Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Drei Variationen zum Thema Vertrauen
    Drei Variationen zum Thema Vertrauen
    Auf dem Klara von Assisi-Weg, dem Pilgerweg in Elspe im Sauerland, gab es letztens einige sehr witzige Begebenheiten. Bei der ersten Schattenpause – es brauchte einige mehr, weil es sehr heiß war – packte einer der Mitpilger plötzlich einen Dreiliterkarton mit köstlichem Apfelsaft aus seinem Rucksack aus und Pappbecher dazu und hat dann herzlich eingeladen: "Kommen Sie, trinken Sie! Je mehr Sie trinken, desto weniger muss ich schleppen". Diese Einladung war zu schön, um sie nicht zu erhören und den Genuss zu teilen.
    An einer der nächsten Stationen ging es ums Gottvertrauen der heiligen Klara und es gab ein paar Aussagen ihrer Mitschwestern dazu, die alle schriftlich erhalten sind. Der Kerngedanke Klaras war bei einer kriegerischen Bedrohung: Ich kann nichts machen, aber ich vertraue auf Gott. Er wird uns helfen. Und es geschah so und ihr Kloster und die Stadt wurden verschont. Ein Mitpilger hatte dazu eine eher heutige Geschichte zum Thema Vertrauen. Er hat uns erzählt, dass ein Wanderer in den Bergen gestolpert ist und sich kurz vor dem Absturz noch an einen Ast klammern konnte. Laut schreiend ruft er um Hilfe. Dann hört er leise und eindringlich eine Stimme: "Sei getrost, ich, Dein Gott, bin bei Dir. Ich werde Dich nicht umkommen lassen." Verblüfft ist der in Not Befindliche einen Moment still und ruft dann: "Ist da vielleicht noch jemand anderes?" Wir haben, wahrscheinlich wie Sie jetzt, herzlich gelacht und uns amüsiert. Aber genau das ist, glaube ich, der Unterschied. Die einen glauben felsenfest daran, dass Gott beschützt, hilft und rettet. Und die anderen glauben eventuell so ein bisschen, weil es ja nicht schaden kann. Aber Vertrauen haben sie nicht und rufen daher noch nach dem anderen, nach dem handfesteren, dem realeren Retter.
    Und eine dritte Szene war ganz in der Nähe der Freilichtbühne des Elspe Festivals, wo gerade die Erstaufführung des diesjährigen Stückes läuft und man Schüsse, Explosionen und Schreie vernimmt. "Keine Angst", ruft uns ein Spaziergänger zu, der aus dieser Richtung kommt: "Das ist nur gespielt und nicht echt. Und wenn es echt wäre", fügt er schmunzelnd dazu: "Sind sie ja in Gottes Hand." Wieder Gelächter unsererseits und die Vermutung, wer mit einer Ordensfrau unterwegs ist, kann nur in Gottes Hand sein. Tja, drei Variationen zum Thema Vertrauen.
    Wie steht es mit Ihrer Variation dazu?
    4 min
  • Genuss für Leib und Seele
    Genuss für Leib und Seele
    Im Nachbardorf meines Heimatortes ist eine Eisdiele. Sie ist schon über 60 Jahre alt und ist noch immer im Familienbesitz. Der Sohn macht das jetzt schon über 40 Jahre. Sie hat einen legendären Ruf wegen der tollen Qualität des Eises und ist im Preis immer noch niedriger als die Anderen ringsum. Ich habe ein kleines Video gesehen und war entzückt: Wenn man hineingeht ist es drinnen so herrlich altmodisch, mit Plastikblumen und roten Kunstlederstühlen, dass man sich echt wundert. Aber der Besitzer möchte es so und die Leute lieben es. Sie hat aber schon immer mehr vom Straßenverkauf gelebt als von den wenigen Sitzplätzen innen. Das Eis wird noch handgemacht und meist gibt es nur 4 bis 5 wechselnde Sorten. Und immer, wenn ich vorbeifahre, denke ich: Oh, hier wollte ich schon immer mal halten und das Eis probieren. Und dann sehe ich die langen Schlangen der Eisliebhaber, die da vorfreudig anstehen und fahre dann doch vorbei ohne zu halten. "Das ist da immer so", sagen meine Brüder, denen ich davon erzähle. Und auch sie haben deshalb dort noch nie gehalten. Man muss einen Parkplatz suchen, ein Ticket ziehen und sich an der Schlange anstellen. Ach, dann lieber nicht.
