Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Manchmal muss man neue Wege gehen!
    Manchmal muss man neue Wege gehen!
    Es sind Ferien in Nordrhein-Westfalen und das merkt man sehr auf den Straßen, es ist viel weniger Verkehr, es geht leiser und langsamer zu.
    Aber, wie immer im Sommer und in den Ferien, ist es für den Straßenbau die ideale Zeit.
    So auch in unserem kleinen Städtchen. Dummerweise ging es genau um die Ecke von unserer Straße los: eigentlich muss ich immer rechts abbiegen, da ist aber seit Wochen gesperrt. Manchmal kann man durch, wenn gerade nicht gearbeitet wird. Wenn aber nicht, muss man kunstvoll wenden um aus der Baustelle wieder heraus zu kommen.
    Also dann links, rechts, links – oh, geht auch nicht, ist seit heute früh gesperrt. Also geradeaus, großer Umweg, dann wieder auf eine Straße mitten in der Stadt im Umbau, abgefräster Straßenbeleg, vor scharfen Kanten wird dreimal per Schild gewarnt und abbiegen links nicht möglich und nur sehr weit fahren und dann im Kreisel neue Möglichkeiten.
    Einen Abend war ich völlig verwirrt, weil ich wirklich keine Idee mehr hatte, wie ich zu unserem Haus kommen könnte.
    Viele von Ihnen kennen das aus Ihrem Umfeld und kennen die Mühe und den Stress.
    Wobei, neue Wege finden und von den Alten abweichen, wenn auch gezwungener Maßen, ist gar nicht so falsch. Und das nicht nur bei Straßen und Fußwegen.
    Vor einigen Tagen war ein junger Mann bei mir zu einem Interview. Man merkte, dass er von Kirche und Orden nicht so viel Ahnung hatte und so habe ich ein bisschen ausgiebiger erzählt. Und er wurde immer neugieriger und hatte immer spannendere Fragen, dass es echt eine Freude war, mit ihm zu plaudern und über Gott und die Welt zu erzählen.
    Und mittendrin dann die Frage: Wie kommt man dazu, einen solchen neuen Weg einzuschlagen, wenn man so jung ist, wie Sie damals waren? Da war es wieder, das mit den neuen und anderen Wegen.
    Manchmal geht es nicht anders. Manchmal muss man einen ganz neuen Weg beginnen, weil man spürt, das bisher war okay, aber jetzt ist etwas Neues, etwas anderes dran mit meinem Glauben und mit meinem Christsein.
    Heute ist so ein Tag – vielleicht für Sie. Vielleicht ist es dran, aus eingefahrenen, kaputten Wegen auszuscheren und Neues zu beginnen. Im Leben, im Glauben, im Christsein.
    Scharfe Kanten und gesperrte Wege sind schon mal hinderlich und man muss sich neu orientieren, um den Weg nach Hause zu finden.
    4 min
  • Anbeten und Anpacken
    Anbeten und Anpacken
    Drei junge Frauen sehen die Not in der Stadt Olpe und der Umgebung und wollen etwas tun.
    Sie haben gemerkt, dass besonders Waisenkinder keine Lobby haben und es nur wenige echte Hilfsmöglichkeiten für sie gibt.
    Und so gründen sie keine Hilfsorganisation für Kinder, sondern eine Ordensgemeinschaft, die mit "Anbeten und Anpacken" also mit dem Lob Gottes und dem Dienst an den Menschen, gerade für diese Kinder da sein will.
    Und in sehr kurzer Zeit werden es immer mehr junge Frauen, die dasselbe tun wollen und sich dieser Gemeinschaft anschließen. Ein weiteres Haus in Salzkotten wird gegründet und am 20. Juli 1863 schreibt Bischof Dr. Konrad Martin aus Paderborn in einem Brief, dass das Kloster in Olpe selbständig und Schwester Maria Theresia Bonzel die Oberin sein soll.
