Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Gelebte Glaubensgeschichte
    Gelebte Glaubensgeschichte
    Nach dem Tod einer Tante haben Angehörige aufgeräumt und entsorgt und manche Sachen dann doch aufgehoben und weitergegeben, weil man das Gefühl hatte, das ist irgendwie wertvoll. Und so hat eine Mitschwester ein kleines Gebetbüchlein erhalten. Wirklich klein wie eine gefaltete Postkarte und 48 bedruckten Seiten mit "Ausgewählte Gebete für die Jugend" mit Morgen- und Abendgebeten, Fürbitten in verschiedenen Lebenslagen und speziellen Gebeten zum heiligen Josef und anderen Heiligen. Das alles natürlich in der Sprache der damaligen Zeit, denn das Büchlein ist 1912 gedruckt worden.
    Das eine, was mich beeindruckt, ist die gelebte Glaubensgeschichte, die Menschen immer neu bewegt hat Gebete zu formulieren, zu drucken und weiterzugeben. Weil es einem selbst wichtig ist. Aber das viel beeindruckendere an diesem kleinen Buch ist, dass es noch 30 vollkommen unbedruckte, also gänzlich leere Seiten hat. Diese 30 Seiten waren also die Einladung an die oder den Besitzer, eigene Texte oder Gebete hineinzuschreiben. Und das hat diese Frau auch gemacht. Sie hat in das Buch Texte und Fürbitten geschrieben in der alten deutschen Schrift, die wir kaum noch entziffern können. Ein paar Seiten sind herausgerissen, weil ihr vielleicht ihre eigenen Gebete nicht mehr passend erschienen und es lagen ganz viele sehr eng beschriebene Zettel darin mit Selbstformuliertem.
    Mich und uns hat dieses Gebetbuch sehr erfreut und auch nachdenklich gemacht. Was würden Sie heute, mehr als 110 Jahre später, in ein Gebetbuch schreiben? Welches gelernte oder mal irgendwie im Internet gefundene Gebet würden Sie dort aufschreiben, um es zu bewahren oder sogar weitergeben?
    Mir fällt dieser Tage immer dieser kurze Ruf ein, den wir zwischen den verschiedenen Kreuzwegstationen beten: "Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger Unsterblicher, erbarm, erbarm Dich unser" und das ist ein sehr altes und trotzdem immer noch so aktuelles Gebet.
    3 min
  • Crashkurs in Sachen Liebe
    Crashkurs in Sachen Liebe
    Mit dem Palmsonntag gestern hat die Karwoche begonnen – die entscheidende Woche im Leben Jesu und für uns im Leben und Nachgehen auf Ostern zu. Man kann auch sagen: Die Karwoche ist der Crashkurs in Sachen Liebe bis zum Tod des Jesus von Nazareth: damals für ihn und heute für uns.
    Der Palmsonntag ist für mich, die ich in Heiligenstadt, im thüringischen Eichsfeld geboren und in der Nähe aufgewachsen bin, ein ganz besonderer Tag. Dort gibt es seit dem 16. Jahrhundert, von den Jesuiten eingeführt, die große Leidensprozession, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder stattfinden konnte. Sechs überlebensgroße Figuren, die die Leidensgeschichte Jesu zeigen, werden durch die Stadt getragen und viele tausend Menschen gehen singend und betend mit der Prozession und noch einmal viele tausend stehen in den Straßen und schauen zu oder singen und beten mit.
    Die eine Seite ist, dass diese Prozession, die die größte in Mitteleuropa ist, nicht über den Verstand, sondern mit allen Sinnen das Leiden Jesu für uns deutlich machen will: die sehr eindrücklichen Figuren, die Lieder und Texte, die Musik, die Stille über der ganzen Stadt. Die andere Seite ist, dass in den Wechselfällen dieses kleinen Landstrichs, der immer wieder Zankapfel zwischen den Herrschenden war, auch nur das Mitgehen bei der Prozession, schon eine Provokation sein konnte und geahndet wurde. Zur Nazizeit wurde sehr genau geschaut und Abiturienten, die die Fackeln neben den Figuren trugen, wurden vom Abitur ausgeschlossen. Nach dem Krieg hat der pfiffige Propst von Heiligenstadt, der wusste, dass der russische Stadtkommandant im Zivilberuf Theaterregisseur war, diesem die Prozession als Theaterinszenierung verkauft. Und der Kommandant war beeindruckt und sehr angetan und seither war nie wieder diese Prozession in Frage gestellt. Selbst bei allen Schikanen der DDR-Granden haben sich die sturen und gläubigen Eichsfelder nie beeindrucken und einschüchtern lassen, auch wenn viele Menschen Nachteile in Kauf nehmen mussten.
