Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Simon und Judas – Gesandte ihres Herrn
    Simon und Judas – Gesandte ihres Herrn
    Im Lukasevangelium gibt es eine Stelle in der heute berichtet wird, dass Jesus eine ganze Nacht im Gebet verbringt, um am nächsten Tag seine Jünger zusammen zu rufen. Er bespricht mit seinem Vater im Himmel, wie seine Gefolgschaft aussehen soll und wie es weitergehen soll mit der Ausbreitung seiner Botschaft vom liebenden Gott. Am nächsten Tag wählt er sich aus ihnen seine zwölf engsten Freunde, Berater, Begleiter, Verkünder aus. Und diese Zwölf könnten unterschiedlicher nicht sein: der impulsive Petrus, der stillere Johannes, die Donnersöhne und so weiter.  Allein die beiden, an die heute gedacht wird, Simon und Judas Thaddäus, sind wenig genannt und treten kaum in Erscheinung.
    Aber sie gehören zu denen, die sich Jesus in seinen engsten Kreis geholt hat. Vielleicht wird an ihnen deutlich, dass es nicht um sie gehen soll, sondern um Jesus. Dass nicht die Boten, die Überbringer der Botschaft im Vordergrund stehen sollen, sondern die Botschaft selbst und der, der sie ausgeschickt hat.
    Ich kennen so viele Menschen, die unglaublich viel Engagement in ganz vielfältigen Dingen in Kirche und Gesellschaft zeigen und vieles Voranbringen, was durch hauptamtliche Kirchenleute immer wieder vertagt und nicht entschieden wird. Und die meisten dieser Engagierten werden von sich echt nicht behaupten, Visionäre zu sein, die an erster Stelle stehen, sondern eher gern an zweiter Stelle und dann das tun, was andere liegenlassen oder sich nicht anzupacken trauen, weil es heiße Eisen und neue Dinge sind, die sich entwickeln und wo man noch nicht genau weiß, wo es hingehen wird.
    Aber wahrscheinlich ist das der Punkt: Viele Menschen sind wie Simon und Judas Gesandte ihres Herrn und tun das, was ER ihnen aufträgt, was andere liegenlassen, was andere sich nicht trauen. Und dadurch, und genau durch sie, wird das Evangelium verkündet, Jesus und seine Botschaft für die Menschen in den normalen, einfachen Dingen vorangebracht und ohne Gedöns, wie man in Köln sagt, die Kirche aufgebaut.
    4 min
  • Was ist uns gemeinsames Gebet wert?
    Was ist uns gemeinsames Gebet wert?
    Kennen Sie Nowa Huta? Das ist heute ein Stadtteil von Krakau in Polen. Dieser Stadtteil wurde 1947 von der kommunistischen Regierung in Warschau geplant als Trabantenstadt rund um ein Stahlwerk, "Die Neue Hütte". Es wurden neue Wohnblocks, Schulen, Geschäfte, Theater und andere Kultureinrichtungen gebaut, aber keine Kirche. Es sollte eine Stadt ohne Gott werden. Man wollte den Glauben aus den Herzen der Menschen reißen und hier ein Exempel statuieren gegen den Glauben und die Kirche, gegen Gott.
