Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Treibe mich, du Heiliger Geist!
    Treibe mich, du Heiliger Geist!
    Dem Heiligen Augustinus wird ein Gebet zugeschrieben, das in diesen Tagen und Wochen vor Pfingsten sehr aktuell ist und an dem entlang ich gern ein wenig mit Ihnen nachdenken möchte. Das Gebet heißt:
    Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
    Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
    Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
    Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte.
    Hüte mich du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere. Amen.
    Die zweite Zeile dieses Gebetes scheint mir auch wieder in den zwei Jahren der Pandemie so wichtig geworden: Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Eine der vielen Aussagen der letzten Jahre war: Ich habe gar keinen Antrieb, ich habe keine Motivation mehr, dieses Homeschooling ohne die Freunde treffen zu können, dieses Zuhause arbeiten müssen, ohne den Kontakt zu den Kollegen am Arbeitsplatz, am schlimmsten für die Kranken und Alten, die nicht besucht werden konnten und keinerlei Antrieb zum Leben mehr gespürt haben.
    Treibe mich, du Heiliger Geist könnte heißen: Treibe mich an, wenn die Trägheit mich lahmlegt und ich meiner eigenen Kraft nicht mehr traue. Treibe mich an, alte Gewohnheiten zu verlassen, was mir schwerer scheint, als Neues anzufangen. Treibe mich an - zu lassen, was mich hindert, vorwärtszukommen, Ballast abzuwerfen für mehr Leichtigkeit des Seins.
    Treibe mich an, wenn es heißt, 'gegen den Strom zu schwimmen' und nicht mein Fähnchen in den Wind zu hängen.
    Treibe mich an, aber lass mich nicht ziellos dahintreiben, sondern lass mich von Dir geleitet mein Ziel erkennen.
    Treibe mich an, damit das Schiff meines Lebens in Fahrt kommt und nicht im Hafen der Sicherheiten dahindümpelt.
    Treibe mich an, du Heiliger Geist, damit ich Heiliges tue, denn nur von Dir getrieben, gelange ich ans Ziel.
    3 min
  • Hat die Kirche nur noch 5 Jahre?
    Hat die Kirche nur noch 5 Jahre?
    Es ist heiß wie im Hochsommer und die Gewitter stehen schon in den Startlöchern. Für heute und morgen sind sie mit allen Sachen angekündigt, die wir früher nur aus Amerika kannten: Unwetter, Starkregen, örtliche Tornados. Wenn sie angekündigt werden, denkt fast jeder: "Ja okay, wird schon nicht so schlimm. Die müssen ja warnen und immer ein bisschen übertreiben." Das genau ist das Problem. Die eigene Einschätzung und die fremde Einschätzung passen ziemlich oft nicht zusammen. Beispiele gibt es genug:
    Putin war klar, dass alle in der Ukraine nur darauf gewartet haben, dass sie befreit werden und ihn mit Blumen und Jubel nach einer Woche freudig in Kiew begrüßen werden. Es kam anders.
    Im vergangenen Juli haben viele an Erft, Lenne und Ahr die Vorhersagen für ungeheure Regenmengen gesehen und gehört und gedacht: "So schlimm kann es gar nicht kommen". Es kam sehr viel schlimmer und ganz anders.
    Als im März 2020 der erste Corona-Lockdown kam, dachten wir: "Na gut, bis Ostern durchhalten, um dann um so fröhlichere Ostern feiern zu können". Es kam sehr anders und selbst dieses Ostern, zwei Jahre später, war nicht sehr munter und fröhlich und eher mit angezogener Handbremse.
    Eine sehr fitte und kluge Ordensfrau, die seit Jahren verschiedene Leitungsämter ausübt, sagte bei einer Tagung in der vergangenen Woche: "Ich gebe der Kirche in Deutschland noch fünf Jahre. Mehr nicht." Wir alle anderen saßen da, waren blass vor Schreck und sprachlos ob der Klarheit der Aussage.
