Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Ein neuer Wegbegleiter für die Reise
    Ein neuer Wegbegleiter für die Reise
    Ich habe mir doch tatsächlich einen neuen Koffer gekauft. Nach Jahrzehnten der Nutzung hatte es mein lieber kleiner Koffer einfach nicht mehr geschafft. Ein Fuß war abgebrochen, ein Rad wackelte bedrohlich bei jeder Kante und überall waren Risse im Stoff und an den Reißverschlüssen. Also nun ein neuer Wegbegleiter für die Reise: mit harten Schalen statt aus Stoff, ein bisschen größer als der bisherige Kleine und mit vier Rädern, die bequem in jede Richtung geschoben werden können. Und ein schönes rotes Kofferband, damit ich meinen Neuen auf dem Gepäckband auch wiederfinde.
    Und echt, ich kann nichts dafür: immer wenn der Sommer beginnt und es in die Ferien geht, fällt mir ein Kinderlied aus einem alten DDR-DEFA-Film der sechziger Jahre ein. Da heißt es: „Es wollen zwei auf Reisen gehen und sich die weite Welt besehn. Der Koffer macht den Rachen breit, komm mit, es ist soweit. Wohin soll denn die Reise gehn? Wohin, sag, wohin, ja, wohin? Wo wir den bunten Sommer sehn, dahin, ja, dahin.“
    Dieses kleine Lied beschreibt für mich eine wundervolle Sehnsucht nach Neuem, nach Weite und Entdeckerlust, nach Bergen und Meer und nach allem was den Duft des Sommers hat: trockener Sand, frisch geschnittenes Gras, schon trockenes Heu, Duftwolken von Blumenmeeren und frische Beeren und Früchte, die einem in den Mund zu wachsen scheinen. Freunde zum Zusammensein, Abende am Lagerfeuer, Zeit dafür, dicke Bücher ohne Unterbrechung zu lesen, malerisch hübsche Städtchen anzuschauen und in den Bergen zu wandern. In einem See zu schwimmen und dem Grillenzirpen zu lauschen.
    Ferien und Sommerpause sind in der Mitte des Jahres und ein sehr schönes Lied im Gotteslob schaut auch diese Seite unseres Lebens an. Da heißt es: „Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühen und Reifen und Ende und Beginn, lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.“
    Genießen wir den Sommer und wer kann und hat die Ferien und den Urlaub, und vertrauen wir der Führung des liebenden Gottes, der alle unsere Wege begleitet. Bleiben Sie behütet.
    4 min
  • Vertraut und trotzdem geheimnisvoll
    Vertraut und trotzdem geheimnisvoll
    Ich erinnere mich sehr gern an den Pfingstmontag. Ich war mit vielen hundert Menschen zur Pfingstprozession in den Kleusheimer Dörfern. Und zum Abschluss der Prozession wurde der Sakramentale Segen gespendet. Vorher kommt das dafür typische Lied, das der Organist auch mit der Nr. 495 angeschlagen hatte: "Sakrament der Liebe Gottes: Leib des Herrn, sei hoch verehrt!", aber das hat die vielen Menschen überhaupt nicht beeindruckt. Sie haben voller Inbrunst und vollem Herzen die lateinische Version gesungen: "Tantum ergo sacramentum, veneremur cernui".
    Zunächst musste ich schmunzeln und eine junge Frau neben mir, die schon sehr weit gereist ist, bemerkte ganz trocken: "Es ist sehr beruhigend, dass es auf der ganzen Welt so ist: Wenn diese Melodie kommt, wird lateinisch gesungen." Für meine Begriffe gibt es dafür eine sehr gute und einleuchtende Erklärung. Wie kann ich dieses Geheimnis, dass Gott Mensch geworden ist, unter uns gelebt hat, gestorben ist und auferstanden, in den Himmel aufgefahren und trotzdem unter uns ist, in dieser kleinen Scheibe Brot gegenwärtig ist, denn plausibel erklären? Ich kann es nicht.
    Und viele Theologinnen und Theologen, die sich in komplizierter Sprache daran wagen, eigentlich auch nicht. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Und die Gläubigen spüren das sehr genau und belassen das Geheimnis auch, indem sie selbst die erklärenden deutschen Lieder lieber lateinisch singen. Latein kann kaum noch jemand, aber der Klang dieser Worte ist vertraut und trotzdem geheimnisvoll.