    Leben als Christ und Nachfolge dieses Jesus Christus hat Folgen – auch heute. Crashkurs in Sachen Liebe.
    3 min
  • Entfesselt die Kraft des menschlichen Potenzials!
    Entfesselt die Kraft des menschlichen Potenzials!
    Vor kurzem habe ich einen spannenden Artikel gelesen über eine Großbäckerei in den USA, in der Nähe von New York, die ihr Personal immer ohne irgendein Vorstellungsgespräch und auch ohne eine Ausbildung anstellen. Das Prinzip ist ganz einfach: Man hinterlässt auf einer Liste seinen Namen und seine Telefonnummer und im Durchschnitt nach ca. einem halben Jahr wird man angerufen und in den Betrieb angelernt und kann dort sogar aufsteigen, Karriere machen... Das hat natürlich zur Folge – und das ist auch das Anliegen des Geschäftsführers –, dass vor allem Menschen mit Beschäftigungshindernissen eine Chance bekommen: ehemalige Inhaftierte, Alleinerziehende, Obdachlose oder Menschen mit psychischen Problemen. Menschen eben, die in unserer heutigen Zeit, in unserer Leistungsgesellschaft bei einem gängigen Bewerbungsverfahren überhaupt keine Chance hätten.
    Mich hat das irgendwie berührt, denn tatsächlich kamen in dem Artikel Angestellte zu Wort, die klar sagten, wenn ich nicht diesen Job bekommen hätte, ich würde heute immer noch keine Wohnung haben, wäre ich heute immer noch auf der schiefen Bahn… Das Motto dieser Geschäftsidee: "Entfesselt die Kraft des menschlichen Potenzials durch integrative Beschäftigung – Person für Person"! Was für eine Formulierung: Entfesselt die Kraft des menschlichen Potenzials. Das ist für mich eigentlich sowas wie die Kern-Botschaft Jesu. So ging er auf Menschen zu, so ging er auf sie ein, so hat er Menschen verwandelt und zu "neuen Menschen" gemacht.
    "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken" – und eben auch die sind geliebt; auch denen traue ich alles zu und darum hat er jedem Menschen eine Chance gegeben, denn in jedem Menschen steckt das Potenzial der Freiheit der Kinder Gottes – ohne Ausnahme.
    3 min
  • Mehr als die Abwesenheit von Lärm
    Mehr als die Abwesenheit von Lärm
    Am vergangenen Sonntag habe ich so 10 Minuten vor Beginn der Heiligen Messe in der Bank gesessen. Hinter mir saßen ein paar Mädchen, die sich sehr leise unterhalten haben. Und dann hat eine der beiden fast halblaut und ein bisschen genervt gesagt: "Das ist die Scheiße in so einer Kirche: dass es immer so still ist und man sich nicht richtig unterhalten kann."
    Ich war belustigt, verblüfft, verärgert, verwundert. Aber ich habe nichts erwidert. Und am Abend waren wir mit vielen hundert Menschen wieder in der Kirche zu einem Konzert der ganz anderen Art. Der Titel hieß "13 Minuten im Frühling – Stille", Musik von einem Komponisten aus Olpe, Aufführung mit dem Orchester der Feuerwehr, Ansprache des Bürgermeisters zu Beginn, ein zehnminütiger Film zum Anlass, Zeitzeugenstimmen nachgesprochen und dann die Musik. Der Anlass war die Erinnerung an die Bombardierung Olpes am 28. März 1945. Und die Musik war anders und alles andere als still. Zuerst rauschend, munter fröhlich, an den Beginn der dreißiger Jahre erinnernd, dann immer wieder marschmusikalische dröhnende Trommelklänge und ein immer bedrängender werdender Rhythmus und immer dunkler werdender Klang. Auch ohne die Texte und den Vorspann und den Anlass zu kennen, konnte man die dunklen Vorahnungen kommenden Unglücks und dröhnender Stiefel hören und dann die Flieger und die Bomben förmlich heranpfeifen hören. Und manchmal bin ich hochgeschreckt und war so erschrocken von der Gewalt des Klanges. Und dann war Stille – ganz lange Stille. Jede und jeder hatte Bilder vor Augen vom Krieg, von der Zerstörung, von der nachfolgenden Not und vom "Nie wieder, bitte nie wieder."
