Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Loben, dienen und sich an Gott erfreuen!
    Loben, dienen und sich an Gott erfreuen!
    Alle franziskanischen Gemeinschaften feiern heute das Fest des heiligen Bonaventura. Giovanni di Fidanza wurde als Sohn eines Arztes geboren. Die Überlieferung erzählt, dass das schwer kranke Kind geheilt wurde, nachdem seine Mutter ihn zu Franziskus von Assisi gebracht und der ihn gesegnet hatte. Als Franziskus 1226 im Sterben lag, besuchte ihn die Mutter mit dem gesunden Kind abermals; Franziskus rief über dem Kind aus: "oh buona ventura", "oh gute Fügung", was später zum Ordensnamen von Johannes wurde. Diese Geschichten aus dem 13. Jahrhundert sind einfach schön und zeigen, welches Vertrauen in Gott die Menschen hatten. Aber von Bonaventura sind unglaublich viele Bücher, Texte und Vorträge überliefert. Er galt als einer der großen Theologen seiner Zeit und in den Anfängen der Bettelorden, die noch einmal eine ganz andere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Evangelium für unsere Kirche begonnen hat. Später wurde er Generaloberer der Franziskaner und vorher Professor an der Sorbonne in Paris. Vorher in Pisa soll ihn Thomas von Aquin besucht und gefragt haben, wo seine Bibliothek sei, aus der er sich so große Kenntnisse und Beredsamkeit erworben habe. Bonaventura zog einen Vorhang zurück und deutete auf den gekreuzigten Christus. Zwei Zitate von Bonaventura sind, glaube ich, auch für uns heute ziemlich gut zu bedenken. Das erste: "Wer durch den Glanz und die Herrlichkeit alles Geschaffenen nicht erleuchtet wird, ist blind. Wer durch die lauten Rufe der Schöpfung nicht aufwacht, ist taub. Wer ob aller Geschöpfe und ob aller seiner Werke Gott nicht lobt, ist stumm, und wer aus all diesen Zeugnissen den Urgrund, den Schöpfer, nicht erkennt, ist töricht und dumm." Und noch ein zweites Zitat finde ich sehr bemerkenswert: "Wegen dieser drei Dinge hat Gott die vernünftige Seele geschaffen: Dass sie Ihn lobe, dass sie Ihm diene, dass sie an Ihm sich erfreue und in Ihm ruhe; und das geschieht durch die Liebe, denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm."
    4 min
  • Mit mehr Liebe leben!
    Mit mehr Liebe leben!
    Wenn ich unsere älteren Mitschwestern im St. Gerhardushaus in Drolshagen besuche, fällt mein Blick oft auf einen dieser Tagesabreißkalender in Großdruck, die extra für Senioreneinrichtungen erfunden worden sind. Er hängt im Flur, also strategisch günstig und da kann man mal Frommes oder auch Freundlich-Alltägliches lesen und manchmal gefällt mir das auch und ich bleibe davor stehen und plaudere mit einer unserer Schwestern darüber. An einem Tag Anfang Juli war dort zu lesen: "Ich möchte mehr mit Liebe und weniger mit Argumentationen leben, mehr mit Liebe und weniger mit Empörung, Regeln oder Anklagen."Und mir ist sofort aufgefallen, dass es kein schlechter Wunsch ist. Vielen von uns sind die ewigen Debatten und die Empörungsunkultur bei Kleinigkeiten, die unerbittlichen Regeln und schnellen Anklagen, wenn das Gegenüber eine andere Meinung hat, leid und wünschen sich etwas Anderes.Und dann erst habe ich gelesen von wem das Zitat stammt. Es ist von Samuel Koch, jenem jungen Mann, der sich beim Sprung über ein Auto in der Sendung "Wetten dass" vor 14 Jahren so schwer verletzt hat, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist. Viele haben das damals gesehen und waren entsetzt, erschüttert und zutiefst traurig. Aber wir wissen heute, dass Samuel sein Schicksal angenommen, sein Studium beendet, Bücher geschrieben, geheiratet hat und in seinem Beruf arbeitet. Und mich beeindruckt, dass er nicht sagt: Ihr müsst mit mehr Liebe leben …. sondern er sagt: Ich möchte mit mehr Liebe leben …. Ich habe es gelesen und es beschäftigt mich seitdem sehr. Vielleicht Sie auch.
