Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Liebe siegt über Hass
    Liebe siegt über Hass
    Gestern hat er nun angefangen, der Wonnemonat Mai. Vor allem Rheinland, aber auch bei uns zuhause im Eichsfeld, gibt es ja den Brauch, dass junge Männer in der Nacht zum 1. Mai an das Haus einer jungen Frau, die sie besonders mögen, einen geschmückten Maibaum aufstellen. Die so Verehrte ist dann am nächsten Morgen freudig überrascht und weiß sogleich, dass dieser Baum ja nur von einer Person stammen kann. Doch manche Frau wird rätseln, wer denn nun in der letzten Zeit ein Auge auf sie geworfen haben mag.
    Ich finde diese Bräuche, die mit Liebe und Zuneigung zwischen Menschen zu tun haben, einfach schön, ganz gleich, ob es nun der Maibaum oder der Blumenstrauß ist, der zum Jahres- oder Hochzeitstag geschenkt wird. Der Mai ist dafür aber auch der richtige Monat. Während die ersten warmen Sonnenstrahlen im März noch mit der kalten Luft zu kämpfen haben und der April zwar schon recht grün, aber dafür äußerst wechselhaft ist, schenkt uns der Monat Mai schon richtig wärmende Tage. Auch ich hoffe, dass das jetzt nach dem unbeständigen Wetter der letzten Woche endlich beginnen kann.
    Es passt auch zur Osterzeit, in der wir uns schon seit über drei Wochen befinden. Jesus Christus hat den Tod durch seine Auferstehung besiegt. Das Leben kehrt auch in der Natur nach dem Winter – mag er auch inzwischen mild sein – wieder zurück. Und die Liebe siegt über jede Form von Hass. Auch wenn es in menschlichen Beziehungen immer wieder Streit und Ärger gibt, so ein Blumenstrauß, so ein Maibaum, so ein Lächeln kann viel ausmachen und zeigen: Ich mag dich trotzdem! Nutzen wir doch diesen Wonnemonat Mai, um die österliche Freude auch den Menschen weiterzugeben, die in diesen Tagen und Wochen wenig zu lachen haben.
    3 min
  • Für die Würde der menschlichen Arbeit
    Für die Würde der menschlichen Arbeit
    Irgendwie ist das heute schon witzig: Der Marienmonat Mai, der seit vielen Jahrhunderten als der Gebetsmonat zur Gottesmutter in der Kirche gilt, beginnt mit dem Gedenktag eines Mannes: des Heiligen Josef des Arbeiters.
    Manchmal hat die Kirche vorhandene Feste genommen, sie quasi getauft und ihnen einen christlichen Inhalt gegeben. Aus dem Wintersonnenwendfest wird Weihnachten, aus dem Fest der Frühlingsgöttin Ostera wird Ostern, das Fest der Auferstehung, und der 1. Mai, der altbekannte Kampftag der Arbeiterklasse wird 1955 der Gedenktag des Heiligen Josef des Arbeiters. Ein bisschen witzig klingt das in meinen Ohren schon. Aber andererseits: Den Heiligen Josef, den Zimmermann, zum Patron der Arbeiter zu machen, ist eigentlich auch eine gute Idee. Er hat das Zimmermannshandwerk wahrscheinlich von seinem Vater gelernt, hat es ausgeübt, als er Maria kennengelernt hat, und dann mit seiner Hände Arbeit die Familie ernährt. Und wie es in vielen Familienbetrieben auch heute noch ist, hat auch Jesus von ihm das Zimmermannshandwerk gelernt.
    In den Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg, als sich die Welt immer mehr in zwei Lager geteilt hat, der vom Gegensatz zwischen Kommunismus und Kapitalismus geprägt war und den Kalten Krieg befeuert hat, war es gut, einen Patron zu haben, der den Millionen Arbeitern in allen Ländern zur Seite stand und ihr Schutzpatron gegen alle Vereinnahmung und Indoktrinierung durch die Weltmächte geworden ist. Der bescheidene Handwerker aus Nazareth stand damals und heute vor Gott und für die Menschen für die Würde der menschlichen Arbeit ein. Und als eine nette kleine Geschichte nebenher gibt es noch ein Gemälde im Hochchor des Bonner Münsters: Es zeigt die Begegnung von Maria und Elisabeth. Im Evangelium ist da in keinem Wort von Josef die Rede. Aber auf dem Bild steht bescheiden im Hintergrund der Heilige Josef mit dem Attribut der roten Arbeiterfahne.