    Alle dazu passenden Begriffe sind uns schon deutlich vor Augen: reformunwillig, unfähig zu mutigen Entscheidungen, Ausgrenzung vieler Christen in ihrer eigenen Kirche, Klerikalismus, Frauenfeindlichkeit… Sie wissen schon.
    Aber dann dachte ich, und nicht nur ich: Nein, das wird nicht so weit kommen. Denn die Kirche sind wir, bin ich und alle Getauften. All die Missstände und kaum noch reparablen Schäden in dieser Kirche sind die eine Seite. Die andere Seite sind all die vielen Gläubigen, die täglich das Evangelium hören und danach zu leben versuchen. Die beten und Gottesdienste mitfeiern und, und, und …
    Ich hoffe, bete und wünsche, dass ich recht behalte. Nicht um des Rechtbehaltens wegen, sondern wegen dieser Millionen Menschen, die an Gott glauben und ihrem Glauben ein Gesicht, Hände, Füße und Herz verleihen. Mit viel Sorge und der Bitte um Gottes Hilfe Tag für Tag und über die nächsten fünf Jahre hinaus.
    4 min
  • Sind Sie ein Ausprobierer?
    Sind Sie ein Ausprobierer?
    Wie einige von Ihnen vielleicht schon mitbekommen haben, bin ich eine wirklich Fußballbegeisterte. Und mir imponieren nicht nur gute Einzelspieler oder Superteams, sondern auch Trainer, die es schaffen, eine Truppe hoch bezahlter Fußballer mit einer so passenden Philosophie zu inspirieren, dass sie immer erfolgreicher werden.
    Jürgen Klopp ist so einer. Regelmäßig hätten die Münchner bei ihm angefragt, sagt der Coach des FC Liverpool in einem Interview des englischen "Telegraph". "Ich hätte auch ein paar Mal zu Bayern gehen können. Ich hätte in meinem Leben mehr Titel gewinnen können, ziemlich sicher würde ich sagen - eine gute Chance zumindest. Ich habe es nicht getan", sagt Klopp.
    "Die Welt ist nicht voll von Gewinnern. Hoffentlich ist die Welt voll von Ausprobierern. Ich versuche es, und manchmal gewinne ich zusammen mit einigen anderen Leuten. Ich bin glücklich damit", das sagt Klopp. Ist das nicht ein wunderbarer Satz mit einer tiefen Aussage?
    Hoffentlich ist die Welt voll von Ausprobierern. Er spricht eine Hoffnung aus und eine selbst gemachte Überzeugung. Wenn Menschen mehr Mut hätten, Dinge auszuprobieren, dann würden viel mehr Menschen glücklich sein. Wenn man in diesen Zeiten nach Ostern die Geschichten aus der Apostelgeschichte liest, bekommt man einen solch besonderen Eindruck.
    Immer wieder ist da die Rede von der Gemeinde der Jünger und Jüngerinnen Jesu, die lernen müssen, ohne Jesus zu leben und zu schauen, wie das denn gehen kann mit der Nachfolge dieses Jesus, den die meisten schon nicht mehr erlebt haben. Und immer wieder gibt es große Debatten und Auseinandersetzungen, wenn die einen Dinge gemacht und ausprobiert haben, die die anderen sich gar nicht vorstellen konnten. Und immer wieder liest man, dass die Apostel und die Ältesten sich zusammengesetzt haben, um die Angelegenheit zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen. Es geht also von Anfang an um das Ausprobieren dieses neuen Weges, wie die Christen damals sogar explizit genannt wurden.
