Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • 4, 14 und 24
    4, 14 und 24
    Das Leben der Frau, an die ich heute denke, ist in drei knappen Zahlen einzugrenzen: 4, 14 und 24. Wie das? Mit vier Jahren wird Elisabeth, die ungarische Königstochter, mit vielen Geschenken und Amme und Gespielinnen nach Eisenach auf die Wartburg gebracht; nicht zu ihrem Vergnügen, sondern aus staatspolitischen Gründen. Sie soll den Sohn des damals sehr mächtigen thüringischen Landesfürsten der Ludowinger heiraten und so die Macht beider Seiten stärken und ausweiten. Der ihr zugedachte Herrmann stirbt aber und so heiratet sie mit gerade einmal 14 Jahren den jüngeren Sohn Ludwig. Es ist eine Verbindung, die damals sehr ungewöhnlich war, denn beide waren zusammen aufgewachsen und liebten sich aus ganzem Herzen.Die Verhältnisse auf der Burg, das ausschweifende Leben der Burggrafen und Ihres Gefolges und die Armut der Leibeigenen unterhalb der Burg in Eisenach und den umliegenden Weilern hat die junge Elisabeth schon immer zum Nachdenken gebracht und ihren Zorn erregt und ihre Hilfsbereitschaft. So bringt sie Brot und andere Lebensmittel nach unten zu den Bedürftigen und ihr Ludwig versteht sie und billigt ihr Handeln. Sie bekommt drei Kinder und könnte glücklich sein. Aber ihr geliebter Gatte stirbt auf der Reise zum Kreuzzug und ihr ist sehr schnell bewusst, was das bedeutet. Die restliche Verwandtschaft, denen Elisabeths Handeln und ihre Großzügigkeit schon immer ein Dorn im Auge war, lässt ihr keinen Raum zum Leben.So gibt sie ihre Kinder in Pflege und Obhut, geht nach Marburg auf ihr Witwengut und gründet ein Hospital für die Armen und Kranken. All ihr verbliebenes Geld geht dabei drauf und ihre Lebenskraft. Und so stirbt sie mit gerade einmal 24 Jahren. Zwischen diesen Zahlen 4, 14 und 24 liegen gerade einmal 20 Jahre mit einer Fülle an Leben, Liebe, Temperament, Glaube, Mutterglück, Tragik, Trauer und Engagement für die Mitmenschen. Normalerweise würden wir jetzt reagieren und denken: Oh Gott, wie furchtbar. Aber sie sieht es anders. Sie wird knapp am Ende ihres Lebens zu ihren treuen Gefährtinnen sagen: "Seht, ich habe es euch immer gesagt: Wir müssen die Menschen froh machen."
    4 min
  • Oma ist jetzt im Himmel
    Oma ist jetzt im Himmel
    "Die Oma ist gestorben, die ist jetzt im Himmel!" – Neulich habe ich mitbekommen, wie ein Kindergartenkind von seiner Großmutter erzählt hat. Das Mädchen ist noch zu klein, um wirklich zu verstehen, was passiert ist. Aber sie hat zumindest begriffen: Die Oma ist nicht mehr da. Aber irgendwie schon noch, nämlich im Himmel. Ich fand vor allem die Überzeugung anrührend, mit der das kleine Mädchen gesagt hat: "Die ist jetzt im Himmel!"Aber wie kann man sich den überhaupt vorstellen? Jetzt im November gedenken wir ja besonders der Toten. Und wir hoffen, dass sie nicht völlig weg sind, dass sie noch auf irgendeine Weise fortexistieren. Als gläubige Menschen hoffen wir, dass sie bei Gott sind, in der Vollendung, wie es so schön heißt. An einen Himmel mit Wölkchen, auf denen die Toten wie Engel Harfe spielen, glaubt ja keiner. Aber was ist dann gemeint?In der Offenbarung des Johannes lesen wir: "Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal." Ich finde, so kann man sich den Himmel, das Paradies oder was auch immer nach dem Tod kommen mag, gut vorstellen: Den Tod gibt es nicht mehr, aber auch nicht mehr die Mühsal des Lebens auf Erden. Das, was an Leid geschehen ist, wird in Gott hineingenommen und vollendet.Und noch einen Gedanken finde ich tröstlich: Im Himmel gibt es keine Zeit mehr. Ich hoffe, wir müssen nicht warten, bis alle, die uns lieb und teuer waren, gestorben sind, sondern dass alle da sind, dass wir alle in verwandelter Form bei Gott sind; immer noch als die Personen, die wir waren mit all unseren Schwächen und Fehlern, die wir zu Lebzeiten hatten. Aber Gott heilt uns durch seine Liebe und all das Böse, das wir getan oder erlitten haben, wird so überwunden.Und so hoffe ich, dass das Kind auf jeden Fall Recht hat. Ihre Oma ist im Himmel – und wir, wenn wir gestorben sind, hoffentlich auch! Das sind doch mal Aussichten!
