nordrhein-Westfalen.
Moderation: Julia Hemmerling
Redaktion: Angelika Zapf