    Es hat aber nicht lange gedauert, da haben die Menschen dort gespürt, dass das nicht geht. Menschen aus ganz Polen, die im festen Glauben an Gott aufgewachsen sind, haben zunächst eine gewisse Freiheit verspürt, wie es junge Leute tun, wenn sie von zuhause ausziehen und erstmal nicht mehr zur Kirche gehen. Aber dann haben die Menschen in Nova Huta ein Kreuz auf einem Platz errichtet und sich dort zum Gebet getroffen. Tausende Menschen, bei jedem Wetter, jeden Sonntag. Und die Kommunisten sahen ihr Projekt bedroht und haben Leute geschickt, das Kreuz abzureißen. Und es wurde neu errichtet, und wieder eingerissen immer weiter. Und irgendwann wurde das Gelände doch vom Staat freigegeben und eine Baugenehmigung erteilt. Aber niemand durfte für die Kirche Material, Beton, Stahl, Holz liefern. Und jeden Tag wurden auf der Baustelle Gottesdienste gefeiert, frühmorgens und abends. Und immer im Freien bei Schnee, Eis, Kälte, Regen und Hitze. Die Grundsteinlegung 1967 wird mit mehr als 50.000 Menschen gefeiert. Und erst mit der Hilfe der Katholiken aus den umliegenden Ländern, die unglaubliche Spenden geleistet haben, konnten Material und Maschinen gekauft werden. Die Leute von Nova Huta haben ihre Kirche quasi mit ihren eigenen Händen gebaut und jahrelang nach ihrer eigenen Schicht auf dem Bau oder im Stahlwerk abends und nachts an der Kirche gebaut. Die Kirche wurde als Arche gebaut. Eine rettende Arche über dem roten Meer der kommunistischen Stadt, so hat es der damalige Pfarrer beschrieben. 1977 wird sie vom damaligen Kardinal Woytyla eingeweiht und ist bis heute ein Symbol für den Kampf der Glaubenden um die Ausübung ihres Glaubens gegen Unterdrückung und Unfreiheit. Mittlerweile gibt es in Nova Huta mehr als 15 Kirchen. Advents- und Weihnachtsgottesdienste im Freien in klirrender Kälte mit zehntausenden Menschen über viele Jahre, das hat mich mehr als beeindruckt. Weil für die Menschen der Glaube an Gott und die Feier der Eucharistie jedes eigene Opfer mehr als wert war.
    Mir fiel diese Geschichte ein, als es in den letzten Wochen wegen der Energiekrise um das Heizen der Kirchen hier bei uns im Land ging. Was ist uns gemeinsames Gebet und die Feier der Eucharistie wert, wenn ich nur einen Mantel, und vielleicht einen Schal anziehen muss und meinen Glauben nicht über Jahrzehnte gegen ein glaubensfeindliches Regime zu verteidigen habe?
    5 min
  • Ein Sturm im Wasserglas
    Ein Sturm im Wasserglas
    Oh es gab Aufregung hier im Olpebachtal am Biggesee. "Jetzt wollen die da oben uns unsere schöne Vorweihnachtszeit wegnehmen", "Nach und nach werden sie uns alles verbieten, was uns unsere Traditionen bedeuten", "Jetzt muss man aber was unternehmen, sonst machen sie bald alles kaputt, was wir über Jahrhunderte aufgebaut haben" Es war echt arg und die Kommentare auf Social Media waren haarsträubend.
    Aber was war eigentlich passiert? Ganz einfach: Um Energie zu sparen, werden zwei Weihnachtsbäume weniger in der Innenstadt aufgestellt und beleuchtet und die noch nicht auf LED-Lampen umgerüsteten Lichterbögen über den Innenstadtstraßen, in diesem Advent nicht angebracht und erst für nächstes Jahr umgerüstet und fit gemacht. Also eigentlich Sturm im Wasserglas. Aber ganz so einfach ist es nicht. Niemand will die schöne Vorweihnachtszeit wegnehmen.
    Interessanterweise ist der Begriff der Vorweihnachtszeit eine Erfindung der Supermärkte und eine kluge Verkaufsstrategie. Die Zeit vor Weihnachten begehen Christen als Advent, als Zeit der Erwartung des kommenden Christus. Und da geht es mit Licht echt sparsam zu: ein Licht, dann zwei, dann drei dann vier. Manchmal tut es gut, solche im wahrsten Sinn des Wortes aufgeheizten Debatten mit etwas Abstand und Nüchternheit zu betrachten. Der Beleuchtungswahn an Häusern und in Verkaufspassagen ist keine alte Tradition, die über Jahrhunderte aufgebaut worden ist – aber viele Menschen mögen es eben sehr, wenn in der kalten und dunklen Jahreszeit festliche Beleuchtung die Abende in der Stadt schöner macht und ein wohliges, vorfreudiges Gefühl erzeugt wird.