    3 min
  • Starke Frauen für die Kirche
    Starke Frauen für die Kirche
    Morgen feiern wir mit der Kirche das Fest der Heiligen Katharina von Siena. Sie muss eine unglaubliche Frau gewesen sein. Als 24. Kind einer verarmten Adelsfamilie, deren Vater dann Färber wurde, wuchs sie behütet und beschützt auf, lernt in sehr jungen Jahren die Dominikaner kennen, hat auf dem Weg zur Kirche eine Vision des verklärten Christus und will von nun an Christus dienen und legt, fast noch ein Kind, heimlich Gelübde ab. Ihre Mutter müht sich redlich, ihrer Tochter diese Flausen aus zu treiben, lässt sie im Haus als Dienstmagd härteste Arbeit tun, um sie zur Vernunft zu bringen. Aber Katharina hat einen noch größeren Dickkopf als die Mutter und setzt sich durch. Sehr jung wird sie Dominikanerin und entflammt in ihrer Liebe zur Kirche immer mehr in einem heiligen Zorn.
    Über die Zustände der Kirche schreibt sie flammende Briefe, die sie mehreren Sekretären gleichzeitig diktiert und hat keinerlei Furcht, sich mit Päpsten, Kaisern und Königen anzulegen. Sie wird als ungebildete Frau, die ja damals schon gar nichts galt, vor das Kapitel der Dominikaner geladen und besteht alle noch so kniffligen Prüfungen der gelehrten Männer mit Bravour. Einer ihren vielen Briefe ist an Papst Gregor XI. gerichtet. Der sitzt im sicheren Palast in Avignon und hat nicht die geringste Lust, zurück nach Rom in die unsichere, heiße, vom Pöbel volle Stadt zu gehen. Aber Katharina schreibt ihm:
    "Wenn Sie bisher nicht recht entschlossen gewesen sind, so bitte und beschwöre ich Sie, von nun an als mutiger Mann zu handeln und Christus nachzufolgen, dessen Stellvertreter Sie ja sind. Fürchten Sie nichts, liebster Vater, weder die Stürme, die Sie bedrohen, noch den grollenden Aufruhr. Wachen Sie über die Angelegenheiten der Kirche, setzen Sie gute Hirten und in den Städten gute Obrigkeiten ein, denn die schlechten Hirten und die schlechten Obrigkeiten sind die Ursache der Auflehnung. Kehren Sie nach Rom zurück, zögern Sie nicht mehr. Ihre Säumigkeit hat schon viel Verwirrung entstehen lassen, und Satan versucht alles, um ihre Rückkehr zu verhindern. Mut, Heiliger Vater, keine Nachlässigkeit mehr!"
    Das ist mehr als deutlich, hat aber Wirkung gezeigt und der Papst ist tatsächlich nach Rom zurückgekehrt. Gott hat seiner Kirche immer starke Frauen gegeben. Auch heute.
    4 min
  • Wunderbare Gewissheit
    Wunderbare Gewissheit
    Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen "neben der Spur", wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres langen Lebens entlanggegangen. 1923 geboren hat sie die Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein Erinnern und sie sagt: "Oh, das ist ja wahr: Es war nie nur leicht und manches echt hart. Aber wenn ich das so jetzt sehe, habe ich ein sehr schönes Leben." Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, das sie sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet.
    Viele Menschen kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar, leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In der Verquickung mit dem eigenen Erinnern verheddert sich alles und wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: Ich bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich gern.
    Dass Gott uns zusagt, dass wir bis zum Ende die Würde der Gotteskindschaft besitzen, ist eine wunderbare Gewissheit. Aber dass wir unseren Mitmenschen dabei helfen, sie auch zu spüren und zu haben, ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.
    4 min
  • ICH BIN DA
    ICH BIN DA
    Am vergangenen Samstag war bei uns im Mutterhaus ein großes Fest. Sechs unserer Mitschwestern haben Ordensjubiläen gefeiert. Eine 40 Jahre, eine 50 und drei sogar 60 Ordensjahre. Meine Güte, da war ich gerade 4 Jahre alt, als die drei eingekleidet worden sind. Die nächsten Jahre waren in allem spannend. Da hatte gerade das Zweite Vatikanische Konzil begonnen und mehr als 3.000 Delegierte haben über die Kirche der Zukunft beraten. Die 68er Studentenproteste haben begonnen und die Kapitalismuskritik schwappte durchs Land und hat die Gesellschaft nachhaltig verändert. Die 70er waren ein Jahrzehnt der Gegensätze und die 80er die Zeit der Proteste und gewaltigen Umbrüche in der DDR, die dann zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Und so könnte ich die nächsten dreißig Jahre bis heute auch immer kurz zusammenfassen.
