Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Gottes Geist durchweht jeden Winkel unseres Lebens
    Gottes Geist durchweht jeden Winkel unseres Lebens
    An Pfingsten haben wir das Herabkommen des Heiligen Geistes gefeiert. Wie ein heftiger Sturm fährt er nieder, heißt es in der Apostelgeschichte. Und das singen wir so auch oft so: "Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig", heißt es zum Beispiel in einem bekannten Pfingstlied. Wenn man schon einmal gehört hat, wie der Wind bei Sturm um die Häuser pfeift, dann kann man sich das richtig vorstellen.
    Diesen brausenden Sturm, den gibt es in der Bibel aber noch an einer anderen Stelle. Nämlich im Alten Testament. Der Prophet Elias, so wird im Buch der König erzählt, übernachtet am Gottesberg Horeb in einer Höhle. Er hat die Nase voll. Denn er ist für Gott eingetreten und jetzt wird er verfolgt. Und da zieht Gott vorüber. Ein heftiger Sturm geht ihm voraus. Aber Gott ist nicht im Sturm. Und auch nicht im Erdbeben, das nach dem Sturm kommt. Und auch nicht im Feuer, das danach kommt. Sondern in einem sanften, leisen Säuseln. Darin erkennt Elias ihn schließlich.
    Ja was denn jetzt? Kommt Gott im lauten Orkan? Oder kommt er im leisen Säuseln? Kommt er mit großem Tamtam angebraust wie an Pfingsten, mit Sturm und Feuerzungen? Oder kommt er kaum wahrnehmbar, so, dass wir uns schon sehr konzentrieren müssen, um ihn nicht zu verpassen?
    Vielleicht ahnen Sie es schon: Ich glaube, es ist beides. Manchmal gibt es so freudige Momente im Leben, da braust der Geist Gottes uns förmlich durch die Ohren. Und manchmal, da würden wir uns wie Elias in seiner Höhle am liebsten verkriechen und finden Gott in all den Stürmen unseres Lebens kaum wieder. Aber auch dann ist er da.
    Denn Pfingsten heißt nicht, dass mit der Ankunft des Heiligen Geistes schon alles gut werden wird und wir keinerlei Probleme mehr haben. Sondern Pfingsten heißt: Gottes Geist durchweht jeden Winkel unseres Lebens. Die guten und die schlechten. Und das ist dann vielleicht wirklich ein Grund, in den Pfingstjubel einzustimmen und aus vollem Halse zu singen: "Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied und jubelt: Halleluja."
    3 min
  • Zusammen Zeugnis geben!
    Zusammen Zeugnis geben!
    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Pfingstmontag und alle guten Gaben des Heiligen Geistes. Haben Sie einen Plan für heute, unternehmen Sie etwas?
    Wir machen uns gleich um sieben Uhr mit einigen Schwestern auf den Weg und gehen mit der Pfingstprozession der Kleusheimer Dörfer. Seit mehr als 300 Jahren gibt es diese Prozession, in der das Allerheiligste durch die Gemarkung der Dörfer getragen wird und viele hundert Männer, Frauen und Kinder, singend und betend das Lob Gottes verkünden, mit dem Mund und mit den Füßen.
    Es ist garantiert kein Zufall, dass diese Prozession am Pfingstmontag gegangen wird. Wenn der Geist lebendig macht und antreibt und die verängstigten Christen zu mutigen Verkündern werden, kann man nicht zuhause hocken bleiben und bei Kaffee und Kuchen den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
    In den vielen Anliegen in der Welt, in der Kirche und in der Gesellschaft wird gebetet und um den Heiligen Geist und Gottes Segen für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Und schöne Altäre werden mitten im Wald aufgebaut und an Wiesenrändern, mitten im Dorf und an einer kleinen Kapelle. Und Teppiche aus der Fülle der Blumen und Blüten, die der Mai zu bieten hat. Und die kleinen Kinder, an Mamas oder Omas Hand oder später, weil der Weg wirklich weit ist, auch auf Paps Schultern erleben, dass soooo viele Leute da mitgehen und mitbeten und mitsingen und unterwegs auch mal fröhlich plaudern, dass sie irgendwie ahnen, dass das etwas Besonderes sein muss.