    Trauen wir uns doch als Einzelne, als Familien und Gemeinschaften, als die Kirche insgesamt wieder viel mehr Ausprobierer zu sein, damit wir merken, wie es heute gehen kann, das Christsein und das Kirchesein im 21. Jahrhundert mitten in unserer Welt. Jürgen Klopp würde diese Aussage gefallen, denn er ist gläubiger Christ und nimmt sich jeden Tag Zeit, auf seinen Glauben und sein Leben zu schauen und zu spüren, wie sehr er bei Gott geborgen ist: auch als Ausprobierer.
    4 min
  • Wir haben immer die Wahl!
    Wir haben immer die Wahl!
    Am Wochenende haben wir gewählt in Nordrhein-Westfalen. Einen neuen Landtag und eine neue Landesregierung. Und ich mit meiner DDR-Vergangenheit habe mir sofort nach der Wende 1989 geschworen, dass ich niemals eine Wahl verpassen oder aus komischen Gründen nicht wahrnehmen würde. Weil wir seit 1990 tatsächlich eine Wahl haben. In der DDR gab es eine Wahlliste, die man im Wahllokal ausgehändigt bekam und man durfte sie zusammenknicken und in die Wahlurne werfen. Nichts ankreuzen, nicht zwei Stimmen haben, oh nein. Alle Kandidaten waren vorher von der SED geklärt und durften durch zusammenfalten und in die Urne werfen bestätigt werden.
    Ich bin jetzt noch wütend, wenn ich daran denke. Also haben wir jetzt aber am Sonntag den Wahltag genossen, Laudes beten, Frühstücken gehen, wählen, Sonntagsgottesdienst mitfeiern und nach einem sonnig schönen Tag abends die Hochrechnungen schauen und uns freuen. Freuen daran, dass die allermeisten Menschen demokratische Parteien gewählt haben. Ein bisschen mich ärgern, weil die Wahlbeteiligung geringer war als zuletzt und auch darüber, dass der absolute Verlierer plötzlich ganz ungeniert anmeldete, ja auch eine Regierungsbildung mit verantworten und einleiten zu können.
    Auch fairer Verlierer zu sein, muss man lernen. Und ich kann nicht gut verstehen, wenn es so krude Erklärungen gibt, warum man keine Wahl hat und dass sich ja doch nichts ändert. Das sind nur faule Ausreden. Wir haben in ganz vielen Dingen eine Wahl und eine Verantwortung. Und es tut gut zu wissen, dass die meisten Mitmenschen sie wahrnehmen.
    Am Abend haben wir dann die Eissaison eröffnet und beim Italiener um die Ecke ein köstliches Eis gegessen. Da haben wir an den Tischen überall ringsherum die Gespräche gehört und die Debatten über die Kandidaten, die Ergebnisse und die Folgen für unser Bundesland. Wunderbar. Wir haben immer eine Wahl: im persönlichen Leben, im gesellschaftlichen Umfeld, im Glauben.
    Ich habe die Wahl, ob ich mein Christsein sehr aktiv lebe und meinen Mitmenschen diene und mich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetze. Ob ich bete und Gottesdienste mitfeiere, ob ich im Chor mitsinge oder mich für Firmlinge engagiere, ob ich mich um die Nachbarn kümmere oder, wie zur Zeit, die Kirche öffne und alles für die Kirchenbesucher vorbereite. Und diese Wahl kann niemand für mich treffen. Ich selbst kann wählen. Immer.
    4 min
  • Unsere Kirche sollte bunt und vielfältig sein!
    Unsere Kirche sollte bunt und vielfältig sein!
    Ein neuer Trend in Großstädten ist, dass Familien, die sich ein eigenes Haus nicht leisten können, einen Kleingarten, einen Schrebergarten pachten. Lange galt die Kleingärtnerei als spießig und nur was für ältere Leute. Doch längst gibt es in Städten wie Köln oder Berlin lange Wartelisten, weil die Gärten mittlerweile auch bei jungen Menschen sehr beliebt sind. Und so ein eigener Garten ist ja auch was Herrliches: Man kann darin das eigene Gemüse pflanzen, die Kinder tollen auf dem Rasen herum und Grillen kann man da natürlich auch ganz wunderbar. 