    So ist, ganz kurz gefasst, die Gründung der Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung Olpe zu beschreiben. Und ich bin immer wieder zutiefst beeindruckt, wie es drei Frauen geschafft haben, gegen alle Widerstände, ein so großes Werk zu beginnen und durch alle Widerstände zu großer Wirksamkeit zu führen.
    Im Kulturkampf, der ein Verbot von Neuaufnahmen für Ordensleute bedeutet hat, schickt Mutter Maria Theresia die ersten sechs Schwestern in die USA und dort werden, bis zu ihrem Tod über 700 amerikanische und deutsche Schwestern viele Schulen und Krankenhäuser aufgebaut haben. Von den USA aus wird 1963 auf den Philippinen gegründet und von Deutschland aus 1962 in Brasilien.
    Mutter Theresia hat in vielen Briefen und Vorträgen ihren Schwestern dargelegt, worum es ihr geht. Immer wieder ermahnt sie die Schwestern, im Gebet, in der Liebe zu den Mitschwestern und im Dienst an den Kindern nie nachzulassen.
    Und so können wir Schwestern am Sonntag zusammen mit den Mitarbeitenden der GFO-Einrichtungen, die unsere Werke weiterführen und mit vielen Gästen, 160 Jahre Olper Franziskanerinnen feiern.
    Wir tun das um 11.00 Uhr in einem festlichen Gottesdienst auf der Klosterwiese hinter der Mutterhauskirche und mit einem fröhlich festlichen Frühschoppen im Anschluss daran.
    3 min
  • Entdecke das Paradies ein bisschen auf dieser Erde!
    Entdecke das Paradies ein bisschen auf dieser Erde!
    In meinem Urlaub werde ich wieder in Magdeburg spazieren gehen und freue mich schon jetzt auf einige ganz wunderbare Dinge. Unter anderem die Grüne Zitadelle des Architekten Friedensreich Hundertwasser. Alles darin ist irgendwie schräg und bunt und anders gestaltet als die sonst so exakten graden Linien und langweiligen Großwohnblöcke der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg.
    Auf der Homepage habe ich dazu gelesen: Die Architektur sei die 3. Haut des Menschen, meinte Friedensreich Hundertwasser, eine Haut, die jeder Mensch ebenso wie seine 1. Haut (die natürliche Haut) und seine 2. Haut (die Kleidung) nach seinem Willen auswählen und gestalten können muss. Mit seinen Architekturprojekten und den Konzepten "Fensterrecht" und "Baumpflicht" bemühte er sich um individuelle Wohnräume für den Menschen in Harmonie mit der Natur. Er betrachtete es als die hohe Aufgabe der Architektur, den Menschen ins verloren geglaubte Paradies zurückzuführen.
    In der Bibel gibt es viele Stellen, in denen es um das Paradies geht: am Anfang der Schöpfung um den wundervollen Garten voller Bäume, Früchte und Blumen, den Gott für seine Menschen angelegt hat, um die Vertreibung daraus wegen der Sünden der Menschen gegen Gott, um die wunderbare Zusage Jesu an den Schächer am Kreuz: Heute noch wirst Du bei mir im Paradies sein. Und für das Ende der Tage dieser Welt gibt es wieder eine paradiesische Ankündigung in der Apokalypse.
    Nach einer Reihe von Katastrophen wird Gericht gehalten werden: "Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen." Johannes sieht "die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen." Auf dieser neuen Erde scheint ein paradiesisches Leben möglich: "Bäume des Lebens" gebe es da, "die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen. Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten." Ganz und gar paradiesisch also.  
    Und da ist diese wunderbare Zitadelle in Magdeburg ein gaaanz kleiner bunter wunderschöner Vorgeschmack dieser paradiesischen Ankündigung.