    Wofür lohnt es sich für Sie, heute mal anzuhalten, auszusteigen, sich in einer langen Schlange anzustellen und geduldig zu warten? Ein neu auf den Markt geworfenes Produkt, das sehr angesagt ist und alle haben wollen? Ein endlich wiedereröffnetes Museum mit einer brandneuen Ausstellung? Wenn nicht das Geld, der Preis die Frage ist, sondern die dafür aufgewendete Zeit?
    Bei uns hier in Nordrhein- Westfalen haben jetzt die Sommerferien begonnen und da ist vielleicht auch mal Zeit, einfach das Wörtchen "heute" zu benutzen. Heute werde ich das und das tun, heute werde ich jemandem eine Freude machen, heute werde ich mir einen besonderen Genuss leisten. Und über dieses "heute", darüber kann man auch wunderbar nachsinnen, während man in der langen Schlange vor der Eisdiele steht und sich sehr freut, weil das köstliche Eis auch eine der wunderbaren Gaben Gottes ist, die die Menschen für seine Menschen erfunden haben, uns zur Freude und zum Genuss für Leib und Seele.
    3 min
  • Der Glaube kann Gelassenheit geben
    Der Glaube kann Gelassenheit geben
    Der König verliebt sich, was ja an sich schön ist. Aber er kann seine neue Liebe nicht heiraten, weil er längst verheiratet ist. Also versucht er, seine Ehe annullieren zu lassen, wofür es aber keinen Grund gibt.
    Der Papst lehnt ab und das ist der König nicht gewillt einfach hin zu nehmen. Also gründet er die eigene Staatskirche und setzt sich selbst als Oberhaupt dieser Kirche ein. Sein Kanzler Thomas Morus tritt somit sofort von seinem Amt zurück, weil er als Katholik solchem Bestreben nicht folgen will. Aber der König will den Treueid von allen, auch von ehemaligen Kanzlern. Da er sich weiterhin standhaft weigert wird er eingekerkert und wegen Hochverrats zum Tod verurteilt und hingerichtet.
    Das Ganze ist fast 500 Jahre her und ist nicht vergessen, weil dieser Thomas Morus ein kluger Mann, ein liebevoller Familienmensch, ein Anwalt für Gerechtigkeit gegen jedermann war und einen wundervollen Humor hatte.
    Selbst in der Stunde seiner Hinrichtung bittet er ganz gelassen den Henker, ihm doch aufs Schafott zu helfen, herunter würde er es dann schon allein schaffen. Und er schiebt seinen wallenden Bart zur Seite, da der ja keinen Hochverrat begangen habe und nicht bestraft werden müsse.
    Papst Johannes Paul II.  hat ihn 2000 zum Patron der Regierenden und Politiker ernannt. Und was hat das heute, am Donnerstagmorgen mit mir, mit Ihnen zu tun? Eigentlich nichts, oder? außer: manchmal helfen mir solche Beispiele, den eigenen Tag, mit selten so schlimmen Herausforderungen, doch mit etwas mehr Gelassenheit und Ruhe zu beginnen. Mein Vertrauen in Gott und meinen Glauben an ihn zu setzen, auch wenn alle ringsherum anders denken und es auch von mir fordern sollten. Zwei charakteristische Worte von Thomas Morus gebe ich Ihnen gerne mit in den Tag: Der eine:
    Viele Menschen erkaufen sich die Hölle mit so großer und schwerer Arbeit, dass sie sich mit der Hälfte derselben hätten den Himmel erwerben könnten.
    Und der Zweite:
    Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.
    4 min
  • Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Was würden Sie von jemandem halten, der mit sehr jungem aber ernstem Gesicht und Lilien in den Händen dargestellt wird? Wahrscheinlich, dass da jemand ziemlich fromm und lebensuntüchtig beschrieben werden soll.