    Zweimal also etwas von Stille – morgens die ziemlich despektierliche Bemerkung des jungen Mädchens zur lästigen Stille und abends die unaussprechliche Stille nach einem unglaublichen Klangerlebnis und der Fülle des Abends.
    Stille ist mehr als die Abwesenheit von Lärm, mehr als die Abwesenheit von Gedanken, mehr als die Mühe des Konzentrierens. Wenn Dein Mund ist stille, dann spricht Dein Herz, wenn dein Herz ist stille, dann spricht Gott.
    4 min
  • Gekreuzigte Menschen
    Gekreuzigte Menschen
    Wenn wir zusammen unseren Morgenimpuls beten, dann tut das vermutlich jeder und jede an einem ganz anderen Ort, in einer vermutlich ganz anderen Situation. Vielleicht haben Sie ja gerade ein Kreuz vor sich stehen oder hängen. In der Fastenzeit hat sich seit vergangenem Sonntag etwas geändert. Zum einen sind in vielen Kirchen die Kreuze bis zum Karfreitag verhüllt worden und zum anderen haben sich auch die täglichen liturgischen Texte inhaltlich geändert. Es geht jetzt weniger um das Fasten, sondern mehr um die Passion Jesu, also um sein Leiden. Das Kreuz erinnert uns das das Leiden Jesu.
    Wenn wir Schwestern morgens und abends in unserer Hauskapelle zusammenkommen und gemeinsam beten, dann schauen wir auch gemeinsam auf ein Kreuz. Es ist ein Taukreuz, wie es bei Ordensleuten der Franziskaner häufig zu sehen ist, und darin ist ein Behältnis mit dem Allerheiligsten eingelassen.
    Dieser alte Brauch, nach dem die Kreuze einige Zeit verhüllt werden, erschließt sich nicht sofort jedem gleich. Denn gerade in der Zeit, in der wir intensiver das Leiden Jesu in den Blick nehmen sollen, verdecken wir das Symbol, welches gerade dieses Leiden zeigt. Und klar ist auch, dass eine Kreuzigung in der Antike kein "Kindergeburtstag" war. Das war schon eine äußerst brutale und grausame Hinrichtungsmethode, bei der man lieber wegschauen möchte. Aber Gott antwortet auf eine solche Grausamkeit nicht mit Gegengewalt oder Vergeltung. Nein, er lässt von seiner Liebe zu uns Menschen nicht ab. Ich stelle mir manchmal die Grausamkeiten und all die Gewalt unserer Tage vor – im Kleinen wie im Großen –, wenn Menschen furchtbares erleiden und durchmachen müssen.
    Aber bei manch einem wird dabei vieles gebrochen, nur die Liebe nicht. Gewalt kann vieles vernichten, aber die Liebe weicht nicht. Denn jeder Gewaltakt fordert geradezu Werke der Liebe heraus. Wenn Opfer getröstet werden, wenn ihnen die Hilfe zuteilwird, die sie gerade brauchen. Diesem unfassbar grausamen Krieg in Osteuropa mit all seinen sinnlosen Opfern steht immer noch eine unglaubliche Hilfsbereitschaft von vielen Menschen auch hierzulande gegenüber. Ein Kind, das in der Schule gemobbt, gehänselt, ja sogar verprügelt wird, wird von seinem Lehrer oder seiner Mutter getröstet.
    Wir können uns viele solcher "gekreuzigter" Menschen vorstellen. Vielleicht sind die verhüllten Kreuze in der noch verbleibenden Zeit bis Karfreitag eine Möglichkeit, die nicht sichtbare Stelle in Gedanken mit denen auszufüllen, die unsere mitmenschliche Liebe neu oder wieder entfachen und uns zum Handeln bringen.