    3 min
  • Der Vater von Europa
    Der Vater von Europa
    Ein junger Mann wird von seiner Familie, die ihm Großes zutraut, zum Studium nach Rom geschickt. Zunächst fühlt er sich dort gut, beginnt sein Studium und kommt gut voran. Aber dann merkt er immer mehr, dass das völlig sittenlose Leben in der Stadt ihn anwidert und er kaum noch Menschen findet, die mit ihm ein einfaches christliches Leben führen wollen. Zunächst geht er dann, sehr zum Leidwesen seiner Familie, für drei Jahre als Einsiedler in eine Höhle bei Subiaco. Sein damals erstaunlich konsequent christliches Leben zieht viele junge Leute an und er gründet zwölf kleine Klöster für sie. Im Jahr 529 siedelt er nach Monte Cassino um, das schon bald zum Zentrum des Mönchtums und der religiösen Kultur wird. Dort schreibt er seine Klosterregel, in der er die beste monastische Überlieferung des Ostens und des Westens zusammenfasst. Vertrautheit mit der Heiligen Schrift und eine reiche geistliche Erfahrung verliehen ihm die Güte und Weisheit, die auch seine Regel auszeichnen. Da heißt es zum Beispiel: "Wenn wir Psalmen singen, dann soll unser Herz mit dem gesungenen Wort zusammenklingen." Also nicht der schöne Klang ist wichtig, wenn unser Herz weit davon weg ist, was wir singen oder beten. Oder: "Keiner soll nach dem eigenen Nutzen streben, vielmehr soll jeder auf das bedacht sein, was für den andern gut ist."  Das klingt also seit eineinhalb Jahrtausenden wie die Mahnung John F. Kennedys aus dem Anfang der 1960 Jahre: "Frag nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern was Du für den Staat tun kannst"Diese uralte Klosterregel ist so klug und weise, dass sie seit 1500 Jahren bestand hat und zehntausende von Mönchen und Nonnen nach ihr leben. Klugheit und Maß sind auch heute Wertmaßstäbe, die das Leben der Einzelnen aber auch der Gemeinschaften bestimmen kann. Und es hat nichts von seiner Aktualität verloren. Und weil dieser junge Mann, den man später Benedikt von Nursia nennen wird, in der Nachfolge Jesu zunächst aus der verheißungsvollen Stadt und der Universitätskarriere flieht, und in für ihn richtigen christlichen Weise leben will, zieht er so viele Menschen in seinen Bann, dass er und seine Brüder den christlichen Glauben, Kunst und Kultur Europas prägen und beeinflussen werden und er so von Papst Pius XII. zum "Vater Europas", von Paul VI. zum "Schutzpatron Europas" erklärt wird. Das ist doch mal eine Karriere!
    4 min
  • Leben Sie im Hier und Jetzt?
    Leben Sie im Hier und Jetzt?