    Und dann im nächsten Dorf angekommen wird es typisch katholisch: alle Leute, die hier wohnen, nehmen sieben oder bis zu zehn Menschen mit zu sich nachhause zum Festfrühstück mit Kaffee und Brötchen und Kuchen. Und gut gestärkt und bestens gelaunt geht es dann den Prozessionsweg zurück.
    Zusammen einen Weg gehen und beten, singen und plaudern, Gottesdienst feiern und fröhlich Frühstücken, ist so wunderbar um sich jedes Jahr neu zu freuen an der Gemeinschaft der Glaubenden, der Gegenwart Gottes in der Schöpfung und der Möglichkeit, zusammen Zeugnis zu geben für die Größe Gottes und seine Gegenwart heute mitten bei uns.
    3 min
  • Was erwarten wir eigentlich vom Heiligen Geist?
    Was erwarten wir eigentlich vom Heiligen Geist?
    Wir sind in den letzten Tagen vor Pfingsten und in den Gebetszeiten und Gottesdiensten geht es immer um die Erwartung und die Bitte um den Heiligen Geist.
    In den Gebeten geht es um die Gaben des Geistes: um Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht und darum, dass wir sie brauchen und haben möchten.
    Ist das wirklich so? Was erwarten wir denn eigentlich vom Heiligen Geist in diesem Jahr 2023?
    Eine Notiz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Da sagt Alban Herbach:
    "Wer alles beim Alten lassen will, sollte nicht um den Heiligen Geist bitten!"
    Die Jünger Jesu damals haben im verschlossenen Raum gesessen und haben um den Geist gebetet. Sie haben nicht geahnt, was kommen würde. Vielleicht haben sie sich zurückgesehnt in die Zeiten, als sie mit Jesus unterwegs waren, wo sie ihm zuhören und ihre Fragen direkt mit ihm klären konnten.
    Inmitten des Corona-Lockdowns 2020 haben wir uns danach gesehnt, dass hinterher alles wieder so werden wieder wie vorher: mit Partys und Familienfesten, mit Arbeiten im Büro mit allen Mitarbeitern, mit Theater und Kino und allem anderen.
    An Pfingsten wird für die Jünger damals alles komplett anders. Sie werden so stürmisch und so sehr mit SEINEM Geist erfüllt, dass es sie hinaustreibt: auf die Marktplätze, in die Synagogen, an die Versammlungsorte der Leute, egal welcher Art. Und sie können nicht mehr anders, sie wollen und werden diesen Jesus Christus, den Auferstandenen verkünden, komme was kommen mag.
    Wollen wir das wirklich? Wollen wir so begeistert sein, dass wir ganz viele Mittel und Wege finden, um den Menschen im Dorf und in der Stadt deutlich zu machen, dass wir an einen lebendigen wirkenden Gott glauben, der uns heute zum Leben helfen will?
    Wenn ja, was ich sehr hoffe, dann los, und beten und bitten und nicht wundern, wenn alles neu wird. Auch bei uns – in uns selber, in unserer Kirche, in unserem Land, auf der ganzen Erde. Komm Heiliger Geist.
    4 min
  • Treibe mich an, Heiliger Geist!
    Treibe mich an, Heiliger Geist!
    Dem Heiligen Augustinus wird ein Gebet zugeschrieben, dass in diesen Tagen vor Pfingsten sehr aktuell ist und an dem entlang, ich gern ein wenig mit Ihnen nachdenken möchte. Das Gebet heißt:
    Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
    Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
    Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
    Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte.
    Hüte mich du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere. Amen
    Die zweite Zeile ist auch nach der Pandemie immer noch so wichtig:
    treibe mich, Du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Eine der vielen Aussagen der Pandemiejahre war: ich habe gar keinen Antrieb, ich habe keine Motivation mehr.