    Bei Aloisius von Gonzaga, an den die Kirche heute denkt, war das aber völlig falsch. Aus reichem Haus stammend, wird er Mitte des 16. Jahrhunderts Page am Hof König Philipps II. in Madrid.
    Mit 17 Jahren erlaubt ihm sein Vater, nach echt hartem Ringen, dass er bei den Jesuiten eintreten darf. Bei einer Pestepidemie in Rom steckt er sich an, da er ohne Schonung und ohne Vorsicht die Pestkranken pflegt. Drei Monate später im Jahr 1591 stirbt er an der Pest. Irgendwie passt das reale Leben dieses Jesuiten also überhaupt nicht zu dem, wie er später dargestellt wird und wohl auch rüberkommen soll, wie man heute sagen würde, weil er zum Patron der Studierenden ernannt wird und wohl als liebenswürdiger, frommer und in sich gekehrtes Vorbild taugen soll.
    Alles zur größeren Ehre Gottes, ist eines der Leitworte der Jesuiten und das hat Aloisius wohl sehr handfest und energisch und mit Herz und Hand ausgeführt und nicht auf sich selbst und sein Ego geachtet, sondern auf die Menschen, die seine Hilfe brauchten. Ich fand dieser Tage die Zeilen von Mutter Teresa, die ziemlich genau auf das Leben des Heiligen Aloisius passen. Sie schreibt:
    Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. - Liebe diese Menschen trotzdem.
    Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. - Tue trotzdem Gutes.
    Das Gute, dass du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. - Tue trotzdem Gutes.
    Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern. - Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern.
    Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. - Hilf diesen Menschen trotzdem.
    Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. - Gib der Welt trotzdem das Beste.
    Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott.
    4 min
  • Gib der Welt dein Bestes!
    Gib der Welt dein Bestes!
    Was würden Sie von jemandem halten, der mit sehr jungem aber ernstem Gesicht und Lilien in den Händen dargestellt wird? Wahrscheinlich, dass da jemand ziemlich fromm und lebensuntüchtig beschrieben werden soll.
    Bei Aloisius von Gonzaga, an den die Kirche heute denkt, war das aber völlig falsch. Aus reichem Haus stammend, wird er Mitte des 16. Jahrhunderts Page am Hof König Philipps II. in Madrid.
    Mit 17 Jahren erlaubt ihm sein Vater, nach echt hartem Ringen, dass er bei den Jesuiten eintreten darf. Bei einer Pestepidemie in Rom steckt er sich an, da er ohne Schonung und ohne Vorsicht die Pestkranken pflegt. Drei Monate später im Jahr 1591 stirbt er an der Pest. Irgendwie passt das reale Leben dieses Jesuiten also überhaupt nicht zu dem, wie er später dargestellt wird und wohl auch rüberkommen soll, wie man heute sagen würde, weil er zum Patron der Studierenden ernannt wird und wohl als liebenswürdiger, frommer und in sich gekehrtes Vorbild taugen soll.
    Alles zur größeren Ehre Gottes, ist eines der Leitworte der Jesuiten und das hat Aloisius wohl sehr handfest und energisch und mit Herz und Hand ausgeführt und nicht auf sich selbst und sein Ego geachtet, sondern auf die Menschen, die seine Hilfe brauchten. Ich fand dieser Tage die Zeilen von Mutter Teresa, die ziemlich genau auf das Leben des Heiligen Aloisius passen. Sie schreibt:
    Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. - Liebe diese Menschen trotzdem.
    Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. - Tue trotzdem Gutes.
    Das Gute, dass du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. - Tue trotzdem Gutes.
    Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern. - Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern.
    Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. - Hilf diesen Menschen trotzdem.
    Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. - Gib der Welt trotzdem das Beste.
    Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott.
    4 min
  • Erlaube dir, deine Meinung zu ändern!
    Erlaube dir, deine Meinung zu ändern!