    4 min
  • Mit Maria auf Gott vertrauen
    Mit Maria auf Gott vertrauen
    Am Sonntag am späten Nachmittag hat mich mein Katholisch-Sein hier im Sauerland mal wieder verblüfft. Oder eher, das Katholisch-sein vieler meiner Mitbürger.
    Immer zum 2. Juli, zum Fest der Begegnung Marias mit ihrer Cousine Elisabeth, geht seit 264 Jahren, seit den Wirren des Siebenjährigen Krieges, die Fußwallfahrt von Olpe zum Gnadenbild nach Werl. Drei Tage lang durch Wald und Flur, durch Berg und Tal, bei Wind und Wetter gehen viele Pilger dorthin. Mit all den Anliegen der Stadt, der Kirche, der Welt und ihren sehr eigenen, oft verborgenen Sorgen und Nöten.
    Und am späten Sonntagnachmittag kommen sie dann zurück, mit dem Bus und mit Autos und dann läuten alle Glocken zum Festempfang und vor der Kirche stehen schon viele, die den Heimkehrenden Beifall klatschen und in der Kirche noch viel mehr Leute und dann brausende Orgelklänge und festlicher Einzug und viele Leute mit Tränen in den Augen.
    Das Kreuz wird vorangetragen, die Fahnenträger danach und dann die große Gruppe der WallfahrerInnen. Ich bin echt verblüfft. Wir Deutschen sind doch eher nicht so gefühlsbetont und eher trocken und sachlich unterwegs. Aber hier und heute ist es anders.
    In der Abschlussandacht der Wallfahrt hat der Diakon über Maria, die couragierte Frau gesprochen, die sich einmischt und sich selbst von Jesu schroffer Abwehr nicht davon abhalten lässt, für die Hochzeitsleute zu bitten, deren Weinvorrat echt zu früh ausgetrunken war.  
    Die Fürbitten waren nochmal die Zusammenfassung der Bitten der Wallfahrer. Und ganz zum Schluss, hat der Wallfahrtsleiter noch ein kurzes Schlusswort gesagt, sich bedankt und ein paar Erinnerungen geteilt und dann, die nächste Verblüffung, hat er ein Magnificat gesungen und alle, die in der Kirche waren, haben den Refrain mitgesungen.
    Es hat mich berührt und mitgenommen, wie man so sagt. Wenn ein gestandener Mann, dem man die Anstrengung der letzten Tage deutlich angemerkt hat, das Lied singt, dass die junge, schwangere Maria damals gesungen hat, und wo es auch darum geht, die Mächtigen vom Thron zu stoßen und die Niedrigen zu erhöhen, dann hat das eine sehr eigene Wirkung.
    Da haben die vielen Leute in der Kirche gespürt, dass es diesem Mann echt ein Anliegen war und er sehr deutlich davon gesungen hat, dass mit dem Vertrauen auf diesen Gott, alles im Leben möglich und zu schaffen ist.
    Selbst die etwas süßen Marienlieder, deren Melodien so vertraut, aber deren Texte eigentlich nicht mehr passen, konnten diesen sehr ungewöhnlichen Eindruck nicht trüben.
    4 min
  • Ich trage Dich durch alle Zeiten
    Ich trage Dich durch alle Zeiten
    Malte und Mirka, Noah, Leon, Malek und Romy, Maximilian, Tejay, Marie und Vanessa, Dominik, Pinar, Arthur und Paul. Diese 14 Kinder und Jugendlichen sind in den vergangenen 12 Monaten im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe gestorben.
    Am Sonntag war, wie jedes Jahr am ersten Julisonntag, der Gedenktag an diese verstorbenen Kinder und Jugendlichen. "Ich trage Dich durch alle Zeiten" war die wunderschöne Überschrift über diesem Nachmittag im Garten des Hospizes in Olpe.
    Eltern und Geschwister, Mitarbeitende und Ordens Schwestern haben zusammen Lieder gehört und gesungen, schöne Texte gelesen und die Namen derer genannt, die als Gäste im Hospiz gewesen waren, manche über viele Jahre immer wieder, manche erst kurz und nur selten.
