Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Lesen wir täglich in der Bibel!
    Lesen wir täglich in der Bibel!
    Dieser Tage habe ich lange über einen Messenger-Dienst mit einer jungen Frau gechattet. Sie ist seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich mehr gibt als dieses normale Leben mit seinem Alltag und seine Dauerschleifen aus Schule, Studium, Arbeit, Party- und Musiksessions, wechselnden Freunden und weitläufigen Bekanntschaften. Und bei diesem Suchen ist sie im weltweiten Netz auf uns gekommen. Einen kleinen Konvent von Franziskanerin im Sauerland. Sie hat ganz vorsichtig gefragt, ob sie mal kommen könne. Sie sei aber weder getauft, noch habe sie irgendeinen Kontakt zu irgendeiner Kirche.
    Ich muss gestehen, dass mich solche Kontakte eher noch neugieriger machen, als ich ohnehin immer schon neugierig auf Menschen und ihre Geschichten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott auch seine Freude daran hat, die Neuen Medien zu nutzen, um bei den nach allem möglichen suchenden Usern anzukommen, ohne dass sie es ahnen. Ich bin gespannt. Und ich bitte in den Tagen, bevor diese junge Frau kommt oder auch andere Gäste, bitte ich immer viel um Heiligen Geist.
    Vom heiligen Hieronymus, den wir mit der Kirche heute feiern, sagt man, dass er eine solche Liebe zum Heiligen Geist und von ihm inspiriert zur Heiligen Schrift hatte, dass er darin immer mehr zu den Quellen des wahren Lebens gefunden hat, zum Dreifaltigen und darin einen Gott. Er gehört zu den großen Kirchenvätern der Antike. Seine Bibelübersetzung ist die bis heute gültige und meist verwendete. Und ganz oft denke ich:
    Wie sollten wir von Gott und von Jesus Christus wissen, wenn wir nicht jeden Tag in der Bibel lesen und dann versuchen, dieses Gelesene in unseren Alltag hineinzugeben? Und Menschen, die noch nie mit der Heiligen Schrift Kontakt hatten, sind immer wieder ganz erstaunt, dass ganz vieles, was darin steht, so genau ihre Situation beschreibt und ziemlich viele gute Tipps hat für das alltägliche Leben.
    Vielleicht ist es auch für Sie heute ein guter Tipp, wenn Sie es nicht schon ohnehin tun, jeden Tag morgens oder abends einen Abschnitt zu lesen und zu bedenken und mit der Bitte um den Heiligen Geist meinen Alltag da hineinzugeben.
    4 min
  • Erzengeltag: Gott heilt!
    Erzengeltag: Gott heilt!
    „Ach Dankeschön, Du bist ein Engel“, das bekommt man schonmal zu hören, wenn man etwas schnell erledigt, mitgebracht, oder man einen Wunsch erraten und erfüllt hat. Ein Engel ist bei vielen von uns eine Metapher für jemanden, der uns etwas Liebes oder Gutes tut.
    Mir selbst fällt an diesem Erzengeltag immer gerade ein ganz anderes Bild ein. Es ist eine moderne Installation in Dresden. Es zeigt die beiden Engel, die eigentlich von Raffael zu Füßen der sixtinischen Madonna gemalt worden sind als Lichtinstallation auf dem Semperbau. Und davon hat sich ein anderer inspirieren lassen und ein Video gedreht, in dem die Engel durch Sachsen fliegen.
    Auf ihrer Reise sollen die Engel die Botschaften und Werte in die Welt tragen, die allen Menschen in diesen Zeiten besonders wichtig sind: Liebe, Hoffnung, Mut, Glaube, Zuversicht, Zusammenhalt, Solidarität. Beim Flug der Engel um das Denkmal von Karl Marx in Chemnitz kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und genauso bei den beiden Kindern, die am Balkongitter stehen und fast genauso aussehen wie die beiden Lausbubenengel, die da leuchtend angeschwebt kommen.
    Eine nette Spielerei, aber eine ernste Botschaft: Gottes Boten sind in die Welt gesandt, um uns zu fragen: Wer ist wie Gott? Und zuzusagen: Meine Kraft ist Gott und Gott heilt!