    Ein drittes Wort aus den Haltungen des Synodalen Weges lautet: Bewege Dich. Und das ist nicht unbedingt sportlich gemeint. Es heißt hier: "Bewege Dich. Geh auf andere zu. Geselle dich zu dir vertrauten Menschen und suche auch die anderen. Wechsle gelegentlich den Sitzplatz. Erlaube dir, deine Meinung zu ändern. Vermeide Cliquen"
    Bei jeglichen Veranstaltungen und Zusammenkünften ist es ganz normal zu schauen, wen ich kenne und zu wem ich mich erst mal stelle oder setze. Und ein Austausch mit ihnen ist immer wichtig.
    Aber den eigenen Horizont erweitere ich, wenn ich auf andere zugehe, mich neben mir unbekannte Leute setze. Dann wird es spannend und ich kann meinen inneren Sitzplatz ebenso wechseln un plötzlich Dinge erfahren und über Sachen ins Gespräch kommen, die mir neu und fremd und erfrischend oder aufregend oder ärgerlich sind. Das belebt in jeglicher Hinsicht. "Erlaube dir, deine Meinung zu ändern" ist eine ziemlich gute Aufforderung. Meine eigene, festzementierte Meinung kann doch tatsächlich durch gute Argumente, durch anderes Erleben und Debattieren geändert werden. Und dazu dann zu stehen und die Veränderung auch zu vertreten hat nichts mit "Fähnchen im Wind" zu tun, sondern mit neuer Erkenntnis und dem Eingestehen, dass auch meine blinden Flecken bunt werden können.
    "Vermeide Cliquen" ist das Gegenteil von sicheren Blasen, in denen wir uns auch als Kirche so gern bewegen. Cliquen geben Sicherheit und stützen unser Lebensgerüst.
    Aber das ist nicht der Auftrag Jesu an uns als Christen. Er hat nicht gesagt, dass wir unter uns bleiben und uns wohlfühlen sollen. Er hat gesagt: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium"
    Und das heißt tatsächlich: verlasst eure sichere Clique, eure Bubble auf Facebook, Twitter und Tiktok und traut euch zu, mit meiner Hilfe zu meinen Menschen zu gehen, die auf euch warten und meine gute Botschaft an sie weiter zu geben – wenn es sein muss mit Worten, wie Franz von Assisi es sagen würde.
    3 min
  • Hilft Gott auch in der Krise?
    Hilft Gott auch in der Krise?
    Dieser Tage ist in einem Gottesdienst ein Lied gesungen worden, das mir sehr gefällt, aber vielen Leuten nicht so bekannt ist. Es singt von der Mitte des Jahres und ich war ein bisschen erschrocken, dass es tatsächlich so ist: wir haben die Mitte des Jahres schon fast erreicht und in ein paar Tagen geht es abwärts: nur mit dem Jahr, versteht sich.
    In der ersten Strophe heißt es: "Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin." Mir gefällt es sehr, dass hier die Bitte an Gott gerichtet wird, die Mitte gut zu machen.
    Meist bitten wir Gott am Anfang eines Lebens, oder bei bestimmten festlichen oder schwierigen Anlässen oder wenn es um Sterben und Tod geht. Die Mitte gut machen kann also bedeuten, die Früchte der Felder und Gärten und Wälder und Weinberge zu segnen. Aber es kann auch heißen, die Mitte unseres Lebens zu segnen und gut werden zu lassen. Wir kennen den Begriff der Midlifecrisis – der Krise in der Mitte des Lebens, wo alles irgendwie in Frage gestellt wird, wo Sicherheiten nicht mehr halten und Probleme überhand zu nehmen scheinen. Wo berufliche Krisen die täglichen Rituale nicht mehr funktionieren lassen und familiäre Katastrophen Menschen aus der Bahn werfen.
    Der Rat, der uns in diesem Lied gegeben wird, "Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin" klingt etwas fremd. Aber wenn ich darauf hoffe und daran glauben kann, dass Gott alle meine Wege mitgeht und sein Wort uns Wegmarkierung sein will, dann ist der Tipp nicht so weltfremd.
    3 min
  • Herz über Kopf!
    Herz über Kopf!