    Die Namen der Kinder werden dann auf die Flügel von Windrädern geschrieben und am Ende der Feier zu den anderen in den Garten gestellt. Die Namen der Jugendlichen kommen auf Steine, die dann in einer neu gestalteten Spirale in einem anderen Teil des Gartens ausgelegt werden – von den Eltern oder Geschwistern. Bei der Gedenkfeier gibt es viele Tränen, bei allen Beteiligten und tröstende Umarmungen und Küsse und Streicheln. Und danach gibt es, wie immer, eine wunderschöne Kaffeetafel mit allen Beteiligten, einem köstlichen Kuchenbuffet und viele Gespräche und Erinnerungen und viel Lachen und köstliche kleine Geschichten, mit Lachtränen in den Augen, wo vorher noch Tränen der Trauer waren.
    Einem Ehepaar an meinem Tisch war bei der Geburt des Kindes gesagt worden, dass es höchstens 3-4 Jahre alt werden wird. Und jetzt ist die Tochter mit 32 Jahren gestorben.
    32 Jahre haben die Eltern mit viel Leidenschaft und Liebe, vielen Sorgen und Tränen, viel Not und Kummer sich gekümmert bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit und darüber hinaus. Und dann konnten sie ihre Tochter gehen lassen und das Aufatmen lernen.
    Der Refrain eines Liedes von Herzchen sagt genau das: "Ich trag Dich weiter, für immer hier bei mir. Ich trag Dich weiter, bist auf ewig ein Teil von mir. Und die Tage kommen und die Jahre gehen, doch ich lass Dich nicht los. Ich trag Dich weiter, bis wir uns wiedersehen."
    4 min
  • Mein Herr und mein Gott
    Mein Herr und mein Gott
    Thomas ist die ganze Zeit mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen mit Jesus unterwegs gewesen, hat ihn mitreißend predigen gehört, gesehen wie er gelebt, gebetet, gelitten, geglaubt hat, hat mit ihm gegessen und getrunken und Feste gefeiert. Er hat die Wunder erlebt, die in den drei Jahren geschehen sind und alle verblüfft haben. Er ist aber, wie fast alle seiner Kollegen in Panik geflüchtet, als dieser Jesus, an den er geglaubt hat, gepeinigt und gekreuzigt wird. Und dann soll er wieder Auferstanden sein? Echt jetzt? Die anderen Apostel haben ihn lebend gesehen und erzählen es ihm. Aber das geht Thomas jetzt wirklich zu weit. Er entgegnet ihnen ärgerlich und schroff: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
    Basta. Dieses Basta, dieses "Dann glaube ich nicht" ist die große Frage des Thomas nach dem, was er denn noch glauben kann und will. Wir sagen schnell "der ungläubige Thomas". Aber eigentlich ist es eher anders: Weil er glauben möchte, hat er Zweifel. Nur wer wirklich glaubt, hat auch Zweifel. Und acht Tage später ist er doch wieder mit den anderen zusammen. Und Jesus kommt dazu und spricht ihn an: Leg Deine Hände in meine Wunden und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Weil Jesus die Zweifel des Thomas ernst nimmt und kennt, kann er ihm genau die Zeichen geben, die er braucht, um Glauben zu können. Er darf es quasi be-greifen – anfassen – antippen – erfühlen und damit verstehen. Und dann kommt das eigentlich Große dieses angeblichen Zweiflers. Er kann ganz beeindruckt bekennen und trotzdem ganz einfach sagen: Mein Herr und mein Gott. Er sagt nicht: Du bist der Herr und Gott. Er bekennt: mein Herr und mein Gott.