    Heute an Fronleichnam feiern wir dieses Geheimnis und auch ich kann es nicht erklären. Und so bete ich mit Ihnen ein sehr altes Gebet zu diesem Fest:
    "Vermächtnis des Herrn, ernähre mich. Tod Christi präge mich. Auferstehung Christi, berge mich. Sendung Christi sende mich. Geheimnis Christi öffne Dich. In Deine Nähe ziehe mich. Vor allem Bösen schütze mich. Aus deiner Fülle speise mich, damit ich lebe ewiglich. Amen."
    4 min
  • Jesus Christus bringt Licht ins Dunkel
    Jesus Christus bringt Licht ins Dunkel
    Nun soll er in den nächsten Tagen wirklich mit Macht kommen, der Sommer. Am kommenden Wochenende sind bereits Temperaturen von über 30 Grad vorhergesagt und vielleicht noch mehr. Während die einen über die Hitze stöhnen, freuen sich die anderen über den Besuch im Freibad oder am Badesee. Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, dann ist die Sonne in diesen Tagen meist schon da. An manchen Tagen ist es noch sehr trüb und sie muss sich erst mal durch die Wolken kämpfen und schafft das nicht selten erst am Nachmittag.
    Die Kirche deutet in vielen Bildern die Sonne auch als ein Symbol für Jesus Christus. Jesus, das Licht, das uns den Tag hell macht. Und so lese ich im Hymnus des heutigen Morgengebets:
    "Nacht und Gewölk und Finsternis, verworrenes Chaos dieser Welt, entweicht und flieht! Das Licht erscheint, der Tag erhebt sich: Christus naht."
    Ist das nicht ein schöner Text? Jesus Christus bringt Licht ins Dunkel. Aber es ist nicht nur die Dunkelheit um uns herum, die hell erleuchtet wird. Manch einer trägt auch in sich Dunkelheit und Traurigkeit. Und darauf spricht dann die dritte Strophe an:
    "So soll, was in uns dunkel ist, was schwer uns auf dem Herzen liegt, aufbrechen unter seinem Licht und dir sich öffnen, Herr und Gott."
    Haben Sie schon mal früh morgens in aller Ruhe einen Sonnenaufgang beobachtet? Gerade im Frühjahr, wenn es noch nicht so ganz so früh hell wird, aber die Natur langsam aus dem Winterschlaf erwacht, dann bereitet das einem wirklich viel Freude. Und ich merke dann auch, dass die Traurigkeit, die ich manchmal in meinem Herzen trage, oder die Sorgen und Nöte, die ich so mit mir herumschleppe, dass die dann hell erleuchtet werden und so etwas wie Freude und Dankbarkeit in mir aufkommt, weil ich weiß, dass Gott mich kennt und in mein Herz schaut.
    "Blick tief in unser Herz hinein. Sie unser ganzes Leben an: noch manches Arge liegt in uns, was nur dein Licht erhellen kann", heißt es dann in der nächsten Strophe des Morgenhymnus. Lassen wir uns also an diesem Morgen, aber auch an den anderen vom Licht Gottes, von Jesus Christus hell erleuchten und geben dieses Licht auch an unsere Mitmenschen weiter.
    3 min
  • Ganz wach im Hier und Jetzt sein
    Ganz wach im Hier und Jetzt sein
    Heute ist der letzte Tag, der fünfte Tag der „Klostertage in der Schule“. Eigentlich machen wir das seit einigen Jahren im Mutterhaus. Jede sechste Klasse unserer Franziskusschule kommt für einen Vormittag ins Mutterhaus, um das Haus, die Schwestern und die Lebensweise kennenzulernen. Ein Jahr ist es wegen Corona ausgefallen und wir wollten es nicht wegen des Umbaus weiter ausfallen lassen und machen es in der Schule.
    Einige Schwestern kommen mit in die Schule und es ist sehr schön für die Schüler*innen. Bei einer der Fragerunden hat kurz vor Ende der eingeplanten Zeit ein Junge gefragt, ob wir Schwestern auch heiraten. Alle haben gelacht. Nicht wegen der Frage, weil die hatten wir schon sehr ausgiebig besprochen, sondern weil er wohl so mit anderem beschäftigt war, dass er das überhaupt nicht mitbekommen hat. Ich kenne das auch sehr und Sie vielleicht auch:
    Manchmal ist mit so sehr mit anderen Dingen beschäftigt, dass überhaupt nicht klar ist, was auf einmal Leute von mir wollen und ich dann vielleicht witzig oder eher peinlich und nicht adäquat antworten kann. Dieses "in der Gegenwart sein und leben und ganz wach im Hier und Jetzt sein", klingt eigentlich sehr logisch. Aber so ganz einfach ist es doch nicht.