    Ich glaube, niemand will Traditionen verbieten, aber es ist eine gute Idee, sich auf echte Traditionen zu besinnen und nochmal zu schauen, was Weihnachten eigentlich für ein Fest ist. Und wenn mir dann bewusst wird dass da eine Familie durch die Willkür eines Kaisers durchs Land getrieben wird, in der Fremde keine Unterkunft findet und ihr Kind in einem Stall zu Welt kommt, dann wird der Verlust von etwas weniger Vorweihnachtsbeleuchtung sehr relativ. Und wenn uns dann klarer wird, dass knapp 2000 Kilometer entfernt Menschen in Krieg, Zerstörung, Kälte und Hunger existieren müssen, dann bin ich dankbar, dass wir Energie, Heizung, Wasser und Lebensmittel haben.
    "Jammern macht gesellig - hilft aber niemandem" hat der scheidende Erzbischof Becker am Sonntag in Paderborn gesagt. Also in Geselligkeit ein bisschen jammern, glühweinselig übern Weihnachtsmarkt schlendern und dann denen helfen, die in wirklich existenzieller Not sind – egal ob hier oder in den Kriegs -und Krisengebieten der Welt. Die ganze Aufregung war also genau rechtzeitig um nochmal ins Grübeln zu kommen, ins dankbar sein und ins helfen wollen. Echt adventlich.
    4 min
  • Bewahren wir uns das Vertrauen auf Gott!
    Bewahren wir uns das Vertrauen auf Gott!
    In unserer Ordensgemeinschaft gibt es die schöne Tradition, nach dem Tod einer Mitschwester, einen sogenannten Totenbrief zu schreiben und damit die Konvente in nah und fern und die Angehörigen zu informieren. Als ich gestern den Totenbrief schreiben wollte, fiel mir der Geburtsort auf: Schlochau. Ich habe erstmal im Internet geschaut und habe mich echt festgelesen. Ich konnte da preußische, deutsche, polnische Geschichte lesen in seinen unendlichen Wirrungen über die Jahrhunderte hin.
    Von der ersten polnischen Teilung 1772 und preußischer Herrschaft, der Vereinigung von Ostpreußen und Westpreußen, dem Eintritt in den Norddeutschen Bund 1867, Abtretungen an Polen nach dem ersten Weltkrieg, diverse Umbenennungen und Umstrukturierungen bis 1939, dann 1945, als Folge des zweiten Weltkrieges, Besetzung durch die Rote Armee und auf Beschluss der Potsdamer Konferenz unter polnische Verwaltung gestellt. Durch die Flucht der polnisch-stämmigen Bevölkerung aus dem Osten wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. So auch die Familie mit der damals 18jährigen späteren Mitschwester.
    In Thüringen angekommen, hat sie in Heiligenstadt Krankenpflege gelernt, hat Olper Franziskanerinnen kennengelernt und ist 1954 in Olpe eingetreten. Wenn ich bedenke, dass sie als Kind nur 12 Jahre in Frieden gelebt hat, dann den grausamen Krieg 6 Jahre überstanden, aber statt Neuaufbau und Neubeginn in der Heimat, Flucht und Vertreibung erlitten hat, dann bin ich unglaublich beeindruckt von dieser Lebensgeschichte. Wer sie später kennengelernt hat, hat eine bescheidene, für sich selbst genügsame, heiter fröhliche Schwester erlebt, die ihr ganzes Arbeitsleben als leitende OP-Schwester im Dienst an den Kranken gelebt hat, sich um die Ehrenamtlichen im Krankenhaus, die Ärzte und MitarbeierInnen gekümmert und den Konvent der Mitschwestern sehr geschätzt hat.
    Sie hat gern Theater gespielt und Feste und Feiern organisiert. Wir denken manchmal, dass unsere jetzigen Zeiten schwierig, kompliziert und anstrengend sind. Das sind sie auch. Aber es gab schon immer diese schwierigen Zeiten und darin Menschen, die trotz, oder wegen ihrer so schrecklichen Erfahrungen, liebenswürdig und zugewandt waren und ihr Leben lang Gott und den Menschen gedient haben.
