Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Hoffen wir auf eine Zukunft bei Gott!
    Hoffen wir auf eine Zukunft bei Gott!
    Heute Mittag ist die Beerdigung einer unserer alten Mitschwester. Sie war eine sehr liebevolle Frau, die sich ihr Leben lang als Krankenschwester um Kranke, ihre Angehörigen und um die Mitarbeiterinnen auf der Station gekümmert hat. Es wird also ein Requiem geben, danach die Beisetzung, und anschließend das gemeinsame Kaffeetrinken der Beerdigungsgäste und der Schwestern.
    Und am Montag ist die Beerdigung der Queen, die am 8.9. mit 96 Jahren gestorben ist. Und was tun Ihre Landsleute? Seit vorgestern Abend stehen Sie Schlange. Ja, wirklich. Sie stehen stundenlang in der Schlange, um am Sarg ihrer Königin vorbei zu gehen und ihr die Ehre zu erweisen. Die Vorhersage gestern Abend war, dass es durchschnittlich 30 Stunden dauern wird, bis die Anstehenden den Sarg erreichen und sich kurz verneigen werden. Viele sagen, wir stehen in einer Schlange und es ist urkomisch britisch. Die Schlange ist Meilen hinter uns und Meilen vor uns, aber wir stehen hier einfach alle. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden etwas ausmacht. Und ein 20-jähriger meint ganz gelassen: Sie war irgendwie die Oma Europas. Sie hat 70 Jahre ihres Lebens für ihr Land gegeben und Europa Stabilität gebracht. Da könne man doch mal wohl einiges an Stunden aufwenden, um ihr Respekt zu zollen und Dank zu sagen.
    Ich finde es ehrlich gesagt in beiden Fällen sehr angemessen, wie mit einer Verstorbenen umgegangen wird. Aber ich bin echt froh, dass Schwester Gertrud eine einfache Franziskanerin war, die zur Ehre Gottes ihren Dienst für die Menschen getan hat. Ich muss nicht viele Stunden anstehen, um ihr Respekt zu erweisen. Ein liebevoller Totenbrief und schöne Geschichten aus gemeinsam Erlebtem haben die gleiche Wirkung: Ehrfurcht und Dankbarkeit. Ein bisschen Traurigkeit, weil sie nicht mehr unter uns ist, und ein Zusammenkommen und an sie denken. Und das alles in der Hoffnung auf die Zukunft bei Gott, an den beide, Schwester Gertrud und die Queen, sehr überzeugt geglaubt haben.
    4 min
  • Feiern wir die Messe bewusst gemeinsam!
    Feiern wir die Messe bewusst gemeinsam!
    Am vergangenen Samstag war in Oschersleben in Sachsen-Anhalt ein großes Fest. Drei unserer Schwestern dort im Kardinal-Jaeger-Haus haben ihr 60-jähriges Ordensjubiläum gefeiert. Fast dreißig Jahre ihrer Zeit als Ordensfrauen haben sie in der glaubens- und religionsfeindlichen DDR gelebt und dort durch ihr konsequentes Engagement für die Mitmenschen Zeugnis für Gott abgegeben.
    Dieses Jubiläum hat natürlich mit einem Festgottesdienst begonnen. Aber die Pfarrkirche St. Marien wird zurzeit saniert und so finden alle Gottesdienste im sogenannten Vereinshaus direkt in der Nähe der Kirche statt. Und das fand ich schon eine Herausforderung. Ein großer Zuschauerraum und eine richtig große, sehr hohe Bühne. Und auf der Bühne der Altar, Ambo, Tabernakel und eine Statue der Gottesmutter.
    Alles irgendwie weit weg, sehr hoch und die eigentlich Mitfeiernden zu Zuschauern degradiert. In diesem Fall ging es wohl wegen der baulichen Gegebenheiten nicht anders und es bleibt ja eine Übergangslösung, bis die Kirche fertig saniert und wieder der eigentliche Gottesdienstort ist. Manchmal sind aber im normalen Alltag diese Dinge so deutlich: Der Zelebrant da weit weg, vorne und hoch über den Menschen allein am Altar, die Gottesdienstteilnehmenden oft auch von sich aus eher Zuschauer als Mitfeiernde, eine Ordnung in der Kirche von denen da oben und denen da unten.