    3 min
  • Schaut auf die Frauen in der Kirche!
    Schaut auf die Frauen in der Kirche!
    Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war ich mal in Helfta. Und ich war entsetzt. Ich wusste ja, dass das Kloster im 13. Jahrhundert seine große Blütezeit hatte und das Zuhause der drei großen Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud der Großen war. Dann wurden sie vertrieben und über Jahrhunderte war das Klostergelände landwirtschaftlich genutzt. Aber jetzt, zum Ende der DDR, war es völlig heruntergekommen und sah erbarmungswürdig aus. Aber dann schon 1999 wurde das Kloster Helfta neu besiedelt von Zisterzienserinnen.Die Patronin dieses Klosters ist die Frau, an die wir heute besonders denken: die Heilige Gertrud von Helfta. Ein wunderbares Wort von ihr gefällt mir besonders gut. Sie sagt: Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe erreicht ihn. Das Kloster Helfta wurde 1229 gegründet und bestand gut 300 Jahre. Darin gab es eine hohe Blütezeit, weil die Äbtissin Gertrud von Hackeborn ihren Schwestern ein hohes Maß an Bildung und Ausbildung zukommen ließ. Sie hat großen Wert daraufgelegt, dass Theologie, Naturwissenschaften und Musik gelehrt wurden. Ihr war sehr klar, dass ohne Vernunft auch der Glaube verloren gehen würde und so brachte ihre Klosterschule viele sehr wissenschaftlich und geistlich hochgebildete Frauen hervor, die in ihrer Zeit die Seelsorge im Umfeld und die Bildung und Erziehung geprägt haben.Die jetzigen 8 Zisterzienserinnen leben, beten, schweigen und arbeiten dort und geben Zeugnis für die Größe Gottes. Sie sagen von sich: wir sind katholisch, weiblich, jung und leben dort, wo große Mystikerinnen gewirkt und weibliche Spiritualität ins Wort gefasst haben. Mich beeindruckt immer wieder, dass einzelne Menschen durch ihr Leben, ihren Glauben ihre Art der Gottesbeziehung über Jahrhunderte bekannt waren und es immer neu Nachfolgerinnen und Nachfolger gibt, die sich trauen, wieder neu anzufangen.Wenn wir im Moment so viele Probleme in unserer Kirche haben, tut es schon mal gut, auf die großen Frauen zu schauen, die in ihrer Zeit Vernunft und Glauben verbunden und sehr selbständig ihre großen Klöster geleitet und ganze Glaubensepochen mit ihren Schriften geprägt haben.
