Was liest du gerade?

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Was liest du gerade? episodes

  • 100 Jahre Ingeborg Bachmann: Vom Leben einer Frau in der Männergesellschaft

    In der berühmten Erzählung »Michael Kohlhaas« von Heinrich von Kleist wird der brave Pferdehändler aus Brandenburg zu einem gefürchteten Terroristen, der verzweifelt um sein Recht kämpft. Aber wer ist Michaela Kohlhaas? Sie ist die Heldin im aktuellen Roman der Leipziger Schriftstellerin Heike Geißler. Michaela Kohlhaas verlässt ihre bürgerliche Existenz, zieht mit einem Planwagen durch Deutschland und kämpft für mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Wir diskutieren in unserem ZEIT-Bücherpodcast: Ist das eine gelungene Aktualisierung von Kleist? Oder etwas völlig anderes? Und was hat es mit dieser modernen Systemsprengerin auf sich?

    Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann hundert Jahre alt geworden. Wir fragen uns: Warum lieben wir sie noch immer so sehr? Was hat sie uns zu sagen? Und wir sprechen über eine ihrer autobiografischen Erzählungen: »Drei Wege zum See«. Die Erzählung erschien ein Jahr vor ihrem Tod und enthält all ihre großen Lebensthemen. Wie lebt eine Frau in der Männergesellschaft? Wie schwer lastet die Vergangenheit auf uns? Warum fühlte Bachmann sich überall wie eine Fremde?

    Die italienische Schriftstellerin Fleur Jaeggy, heute 85 Jahre alt, war eine enge Freundin von Ingeborg Bachmann. In einem ergreifenden kleinen Erinnerungsbuch erzählt sie von den letzten Tagen ihrer Freundin. Und sie erhebt schwere Vorwürfe gegen Bachmanns österreichische Familie und die deutschen Freundinnen. Wir diskutieren über Jaeggys These: Hätte Ingeborg Bachmann nach dem schweren Brandunfall 1973 in ihrer Wohnung in Rom noch gerettet werden können? Die Wucht dieses kleinen Buches zeigt – Bachmann lässt noch immer niemanden kalt. 

    Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected].

    Literaturhinweise:

    • Heike Geißler. »Michaela Kohlhaas«. Suhrkamp Verlag. 253 Seiten, 24,– Euro
    • Fleur Jaeggy. »Die letzten Tage von Ingeborg Bachmann«. Suhrkamp Verlag. 44 Seiten. 16,– Euro
    • Ingeborg Bachmann. »Drei Wege zum See«. In: »Simultan«. Piper Verlag. 224 Seiten. 11,– Euro
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      47 min
    • Was Matthias Brandt heute von seinen Eltern lernt

      Es ist ein Ereignis: Der Schauspieler Matthias Brandt setzt sich in seinem Bestseller erstmals intensiv und öffentlich mit seinen berühmten Eltern Rut und Willy Brandt auseinander. Was hat ihr widerständiges Leben uns gerade heute wieder zu sagen? Darüber diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann in der aktuellen Sachbuchfolge von »Was liest Du gerade?«. Die Brandts kämpften als Antifaschisten gegen den Nationalsozialismus – und wurden später von den Deutschen geliebt, verehrt und gehasst. Lange wollte ihr prominentes Kind aber seinen eigenen Weg gehen, nicht als ewiger Sohn des Kanzlers. Angesichts der Bedrohung für unsere Demokratie durch die AfD entdeckt Matthias Brandt in diesem schmalen Band jedoch die Aktualität seiner Eltern, die unter Lebensgefahr im Exil Mut bewiesen.

      Narzisstisch sind meistens ja immer nur die anderen. Seit ein paar Jahren ist die Diagnose populär, oft soll sie auch die Krise unserer Gesellschaft erklären – und vor Narzissmus-Warnungen kann man sich kaum retten. Aber Thomas Arnold und Thomas Fuchs sortieren jetzt in ihrem Buch »Das unersättliche Selbst« die verschiedenen Phänomene, analysieren Selfie-Kult und Social-Media-Sucht und zeigen, was Narzissmus mit mangelndem Selbstwertgefühl und Fluchtimpulsen zu tun hat. Entgeht man so dieser speziellen Ego-Falle?