    Treibe mich Du heiliger Geist könnte heißen:  
    Treibe mich an - wenn die Trägheit mich lahmlegt und ich meiner eigenen Kraft nicht mehr traue
    treibe mich an - alte Gewohnheiten zu verlassen, was mir schwerer scheint, als Neues anzufangen
    treibe mich an - zu lassen, was mich hindert, vorwärts zu kommen, Ballast abzuwerfen für mehr Leichtigkeit des Seins
    treibe mich an - wenn es heißt, 'gegen den Strom zu schwimmen' und nicht mein Fähnchen in den Wind zu hängen
    treibe mich an - aber lass mich nicht ziellos dahintreiben sondern lass mich, von Dir geleitet, mein Ziel erkennen
    treibe mich an - damit das Schiff meines Lebens in Fahrt kommt und nicht im Hafen der Sicherheiten dahindümpelt.
    Treibe mich an Du Heiliger Geist, damit ich Heiliges tue, denn von Dir getrieben, gelange ich ans Ziel.
    3 min
  • In der Unrast schenkst du Ruh
    In der Unrast schenkst du Ruh
    Vor einigen Jahren hatte ich eine Firmengruppe, die eher weniger als mehr motiviert war. Was sie allerdings wussten, war, dass all die Gebete und Lieder und all dieser "fromme Kram", wie sie gesagt haben, völlig uncool war und nicht mehr in die Zeit passen würde.
    Wir haben uns sehr schnell geeinigt, dass wir trotzdem einen Pfingst-Hymnus nehmen würden, weil es ja bei der Firmung wohl um diesen Heiligen Geist gehen würde und ihn völlig neu schreiben und in heutiger Sprache fassen wollten. Gesagt, getan.
    Ich habe den Text ausgedruckt und wir haben drei Gruppen gebildet und hatten 30 Minuten Zeit. Ich habe gehört und zugeschaut, beraten und war mit ihnen ratlos. Und am Ende kamen alle drei Gruppen zusammen und keine von ihnen war mit ihrem Umformulierungsprodukt zufrieden.
    Nach allem Hin und Her haben wir den Originaltext noch mal laut gelesen und fanden ihn plötzlich, also alle zehn Firmlinge und ich, ziemlich gut und ziemlich passend. Und am Ende haben sie in der Großgruppe durchgesetzt, dass die Pfingstsequenz im Firm-Festgottesdienst gesungen werden sollte. Es hat mich verblüfft und ein bisschen gefreut, weil ich diese Sequenz sehr gern mag und sehr eindrücklich finde:
    Komm herab, o Heil’ger Geist,
    der die finstre Nacht zerreißt,
    strahle Licht in diese Welt.
    Komm, der alle Armen liebt,
    komm, der gute Gaben gibt,
    komm, der jedes Herz erhellt.
    Höchster Tröster in der Zeit,
    Gast, der Herz und Sinn erfreut,
    köstlich Labsal in der Not,
    in der Unrast schenkst du Ruh,
    hauchst in Hitze Kühlung zu,
    spendest Trost in Leid und Tod.
    Komm, o du glückselig Licht,
    fülle Herz und Angesicht,
    dring bis auf der Seele Grund.
    Ohne dein lebendig Wehn
    kann im Menschen nichts bestehn,
    kann nichts heil sein noch gesund.
    Was befleckt ist, wasche rein,
    Dürrem gieße Leben ein,
    heile du, wo Krankheit quält.
    Wärme du, was kalt und hart,
    löse, was in sich erstarrt,
    lenke, was den Weg verfehlt.
    Gib dem Volk, das dir vertraut,
    das auf deine Hilfe baut,
    deine Gaben zum Geleit.
    Lass es in der Zeit bestehn,
    deines Heils Vollendung sehn
    und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja!
    4 min
  • War früher alles besser?
    War früher alles besser?
    Bei Familienfesten habe ich immer mit Begeisterung den Omas und Opas und Tanten und Onkeln zugehört, wenn sie von vorherigen Zeiten erzählt haben. V
    on den Familiengeschehnissen, von Krieg und Nachkriegszeit, von Aufbau und Neubeginn, von Kindern und Enkeln und strengen Lehrern und Lehrmeistern. Und am Ende kommt immer diese tolle Erkenntnis, dass es harte Zeiten waren, aber auch schön. Und aus diesen Erzählungen kommt immer die Gelassenheit, die sehr alte Menschen ausmacht: wir haben schon so viel geschafft und ausgehalten, wir haben soviel schon ertragen und getragen, und das was jetzt kommt, das schaffen wir auch. Das hat nichts mit Verklärung zu tun und dem "früher war alles besser".