    Wir merken das zurzeit auch sehr in den vielen Auseinandersetzungen in unserer Kirche. Viele Christen merken, dass die Art und Weise des Christseins immer wieder neu in die Jetztzeit übersetzt und definiert werden muss - auch wenn es schmerzhafte Prozesse in der Kirche auslöst. Und vielen anderen von Ihnen scheint es viel besser, in dem zu bleiben, wie es früher war und die sich kaum trauen würden, darüber nachzudenken, wie der Glaube und das Kirche sein, im 21. Jahrhundert gehen kann.
    Die einen sagen dann, die Kirche biedert sich dem Zeitgeist an. Die anderen sagen, wir trauen dem Wirken des Geistes in der Kirche nicht nur früher, sondern auch heute. Den einen macht es Angst, den anderen macht es Mut. Trauen wir auch in dieser Zeit nach dem Pfingstfest dem Wirken des Geistes und fürchten wir uns nicht vor dem, was werden kann, wenn er es will.
    3 min
  • Tun wir das, wovon unser Herz voll ist!
    Tun wir das, wovon unser Herz voll ist!
    „Eine gute Predigt geht nicht über zehn Minuten“ - so sagt man häufig. Ich gebe zu, manche Predigt holt mich auch schon nach fünf Minuten nicht mehr ab. Dafür allerdings kann ich auch nach 20 oder 30 Minuten vom Inhalt so begeistert sein, dass ich noch lange darüber nachdenke. Immer wieder beobachte ich aber in deutschen Fernsehfilmen, wenn diese in einer Kirche spielen, dass dort in einem schlecht bis sehr schlecht besuchten Gottesdienst jemand von einer Kanzel aus mit gestelzten Worten predigt und die Leute gelangweilt in ihren Bänken sitzen und fast einschlafen.
    So ähnlich muss es wohl auch dem heiligen Paulus gegangen sein, als er in Troas seine Abschiedsrede hielt. Ein junger Mann namens Eutychus saß dort am offenen Fenster und versank, da Paulus immer länger sprach, in einen tiefen Schlaf und fiel dabei aus dem Fenster im dritten Stock. Die Sache ging zum Glück glimpflich aus, berichtet die Apostelgeschichte. Aber es hat in der Kirchengeschichte auch Prediger gegeben, die Menschen regelrecht in ihren Bann gezogen haben. Einen davon feiern wir heute, nämlich den heiligen Antonius von Padua.
    Er stammte aus Portugal und gehörte einer begüterten Adelsfamilie an. 1220 ist er in den Franziskanerorden eingetreten. Bald schon haben die Ordensbrüder seine Begabung als Redner erkannt. Die praktizierte franziskanische Armut hat dann seinen Reden wirklich Glaubwürdigkeit verliehen und sein Umgang mit der Bibel hat ihm Bewunderung verschafft.
    Als Bußprediger hat er in Oberitalien gewirkt. Seine Fastenpredigten in Padua müssen so sensationell gewesen sein, dass keine Kirche ausgereicht hat, um alle Menschen fassen zu können, die den heiligen Antonius hören wollten. So ist man ins Freie ausgewichen, wo 30.000 Menschen dem wortgewaltigen Prediger zugehört haben.
    Einer der Ratschläge, die Antonius anderen Predigern erteilte, lautet: „Die Rede hat Leben, wenn die Taten sprechen.“ Antonius hat das mit seiner franziskanischen Lebensweise glaubwürdig vorgelebt. Heute hingegen frage ich mich, wenn ich so manche Predigt höre: Glaubt ihr das wirklich, was ihr da sagt? Predigen nicht manche auch Wasser und trinken eigentlich immer nur Wein?
    Denen möchte ich ein weiteres Zitat des heiligen Antonius anbieten: „Ich bitte: Schluss mit den Worten, die Taten sollen sprechen!“ Also tun wir doch einfach das, wovon wir immer sprechen, ob nun in der Predigt, in einer Rede oder einfach im Gespräch am Gartenzaun. Tun wir das, wovon unser Herz voll ist!