      Viel zu wenig bekannt ist die 2003 verstorbene französische Autorin Monique Wittig, eine feministische Klassikerin, die seit 1976 in den USA lebte. Warum sie heute wieder lesenswert ist, erkennt man an ihrem originellen Essayband »Das straighte Denken«, der ihre wichtigsten Texte vorstellt: Sie will die Geschlechterkategorien Frau und Mann gleich ganz abschaffen und plädiert für ein lesbisches Leben, weil schon in der Heterosexualität die Unterdrückung lauert.

      Am Schluss wie immer die Geheimtipps unserer Hosts: Kia Vahlands Buch »Tizian und Venedig«, ein schönes Porträt des berühmten Renaissancemalers in seiner Lagunenstadt, und den von Julien Gupta herausgegebenen Band »Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen« mit klugen Essays prominenter Autoren zu einem Gefühl, das wir heute dringend brauchen.

      Das Team von Was liest Du gerade erreichen Sie unter [email protected]

      Literaturhinweise:

      • Thomas Arnold/Thomas Fuchs: Das unersättliche Selbst. Phänomenologie des Narzissmus, Suhrkamp, 200 Seiten, 28 Euro
      • Matthias Brandt: Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute, Kiepenheuer & Witsch, 16 Euro, 128 Seiten
      • Monique Wittig: Das straighte Denken, Merve, 144 Seiten, 15 Euro
      • Kia Vahland: Tizian und Venedig, Insel, 117 Seiten, 16 Euro
      • Julien Gupta (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen, Oekom, 208 Seiten, 19 Euro
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        53 min
      • Seethaler, Tolstoi und die Leistungsturnerinnen

        Im neuen Roman des Bestsellerautors Robert Seethaler wird das Leben einer gewöhnlichen Straße eingefangen. Welche Wünsche und Träume, welche Abgründe und welches Glück lauern hinter den Fassaden? Und wie wehren sich die Bewohner, als ein Immobilieninvestor sie zu verdrängen versucht? Seethaler vermag es auch in seinem Roman »Die Straße« meisterhaft, im Gewöhnlichen und Alltäglichen das Zauberhafte zu finden.

        Außerdem sprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski in der neuen Folge des Literaturpodcasts »Was liest du gerade?« über ein grandioses Romandebüt: Die Schriftstellerin Son Lewandowski zeigt in »Die Routinen« das brutale Leben von jungen Leistungsturnerinnen, die brutalem Missbrauch, seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt sind.

        Unser Klassiker ist diesmal Leo Tolstois weltberühmte Erzählung »Der Tod des Iwan Iljitsch«. Hier geht es ans Eingemachte, nämlich um den Sinn des Lebens.

        Literaturangaben:

        • Robert Seethaler: »Die Straße«. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2026. 232 S., 25,– €.
        • Son Lewandowski. »Die Routinen«. Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026. 272 Seiten, 25,– €.
        • Lew Tolstoi: »Der Tod des Iwan Iljitsch«. Erzählung. Reclam Verlag, Stuttgart 2022. 104 Seiten, 10,– €.
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          54 min
        • Kürthy, Passmann und die Bauchnabel-Literatur

          Momentan ist es der Nummer-1-Sachbuch-Bestseller: Alt genug von Ildikó von Kürthy, heftig kritisiert von Fernsehkritiker Denis Scheck – ebenso wie Sophie Passmanns Bestseller Wie kann sie nur? Grund genug für Maja Beckers und Alexander Cammann, in dieser Sachbuchfolge von Was liest du gerade? über beide Bücher zu sprechen, über die gerade alle diskutieren: Wie gut oder schlecht sind sie denn nun wirklich? Es geht um Selbstbespiegelung und Selbstzweifel, um Social-Media-Scrollen im Bett, um Geständnisbücher, Menopause vs. Midlife-Crisis, Erfolgsstrategien für Bestseller und die Frage, ob Männer sich endlich stärker selbst reflektieren sollten.

          Der Klassiker ist dieses Mal eines der erfolgreichsten Sachbücher in Deutschland aller Zeiten: Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg wird nach 20 Jahren neu aufgelegt, mit einem aktuellen Vorwort des Autors. Alexander Cammann und Maja Beckers sprechen darüber, wie dieses Buch das Land verändert hat.