    4 min
  • "Du Sonne der Gerechtigkeit"
    "Du Sonne der Gerechtigkeit"
    Im Stundengebet der Kirche heißt es jetzt in der Fastenzeit morgens im Hymnus: Du Sonne der Gerechtigkeit, Christus, vertreib in uns die Nacht, dass mit dem Licht des neuen Tags auch unser Herz sich neu erhellt.
    Ich finde, das sind deshalb so großartige Worte, weil man dieses Spiel von Dunkelheit und Licht gerade wirklich so mit allen Sinnen nachvollziehen kann. – Gerade jetzt, nach der Zeitumstellung. Morgens eine Dunkelheit, von der man ja eigentlich schon froh war, dass wir sie (nach dem Winter) los waren. Die sich aber dann – im Gegensatz zum Winter – doch schnell verzieht. Das Licht bahnt sich kraftvoll und zügig seinen Weg und tatsächlich beflügelt das jetzt im Frühling meine Seele. Vielleicht geht es ihnen auch so.
    Ein tolles Bild: Christus selbst ist diese Sonne, dieses Licht. Er macht hell, was im Dunkeln liegt. Vielleicht ja nicht immer. Aber wenn ich ihm meine Dunkelheit, meine dunklen Seiten anvertraue, sie vor ihn trage und ihm sagen kann, was mich da so traurig oder deprimiert macht, dann hat er die Chance etwas zu verändern, zu verwandeln. Dann verliert das Dunkel schon etwas von seiner Macht und Licht bricht auf. Das ist eine Erfahrung, die ich selber schon oft gemacht habe. Da wird das Herz wieder etwas heller. Und noch eine Erfahrung habe ich gemacht: Ich selber kann – sozusagen an Christi statt – helfen, dass andere wieder Licht am Horizont sehen. Einfach dadurch, dass ich zuhöre, hinhöre, aufmerksam bin für die vielen, kleinen Schatten und Dunkelheiten, die Menschen heute das Licht nehmen. Dass ich sie ermutige darüber zu sprechen und dann manchmal das passieren kann, was im Hymnus eben so ausgedrückt wird:
    Du Sonne der Gerechtigkeit, Christus, vertreib in uns die Nacht,
    dass mit dem Licht des neuen Tags, auch unser Herz sich neu erhellt.
    Du schenkst uns diese Gnadenzeit, gib auch ein reuevolles Herz
    und führe auf den Weg zurück, die deine Langmut irren sah.
    Es kommt der Tag, dein Tag erscheint, da alles neu in Blüte steht;
    der Tag, der unsre Freude ist, der Tag, der uns mit dir versöhnt.
    Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit, lobsinge alles, was da lebt.
    Lass uns durch deine Gnade neu, dich preisen durch ein neues Lied.
    4 min
  • Wie Maria auf Gott vertrauen!
    Wie Maria auf Gott vertrauen!
    Am Samstag war das Hochfest Verkündigung des Herrn – der Tag erinnert daran, dass vor 2000 Jahren ein Engel eine junge Frau in Nazareth besucht hat und sie anschließend den Sohn Gottes dann neun Monate später geboren hat. Wenn man das so nüchtern zusammenfast, klingt das fast ein bisschen verrückt, oder?
    Engel, Jungfrauengeburt, Gott wird Mensch – Christin oder Christ zu sein, ist gar nicht so einfach. Ich finde es aber ganz wichtig, dass unser Glaube uns auch einiges zumutet.
    Einerseits die Glaubensgeheimnisse – etwa, dass Gott in einem kleinen Baby Mensch wird und am Ende einen grauenhaften Tod am Kreuz stirbt und andererseits, dass wir uns und unsere Lebensweise ständig hinterfragen: Ist unser Leben wenigstens in etwa so, wie Jesus uns das immer wieder in der Bibel lehrt?
    Natürlich geht es nicht um ein permanent schlechtes Gewissen, weil man irgendwelche Ge- oder Verbote einhält oder auch nicht – doch aus dem Christentum eine Wellness-Religion zu machen, die nur meinem persönlichen Wohlbefinden dient, das erscheint mir zu wenig.
    Gerade die Fastenzeit, die so langsam in Richtung Karwoche und Ostern einbiegt, ist da eine gute Möglichkeit. Ich kann mich und mein Leben, meine Beziehungen zu den Mitmenschen und zu Gott hinterfragen, vielleicht neu justieren und sogar ein bisschen verbessern. Aber nicht im Sinne einer Selbstoptimierung, sondern um der wunderbaren Botschaft vom liebenden und barmherzigen Gott gerechter zu werden.
