Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Was aus einer Plauderei am Zaun werden kann
    Was aus einer Plauderei am Zaun werden kann
    Ein Vorgarten ist etwas Entzückendes. Unser Garten liegt gegenüber vom Haus und wir müssen nur die Straße überqueren. Also habe ich die letzten Abende genutzt, um Sommerblumen zu säen und den Boden vorher noch ein bisschen vor zu bereiten. Zunächst hat eine Gruppe junger Jugendlicher auf der Turmtreppe gegenüber zugeschaut, dann sind sie aber gegangen und haben sich eine Ecke gesucht, wo sie sich nicht so beobachtet fühlen.
    Und dann kamen Spaziergänger und Leute, die unsere Straße als Abkürzung benutzen. Und fast immer bleiben sie stehen, um ein bisschen zu plaudern. Zunächst über den Garten und die so schön blühenden tränenden Herzen. Dann natürlich über das, was ich da gerade säe, und dann irgendwie automatisch über Gott und die Welt. Es ging um den Krieg in der Ukraine und den Trabbel in unserer Kirche, um die Angst vor einem Krieg und um die Sorge, was die Kinder mal werden.
    Und dann kam eine Frau mit zwei Kindern vorbei. Sie ist aus der Ukraine geflüchtet und wohnt jetzt im Nachbarhaus, habe ich erfahren. Da kommt der Krieg und die Folgen für die Menschen plötzlich ganz nah an uns heran. Und das ist genau die Chance. Wenn die Ereignisse in Welt und Gesellschaft und Kirche irgendwie weit weg sind, können wir super damit umgehen, urteilen und werten und es stört nicht weiter. Aber sowie uns Beteiligte, Menschen also, nahe kommen und wir ihre Geschichte, ihre Anliegen, ihre Sorgen und Fragen kennen, rückt es uns auf den Pelz, können wir nicht mehr unbeteiligte Zaungäste sein.
    Einer der schönsten Konstitutionen des zweiten Vatikanischen Konzils, die ich gerade dieser Tage gelesen habe, da geht es darum, in der ersten Zeile zu lesen: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger*innen Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“
    Und manchmal reicht es zunächst, einfach da zu sein, sichtbar und ansprechbar, damit Menschen ihre Fragen und Sorgen loswerden können. Und dann zu schauen, was können wir tun, wie können wir helfen, was braucht die Einzelne und was nützt den neuen Nachbarinnen. Manchmal reicht also eine Plauderei am Zaun, um Vorurteile abzubauen, Fremdheitsgrenzen zu überwinden und aus einer trockenen Tagesschaukriegsnachricht eine herzliche Beziehung werden zu lassen.
    4 min
  • Ein Leben für den lieben Gott
    Ein Leben für den lieben Gott
    Heute tragen wir eine unserer Mitschwestern zu Grabe. Ich hatte vor ein paar Wochen schon einmal von ihr erzählt, als ich sie, erstmals in den vielen Jahren, am hellen Tag im Bett liegend fand und sie mir sehr deutlich gesagt hat: „Ich habe mein Leben lang für den lieben Gott gearbeitet und seinen Auftrag erfüllt. Jetzt bin ich müde.“
    Aus ihren Erzählungen von ihren ersten Ordensjahren bleiben unser einem, die in ruhigen Friedenszeiten aufgewachsen sind, immer vor Staunen Mund und Augen weit offen. Sie ist am 2. Februar 1945, also in der Endphase des zweiten Weltkrieges in Olpe eingetreten. Ihre Schwester hat sie bis zum Bahnhof gebracht, aber entgegen ihrem Versprechen ist sie nicht mitgefahren, weil sie Angst vor den vielen Soldaten hatte.
    Unsere künftige Schwester hatte keine Angst. Mit einem Truppentransport von Soldaten ist sie bis Olpe gekommen, hat ihren Kuchen mit den Soldaten geteilt und versprochen, für sie zu beten. 1948 hat sie ihr Krankenpflegeexamen abgelegt und von da an fast 50 Jahre lang immer in der Kranken- und Altenpflege gearbeitet.
