Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • "Schutzpatron der Schlamperliesen"
    "Schutzpatron der Schlamperliesen"
    Meine Oma Katharina war eine bodenständige, gläubige und tatkräftige Frau. Sie hat nie über den Glauben geredet, sie hat ihn getan. Aber gelegentlich blitzte der Schalk in ihr auf und sie hatte nette Bittrufe an ihre Lieblingsheiligen. Unter anderem: "Sankt Antoni sei gepriesen, Schutzpatron der Schlamperliesen" Kennen sie diesen witzigen Bittruf?
    Und nicht nur bei ihr, sondern bei ganz vielen Menschen steht gerade der Heilige Antonius von Padua, den wir heute feiern, sehr hoch im Kurs. Man ruft nach ihm, wenn man etwas verloren hat. Nur noch wenige wissen, woher dieses Patronat kommt. Für seine Vorlesungen und Predigten benutzte der heilige Antonius von Padua gerne ein selbst verfasstes Buch, das eines Tages nicht mehr auffindbar war. Ein junger Mönch, des Ordenslebens überdrüssig geworden, hatte das Kloster heimlich verlassen und das Buch mitgenommen. Als der Heilige seinen Verlust bemerkte, versenkte er sich sofort ins Gebet, vor allem für den jungen Mann aber auch für die Wiedererlangung seines Buches. Seine Bitten wurden von Gott erhört und wenige Stunden später betrat der Ausreißer die Zelle des heiligen Antonius, warf sich ihm zu Füssen, bekannte seine Schuld und gab das gestohlene Buch zurück.
    Und man erzählt sich, dass der heilige Antonius eine so starke Wortgewalt in seinen Predigten hatte und so wunderbar davon reden konnte, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, dass viele in seinen Armen ein Jesuskind liegen sahen. Die Menschen seiner Zeit hatten das wirkliche Gut verloren, den Glauben an den Gott, der als Kind in die Welt gekommen ist, um als Mensch unter den Menschen zu leben. Und durch seine Predigten haben sie ihn wiedergefunden. Ein Zitat aus einer seiner Predigten heißt: Taten sprechen lauter als Worte; Lass deine Worte lehren und deine Taten sprechen.
    3 min
  • Junge Menschen und Kloster?
    Junge Menschen und Kloster?
    Vergangene Woche hatten wir "Klostertage in der Schule". Sonst sind normalerweise Klostertage im Kloster, also im Mutterhaus. Aber wegen des Umbaus machen wir das in unserer St. Franziskusschule.
    Jeden Tag hat eine sechste Klasse einen Vormittag lang die Chance, mal wie die Schwestern zu beten, sich karitativ zu betätigen, ein Taukreuz aus Ton herzustellen, einen Film übers Mutterhaus zu schauen und dann 30 Minuten Zeit mich auszufragen.
    Das ist anstrengend und gleichzeitig spannend und auch witzig. Haben sie eigentlich Ihre Gründerin noch gekannt? war wirklich das Beste. Dann haben wir Matheunterricht gemacht: Mutter Theresia ist 1905 gestorben, jetzt haben wir 2023. Oh, okay, geht vielleicht nicht. Spannend war die Frage nach dem goldenen Ring. "Ich dachte Schwestern sind nicht verheiratet?" und daraus ergab sich ein längeres Gespräch über die Möglichkeiten zu zeigen, dass man einen Bund mit einem oder mehreren Menschen eingegangen ist und mit dem Kreuz auf dem Ring zeigt, dass diese Verbindung auch etwas mit Jesus Christus zu tun hat.
    Die Frage nach der Kirche und deren derzeitige Krise stellt sich so jungen Jugendlichen überhaupt nicht. Sie sind eher neugierig darauf, wie es denn möglich sein kann, dass man mit mehreren Schwestern zusammenlebt, Beten und Arbeiten in der Waage hält, zusammen Freizeit verbringt, aber nur einen Fernseher im Haus hat, wieso man im Urlaub nicht nach Malle fliegt und ob jeden Tag in der Bibel lesen nicht total langweilig ist.