    4 min
  • Einer trage des Anderen Last
    Vorgestern wurde in der Nachbarstadt eine neu bezogene Etage in einem Gebäude eingeweiht, in dem Jahrzehntelang die Kreishandwerkerschaft untergebracht war. Nach sehr gelungener Renovierung ist dort der Sozialdienst katholischer Frauen eingezogen und später werden Einrichtungen der Caritas dazukommen. Diese Einweihung hatte zunächst mal so etwas Typisches: viele geladene Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft aber auch ganz viele Mitarbeitende und viele Vertreter der befreundeten Organisationen aus dem Umfeld. Also gab es zunächst Livemusik und dann die üblichen männlichen Grußworte – obwohl es um den Sozialdienst katholischer Frauen ging, den es dort seit 1913 gibt. Aber mit einem sehr coolen Griff, hat eine Kabarettistin durchs Programm geführt und immer wieder darauf hingewiesen, dass das alles ja Frauen auch können, was man an ihr ja sehen könnte. Viele haben sich über ihre treffenden kleinen freundlichen Nadelstiche amüsiert und oftmals auch geklatscht und es hatte etwas Wärmendes und Familiäres. Für mich war es spannend zu hören, dass in dieser Stelle ganz früher ein Stadttor war, und dort Menschen nur passieren durften, wenn sie entsprechenden Leumund, Urkunden oder auch die notwendigen Taler hatten. Heute ist es nun ein Willkommenstor für Menschen in schwierigen Lebenslagen, die dort Hilfe, Beratung und Begleitung suchen und bekommen. Ob in rechtlichen Betreuungen, Vormundschaften, ambulanten Familienhilfen, Schwangerenberatung, Betreuung junger Geflüchteter und den Pflegekinderdienst. Und die Lesung zur Einweihung konnte nicht treffender gewählt sein. Aus dem Galaterbrief war es die Ermahnung und Aufforderung: Einer trage des Anderen Last. So erfüllt ihr Christi Gebot. Und manchmal wird so sehr deutlich, dass Gott mit seinen Menschen für seine bedürftigen Menschen arbeiten möchte und Professionalität und Verstand dazu gibt, aber fast gleichwertig eben auch Herz und Hand reichen möchte. Seien wir dankbar für die vielen Menschen, die in ihren helfenden und beratenden Berufen den Hilfesuchenden zu Seite stehen und Zukunft möglich machen.
    3 min
  • Ein Licht im November
    Ein Licht im November
    Die meisten von uns mögen den November nicht. In den letzten Wochen war er auch in vielen Gegenden so, wie wir es nicht mögen: nebelig bis zum Mittag, grau, nasskalt und windig und spätestens ab 16.00 Uhr geht es nur noch mit angeschaltetem Licht. Spätestens jetzt wird mir immer deutlich, warum in den Jahrtausenden ohne Elektrizität, die Sehnsucht nach Licht so stark war. Die Entdeckung des Feuers und seine praktikable Nutzung im Leben hat den frühen Menschen schon anfanghaft die Erfüllung ihrer Sehnsucht gebracht. Und dann kommt einer, der tatsächlich von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Diese Aussage ist reich an Symbolik und weist auf mehrere Ebenen hin. Zum einen ist Licht das Symbol für Wahrheit und Erkenntnis. Im biblischen Zusammenhang steht Licht oft für Wahrheit, Weisheit und das Erkennen des Göttlichen. Wir sagen im Alltagsgebrauch schonmal, dass uns da ein Licht aufgegangen ist und das soll bedeuten, dass ich etwas erkannt oder verstanden habe.Indem Jesus sich als das "Licht der Welt" bezeichnet, betont er, dass er die Wahrheit über Gott offenbart und die Menschen leitet, damit sie in Gottes Licht leben können. Licht ist auch ein Symbol der Hoffnung und des Lebens nach dem Tod. Die Aussage Jesu schenkt Mut und Hoffnung, indem er verkündet, dass er die Kraft hat, sie von Sünde, Leid und Tod zu erlösen. Mit ihm als "Licht" können sie ein Leben voller Frieden und Erfüllung führen. Und wir beten am Sarg oder am Grab eines lieben Menschen: "Und das ewige Licht leuchte ihnen" in der Hoffnung, dass dieses Licht Jesu den Weg leiten wird durch den Tod zum Ewigen Leben, voller Licht und göttlicher Nähe. Und die andere Seite des Lichts ist die Dunkelheit, die oft ein Symbol für Sünde, Verzweiflung und das Böse an sich ist. Jesus, als das Licht der Welt stellt sich gegen diese Dunkelheit und verkündet, dass seine Anwesenheit die Macht hat, das Böse zu überwinden. Sein Evangelium, die gute Nachricht von einem liebenden Vater, und sein Lebensbeispiel wollen uns inspirieren, das Gute zu suchen, im Licht Gottes zu leben und füreinander Licht zu sein. Das Wort von Franziskus, dass es besser ist, ein kleines Licht zu entzünden, statt über die Dunkelheit zu klagen, ist eine schöne Anweisung in diesem trüben November, die Sehnsucht nach dem Licht schon mal in kleine echte Taten umzusetzen.