    Sie hat sich bis zum Schluss, sie wäre im August 100 Jahre alt geworden, für Gott und die Welt interessiert und es war ein Genuss mit ihr zu plaudern. Sie hat kein Bibelgespräch und keinen Einkehrtag versäumt und hatte zu vielen, besonders innerkirchlichen Themen, eine sehr dezidierte, fundierte Meinung.
    Sie saß oft in ihrem Rollstuhl im Flur und hat mit denen geplaudert, die sie so getroffen hat. Und sie hat immer sehr gelassen gesagt: „Ich sitze hier und warte. Und wenn Gott mich holen will, dann soll er das tun. Ich bin ja da. Wenn er mich noch nicht holt, dann feiere ich vielleicht noch meinen Hundertsten und freue mich schon mal.“
    Eine solche heilige Gelassenheit war sehr beeindruckend und hat manche eher ängstliche Schwester in ihrem Umfeld oft sehr beruhigt und getröstet. Aber sie hat auch sehr deutlich gesagt, wenn sie etwas nicht so toll fand. Unserer Novizin hat sie immer gesagt: „Ich glaube nicht, dass das etwas mit Dir wird. Du bist zu jung und wir sind zu alt“
    Wir konnten das mit viel Lachen und tollen Gegenargumenten kommentieren. Aber sie blieb dabei. Jetzt sind wir guter Hoffnung, dass sie von den himmlischen Wohnungen aus den Werdegang der Novizin verfolgen und mit Schmunzeln kommentieren wird.
    3 min
  • "Das Leben hat den Tod erwürgt"
    "Das Leben hat den Tod erwürgt"
    Vor unserer Haustür haben wir meistens eine Schale mit Blumen oder Grünpflanzen, die so der Jahreszeit entsprechend schön sind. Im Moment blühen noch ein paar Primeln und fünf richtig üppige Hyazinthen. Sie strömen einen betörenden Duft aus und man schaut automatisch zur Quelle dieses Duftes. Und mittendrin steckt ein Ast mit schönen bemalten bunten Ostereiern. Manchmal fragen dann Passanten: Ach, sie haben ja noch Osterdeko hier. Ostern ist doch schon lange vorbei.
    Und dann kommen wir, wenn Zeit ist, in die schönste Plauderei über Ostern und seine Zeit, über die Neigung vieler Leute, zwar vieles schon lange vorher zu schmücken und es dann spätestens am zweiten Tag wegzuwerfen und auch darüber, was es denn heißt, wenn wir sieben Wochen Ostern feiern.
    Meistens ist dann komplette Verwirrung angesagt und die Frage nach dem Sinn des Osterfestes und des Glaubens an die Auferstehung. In einem unserer Osterlieder im Gotteslob steht eine witzige Zeile, über die ich immer lachen muss, weil es so drastisch ist. Da heißt es zunächst:
    „Der Glaube ist nun fest verbürgt, die Hölle ist bezwungen.“ Aber dann heißt die zweite Zeile: „Das Leben hat den Tod erwürgt, das Lamm den Sieg errungen.“ „Oh je“, denke ich dann beim Singen, weil ich mir das dann immer bildlich vorstelle und völlig aus dem gesungenen Takt gerate. „Oh je“, wenn schon wir, die wir in den Dingen des Glaubens altmodische Texte gewohnt und der Kirchensprache mächtig sind, wenn wir schon ziemlich verwundert sind, wie klingt das für heutige Menschen?
    Die Gegenüberstellung des Lebens und des Todes als zwei miteinander kämpfende Personen stammt aus alter Zeit, damit den Menschen deutlich wird, dass Leben und Tod real und wirklich sind und gegeneinander um das je einzelne Leben kämpfen. Mir ist bei aller komischen Formulierung und Wortbildung der Gedanke schon sehr sympathisch, dass Leben und Tod immer im Kampf sind und dass es aber durch Jesus Tod und Auferstehung gelungen ist, dem Tod quasi ein Schnippchen zu schlagen und ihn auf keinen Fall mehr gewinnen zu lassen.
    Franz von Assisi würde sagen: Wer an den Auferstandenen glaubt, dem wird der ewige, also der zweite Tod, nichts anhaben. Und für solche Überlegungen und Gespräche lasse ich die Ostereier noch eine Weile am Strauß vor der Haustür hängen.
    4 min
  • Komm und sieh!
    Komm und sieh!