    4 min
  • Wofür ist die Kirche da?
    Wofür ist die Kirche da?
    Mir hat neulich ein Bekannter ganz begeistert von einem Pfarrer erzählt, der mit einem kleinen Zeichen zur rechten Zeit gezeigt hat, wie segensreich die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen wirken kann. Was war passiert?
    Die Mutter meines Bekannten ist recht betagt; kann nicht mehr gut laufen; leidet noch unter dem Tod des Ehemannes vor drei Jahren. Dazu kommen noch die Corona-Pandemie und diverse körperliche Beschwerden hinzu. Ihr fehlt der Mut in die Messe zu gehen, obwohl ihr das wichtig ist. Weil der Sohn weit weg wohnt, kann er sie nur selten in den Gottesdienst begleiten. An ihrem runden Geburtstag, der zufällig an Pfingsten ist, da ist der Sohn aber da.
    Gemeinsam gehen sie in die Messe. Für die Mutter ist es der erste Gottesdienstbesuch in ihrer Gemeinde seit einem Jahr. Der Pfarrer hält die Messe so wie immer und stellt in seiner Predigt genau diese Frage: Wofür ist die Kirche noch da? Er spielt natürlich auf all die Probleme und Versäumnisse der vergangenen Jahre an. Am Ende der Predigt sagt er, dass jede und jeder einzelne entscheiden muss, ob sie oder er zu dieser Kirche noch dazugehören möchte.
    Kurz vor dem Schlusssegen zögert der Pfarrer plötzlich. Dann auf einmal gratuliert er vor der versammelten Gemeinde der Mutter meines Bekannten zum Geburtstag, erwähnt, dass sie einen besonderen Geburtstag hat. Der Organist spielt spontan auf der Orgel "Viel Glück und viel Segen" und alle singen mit. Die Mutter freut sich sehr über diese Aufmerksamkeit. Endlich wieder Gottesdienst und dann dazu noch ein solch herzlicher Geburtstagsgruß!
    Ich finde, das ist ein schönes Beispiel, wie Seelsorger die Menschen im Blick haben. Der Pfarrer hatte die Mutter meines Bekannten beim Gottesdienst gesehen und wusste, dass sie Geburtstag hat; wusste, dass er ihr mit dem Geburtstagsgruß eine Freude macht.
    Für was ist die Kirche da? Der Pfarrer hat die Frage eigentlich sehr gut mit seinem Tun beantwortet. Solange es Menschen in der Kirche gibt, die die Botschaft von der Liebe Gottes konkret im Alltag leben und nicht nur verkündigen, solange braucht es uns um die Zukunft unserer Kirche nicht ganz so bang zu sein. Vertrauen wir auf Gott und die Menschen, die er für seine Kirche beruft!
    4 min
  • Kirchliches Leben kann so schön sein!
    Kirchliches Leben kann so schön sein!
    Am Wochenende war ich zum 80. Geburtstag einer Mitschwester eingeladen. Ein wunderbarer Nachmittag begann ganz entspannt: Wegen der Sperrung einer großen Straße in der Stadt, meldeten sich alle, die es irgendwie nicht pünktlich schaffen würden. Also haben wir mehr als eine halbe Stunde fröhlich plaudernd gewartet und als alle da waren, mit einem festlich schönen, aber recht außergewöhnlichen Gottesdienst begonnen. Als Lesung der Lieblingspsalm der Schwester, der Psalm  90, die Predigt auch dazu, dann Musik mit Violine, Saxophon, Kontrabass, Keyboard und Gitarre, manches auch in wunderschönem Zusammenspiel. Mehrstimmige Messgesänge von allen, und Fürbitten in den vielfältigen Anliegen von Kirche und Welt. Aus zwei großen Töpfen wurde dann selbstgekochte Suppe verteilt und später gab es Kaffee und Kuchen, den ebenso mehrere Gäste zum Fest mitgebracht hatten. Im entzückend kleinen Innenhof waren die ersten roten Johannisbeeren und sogar schon Himbeeren reif und man konnte, von den Tischen aus, an den Sträuchern naschen.