    Für mich ist das Beispiel des Thomas gerade im Moment der Krise der Kirchen eine Antwort: Kann ich sagen und bekennen: mein Herr und mein Gott? Da ist nicht der perfekte, strahlende, zweifelsfreie Glaube gemeint, der über allem schwebt und durch keine Katastrophe angefragt werden kann, sondern der oft haltlose, der zweifelnde, der verzweifelte aber immer suchende Glaube, auf der Suche nach meinem Herrn und meinem Gott.
    4 min
  • Die Wartburg
    Die Wartburg
    Bis ich Urlaub machen kann, dauert es noch länger, aber ab und zu plane ich die Tage, die ich in Thüringen sein werde. Und ich werde, wie jedes Jahr, auf die Wartburg fahren. Schon als Kinder sind wir jedes Jahr gefahren. Die Faszination dieser Burg hatte für uns irgendwie etwas abenteuerliches oder auch romantisches. Erst viele Jahre später, als es mal eine Ferienaktion der katholischen Kirche zur Heiligen Elisabeth gab, wurde mir bewusst, welche Bedeutung diese junge Frau für die Kirche in Thüringen und Deutschland hatte und welche so ganz andere Bedeutung das Geschlecht der Ludowinger in Mitteldeutschland mit ihren Kriegen und Eroberungen hatte. Und dann gab es natürlich noch einen dritten, der in der Geschichtsschreibung der Wartburg und der Geschichte der Kirche in Deutschland und der Welt eine besondere Bedeutung hatte: Martin Luther. Vor 500 Jahren wurde er zum Schein auf die Wartburg entführt, um ihn vor der Verfolgung durch die römische Kurie zu schützen. Dort lebte er incognito als Junker Jörg und übersetzt dann in sagenhaften 10 Monaten das Neue Testaments ins Deutsche, 1522 wurde es in Wittenberg veröffentlicht. Durch die Übersetzung ins damalige Deutsch hat Martin Luther die Entwicklung einer einheitlichen deutschen Sprache stark gefördert und auch erst möglich gemacht.
    Also waren eigentlich drei Personen hier diejenigen, die diese Burg zu einem Weltkulturerbe werden ließen: Ludwig der Springer, der durch einen gewieften Trick den Wartberg besetzt und den Bau der Burg begonnen hat, Elisabeth von Thüringen, die als Vierjährige dorthin gebracht worden ist, weil eine politische Heirat die Macht der beiden Fürstenhäuser stärken sollte. Elisabeth war dann aber so anders, weil sie die Krone vor dem Gekreuzigten niedergelegt, schon als Landgräfin sich um die Armen, Kranken und Rechtlosen gekümmert hat, und als Witwe dann ein Hospital in Marburg betrieb, in dem sie selbst gedient hat. Sie gilt bis heute als ein Urbild christlicher Caritas und Nächstenliebe. Und Martin Luther, der durch seine Thesen und seinen Einsatz die Reform der Kirche angestoßen hat die dann leider, bis heute, in Spaltung verharrt.
    Drei Menschen die in den Wirren ihrer Zeit getan haben, was sie für gut und vor Gott für richtig gehalten haben und die einen Landstrich und die Kirche geprägt und verändert haben.
    4 min
  • Petrus und sein Kamerad
    Petrus und sein Kamerad
    Heute ist das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Ich habe immer noch im Ohr, wie eine aus Schlesien stammende Mitschwester immer sehr energisch gesagt hat "Petrus und sein Kamerad" und ich das schon echt witzig fand. Wenn man nach der Wortbedeutung "Kamerad" schaut, steht da im Duden: "eine Person, mit der jemand durch gemeinsame Tätigkeiten oder Interessen eng verbunden ist" – Das kann man bei Petrus und Paulus ja schon sagen, obwohl man kaum verschiedenere Typen als diese beiden finden kann.
    Petrus, stammte aus Bethsaida am See Genezareth. Ursprünglich hieß er Simon, erhielt aber durch Jesus den Beinamen Petrus (zu Deutsch: der Fels). Petrus war der Bruder des Apostels Andreas. Durch ihn lernte er Jesus kennen. Beide Brüder waren Fischer. Petrus war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum.