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest der Apostel Philippus und Jakobus oder Nathanael, wie er im Johannesevangelium heißt. Die Geschichte, wie sie in diesen Zwölferkreis gekommen sind, liest sich im Johannesevangelium schlicht und einfach so:
    In jener Zeit wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen. Da traf er Philippus und Jesus sagt zu ihm: "Folge mir nach". Philippus war aus Bethsaida, dem Heimatort des Andreas und Petrus. Philippus traf Nathanael und sagte zu ihm: "Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben Jesus aus Nazareth, den Sohn Josephs." Da sagte Nathanael zu ihm: "Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?" Philippus antwortet: "Komm und sieh!"
    Und das Entzückende an dieser Geschichte ist, dass sich an diesen Abläufen bis heute nichts geändert hat. Menschen erleben Jesus in der Schrift, im Gebet, im Gottesdienst und fühlen sich gerufen und beauftragt. Und sie erzählen es weiter und weiter und weiter. Und dazwischen kommt das, was wir dann alle kennen: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?
    Als ich das zum ersten Mal bewusst gehört habe, dachte ich: Oh, schon damals war es, wie es heute noch ist, Vorurteile haben Konjunktur. Kann denn aus Köln etwas Gutes kommen von diesem Kardinal, von diesen Bischöfen oder von dieser Regierung? Von Frauen oder von Männern oder von Jugendlichen oder von Ausländern? Und so weiter und so fort.
    Das scheint immer zu funktionieren. Und die Antwort von Philippus ist die beste, die er damals geben konnte: "Komm und sieh, komm doch! Lern ihn doch selber kennen. Schau ihn dir selber an, bilde dir selber ein Urteil, komm ins Gespräch, zieh mit ihm um die Häuser, erlebe ihn im Alltag, dann wirst du sehen."
    Und das ist ja so die Frage an uns auch. Machen Sie es doch genauso. Erzählen Sie weiter von Ihren Begegnungen mit dem Göttlichen und von dem, was Sie beschäftigt und beeindruckt und belebt. Und wenn jemand mit seinen fragenden Vorurteilen kommt: "Kann denn aus dieser Kirche noch etwas Gutes kommen?" Dann laden Sie ein: "Komm, schau selber, probier' es aus. Trau dich!" Es geht um Jesus Christus und der ist derselbe. Damals, heute und in Ewigkeit.
    4 min
  • Maria, Urbild der Kirche
    Maria, Urbild der Kirche
    Gestern, am 1. Mai, sind hier im Umfeld in einigen Kirchen und Kapellen die Maiandachten eröffnet worden. Es ist eine Gebetsform, die den meisten von uns fremd vorkommt und völlig aus der Zeit gefallen scheint.
    Süße romantische Lieder mit Texten, in denen Szenen aus dem Leben der Gottesmutter Maria besungen werden. In vergangenen Zeiten des Christentums war der Gedanke, sich mit seinen Sorgen und Nöten direkt an Gott zu wenden, ganz unsagbar und kaum denkbar. Also haben sich die Menschen an Maria, die Mutter Jesu, gewandt, weil ihnen klar war: Diese Frau hat alles erlebt, was eine Frau an Freude und Leid und Schmerz nur erleben kann und sie wird uns verstehen und unsere Anliegen zu ihrem Sohn bringen.
    Und es gibt viele Menschen, denen die Lieder, die Gebete und Texte guttun und Beheimatung schenken. Bei mir hängt seit Jahren ein Text an der Pinnwand, der mir sehr gut gefällt und mit dem ich gut in den Marienmonat Mai starten kann. Der Text ist von Andrea Schwarz und ich teile ihn gern mit Ihnen. Er heißt: "Maria, Urbild der Kirche."
    Eine hörende Kirche, die nicht schon die Antwort weiß. Gesetz und Weisung nicht verwechselt. Die auf Macht verzichtet. In der Geschwisterlichkeit lebt. In der Vielfalt sein darf. Die keine Angst vor dem Fremden hat. Die vertrauen kann und sich dem Wirken des Heiligen Geistes überlassen kann.
    Maria, Urbild der Kirche. Eine fragende Kirche, die Lust zum Leben macht, Freude an der Begegnung vermittelt, in der das Gespräch lebt. Befehle nicht denkbar sind. Kritisches als Chance gesehen wird. Die sich als Pilgerin aufmacht. Keine feste Burg mehr ist, sondern das Leben sucht.