    4 min
  • "Da sein" für Gott und die Menschen
    "Da sein" für Gott und die Menschen
    Seit gestern sind wir im siebzehnten Jahr hier im Konvent San Damiano in Olpe.Die deutsche Provinz hatte beschlossen, dass wir nicht nur im Mutterhaus präsent sein sollten, sondern auch in der Stadt. Da wegen Schwesternmangel die Konvente im Krankenhaus und in der Franziskusschule geschlossen werden mussten, war das eine ziemlich gewagte Angelegenheit. Es mussten Schwestern gesucht und gefragt werden, ob sie sich das vorstellen können, das ausgewählte Haus musste ein bisschen auf Vordermann gebracht werden, dann wurde es schnell und unkompliziert zu einer Übergangsheimat für eine Kinderheimwohngruppe, deren Haus einen schweren Wasserschaden beheben musste und so weiter. Und als wir zum Agathafest 2009 schonmal in kleiner Runde vorgestellt worden waren, habe ich Anwesende gefragt, was sie denn von uns erwarten. Und ich werde den am häufigsten genannten Grund nie vergessen: „Wir möchten, dass Sie da sind“ Da sein als Lebensform ist eigentlich eher kontemplativ, also für Benediktinerinnen und Klarissen und so üblich. Und wenn ich auf die verflossenen 16 Jahre zurückschaue, war es aber tatsächlich ein wichtiger Aspekt unseres Hierseins.Da sein, wenn es an der Haustür klingelt und jemand ein Anliegen hat.Da sein, wenn eine ägyptisch-koptische Familie eine Wohnung für dreieinhalb Jahre braucht.Da sein, wenn für brasilianische oder indische Schwestern ein Leben auf Zeit bei uns notwendig ist. Da sein, wenn Menschen für ein paar Tage einen Tapetenwechsel, Gespräche und Lösungen in Lebensfragen suchen. Da sein, wenn beim lebendigen Adventskalender Verkündigung pur mit Glühwein und Plätzchen gelingt. Da sein, wenn Hilfe beim Martinsfest, bei der Muggelkirmes, beim Lektorendienst, beim Dienst an den älteren Mitschwestern im Altenheim wichtig wird. Da sein, wenn Schulen anfragen, ob man kommen könnte, um sich ausfragen zu lassen. Da sein, wenn die dritte Korporalschaft beim Schützenfest bei uns Aufstellung nimmt und kühles Bier bekommt. Und so weiter und so fort. Da sein, wenn Menschen zum täglichen Stundengebet zu uns kommen. Wir können seit 16 Jahren da sein, weil wir wissen und glauben, dass dieser Gott Jahwe von sich selbst den Menschen gesagt hat: Ich bin der ich bin da!
    4 min
  • Mit Glaubenskraft viel bewegen!
    Mit Glaubenskraft viel bewegen!
    Es ist leicht und fröhlich und freundlich und stimmungsvoll, einen schönen Martinsabend zu erleben: in die Kirche gehen zur Eröffnung des Martinszuges, dann mit Laternen und Gesang und Feuerwehrmusikzug durchs Städtchen flanieren, am Marktplatz angekommen das Martinsspiel schauen und von der Geschichte beeindruckt sein, Glühwein oder Kinderpunsch trinken und einen Stutenkerl, einen Weckmann, einen Klosmann geschenkt bekommen und erfreut und beschwingt nach Hause gehen. Wir Christen denken heute an einen Mann, der als junger Soldat gemacht hat, was er auf keinen Fall machen durfte. Er hat keinem Befehl gehorcht, sondern seinem Herzen! Wo gibt es denn sowas? Wo kämen wir hin, wenn selbst Befehlen gehorchen nicht mehr funktioniert. Das hätte bei Martin ziemlich ins Auge gehen können. Er hat den einzelnen frierenden Bettler von seinem hohen Ross aus, nicht übersehen, obwohl es viele frierende Bettler in jener Zeit gab, um die sich die Regierung gefälligst hätte kümmern können. Er hat sein Schwert gezückt und den Mantel geteilt, der ihn selbst und das Pferd bedeckt und warmgehalten hat. Der Haken an der Sache: der Mantel und das Schwert und das