    Ein Wort unsere Gründerin, der Seligen Mutter Maria Theresia Bonzel passt deshalb zu unserer Mitschwester und könnte vielleicht auch für manche von uns ein gutes Motto sein. Sie hat in einem Brief geschrieben: "Bewahrt zu allen Zeiten Vertrauen in Gott und ein fröhliches Herz!"
    4 min
  • Manchmal ist Nächstenliebe einfach!
    Manchmal ist Nächstenliebe einfach!
    Vor ein paar Tagen ploppte eine Nachricht auf meinem Smartphone auf mit zwei Fotos: ein rechter und ein linker Daumen, geschient, dick geschwollen und irgendwie nicht sonderlich gutaussehend.
    Auf meine Nachfrage kam ein: der eine gebrochen der andere geprellt. Oh, je habe ich gedacht, ohne die Nutzung der Daumen kann man doch gar nichts machen?
    Also habe ich angerufen und es war ein sehr nettes Gespräch über Arbeitsunfälle trotz aller Vorsicht, über nette Kollegen und sehr hilfsbereite Mitmenschen, über die Nutzung und Wirkung von Schmerzmitteln, über die scherzhafte Botschaft des Arztes in der Notaufnahme, dass nur ein Daumen gebrochen, der andere schwer geprellt sei aber, dass er jetzt 6 Wochen nicht arbeiten könnte, über die Unmöglichkeit, ohne Daumennutzung ein Feuerzeug zu benutzen, aber doch tatsächlich Gemüse zu schneiden,  und die Idee, wenn man ja jetzt nicht putzen kann, einen Putz und Wischroboter anzuschaffen.
    Es war eine wirklich liebevolle Plauderei und schnell war eine halbe Stunde vergangen und ein aufatmen an der anderen Seite des Telefons deutlich zu hören. "Dankeschön für Deinen Anruf, jetzt geht es mir ein bisschen besser."
    Manchmal ist Nächstenliebe so einfach. Schnell zum Telefon greifen und anrufen, sich Zeit nehmen und erzählen lassen, in diesem Fall den Unfall aufzuarbeiten und die Einzelheiten nochmal zu besprechen. Dem Nächsten zum Aufatmen verhelfen, ein wenig Deiner Zeit zu schenken und ein offenes Ohr für die kleineren und größeren Nöte zu haben, scheint oft so wenig und ist doch so viel.
    "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ist die Aufforderung im göttlichen Gebot und gerade in den zweieinhalb Coronajahren haben wir doch sehr gespürt, dass wir neue und andere Wege der Begegnung nutzen müssen, wenn die direkte Nähe nicht geht.
    Der Heilige des heutigen Tages, Antonius Maria Claret, hatte ein einziges Motto über sein arbeitsreiches missionarisches Leben im Dienste der Menschen genannt: "Die Liebe Christi drängt uns" Weil Christus uns liebt, können auch wir unsere Mitmenschen lieben. Es klingt einfach. Ist es oft auch!
    3 min
  • Glaubensstärke als Mutmacher
    Glaubensstärke als Mutmacher
    Haben Sie schon einmal die "Goldene Kammer" besucht? Ja, die gibt es tatsächlich in Köln, in der St. Ursulakirche, die zu den markantesten Kirchen der so kirchenreichen Stadt gehört. Ja klar, könnte man denken: sie ist schließlich der Stadtpatronin der Heiligen Ursula geweiht und ihren 11 oder 11-hundert oder 11-tausend Gefährtinnen.
    Eine Vorgängerkirche ist schon aus dem 4. Jahrhundert nach Christus bewiesen. Das hier in Köln in dieser Kammer die Wände mit tausenden Knochen und Knöchelchen, mit unzähligen Reliquienbüsten verziert sind, ist für uns Heutige schon ziemlich makaber.