    "Sie scheinen das ja richtig gern zu machen", war eine Schlussfolgerung, die mir sehr gefallen hat. Beim Mittagsgebet haben die Kinder sehr viel intensiver mitgesungen und gebetet und die Verabschiedung war mit jeder Klasse sehr viel herzlicher und freundlicher als der Start am Morgen.
    In der heutigen Lesung aus dem Buch Jeremia heißt es: "Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere." Ich glaube schon, dass Kinder spüren, wes Geistes Kind man ist und warum man so heiter und gelassen sein kann, auch wenn man 50 Jahre älter ist als sie selbst.
    3 min
  • Man wird nicht dümmer
    Man wird nicht dümmer
    Am vergangenen Wochenende hatten wir wieder Studentinnen zu Gast, die das Angebot "Kloster auf Zeit" wahrgenommen haben. Die eine studiert Theologie und Geschichte auf Lehramt für Gymnasiale Oberstufe, die andere Sonderpädagogik und Religion für Sonderschulen. Sie steigen aus dem normalen Studentenleben aus, lassen Studium, Vorlesungen, Seminare und Hausarbeiten links liegen, treffen sich abends nicht mit Freunden, gehen am Wochenende nicht ins Kino oder in die Lieblingskneipe. Sie trauen sich, etwas komplett anderes zu machen.
    Sie erleben bei uns auch den normalen Alltag eines Klosters: gemeinsame Gebetszeiten, Gottesdienste, zusammen essen, Zeiten der Stille und des Nachdenkens, Gespräche über Gott und die Welt, über Studien- und Zukunftspläne. Und sie erleben, wie schon viele vor Ihnen: Tapetenwechsel, andere Begleiterinnen durch die Tage und ein bisschen Zeit ergeben eine Tiefe in den Gesprächen, im Nachdenken und im Schweigen, die sie oftmals vorher nicht erlebt haben. Manchmal ergeben sich dann plötzlich Fragen und Zweifel oder Hoffnungen kommen zum Vorschein, die näher angeschaut werden müssen und auch können. Und immer wieder neu bin ich erstaunt, mit wie wenig katholischem Grundwissen diese jungen Frauen ihr Studium meistern und bei geistlichen Übungen wie Stundengebet, Bibel Teilen oder den Engel des Herrn beten, komplettes Neuland betreten.
    Faszinierend finde ich dann, dass ihnen das bewusst ist und sie wie ein Schwamm alles aufsaugen, was wir ihnen an Spiritualität, Glaubenswissen und Glaubensleben so nebenbei mitgeben können. Manchmal reicht ein Spaziergang mit dem Hinweis auf Kapellen und Kirchen, auf Patronate oder dargestellte biblische Szenen, um eine unglaublich tolle Neugier zu wecken und dem dann am Abend auf den Grund zu gehen. Und da haben dann wir alle was davon. Man wird nicht dümmer, wenn man Gäste im Haus beherbergt, das spüren wir mit Genuss immer wieder gern.
    3 min
  • "Vermächtnis des Herrn, ernähre mich!"
    "Vermächtnis des Herrn, ernähre mich!"
    Am Pfingstmontag war ich mit vielen hundert Menschen zur Pfingstprozession in den Kleusheimer Dörfern. Und zum Abschluss der Prozession wurde der Sakramentale Segen gespendet. Vorher kommt das dafür typische Lied, das der Organist auch mit der Nr. 495 angeschlagen hatte: "Sakrament der Liebe Gottes, Leib des Herrn sei hoch verehrt!" – Aber das hat die vielen Menschen überhaupt nicht beeindruckt. Sie haben voller Inbrunst und vollem Herzen die lateinische Version gesungen: "Tantum ergo sacramentum, veneremur cernui" – Zunächst musste ich schmunzeln. Und eine junge Frau neben mir, die schon sehr weitgereist ist, bemerkte ganz trocken: "Es ist sehr beruhigend, dass es auf der ganzen Welt so ist: Wenn diese Melodie kommt, wird lateinisch gesungen."