          Am Schluss eine neue Rubrik bei Was liest Du gerade?: Unser Geheimtipp – Maja Beckers und Alexander Cammann bringen künftig jeweils einen besonderen Lesetipp mit, kurz und knackig präsentiert. Den Anfang machen Messalina. Intrigen, Macht und Origien im antiken Rom von Honor Cargill-Martin und Die Buchhandlung der Exilanten von Uwe Neumahr.

          Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].

          Literaturhinweise:

          Ildikó von Kürthy: »Alt genug«, Ullstein, 272 Seiten, 22,99 Euro

          Sophie Passmann: »Wie kann sie nur?«, Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 23 Euro

          Hape Kerkeling: »Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg«, Piper, 368 Seiten, 14 Euro

          Honor Cargill-Martin: »Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im alten Rom. Die wahre Geschichte der Skandalkaiserin«, übersetzt von Michael Bischoff und Ulrike Bischoff, C.H. Beck, 459 Seiten, 34 Euro

          Uwe Neumahr: »Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940, Zuflucht und Widerstand«, 320 Seiten, 26 Euro

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          1 hr 5 min
        • Siri Hustvedt erinnert an Paul Auster – und in "Die Riesinnen" betört der Schwarzwald

          Die Schriftstellerin Hannah Häffner hat mit "Die Riesinnen" einen modernen Heimatroman geschrieben. Warum ist er so erfolgreich? Ist es der Schwarzwald, der hier alle betört? Oder fasziniert uns das Schicksal von drei Frauen aus drei Generationen, die sich in einem Dorf gegen die Männerwelt behaupten müssen? Und: Suchen wir nicht im Moment alle nach einem schönen Rückzugsort in einer verrückt gewordenen Welt? Eines ist sicher: "Die Riesinnen" begeistern gerade viele Leserinnen, und Leser auch.

          Die Schriftstellerin Siri Hustvedt erinnert in "Ghost Stories" an ihr Leben mit dem Schriftsteller Paul Auster, der vor zwei Jahren nach schwerer Krankheit verstarb. Wie umgehen mit dem Verlust? Wie lebt jemand in einem weiter, der nicht mehr da ist? Wie erinnern wir uns später an die erste Liebe und an gemeinsames Leid?

          Unser Klassiker ist in dieser Podcastfolge Wolfgang Herrndorfs noch heute viel gelesener Roman "Tschick". 

          Literaturangaben: 

          - Hannah Häffner: Die Riesinnen. Roman. Penguin Verlag. 416 Seiten. 

          - Siri Hustvedt: Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung. Rowohlt Verlag. 400 Seiten.

          - Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 256 Seiten. 

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          51 min
        • Wenn Taylor Swift Habermas liest

          Wie viel Literatur steckt in Taylors Lyrics? Die Harvard-Professorin Stephanie Burt hat sie untersucht und ein wunderbares Buch über Kunst und Leben bei Taylor Swift geschrieben: "Taylor‘s Version". Warum macht sie genau das Gegenteil von dem, was man Songschreibern rät, was hat sie mit Dichtern wie Horaz zu tun und wie hat sie quasi im Alleingang die Popkultur umgekrempelt? Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen in dieser Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" darüber. Einer von beiden outet sich dabei als Swiftie-Swiftie, als Fan der Swifties.

          Außerdem streiten sie über das neue Buch des Philosophen Peter Sloterdijk. Der schaut sich Trump, Putin, Modi und die anderen 'starken Männer' unserer Gegenwart an und fragt sich in "Der Fürst und seine Erben": Wen nehmen sie sich zum Vorbild? Cäsar oder Napoleon? Und was wird hier gespielt? Sloterdijk sieht vor allem einen modernen Machiavelli am Werk, aus seiner Feder könnten die wilden Strategien stammen, mit denen diese Männer mächtig wurden. Eine fulminante Analyse, ein zukünftiger Klassiker oder zynisch-selbstverliebtes Geschwurbel?

          Ein originelles Schlaglicht auf unsere Gegenwart wirft der Philosoph C. Thi Nguyen mit seinem neuen Buch "Der Score". Ob Schrittzähler, Klickzahlen oder Politikerrankings: Unsere Gesellschaft ist besessen von Scores. Nguyen kann erklären, was Punktesysteme so attraktiv macht, wann sie helfen und wann und wie wir uns davon lösen sollten.