    Aber zur Bauzeit der Kirche und der barocken Gestaltung der Kammer war es absolut üblich, auf diese Weise die für Christus gestorbenen Märtyrerinnen zu verehren. Ursula und ihre Gefährtinnen wurden bei ihrer Rückkehr von ihrer Pilgerfahrt aus Rom vor den Toren der Stadt von den Hunnen ermordet. "Mit seligen Gesichtern und zuversichtlich auf ein Leben im Himmel bauend sahen sie dem Tod entgegen", so die Überlieferung. Dies ging als "Kölner Lächeln" in die Kirchengeschichte ein. Und so gibt es in der goldenen Kammer viele dieser typischen Ursulabüsten mit diesem seligen Kölner Lächeln.
    In der Festwoche, die in diesem Jahr wieder etwas größer gefeiert werden kann, gibt es Festgottesdienste, Konzerte und eine kleine Prozession rund um St. Ursula.
    Ich weiß nicht so genau, wie die echten Kölner ihre Ursula wirklich feiern und was sie von der ziemlich außergewöhnlichen Geschichte um ihre Verehrung herum wirklich halten. Aber mir selbst gefällt dieser Gedanke, dass Ursula und ihre Gefährtinnen mit einem seligen, weil tiefgläubigen Lächeln in den Tod gegangen sind, weil sie unzerstörbar glaubten, dass sie dem auferstandenen Christus in die Herrlichkeit des Himmels folgen werden.
    Ich weiß nicht genau, was Ihnen heute ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird und es wird vielleicht auch nicht gleich in die Kirchengeschichte eingehen. Vielleicht ist aber die Bewunderung der Stärke und des Glaubens der jungen Frauen kein schlechter Gedanke, um in der derzeitigen Situation der Kirche in Köln, trotzdem das Lächeln nicht zu verlieren.
    4 min
  • Der Rosenkranz bringt uns mit Gott in Verbindung
    Der Rosenkranz bringt uns mit Gott in Verbindung
    Auf meinem Smartphone habe ich viele Apps, die ich für alles Mögliche brauche: Nachrichten, Messengers, Sport, Uhrzeit; Wecker, Bibel, Wetter, Scanner und so weiter.
    Seit ein paar Jahren habe ich auch eine sehr kleine feine App, die gegen Stress helfen soll. Da gibt es viele nette Dinge, die man zur Entspannung tun kann: Klötzchen stapeln, mit Kreide auf einer Tafel malen, das berühmte "Ohne Fleiß kein Preis" in einer Tafel sortieren, Klötzchen sortieren, Bambusröhren zum Klingen bringen, ein sich wandelndes Prisma anschauen mit meditativer Musik im Hintergrund, Tischbillard und noch viel mehr. Wenn man ein paar von diesen Spielen gemacht hat, ist man quasi tiefenentspannt und völlig raus aus dem Thema, dass soeben noch Stress verursacht hat.
    Man kann natürlich auch noch andere Sachen machen, die helfen, aus der Tretmühle der Gedanken und des Stresses herauszukommen. Spazieren gehen, Musik machen oder hören, Singen und Rosenkranz beten.
    Ich merke immer wieder, dass ein in Ruhe gebeteter Rosenkranz die Gedanken auf das Leben Jesu lenkt und man einige Etappen mitgeht. Herz und Atem beruhigen sich und mir geht es so, dass ich nach dem Gebet, dass so ungefähr 20 Minuten dauert, viel wacher und aufmerksamer bin. Nichts hat mich abgelenkt und anderweitig beansprucht: keine Musik, kein Telefon, keine Nachricht die aufploppt.
    Es gibt tatsächlich auch Rosenkranzapps, die man sich aufs Handy laden kann, es betet jemand vor, und man kann mitbeten. Oder hier auf Domradio gibt es einige Angebote, um den Rosenkranz mit zu beten. Inspiriert wurde der Heilige Franziskus von Assisi bei seinem Besuch beim Sultan von den gebetsschnüren der Muslime mit den 99 Namen Gottes. Als er das gesehen, gehört und erlebt hat, war ihm klar, dass das eine gute Idee ist, um in konzentrierter Entspannung zu beten.
    Eine richtig gute Erfindung. Falls Sie im Rosenkranzmonat Oktober noch keine Gelegenheit hatten, es auszuprobieren, ergibt sich für Sie vielleicht heute die Gelegenheit.