    Nun gibt es Kleingärten, die sehen sehr gepflegt aus, der Rasen scheint wie mit der Nagelschere geschnitten, jedes Unkraut wird sofort ausgerissen. Dann gibt es Garten, da stehen Spielgeräte drin, man sieht sofort, dass da eine junge Familie die Parzelle bewirtschaftet. Meistens sind solche Gärten nicht ganz picobello aufgeräumt. Dafür sehen sie für mich irgendwie lebendiger, man könnte auch sagen, natürlicher aus.
    Die Kunst besteht nun darin, dass alle Pächter trotz der Unterschiede gut miteinander auskommen. Der Rentner mit viel Zeit und großer Liebe zur Sorgfalt muss akzeptieren, dass die Nachbarn als Familie den Garten eher zur Freizeit nutzen und nicht ständig den Rasen mähen oder Unkraut jäten. Aber auch sie müssen Rücksicht auf Ruhezeiten und Ähnliches nehmen. In gegenseitiger Toleranz können dann alle ihre Gärten genießen. 
    Ein bisschen ist das wie in der Kirche. Auch bei uns Christinnen und Christen gibt es ein unterschiedliches Verständnis, was in der Kirche geht, was nicht geht und am besten gleich verboten werden sollte und so weiter. Ich finde es aber wichtig, dass wir uns, auch wenn wir manchmal in Glaubens- und Kirchenfragen sehr unterschiedlich ticken, nicht immer gleich das Katholisch-Sein absprechen. 
    Urteile wie "Das ist nicht mehr katholisch" sind schnell dahin gesprochen und sorgen oft genug vor allem für Bequemlichkeit bei demjenigen, der das gesagt hat. Denn wenn man sich sicher ist, dass nur der eigene Weg der richtige ist, braucht man sich mit den Argumenten der anderen gar nicht mehr auseinanderzusetzen. Aber ich glaube, unsere Kirche sollte bunt und vielfältig sein. Wagen wir also den Blick über den eigenen Gartenzaun!
    3 min
  • Jesus vertraut Maria die Kirche an
    Jesus vertraut Maria die Kirche an
    Heute ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima. Er erinnert an die Erscheinungen der Gottesmutter Maria 1917 vor den drei Hirtenkindern in Portugal und ihre Bitte, den Rosenkranz zu beten, sich zu Gott zu bekehren und auch für die Bekehrung Russlands zu beten.
    Die Mutter eines der Kinder hat angegeben, ihnen immer viel von den Erscheinungen von La Salette erzählt zu haben. Und so könnte man denken, dass die Kinder die Erscheinungen nachgespielt haben.
    Wie das bei diesen und anderen Ereignissen, die wir nicht erklären können, ist, gibt es viele Spekulationen und wissenschaftliche Versuche, um begreifen zu können, was nicht zu begreifen ist.
    Den Rosenkranz zu beten, war den Kindern damals völlig normal und dass die schöne Frau sie darum bat, das zu tun, war ihnen daher kein besonders schwerer Auftrag. Noch einige Monate, immer an einem 13. hierhin zu kommen, war ihnen Bitte genug, denn sie haben dort ohnehin immer die Schafe gehütet.
    Erst als dann im Oktober mehr als 70.000 Menschen dabei waren und das sogenannte Sonnenwunder erlebt haben, wird die Sache überregional bekannt und Menschen strömen dorthin, um teilzuhaben an der Wunderkraft dieser Frau.
    Im Evangelium nach Johannes für diesen Gedenktag steht der eigentliche Grund, warum die Menschen seit jeher Maria, die Mutter Jesu verehren. Da heißt es:
    "Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."
    Jesus hat seine Mutter dem Johannes anvertraut, damit er sich um sie kümmern würde nach seinem eigenen Tod. Und seiner Mutter hat er Johannes, und damit alle, die ihm, dem liebenden Jünger in Jesu Nachfolge nacheifern würden, anvertraut. Also der ganzen zukünftigen Kirche.
