Das Akkordeon, ein vielseitiges Klangwunder zwischen Tradition und Moderne, wurde von den Landesmusikräten von 14 Bundesländern zum Instrument des Jahres 2026 gekürt. Es kann die Klangfülle eines ganzen Orchesters entfalten, aber auch sanft und leise Emotionen, Rhythmus und Harmonie vereinen. In Wien wurde 1829 das erste Akkordeon von dem Instrumentenbauer Cyrill Demian und seinen Söhnen patentiert. Im Laufe der Zeit und seiner Verbreitung in der Welt erhielt es die mundartlichen Beinamen Quetschkommode, Schifferklavier, Schweineorgel, Leninraupe oder Zerrwanst. In Weimar, an der Hochschule Franz Liszt, wird Akkordeon seit 1949 unterrichtet. Die in Leipzig geborene Akkordeonistin Claudia Buder erhielt nach langer Lehrtätigkeit dort 2018 eine Professur für Akkordeon. Sie selbst studierte einst an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und nach der politischen Wende 1989/ 90 an der Folkwang Universität der Künste Essen, schloß mit zwei Diplomen und dem Konzertexamen ab. Mit sieben Jahren hatte sie begonnen sich dem Instrument zu nähern, da die Mutter es spielte. Jedoch, es war eine Annäherung mit nur wenig Enthusiasmus für das Instrument. Erst mit dem ersten Preis beim Internationalen Akkordeonwettbewerb in Klingenthal weckte es in Claudia Buder Leidenschaft und Begeisterung, wurde es das Instrument ihres Lebens. Claudia Buder wurde mehrfach Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe, u.a. im Jahr 1994 erste Preisträgerin des III. Interpretationswettbewerbes für Musik des 20. Jahrhunderts. Eine facettenreiche Ausbildung erwarb sie an unterschiedlichen Bildungsstätten. Internationale Lehraufträge führten sie später nach Finnland an die Fachhochschule Turku, in die Slowakei an die Universität Prešov und in die Niederlande an die Musikschule ARTEZ Enschede. Die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere am Musikgymnasium Schloß Belvedere ist Claudia Buder ein wichtiges Anliegen. Neben Meisterkursen leitet sie auch Förderkurse auf internationaler Ebene. Mit dem Wintersemester 2009 eröffnete sie die Fachrichtung Akkordeon an der Hochschule für Musik in Münster.
Claudia Buder selbst spielt bis heute in unterschiedlichsten Besetzungen im kammermusikalischen Bereich. Zahlreiche Konzerte erschienen auf CD. Engagements im In- und Ausland führten sie auch mit größeren Ensembles wie dem Ensemble Ascolta, dem Ensemble Modern und dem Ensemble Resonanz zusammen. Claudia Buder übernahm den Akkordeonpart bei der Uraufführung der Oper „Emilia Galotti“ von Marijn Simons, der deutschen Erstaufführung der neu instrumentierten Fassung von Alban Bergs Oper „Lulu“, der deutschen Erstaufführung der Oper „Les Boulingrins“ von Georges Asperghis sowie der Kammeroper „Powder Her Face“ von Thomas Adès. Als Solistin war Claudia Buder u.a. zu Gast bei Amsterdam Sinfonietta, der Königlichen Philharmonie Stockholm, den Wiener Philharmonikern und arbeitete mit Dirigenten wie George Alexander Albrecht, Kent Nagano, Andris Nelsons und Jonathan Stockhammer zusammen. 2016 spielte sie kammermusikalisch wie auch solistisch bei den BBC Proms mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo. In Zusammenarbeit mit den Komponisten HK Gruber, Georg Katzer, Steffen Schleiermacher, sowie mit den Komponistinnen Rebecca Saunders und Annette Schlünz brachte Claudia Buder zahlreiche Werke zur Uraufführung.
Moderation Carsten Tesch
Redaktion: Angelika Zapf