    Und unsere Jubilarinnen? Sie haben in all diesen Jahrzehnten in klösterlicher Gemeinschaft gelebt und Gott und den Menschen gedient. Als Krankenschwester und Pflegedienstleiterin, als Leiterin der deutschen Provinz der Olper Franziskanerinnen, als Altenpflegerinnen in Alten- und Pflegeheimen, als Küchenchefin in einem großen Krankenhaus und als Leiterin der Hostienbäckerei, als Gemeindereferentin in verschiedenen Pfarrgemeinden und Gottesdienstbeauftragte in einer Diasporagemeinde. Sie haben all die Umbrüche in Kirche, Staat und Gesellschaft miterlebt, zum Teil mit erlitten, aber auch mitgestaltet und immer betend vor Gott getragen und begleitet. Und sie hatten und haben ein stilles Wissen und einen festen Glauben an diesen Gott, der schon durch den Propheten Jesaja sagen ließ: "Ich bin der ICH BIN DA!"
    In der Exerzitienwoche vor dem Fest spielte genau dieser Text eine große Rolle, weil er immer deutlicher werden ließ, dass in allem Tun und Sein, in allem Können und Versagen, in Enge und Weite, in Krankheit und Leid, in Jubel und Enttäuschung, in Schwäche und Stärke, in Erfolg und Versagen, immer genau diese Zusage Gottes rettet, indem er verheißt: ICH BIN DA.
    3 min
  • Gegen Hagel, Blitz und Unwetter
    Gegen Hagel, Blitz und Unwetter
    Heute denken wir mit der Kirche weltweit an den Evangelisten Markus. Die biblische Forschung weiß, dass er und seine Mitschreibenden das erste Evangelium verfasst haben. Er konnte sich wohl nicht auf Vorbilder stützen, sondern musste selbst schauen, wie er den Wust an Zeugnissen, an Erinnerungen, an Erlebtem sortiert bekommt. Und er tut das in sehr einzigartiger Weise. Er verweist in seinen 16 Kapiteln auf den Kreuzestod Jesu und sein Erlösungswerk. Es ist also ein langer Prolog, der immer näher an das Unglaubliche heranführt.
    Unsere heutige Lesung aus dem 1. Korintherbrief sagt es aus Sicht des Paulus sehr deutlich. Da steht: "Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet." Ohne den Glauben an das Evangelium vom Auferstandenen gäbe es keine christliche Zukunftsbotschaft und kein Wachstum der Kirche weltweit über die zwei Jahrtausende. Ein bisschen zeigt sich dieses Verständnis vom Wachsen und Werden auch noch in alten Bräuchen, die am Markustag gehalten werden. Die Prozessionen am Markustag lösten ursprünglich heidnisch-römische Stadtprozessionen ab. Der heilige Markus gilt als "Wetterherr" und Schutzheiliger gegen Hagel, Blitz und Unwetter.
    Ich kenne noch die Markusprozession um gutes Wetter und gute Ernte, obwohl es ja noch so früh im Jahr ist und oftmals die Saat erst ausgebracht worden ist. Aber die Saat muss ausgebracht und gehütet werden, damit sie wachsen kann, um eine gute Ernte zu bringen – an Brot und an Leben.
    Mit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum wurden die Markusprozessionen offiziell für die Weltkirche abgeschafft. In vielen Orten weltweit gibt es sie jedoch bis heute. Sie bilden den Auftakt zu den Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt die quasi dem Sohn, der in den Himmel auffahren wird, alle unsere Bitten mitgeben will.
    3 min
  • Orte der Erlösung
    Orte der Erlösung
    Seit drei Jahren wird unser Mutterhaus in Olpe umgebaut. 1966 eingeweiht und von den Schwestern bezogen, hat es viele zehntausende Schwestern erlebt, viele tausend Gäste und unendlich viele Menschen, die zu Kursen, Exerzitien und anderen Angeboten gekommen sind. Eigentlich geht ja bei Schwestern so schnell nichts kaputt, aber irgendwann ist alles ein bisschen alt und doch abgenutzt und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Also wird energetisch saniert und Räume moderner ausgestattet und technisch alles auf heutiges Level gesetzt.