Pferd gehörte nicht ihm, sondern dem Kaiser und es war bei Strafe verboten etwas, was dem Kaiser gehörte, einfach wegzugeben oder sogar zu zerstören. Und die Legende, die sich im Volk bis heute gehalten hat, sagt, dass in der Nacht darauf, Christus dem Nichtchristen Martin erschienen ist, bekleidet mit dem halben Mantel und dem Dank für das offene Herz und den geteilten Mantel. Sehr viel später kann Martin den Dienst im Gefolge des Kaisers endlich quittieren und Nachfolger dieses Jesus Christus werden, der frierend und bettelnd an den Straßen der Welt sitzt und auf Hilfe wartet. Und er wird ein sehr anderer Christ und Bischof als viele andere vor und nach ihm. Er lebt in einer einfachen Holzhütte am Rand der Stadt und müht sich, durch die Gründung von Kirchen und Klöstern die Christianisierung des Landes zu festigen. Von Sulpitius Severus stammt die Aussage: „Durch Martins Tugenden und sein Glaubensbeispiel ist der Glaube in einem solchen Maß gewachsen, dass es heute keinen Ort gibt, der nicht voll ist von Kirchen und Klöstern.“ Die Glaubenskraft eines einzelnen Menschen kann so groß sein, dass sie ganze Länder und Generationen begeistert und zum Glauben bewegt.
    4 min
  • Ein unglaubliches Leben in einer unglaublichen Zeit
    Ein unglaubliches Leben in einer unglaublichen Zeit
    In unserer Ordensgemeinschaft ist es üblich, dass wir uns auch über Länder und Kontinente hinweg gegenseitig über besondere Ereignisse informieren. Und so erreichen uns auch die Informationen über den Tod von Mitschwestern. Diese sogenannten Totenbriefe habe ich sortiert, um sie abzuheften. Und da bin ich beim Überfliegen und Lesen bei einem dieser Briefe hängen geblieben.Er erzählt von einer Schwester, die mit acht Geschwistern aufgewachsen ist. Das ist im Amerika der damaligen Zeit nicht so ungewöhnlich. Aber es gibt ein paar Dinge in ihrem Lebenslauf, die doch sehr ungewöhnlich sind. Sie ist 1917 geboren, also während des Ersten Weltkrieges. Irgendwann hat ihre Mutter sie dann gefragt, ob sie nicht Ordensfrau werden will. Sie schreibt dazu: "Das war ein so plötzliches Klopfen an meine innere Tür. Ich war noch nicht bereit, darauf zu antworten. Aber ich dachte immer wieder darüber nach." Mit 17 Jahren hatte sie dann die Antwort für sich und ihr Leben gefunden und ist 1934 in unsere Gemeinschaft eingetreten. Das war die Zeit der großen Wirtschaftskrisen und in Europa begann der Nationalsozialismus sein Unwesen zu treiben. In ihrem Lebenslauf hieß das anders: Sie diente in vielfachen häuslichen Diensten den Mitschwestern in Logansport, Lafayette, Dunnington, Indianapolis und LaPorte, in Nebraska, Kansas, New Mexico und Colorado.1941, also mitten im Zweiten Weltkrieg, legte sie die Ewigen Gelübde ab, um Gott und den Menschen mit ihrem ganzen Leben zu dienen. Dann kommt die Kubakrise, die Mondlandung, die Kennedymorde und und und. Ein unglaublich bewegtes Jahrhundert. Und sie mittendrin und doch so anders. Die Schwestern schreiben, dass es sie immer hingezogen hat zum Dienst an den Armen. Sie hatte ein weites franziskanisches Herz, ein gütiges, liebenswürdiges und frohes Gemüt mit einem wunderbaren Sinn für Humor. 2017 hat sie ihren 100. Geburtstag gefeiert und 2019 feierte sie mit ihren Mitschwestern ihr 85 Jähriges Ordensjubiläum.Ein unglaubliches Leben in einer unglaublichen Zeit und ausgelöst mit einer einzigen Frage Ihrer Mutter: "Willst Du vielleicht Ordensfrau werden?" Die Mutter hat gespürt, dass ihre Tochter zu einem solchen Leben geeignet wäre und hat sich getraut, diese Frage zu stellen.