          Für das Gespräch über den Klassiker gibt es diesmal einen traurigen Anlass: Am vergangenen Samstag ist der Philosoph Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren verstorben. Maja Beckers und Alexander Cammann erzählen sich gegenseitig ihre liebsten Habermas-Thesen, die originellsten oder jene, die sie aufgeregt haben. Ein persönlicher Blick auf den großen Denker.

          Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected]. Die Literaturangaben zur Folge finden Sie hier.

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          1 hr 5 min
        • Im Osten viel Neues

          Die Schriftstellerin Judith Hermann begibt sich auf die Spurensuche nach ihrem Großvater, der schon lange vor ihrer Geburt gestorben ist. Sie fährt nach Radom in Polen, wo ihr Großvater als SS-Mann im Zweiten Weltkrieg stationiert war. Trotz ihrer Recherchen in örtlichen Archiven und Museen findet sie nicht heraus, auf welche Weise ihr Großvater an den deutschen Verbrechen gegen die Juden von Radom beteiligt war. Der Großvater bleibt eine wirkmächtige Leerstelle in ihrer Familiengeschichte. Statt Antworten zu finden, stellt Judith Hermann viele Fragen. Warum wurde in ihrer Familie so viel geschrien und geschwiegen? Warum fehlen die Worte, um sich der Vergangenheit zu nähern? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester versucht die Autorin, Licht in ein über Generationen reichendes Familien-Trauma zu bringen. Wir fragen im Podcast: Ist das zu wenig? Weicht sie dem Thema der deutschen Schuld damit aus?

          Der Autor Lukas Rietzschel ist schon seit einigen Jahren ein gefeierter Chronist der ostdeutschen Provinz. In seinem neuen Roman Sanditz folgt er den Mitgliedern der Familie Wenzel durch fünf Jahrzehnte in kurzen erzählerischen Szenen, angefangen bei Großmutter Erika, die friedlich auf der Gartenbank vor ihrem Haus stirbt bis zu ihrem Enkel Tom, der in ukrainischen Schützengräben gegen die Russen kämpft. Dazwischen liegen die großen historischen Ereignisse, der Widerstand der DDR-Kirchen gegen das System, die Wende, der Kampf um die Hinterlassenschaft der Stasi, der Einfall der Westdeutschen in die ostdeutsche Kleinstadt und der Lockdown. Wir diskutieren darüber: Gelingt es dem Autor, ostdeutsche Geschichte in den kurzen Familienepisoden überzeugend zu erzählen?

          Unser Klassiker ist in dieser Podcast-Folge ein neu aufgetauchtes Notizheft des 1995 verstorbenen Dramatikers Heiner Müller aus dem Januar 1945. Der damals 15-Jährige notiert darin in erstaunlicher Frühreife seine Überflieger-Gedanken über die Aufgabe europäischer Dichter und Denker.

          Unser Zitat des Monats stammt aus dem autobiografischen Buch Einsamsein des Journalisten Daniel Haas.

          Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].

          Literaturangaben:

          • Judith Hermann. Ich möchte zurückgehen in der Zeit. S. Fischer Verlag. 160 Seiten. 23,- Euro.
          • Lukas Rietzschel. Sanditz. dtv Verlag. 480 Seiten. 26,- Euro
          • Heiner Müller. Zeitschrift Sinn und Form (1/2026)
          • Daniel Haas. Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte. Goldmann Verlag, 221 S., 22,- Euro
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            58 min
          • Gisèle Pelicot will nicht nur Opfer sein

            In 22 Sprachen erscheinen jetzt die Memoiren von Gisèle Pelicot, in langen Interviews ist die 73-jährige Französin überall präsent. In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann über ihr Buch "Eine Hymne an das Leben" und das Schicksal dieser Frau. Seit dem Prozess in Avignon im Jahr 2024, in dem ihr Ex-Mann und fast 50 weitere Täter wegen Vergewaltigung verurteilt wurden, ist sie weltbekannt. Wie geht sie selbst mit ihrer Geschichte um? Und was ist ihre eigene Botschaft für die geschockte Welt?