    Für meine Begriffe gibt es dafür eine sehr gute und einleuchtende Erklärung. Wie kann ich dieses Geheimnis, dass Gott Mensch geworden ist, unter uns gelebt hat, gestorben ist und auferstanden, in den Himmel aufgefahren ist und trotzdem unter uns, in dieser kleinen Scheibe Brot gegenwärtig ist, denn plausibel erklären? Ich kann es nicht; und viele Theologen, die sich in komplizierter Sprache daran wagen, eigentlich auch nicht. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Und die Gläubigen spüren das sehr genau und belassen das Geheimnis auch, in dem sie selbst die erklärenden deutschen Lieder lieber lateinisch singen. Latein kann kaum noch jemand aber der Klang dieser Worte ist vertraut und trotzdem geheimnisvoll. Heute, an Fronleichnam feiern wir dieses Geheimnis und auch ich kann es nicht erklären.
    Und so bete ich mit Ihnen ein altes Gebet zu diesem Fest: "Vermächtnis des Herrn, ernähre mich. Tod Christi präge mich, Auferstehung Christi berge mich, Sendung Christi sende mich, Geheimnis Christi öffne Dich, In Deine Nähe ziehe mich,
    vor allem Bösen schütze mich, aus deiner Fülle speise mich, damit ich lebe ewiglich. Amen."
    3 min
  • Der Sommer unseres Lebens!
    Der Sommer unseres Lebens!
    Was ist das Beste am Sommer, frag ich mich und vielleicht auch Sie.
    Das Beste daran ist, dass er kommt, dass er, wenn wir Glück haben warm und sonnig wird,
    dass wir Urlaub machen können und uns erholen, dass es wunderbare Blumen gibt und duftende Wiesen, dass belaubte Bäume herrlichen Schatten geben, damit es nicht zu heiß ist, dass viele Leute viel bessere Laune haben, weil Sonne und Wärme glücklicher machen, weil es heimische Beeren und Kirschen und andere Früchte gibt die voll nach Sommer schmecken und man Äpfeln und Birnen und Stachelbeeren beim Wachsen und reif werden zugucken kann, weil man bis spät am Abend draußen sein kann und es warm und hell und schön ist, dass man die schönen und luftigen Sommersachen anziehen kann die sich so schön anfühlen und eigentlich sonst immer nur im Schrank hängen, dass die Kinder den ganzen Tag draußen spielen können und abends ausgepowert und müde sind, dass die Freibadsaison losgelegt hat und es jeden Tag schöner wird, dort zu sein,  und so weiter und so weiter.
    Machen Sie mal für sich selbst eine Sommerlitanei. Schreiben Sie auf, was Ihnen so gut daran gefällt und dann genießen Sie es einfach. "Wer nicht mehr genießt, wird bald ungenießbar" heißt ein Sprichwort. Und mitten in dieses schöne Sommergefühl kommt morgen das durch und durch katholische Fest Fronleichnam.
    Wir tragen das Allerheiligste durch die Straßen, die geschmückt sind mit Blumenteppichen und Girlanden, mit bunten Fahnen und grünen Büschen. Eigentlich ist der Gründonnerstag der Tag für dieses Fest. Aber der ist schon geprägt von Verrat und dem bevorstehenden Leiden Jesu. Also feiern wir dieses: Gott ist mitten unter uns, an einem schönen Sommertag und singen, beten und gehen in Prozession durch den Ort und erbitten den Segen. Und danach ist, ganz katholisch, Frühschoppen auf dem Kirchplatz – mit Gegrilltem und Bier und Platzkonzert.
    Genießen wir die Gegenwart Gottes mitten unter uns und feiern wir sie – so schön und festlich und so fröhlich wie möglich. Wir haben allen Grund dazu.
    3 min
  • Von Schützen und Glaubensgesprächen
    Von Schützen und Glaubensgesprächen
    Mit dem Pfingstfest beginnen hier im Sauerland auch die Schützenfeste in allen Dörfern und noch so kleinen Flecken.
    Endlich, sagen alle, die es lieben: diese Feste, die alle zusammenbringen zum Feiern, zum Marschieren, zum Tanzen und in den lauen Nächten zum Eierbacken.