    Aber was macht ein Haus, ein Bildungshaus, ein Kloster eigentlich aus? Die topmoderne Ausstattung, die energetisch hervorragend gemanagte Heizungs- und Lüftungstechnik, mit WLAN und LAN-Anschlüssen überall, mit Bewegungsmeldern für die Lichtanlage, mit Festnetzanlage nur noch bei Bedarf? Was ist es, was Ihre Wohnung zuhause, Ihr Haus, unser Kloster ausmacht?
    Ich habe ein interessantes Wort gehört, das lautet: Evangelisierung heute bedeutet, dass wir die Orte, wo wir leben und arbeiten, zu Orten der Erlösung machen. Was für ein starkes Wort. Ich würde es mal mit meinen Worten umschreiben: Wo Menschen leben, die an einen menschenfreundlichen Gott glauben, da ist der Mensch gern gesehen. Wo Menschen leben, die wissen, dass wir alle unsere Verrücktheiten und Fehler und Macken haben, und trotzdem von Gott geliebt sind, da werden die Menschen auch mit all dem akzeptiert und angenommen. Wo Menschen leben, die an das Unglaubliche glauben, dass Gott Mensch geworden ist, um uns wieder mit Gott zu verbinden, da werden sie auch die unglaublichsten Geschichten der Menschen aushalten und bei ihnen bleiben, auch wenn es eigentlich absurd und unlogisch ist.
    Gott ist auch nicht logisch, er ist liebend bis in den Tod und bis in die Auferstehung von den Toten, damit wir das Leben haben in Fülle.
    3 min
  • Gott ruft jeden in seinen Dienst
    Gott ruft jeden in seinen Dienst
    Ich glaube, aus meiner Erfahrung, dass Gott die kleinen Leute liebt und in seinen Dienst ruft.
    Einer dieser kleinen Leute war Johann Birndorfer. Er war das elfte von zwölf Kindern auf einem Bauernhof und schon in jungen Jahren sehr fromm, wie man es damals zu sagen pflegte. Als er 14 Jahre alt war, starb seine Mutter und zwei Jahre später der Vater. Also musste er seinen Wunsch, ins Kloster zu gehen und Priester zu werden, ziemlich schnell begraben und arbeitet als Knecht auf dem familieneigenen Hof. Erst mit 31 Jahren wurde er bei den Kapuzinern in Altötting aufgenommen, als Bruder Konrad eingekleidet und fand seit 1852 seinen Platz fürs Leben an der Klosterpforte.
    41 Jahre lang wirkte Bruder Konrad an der Pforte, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Handwerksburschen und Kinder aus armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. Konrads Name und Ruf drang weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Trotz seines 18-Stunden-Tages an der Pforte blieb aber das Gebet der Mittelpunkt seines Lebens: stundenlang und nächtelang, jede freie Minute nutzend, betete er.
    Mir gefällt eine kleine Notiz in seiner Vita besonders gut: seine Pfortenstube hatte zwei Fenster: ins nach draußen, wo der Strom von Wallfahrern und Bittstellern eigentlich nie abriss, und ein andere zum Tabernakel in der Wallfahrtskirche.
    Papst Benedikt hat mal über ihn gesagt:
    „Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als einfacher Pfortenbruder. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer bei ihm sein. Von diesem Blick her hat er die nicht zu zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten - auch manchmal eher bösartig, um ihn bloßzustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte.“
    Vielleicht ist das, was Frömmigkeit meint: im Blick auf Gott die Güte und Menschenfreundlichkeit lernen, die er im Umgang mit den Menschen 41 Jahre lang getan hat.
    4 min
  • Damit mein Mund Dein Lob verkünde!
    Damit mein Mund Dein Lob verkünde!
    Ich kann morgens gut aufstehen, dann das Frühstück für uns vorbereiten, die Haustür und die Kapelle aufmachen, die Osterkerze entzünden und die Bücher aufschlagen.
    Und dann, bis dahin ist noch kein lautes Wort gesprochen kommt: "Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde" denn so beginnt bei uns im Konvent das erste Gebet am Morgen. Und wir machen dabei mit dem Daumen der rechten Hand ein Kreuz auf den Lippen.