    Oft sind wir uns dieser Ordnungen gar nicht bewusst und spüren gar nicht, dass gemeinsam Gottesdienst feiern, etwas ganz anderes sein sollte: Miteinander singen und beten, Gott loben und preisen, auf sein Wort hören und Danksagung begehen, die uns in Brot und Wein und Fleisch und Blut Christi als Gemeinde Gottes stärkt und eint.
    Vielleicht feiern Sie den Sonntagsgottesdienst an diesem Wochenende mal bewusster so mit und seien Sie nicht ZuschauerInnen, sondern Mitfeiernde und mittendrin im großen Geschehen der Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi, die wir an jedem Sonntag feiern dürfen.
    3 min
  • Wir verehren nicht das Kreuz, sondern Jesus Christus!
    Wir verehren nicht das Kreuz, sondern Jesus Christus!
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest der Erhöhung des Kreuzes, Kreuzerhöhung. Kaiserin Helena will in den Wirren des 4. Jahrhunderts das wahre Kreuz Christi gefunden haben. 15 Jahre später, im September 335, hat Kaiser Konstantin für dieses Kreuz eine Kirche bauen lassen und sie wurde eingeweiht. Dass nach den Jahrhunderten der Christenverfolgung ausgerechnet ein Kaiser eine Kirche bauen und das Kreuz Christi verehren will, erscheint vielen Gläubigen als das eigentliche Wunder. Am Tag nach der Kirchweih wird das Kreuz auf eine Anhöhe den vielen wartenden Pilgern gezeigt. Es wird erhöht, damit sie es sehen können. Über die ganze Welt verbreitet sich dieses Fest.
    Und natürlich wird nicht das Kreuz verehrt, sondern Jesus Christus, der für uns Menschen am Kreuz gestorben ist. Viele Elemente dieses Festes haben sich erhalten in der Karfreitagsliturgie. Der Priester trägt in einer festlichen Prozession das verhüllte Kreuz in die Kirche, enthüllt es und alle Gläubigen verehren es mit dem Ruf: "Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. Kommt, lasset uns anbeten." In vielen Wohnungen und Häusern, in denen Christen leben, hängt ein Kreuz. Das kann an sehr prominenter Stelle hängen, wie bei uns zu Hause in der Küche mit den Fotos der Verstorbenen daneben oder eben zum Beispiel über Türen wie im Rheinland üblich. Oft trägt es noch einen Palmzweig vom Palmsonntag, um die Verehrung zu betonen.
    Oft aber gehen wir an ihm vorbei. Es gehört zum Alltag und wir registrieren es wenig. Aber wer er sein Leben lang sein Kreuz im Haus hatte, dessen nachfolgende Familienmitglieder können es nicht wegwerfen. Hier in Olpe gibt es deshalb die schöne Tradition einer Kreuzpension. Im Turm der Kirche ist ein Raum, in dem viele Kreuze hängen, die dorthin gebracht worden sind, weil Menschen wissen, dass der Anblick des leidenden Christus die Gebete zu ihm in eigenen Sorgen und Nöten und der Glaube an den auferstandenen Herrn ihre Verwandten ein Leben lang bestärkt, getröstet und gesegnet hat.
    3 min
  • Gott bringt uns zum Staunen!
    Gott bringt uns zum Staunen!
    In der Einsiedelei der Carceri, hoch über der Stadt Assisi, wollten wir mit einigen aus unserer Pilgergruppe einen stillen Vormittag verbringen und uns ein wenig hineinspüren in das Wissen, dass Stille und Ruhe, Herz und Seele, Gedanken und Gefühle beruhigt und sortiert. Beim immer weiter in den Wald hineingehen, haben mich dann immer mehr Kinder und Jugendliche überholt, die etwas Mühe mit dem „Silencio“, der Ermahnung zur Stille ihrer Betreuer anfangen konnten.