    Und mit diesen Fragen und Zusagen können wir dieses Erzengelfest heute feiern und auf Gottes Kraft und Allmacht und seine heilende Gegenwart vertrauen.
    Glaube, Hoffnung, Liebe, Mut und Zusammenhalt, Zuversicht und Solidarität brauchen wir Menschen heute wie zu allen Zeiten. Und ich glaube auch, dass Gott uns sendet, um Menschen dieses Vertrauen in seine Kraft zu geben.
    3 min
  • Ohne die tatkräftigen Frauen wäre die Kirche verloren!
    Ohne die tatkräftigen Frauen wäre die Kirche verloren!
    Ich weiß nicht, ob sie es gesehen haben. Gestern ging ein Foto durch alle Medien, dass mehr gesagt hat als eine Million Worte. Dieses Foto war herausgegeben worden durch die Pressestelle der Bischofskonferenz. Es zeigt die 69 deutschen katholischen Bischöfe und Weihbischöfe in ihren schwarzen Anzügen in Fulda auf der linken Seite der Kirche in den Bänken sitzen. Und auf der rechten Seite eine einzige Frau in einer leuchtend grünen Jacke. Beate Gilles, die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Nach ein paar Stunden und vernichtenden Kommentaren wurde das Foto gelöscht. Aber eigentlich zu Unrecht. Denn das Foto zeigt unter den vielen, oft wenig bekannten und auch nicht sehr Wort -oder wirkkräftigen älteren Herren eine jüngere tatkräftige Frau.
    Eine der vielen starken Frauen in unserer Kirche wird heute gefeiert, die die Art und Weise des Kirchewerdens im 8. Jahrhundert im Frankenreich, also im heutigen mittleren und südlichen Deutschland, sehr geprägt hat - die heilige Lioba.
    Sie wird in Wessex in England um 705 geboren und einer der Verwandten der Familie ist der spätere Bonifatius, der Apostel der Deutschen. Die Eltern des kleinen Mädchens sind so glücklich über dieses einzige Kind, dass sie es Gott weihen und mit 15 Jahren zur Bildung und Erziehung in ein Benediktinerinnenkloster geben. Um 735 folgte Lioba der Bitte des Bonifatius um ihr Mitwirken; er hoffte, mit den gebildeten angelsächsischen Ordensfrauen sein Missionswerk zu verbessern. Er begann, um Würzburg und in Thüringen Frauenklöster einzurichten, einen Vorposten bildete das Kloster Tauberbischofsheim. Bonifatius berief Lioba zur Äbtissin dieses Klosters und als Leiterin der übrigen von ihm gestifteten Klöster. Besonders widmete sie sich dann der Erziehung von Frauen und Töchtern des Adels. Auch Lioba selber gründete in den folgenden Jahren mehrere Klöster. In Tauberbischofsheim richtete sie eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für die neu gegründeten Klöster seine Ausbildung erhielt.
    Lioba also, eine kluge und weitsichtige Frau, die Planen und Bauen, Gründen und Lehren, mit Beten und Singen, mit Lesen und Leben aus dem Evangelium verbunden hat. Sie hat ein Werk geschaffen, das bis heute gültig ist: Mädchen und Frauen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen, das umliegende Land zu kultivieren und im Kontakt zu den Herrschern ihrer Zeit als besonders gütig zu dem Armen bekannt zu sein. Sie hat große Klöster gegründet und geleitet und hat in der Kirche ihrer Zeit eine hoch angesehene Stellung. Der heilige Bonifatius hat erkannt, dass nur Frauen und Männer zusammen diese Kirche gestalten und glaubwürdig das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen können.
    Also ist es eher eine gute Idee, dieses Foto mit Frau Gilles zu liken und zu teilen und auf die vielen tatkräftigen Frauen zu verweisen, ohne die unsere Kirche längst verloren wäre.
    5 min
  • Hören wir auf Gott in der Stille!
    Hören wir auf Gott in der Stille!