    Da kommen die Verwandten von nah und fern, da kommen alle, die schon mal weggezogen sind nach Hause, alle die schonmal Schützenkönig waren und mit Vergnügen sich in die Feierlichkeiten stürzen. Da gibt es feste Rituale und Regeln, wann, wo, was ist und wer da sein muss. Wer sich als Schützenkönig bewirbt und wer auf den Vogel schießen darf. Erst hier habe ich tatsächlich verstanden, dass das Wort: der hat aber den Vogel abgeschossen, einen realen Hintergrund hat und damit zu tun hat, wer mit dem letzten Schuss den Holzvogel vom Nagel holt.
    Der leitende Pfarrer ist ein bisschen erschrocken, ob der vielen Schützenfeste, zu denen er eingeladen ist und bemerkt aber erfreut ganz nebenbei, dass er dort mit Leuten ins Gespräch kommt, die er sonst das ganze Jahr kaum trifft.
    Als ich hier neu war, habe ich ganz arglos beim Umtrunk gefragt, wozu es die Schützen denn überhaupt gibt. Der angefragte Schützenoberst hat milde gelächelt, ob der Unwissenheit der neuen Schwester und sehr freundlich gesagt: "Schützen sind dazu da, um zu schützen"
    Das hat sich mir sehr eingeprägt.
    Vor mehr als siebenhundert Jahren, als der kleine Ort die Stadtrechte verliehen bekam, gründete sich der Schützenverein: als Bürger- und Stadtwehr. Und sehr häufig war es auch bitter notwendig. Denn in allen verrückten Zeitläufen war es immer wichtig, dass eine kleine Stadt gut verteidigt und bewacht wurde, wenn Räuberhorden, fremde Soldatengruppen oder ganze Kriegstruppen angerückt kamen.
    Ein interessanter Aspekt kam mir in einem anderen Gespräch mit Schützen. Es ist auch wichtig, in einem solchen Ort die guten Sitten, die Treue zur Stadt und zum Glauben zu schützen. Und da bin ich mir sicher: wenn einige tausend Männer und ihre Familien sich darum kümmern, dass in der Stadt die Themen des Lebens positiv behandelt werden, wenn in Sachen Kirche und Glaube tatsächlich ein Einvernehmen, bei aller Auseinandersetzung erreicht wird, wird das gute Klima in einer Stadt geschützt und gut gehütet. Schützen schützen – ein gutes Wort
    4 min
  • "Freue dich, du Land der Deutschen"
    "Freue dich, du Land der Deutschen"
    "Freue dich, du Land der Deutschen, und preise deinen Apostel und Bischof.
    Seine Predigt brachte dir das Licht des Glaubens. Seine Sorge um dich erfleht dir Gottes Schutz." So lautet die Antiphon zum heutigen Benediktus-Gebet in der Laudes.
    Den Mann, den die Kirche heute feiert, hat es ziemlich weit durch Europa getrieben, hat es aus seiner Berufung als Mönch herausgerufen und die Leitung der Klosterschule auf zu geben, von England nach Friesland zu gehen um dort das Evangelium zu verkünden, vom Papst zum Bischof geweiht zu werden und somit ganz offiziell zur "Germanenmission" beauftragt zu werden, Erzbischof und päpstlicher Legat für Germanien zu werden.
    Er predigt mit großem Erfolg in Hessen und Thüringen, gründet 6 große Klöster und macht sich dann ans Werk, die Kirche zu ordnen und die Bistümer Salzburg, Regensburg, Passau, Würzburg und Erfurt zu gründen. Er wird dann Bischof in Mainz und ist sich nicht zu schade, nochmals eine Missionsreise zu unternehmen, bei der er am 5. Juni 754 den Martertod erleidet.
     
    Bonifatius wird deshalb Apostel der Deutschen genannt und an seinem Grab in Fulda treffen sich in jedem Jahr die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbstkonferenz. Wie passt das alles in ein einziges Leben?, denken Sie vielleicht auch. 
    Bonifatius war kein bedeutender Theologe, aber er verband missionarischen Eifer mit einer seltenen Begabung für Organisation und Administration. Und er ist nicht sitzen geblieben, auf seiner ersten Berufung, sondern hat sich von Gott immer neu herausrufen lassen mit neuen Aufgaben.