    Aber dann sind wir zu einem Areal vor einem kleinen Altar angekommen und da habe ich gemerkt, dass sie sich zu einem Gottesdienst geordnet haben. Also habe ich gefragt, und ja, wir feiern Messe und ja gerne können sie bleiben und mitfeiern. Und ich gebe es gerne zu: es war ein Erlebnis.
    Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen waren motiviert und haben gesammelt und konzentriert mitgefeiert und haben aus ganzem Herzen und voller Kehle aus ihren Heften mitgesungen. Die Lesungstexte hatte ich ja über eine App zur Hand und die Predigt nicht zu verstehen, fand ich nicht so tragisch.
    Ich hatte Stille und Sammlung im Wald gesucht und einen wunderschönen Jugendgottesdienst gefunden. Ich wollte allein sein und nachdenken und habe eine große Gemeinschaft glaubender junger Leute gefunden. Ich wollte mich in Ruhe niederlassen und für mich sein und habe bewegte, vitale und muntere Banknachbarinnen gehabt, die mich mitgerissen haben in ihrer Begeisterung.
    Ich habe bei mir selber eine Veränderung gespürt. Noch vor einigen Jahren hätte ich mich geärgert, dass meine so edlen Pläne durchkreuzt worden sind, wo ich doch nur ein paar Stunden Zeit hatte. Jetzt konnte ich diese knappe Stunde des Gottesdienstes mit mindestens 100 jungen Leuten mit Freude mitfeiern.
    Manchmal legt uns Gott andere Geschenke in die Hände, als wir sie erbeten haben. Meine, Ihre Aufgabe ist es dann, das zu merken und dann auch annehmen zu können. Ganz oft im Alltag, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir sie geplant oder getaktet haben, kommt etwas dazwischen und bremst uns aus. Wenn wir das als kleine Gabe Gottes sehen können, wird manches leichter und bringt manchmal verwundertes Staunen.
    4 min
  • Warum ich in der Kirche bleibe!
    Warum ich in der Kirche bleibe!
    Nachdem der Jesuit Klaus Mertes im Jahr 2010 den systematischen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen am Canisius-Kolleg in Berlin aufgedeckt hat, ist endlich eine Lawine losgetreten worden. Eine Lawine von Tätern und Taten und Opfern innerhalb der Kirche. Aber eben auch die riesige Wand von wegsehen, vertuschen, nicht wahrhaben wollen, ausgrenzen, schweigen.
    Und im Laufe der Jahre ist immer deutlicher geworden: Ohne eine grundlegende Veränderung des Systems Kirche, vor allem ihrer seit Langem nicht mehr vermittelbaren Sexualmoral, wird es keine Aufarbeitung des riesigen Komplexes Missbrauch geben können. Auf diesem Hintergrund wurde der Synodale Weg ins Leben gerufen: Christinnen und Christen, Ordensleute und alle deutschen Bischöfe haben sich auf den Weg gemacht, um systematische Veränderungen möglich zu machen, damit Missbrauch jeglicher Art offengelegt und bekämpft wird und Strukturen so verändert werden, dass der Sumpf trockengelegt wird, in dem das jahrhundertelang möglich war.
    Und dann, in der gerade begonnenen vierten Synodalversammlung der unglaubliche Eklat: Das genau wegen dieses Themas wichtigste Papier zu "Leben in gelingenden Beziehungen", über das zwei Jahre lang beraten und gearbeitet worden war, bekommt zwar mehr als 82 Prozent Ja-Stimmen aller Delegierten, aber nicht die Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. Ein paar Stimmen fehlten. Ratlosigkeit und Wut und Verärgerung und Trauer und Verletzungen auf allen Seiten. Was nun?
    Mir geht es so, wenn ich keinen Rat mehr weiß und keine Idee habe, dann schaue ich mir den Text aus der Heiligen Schrift an, der mir zur entsprechenden Tagzeit vorgelegt wird.
    Der heutige Text zum Morgengebet ist aus dem Buch Judith und da heißt es:
    "Lasst uns dem Herrn, unserem Gott, danken, dass er uns ebenso prüft wie schon unsere Väter. Denkt daran, was er mit Abraham machte, wie er Isaak prüfte und was Jakob im syrischen Mesopotamien erlebte, als er die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, hütete. Denn wie er diese Männer im Feuer geläutert hat, um ihr Herz zu prüfen, so hat er auch mit uns kein Strafgericht vor, sondern der Herr züchtigt seine Freunde, um sie zur Einsicht zu führen."