    Es ist entspannend wie eine Antistressapp und bringt sie ganz leicht mit Gott in Verbindung. Einfach mal probieren!
    4 min
  • Lassen wir Gott mitspielen in unserem Leben?
    Lassen wir Gott mitspielen in unserem Leben?
    Am vergangenen Sonntag war ich, zum ersten Mal seit Jahren, wieder in Köln im Stadion zum Bundesligaspiel.
    Das Ticket war ein Geschenk zum Ordensjubiläum und hat mich natürlich besonders begeistert. Es war der gesamte Tag, der das Ganze zum Fest werden ließ: Erst Morgengebet, dann Heilige Messe und Frühstück und dann mittags um 12.00 Uhr Treffen am Busbahnhof um mit dem Fanbus nach Köln zu fahren. Unterwegs also schon viel Vergnügen, viel Musik und Gesang und Vorfreude.
    Im Stadion dann Treffen mit einer Mitschwester zur Stadionbratwurst als sonntägliches Mittagsvergnügen und dann: das was uns den ganzen Nachmittag begleiten wird: "Dürfen wir Sie mal fotografieren?" die vielfache erstaunte Frage. "Ich habe noch nie eine Nonne gesehen und dann jetzt hier beim Fußball." Es war einfach göttlich.
    Meine Mitschwester war noch nie zu einem Fußballspiel im Stadion und allein von den ganzen Vorbereitungen, der Musik, der Laustärke, der Vorfreude, der Größe des Stadions angetan. Und dann die Vereinshymne aus fast 40 000 begeisterten Kehlen, und Musik, Fahnenschwenken und Gesang und Getrommel die ganzen 90 Minuten.
    Ja, und Fußball war auch und Jubel, und Seufzen, und Pfiffe und Schreie und, und, und. Und beim Tor für die eigene Mannschaft fallen sich wildfremde Menschen in die Arme und tanzen und lachen. Und natürlich kamen von ringsum die üblichen Aussagen: "Ja klar, mit dem geistlichen Beistand, mussten wir ja gewinnen. Kommen Sie jetzt immer?"
    Ein Arzt aus dem Krankenhaus, der fast zu jedem Heimspiel mitfährt, hat es wunderbar zusammengefasst: "Bei solch einem Spiel geht einfach alles. Man kann Freude, Enttäuschung und Niederlage, Sieg und Jubel, wunderbar zusammen erleben. Und das stärkt und hilft über eine ganze arbeitsreiche Woche mit viel Stress und Anstrengung hinweg und lässt eine Gemeinschaft entstehen, die ich nicht mehr missen will"
    Er hat recht und manchmal bin ich da als katholischer Fußballfan ein bisschen ratlos: all das, das zusammen Leben und Freude und Trauer und Angst und Sieg und Niederlage feiern und in Gemeinschaft erleben, ist der wichtigste Teil unseres Lebens als Menschen, die an die Auferstehung glauben und daraus leben.
    Vielleicht geht da noch was, mit unserer Begeisterung für ein Leben, dass nicht mit dem Tod endet, sondern Siegerperspektiven für ewige Zeiten hat. Mal schauen und machen und sich trauen und vollen Einsatz zeigen. Mit göttlichem Beistand. Immer!
    4 min
  • Wer ist treu an unserer Seite?
    Wer ist treu an unserer Seite?
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest zu Ehren des Evangelisten Lukas.
    Er war von Beruf Arzt und wirkte in der Mitte des 1. Jahrhunderts in seiner Heimat- und Geburtsstadt Antiochia. Wie Lukas - von Geburt war er Heide - zum Christentum kam, ist nicht überliefert.
    Etwa im Jahr 50/51 schloss er sich dem Apostel Paulus in Troas an, dem er etwa 17 Jahre lang ein treuer Begleiter war. Nach der Enthauptung Paulus’ in Rom im Jahr 67 soll Lukas in Achaia gewirkt haben, wo er lt. Überlieferung das Lukasevangelium und auch die Apostelgeschichte verfasst hat. Im Alter von 84 Jahren starb er eines friedlichen Todes.
