Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Über die festgefahrenen Strukturen hinausgehen
    Über die festgefahrenen Strukturen hinausgehen
    Morgen denken wir in der Kirche an die große Teresa von Avila, aber ich finde diese Frau so genial, dass ich sehr gerne schon heute von ihr erzählen möchte.
    Teresa hat einfach getan, was für junge Frauen ihres Standes vor 500 Jahren ziemlich normal war. Sie ist ins Kloster gegangen, in ihrer Heimatstadt Avila in Spanien. Aber eigentlich hat sie nur ihren Aufenthaltsort geändert. Sie hat das gleiche, gut behütete Leben ihres Standes im Kloster weitergeführt. Hat die üblichen Gebetszeiten und auch die Arbeitszeiten eingehalten, hat aber auch viel Besuch bekommen und viel Zeit in angeregtem Austausch im Sprechzimmer verbracht. Erst nach fast 20 Jahren dieses nicht sonderlich geistlichen Lebens gehen ihr plötzlich mit Macht die Augen auf: sie sieht eine Statue mit dem Antlitz des leidenden Jesus zum ersten Mal richtig bewusst und spürt plötzlich, welches oberflächliche Leben sie bisher geführt hat. Schlagartig krempelt sie ihr Leben um. Sie beschließt, in der Freundschaft mit diesem Jesus zu leben. 22 neue Klöster hat sie gegründet und das geistliche Leben in vielen anderen Klöstern und in der gesamten Kirche ringsum neu belebt und reformiert – weg von statischen Gebetsweisen hin zum lebendigen Leben mit Gott und dem Gebet aus dem tiefsten eigenen Herzen. Ihr war sehr klar, dass zum geistlichen Leben viel Verstand und Vernunft und zur Heiligkeit, also dem Heilsein in Gott, unendlich viel Humor gehört. Aber was mich am meisten sprachlos macht ist ihr ziemlich wütender Vorwurf der da lautet: "Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Menschen zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt." Dieser Ausspruch von ihr ist fast 500 Jahre alt und könnte aus dem Heute stammen. Das haut mich echt um.
    Sie hat trotz oder wegen dieser Ignoranz der Kirche gegenüber den Frauen das Allerbeste aus ihrer zweiten Berufung gemacht und all ihre Kraft, ihre Weitsicht und Klugheit, ihre Frömmigkeit und ihre Liebe zu Gott dazu genutzt, viele tausend Menschen näher zu Gott und zu einem Leben nach dem Evangelium zu motivieren und Klöster zu gründen, die das über Jahrhunderte immer weiter gelebt und das Christentum weit über das alte Europa hinaus verbreitet haben.
    Mir scheint diese große Frau eine wirkliche Protagonistin unserer heutigen Zeit für uns Frauen in der Kirche zu sein: leben und nutzen wir heute unseren Glauben und unsere Möglichkeiten, um Frauen und Mädchen für die Freundschaft mit Gott zu gewinnen, die über die festgefahrenen Strukturen der heutigen Kirche hinausgehen und die wahre Kraft des Evangeliums zu den Menschen zu bringen.
    4 min
  • Judit - eine Powerfrau
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Gestern haben eine Gruppe Frauen bei uns im Mutterhaus einen Einkehrnachmittag gehalten. Und als Thema hatten sie sich gewünscht: "Powerfrauen in der Bibel"
    Da war ich echt herausgefordert. Es gibt davon so viele, dass ich zunächst gar nicht wusste, wie ich anfangen sollte. Ich habe mich unter anderem für Judit entschieden. Die Geschichte, die im Buch Judit im Alten Testament erzählt wird diente damals dazu, aufzuzeigen, welche Probleme im Gottesvolk Israel bestanden und in welche Konflikte sie gerieten, wenn sie von weltlichen Großmächten bedroht wurden und ihr Vertrauen in Ihren Gott Jahwe nicht sehr groß war.