    Vielleicht ist es das: er hat die Begabungen, die er von Gott geschenkt bekommen hat, geschult, entwickelt und immer neu eingesetzt. Was sind so Ihre Begabungen, die Sie heute einsetzen können? Welche Fähigkeiten, die sie als Gabe bekommen haben, haben Sie noch gar nicht richtig wahrgenommen?  Das ist eine Überlegung heute wert am Tag des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen.
    3 min
  • Die Dinge, die uns Hoffnung machen
    Die Dinge, die uns Hoffnung machen
    Der Alltag hat uns wieder! Die Osterzeit ist mit Pfingsten endgültig vorbei, diese Pfingstwoche endet heute auch und wir sind wieder im Jahreskreis. Was für kirchlich geprägte Menschen total sinnvoll klingt, dürfte für die meisten eher merkwürdig daherkommen. Ostern, das ist doch schon lange her. Und Pfingsten ist doch das lange Wochenende, an dem alle Kölner nach Holland ans Meer fahren. Und Alltag ist Alltag, der Rest ist Urlaub.
    Ja, man könnte jetzt jammern, dass viele Menschen nur noch wenig vom Glauben wissen. Ich frage mich da immer: Woher kommt das? Zumindest in West-Deutschland gab und gibt es flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, es gab starke volkskirchliche Strukturen mit Gruppenstunde, Kommunionunterricht und vieles mehr. Trotzdem scheint über Jahrzehnte das Glaubenswissen dramatisch weniger geworden zu sein und vieles, wie eben das besagte Kirchenjahr, ist überhaupt nicht mehr selbstverständlich.
    Ich erlebe es regelmäßig, dass Katholikinnen und Katholiken viel von früher sprechen – früher war das Pfarrfest riesengroß, es gab drei Kapläne und über 100 Kommunionkinder. Wat fott es, es fott – was weg ist, ist weg, sagt der Kölner und die Kölnerin. Und da hilft jammern nun gar nicht. Sondern schauen wir lieber auf das, was möglich ist. Und da ist ein ganz wichtiger Schritt, dass man mit Menschen erst einmal ins Gespräch kommt. Wenn jemand interessiert nach unserem Glauben fragt, dann ist das gar nicht so wenig wie es scheint. Wir können dann erzählen, warum uns der Glaube wichtig ist, wie uns Gott erfüllt, was Christsein für uns bedeutet.
    Klar, wenn wir an die vollen Kirchen früherer Zeiten denken, wirkt im Vergleich dazu ein solches Gespräch erstmal etwas dünn. Aber angesichts der Fülle der Möglichkeiten, die sich den Menschen heute bietet, ist so eine ernst gemeinte Frage zum christlichen Glauben gar nicht mal so schlecht. Vielleicht schauen wir in diesen Tagen, in denen wir wieder im kirchlichen Alltag sind, doch ein bisschen genauer auf die Dinge, die uns Hoffnung machen: für unseren Glauben, für unsere Kirche.
    3 min
  • Die Sprache des Herzens
    Die Sprache des Herzens
    Wir haben neue Gartennachbarn. Das ältere Paar, dass wir jahrelang als nette Nachbarn hatten, ist weggezogen und jetzt ist eine Familie mit zwei kleinen Söhnen in die Wohnung nebenan gezogen und hat diesen Garten gemietet. Zur Straße hin ist ein Zaun und eine Hecke und zwischen den beiden Gärten sind vielleicht zehn Sträucher. Am Pfingstmontag haben wir im Garten gesessen und gelesen. Irgendwann habe ich gesehen, dass einer der beiden Kleinen genau in der Lücke zwischen zwei Sträuchern stand und uns angestaunt hat. Er hatte wahrscheinlich noch nie so komisch angezogene Leute gesehen. Wir haben ihm zuerst zugewunken, dann angesprochen und dann in Ruhe gelassen. Er ist gefühlte fünf Ewigkeiten stehen geblieben und hat geschaut und gestaunt und geschaut. Und dann ist er wieder zu seinem kleineren Bruder und Mama und Papa gegangen. Mir scheint das eine sehr vernünftige Form der Kontaktaufnahme zu sein. Erst einmal Abstand halten, auf der Grenze stehenbleiben, schauen, staunen und dann wieder gehen. Ich denke, noch zwei drei schöne Gartentage und er wird seine Füße durch die Hecke setzen und uns besuchen. Und dann der andere Bruder und dann die Eltern. Wir freuen uns darauf.