    Es hat damit zu tun, dass es in der Zeit, wo es geschieht oft schwer und kaum zu ertragen und fast über die Kräfte geht. Aber in der Rückschau versteht man plötzlich, wie gut sich alles gefügt und gewendet hat und wieviel Hilfe die Familie, die Nachbarn, das Dorf, die Gemeinde gegeben hat. So ähnlich geht es mir in meiner Ordensgemeinschaft. Wenn wir, wie zur Zeit, im Provinzkapitel versammelt sind, ist immer auch Zeit, den Weg der Gemeinschaft seit der Gründung vor 160 Jahren nachzuerzählen.
    Und ich spüre immer dieselbe Verblüffung: wie aus kleinen Anfängen mit drei jungen Frauen ein Riesenwerk entstanden ist, das durch Kulturkampf und Vertreibung, durch 2 Kriege und die spanische Grippe, die Zwischen- und Nachkriegszeit, die deutsche Teilung und das vatikanische Konzil, die Wiedervereinigung und so weiter und so weiter gegangen ist. Und immer wieder haben sich Menschen gerufen gefühlt, diesen Weg des Christseins zu gehen und vor Gott und für die Menschen zu leben.
    Und wenn ich die ganz alten Schwestern frage, wie das alles zu schaffen war, dann kommt oft das eigene Erstaunen durch: "ja, mit Gottes Hilfe, mit seinem Geist, mit der Hilfe meiner Schwestern" so ungefähr wie: ich weiß nicht so genau. Es hat sich gefügt. Ein Steinchen des Mosaiks hat ans andere gepasst und im Nachhinein sieht man das große Werk, und weiß nicht, wie es geworden ist. Ich finde das wunderbar entlastend. Ich brauche heute nur tun was dran ist, dass dann mit viel Liebe und Engagement tun und dann im Vertrauen leben, dass Gottes Geist es richten wird, zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes.
    4 min
  • Lob auf den Schöpfer
    Lob auf den Schöpfer
    Eine ganze Weile schon ist es morgens hell, wenn ich aufstehe. Das motiviert ungemein, wenn die Vögel zwitschern, die ersten Sonnenstrahlen in den Garten und durch das Fenster scheinen. Wenn es im Winter um die Uhrzeit noch dunkel ist, dann bleiben viele lieber im Bett liegen und sind wenig motiviert aufzustehen. Ich finde das sehr nachvollziehbar, auch wenn ich weiß, dass es Morgenmuffel gibt, die sich grundsätzlich schwertun, das Bett zu verlassen. Aber was ist es eigentlich, das mich so früh am Morgen motoviert? Einerseits ist es die Freude, das zu erleben, was in der Natur so vor sich geht. Aber vielleicht steckt da auch ein bisschen Neugierde hinter, ich könnte ja auch etwas verpassen, wenn ich liegenbleibe. Wenn schon jemand in der Küche damit beschäftigt ist, das Frühstück zuzubereiten und es nach Kaffee duftet, macht das Aufstehen auch mehr Spaß als wenn ich das alles selbst erst tun muss.
    Es mag banal klingen, aber dieser Gedanke, da ist schon jemand wach und werkelt auch für dich, der ist einfach schön. In Psalm 104 wird Gott als der Schöpfer gelobt, der die Erde und alles, was auf ihr lebt, gemacht hat. Und vieles scheint im Kreislauf der Natur ganz von selbst zu laufen. Der Mond ist das Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht. In der Nacht regen sich alle Tiere des Waldes und tagsüber geht der Mensch an seine Arbeit. Am schönsten finde ich dann den Lobspruch: "Wie zahlreich sind deine Werke, Herr, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen." – Das jeden Morgen wieder neu zu erleben, motiviert mich, das Bett zu verlassen und aufzustehen. Vielleicht geht es ihnen ähnlich und Sie spüren genauso wie ich den Drang, diese Freude an der Schöpfung, am Tag, an andere weiterzugeben – mit einem Lächeln oder auch mit einem frisch gekochten Kaffee.