    Und das Tolle ist: Gott schafft es immer wieder, auch im Scheitern Neues zu schaffen. Also auch wenn das mit unseren Vorsätzen in der Fastenzeit nicht klappt, wenn ich doch nicht Momente der Besinnung gefunden habe oder die Beziehung zu den Mitmenschen nicht besser wird: so wie auf den Karfreitag Ostern folgt, kann ich darauf vertrauen, dass Gott immer da ist und alle meine Wege mitgeht.
    Denn Glaube ist vor allem Vertrauen auf Gott – so wie Maria vor zweitausend Jahren.
    3 min
  • Barmherzigkeit als Aufgabe und Anspruch
    Barmherzigkeit als Aufgabe und Anspruch
    Nackte bekleiden und Fremde aufnehmen, sind die beiden nächsten leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Nackte bekleiden hat für mich zwei Aspekte: zum einen natürlich, dass wir Menschen, die buchstäblich nur noch das, was sie auf dem Leib tragen besitzen, dass wir denen Kleidung und Wärmendes verschaffen.
    Bei dem verheerenden Erdbeben in Syrien und der Türkei, war das nochmal ganz deutlich. Viele waren nur im Schlafanzug auf die Straße gerannt und hatten nur das nackte Leben retten können, ohne die notwendige Kleidung um nicht zu erfrieren. Unser Erschrecken bei den Bildern und Videos hat es vielen Helfenden leicht gemacht, zu spenden und Kleidung und Zelte und Decken zu beschaffen.
    Und dann gibt es diese zweite Seite dieses Werkes: nackt stehen viele Menschen da, die gemobbt und bloßgestellt werden. In den unsozialen Medien, in zweifelhaften Illustrierten, in Beifall -heischenden Berichten. Dann ist es ganz anders wichtig, diese Bloßstellung zu beenden, gegen Mobbing und andere Praktiken vor zu gehen und zu versuchen, die Würde der Betroffenen mit meinen Möglichkeiten wieder her zu stellen.
    Fremde aufnehmen, ist schon im Alten Testament ein sehr wichtiges Werk. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Du und Deine Familie und Dein Stamm nur dann gut leben können, wenn auch der Fremde, der sich auf Deinem Gebiet aufhält, leben und arbeiten und sich in die Gemeinschaft einfügen kann. Immer schon, in der Erfahrung von Kriegen, von Flucht und Vertreibung war es die größere Leistung der Einheimischen, nicht nur die Fremden aufzunehmen und ihnen Dach und Unterkunft und Lebensnotwendiges zu verschaffen, sondern sie in ihr Gemeinwesen zu integrieren, wie wir es heute sagen würden.
    Unsere koptisch- ägyptische Familie, die wir 2015 bei uns aufgenommen haben, sind für mich ein wunderbares Beispiel. Sie arbeitet seit Jahren als Erzieherin im Kindergarten, Er ist fest angestellter Linienbusfahrer. Sie leben seit Jahren schon in einer schönen eigenen Wohnung, fahren mit Begeisterung Fahrrad und Auto. Beide Kinder sind in der Schule richtig gut und beide lernen Klarinette zu spielen. Und sie haben viele Freunde und Freundinnen und leben ihr gelingendes Leben in unserem Land.
    "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen" bleibt immer Aufgabe und Anspruch und es ist wunderbar zu erleben, dass die aufgenommenen Fremden immer mehr zu Freunden, Kollegen und aktiven und mündigen Bürgern werden.
    4 min
  • Die Beichte als innere Müllabfuhr
    Die Beichte als innere Müllabfuhr
    Mittwochs und donnerstags ist bei uns im Städtchen Müllabfuhr. Also stellen wir die Behälter an die Straße und hoffen, dass sie geleert werden.
    In den letzten Jahren beobachte ich, dass die Müllfahrzeuge immer größer werden. Die Technik wird besser und die Müllarbeiter müssen nicht mehr schwer heben. Aber, die Straßen werden ja nicht breiter und die Häuser stehen zum Teil sehr dicht. Bei uns ist das auch so.