    Ein großes Heer suchte Verbündete und wollte auch Judäa zwingen. Ein Mann warnt den König, dass dieses Volk immer von seinem Gott beschützt worden ist, und es sicher auch jetzt tun wird. Aber die Einwohner des Landes verlieren den Mut und sind zur Übergabe bereit. Da hält die gottesfürchtige Witwe Judit vor dem ganzen Volk eine flammende Rede durch die sie den Kleinglauben des Volkes wendet. Nach einem intensiven Gebet zu Gott, geht sie ins Lager der Assyrer um in Aussicht zu stellen, dass sie ihnen den Weg nach Jerusalem zeigt. Da sie ja nur eine Frau ist, lässt man sie passieren und im Zelt des Königs untergebracht, da sie eine Schönheit ist. In den ganzen Tagen im Lager betet sie inständig zu Gott und bittet um Hilfe. Und als der Heerführer eines Nachts betrunken im Zelt liegt, nimmt Judit dessen eigenes Schwert und enthauptet ihn. Als es am anderen Morgen entdeckt wird, flieht das Heer des Holofernes in Panik und die Belagerung ist beendet. Wie einst Mirjam setzt Judit nach der Rettung zu einem Loblied Gottes an. Sie stirbt in hohem Alter, von ganz Israel betrauert.
    Eine Frau, voller Power, weil sie ihrem Gott unverbrüchlich glaubt und Vertrauen in ihn setzt und den Tyrannen sogar tötet und somit Krieg und Belagerung beendet. Sie war ja in den Augen der Mächtigen nur eine Frau aber in den Augen Gottes eine Frau, die selbst das ungewöhnlichste tut, um ihr Volk zu retten. Beeindruckend.
    4 min
  • Gemeinsam mit Rücksicht
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Bei einem Spaziergang dieser Tage, bei sonnig herrlichem Wetter, waren wohl alle unterwegs, die auch Lust auf Sonne, blauen Himmel und bunte Herbstfarben haben. Da waren also die gemütlichen Spaziergänger, die flotteren Jogger, die Mütter und Väter mit den Säuglingen im Kinderwagen, die kleinen Kinder mit Puppenwagen oder Dreirad, Laufrad oder Roller, die Größeren mit Rollschuhen oder Inlinern, die Erwachsenen mit flotten E-Bikes oder mit einem älteren Familienmitglied im Rollstuhl. Dazu kleine oder größere Hunde im Schlepptau oder größere Gruppen von Spazierenden, die manchmal fröhlich plaudernd die ganze Breite des Weges benutzen. Eine fröhlich heitere Stimmung und manchmal lachend ein Ausweichen, wenn eins der kleineren Kinder den Weg noch nicht so geradeaus fahren kann. Und dann kommt quer überm Weg ein Aufdruck. Mit den üblichen Piktogrammen ein Fahrrad und eine Frau mit Kind und darunter drei Worte: gemeinsam mit Rücksicht. Das ist doch eine richtig gute Idee. Wenn alle gemeinsam den Rad- und Spazierweg mit Rücksicht benutzen, gibt es keinen Ärger, keine Rempeleien oder gar Unfälle.
    Man könnte also ganz einfach diese schönen drei Worte über unser Alltagsleben stellen: gemeinsam mit Rücksicht. Oder altmodisch ausgedrückt aber immer noch hochaktuell aus den 10 Geboten Gottes für die Menschen:  Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
    Oder wie es im Buch Deuteronomium in der Lesung für heute steht:
    "Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote achten, auf die ich dich heute verpflichte." Gemeinsam mit Rücksicht leben und Gott und den Nächsten lieben wie mich selbst. Und es ist gar nicht so falsch, immer mal wieder daran erinnert zu werde. Auf dem knapp 4 Kilometer langen Rundweg um den See ist es glaub ich mindestens fünfmal auf den Weg geschrieben: gemeinsam mit Rücksicht
    3 min
  • Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Für heute früh habe ich für die Gebetszeit mit den Schwestern in den Exerzitien einen Text ausgewählt, der mir so gut gefällt, dass ich ihn auch für Sie hier im Morgengebet nehmen möchte. Er ist von Marianne Williamson aus ihrem Buch "A return to love" Darin heißt es:
    Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.
    Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.
    Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht.
    Wir fragen uns: Wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?
    Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?
    Du bist ein Kind Gottes.
    Sich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.
    Es ist nichts erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.
    Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.
    Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.
    ER ist nicht nur in einigen von uns, ER ist in jedem Einzelnen.
    Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
    geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
    Wenn wir von unserer Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.
    Wow, was für eine Ermutigung: wir sind als Kinder Gottes geboren worden damit wir sein Licht in die Welt bringen. Wir brauchen uns für unsere Talente und Fähigkeiten nicht zu entschuldigen, wir haben sie ja von Gott. Unsere Aufgabe ist es, sie einzusetzen für die Menschen in allem was wir heute zu tun und zu tragen und zu lassen haben.
    "Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.
    Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren."
    3 min
  • Wer auf Gott vertraut, kann gelassen bleiben!
    Wer auf Gott vertraut, kann gelassen bleiben!
    Seit gestern bin ich in unserem Schwesternaltenheim mit einem Teil der Schwestern auf dem Weg der Exerzitien. Es ist üblich bei uns vor Jubiläumsfeierlichkeiten, die man zusammen feiern möchte, zusammen nachzudenken, zu beten, Rückschau und Vorschau zu halten.
    So ist hier also am ersten Tag die Frage, wie hat mein Glaubens- und Ordensweg begonnen? Wer hat mich begleitet? Wer hat mir geholfen, meinen Weg zu finden? Die Schwestern erinnern sich an abenteuerliche Geschichten: die einen, die ganz selbstverständlich selbst entschieden haben und sich von nichts und niemanden aufhalten ließen. Dann gibt es die, die lange gesucht haben und einfach nicht genau wussten, was sie selbst wollen und auch die, die angesprochen worden sind und ihnen plötzlich ein Licht aufgegangen ist.
    Eine Schwester hat erzählt, dass sie ihre Mutter besucht hat, die zu einer Kur war. Eine der Schwestern, die dort die Station geleitet hat, hat ihr alles gezeigt und sie dann gefragt, ob das nicht auch etwas für sie sei, Franziskanerin zu werden und Gott und den Menschen zu dienen. Und sie sagt: „Da ist mir wirklich ein Licht aufgegangen. Ich hatte diese Weise zu leben, nie vorher in Betracht gezogen und jetzt war mir plötzlich alles klar“.
    Eine andere Schwester hat erst noch die jüngeren Geschwister betreut, da die Mutter gestorben war. Erst als der Vater wieder geheiratet hat, durfte sie eintreten. Und die Schwestern erzählen, dass ihnen oft erst sehr viel später bewusst geworden ist, wie Gott ihre Wege geleitet und sie durch Menschen geführt hat.
    Und die Konsequenz ist bei vielen dieser sehr betagten Schwestern, Gott immer noch mehr zu loben und zu danken und gar nicht genug staunen zu können über das, was sie in seiner Nachfolge erlebt und miteinander gelebt haben.
    Und wenn ich „junges Ding“, wie die Schwestern scherzhaft sagen, dann bedenke, was diese Schwestern erlebt haben: die also im Zweiten Weltkrieg und den schwierigen Nachkriegsjahren groß geworden sind, die in sehr armen Verhältnissen Krankenhäuser und andere Einrichtungen wieder mit aufgebaut haben, die Währungsreformen und politische Veränderungen erlebt haben, dann staune ich umso mehr über ihre Gelassenheit und stille Freude.
    Aber wahrscheinlich geht das auch vielen anderen alten Menschen so: Wer in seinem Leben immer mehr auf Gott sein Vertrauen setzt, der kann heiter und gelassen bleiben, egal was kommt.
    4 min
  • Der Rosenkranz ordnet die Gedanken!
    Der Rosenkranz ordnet die Gedanken!