    Es ist Sommer. So richtiger Sommer. Strahlend schön und blauer Himmel und Wärme und lange Abende im Garten und ohne Zeitdruck dicke Bücher lesen, weil es noch so lange hell und wunderbar warm ist. Ein bisschen fühlt es sich wie Urlaub an, aber der ist noch eine Weile hin. Aber das ist, glaube ich, die Frage. Kann ich den Tag selbst, auch wenn ich den ganzen Tag gearbeitet habe, kann ich das Wetter, die laue Luft, das Sommergefühl auch genießen, wenn ich keinen Urlaub, sondern den ganz normalen Alltag habe?  Vielleicht kennen Sie die kleine Geschichte vom Mönch, der gefragt wurde, warum er trotz seiner vielen Aufgaben immer so gesammelt sein könne. Der Mönch sprach: "Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich schlafe, dann schlafe ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich trinke, dann trinke ich; wenn ich schweige, dann schweige ich; wenn ich schaue, dann schaue ich; wenn ich lese, dann lese ich; wenn ich arbeite, dann arbeite ich; wenn ich bete, dann bete ich .." Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: "Das tun wir doch auch. Aber was machst du noch, was ist das Geheimnis deines Mensch-seins?"Und der Mönche antwortete das gleiche. Da sagten die Neugierigen: "Das wissen wir jetzt. Das tun wir alles auch!" Der Mönch aber sprach zu ihnen: "Nein, eben das tut ihr nicht: Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr geht, seid ihr schon angekommen; wenn ihr sitzt, dann strebt ihr schon weiter; wenn ihr schlaft, dann seid ihr schon beim Erwachen; wenn ihr esst, dann seid ihr schon fertig; wenn ihr trinkt, dann kostet ihr nicht genug; wenn ihr sprecht, dann antwortet ihr schon auf Einwände; wenn ihr schweigt, dann seid ihr nicht gesammelt genug; wenn ihr schaut, dann vergleicht ihr alles mit allem; wenn ihr hört, überlegt ihr euch schon wieder Fragen; wenn ihr lest, wollt ihr andauernd wissen; wenn ihr arbeitet, dann sorgt ihr euch ängstlich; wenn ihr betet, dann seid ihr von Gott weit weg…"Bleiben wir, nur für heute, vielleicht nur jetzt gerade, im Hier und Jetzt und in Freude vor Gott.
    4 min
  • Schaff doch Rettung, HERR!
    Schaff doch Rettung, HERR!
    Ein nicht gegebener Handelfmeter im Spiel am Freitag gegen Spanien hat seitdem die Gemüter der Fachleute und der Fans erhitzt. Ein so klar mit der Hand abgewehrter Ball bei einem Direktschuss aufs Tor war deutlich zu sehen. Aber der Schiedsrichter sagt Nein und schaut es sich noch nicht mal an. Tja, Tatsachenentscheidung heißt das und kann nicht mehr geändert werden, auch wenn Hunderttausende in einer Petition die Wiederholung des Spiels verlangen, was aber nun wirklich nicht geht. Auf meinem heutigen Kärtchen für selige Fußballfans steht das Wort ELFER, als Kurzwort für Elfmeter. Und das Bibelwort für diesen Begriff ist aus dem Psalm 20 der Vers 5. Da heißt es: Der Herr gebe dir, was du von Herzen wünschst, was du dir vorgenommen hast, lasse er gelingen. Jeder Fußballfan versteht, in diesem Zusammenhang, was gemeint ist. Zum einen der Wunsch nach dem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters und zum anderen, wenn der dann gegeben ist, dass der Schütze auch treffen möge. Aber der Psalm, aus dem dieses Wort genommen ist, ist ein Bittpsalm um Gottes Hilfe für den König, der auch heute noch in manchen Formulierungen sehr aktuell ist. Da ist die Bitte in Zeiten der Bedrängnis um Hilfe und Schutz im Namen Gottes. Es gibt den Wunsch an Gott, alles Planen und Regieren zu erfüllen und dabei selbst zu Bedenken, dass nur im Namen Gottes diese Wünsche sein sollten. Und der König oder die Regierenden sollten nicht auf Rosse und Wagen, also Waffen und Heere und Angriff ihr Vertrauen setzen, sondern auf die rettende Hand Gottes. Und am Ende des Psalms bleibt die sehr drängende Bitte an Gott: Schaff doch Rettung, HERR! Jeder Glaubende, der in Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt lebt, wird nicht müde, diese flehende Bitte an Gott zu richten und es bleibt die Verzweiflung aller, dass Gott scheinbar nicht hört oder machtlos ist. Und doch bleibt der Auftrag, mit ihnen zu beten und zu bitten und das Vertrauen in Gottes Hilfe nicht zu verlieren.