    Aus den Briefen des Paulus kann man weder sein Geburtsjahr noch seine familiäre Herkunft sicher ermitteln. Aber wenn die Apostelgeschichte recht hat, hatte Paulus zumindest eine Schwester, die in Jerusalem lebte. Dort wird auch berichtet, dass Paulus aus der Stadt Tarsus in Kilikien stammte und das römische Bürgerrecht besaß. Paulus war gebildet, war bei Gamaliel in die Schule gegangen und gehörte den Pharisäern an.
    Beide hatten sehr unterschiedliche Lebens- und Berufungsgeschichten: Der eine kommt durch seinen Bruder zu Jesus, der andere muss vom Pferd gestoßen werden und drei Tage richtig blind sein, bis er Jesus erkennt und ihm dann um so eifriger nachfolgt.
    Wenn so etwas schon zum Anfang der jungen Kirche so war, so ist es ja 2.000 Jahre später nicht anders: Viele Menschen, die auf den unterschiedlichsten Wegen zum Glauben gekommen sind und auch auf den unterschiedlichsten Wegen ihren Glauben leben und die Kirche mitgestalten: die einen, die quasi von Geburt, Familie, Tradition und Taufe dazu gehören, die anderen, die durch Ereignisse oder Menschen dazu geholt wurden, und die dritten, die von Jesus, vom Geist so quasi vom Pferd geschubst worden sind und deren Blindheit gelöst werden muss.
    Ein Wort des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. gefällt mir da sehr gut und ich halte es für eine entspannte Weise, mit den vielfältigen Wegen in der Kirche umzugehen. In einem Interview wurde er gefragt, wie viele Wege es zu Gott gibt. Und seine wunderbare Antwort darauf war: "So viel, wie es Menschen gibt!" – Heute am Fest von Petrus und Paulus können wir die Phantasie Gottes feiern, der die Menschen so vielfältig geschaffen und seine Freude an ihnen hat.
    4 min
  • Blühendes Leben
    Blühendes Leben
    Wir haben gegenüber von unserem Haus einen kleinen Garten, der an der Stadtmauer entlang geht, klein aber fein ist, etwas Wiese hat, um sich auch mit 10 Leuten am Tisch zum Essen zu treffen, an der Mauer entlang viele schöne Hortensienbüsche und andere Blumen, die jetzt langsam anfangen zu blühen, ein paar Johannisbeer- und Stachelbeersträucher, um mit den Früchten Marmelade zu kochen, und eine ziemlich große Ecke mit Bodendecker-Rosen. Die sind für mich das absolut faszinierende in unserem Garten.
    Vor drei Jahren musste ein gebrochenes Kabel in drei Meter Tiefe gesucht und ausgetauscht werden. Also wurde quasi die Fläche von drei Quadratmetern drei Meter tief ausgehoben, eine riesige Holzkabeltrommel schon mal geholt und genau auf den Rosen abgelegt. Tja, das war es wohl. Nach mehr als zwei Wochen wurde die Trommel wieder entfernt und abtransportiert. Von den Rosen war nichts mehr zu sehen. Ein Jahr später lugten ein paar kleine rote Blüten aus dem Rest des Busches, im vergangenen Jahr noch ein paar mehr und in diesem Jahr ist es, als sei niemals eine tonnenschwere Kabeltrommel auf ihnen gelastet, die alles Leben abgedrückt hat. Der Busch blüht in einer Fülle, wie nie zuvor und oft bleiben Spaziergänger stehen und genießen diese Pracht.