    Manchmal beobachte ich fasziniert, wie der Fahrer versucht, bei uns um die Ecke zu kommen. Die Straße ist schmal und unser Haus steht genau auf der Ecke. Und wir haben schon einen sehr großen Stein vor der Hausecke einbetoniert, weil die Müllwagen sonst die Ecke mitnehmen würden. Ab und zu wird der Stein umgefahren und zerbricht. Und dann lassen wir ihn wieder reparieren und neu einsetzen. Oder der Wagen fährt zu weit links und rammt den Gartenzaun. Dann reparieren wir ihn oder müssen sogar ein neues Staketenfeld einsetzen lassen.
    Und wenn der Wagen die Ecke geschafft hat, sind links die Poller für den Kirchenparkplatz und sofort dann die Kirchenapsis. Wenn Autos in der kleinen Straße geparkt sind, geht fast gar nichts und deshalb ist seit einigen Monaten das Parken hier verboten. So viel Mühe und Arbeit und Fahrkunst, um den anfallenden Müll aus den Häusern und den Straßen zu entsorgen. Das ist echt toll und wir sind dankbar, dass es so unkompliziert geht.
    Genauso unkompliziert geht es auch, den eigenen inneren Seelenmüll, die Fehler, Schwächen und Sünden los zu werden.
    Das Sakrament der Versöhnung ist eine sehr geniale Erfindung: sich versöhnen mit sich selbst, mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit Gott. Und es gibt viele Möglichkeiten dazu. Hier in Olpe gibt es seit Jahrzehnten die Nacht der Versöhnung, mit einem Bußgottesdienst, mit Schuldbekenntnis, Beichtgelegenheit und Lebensgesprächen.
    Immer am Montag der Karwoche wird dazu eingeladen und ist als gemeinsame Großaktion zur inneren Müllabfuhr sehr geeignet.
    4 min
  • Wir brauchen ein warmes Herz und gebende Hände
    Wir brauchen ein warmes Herz und gebende Hände
    Hungernde speisen und Durstigen zu trinken geben, sind die ersten beiden der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit.
    Weil Hunger und Durst auf kurze Zeit hin zum Tod führen und alles andere Nachrangig wird. In vielen Kriegs- und Krisenregionen unserer Erde wird wieder deutlich, dass wir es als Weltgemeinschaft immer noch nicht schaffen, alle Menschen gut zu ernähren und für sauberes und ausreichendes Wasser zu sorgen.
    Der Hunger sollte weltweit schon längst halbiert und bis 2030 ganz verschwunden sein. Aber der Krieg in der Ukraine, die als eine der Kornkammern der Welt gilt, hat den Hunger wieder verschärft und am meisten leiden Mütter mit Kindern darunter.
    Schon zur Zeit Jesu gab es immer wieder Missernten, Dürre – und Katastrophenjahre und somit wurde der Dienst der Christen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern und Nahrung teilen sollten, immer wichtiger. Sich um einander sorgen und das, was man zur Verfügung hat, mit denen zu teilen, die hilflos und mittellos sind, ist so selbstverständlich, dass ich mir heute etwas anderes gar nicht mehr vorstellen kann.
    Ein Onkel von mir, der ein zunächst erfolgreicher Unternehmer im "Westen" war und auf Verwandtenbesuch in der damaligen DDR, hat mir damals gesagt: "Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist für alle gesorgt" Ich war da noch junge Jugendliche und mich hat dieser Satz so sehr empört und ich habe mich mit ihm sehr laut und ausführlich gestritten.
    Denn mir war damals schon vollkommen klar, dass nicht alle für sich selbst sorgen können: Kinder, Kranke, Alte, Menschen mit Behinderungen, Menschen in Kriegs- und Katastrophenregionen, sind auf Hilfe angewiesen um zu leben und zu überleben. Und er war baff und völlig erstaunt über meine Antwort und die heiße Debatte, bei der zwar alle Verwandten zugehört hatten, sich aber nicht einzumischen getraut haben.
    Aber es bleiben diese Werke der Barmherzigkeit die Werke, die unser warmes Herz fordern und die gebenden Hände, auch 2000 Jahre nach ihrer Verkündigung durch das Evangelium Jesu, dringlicher denn je und wir Christen werden damit wohl nie fertig werden, solange auch nur ein Kind in der Nachbarschaft oder eine Familie im Jemen hungert.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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