    Heute feiern wir mit der Kirche das Herz-Jesu-Fest. Ich habe mal danach gegoogelt und konnte dort mehr als 13 Millionen Einträge finden. Vielleicht gibt es so viele davon, weil wir Heutigen nach Erklärungen suchen, wozu es gut sein soll, ein Herz zu verehren.
    Der Ursprung der Herz-Jesu Verehrung liegt im Johannesevangelium. Dort steht, der römische Hauptmann habe nach dem Tod Jesu mit seiner Lanze eine Seite von dessen Körper und damit zugleich sein Herz durchbohrt, um so den Tod festzustellen. Das stellvertretend für das Leiden Jesu, der für die Menschen gestorben ist und sie dadurch erlöst hat. In einer heutigeren Übersetzung heißt die Stelle: "Sein Herz wurde geöffnet und es flossen Blut und Wasser heraus"
    Ein geöffnetes Herz haben für die Leiden und Nöte der Menschen und bis zum letzten Blutstropfen zu lieben, eine größere Liebe gibt es nicht und das kann nur Gott. Daher gibt es zum einen, so viele Darstellungen mit dem roten, durchbohrten Herzen aber ja auch, diese witzigen Figuren des Gottes Amor, der mit einem Pfeil das Herz eines Menschen trifft, damit er oder sie von der Liebe getroffen, ihr Herz für den anderen öffnen können. In einem Songtext von Joris heißt es: "Das Herz sagt bleib, der Kopf schreit geh - Herz über Kopf"
    Wir sind heute eher Leute, die sachlich und überlegt, wissenschaftlich begründet und naturwissenschaftlich gebildet agieren. Vielleicht kann so ein, etwas eigentümlich anmutendes Fest heute, nochmal den Blick darauf lenken, dass diese Reihenfolge bei Gott für uns andersherum gilt: Herz über Kopf. Er liebt uns bedingungslos und selbst wenn wir die Sache völlig verhauen haben, gibt es wieder einen Neustart.
    Wenn man sich einer solchen, ja irgendwie nicht zu fassenden Liebe gelegentlich bewusst wird, dann kann man plötzlich Entscheidungen treffen, die ziemlich irrational wirken: man lässt sich zu dieser Zeit, in dieser Kirche zum Priester weihen, man geht eine Ehe ein, und gelobt, diese bis zum Tode gelten zu lassen, man nimmt ein behindertes Kind an und liebt es bedingungslos. Sie selber kennen garantiert ein paar Beispiele von Irrational erscheinender, bedingungsloser Liebe von Menschen für Menschen, um Gottes Willen.
    Herz über Kopf – ein guter Slogan Gottes.
    4 min
  • Eine Schnapsidee?
    Eine Schnapsidee?
    Einen zweiten kurzen Impuls zu den "Haltungen" beim Synodalen Weg und in unserer Provinzversammlung möchte ich mit Ihnen heute anschauen. Er lautet: "Trau dich, von dir selbst, von deinen Erfahrungen und Gefühlen zu sprechen. Trau dich, den anderen zuzuhören, dass sie über sich selbst sprechen können. Trau dich, Vertrauliches vertraulich zu behandeln, über Deinen Glauben zu sprechen und auch mal etwas Neues vorzuschlagen oder eine 'Schnapsidee' zu äußern."
    Trau Dich, ist tatsächlich für viele Katholiken nicht so einfach. In der derzeitigen Vollzeitkrise der Kirche kostet es einiges an Mut und Überwindung, trotzdem zum Glauben zu stehen und den üblichen Stammtischparolen den eigenen Standpunkt darzulegen. Und ich spüre immer, dass es tatsächlich etwas Besonderes ist gut zuzuhören. In vielen Debatten und hitzigen Wortgefechten ist es nicht so einfach, zunächst einmal hinzuhören und herauszuhören, worum es eigentlich geht. Und die Erfahrung, nach einigen Atempausen ganz in Ruhe zu antworten, ist häufig sehr viel besser als das Wütende Hin und Her der Argumente. Eine Antwort in ruhigem Ton und guter Wortwahl wird tatsächlich eher gehört und angenommen.