    Manchmal geht es vielen von uns im realen Leben auch nicht anders. Da lasten Arbeit, Krankheit, Nöte und Schwierigkeiten auf uns und es herrscht das Gefühl vor, alles wird erdrückt und es bleibt keine Luft mehr zum Atmen, keinen Raum mehr für Entwicklung, keine Energie mehr für mehr als nur zu existieren. Aber wir Menschen haben von Gott eine unsterbliche Seele bekommen und manchmal braucht es nur ein Gebet, nur einen freundlichen Blick, nur eine Zusage des Beistands, nur eine kleine Hilfe im Alltag, und Leib und Seele können wieder aufleben, aufschauen, aufblühen.
    Eine Frau im kriegszerstörten Butscha hat neben ihrem zerbombten Haus einen Garten angelegt, Gemüse gepflanzt und einen Rosenstock. Zur Verblüffung des Reporters sagt sie: "Gott hat uns das Leben gegeben und uns überleben lassen. Jetzt werden wir ernten, was wir zum Leben brauchen und die Rose wird IHN, unseren Gott, loben." Ich bin beeindruckt und fasziniert von der Kraft dieser Frau und ihrem Mut und ihrem Glauben.
    4 min
  • Zuhören
    Zuhören
    In einem entzückenden kleinen Video habe ich dieser Tage gesehen, wie einem Säugling zwei Hörgeräte angepasst worden sind und das Kind, als es die ersten Worte gehört hat, ein so strahlendes Lächeln hatte, das mir beim Zuschauen die Tränen gekommen sind.
    "Das blind Sein trennt von den Dingen, aber das taub Sein trennt von den Menschen" ist eine Aussage, die sehr deutlich macht, was hören können wirklich bedeutet. "Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!" Dieser erste Vers aus dem Vorwort der Regel des Heiligen Benedikt ist 1400 Jahre alt. Und das Schma Jisrael oder Schema Jisrael gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums aus dem Buch Deuteronomium, ist noch viel älter und bedeutet ebenso: Höre Israel.
    Und dann erstaunt es nicht, dass es in den 10 Haltungen des Synodalen Weges ebenso um das Hören geht. Da heißt es: "Höre zu. Höre aufmerksam zu, bevor du sprichst. Versuche, den anderen zu verstehen, bevor du urteilst. Setze alles daran, die Aussage des Anderen zu retten, bevor du sie verwirfst. Halte Widersprüche aus und gib ihnen Zeit." Ein starker Text mit herausforderndem Inhalt. Ich merke immer wieder bei mir, dass ich im Zuhören schon damit beschäftigt bin, nach einer Antwort zu suchen. Aber damit werde ich dem Anliegen meines Gegenübers nicht gerecht. Und dann verstehen wollen. Das bedeutet ja auch, nachzufragen und um Erklärungen zu bitten. Damit ich nicht bei meiner inneren Deutung hängen bleibe, sondern wirklich verstehe.
    Und der dritte Satz scheint mir der schwierigste: "Setze alles daran, die Aussage des Anderen zu retten, bevor du sie verwirfst." Puh, wenn wir das versuchen, immer wieder versuchen, verurteilen wir nicht so schnell, sondern drehen und wenden die Aussage, bis wir uns vorstellen könnten, damit positiv umzugehen, oder aber auch sie zu verwerfen. Meistens bin ich sehr viel schneller damit beschäftigt, Kontra zu geben und abzulehnen. "Halte Widersprüche aus und gib ihnen Zeit" dann das letzte Anliegen dieser klugen Haltung. Widersprüche aushalten ist echt nicht leicht und macht auch nicht unbedingt Spaß. Wir haben lieber Klarheit und Eindeutigkeit. Im Hören auf die unterschiedlichen Meinungen und Positionen kann aber auch ein kluges Handeln erwachsen, dass besser ist als ein schnelles Agieren als Reaktion auf Verschiedenheiten, die wir nicht aushalten können. Hören, Zuhören, verstehen wollen, Aussagen des Gegenübers retten, Widersprüche aushalten ist ein anstrengendes Programm, auch für heute.
    4 min

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