    3 min
  • Worte, die zum Leben helfen
    Worte, die zum Leben helfen
    Heute hat ein Bruder von mir Namenstag, vier Tage später Geburtstag, meine Nichte im August, meine Schwägerin im Oktober, meine Ex-Schwägerin im September, mein Neffe im Dezember und so weiter und so fort. In der Herkunftsfamilie an Geburts- und Namenstage denken und die anderen erinnern war früher immer der Job meiner Mutter. Wir haben es immer ein bisschen belächelt und uns am Ende doch gefreut, wenn von allen Seiten und von allen weiter verstreut lebenden Familienmitgliedern Glückwünsche eingetrudelt sind.Jetzt bin ich die Älteste in der Sippe und ich habe es gerne übernommen zu erinnern und zu gratulieren. Klar, es gibt eine Familien-WhatsApp-Gruppe und da kann man schnell etwas reinsetzen, ein paar passende Emojis dazu, absenden und fertig. Aber man kann auch, ein bisschen Old Fashion, einen Brief schreiben oder anrufen irgendwann am Abend. Ich persönlich finde zugeschriebene Worte auf Postkarten oder Briefen wirklich schön und ich kann sie auf den Schreibtisch stellen, immer mal wieder lesen und mich freuen.So ähnlich sagt es in der heutigen Lesung der Prophet Jeremia: "Kamen Worte von Dir, Gott, so verschlang ich sie; Dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere." – Manchmal ist es so, dass mir ein Wort aus den vielen biblischen Worten, die wir jeden Tag lesen oder hören, tatsächlich hängenbleibt und ich es in mir bewegen und immer wieder von den verschiedenen Seiten anschauen kann. Und dann wird es handfest und ich kann es im Tag nutzen oder es fordert mich heraus oder es erfreut mir einfach einen nicht so tollen Tag.Aber dafür muss ich mich wirklich mühen und jeden Tag dranbleiben. Es ist nicht das Dessert oder die Erdbeersauce über den Tag ausgeschüttet, sondern schon energische Arbeit für Verstand, Geist und Seele. Aber dann ist es auch nahrhaftes Schwarzbrot, das man kauen muss und dass dann auch sättigt. Schreiben wir also weiterhin Gratulationen, die den Empfänger erfreuen und lesen wir in der Heiligen Schrift die Worte, die uns zum Leben helfen wollen.
    3 min
  • Ein Fest für Herz, Leib und Seele
    Ein Fest für Herz, Leib und Seele
    Am Mittwoch, dem Fest des heiligen Apostels Thomas, haben wir etwas Ungewöhnliches erlebt. Wir wussten, dass der Apostel Thomas der Begründer und Patron der indischen Christen ist. Aber seine Bedeutung ist uns an dem Tag erst aufgefallen. Ein Konvent von fünf Schwestern einer indischen Gemeinschaft konnte endlich ihr neues Domizil in einem renovierten Pfarrhaus im Nachbarstädtchen beziehen. Also haben sie mit vielen Gästen und vielen ihrer Schwestern aus ganz Deutschland einen wunderschönen Gottesdienst in der Pfarrkirche gefeiert. Ein Weihbischof und deutsche und indische Priester haben ihn zelebriert und alle indischen Teilnehmer*innen haben mehrere Lieder in ihrer Sprache Malayalam gesungen. Schon das Liedblatt, dass die indischen Mitfeiernden hatten, sah aus wie ein Kunstwerk und die Melodien sind so wunderbar und herrlich anders, dass es mir immer eine Freude ist, mich in die Melodien einzuschwingen.Die Begrüßung durch eine indische Schwester in gutem Deutsch hatte feine deutsche Sprachbilder. Sie hat von Menschen gesprochen, die wie ein Fels in der Brandung für sie waren, von Helfern, die wie deutsche Eichen fest hinter ihnen stehen, von Menschen aus der Gemeinde, die wie fleißige Bienen unentwegt gearbeitet haben und von anderen, die als Engel zu ihnen geschickt worden sind. Es war eine Freude ihr zuzuhören und ich habe wieder gemerkt, dass wir nüchternen Deutschen es ein bisschen verlernt haben, in solch schönen Bildern zu reden. In einer kleinen Prozession ist dann das Allerheiligste in ihr Haus in die Kapelle geleitet worden und dann wurde alles mit Weihrauch und Weihwasser gesegnet. Und dann natürlich kein Fest ohne Festessen, das im Pfarrheim im Nachbardorf bereitet war und herzliche und fröhliche Atmosphäre mit viel Lachen und Plaudern und Loben und Danken.Für mich und meine Mitschwester, die wir in den letzten Jahren in unserer Gemeinschaft viel öfter die Schließung von Konventen erlebt haben, war es ein Fest für Herz, Leib und Seele und eine schöne Gewissheit, sie in unserer Nähe zu haben. Die nicht mehr so selbstverständlich geäußerte Fürbitte um Ordensberufungen in unsere Kirche konnte ich wieder aus ganzem Herzen mitbeten.