    3 min
  • Glotzt nicht so blöd!
    Glotzt nicht so blöd!
    40 Tage nach Ostern feiern wir das Hochfest Christi Himmelfahrt. Es markiert das Ende der Zeit des irdischen Jesus. Seit Ostern ist er immer wieder den Aposteln und Jüngern erschienen, hat mit Ihnen gesprochen und gegessen, ihnen den Frieden zugesprochen und auch angekündigt, ihnen bald den Heiligen Geist zu schicken. Am Ende des Lukasevangeliums und am Anfang der Apostelgeschichte wird dann berichtet, wie Jesus vor den Augen seiner Jünger emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen wurde, so dass sie ihn nicht mehr sahen.
    Ein unglaubliches Bild, finde ich. Den Jüngern muss es ähnlich ergangen sein, denn die Apostelgeschichte berichtet dann von zwei Männern in weißen Gewändern, die bei ihnen standen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? – Ich stelle mir die Jünger Jesu gerade vor, wie sie wohl ziemlich verdattert und mit offenem Mund nach oben schauen. "Glotzt nicht so blöd!" würde man ihnen heute wohl zurufen. Ich sehe darin auch unsere Kirche von heute, die wegen all der Krisen und Skandale, wegen all des ganzen Streits ziemlich gelähmt und versteinert mit offenem Mund dasteht und in den Himmel schaut. Ob das nun Bischöfe sind, die sich vor mutigen Entscheidungen drücken und lieber erst einmal warten wollen, was Rom und die öffentliche Meinung so sagen könnten oder auch jeder und jede von uns, die wir so gerne Papiere und Konzepte erarbeiten, anstatt direkt ans Werk zu gehen und andere Menschen von der Botschaft Jesu zu begeistern. Die Apostel und Jünger haben doch in den Tagen vor Jesu Himmelfahrt das ganze Handwerkszeug überreicht bekommen, quasi die Gebrauchsanweisung mit der Zusage, dass der Heilige Geist schon helfen wird; und wenn es nur beim Gespräch am Gartenzaun ist.
    In zehn Tagen ist Pfingsten, da feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes, die manche auch als "Geburtsfest der Kirche" bezeichnen. Nutzen wir doch die Zeit bis dahin und auch darüber hinaus dazu, um diesen Geist zu beten und voller Tatendrang ans Werk zu gehen, anstatt mit offenem Mund in den Himmel zu starren. Die Jünger haben es damals ähnlich getan, denn am Ende des Lukasevangeliums heißt es schließlich, dass sie in großer Freude nach Jerusalem zurückgegangen sind. Diese Freude über die Botschaft vom Auferstandenen, die wünsche ich Ihnen nicht nur heute von ganzem Herzen!
    3 min
  • Unterwegs sein und unterwegs bleiben
    Unterwegs sein und unterwegs bleiben
    Als Franziskus im beginnenden 13. Jahrhundert immer mehr junge Männer begleiteten und immer mehr wie er leben wollten, stieg die Zahl der Brüder seiner kleinen Gemeinschaft sprunghaft an. Und da hat er begonnen, immer zu Pfingsten alle Brüder, egal wo sie da gerade gelebt haben, nach Assisi und dort nach Portiuncula einzuladen; zum Mattenkapitel, wie er es nannte. Alle Brüder haben nur ihre Strohmatten mitgebracht und sie haben zusammen gesessen und gebetet und sich ausgetauscht und sie haben beraten und Entschlüsse gefasst für das nächste Jahr. Und alle franziskanischen Gemeinschaften weltweit tun das auch.
    Unsere deutsche Provinz der Olper Franziskanerinnen hat gestern Abend ihr sogenanntes Provinzkapitel eröffnet und wird jetzt acht Tage lang zusammen beten, in der Bibel lesen, in diesem Jahr aus dem Buch Tobit, und dann ganz konkret beraten, was in den kommenden vier Jahren dran sein könnte am gemeinsamen Ordensleben hier in Deutschland. Und es werden Schwestern in die Provinzleitung gewählt, die sich in der Hauptsache darum kümmern sollen, diese Beschlüsse mit allen Schwestern in die Tat umzusetzen.