            Alle reden über die neue, gefährliche Macht der Ultrareichen, nicht nur in Trumps Amerika. Der junge französische Star-Ökonom Gabriel Zucman hat in seinem Essay "Reichensteuer. Aber richtig!" eine Idee, wie man riesige Vermögen belasten sollte, damit die Kluft zwischen Arm und Reich in den westlichen Gesellschaften nicht noch stärker zur Bedrohung für die Demokratie wird. Kann sie funktionieren?

            Das Zitat des Monats liefert diesmal die Philosophin Miriam Metze mit ihrem Buch "Unerwidert lieben". Erstaunlich, wie viele Denker sich seit der Antike über diese traurigen Gefühle Gedanken gemacht haben – und wie wenig Sachbücher es über unglückliche Liebe gibt.

            In der Klassikerrubrik stellen wir Reportagen und Erzählungen des Schriftstellers Jack London vor, die jetzt in dem Band "Das Erdbeben von San Francisco" präsentiert werden: Er war 1906 als Augenzeuge dabei, als dieses Ereignis San Francisco komplett zerstörte – eine mythische Katastrophe des modernen Amerika, bis heute ein Menetekel für das moderne Kalifornien.

            Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].

             

            Literaturangaben:

            • Miriam Metze: "Unerwidert lieben". Eine philosophische Tröstung. Mairisch, 256 Seiten, 24 Euro
            • Gabriel Zucman: "Reichensteuer. Aber richtig!". Aus dem Französischen von Ulrike Bischoff. Suhrkamp, 63 Seiten, 12 Euro
            • Gisèle Pelicot: "Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln". Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Piper, 256 Seiten, 25 Euro
            • Jack London: "Das Erdbeben von San Francisco. Geschichten aus der Bay Area". Übersetzt von Alexander Kluy. Limbus, 96 Seiten, 15 Euro
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              59 min
            • Raus aus dem Dorf, rein in die Stadt

              Die Regisseurin und Schriftstellerin Lola Randl hatte vor einigen Jahren Berlin den Rücken gekehrt und ist in die brandenburgische Provinz gezogen. Im uckermärkischen Gerswalde bewirtschaftete die Künstlerin mit ihrer Familie einen Garten und schuf einen bekannten Treffpunkt für Wochenendausflügler. Gerswalde wurde zum Ort für Berliner Hipster und Glückssucher aller Art, die in einem von Japanerinnen betriebenen Restaurant zusammenfanden. In ihrem neuen Buch "Der lebende Beweis" erzählt Lola Randl literarisch vom Scheitern dieses Lebensprojekts, vom distanzierten Verhältnis zu den Einheimischen und brüchigen Beziehungen – und von einem Aufbruch ins Ungewisse.

              Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Michael Wildenhain hingegen hat einen opulenten Großstadtroman vorgelegt und entführt uns in das düstere West-Berlin Ende der Sechzigerjahre. Erzählt wird in "Das Ende vom Lied" aus der Perspektive eines Jugendlichen. Der Vater war mit nur einem Bein aus dem Krieg zurückgekehrt, die Mutter war aus dem Osten geflüchtet. Und der Junge? Der wächst jetzt inmitten von Ruinen, Straßengangs und dreckigen Kneipen auf. Wäre da nicht die Liebe … Und wären da nicht so viele politische Ideale in der Luft, die leider schnell ins Militante abdriften.

              In unserem Klassiker sprechen wir über das Werk von Annemarie Schwarzenbach. Die Freundin von Erika und Klaus Mann war eine hinreißende Reisereporterin und hat in den Dreißigerjahren den Nahen Osten bereist.

              Unser Zitat des Monats kommt aus dem neuen Roman "Mein gelber Pullover" von Ursula März.

              Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].

              Literaturangaben:

              • Lola Randl: "Der lebende Beweis". Roman. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2026, 188 Seiten, 22 EUR
              • Michael Wildenhain: "Das Ende vom Lied". Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026, 416 Seiten, 26 EUR
              • Annemarie Schwarzenbach: "Orientreisen. Reportagen aus der Fremde". Ebersbach & Simon Verlag, 2017, 141 Seiten, 18 EUR
              • Ursula März: "Mein gelber Pullover". Roman. Piper Verlag, 2026, 176 Seiten, 22 EUR

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              51 min
            • Weniger Regeln, mehr Action

              Mehr Freiraum, weniger Zwänge, sich nicht mehr ständig einengen lassen: Wer träumt nicht davon? Ob und wie das klappen könnte, darüber sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?": Der Soziologe Hartmut Rosa hat über dieses Problem sein neues, bereits viel diskutiertes Buch "Situation und Konstellation" geschrieben. Wie können wir überhaupt noch selbstständig handeln, wenn die Spielräume in der Gesellschaft immer kleiner werden? 