    In einem Workshop am vergangenen Samstag, in dem es um das Leben und das Beten eines Eremiten ging, hatte er einen sehr eindrücklichen Vergleich gewählt. Er hatte eine dieser schönen Schalen auf einem Kissen und hat sie dreimal angeschlagen. Es kam ein wunderbarer Wohlklang, und wir konnten mehr als zwei Minuten ganz ruhig dasitzen und dem Klang nachhören. Und dann hat der Eremit diesen Klang beispielhaft als den Klang Gottes bezeichnet. Und dass er es als seine Aufgabe sieht, diesen Klang Gottes in seinem alltäglichen Dasein zu vernehmen und auch für die Mitmenschen deutlich zu machen. So weit, so gut. Eine nette Idee. Und dann?
    Dann hat er nach und nach Dinge in der Klangschale abgelegt, die er so in den Taschen hatte: das Smartphone, eine kleine Handvoll Kleingeld, einen kleinen Notizblock, zwei Stifte - alles Dinge, die so mit seinem und auch oft mit meinem Alltagskram zu tun haben. Und dann? Dann hat er die Klangschale wieder mit dem Klöppel angeschlagen und es kam nur ein blecherner, dumpfer, extrem kurzer "Plopp". Er konnte anschlagen, wo und wie lange er wollte. Vom göttlichen Wohlklang war nichts zu hören. Erst als der Alltagskram wieder aus der Schale herausgenommen war, konnte der wunderbare Klang wieder erzeugt werden.
    Nein, nein, keine Angst, wir müssen schon unseren Alltag regeln, unsere Arbeit machen und alles klar kriegen, was so mit dem normalen Leben hier in Deutschland zu tun hat. Aber manchmal zwischendurch, jetzt am Morgen oder in der Mittagspause oder am Abend tut es gut, alles zur Seite zu legen, was uns beschäftigt und die Klangschale unserer Seele anzuschlagen, damit sie den Ton Gottes aufnehmen kann und Leib und Geist und Seele guttut. Gönnen Sie sich das ab und zu oder auch jeden Tag, damit Sie nicht im Alltagskram überbordend beschäftigt und zugedröhnt werden, sondern ganz leicht und klar den göttlichen Wohlklang der Stille wieder vernehmen.
    4 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens
    Dieser Tage hat mich eine Anfrage einer Universität erreicht. Es ging um eine Umfrage zu staunendem Innehalten in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Neugierig geworden habe ich mir die Online-Umfrage angeschaut und sie gern ausgefüllt. Es ging also darum, wie oft ich Gefühle großer Dankbarkeit erlebe, ich staunende Ehrfurcht erfahre oder ich stehen bleibe und gebannt die Schönheit eines Augenblicks in der Natur genieße.
    Und: Ich halte kurz an und dann fällt mir vieles ein, wofür ich wirklich dankbar bin. Ich brauchte bei diesen Fragen nicht lange zu überlegen und konnte in den Kästchen oft oder sehr oft ankreuzen. Und seitdem merke ich, dass ich manchmal mitten am Tag von meiner Arbeit aufschaue oder mitten im Tun anhalte und mir etwas auffällt, woran ich sonst nicht so häufig denke: Oh, ist diese Musik, die ich gerade höre, wundervoll, wie bunt die Bäume mittlerweile sind und von der Sonne zum Leuchten gebracht werden. Wie dankbar kann ich sein, weil ich gesund und munter bin, Mitmenschen habe, die mit mir leben, ein Dach über dem Kopf und alles, was ich zum Leben brauche und noch vieles mehr.
    Es gibt immer Gründe, die Schwierigkeiten des Lebens mehr zu sehen und den täglichen Sorgen viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Aber es tut Leib und Seele gut, wenn wir gelegentlich aufschauen und aufatmen und uns kurz dem Erstaunen und der Dankbarkeit widmen.
    "Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens" hat Jean-Baptiste Massillon gesagt – und ich finde, es ist eine wunderbare Erklärung. Ehrfurcht, Erstaunen und Dankbarkeit werden dem Herzen zugeschrieben und es tut gut, sich immer neu an alles zu erinnern, was im Herzen aufbewahrt ist.