    Dieses Rosenkranzfest heute ist eigentlich ein Dankeschönfest der christlichen Flotte nach der gewonnenen Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1541. Damals war es gar nicht so unüblich, ein solches Ereignis mit einem Fest zu feiern. Der Oktober ist seit jeher der Rosenkranzmonat, und viele Menschen erinnern sich vielleicht, dieses Gebet mal gelernt zu haben. Andere beten es seit Jahrzehnten jeden Tag ganz selbstverständlich. Für Kinder und Jugendliche ist das nicht so cool, weil sie merken, dass es so langweilig ist, 50-mal das gleiche zu beten und sich dann noch zu konzentrieren, damit man sich nicht immer verzählt. Mir ging das früher nicht anders, aber ich fand immer schon interessant, dass ich nach der knappen halben Stunde stillem Rosenkranzbeten viel munterer war als vorher.
    „Wer den Rosenkranz betet, hat den gesamten Glauben in einer Hand“ hat ein kluger Mensch mal gesagt. Credo und Vaterunser, Ehre sei dem Vater und die vielen Gesätze, die entlang des Lebens Jesu gebetet werden, vertiefen das innere Wissen um den Weg Jesu. Aber da ist noch etwas anderes.
    Das Gebet sammelt die Gedanken und gibt ihnen eine Richtung, beruhigt Herz und Atem und lässt das Gedankenkarussell ab und zu anhalten und in eine andere Richtung drehen. Und ich erlebe manchmal, dass es eine erstaunlich andere Sache ist, den Rosenkranz in Gemeinschaft laut zu beten. Das ist, als ob man sich gegenseitig im Glauben bestärkt und sich in Ruhe einmal gemeinsam einer Sache widmet.
    Ein Film, den ich vor einigen Wochen gesehen habe, und der die Arbeit und das harte Leben der Senner in den Alpen zum Thema hatte, begann, völlig überraschend, mit dem gemeinsam gebeteten Rosenkranz am groben Holztisch in der Küche der Sennhütte. Gestandene Männer und einige Frauen beten in Ruhe und sammeln vor Gott den Tag ein – wie sie selbst sagen. Ich finde das einen guten Tipp für heute: den Tag mit dem Rosenkranz beginnen und mit dem Gebet die Gedanken auf Gott und das Heilswerk Jeus lenken oder am Abend den Tag damit beenden und vor Gott einsammeln.
    4 min
  • Arbeit ist mehr als Geldverdienen
    Arbeit ist mehr als Geldverdienen
    Heute Abend kommen die Mitarbeiter*Innen einer unserer sozialen Einrichtungen zu uns in die Kapelle des Konventes, um eine Erntedankandacht zu feiern.
    Im Vorfeld habe ich gefragt, wofür sie denn danken möchten. Und es kamen drei Hauptthemen: sicherer Arbeitsplatz, gutes Miteinander unter den Kolleg*Innen und zur Einrichtungsleitung, Arbeitsfähigkeit.
    Die ersten beiden Anliegen sind uns ja nicht fremd und es ist schön, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben und dankbar sein zu können für ein gutes Miteinander mit den Kolleg*Innen und der Einrichtungsleitung. Dankbar zu sein, dass man arbeitsfähig ist, hatte ich noch nie vorher gehört oder auch noch nie bedacht. Aber da ist ja etwas dran. Gar nicht so wenige Menschen sind von jung auf körperlich oder geistig beeinträchtigt und können nicht arbeiten, andere sind durch Unfälle oder schwere Erkrankungen arbeitsunfähig geworden und wieder andere haben nie die Fähigkeit gelernt, die man braucht, um arbeiten zu können. Arbeiten ist ja um so vieles mehr als nur den Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit ist die Möglichkeit, Fähigkeiten und Talente einzubringen, Kreativität zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen und zu erleben und noch so vieles mehr.
    Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter, als ihr jüngstes Kind in die vierte Klasse kam, sie wieder arbeiten gehen wollte. Die Tante im Haus konnte das gar nicht verstehen und wollte ihr Geld geben, damit sie zuhause bleibt, wo sie doch genug Arbeit habe. Aber meiner Mutter ging es nicht ums Geld: Es ging darum, wieder in ihrem geliebten Beruf zu arbeiten, mit Kollegen zusammen zu sein, andere Themen zu besprechen und Horizonte neu zu entwickeln, ihre Fähigkeiten zu nutzen und die Firma weiter zu entwickeln.