              Familiengeschichten boomen, gerade wenn es um die Verstrickung der Ahnen in den Nationalsozialismus geht. Christina Strunck hat daraus ein faszinierendes, erschütterndes Projekt gemacht: Minutiös zeichnet sie in ihrem Buch "Die Aufsteiger" ein Gesellschaftsporträt am Beispiel der Kleinstadt Sprendlingen in der Nazizeit – und rekonstruiert die dunklen Flecken in einer ganz normalen deutschen Familie. 

              Das Zitat des Monats liefert diesmal Amanda Montell in ihrem Buch "Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen": Bei der Lektüre merkt man, wie wichtig Sprache für unsere Identität ist. 

              In der Klassikerrubrik stellen wir ein Buch vor, das schon 1963 glasklar und stilistisch glänzend die Wirkungen rechten Denkens analysierte: Fritz Sterns "Kulturpessimismus als politische Gefahr" über den Einfluss reaktionärer Intellektueller in Deutschland lange vor 1933. Der 2016 verstorbene Historiker emigrierte 1938 nach Amerika – pünktlich zum 100. Geburtstag des 2016 Verstorbenen wird jetzt sein leider brandaktuelles Buch wieder aufgelegt. 

              Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
               

              Literaturangaben:

              • Amanda Montell: "Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen". Aus dem amerikanischen Englisch von Florian Kranz und Andrea Schmittmann. HarperCollins, 350 Seiten, 25 Euro
              • Christina Strunck: "Die Aufsteiger. Deutscher Mittelstand unter Hitler: Eine Familiengeschichte". Rowohlt, 431 Seiten, 28 Euro
              • Hartmut Rosa: "Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums". Suhrkamp, 247 Seiten, 25 Euro
              • Fritz Stern: "Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland". Aus dem Amerikanischen von Alfred P. Zeller. Klett-Cotta, 496 Seiten, 25 Euro

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              1 hr 6 min

            About Was liest du gerade?

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            Wer ist nun besser: Kehlmann oder Kafka? Und was macht ein wirklich gutes Buch mit seinen Lesern und Leserinnen? Zweimal im Monat streiten und schwärmen wir über Bücher. Wir suchen aus der Fülle der Neuerscheinungen die interessantesten Bücher aus – mit Vorliebe solche, die uns selbst auf neue Gedanken gebracht haben. Es geht um neu erschienene Romane und Sachbücher und literarische Klassiker, die überraschende Schlaglichter auf die Gegenwart werfen.

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            26 Listeners

            Die sogenannte Gegenwart by DIE ZEIT

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            26 Listeners

            Sternstunde Philosophie by Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

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            36 Listeners

            Augen zu by DIE ZEIT

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            27 Listeners

            Und was machst du am Wochenende? by DIE ZEIT

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            13 Listeners

            Geht da noch was? by DIE ZEIT

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            7 Listeners

            Ist das eine Blase? by DIE ZEIT

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            1 Listeners

            Auch das noch? by DIE ZEIT

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            5 Listeners

            Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher | WDR by WDR

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            20 Listeners

            Wochenmarkt by DIE ZEIT

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            2 Listeners

            English, please! – ZEIT Sprachen by DIE ZEIT

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            1 Listeners

            WHITE – Geständnis eines Neonazis by DIE ZEIT

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            16 Listeners

            Deutsche Geister by DIE ZEIT

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            8 Listeners

            ZEIT Campus: Und was macht die Uni? by DIE ZEIT

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            48 Monate Trump by DIE ZEIT

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            Anruf an alle by ZEIT ONLINE

            Anruf an alle

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            War da was? – Geschichte einer Pandemie by DIE ZEIT

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            2 Listeners

            Irma. Das Kind aus Srebrenica by DIE ZEIT

            Irma. Das Kind aus Srebrenica

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            Nur eine Frage by DIE ZEIT

            Nur eine Frage

            3 Listeners