    3 min
  • Barmherzigkeit Gottes
    Barmherzigkeit Gottes
    In einigen Spielen der EM haben die Schiedsrichter nicht damit gegeizt, gelbe Karten zu zeigen. Das bedeutet, wenn ein Spieler ein schlimmes Foul begeht, sich unsportlich verhält oder sonst eklatant gegen die allgemeinen Regeln des Fußballs verstößt, bekommt er diese Verwarnung. Und das hat Folgen. Meist sind die Spieler dann etwas vorsichtiger und versuchen, jetzt regelkonform zu agieren. Und wenn es dann trotzdem schiefgeht, bekommt er noch eine gelbe Karte und aus doppelgelb wird rot und der Spieler muss den Platz verlassen. Also eine sehr viel höhere Strafe, die auch meist eine Sperre für ein oder zwei Spiele nach sich zieht.Natürlich ist in meiner Kartensammlung für selige Fußballfans auch eine gelbe Karte. Und da steht ein Bibeltext aus dem Lukasevangelium. Im 12. Kapitel in Vers 48 steht: "Wer dagegen falsch handelt, ohne es zu wissen, wird mit einer leichteren Strafe davonkommen."In diesem Kapitel geht es um die Wachsamkeit. Wie sollen wir wachsam in der Erwartung des kommenden Christus leben, ist hier die Frage, die den Jüngern in Gleichnissen gestellt und erläutert wird. Und am Beispiel eines Herrn, der seine Diener mit Aufträgen versieht und auf Reisen geht, kommt die Erklärung: Da niemand weiß, wann der Hausherr zurückkommt, sind die verschiedenen Typen zu erkennen. Die einen machen ihren Dienst, wie er ihnen aufgetragen ist. Die anderen denken, oh, mein Herr kommt noch lange nicht, machen alles zu ihren Gunsten und kümmern sich nicht um die ihnen Anvertrauten.Für uns heute ist es eine gute Erklärung für unseren Tag heute. Tun wir das, was heute dran ist, was unser Arbeitsauftrag im Betrieb, in der Familie, im Ehrenamt in der Gemeinde ist und bleiben wir in der Erwartung des Herrn, von dem wir nicht wissen, wann er kommt.Und im Fußball, in einem Turnier, gibt es die wunderbare Regel, dass nach dem Viertelfinale alle gelben Karten gelöscht werden. Das heißt, alle Sünden und Verfehlungen sind gelöscht und man kann in den letzten Spielen wieder unbeschwert loslegen. Eine gute Erklärung für die Barmherzigkeit Gottes, der uns immer wieder eine neue Chance gibt, auch nach mehreren gelben Karten.
    3 min
  • Mein Herr und mein Gott!
    Mein Herr und mein Gott!