    Es ist also eine ziemlich gute Idee, Gott heute für die eigene Arbeitsfähigkeit zu danken und für die Möglichkeiten, die wir damit im Leben hatten und haben.
    3 min
  • Kirche ist im Umbau
    Kirche ist im Umbau
    In unserem Mutterhaus bauen wir seit mehr als zweieinhalb Jahren um. Wir machen das Haus fit für die Zukunft. 1966 eingeweiht, konnte es einen Konvent von 80 Schwestern beherbergen und 120 Schwestern aufnehmen. 1995 wurden die Zimmer modernisiert und 2012 zwei Etagen für die Verwaltung unserer Werke neu gestaltet. Und nun ist es wieder dran, dem kleineren Konvent ein passendes Umfeld zu geben und das große Haus für die Werke, die durch unsere Schwestern gestartet worden sind, fit und nutzbar zu machen. Immer neu zu schauen, wie das geht mit dem Kirchenbauen, dem Kernauftrag der franziskanischen Menschen seit Franz von Assisi.
    In sein Fest gestern haben wir hinein gefeiert mit einem Gottesdienst und danach mit Suppe und Brot. Und wir haben diesen wunderbaren Abend gemeinsam sehr genossen. Schwestern aus verschiedenen Konventen und Mitgehende aus unserer Weggemeinschaft, Mitchristen aus der Stadt und der Umgebung.
    Das miteinander Essen war nicht im Refektorium. Das ist für so viele Menschen nicht mehr ausgelegt, sondern im Flur direkt vor der Kirche. Die Schwestern haben für diesen jetzt durch Türen abgegrenzten, schönen, hellen und warmen Raum noch irgendwie keinen passenden Namen gefunden. Flur vor der Kirche, Foyer oder Raum der Begegnung? Wir wissen es noch nicht. Dieser Raum hat etwas von Übergang, von "noch-nicht-fertig", von "im-Werden-seiend".
    Und Passenderes gibt es kaum zu sagen über unsere gesamte Kirche. Wir sind im Umbau. Wir sind von Jesus gegründet und beständig mit ihm unterwegs. Wir sind Boten seines Evangeliums und dem ganzen Erdkreis zu hören. Wir sind mit dem Umbau beschäftigt, weil andere Räume notwendig werden und herausführen sollen aus Enge und Abkapselung, aus festgefahrenen Strukturen und verschlossenen Türen, aus Abgrenzung und Verurteilung von Gruppen, Geschlechtern und Andersdenkenden.
    Der Synodale Weg in Deutschland und bald auch in der gesamten Kirche zeigt dieses "Im Umbau sein" sehr deutlich. Das Ringen um den Inhalt und das Ringen um das, wie der Umbau gehen soll, das bleibt spannend und aufregend und ärgerlich und erfreulich. Und der bleibt hoffentlich ein Raum der Begegnung für alle, die im Namen Jesu unterwegs sind und in seinem Auftrag Kirche bauen.
    4 min
  • Bauen wir die Kirche wieder auf!
    Bauen wir die Kirche wieder auf!
    Der junge Mann hatte alles, was man sich so wünscht: einen reichen Papa, der seinen Sohn gern mit allem ausgestattet hat, was er haben wollte, ein Mutter, die ihn über alles liebte und mit ihrer Liebe die Härten des Vaters abgemildert hat, französisches und italienische Blut in den Adern und somit eine angenehme Stimme, überschäumendes Temperament und tänzerische Begabung, eine große Clique von Jugendlichen, deren Anführer er gern war – aber er hatte keine Idee, was er mit seinem Leben machen sollte.
    Als Tuchhändler, Kaufmann und Europareisender zu leben, war irgendwie nicht seins, ein angesehener Ritter in einem großen Heer schon eher: aber eine Stimme im Inneren sagt ihm: geh nachhause, ich werde Dir sagen, was zu tun ist.