    Auf mich hat dieser Nachmittag so entspannt und fröhlich gewirkt, dass man fast vergessen konnte, welch anstrengendes Leben unsere Mitschwester geführt hat. Sie war viele Jahre Novizenmeisterin und hat junge Frauen auf ihren Wegen in die Ordensgemeinschaft begleitet, hat dann viele Jahre die Obdachlosenseelsorge in Köln aufgebaut und diesen Ort "Gubbio“ für Menschen auf der Straße mitgegründet und gestaltet, war dann zwölf Jahre leitende Oberin der deutschen Provinz und hat viele Höhen und Tiefen mit der Gemeinschaft und uns Schwestern erlebt und getragen und auch erlitten. Und aus allen diesen Lebensbereichen waren einige Gäste eingeladen um mitzufeiern.
    Beim Abräumen nach dem Mittagessen wären mir, in der Küche, fast die Teller aus der Hand gefallen: Da standen ein Weihbischof und einer der Geschäftsführer unserer Ordenswerke beim Spülen und beim Einräumen der Spülmaschine, haben Hand in Hand gearbeitet und sich über eine etwas komplizierte Idee unterhalten, in der es um den Bau eines Hospizes für Obdachlose geht.
    So als würden sie nie etwas besseres gemacht haben: bei einem Fest den Spül übernehmen und ganz nebenbei an einer Idee spinnen, die Menschen, denen das Leben nicht gerade Rosen gestreut hat, ein wenig Würde und Geborgenheit am Ende ihres Lebens zu schenken. Wunderbar. Und am späteren Nachmittag ging die Party weiter, mit den Menschen von der Straße, denen unsere Mitschwester und ihre Nachfolgerinnen ihre Jahre und ihr Herzblut gewidmet haben.
    4 min
  • Hören wir einander zu!
    Hören wir einander zu!
    Der letzte Freitag war ein strahlend schöner Tag, was man sich nach gefühlt einer vollen Regenwoche gar nicht mehr vorstellen konnte. Am Abend nach der Vesper bin ich also mit meiner Mitschwester in unser Gärtchen auf der Mauer gegangen, um ein ganzes Stück umzuhacken, Unkraut zu jäten und mit Sommerblumen einzusäen. Direkt neben unserem Garten ist der Engelsturm, einer von noch zwei Wehrtürmen der Stadtmauer, die noch da sind. Dieses Areal um den Turm ist sehr beliebt bei Jugendlichen, die sich da treffen und sich unbeobachtet fühlen.
    Da stand also schon eine ganze Truppe Jungs, die natürlich nicht so toll fanden, dass wir da jetzt arbeiten wollten. So sind sie zwei, drei und auch vier Runden ums Karree gelaufen, immer in der Hoffnung, dass wir dann weg sind. Aber wir waren immer noch da. Und auf einmal, was noch nie passiert ist, kamen sie an den Zaun zu uns. Und einer, der Anführer der Truppe hat gefragt, ob sie denn mal was fragen dürften. Natürlich durften sie. Die Einstiegsfrage ging darum, was wir vom Kopftuchverbot hielten, wahrscheinlich, weil wir ja auch quasi Kopftücher tragen.
    Und nach dem ersten Geplänkel, um zu testen, wie wir so ticken, ging es dann um alles: um Gott und die Welt, um die Türkei und Deutschland, um den Konflikt in Israel und den Palästinensergebieten, um Hoheitsrechte eines Staates, um freie Religionsausübung und so weiter. Ich fand es ein tolles Gespräch und nebenbei, mal ich mal meine Mitschwester, haben wir weiter gehackt, gejätet, geharkt und dann auch die Sommerblumen eingesät.
    Nach mehr als einer Stunde intensiven Gesprächs haben sie sich verabschiedet. Sie sind Schüler des Berufskollegs und machen Wirtschaftsabitur, also schon kluge junge Leute. Man spürte schon sehr deutlich, wes Geistes Kinder sie waren und die Indoktrinierung aus dem Heimatland der Eltern war ziemlich stark. Aber am Ende haben wir alle, die Truppe junger Männer und wir beiden Schwestern, sehr gespürt, wie toll es ist, einander zuzuhören, Argumente auszutauschen, die jeweils andere Seite anzuschauen und auch die eigenen Festlegungen abzuklopfen. Es war belebend und wohltuend. Und kurz bevor sie die Treppe nach unten weggegangen sind, meinte quasi ihr Sprecher: „Wow, sie haben so nebenbei richtig was geschafft“. Ich habe mich gefreut und hoffe ein bisschen, dass er nicht nur das frisch eingesäte Blumenbeet meinte.