    Im Brief an die Hebräer heißt es: "Und übt die Gastfreundschaft. Auf diese Weise haben viele von Euch Engel beherbergt." Und Henri Nouwen hat den schönen Kommentar dazu gegeben, indem er gesagt hat: "Gastfreundschaft bedeutet in erster Linie die Schaffung eines Freiraums, in den der Fremde eintreten kann und zu einem Freund statt zu einem Feind wird." Von den Christen der ersten Jahrhunderte wird gesagt, dass genau das den Unterschied zu anderen im Umfeld gemacht hat. Die Christen waren unglaublich gastfreundlich, zunächst den eigenen Glaubensgeschwistern gegenüber, dann aber auch gegen jeden Fremden.
    Der Gast, der zunächst vielleicht nur zu essen und zu trinken braucht und ein Dach überm Kopf für die Nacht und dann spürt, die Menschen, die mich aufnehmen, tun das aus Überzeugung, aus Liebe aus Glauben. Und sie brauchen nicht zu reden, was in den vielen verschiedenen Sprachen auch nicht so einfach war und ist. Ein offenes freundliches Lächeln, das die Sprache des Herzens zeigt, versteht jeder Mensch.
    3 min
  • Meckern und Klagen reicht nicht!
    Meckern und Klagen reicht nicht!
    Haben Sie das dramatische Fußballwochenende ein bisschen mitbekommen? Selbst Nichtfußballfans haben wahrscheinlich gehört, dass es Dortmund, obwohl sie zwei Punkte Vorsprung hatten, nicht geschafft hat, Meister zu werden.
    Spott und Häme sind dann hier in unseren Breiten die leider normal gewordenen Begleiterscheinungen solcher Ereignisse. "Zu doof um Meister zu werden" ist dann noch das kleinste Übel, was den Dortmundern nachgesagt wird. Mich aber hat etwas ganz anderes beeindruckt.
    Obwohl schon Hunderttausende in der Stadt für den Jubel und die Meisterfeier bereit waren, gab es kein Chaos, keine Schlägereien, keine Wutausbrüche, die oft großen Enttäuschungen Luft machen. Es war still und traurig.
    Aber ganz anders im Stadion. Nach der Schalenübergabe an den Meister haben die zehntausenden Fans von Dortmund noch lange die Lieder und Hymnen ihres Vereins gesungen und immer und immer wieder die Namen der Spieler und besonders auch den Namen des Trainers gerufen und gesungen. Die Fans und Fußballbegeisterten haben gespürt, dass die Spieler und der Trainer genau das jetzt brauchen: Trost und Unterstützung, damit sie nach der Sommerpause gut wieder beginnen können.
    Draufhauen wenn immer wieder etwas schiefgeht, wenn die Enttäuschung überhandnimmt, und mit allen Mitteln immer weiter bohren und klagen, ist eine Möglichkeit zu reagieren. Auch in unserer Kirche.
    "Man kriegt die Welt nicht besser gemeckert" habe ich dieser Tage als witzige Karte gelesen. Meckern und Klagen reicht nicht. Trösten ist angesagt und selber besser machen und drinbleiben in dieser Kirche. Zur Zeit des Franziskus von Assisi lag die gesamte Kirche noch viel mehr im Argen und er hat immer wieder gesagt: "Ich kann die Kirche nur verbessern, wenn ich drinbleibe, wenn ich hineingehe, wenn ich selber Hand anlege, um die Kirche neu wiederaufzubauen."
     
    Und dazu gehört dann heute auch dafür einzutreten, dass Frauen und Laien predigen und taufen und dass die Verkündigung und die Seelsorge und die leitenden Ämter nicht mehr nur an die Weihe von Männern geknüpft ist, dass Verbrechen aufgeklärt und Opfer gehört und entschädigt werden, dass mutig gestritten und das Gespräch gesucht wird.
    Bei Paulus im Brief an Timotheus heißt es: "Entfache die Gnade Gottes wieder. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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