    Das ist mir der eigentliche, gute und einleuchtende Grund der Liebe und Verehrung der Gottesmutter. Jesus selbst vertraut sie der Kirche an und die Kirche ihr.
    Und damit kommt der mütterliche Dienst der Kirche, der Mitleidende, der Mitfreuende, der Fürsorgende, der Trauernde und der Betende zum Vorschein und sollte wieder deutlicher werden.
    4 min
  • Nur Dagegensein ist zu wenig
    Nur Dagegensein ist zu wenig
    Seit Wochen sind die Kandidaten der Parteien an der Basis unterwegs, um für ihre Person, ihre Partei, ihr Programm oder ihren Spitzenkandidaten zu werben. Und das ist oft wirklich nett. Da stehen die bunten Stände der Parteien zusammen mit dem Eierhändler, dem Kartoffelmann, dem Gemüsestand, dem Blumenhändler auf dem Marktplatz und bieten quasi ihre Ware an. Und damit man sich dann auch an sie erinnert, gibt es viel Infomaterial, aber auch witzige Beigaben, Eyecatcher oder Giveaways. Da gibt es wundervolle tiefrote Rosen nicht von den Roten, scharfe Zwillingsmesser, damit man messerscharf denken und dann wählen kann, es gibt Kugelschreiber nicht aus Plastik und Samentütchen mit Kräutersamen oder für bunte Blumenwiesen und ähnliches und man kommt gut ins Gespräch über diese Dinge und dann zu den eigentlichen wichtigen Themen.
    Aber ich habe hier auch anderes erlebt. Zu einer Kundgebung auf dem Markt, zu dem zwei Ministerpräsidenten und ein Parteivorsitzende eingeladen waren, kamen knapp 1000 Menschen, von denen sich die allergrößte Zahl auf diese Stunde gefreut haben und zuhören wollten. Und es gab knapp 50 Leute, die genau das nicht wollten. Sie haben die ganze Zeit gebrüllt, mit Fanfaren und Trillerpfeifen einen solchen Lärm geschlagen, dass sich die Redner unglaublich anstrengen mussten, damit die, die gekommen waren, ihnen zuzuhören, überhaupt etwas verstehen konnten.
    Es war keine Debatte, kein Austausch, kein Gespräch möglich, wie ich es sonst bei solchen Gelegenheiten schon erlebt habe. Und mir scheint, dass das nicht nur in Wahlkämpfen der Parteien zur Zeit so ist und in vielen Auseinandersetzungen und Debatten eine gute Kultur verloren zu gehen scheint: die Kultur des Zuhörens, des andere Meinungen zunächst vortragen Könnens, des nicht ins Wort Fallen oder gar Niederbrüllens, das Abwägen und Bedenken von Fakten und Argumenten und das nebeneinander stehenlassen Können von Meinungen und Plänen, Vorstellungen und Gedanken.
    Auch innerkirchlich sind wir da nicht unbedingt vorbildlich. Auch hier gibt es das übereinander statt miteinander Reden, das offene Briefe Schreiben und zum Dialog auffordern, dann aber wieder nur Direktiven geben, sich in Gremien auseinandersetzen, dann aber die mehrheitlich gefassten Beschlüsse nicht mittragen und vieles mehr.
    Ich hoffe sehr, dass nicht nur bei der Wahl am Sonntag die gewinnen, die sachliche und ehrliche Argumente haben und nicht die wenigen Krachmacher, die daran überhaupt nicht interessiert sind, sondern nur dagegen sein wollen und keine eigentliche Idee haben, wie das Leben in Staat, Kirche und Gesellschaft gelingen kann.
    4 min
  • Lassen wir uns begeistern!
    Lassen wir uns begeistern!