    "Unterwegs sein und unterwegs bleiben" ist das Motto dieser Provinzversammlung. Und ich bin mir sicher, dass diese Überschrift auch über jedem anderen Leben steht. Nur wenn ich im Leben, im Beruf, im Glauben, im Christsein nicht stehen bleibe, sondern unterwegs bin und bleibe, kann etwas neu werden. Und wenn ich die Geschichte der Franziskaner in den letzten acht Jahrhunderten und unsere eigene Gemeinschaftsgeschichte in den letzten 160 Jahren anschauen, bin ich beeindruckt von so viel unterwegs sein und bleiben, von so vielen Einbrüchen und Neuaufbrüchen, von so vielen Veränderungen. Das ist und bleibt spannend und nicht gerade bequem und gemütlich.
    Seit Januar haben alle Schwestern jeden Tag um Gottes guten Geist für dieses Provinzkapitel gebetet. Jetzt braucht es nur noch unser Vertrauen darauf, dass er mit uns ist und uns anschubsen wird zu neuen Wegen und Aufbrüchen.
    3 min
  • Habt Vertrauen, ich bin es!
    Habt Vertrauen, ich bin es!
    Habt Vertrauen, ich bin es! Na das ist ja mal eine Zusage. Ich bin echt überrascht und gepackt. Eigentlich bin ich am Sonntag ganz in der Frühe ins Auto gestiegen und mit noch zwei Begleiterinnen nach Kevelaer aufgebrochen. Ja, ich gebe gern zu, dass ich ja aus dem marienverehrenden Eichsfeld in Thüringen stamme und viele Wallfahrtsorte dort auch heute noch gern besuche, auch wenn sich meine Sichtweise auf diese Form der Frömmigkeit im Laufe meines Lebens verändert hat, was vielen Menschen so geht. Aber ich liebe Kevelaer sehr. Das Städtchen ist hübsch und angenehm klein. Der Kapellenplatz mit der Basilika ist wunderschön und alles ist so einladend. Und es war Traumwetter mit Sonne und himmelblauem Strahlen. Und in der Basilika sehe ich oberhalb der Marienstatue ein blaues Schild mit dem Jahresmotto der Wallfahrt: "Habt Vertrauen, ich bin es"
    Sofort ist mir die Szene aus dem Evangelium eingefallen, aus dem dieser Vers stammt. Es geht um den Gang Jesu übers Wasser, als er über sturmbewegte See zu den Jüngern ins Boot steigt. Und sturmbewegte See kennen viele von uns. Nicht gerade bei Bötchentouren auf dem Baggersee oder dem Rhein, sondern eher im oft so komplizierten Alltag, in den Familien- und Alltagskrisen, in Krankheit und Arbeitslosigkeit, in persönlichen Katastrophen und Gesellschaftskonflikten. Und dann steht da für mich tatsächlich die Frage im Raum, ob ich wirklich glaube, dass in all diesen Schwierigkeiten die Zusage Jesu auch heute gilt: Habt Vertrauen, ich bin es! Ich, Jesus bin es, der mit mir durch all diese Krisen geht, ich bin es, der auch durch sehr bewegte Wasser kommt und den Sturm besänftigen kann, ich bin es, der Dir den Rücken stärkt und Dich ermutigt, ich bin es, der Dich nicht verurteilt, sondern ermutigt: Hab Vertrauen.
    Manchmal ist es ein Kollege oder jemand aus dem Freundeskreis, der mir das vermittelt. Manchmal ist es nur ein Gespür, dass mich da tatsächlich jemand trägt und hält und manchmal gibt es eine Zusage, die ich nie von jemandem aus meinem Umfeld erwarten würde. Ich bin ganz beseelt und ermutigt nach diesem Tag nach Hause gefahren und ja, Maria, die Mutter Jesu hatte sicher nichts dagegen, dass es nicht um sie, sondern um ihren Sohn gegangen ist und um seine Ermutigung für mich und uns.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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