Andris Plucis war seit 2009 Chefchoreograf und Leiter des Balletts Eisenach, seit der Spielzeit 2018/ 2019 auch Künstlerischer Leiter des Landestheaters Eisenach. Mit 18 Jahren bereits stand Andris Plucis als Tänzer auf der Bühne. Den Weg als Chefchoreograf begann er acht Jahre später als jüngster Ballettdirektor Deutschlands. Nun hieß es mit Ende der Spielzeit in Eisenach Abschied nehmen, auch wenn Andris Plucis dem Landestheater weiterhin beratend zur Seite stehen wird. Das Landestheater Eisenach ist, wie auch das Staatstheater Meiningen, Teil der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach und verfügt über die Sparten Ballett und Junges Schauspiel. Ihre Auftritte gehören zum festen Repertoire im Meininger Spielplan. Auf die letzten Tages aber gab es für den Ballettdirektor und Chefchoreographen noch ein schönes Geschenk: Die Produktion „Next Generation“ seiner Eisenacher Companie ist für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie Choreografie nominiert. Es sei ungewöhnlich, einen vierteiligen Ballett-Abend in seiner Gesamtheit zu nominieren, so die Jury, es sei bei „Next Generation“ jedoch absolut und ob des außerordentlichen Niveaus verdient. „Next Generation“ steht für „Paradeigma“ von Lucia Giarratana, „Ephemerus“ von Ana Isabel Casquilho, „WORD“ von Adson Lipaus Zocca und „Vier Lieder“ von Andris Plucis. Am 15. November findet die 20ste Preisverleihung „Der Faust“ statt. In Zürich kam Andris Plucis als Sohn lettischer Eltern 1959 zur Welt. Er erhielt eine Ballettausbildung in der Ballettschule der Wiener Staatsoper und anschließend an der Royal School in London. Dann ging Andris Plucis nach Deutschland, war von 1977 bis 1985 Tänzer an der Oper Bonn und an den Städtischen Bühnen Frankfurt unter Egon Madsen und William Forsythe. Die für ihn prägendste und inspirierendste Zeit, sagt Andris Plucis, der immer den Wunsch verspürte als bildender Künstler zu arbeiten. 1985 übernahm er die Compagnie des Stadttheaters Gießen, von 1988 bis 1991 war er Ballettdirektor am Stadttheater Würzburg, anschließend am Staatstheater Darmstadt. 1996 gründete er in Frankfurt/ Main mit zwei Tänzern aus der Forsythe-Companie die frei Gruppe „the lost romeos“, die auch im Ausland gastierte. Nach seiner Zeit als Ballettdirektor am Landestheater Coburg, trat er 1998 bis 2009 ein Engagement als Ballettdirektor und Chefchoreograph am Theater Ulm an. Andris Plucis arbeitet auch im Musiktheater als Chefchoreograph, so in Frankfurt/ Main bei der Uraufführung der Oper „Europeras1&2“ von John Cage, der auch Regie führte oder der „Rigoletto“ - Inszenierung von Hans Neuenfels an der Deutschen Oper Berlin. 16 Jahre wirkte Andris Plucis anschließend am Landestheater Eisenach, so lang wie zuvor an keinem anderen Haus.
Moderation: Karoline Knappe
Redaktion: Angelika Zapf