    Eine gute Übung dazu ist es, sich am Abend kurz Zeit zu nehmen und sich zu fragen, wofür ich heute dankbar sein kann und ob ich drei Dinge finde, die mich dankbar werden lassen.
    Und dann spüren Sie, dass Sie immer etwas finden werden, wenn sie den Blick für die kleinen und schönen Dinge des Tages geschärft haben.
    3 min
  • Schmücke mein Herz mit deiner Gegenwart
    Schmücke mein Herz mit deiner Gegenwart
    Ich möchte mit Ihnen diesen Morgen mit einem Gebet von Papst Johannes XXIII. beginnen. Er betet:
    „Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich.
    Du bist der Gast, den ich erwarte, der Freund, der bei mir bleiben soll.
    Dir, dem ein Palast gebührt, habe ich nur eine ärmliche Hütte anzubieten.
    Ich schmücke mein Herz mit Sehnsucht und Verlangen.
    Dann wird der Glanz des Himmels, meine Wohnung erhellen.
    Mein Haus – die Kathedrale, mein Herz – der Tabernakel.
    Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!“
    Ich kann den Tag sehr verschieden anfangen, mit einem Blick auf das Kreuz und einem Kreuzzeichen. Mit den Gedanken an alles, was heute auf mich zukommt, und dann mit der Bitte an Gott, mir bei allem, was da kommt, zur Seite zu stehen. Mit allen Sorgen und Nöten, die mich schon wieder überfallen, oder wie in diesen Zeilen von Johannes XXIII. mit der Bitte an Gott, in mir zu wohnen. Gast in meinem Herzen zu sein und somit alles ein wenig heller zu machen.
    Sorgen und Nöte werden damit nicht automatisch kleiner. Aber da ist einer, der es mit mir durchsteht. Freude und Zuversicht werden größer, weil es sich verdoppelt, wenn ich es mit ihm teile. Und die Helligkeit, die mir von Gottes Nähe kommt, strahlt nach außen aus und bringt vielleicht einem Mitmenschen ein bisschen mehr Licht in sein Leben. Und die Sehnsucht und das Verlangen nach Gott und seiner Nähe macht mich unabhängiger davon, dass ich selbst alles allein leisten muss. Denn er steht mir zur Seite.
    Also bitte ich gern: „Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!“
    3 min
  • Ein Puzzle ohne Rahmen
    Ein Puzzle ohne Rahmen
    Mögen Sie puzzeln? Ich kann es nicht besonders gut, gebe ich zu, aber ich liebe es, wenn man nach und nach zu sehen, wie ein schönes Bild entsteht. Meine erste Aufgabe ist natürlich immer, die ganzen Randteile herauszusuchen und den Rand zusammenzustecken. Dann hat man einen Rahmen für die ganze Arbeit, sieht die Größe des Bildes und kann schon ungefähr abschätzen, wo welcher Abschnitt des Bildes hinkommt.
    Bei der Muggelkirmes am Sonntag habe ich ein richtig schönes Puzzle entdeckt und für eine Spende erworben. Es war gut verklebt und schon am Abend haben wir begonnen, es zusammen zu sortieren. Aber dann, das gibt's doch gar nicht, es war nicht ein einziges Randteil in dem Kasten. Was ist das denn? Hat sich da jemand einen Scherz erlaubt und alle Randteile zu Hause aussortiert und weggeworfen? Wir wissen es wirklich nicht. Aber jetzt hat uns der Ehrgeiz gepackt. Also gut, dann ohne Rand, ohne Begrenzung, ohne Markierung, was wo irgendwie passt. Wir haben ja immerhin das Foto auf dem Karton. Mal sehen.
    Ein bisschen ist es wie im realen Leben. Irgendwie weiß man, wo Grenzen sind, wie der Rahmen aussieht, wie ich mich wo verhalten sollte, was ich wann zu tun habe und was ich auf keinen Fall machen sollte. Das ist grundgelegt durch die Erziehung zu Hause, die Bildung in Schule und Universität, den Glauben an Gott und die zehn Gebote, die Verfassung des Landes, in dem ich lebe und so weiter.