    Fußballherz, was willst Du mehr: Schalke spielt wieder erstklassig, Köln in der kommenden Saison europäisch, Frankfurt noch in dieser Saison final europäisch und im DFB-Finale wird es einen neuen Pokalsieger geben, weil die Bisherigen schon früh ausgeschieden sind. Da die Meisterschaften seit 10 Jahren langweilig sind und eigentlich nur der Abstiegskampf spannend ist, werden solche Wettbewerbe und Schlagzeilen interessant und schön.
    In einem interessanten Artikel habe ich gelesen, dass ins Verhältnis gesetzt, die Bayern am meisten Geld ausgeben müssen, um die Ersten zu sein. Und wieder im Verhältnis gesehen, Bochum an erster Stelle derer steht, die mit dem geringsten Budget es geschafft haben, nicht abzusteigen, sondern gut in der Mitte zu sein. Früher sagte man: „Geld schießt Tore“. Heute weiß man, ein charismatischer Trainer wie Jürgen Klopp in Liverpool oder Steffen Baumgart in Köln können ihre Stadt, ihren Verein, ihre Spieler so begeistern, dass unglaubliche Leistungen möglich sind.
    Und bei uns? In unserer Kirche? Wo sind die Begeisternden, die Motivationskünstler, die Einladenden und fröhlich Weitermachenden? "Och nö, in dieser Kirche gerade nicht. Keinen Bock, bringt nichts", denken die einen. Und legen die Hände in den Schoß und ruhen sich darauf aus, dass die da oben ja doch alles kaputtmachen.
    Und die richtig vielen anderen? Die beginnen mit neuen, klugen und interessanten Programmen an den Hochschulgemeinden zum Beispiel. Die motivieren Erstkommunionkinder Messdiener*innen zu werden und alle kommen. Die laden zu ihren unkonventionellen Angeboten in ihre Kirche ein mit dem Slogan: "Kommt alle und bringt alle mit!" Und es kommen viele und bringen viele mit.
    Ich weiß auch, dass es zurzeit in vielen Dingen gerade schwierig ist, sich als Glaubende zu outen und sich nicht zurückzuziehen. Kirche und Glauben lebt aber von denen, die sich nicht zurückziehen, die sich einbringen und unverzagt und begeistert weitermachen. „Begeistert“ heißt, vom Geist angetrieben, vom Geist beseelt, in Schwung gebracht, vom Geist ausgestattet mit vielfältigen Gaben und Fähigkeiten. Mit Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht und noch viel mehr.
    Lassen wir, lassen Sie sich begeistern für das, was ansteht und wo Sie gebraucht werden. Vielleicht müssen Sie etwas ganz Neues beginnen oder anstoßen, sich anstoßen lassen oder einfach mitmachen. Werden Sie und ich neu Begeisterte und Begeisternde.
    4 min
  • Auf die Liebe kommt es an!
    Auf die Liebe kommt es an!
    Ich habe in den letzten Wochen immer mehr Berichte aus China gehört und gelesen. Im Land, in dem das Coronavirus entdeckt worden ist, geht große Panik um. Nicht unbedingt von den Menschen, den Einwohnern selber, sondern von den Machthabern der kommunistischen Partei. Sie haben berechtigte Angst, dass die Einwohner merken, dass auch die kommunistische Partei nicht allmächtig ist.
    Für uns Europäer ist es undenkbar, wie in China mit den Menschen in dieser Coronakrise umgegangen wird: Millionenstädte werden abgeriegelt und die Menschen eingesperrt. Rigorose Polizei und sogenannte Nachbarschaftskomitees sorgen für Abschreckung und Einhaltung der Regeln. Menschen sterben in den Wohnungen an allen möglichen Krankheiten, weil sie nicht ins Krankenhaus gelassen werden. Zehntausende werden unter katastrophalen Bedingungen in Quarantänekrankenhäuser gesteckt, die in Flugzeughangars und Messehallen eingerichtet werden. Babys und Kleinkinder werden von ihren Eltern getrennt und von viel zu wenig Mitarbeiterinnen notdürftig versorgt.