    Im Gespräch bleiben, keine Brücken abbrechen und mit dem Glauben in das helfende Wort Gottes nach Lösungen suchen. So kann es vielleicht noch gelingen, das zerstörte Vertrauen neu aufzubauen und neue Wege zueinander zu suchen.
    Und: Ja – ich bleibe in der Kirche. Wenn lebensnotwendige Veränderungen mit den Bischöfen nicht möglich sind, müssen wir, also alle anderen Getauften bleiben, um die Kirche zu erneuern.
    5 min
  • Ewige Ruhe für die Queen
    Ewige Ruhe für die Queen
    "Ich konnte es gar nicht glauben. Zu Beginn unserer Chorprobe gestern Abend kam die Nachricht: die Queen ist tot. Ja aber, sie hatte doch erst noch vor zwei Tagen die neue Premierministerin in Amt und Würden eingesetzt, aber sie war doch noch strahlend lächelnd wie immer, ein bisschen kleiner und älter wirkte sie, aber gestorben, echt? …. Ich glaube so ging es vielen Menschen in Großbritannien, in Europa und weltweit. Wenn jemand ein Garant für Stabilität in ihrem Land war, für ein Dasein in ihrer Aufgabe als Oberhaupt des Landes und der anglikanischen Kirche, für alle Höhen und Tiefen in ihrer eigenen Familie, für die unglaublichen Entwicklungen der letzten 70 Jahre war, dann diese Frau. Wenn man sie und ihr Leben definieren sollte dann wohl als ein Leben der Pflichterfüllung im Dienst an ihrem Land. Wer kann das schon für ein paar wenige Amtszeiten sagen?
    Eine Frau sagte so treffend: „Wir dachten, sie würde ewig hier auf der Erde leben. Seit ich denken kann ist sie da und niemand hat wirklich daran gedacht, dass auch sie sterben wird.“ Genau so ist es. Und selbst mit ihren 96 Jahren denken alle: es ist zu früh und der Tod trotz allem sehr schnell und unerwartet. Ich stelle sie mir freundlich lächelnd vor Gott vor und mit der Gewissheit, dass sie in ihrem Dienst getan hat, was Gottes Wille war.
    Und mir wird bei ihr wieder bewusst, wieviel vom Leben und Wirken einer einzigen Person an Gutem und Erhaltendem ausgeht und wie vielen Menschen ihr Vorbild Halt und Sicherheit und Trost in schlimmen Lebenslagen zuteilwerden kann. Ihr Tod kann uns das deutlich machen: jeder Mensch hat eine Aufgabe zu Erfüllen und kann in der Erfüllung dieser Aufgabe, vielen Menschen das Leben leichter und besser machen. "God save the Queen“ und jetzt ihre Ewige Ruhe."
    3 min
  • Geht es bei Maria gar nicht um Maria?
    Geht es bei Maria gar nicht um Maria?
    Geburtstag feiern ist echt etwas Schönes. Geschenke bekommen, liebe Grüße über alle möglichen Medien und Wege, einen schönen Geburtstagskaffeeklatsch halten und einen guten Wein zum Abend, mit Blumen beschenkt werden und vielleicht etwas zusammen mit dem Geburtstagskind und den Gästen unternehmen. Eine schöne Erfindung. Es geht um einen Menschen, um sein Dasein und alle drumherum, die ihn oder sie kennen und sich mitfreuen.
    Heute feiern wir den Geburtstag der Gottesmutter Maria. Und wenn ich mir alle Lesungen und das Evangelium anschaue, geht es eigentlich nie um sie, sondern immer um Ihren Sohn Jesus Christus.