    "Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet". Dieses Zitat aus den französischen Bürgerrechten von 1789 hat mir immer gefallen, weil es genau das sagt. Ich kann tun, was ich will, solange es einem anderen nicht schadet, solange ich seine Grenzen akzeptiere.
    Wahrscheinlich ist es heute klug noch einzufügen: solange ich auch mir selber nicht schade, meiner Umwelt und allen, die mit mir auf diesem Planeten leben. Und da wird mir klar, dass ich die Grenzen meines Lebens überhaupt nicht eng ziehen darf, da ich mit den Milliarden Menschen auf diesem Planeten lebe und die Taten jedes Einzelnen Auswirkungen auf das gesamte Leben auf dem Erdball hat. Hmm... also ein Puzzle ohne Rahmen und die Idee, die Grenzen weit auszudehnen, damit wir zusammen leben können auf dieser einen Welt.
    4 min
  • Komm, folge mir nach!
    Komm, folge mir nach!
    Es gibt so Jobs, die sind nicht sehr angesehen: Müllmänner, Straßenreiniger, Putzfrauen, Servicekräfte und noch viele andere. Man braucht sie sehr, aber man schreibt ihnen nicht unbedingt positive Fähigkeiten und Eigenschaften zu. Zur Zeit Jesu in Palästina waren es die Zollpächter. Sie hatten quasi einen Job bei der Besatzungsmacht und trieben für sie Steuern und Zölle ein. Wahrscheinlich waren sie relativ gebildet und kannten sich mit Rechnungstellung und Rechtschreibung aus. Damit sie besser leben konnten, sagte man ihnen wahrscheinlich nicht zu Unrecht nach, dass sie immer wieder betrogen haben, in ihre eigene Tasche gewirtschaftet und in kriminelle Machenschaften verwickelt waren. Von der dortigen Bevölkerung wurden sie gemieden und geächtet, oder für eigene Machenschaften genutzt. Und mitten hinein in seine gut gehenden Geschäfte kommt Jesus, sieht Matthäus da sitzen und sagt zu ihm: „Komm, folge mir nach“. Und im Evangelium steht dann der lapidare Satz: und er stand auf und folgte ihm. Wir können uns das Drama um diese kurze Szene gar nicht genug ausmalen: So einen beruft der Meister? Ausgerechnet den? Wie kann man nur? Und dann später, als Jesus auch noch mit ganz vielen Zöllnern und Sündern zusammen sitzt und isst und seinen Kritikern sagt: "Ich bin nicht gekommen, die zu berufen, die ihr für die Richtigen haltet, sondern ich bin gekommen, um Sünder zu berufen, damit ihr lernt, was Barmherzigkeit wirklich bedeutet".
    Das hat gesessen: damals und heute auch. Nicht die High Society in Kirche und Gesellschaft ist die Maßgebende für Jesus, sondern die, die sich selbst für viel zu klein, viel zu unbedeutend, mit viel zu wenig gesehenen Berufen und Fähigkeiten sehen, die genau wissen, was sie schon so alles verbockt haben. „Komm, folge mir nach!“, hören wir und gehören zu denen, denen Jesus mehr zutraut, weil er Barmherzigkeit und Vergebung nicht nur predigt, sondern auch lebt.
    Im Epheserbrief heute heißt es sehr erhaben: Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Lasst uns doch einfach so leben.
    4 min
  • Miteinander und füreinander
    Miteinander und füreinander
    Am Sonntag waren hier in Olpe die Muggel los. Nein, nein, keine Angst. Es ging nicht um Harry Potter und die, die nicht zaubern können. Muggel sind hier in Olpe die kleinen bunten Plastiksteinchen, die an diesem einzigen Sonntag im Jahr als Währung dienen. Die Pfarrei hat mit der Muggel Kirmes die 49. Auflage ihres ganz speziellen Kirchweih Festes gefeiert. Ein junger Kaplan hatte vor fast 50 Jahren die Idee, diese Währung einzuführen und ein Fest zu gestalten von Kindern für Kinder in der einen Welt.