    Ein dritter Versuch, als junger Stadtbürger in den Krieg gegen die Feindesstadt Perugia zu ziehen, endete im Gefängnis und dann, wieder in Freiheit, in Depressionen und tiefste innere Verzweiflung.
    In seiner Not brüllt er den Herrn am Kreuz in San Damiano an: "Was willst Du eigentlich von mir?" und er hört: "Franziskus, bau mir meine Kirche wieder auf, siehst Du nicht, wie sie zerfällt?" Nach dem ersten Erschrecken und der ersten Verblüffung wird klar:
    Jetzt endlich hat er eine Idee, einen Plan, einen Auftrag für sein Leben - Kirche bauen. Erst baut er die steinernen kleinen Kapellen und Kirchen ringsum auf und merkt später: nein, es geht nicht um einen Kirchbauverein, es geht nicht um die Kirche der Päpste und Prälaten in Rom, es geht um alle Getauften, die in Wirklichkeit die Kirche Gottes sind.
    Und er lebt und betet und arbeitet und singt und leidet und pflegt Aussätzige und immer mehr Brüder kommen dazu. Und immer mehr Menschen spüren durch ihn ihren Auftrag: Baue meine Kirche wieder auf! Das ist es, was uns Franziskus von Assisi mit auf den Weg und auch heute mit in den Tag gibt:
    Da, wo Du lebst, da wo Du arbeitest, da wo Gott Dich hingestellt hat: baue seine Kirche wieder auf!
    Und vergiss nicht zu singen und den Schöpfer für seine Geschöpfe zu danken.
    4 min
  • Gebete wirken auch heute!
    Gebete wirken auch heute!
    Heute ist für mich ein wirklich großer Feiertag. Der Tag der Deutschen Einheit ist sosehr mit meinem Leben, meiner Biografie verbunden, dass ich gar nicht anders kann, als ihn heute mit Ihnen zu bedenken.
    In der DDR geboren und aufgewachsen habe ich schon sehr früh mitbekommen, dass bei uns alles irgendwie anders ist. Man musste immer den Personalausweis mit sich haben, im Ausweis waren immer Extrastempel, die wir als Bewohner des Sperrgebietes dicht an der Westgrenze jedes halbe Jahr erneuern mussten, im Nachbardorf war eine große Grenztruppenkaserne und Mannschaftswagen und andere Militärfahrzeuge waren uns bekannt.
    In der Schule musste man gut überlegen, was man sagen darf und was lieber nicht und DDR-Kinder hatten irgendwann eine Meisterschaft darin. Ich durfte nicht zum Gymnasium, weil ich keine Jugendweihe, also kein Bekenntnis zum Sozialismus hatte und somit auch nicht studieren.
    Aber, wir hatten einen hervorragenden Zusammenhalt in den Pfarrgemeinden, übervolle wöchentliche Jugendabende in allen Pfarreien und eine Gewissheit, in allen Sorgen und Problemen nicht allein zu sein. Die Gemeinschaft der Weltkirche und das Wissen, dass Gott alle Dinge zum Guten wenden kann, hat uns Mut und Kraft gegeben. Die Fürbitte für die Einheit des Landes, die Freiheit der Kirche und den Frieden in der Welt, wurde bei jedem großen Gottesdienst und bei jeder Wallfahrt gebetet. Und dann kamen die Montagsgebete, die Demonstrationen und die Gewaltlosigkeit der Menschen und eine Einsicht, die sehr spät aber sehr eindrücklich kam.
    Der damalige und schon langjährige Chef der Staatssicherheit, Erich Mielke, hat in einem Prozess sehr irritiert zu Protokoll gegeben: "Wir waren auf alle vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete"
    Kerzen und Gebete sind viel mehr, als wir oft selbst denken und für wichtig halten. Trauen wir uns immer wieder, alle unsere Anliegen vor Gott zu bringen und nicht zu resignieren, wenn es in Kirche und Gesellschaft schwierig ist.
    Und wenn Sie mögen, kommen Sie heute Montagabend um 18.00 Uhr zum "Transitus" in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt beten werden.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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