    Da geht es immer um die Ankündigung des kommenden Herrn, der die Menschheit wieder mit Gott versöhnen wird: beim Propheten Jesaja um dem neuen Zweig aus dem Wurzelstock Isais, im Buch Micha um den Trost für das kleine, unbedeutende Nest Bethlehem, im Matthäusevangelium um den langen Stammbaum Jesu, um zu zeigen, dass er in den vielen Generationen der Angekündigte Gottes ist.
    Und das Geburtstagskind selbst? Was sagt sie dazu? Sie sagt JA, und wenn sie das nicht gemacht hätte, wäre der Weg der Erlösung anders verlaufen. Gott lässt bei ihr anfragen, als sie ungefähr 14 ist, ob sie im langen Weg der Erlösung einen entscheidenden Schritt mitgehen würde.
    Und sie ist eine starke, glaubende junge Frau, die nicht zur Ja-Sagerin wird, weil sie zu allem Ja und Amen sagen muss. Sondern weil sie will und dem Engel, nach allen Bedenken und Klärungen, ihr deutliches und klares Ja als Botschaft in die Hand gibt.
    Bei Andreas von Kreta finden wir im 8. Jahrhundert einige wunderbare Zeilen dazu:
    „So singe und tanze also die ganze Schöpfung und trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute wurde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereitete dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus.“
    Eine schönere Geburtstagsgratulation habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Feiern wir diesen Tag, also den Geburtstag der schönen, starken, jungen Frau, die sehr bewusst JA sagt zu den unbeschreiblichen Wegen Gottes zu den Menschen.
    4 min
  • Die Zusammenschau aller macht es katholisch
    Die Zusammenschau aller macht es katholisch
    Wir sind in den vergangenen Tagen aus Assisi, der Stadt von Franziskus und Klara zurückgekommen und haben unter anderem unzählige Fotos gemacht. In einer Whats-App-Gruppe haben alle ihre wundervollen Bilder eingestellt und dann, ja dann war es sehr verwunderlich. Wir sind jeden Tag, immer passend zum Thema des Tages, zusammen an die entsprechenden Orte gewandert, haben gehört, gelesen, gebetet, gesungen und in einem eigenen Heft Fragen zum persönlichen Bedenken und reflektieren gehabt.
    Und die Lieder und Gesänge haben wir fotografiert und geteilt, sodass wir zusammen singen konnten, ohne dicke Bücher mit zu nehmen. Aber die Fotos, die alle gemacht haben, waren immer völlig anders. Die einen hatten immer sich selbst im Vordergrund auf dem Foto, andere eher Szenen auf Gemälden oder Fresken, andere die Orte, Kirchen und Klöster von außen oder innen, manche hatten die vielen Wege und Gässchen und kleinen Straßen abgebildet, und wieder andere die netten kleinen Details wie Blumen im Asphalt, Wasserspeier, Skulpturen aus allen Perspektiven oder Fernsichten, die noch mal ganz andere Dinge deutlich machen.
    Ganz genauso geht es uns und vielen anderen Menschen mit dem Glauben. Auch wenn wir getauft sind und den Heiligen Geist empfangen haben, hat doch jede und jeder Glaubende eine andere Sicht auf diesen Glauben an den dreifaltigen und einen Gott und seine Schöpfung und seine Menschen und seine Kirche. Und ich finde, dass das genau das Tolle ist: Nicht nur eine Sicht, eine Erkenntnis, ein Detail ist das Ganze, sondern die Zusammensicht aller aus ihrer jeweiligen Lebens- und Glaubenssituation, und niemand sollte sagen: Nur so wie ich es sehe, ist es richtig und entspricht dem Willen Gottes und dem, wie es heute gelebt werden muss.
    Allumfassend, also katholisch, wird es nur, wenn es die Zusammenschau aller bekommt und alles und alle ihren Platz darin finden und gesehen und gehört werden und sich in der Freiheit der Kinder Gottes vor Gott und für die Menschen einsetzen. Und wenn eine Sicht fehlt oder ausgeschlossen wird, ist es nicht vollkommen, nicht vollständig, nicht so wunderbar, wie Gott es für seine Menschen gedacht hat.
    4 min
  • Nicht zu schnell urteilen!
    Nicht zu schnell urteilen!
