Zehn Aufführungen sind beim Lortzing Festival in Leipzig zu erleben, darunter am 24.04. in der Musikalischen Komödie die Spieloper „Der Waffenschmied“. Die selten gespielte Revolutionsoper „Regina“ feiert am 25.04. im Opernhaus Premiere, in einer Inszenierung von Bernd Mottel. Das Gewandhausorchester wird von Constantin Trinks dirigiert. Vor fast 180 Jahren mußte Albert Lortzing Leipzig nach Unstimmigkeiten und künstlerischen Differenzen verlassen, doch seine Musik ist untrennbar mit Leipzig verbunden. In dieser Stadt lebte und arbeitete der 1801 in Berlin geborene Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und Dirigent am längsten und erschuf die meisten seiner Werke, darunter acht Opern. Vor allem mit seinen Komödien feierte Albert Lortzing Erfolge, darüber hinaus engagierte er sich politisch und gesellschaftlich. Er war Mitglied im Verein „Tunnel über der Pleiße“, in dem sich die politische Opposition während des Vormärz traf und in der Leipziger Freimaurerloge „Balduin zur Linde“. Nach Leipzig lebte Albert Lortzing in Wien und Berlin, wo er 1851 völlig verarmt im Alter von 49 Jahren verstarb. Zwischen 1835 und 1850 war er der bedeutendste deutsche Opernkomponist. Bis weit in die Nachkriegszeit gehörten seine Opern zu den meistgespielten Werken im deutschsprachigen Raum.
Im Jahr 1848 und in Wien beendete Albert Lortzing die kaum bekannte Oper „Regina“, als auch dort der deutsche Revolutionsversuch gescheitert war, in der Stadt, in der sein Freund Robert Blum, der in Leipzig den Sturz der sächsischen Regierung und demokratische Grundrechte gefordert, hingerichtet ward. Diese seine „Freiheits-Oper“ spiegelt den Geist der Frankfurter Paulskirche, als Tagungsort der ersten deutschen Nationalversammlung und der 1848er Revolution wider. Für Regisseur Bernd Mottl eine besondere Freude und Ehre gerade diese Oper in Leipzig, der Stadt der Friedlichen Revolution von 1989 und in gegenwärtiger politischer Zeit zur Premiere zu führen.
In Mönchengladbach wurde Bernd Mottl 1965 geboren. An der Freien Universität Berlin studierte er Theater und Musikwissenschaften. Zusammen mit Marcel Pomplun gründete er die Studiobühne der FU neu. Hier inszenierte Bernd Mottl von 1988 bis 1994 mit Studenten der Berliner Schauspielhochschulen zahlreiche Aufführungen, die auch auf europäischen Festivals gezeigt wurden. Er assistierte zudem bei den Regisseuren Harry Kupfer und John Dew. Seit 1994 arbeitet Bernd Mottl als freischaffender Regisseur an Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Repertoire umfaßt Oper, Schauspiel, Musical und Operette. Zunächst brachte er an der Neuköllner Oper einige vielbeachtete Musical-Uraufführungen mit dem Autor Peter Lund zur Premiere, inszenierte dann am Staatstheater Cottbus, am Maxim Gorki Theater Berlin, an der Staatsoper Hannover, an der Oper Köln, dem Staatsschauspiel Dresden, am Theater Heidelberg, am Schauspiel Kiel, am Berliner Renaissance-Theater und weiteren zahlreichen Bühnen. 2018 zeigte er am Staatstheater Wiesbaden eine Interpretation von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Bei den hessischen Theatertagen 2019 erhielt Bernd Mottl für „Schade, daß sie eine Hure war“ von John Ford den Preis für die beste Inszenierung und den Publikumspreis 2022 des Hans Otto Theaters Potsdam für das Musical „Cabaret“. Die Inszenierung „Der Vogelhändler“ am Staatstheater am Gärtnerplatz München erhielt vom Bayerischen Rundfunk die Auszeichnung Operetten-Frosch für die Spielzeit 2023/ 2024. 2026 wird Bernd Mottl an der Semperoper Dresden debütieren.
Moderation Ellen Schweda
Redaktion: Angelika Zapf