    4 min
  • Schauen wir auf das, was möglich ist
    Schauen wir auf das, was möglich ist
    Der Alltag hat uns wieder! Die Osterzeit ist mit Pfingsten endgültig vorbei, wir sind wieder im Jahreskreis. Was für kirchlich geprägte Menschen total sinnvoll klingt, dürfte für die meisten eher merkwürdig daherkommen. Ostern, das ist doch schon lange her. Und Pfingsten ist doch das lange Wochenende, an dem alle Kölner nach Holland ans Meer fahren. Und Alltag ist Alltag, der Rest Urlaub.
    Ja, man könnte jetzt jammern, dass viele Menschen nur noch wenig vom Glauben wissen. Ich frage mich da immer: woher kommt das? Zumindest in West-Deutschland gab und gibt es flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, es gab starke volkskirchliche Strukturen mit Gruppenstunde, Kommunionunterricht und vieles mehr. Trotzdem scheint über Jahrzehnte das Glaubenswissen dramatisch weniger geworden zu sein und vieles wie eben das besagte Kirchenjahr ist überhaupt nicht mehr selbstverständlich.
    Ich erlebe es regelmäßig, dass Katholikinnen und Katholiken viel von früher sprechen – früher war das Pfarrfest riesengroß, es gab drei Kapläne und über 100 Kommunionkinder. 
    Wat fott es, es fott - was weg ist, ist weg, sagt der Kölner, sagt die Kölnerin. Und da hilft jammern nun gar nicht. Sondern schauen wir lieber auf das, was möglich ist.
    Und da ist ein ganz wichtiger Schritt, dass man mit Menschen erstmal ins Gespräch kommt. Wenn jemand interessiert nach unserem Glauben fragt, dann ist das gar nicht so wenig wie es scheint. Wir können dann erzählen, warum uns der Glaube wichtig ist, wie uns Gott erfüllt, was Christsein für uns bedeutet.
    Klar, wenn wir an die vollen Kirchen früherer Zeiten denken, wirkt im Vergleich dazu ein solches Gespräch erstmal etwas dünn. Aber angesichts der Fülle der Möglichkeiten, die sich den Menschen heute bietet, ist so eine ernst gemeinte Frage zum christlichen Glauben gar nicht mal so schlecht.
    Vielleicht schauen wir in diesen Tagen, in denen wir wieder im kirchlichen Alltag sind, doch ein bisschen genauer auf die Dinge, die uns Hoffnung machen: für unseren Glauben, für unsere Kirche.
    3 min
  • Gratis, aber nicht umsonst
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Zuerst wünsche ich Ihnen und Euch ein gesegnetes Pfingstfest und das wir alle das stürmische Wehend des Geistes erhoffen, erbitten und erleben mögen.
    Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen so ist, gehen Sie an diesem Feiertag auf Tour? In meiner Heimat im Eichsfeld gibt es uralte Pfingstmontagstraditionen, die bis heute viele Menschen anlocken. Eine davon ist der Gottesdienst auf dem Bonifatiusbrink in Burgwalde. Die Legende sagt, dass Bonifatius bei seinen Missionsreisen durch Germanien, auch durchs Eichsfeld gekommen ist, und dort die Bevölkerung missioniert hat. Ein heidnischer Opferstein ist als Taufstein umgenutzt worden und bis heute ist in der Mulde des Steins immer Wasser zu finden. Und deshalb pilgern viele Menschen am Pfingstfest, das ja als Geburtstagsfest der Kirche bezeichnet wird, dorthin und feiert Gottesdienst und anschließend ein fröhliches Fest mit Musik, Tanz und gutem Essen.
    Wenn die Kirche also Pfingsten Geburtstag hat, haben wir Alle Geburtstag: denn die Kirche- das sind wir – die Getauften Christen. Als immer neues Geburtstagsgeschenk gibt es jedes Jahr die Zusage des Heiligen Geistes und ein Geburtstagspäckchen mit sieben Gaben: Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Ehrfurcht vor Gott. Mit diesen Gaben will Gottes Geist die Menschen aufmischen und ihnen Hilfe zum Leben geben. Packen wir also dieses Päckchen aus und nutzen wir die Gaben, die uns gratis aber nicht umsonst geschenkt werden.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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