    Maria, Urbild der Kirche. Eine mystische Kirche, die nicht nur von Gott spricht, sondern sich ihm auch überlässt. In der das Geheimnis Gestalt bekommt, die dem Gebet vertraut und sich gegebenenfalls alle Pläne durchkreuzen lässt. Die abgrundtief liebt, ohne Wenn und Aber.
    Manchmal hilft ein solcher Text zu eigenen Gedanken und Überlegungen oder auch dazu, neugierig zu werden auf diese andere Frau, die ihr ganzes Leben auf Gott gesetzt hat und mit ihm und im Vertrauen auf ihn durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gegangen ist.
    4 min
  • Gott erwartet Großes
    Gott erwartet Großes
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest der Heiligen Katharina von Siena. Sie muss eine unglaubliche Frau gewesen sein. Als 24. Kind einer verarmten Adelsfamilie, deren Vater dann Färber wurde, wuchs sie behütet und beschützt auf, lernt in sehr jungen Jahren die Dominikaner kennen, hat auf dem Weg zur Kirche eine Vision des verklärten Christus und will von nun an Christus dienen und legt, fast noch ein Kind, heimlich Gelübde ab.
    Ihre Mutter müht sich redlich, ihrer Tochter diese Flausen aus zu treiben und lässt sie im Haus als Dienstmagd härteste Arbeit tun, um sie zur Vernunft zu bringen. Aber Katharina hat einen noch größeren Dickkopf als die Mutter und setzt sich durch. Sehr jung wird sie Dominikanerin und entflammt immer mehr in ihrer Liebe zur Kirche in einem heiligen Zorn.
    Über die Zustände der Kirche schreibt sie flammende Briefe, die sie mehreren Sekretären gleichzeitig diktiert und hat keinerlei Furcht, sich mit Päpsten, Kaisern und Königen anzulegen. Sie wird als ungebildete Frau, die ja damals schon gar nichts galt, vor das Kapitel der Dominikaner geladen und besteht alle noch so kniffligen Prüfungen der gelehrten Männer mit Bravour.
    Einer ihren vielen Briefe ist an Papst Gregor den Elften gerichtet. Der sitzt im sicheren Palast in Avignon und hat nicht die geringste Lust, zurück nach Rom in die unsichere, heiße, von Pöbel volle Stadt zu gehen. Aber Katharina schreibt ihm und packt ihn wohl so an seiner Ehre, dass er tatsächlich zurückkehrt.
    Wenn wir manchmal denken, die Situation unserer Kirche ist so schlimm wie nie, dann hilft es tatsächlich oft, in die Geschichte der Kirche zurückzuschauen und zu merken, dass es oft schon große Sünden, Versäumnisse, Fehlentscheidungen und so unglaubliche Dinge gegeben hat, die man heute lieber schamvoll verschweigen würde. Aber es hat zu allen Zeiten, gerade auch zu ganz schlimmen Phasen der innerkirchlichen Zustände, immer Männer und Frauen gegeben, die sich eingesetzt haben und alle ihre Fähigkeiten eingesetzt haben, um etwas zu tun und die Kirche wieder auf den Weg des Evangeliums zu bringen.
    Katharina von Siena war eine dieser starken Frauen, die aus Liebe zu Christus und seiner Kirche viel auf sich genommen hat, viele Menschen für Christus gewinnen konnte, und selbst immer wieder gewagt hat, über sich selbst und die Grenzen der damaligen Zeit in Kirche und Gesellschaft hinauszuwachsen. Sie sagte damals unmissverständlich: "Gebt euch nicht mit Kleinem zufrieden, Gott erwartet Großes!" Das hat seine Gültigkeit nicht verloren.
    4 min
  • Wir spiegeln die Herrlichkeit des Herrn wider
    Wir spiegeln die Herrlichkeit des Herrn wider
    Heute haben wir wieder eine Zoomkonferenz. Eine dieser fast Neu-Erfindungen der Pandemiezeit, die sehr geholfen hat, dass Treffen und Austausch stattfinden konnten, selbst wenn wir in Quarantäne saßen und Präsenztreffen einfach nicht möglich waren. Jetzt würde es ja wieder gehen, aber wenn eine Mitschwester dafür einen Tag Anreise, das Treffen und dann einen Tag Abreise brauchen würde, ist es doch so sehr viel praktischer und zeitsparender.