    Was mich von ihm fasziniert steht in einer sehr kurzen Notiz im zweiten Brief des Paulus an Timotheus: Da schreibt Paulus ziemlich resigniert: "Mein Sohn! Démas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalónich gegangen; Krészenz ging nach Galátien, Titus nach Dalmátien. Nur Lukas ist noch bei mir"
    Die Aufzählung all der Leute, die den Paulus verlassen haben, klingt einigermaßen lang und es macht schon den Eindruck, als habe Paulus einen ziemlichen Verschleiß an Mitarbeitern gehabt. Aus allen Schilderungen weiß man, dass er aufbrausend und rechthaberisch war, sosehr von seiner Mission erfüllt, dass er niemanden neben sich dulden konnte. Außer Lukas: "Nur Lukas ist noch bei mir" schreibt Paulus. Und dieser Lukas bleibt 17 Jahre lang, für die damalige Zeit fast ein halbes Leben, bei ihm und war ihm ein treuer Begleiter.
    Wir wissen nicht, wie manches, was wir erlebt haben ausgegangen wäre, hätten nicht Mitmenschen, Weggefährten, Ehepartner, Eltern, Kinder, Kollegen oder anderweitige Mitstreiter an unserer Seite ausgehalten, hätten uns nicht treu ertragen und mitgetragen. Und oft wissen wir selber gar nicht, wem wir alles, durch unser treues einfach immer da sein, Sicherheit, Halt und Stütze gegeben haben.
    "Nur Lukas ist noch bei mir" sagt Paulus. Setzen Sie doch mal Ihren Namen da ein, wo sie bei anderen ausgehalten und treu drangeblieben sind.
    Es ist ein unschätzbarer Wert für jeden Menschen, jemanden zu haben, der bei ihm bleibt.
    4 min
  • Der rote Faden zwischen Gott und mir
    Der rote Faden zwischen Gott und mir
    Eine junge Gemeindeassistentin war bei mir zum Gespräch und wir haben uns sehr angeregt unterhalten über Gott und die Welt, übers Studium und die praktische Ausbildung über Corona, die sie in ihrer ersten Stelle sehr ausgebremst hat und so weiter.
    Sehr beeindruckt war ich von ihrer Schilderung, in ihrer Herkunftsfamilie, in ihrer Gemeinde, in Jugendgruppe und Freundeskreis sich immer sehr geborgen gefühlt zu haben. Und nach kurzem Zögern sogar zu sagen "geborgen in Gott", weil Gott in allen Menschen lebt und durch sie wirkt. Bei der Frage nach den Gebetsgewohnheiten war sie relativ still und konnte den Sonntagsgottesdienst und manchmal auch einen Werktagsgottesdienst benennen. Wir haben uns dann darüber unterhalten, dass es doch für das Leben und den Glauben eine gute Idee sei, jeden Tag eine Zeit der Stille, des Betens, der Schriftlesung zu reservieren um den roten Faden zwischen Gott und mir nicht zu verlieren.
    "Ja, in den Ausbildungswochen haben wir das immer gemacht und das war auch schön." Das ist glaube ich in vielen Dingen genau die Kunst: zu lernen, dass ich die Dinge die ich gelernt und für hilfreich gefunden habe, auch in meinen Berufsalltag hineinnehme und Gebets- und Gottesdienstzeiten genau wie andere Termine in meinen Kalender einfüge.
    Den roten Faden, die Verbindung zwischen Gott und mir nicht zu verlieren oder abreißen zu lassen, daran muss ich arbeiten und das jeden Tag und jede Woche und immer wieder neu.
    Eine unserer sehr betagten Schwestern im Altenheim hat mir dieser Tage noch gesagt: "man muss dran bleiben am Gebet und am Gespräch mit Gott, selbst wenn man schon sehr alt ist, damit der rote Faden nicht reißt" Und wenn das eine Schwester sagt, die schon 98 Jahre alt ist und schon 65 Jahre im Kloster, dann spricht das von einer sehr guten Erfahrung und einem klugen Tipp.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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