    Zu Beginn meines Ordenslebens habe ich diese Geste also gelernt und jeden Morgen vollzogen. Je länger ich aber im Kloster lebe, und das sind schon mehr als 40 Jahre, desto mehr mache ich mir Gedanken über diesen Anfang jeden Tages. Ich bitte Gott, mir die Lippen zu öffnen, damit ich überhaupt in der Lage bin, SEIN Lob zu verkünden. Es ist also nicht nur mein guter Wille, das jetzt zu tun, obwohl ich vielleicht müde oder erkältet, oder wie ich im Moment allergisch auf Pollen bin, oder ob ich vielleicht heute einfach keine Lust habe. Ich bitte Gott um seine Hilfe, dass aus meinem Mund sein Lob verkündet werden kann. Und ich denke immer mehr, dass es nicht nur für die 20 Minuten des Morgenlobes gilt, sondern für meinen ganzen Tag.
    Das heißt aber, dass ich den ganzen Tag über das Lob Gottes verkünden kann. Nein, nicht den ganzen Tag laut Gebete sprechen, sondern eher: den ganzen Tag lang, alles was ich sage, zum Lob Gottes machen. Bei der Plauderei beim Essen, am Telefon, beim Mailen und bei Haustürgesprächen, beim Einkaufen und bei allem, was ich über den Tag so tue.
    Wenn alles was ich sage, singe und arbeite, dazu dienen kann, das Lob Gottes zu verkünden, dann geht manches Dumme, Leichtfertige, Gehässige, Sinnlose vielleicht doch nicht mehr so leicht über meine Lippen. Und wenn ich daran denken kann, dass ich Gott gebeten habe, meine Lippen zum Lob zu öffnen, dann schließen ich meine Lippen vielleicht auch öfter mal, wenn das, was da raus will, nicht gerade seinem Lob dient.
    Es ist also ein guter Gedanke, dieses morgendliche: Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde.
    4 min
  • Jesus sprengt den Rahmen!
    Jesus sprengt den Rahmen!
    Kennen Sie das auch? Also, sagt man schonmal, wenn es sich im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten bewegt, dann ja.
    Oder die Frage, in welchem Rahmen das Fest stattfindet, wozu man eigeladen ist. Man will sich ja im Rahmen dessen bewegen und kleiden, wie es dort ungefähr geplant ist.
    Oder man stellt fest, das ist in der Familie, in der Firma, im Verein, so anders, als es bisher war, dass würde den Rahmen total sprengen. Warum also?
     
    Und dann feiern wir Ostern und wir feiern es fünfzig Tage lang, weil es sosehr anders ist, weil es sosehr den Rahmen sprengt, weil Gott nicht die geringste Lust hat, im Rahmen zu bleiben sondern, alles auseinander fliegen zu lassen, was bisher galt.
    Der Stein vor dem Grab setzte den Rahmen des Todes – tot ist nun mal tot und begraben ist begraben. Aber Gott sprengt den Rahmen, rollt den Stein weg und der Tote ist lebendig.
    Und er ist nicht nur lebendig für sich selbst – sondern auch für uns, seine geliebten Menschen.
    Petrus und Johannes sehen im Grab zusammengefaltete Tücher und kapieren nichts.
    Jesus sprengt also den Rahmen der bisherigen Gültigkeiten in den Religionen – und schickt Maria von Magdala, eine Frau, zu den Jüngern und sie wird die begeisterte Künderin der Auferstehung.
    Sich bei verschlossenen Türen zu treffen, im inneren Zirkel der scheinbar engsten Freunde, war nicht nur damals aus Angst vor Machtverlust üblich – aber Jesus sprengt den Rahmen und kommt durch verschlossene Türen.
    Wo steht eigentlich, dass Gott nicht auch heute den religiösen Rahmen sprengt, den Menschen seiner Kirche gegeben haben?
    Er lässt die Gesellschaft sich so entwickeln, dass auch die Kirchen die Frauen nicht mehr länger diskriminieren können. Und die Frauen verkünden den Auferstandenen mit Begeisterung. Er nimmt die Getauften, sein Gottesvolk ernst und gibt ihnen die Vollmacht, synodal miteinander unterwegs zu sein, damit seine Kirche nicht an der Ängstlichkeit der scheinbaren Führer oder Hirten oder Rechtgläubigen zugrunde geht.
    Ostern ist und bleibt das Fest Gottes, der alles aus dem Rahmen sprengen will, was ihn und seine Botschaft einengen will. Fragen wir nicht immer Warum? Sondern: Warum nicht?
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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