500 Jahre Bauernkrieg werden in diesem Jahr mit einer großen Landesausstellung in Thüringen erinnert und neu betrachtet. Noch bis zum 19. Oktober kann man sich in drei Ausstellungen in Mühlhausen und im Panorama Museum in Bad Frankenhausen dem Thema unter der Überschrift „Freiheyt 1525 - 500 Jahre Bauernkrieg“ annähern. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 gilt als größter Bauernaufstand in Mitteleuropa. An nur zwei Tagen starben an die 7300 Bauern unter der Führung des Theologen und Reformators Thomas Müntzer durch das Heer der Fürsten. Eine Sonderausstellung in Bad Frankenhausen zeigt nun was den Leipziger Maler Werner Tübke zu seinem Bauernkriegs-Monumentalbild inspirierte. Die Fakten zur „Schlacht bei Frankenhausen“ lagen der Regierung des Arbeiter- und Bauernstaates DDR vor, dennoch lautete der Auftrag an den Künstler die Bauern siegreich abzubilden. Werner Tübke griff auf die Kunst der Renaissance und christliche Sujets zurück, versteckte Botschaften in seinem Werk, die der DDR-Propaganda zuwiderliefen. Gerd Lindner, seit März 1991 Direktor des Panorama Museums in Bad Frankenhausen faszinierte bereits mit 13 Jahren ein Ausstellungs-Katalog von Werner Tübke. In seiner Diplomarbeit in Kunstgeschichte zu Historienbildern in der Leipziger Schule widmete sich Gerd Lindner 1988 ausschließ dem Werk Werner Tübkes. Der hatte ab 1976 zwölf Jahre an seinem 1700 Quadratmeter großen Panoramabild gearbeitet, ein apokalyptisches Welttheater zur „Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ mit 3000 Figuren geschaffen. Am 12. September 1989 wurde es unter Kurt Hager, Chefideologe und oberster Kulturverantwortlicher der SED, eingeweiht, da die Anwesenheit des gesundheitlich angeschlagenen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker nicht möglich. Gerd Lindner, seit März 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Panorama-Museum Bad Frankenhausen, war vor Ort unerwünscht und sah sich die Eröffnung im Fernsehen an. Nach der politischen Wende wurde er zunächst stellvertretender Direktor und nach Vorlage einer entscheidenden Konzeption zum Erhalt und der Neuausrichtung des Museums im März 1991 Direktor des Panorama-Museums Bad Frankenhausen. In Dresden wurde Gerd Lindner 1962 geboren, dort wuchs er auf. Eigentlich wollte er Kunstrestaurator werden, doch die Studienmöglichkeiten dafür waren rar. Von 1983 bis 1988 studierte Gerd Lindner Mathematik und Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule Erfurt und nahm nach dem Diplom von 1988 bis 1989 eine Lehrtätigkeit an einer Weimarer Oberschule auf, da ihm der akademische Weg aus politischen Gründen verwehrt. Seit 2006 ist Gerd Lindner Gründungsmitglied und Stiftungsrat der Tübke-Stiftung Leipzig, sowie Gründungsmitglied des Trägervereins Panorama Museum e.V. und seit 2008 als Direktor des Panorama Museums zugleich Geschäftsführer. Moderation: Julia Hemmerling
Redaktion: Angelika Zapf