    4 min
  • Mein Vitamin D
    Mein Vitamin D
    Die letzten Tage waren so schön sonnig und warm und hell und jeder spürt es, dass es uns damit so sehr viel besser geht. Nach all den grauen Regentagen in den letzten Wochen, die gefühlt schon ewig dauern, ist das herrlich und wir merken, wie gut es uns damit an Leib und Seele geht. Im Fernsehen, immer kurz vor den Nachrichten, gibt es einen sehr netten Werbeclip für Vitamin D. Ringsum läuft alles irgendwie in grau und dunkel und dann kommt eine populäre Frau in knallgelber Jacke und erzählt von den Vorteilen von Vitamin D: für Knochen und Zähne, für die Stärkung des Immunsystems, für die bessere Muskelaktivität und für eine bessere Stimmung. Und jeder von uns weiß, dass Vitamin D von der Sonneneinstrahlung im Körper gebildet wird. Es gibt eine Bedingung: Wir müssen uns schon bewegen und rausgehen und die Sonne an uns ranlassen.Mein Vitamin D für mein Leben als Christin ist das Leben in der Gegenwart Christi – oder anders gesagt: mein Vitamin D ist mein Glaube an das "Du-Christus", "Du-Gott". Und es gibt auch hier eine Bedingung: Ich muss mich zu ihm hinbewegen; zu ihm, der in meiner Seele präsent ist, zu ihm, dem ich in der Schöpfung so unbeschreiblich wunderbar begegne, zu ihm, der mir in jedem Menschen entgegenkommt. Und ich muss darin nicht perfekt und stark und immer gleich sein, sondern so, wie ich im Moment bin: so stark, so schwach, so genervt oder geliebt, gelangweilt oder fit und vital. Ich kann mich meinem "Du-Christus" nähern oder auch andersherum: ihn zu mir kommen lassen, so wie es gerade ist.Im 2. Korintherbrief heißt es heute dazu sehr passend: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt." Er kann und will meine Kraft, meine Zuversicht, meine Hoffnung, mein Stern, auf den ich schaue, mein Vitamin D, das mir Power und Geduld gibt oder das, was ich im Moment brauche, wirklich sein. Ich wünsche Ihnen also für heute und für das anstehende Wochenende und vielleicht für immer das etwas andere Vitamin D, nämlich das "Du-Christus".
    4 min
  • "Wach auf, meine Seele"
    "Wach auf, meine Seele"
    Ich bin immer wieder fasziniert, wie frisch und fröhlich und munter am ganz frühen Morgen schon die Radiomoderatoren sind. Sie quasseln fröhlich drauf los und können schon so früh witzige Sachen erzählen. Wie ist es mit Ihnen? Sind Sie schon wach? Oder sogar schon munter? Oder bereit Gott zu loben?Ich liebe zu den Laudes, wenn ich noch nicht so richtig munter und wach bin, wenn mir noch manches Dunkle durch den Kopf rauscht, den Psalm 108. Darin heißt es so wunderbar: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Wacht auf, Harfe und Saitenspiel! Ich will das Morgenrot wecken. Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, dir vor den Nationen lobsingen. Denn deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, deine Treue, soweit die Wolken ziehn. Erheb dich über die Himmel, o Gott! Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde. Hilf mit deiner Rechten, erhöre uns, damit die gerettet werden, die du so sehr liebst. Mit Gott werden wir Großes vollbringen; er selbst wird unsere Feinde zertreten. Mein Herz ist bereit, o Gott. Ich will dir singen und spielen."Ein bisschen sind diese Verse aus dem Psalm wie ein Triumphgesang. Der Beter des Psalms vertraut sich Gott an mit Herz und Seele und ist überzeugt, dass dieser Gott ihn aus allem Übel retten wird. Aber zunächst singt und preist er Gott und sagt zu seiner Seele, dass sie aufwachen soll, dass sie Gott vor den Nationen loben soll. Meinen Tag damit beginnen, Gott zu loben, mich jeden Morgen vergewissern, dass dieser Gott mich hören und begleiten wird, tut mir gut und dann auch allen, denen ich begegne und die mit mir zuhause, an der Arbeit und unterwegs zu tun haben werden.Also "Wach auf, meine Seele, mein Herz ist bereit, ich will Dir Gott singen und spielen".
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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