    Fast 500 Helfende bereiten ein riesiges Fest in der Olper Innenstadt vor und es gibt fast 90 Spielstände, bei denen Kinder für ihre Altersgenossen alte und neue Spiele anbieten, die für 2 bis 3 Muggel, also höchstens 0,60 €, gespielt werden können. Dann zwei Bühnen mit Musik und Show, viele Stände mit gutem Essen und Getränken, Schnäppchen und Bücherantiquariate, Losbuden und Schätzübungen. Nach dem Festhochamt mit 50 bunten Luftballons für die 50 Jahre Priestersein von Pater Hugo Scheer, der seit Jahrzehnten in Brasilien für die Armen arbeitet und von Olpe unterstützt wird, war es noch recht trocken und für ein Platzkonzert mit Mittagsimbiss geeignet.
    Aber um 14:00 Uhr, als die bunte Kirmes eröffnet wurde, kam ein gewaltiger Platzregen herunter und alle Verantwortlichen haben befürchtet, dass die Leute jetzt nach Hause gehen würden. Aber das ist tatsächlich nicht passiert. Manche sind für einige Zeit in die Kirche gegangen, um sich aufzuwärmen und ein bisschen auszuruhen. Aber alle sind geblieben und haben sich nicht stören lassen in ihrer Festfreude. Weil es unentwegt weiter geregnet hat, sollte um 16:00 Schluss gemacht werden. Aber auch das ging nicht. Die vielen Menschen mit ihren vielen Kindern sind einfach geblieben, haben gespielt, getanzt, getrunken, gegessen, gekauft und Lose gezogen und haben zu einem Ereignis beigetragen, das so unglaublich wertvoll ist.
    Sie haben ein gemeinsames Fest gefeiert, miteinander und füreinander. Im Engagement für die Menschen in Brasilien und Südafrika, um die zu unterstützen, denen es entschieden schlechter geht als uns. Ein beeindruckendes und wunderschönes Statement für ein gelebtes Christsein heute.
    4 min
  • Gott weiß, wer ich bin!
    Gott weiß, wer ich bin!
    Am Freitagvormittag war ich in einem unserer Supermärkte zum Einkaufen. Als ich alles zusammen hatte, bin ich an die Kasse gegangen, habe alles aufs Band gelegt und als ich dran war, hat die Kassiererin gesagt: „Bitte die Dame, zeigen Sie noch ihren Korb“, das hab ich gemacht und dann kam: „Bitte die Dame, legen sie die Karte hier auf“, „Bitte die Dame, geben sie die Geheimzahl ein“, „Danke die Dame, hier ihr Beleg“. Ich habe mich ganz irritiert umgedreht, weil ich nicht so genau wusste, ob sie wirklich mich meint. Es war so komisch abweisend und kalt und wie von einer Computerstimme. Noch nie in den letzten Jahren hat jemand „die Dame“ zu mir gesagt und ich war etwas verwirrt wegen dieser Anrede, und erst dann ein bisschen amüsiert. Ein alter Herr neben mir hat dann den Bann gebrochen und gesagt: „Machen Sie sich nichts draus. Ich weiß, dass sie Schwester Katharina sind und der liebe Gott weiß es auch. Das ist genug.“
    Alle ringsum haben gelacht und dann habe ich meinen Einkauf zusammengepackt und bin zum Ausgang gegangen. Ich musste schmunzeln über diese ganze Szene und über dir Rettung durch den alten Herrn, den ich aus den morgendlichen Eucharistiefeiern in der Martinuskirche kenne, aber auch seinen Namen nicht weiß. Und ich habe mir fest vorgenommen, jetzt öfter mein Gegenüber beim Gespräch nach dem Namen zu fragen, weil es einfach schöner, freundlicher, persönlicher ist, den Namen zu nennen und dem anderen zu zeigen, dass ich sie oder ihn kenne. Wir sind halt keine Nummern, keine Er/Sie/Es oder m/w/d oder "Eine Dame".
    Im Buch Jesaja gibt es diese wunderschöne Stelle in der es heißt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, / du gehörst mir.“ Der alte Herr hat recht: Der liebe Gott weiß, wie ich heiße und wer ich bin und das ist einfach toll und gibt mir einen Superstart in diese neue Woche.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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