    Man muss sich also ins Meeting einloggen und mit Video und Audio beitreten. Das Komische daran ist, dass man jetzt zwar die anderen sehen kann, die mit in der Konferenz sind und in ihren Büros an den Schreibtischen sitzen, aber man sieht auch sich selbst. Und das ist ja sonst nicht so, es sei denn, man hat einen Spiegel am Schreibtisch. Also sehe ich mich und die anderen und merke, wie fremd das ist, sich selbst und seine Gesichtszüge zu sehen. Und eben auch ohne Maske.
    Manchmal ertappe ich mich dabei, meine Mimik zu kontrollieren und freundlicher zu gucken und zu lächeln. Im Kreis am Konferenztisch sitzend, würde mir das im Traum nicht einfallen. Da sehe ich mich ja nicht.
    Im zweiten Korintherbrief habe ich einige Verse gefunden, die mich verblüfft haben, weil sie so klingen, als wären sie genau in mein Nachsinnen hineingeschrieben. Da heißt es: „Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“
    Wir also, die Geschöpfe Gottes, sind durch seinen Geist dazu berufen, mit unserem Gesicht, mit unseren strahlenden Augen, unserem lächelnden Mund, die Herrlichkeit Gottes zu zeigen, um dadurch in sein eigens Bild verwandelt zu werden, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Wow, ich gebe zu, das ist echt beeindruckend und aber auch Aufgabe für jeden Tag.
    Einige von Ihnen kennen vielleicht den Gesang dazu: „Im Anschauen seines Bildes, da werden wir verwandelt in sein Bild“. Wenn ich das Angesicht und die Herrlichkeit Gottes widerspiegeln will und auch soll, dann ist es notwendig, immer wieder neu ihn anzuschauen. In seinem Wort, seinen Sakramenten, den Liedern und biblischen Bildern und in den Mitmenschen, die ja ebenso das Angesicht Gottes widerspiegeln.
    4 min
  • Manchmal ist Nächstenliebe ganz leicht
    Manchmal ist Nächstenliebe ganz leicht
    Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen „neben der Spur“, wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu besuchen.
    Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres langen Lebens entlanggegangen.
    1923 geboren, hat sie die Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein Erinnern und sie sagt: „Oh, das ist ja wahr, es war nie nur leicht und manches echt hart, aber wenn ich das so jetzt sehe, habe ich ein sehr schönes Leben.“ Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, das sie sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet.
    Viele Menschen kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar, leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In der Verquickung mit dem eigenen Erinnern verheddert sich alles und wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: Ich bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich gern.
    In der Schlussoration unseres Morgengebets heißt es:
    „Allmächtiger Gott, in den österlichen Geheimnissen, die wir jedes Jahr feiern, hast du dem Menschen seine ursprüngliche Würde wiedergeschenkt und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass wir auferstehen werden. Gib, dass die Erlösung, die wir gläubig feiern, in täglichen Werken der Liebe an uns sichtbar wird.“ Und das ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.
    4 min
  • Gott ist Licht und Leben!
    Gott ist Licht und Leben!
    Am weißen Sonntag sind wir in einem Morgengottesdienst in der Pfarrkirche gewesen und alles war schon vorbereitet für den großen Erstkommuniongottesdienst um 11.00 Uhr. Beim Hinausgehen haben wir uns die Vorbereitungen angeschaut und ich war sehr berührt.
    Auf der einen Seite der Altarstufen lagen runde Brote mit einem aufgeprägten Kreuz und mir war klar, dass die Familien wohl jede ein Brot mit nach Hause nehmen würden, um es miteinander zu teilen und vielleicht zum Abendessen zu verzehren. Auf der rechten Seite stand eine sehr schöne große Schale gefüllt mit Sand und hineingesteckt waren die mehr als 20 Tauf- und Erstkommunionkerzen der Kinder. In einer kleinen Schale lagen Dochte zum Anzünden und direkt dahinter steht die große Osterkerze auf ihrem hohen Leuchter.