    Die Machthaber bitten die Menschen, nach italienischem Vorbild, ihnen zu Ehren von den Balkonen zu singen - die Videos von den stattdessen nächtlichen Schrei-Orgien in den Städten werden schnellstens von der Zensurbehörde gelöscht.
    Menschen gelten in China nichts, sie sind nur Verfügungsmasse der Herrschenden und die und der Einzelne hat keinerlei Bedeutung, es sei denn als Rädchen in der Maschine der Ökonomie. Es ist zutiefst erschreckend das zu sehen und sich vorzustellen.
    Von Heinrich Böll gibt es einen Satz, der mir in diesem Zusammenhang noch mal deutlich macht, woraus wir hier leben. Er hat einmal gesagt:
    „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab für sie: Liebe für die, die in der heidnischen wie gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“
    Bei allem Trabbel in unserer Kirche, bei allen Problemen in unseren Gemeinden: die Sorge für die Alten, die Kranken und Schwachen, die Flüchtlinge und die Fremden stehen hoch im Kurs und werden von vielen Hunderttausend Menschen jeden Tag getan. Aus Nächstenliebe und aus Verantwortung für die Mitmenschen. Das macht den Unterschied. Seien wir sehr dankbar dafür.
    4 min
  • "Maria, Mutter, Friedenshort"
    "Maria, Mutter, Friedenshort"
    Einer unserer brasilianischen Mitschwestern habe ich vom 8. Mai, dem Tag der Befreiung 1945 erzählt. Ihre erste Frage dazu war: ist das jetzt also in Deutschland ein Feiertag? Nein, das ist es nicht. Und ich habe versucht ihr zu erklären, dass es vierzig Jahre gedauert hat, bis Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede im Bundestag 1985 ganz klar sagen konnte: "Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."
    Dass solche Tage uns aber auch erinnern, dass wir über 70 Jahre Frieden hatten, und dass es nicht so selbstverständlich ist, zeigen uns die vielen Kriege weltweit und jetzt so nah in der Ukraine. Es gibt ein Lied, dass 1948 der Görlitzer Tischler und Bildhauer Georg Schröter geschrieben hat, in dem er die geistliche Situation, die Not der damaligen Nachkriegszeit ausdrückt:
    Maria, Mutter, Friedenshort! Wir kommen in bedrängten Tagen
    und bitten dich, ein Mutterwort für uns bei deinem Sohn zu sagen.
    Sei du um uns wie ein Gebet, vor dem die Stürme knien müssen.
    Wenn deine Bitte mit uns fleht, kann sich dein Sohn uns nicht verschließen
    Du weißt, was uns im Herzen bebt an gläubigem und kühnem Wagen.
    Wenn deine Hand die Schatten hebt, wird uns ein Fest der Gnade tagen.
    Dein Haus ist wie ein Lobgesang, in dem die stummen Steine beten.
    All unser Bitten wird zum Dank und schweigt von seinen dunklen Nöten.
    Dein Mantel ist ein goldnes Zelt, gewebt von mütterlicher Liebe.
    Breit ihn als Heimat um die Welt, dass keiner ohne Mutter bliebe.
    Dein Kind ist unser Himmelreich, das Licht von tausend klaren Sonnen
    kommt doch nicht seinem Glanz gleich, sein Herz verschenkt uns alle Wonnen.
    Gib, dass wir unser Pilgersein in deines Kindes Licht vollenden.
    Hüll uns in deinen Mantel ein und führe uns an deinen Händen.
    Maria, Mutter, Königin, im Jubel der erlösten Chöre
    gibt unser Herz als Lied sich hin: dir, Mutter, und dem Sohn zur Ehre.
    4 min

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