    Gestern ging es mir wie allen, die aus dem Urlaub, von einer Reise oder einem längeren Aufenthalt von außerhalb des eigenen Haushaltes zurückgekommen sind. Wir haben alle unsere Rucksäcke ausgeräumt und die Wäsche in den Waschraum gelegt. Und heute dann sortieren nach hell und dunkel, 30 Gradwäsche und Baumwolle und so weiter. Und dann loslegen und der Waschmaschine eifrig zu tun geben. Was beim Wäschesortieren notwendig ist, um keine Verfärbungen oder andere böse Überraschungen zu erleben, ist manchmal im realen Leben nicht ganz so einfach.
    Unser Gehirn ist ziemlich gut darauf trainiert, das, was wir sehen und hören, riechen, erspüren und ertasten, einzuordnen und zu sortieren. Aber damit dabei am Ende nicht sorgfältig in Schubladen aufgeräumte Informationen und Einschätzungen über Menschen und Handlungen herauskommen, muss ich selber nochmal gut darüber schauen. Und da ist dann Verstand, Bildung, Erziehung und auch Glaube, Hoffnung und Liebe gefragt. Zu schnell urteilen wir sonst über die Dinge, die passieren. So in diesen Tagen, als wir zurückkamen.
    In unserer Kapelle, die über den Tag geöffnet ist, war ein Stuhl ziemlich deftig zerbrochen. Mutwillig zerstört? Von stark übergewichtigen Menschen demoliert? Will uns jemand Böses? Nach allem hin und her überlegen und denken, sollten wir die Kapelle geschlossen lassen? Nein, auf keinen Fall. Wir lassen den Stuhl reparieren und die Kapelle offen. Sich nicht im Alltag von vorschnellen Einsortierungen und Vermutungen und komischen Sachen verwirren lassen, sondern mit einer guten Portion Humor, Realitätssinn und Liebe in den Tag gehen, ist eine gute Übung. Oft klären sich dann die Dinge, die uns verwirrt oder ärgerlich gemacht haben von selbst. Ich bin gespannt, ob jemals herauskommen wird, wie unserem Kapellenstuhl das Bein abgebrochen ist.
    3 min
  • Bitten wir Gott auch weiterhin um seinen Segen!
    Bitten wir Gott auch weiterhin um seinen Segen!
    Liebe Domradiohörergemeinde, die Sommerpause ist vorbei und ab heute möchte ich wieder mit Ihnen in den Tag starten. Ich bin Schwester Katharina Hartleib, bin Olper Franziskanerin und lebe zusammen mit zwei weiteren Mitschwestern im Konvent San Damiano mitten in Olpe.
    Von Montag bis Freitag möchte ich mit Ihnen beten und nachdenken über Gott und die Welt, über Schönes und Schwieriges, über Nahes und Fernes, über Leben und Sterben, über Herz und Hirn, über Leib und Seele und Vieles mehr. Und ich möchte mit Ihnen auf Gottes Wort hören, mit Hymnen und Psalmen seine Größe preisen, ihm unsere Bitten ans Herz legen und uns seinen Segen zusprechen lassen und ich freue mich sehr, dass Sie weiter dabei sein werden.
    Der Sommer war und ist immer noch heiß und zu trocken und wir ahnen, dass etwas geschehen muss, wenn unser schöner blauer Planet nicht verbrennen und vertrocknen soll. Als Kind und Jugendliche habe ich noch die Flurprozessionen erlebt, die singend und betend über die Felder gezogen sind und Gott um Bewahrung vor schädlichem Wetter und um eine gute Ernte gebeten haben.
    Das ist auch bis heute nicht falsch aber es reicht nicht, wenn wir gleichzeitig zu viel Wasser verschwenden, Schadstoffe in die Luft jagen und schon im Juli den Anteil der Rohstoffe verbrauchen, den Mutter Erde in einem ganzen Jahr für uns ersetzen kann. Das eine tun, und das andere nicht lassen, ist zu allen Zeiten ein gutes Motto für uns Menschen und Christen. Tun, was in unseren Kräften und Möglichkeiten steht und dann Gott um seine Hilfe und seinen Segen bitten. Er wird es tun.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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