"Man kann verstehen, dass wir uns so weit wie möglich von den Nationalsozialisten distanzieren wollen. Aber wir müssen uns klar machen, das waren Menschen, die nicht weniger intelligent waren als wir, und die auch vor 1933 und nach 1945 nicht krimineller waren als ihre französischen oder polnischen Nachbarn. Wie kriegt man es also hin, dass ein Volk innerhalb von zwölf Jahren all dies anrichtet: Millionenfachen Mord und den schrecklichsten Krieg der Weltgeschichte?", so der Historiker Götz Aly im Gespräch bei MDR Kultur.
"Wie konnte das geschehen" ist der Titel des jüngsten Buches von Götz Aly, erschienen bei S. Fischer, das große Alterswerk des 79-jährigen Berliner Historikers, dessen Bücher in den letzten Jahrzehnten immer wieder für Debatten gesorgt haben. Auch deshalb, weil Götz Aly auf die sozialstaatlichen Leistungen und die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten verwiesen hat, die die Nazis der Masse der Deutschen geboten hat. Zugleich haben die Nazis es verstanden, die Deutschen in ihre unvorstellbaren Verbrechen als Mitwisser oder Mittäter zu verwickeln. Die Angst vor der Rache der Sieger sei in den letzten Kriegsjahren, als die Niederlage längst absehbar war, der Hauptgrund dafür gewesen, dass die Deutschen mehrheitlich den Nazis bis zum bitteren Ende gefolgt sind.
MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke hat mit Götz Aly gesprochen.
Verfügbar bis 27. Januar 2027