    In diesem kurzen Text zur Haltung des "Trau Dich" gefällt mir der letzte Satz so gut: "Trau Dich mal etwas Neues vorzuschlagen oder eine Schnapsidee zu äußern" – Schnapsideen sind ja die Dinge, die kommen, wenn man locker und leicht zusammensitzt und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Und dann blitzt so eine Idee auf, und man lacht sich kaputt und findet es völlig daneben. Oder man merkt nach ein paar Tagen, dass das eine ziemlich gute Idee ist. So eine Schnapsidee ist der Klara-von Assisi-Weg in Elspe hier im Sauerland. Eine Frau war in Assisi zu Besuch und von der Persönlichkeit Klaras so angetan, dass sie in ihrer Heimatgemeinde angeregt hat, einen Klaraweg zu erstellen. Mit einer großen Gruppe engagierter Frauen ist dieser Weg 2020 als der erste Klaraweg in Europa eingerichtet worden und zieht Jahr für Jahr immer mehr Pilger*innen an.
    "Wir können das, und wir trauen uns das" war die Erkenntnis der vielen engagierten Frauen und sie sind stolz über die Umsetzung der zunächst belächelten Schnapsidee. Wenn Sie Lust und Zeit haben, können Sie mit mir übermorgen, am Samstag ab 14.00 Uhr, ab der Jakobuskirche in Elspe, diesen 8 Kilometer langen Weg mit 5 Stationen wandern.
    4 min
  • Bleibe im Gebet!
    Bleibe im Gebet!
    Bei den Versammlungen des Synodalen Weges in den letzten Jahren in Frankfurt, gab es immer mal wieder kleine geistliche Impulse zu den "Haltungen" auf die jede und jeder Synodale achten sollte und wollte.
    Und wir Schwestern haben diese 10 Haltungen genutzt und haben bei unserer Provinzversammlung im Mai jeden Tag eine davon gelesen, bedacht, uns darüber ausgetauscht.
    In den nächsten Wochen will ich immer mal eine dieser Haltungen mit Ihnen teilen und zum Nachdenken mitgeben. Da geht es um: Bleibe im Gebet, Unterscheide, Trau Dich, Sage klar was Du denkst, Bewege Dich, Lass Dir Zeit, Höre zu, Kämpfe, Sei großzügig und gelassen, Öffne Dich. Allein die kurze Aufzählung zeigt mir Haltungen, die gut sind und guttun, aber nicht so ganz einfach zu verwirklichen sind.
    Ich beginne mit dem kurzen Text zum Gebet. Da heißt es: "Bleibe im Gebet: um Gottes Stimme unter den vielen Stimmen zu erkennen; um im festen Vertrauen zu bleiben, dass Gott selbst die Gemeinschaft führt; um den anderen in Ehrfurcht zu begegnen, auch jenen, die dir widersprechen und Dich kritisieren. Bleibe im Gebet, damit Gott in allem verherrlicht werde" Wenn ich bedenke, in welch hitzigen Debatten, in welch schwierigen Entscheidungen, in welch komplizierten Begegnungen Menschen diese Worte beachtet haben wird mir bewusst, was möglich ist, wenn ich wirklich an Gottes Gegenwart glaube und an Gottes Möglichkeiten, durch uns zu wirken.
    Unter vielen Stimmen herauszuhören, was Gottes Stimme sein könnte, ist wirklich schwer und braucht Geduld und Ruhe und die Einübung ins Gebet. Nur dann kann ich spüren, dass es keine Einbahnstraße ist und Gott antwortet.
     
    Während eines Gemeindeabends zum Thema Gebet hat eine Frau erzählt, dass sie Beten mithilfe der Plattform Youtube gelernt hat. Ich war verwirrt und beeindruckt. Sie aber hat mit einer so heiteren Gelassenheit davon erzählt, wie sie mithilfe dieser vielen kleinen Filme und Erklärungen gelernt hat, mit Gott auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen, dass alle anderen im Saal ganz still geworden sind und zugehört haben. In den vielfältigen Angeboten auf Youtube zum Gebet und zu Gott zu finden, ist der Beste Beweis: Bleibe im Gebet um unter den vielen Stimmen, Gottes Stimme zu finden.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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