    Thomas ist die ganze Zeit mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen mit Jesus unterwegs gewesen, hat ihn mitreißend predigen gehört, gesehen wie er gelebt, gebetet, gelitten, geglaubt hat, hat mit ihm gegessen und getrunken und Feste gefeiert. Er hat die Wunder erlebt, die in den drei Jahren geschehen sind und alle verblüfft haben. Er ist aber, wie fast alle seiner Kollegen in Panik geflüchtet, als dieser Jesus, an den er geglaubt hat, gepeinigt und gekreuzigt wird. Und dann soll er wieder auferstanden sein? Echt jetzt? Die anderen Apostel haben ihn gesehen und erzählen es ihm. Aber das geht Thomas jetzt wirklich zu weit. Er entgegnet ihnen ärgerlich und schroff: Wenn ich nicht die Wunden von den Nägeln an seinen Händen sehe und wenn ich das mit meinen Fingern nicht fühlen kann und meine Hand nicht in seine Seite legen darf, glaube ich nicht. Basta. Dieses Basta, dieses "dann glaube ich nicht", ist die große Frage des Thomas nach dem, was er denn noch glauben kann und will. Wir sagen schnell, der ungläubige Thomas. Aber eigentlich ist es eher anders: weil er glauben möchte, hat er Zweifel. Nur wer wirklich glaubt, hat auch Zweifel. Und acht Tage später ist er doch wieder mit den anderen zusammen. Und Jesus kommt dazu und spricht ihn an: Leg Deine Hände in meine Wunden und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Weil Jesus die Zweifel des Thomas ernst nimmt und kennt, kann er ihm genau die Zeichen geben, die er braucht, um glauben zu können. Er darf es quasi be-greifen – anfassen – antippen – erfühlen und damit verstehen. Und dann kommt das eigentlich Große dieses angeblichen Zweiflers. Er kann ganz beeindruckt bekennen und trotzdem ganz einfach sagen: Mein Herr und mein Gott. Er sagt nicht: Du bist der Herr und Gott. Er bekennt: Mein Herr und mein Gott. Für mich ist das Beispiel des Thomas gerade im Moment der Krise der Kirchen eine Antwort: Kann ich sagen und bekennen: Mein Herr und mein Gott? Da ist nicht der perfekte, strahlende, zweifelsfreie Glaube gemeint, der über allem schwebt und durch keine Katastrophe angefragt werden kann, sondern der oft haltlose, der zweifelnde, der verzweifelte aber immer suchende Glaube, auf der Suche nach meinem Herrn und meinem Gott.
    4 min
  • Gott ist immer mit uns!
    Gott ist immer mit uns!
    Ein vierzehnjähriges Mädchen, das in der Glaubensgewissheit erzogen worden ist, dass eine aus ihrem Volk die Mutter des Messias werden wird, hat diese Begegnung mit dem Engel Gabriel, der genau ihr diese unglaubliche Botschaft bringt. Und der Engel gibt ihr, quasi als Ermutigung, Tipp und Trost die Nachricht, dass ihre Verwandte Elisabeth, die ja schon älter und kinderlos ist, jetzt einen Sohn erwartet. Sie sei schon im sechsten Monat, weil bei Gott nichts unmöglich ist. Einige Wochen gehen ins Land und dann macht sich Maria auf den Weg ins Gebirge, zu ihrer Verwandten. Was will sie dort? Ihre eigenen Eltern ahnen wahrscheinlich noch nichts von dem Unbeschreiblichen, was sich da anbahnt, ihr Verlobter Josef auch nicht. Braucht sie vielleicht doch noch den Beweis, dass sie das alles nicht geträumt hat, dass stimmt, was der Engel gesagt hat, dass dieses Unglaubliche, das ihr da angekündigt worden ist, wirklich Gottes Wille ist? Oder will sie den Abstand von zuhause, um sich selbst wieder sicher zu werden? Oder will sie einfach ihre Verwandte besuchen und mit ihr eine Frau, die sich mit ihrem Mann ebenso auf ein göttliches Abenteuer eingelassen hat? Vielleicht braucht sie eine mütterliche Schulter, an der sie sich anlehnen und ausweinen kann, wegen all dem Ungeheuerlichen, was ihr da zugetraut wird? Fragen über Fragen, die wir uns stellen würden.  Denn im Augenblick, da sich diese beiden Frauen, die ganz junge, und die schon ältere begegnen, geschieht eine Explosion und eine Revolution: eine Explosion in Freude, Glück und Überraschung, die beide Frauen und ihre Ungeborenen erfasst und jubeln lässt. Und eine Revolution. Denn aus Maria, diesem gesegneten jungen Mädchen, bricht ein Gebet hervor, das bis heute nachhallt. Sie verkündet, dass Gott auf die Niedrigen schaut, die Hochmütigen verjagt, die Mächtigen von ihren Thronen stürzt und kleine Leute erhöht und sich immer seines Volkes erbarmt, weil er es Abraham, Sarah und allen ihren Nachkommen verheißen hat. Und sie sagt nicht, dass dieser Gott es in Zukunft tun wird, sondern jetzt, heute, immer. Aus dieser Begegnung von Maria und Elisabeth, an die wir uns heute erinnern, geht eine Kraft und Freude aus, weil es allen klarmacht: dieser Gott ist mit uns, heute, immer und in alle Ewigkeiten.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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