    Ich hatte diese Idee noch nie gesehen. In vielen Kirchen gibt es entweder Kerzenhalter, die direkt vor den Kindern an die Bank geschraubt sind oder Kerzenständer im Altarraum, wo in langen Reihen die Kerzen gestellt werden. Aber diese Schale mit den dicht an dicht stehenden Kerzen, sind für mich noch mal ein ganz anderes Bild: da sind viele Familien mit ihren Kindern, die als kleine Gemeinschaft in die große Gemeinschaft ihrer Gemeinde, ihrer Pfarrei, ihres Bistums, der Gesamtkirche hineinwachsen wollen. Und ihr Licht bekommen die Kerzen von der Osterkerze. Väter und Mütter zünden an der Osterkerze den Docht an und entzünden damit die Kerze ihres Kindes. Und das ist mehr als nur ein Sinnbild. Viele Kinder und Jugendliche kommen mit dem Glauben an Gott durch ihre Eltern, Großeltern in Kontakt und erleben, dass er trägt und Licht gibt und Gemeinschaft möglich macht mit dem Auferstandenen in der Mitte.
    Und dass es bei allen kindgerechten Konzepten der Vermittlung und Vorbereitung immer darum geht zu schauen, was dem Kind hilft, an einen Gott zu glauben, der mit mir durch alle Höhen und Tiefen geht und auch in Schwierigkeiten, Krankheit und Tod da ist und der jedem Einzelnen von uns Licht und Leben und Wärme gibt, die uns hilft, zusammen unterwegs zu sein und Gemeinschaft der Glaubenden zu werden.
    Mich hat diese Schale mit den zusammenstehenden Tauf -und Kommunionkerzen sehr angeregt und vielleicht ist es auch für Sie eine Idee nochmal nachzusinnen, wie sie ihr Bild vom Kirchesein darstellen würden. Ihren Kindern, Enkeln, den Kindern in ihrem Umfeld.
    Und dieses schöne Bild, vom Anzünden der Kerzen der Kinder am großen Osterlicht des Auferstandenen kann Sie in den Tag begleiten und ihn, in welcher Situation sie auch immer heute sind, Licht und Leben verheißen.
    4 min
  • Der Markustag und seine Bräuche
    Der Markustag und seine Bräuche
    Heute denken wir mit der Kirche weltweit an den Evangelisten Markus. Die biblische Forschung weiß, dass er und seine Mitschreibenden das erste Evangelium verfasst haben. Er konnte sich wohl nicht auf Vorbilder stützen, sondern musste selbst schauen, wie er den Wust an Zeugnissen, an Erinnerungen, an Erlebtem sortiert bekommt. Und er tut das in sehr einzigartiger Weise. Er verweist in seinen 16 Kapiteln auf den Kreuzestod Jesu und sein Erlösungswerk. Es ist also ein langer Prolog, der immer näher an das Erlösungswerk heranführt. Unsere heutige Lesung aus dem 1. Korintherbrief sagt es, aus Sicht des Paulus sehr deutlich.
    Da steht:
    „Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet.“ Ohne den Glauben an das Evangelium vom Auferstandenen gäbe es keine christliche Zukunftsbotschaft und kein Wachstum der Kirche weltweit über die zwei Jahrtausende.
    Ein bisschen zeigt sich dieses Verständnis vom Wachsen und Werden auch noch in alten Bräuchen, die am Markustag gehalten werden. Ich kenne noch die Markusprozession um gutes Wetter und gute Ernte, obwohl es ja noch so früh im Jahr ist und oftmals die Saat erst ausgebracht worden ist. Aber die Saat muss ausgebracht und gehütet werden, damit sie wachsen kann, um eine gute Ernte zu bringen – an Brot und an Leben.
    Die Prozessionen am Markustag lösten ursprünglich heidnisch-römische Stadtprozessionen ab. Der Heilige Markus gilt als „Wetterherr“ und Schutzheiliger gegen Hagel, Blitz und Unwetter. Er wird für gutes Wetter und gute Ernte angerufen. Mit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vaticanum wurden die Markusprozessionen offiziell für die Weltkirche abgeschafft. In vielen Orten weltweit gibt es sie jedoch bis heute. Sie bilden den Auftakt zu den Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt, die quasi dem Sohn, der in den Himmel auffahren wird, alle unsere Bitten mitgeben will.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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