Was liest du gerade?

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Was liest du gerade? episodes

  • Was genau ist mit Thomas Gottschalk los?

    Die Sachbuch-Folge von "Was liest Du gerade?" diesmal etwas anders als sonst: Thea Dorn ist am Mikro als Gast-Host dabei, die Essayistin, Schriftstellerin und Moderatorin des "Literarischen Quartetts" im ZDF. 

    Den "Ersten Satz" liefert Svenja Flaßpöhler in ihrem Essay "Streiten": Warum ist Streit so wichtig, privat und gesellschaftlich – und was unterscheidet ihn von der Diskussion, der Debatte, dem Miteinanderreden? 

    Heftigen Streit ausgelöst hat aktuell die Entertainerlegende Thomas Gottschalk mit seinem Buch "Ungefiltert": Er zieht darin mächtig vom Leder gegen den Zeitgeist, gegen Influencer, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und gegen alles, was ihm sonst momentan nicht passt. Erleben wir das persönliche Drama eines 74-Jährigen oder lohnt sich die Diskussion über einige von Gottschalks Thesen?

    Die Journalistin und Historikerin Anne Applebaum hat neulich in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. Jetzt schreibt sie in ihrem Buch "Die Achse der Autokraten", wie gefährlich die neuen Allianzen zwischen China, Russland, Iran und diversen anderen diktatorisch regierten Ländern für die Demokratien weltweit sind. 

    Wenige Tage vor den Schicksalswahlen in Amerika schauen wir auf eine Klassikerin, die uns dieses faszinierende Land mit seinen politischen Dramen erklärt: Hannah Arendts Buch "Über die Revolution" von 1963. Sie erklärt darin, wie der Amerikanischen Revolution im 18. Jahrhundert die "Gründung der Freiheit" gelang. Wäre Hannah Arendt heute auch noch so optimistisch?

    Sie erreichen das Team von "Was liest Du gerade?"  unter [email protected].

    Literaturangaben:

    Svenja Flaßpöhler: Streiten, Hanser Berlin, 128 Seiten, 20 Euro

    Thomas Gottschalk: Ungefiltert. Bekenntnisse von einem, der den Mund nicht halten kann, Penguin, 320 Seiten, 24 Euro

    Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten. Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten, aus dem Englischen von Jürgen Neubauer, Penguin, 208 Seiten, 26 Euro

    Hannah Arendt: Über die Revolution, Piper, 544 Seiten, 16 Euro

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    1 hr 26 min
  • Die Berlin-Paris-Connection (live von Buchmesse)

    In der neuen Folge unseres Buchpodcasts "Was liest du gerade?" sprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski über Zurückgebliebene und Aussortierte der Zeitläufe in Berlin und in Paris. Im neuen Roman "Unser Ole" von Katja Lange-Müller geht es um zwei alte Frauen – eine aus dem Westen, eine aus dem Osten –, die zusammen in einem heruntergekommenen Dorfhaus im Speckgürtel Berlins in einer Zweck-WG leben. Doch plötzlich liegt eine der beiden tot auf dem Treppenabsatz, und der seelisch kranke Enkel ist auch verschwunden. Fast ein Krimi, aber auch ein Seelendrama, das ungeschminkt und heiter vom Überleben der Kriegskindergeneration in Deutschland erzählt.

    Auch im Roman "Memory Lane" des französischen Literaturnobelpreisträgers Patrick Modiano geht es um Übriggebliebene und Lebenskünstler. In diesem Fall um ein Pariser Freundesgrüppchen, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg im verblichenen Glanz früherer Tage sonnt, bis diese Scheinexistenz zusammenkracht und die Freunde sich in alle Winde verstreuen.

    Unser Klassiker verbreitet Mut: Bertolt Brechts "Unwürdige Greisin" zeigt uns, wie man im Alter noch einmal ganz neu anfangen kann.

    Und unser Zitat des Monats stammt dieses Mal von der frisch gekürten Literaturnobelpreisträgerin Han Kang, die sich auf beeindruckende Weise den dunklen Seiten der koreanischen Geschichte zuwendet.

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    34 min
  • Wieder unterwegs mit Hape Kerkeling

    Er ist wieder mal ganz oben auf der Bestsellerliste, bei uns liefert er den Ersten Satz: Diesmal hat Hape Kerkeling mit Gebt mir etwas Zeit ein Buch über sich und seine Vorfahren geschrieben – mit auch politisch überraschenden Ergebnissen. Man kann aus seiner Recherche lernen, wie vielfältig Deutschland in Sachen Herkunft seit Jahrhunderten ist. Erfindet sich da ein Entertainer etwa neu?

    Die prominente Aktivistin und Bestsellerautorin Naomi Klein begibt sich in ihrem Buch Doppelgänger auf die Spur einer merkwürdigen Geschichte, die sehr viel mit ihr persönlich zu tun hat: Immer wieder wird sie im Internet mit der bekannten Feministin Naomi Wolf verwechselt, die sich von einer linken Ikone in eine rechte Verschwörungstheoretikerin verwandelt hat. Was sagt diese Verwandlung über das Amerika von heute, kurz vor den Präsidentschaftswahlen? Wie konnte so etwas überhaupt in dieser Gesellschaft passieren? Und wie selbstkritisch müssen Linke wie Naomi Klein mit ihren eigenen Illusionen umgehen, wenn es um die Verteidigung von Demokratie und Öffentlichkeit geht?

    Verlust – das ist vielleicht das zentrale Gefühl unserer Gegenwart. Jeder kennt es, und ausgerechnet jetzt wirkt es als Krisenverstärker in den westlichen Gesellschaften. Der Soziologe Andreas Reckwitz erklärt in seinem bahnbrechenden Buch Verlust erstmals, weshalb diese Krisen von heute mit Verlust zusammenhängen und warum Fortschritt nicht mehr so wichtig ist. Wie können wir als Gesellschaft lernen, mit Verlusten umzugehen, um die Zukunft zu meistern? Merke: Keine Angst mehr vor Verlust!

    Als Klassiker empfehlen unsere Hosts diesmal Walden von Henry David Thoreau: 1845 zog sich der amerikanische Autor in eine Blockhütte zurück, wo er zwei Jahre in der Einsamkeit des Waldes lebte. Über diese existenzielle Erfahrung schrieb er ein berühmtes Buch, das die Natur, Freiraum und menschliches Dasein, Amerikas Geist und die Grenzen der Zivilisation verknüpfte. Hilft uns diese Lektüre heute wieder?

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    Literaturangaben:

    Hape Kerkeling: Gebt mir etwas Zeit. Meine Chronik der Ereignisse, Piper, 368 Seiten, 24 Euro

    Naomi Klein: Doppelgänger. Eine Analyse unserer gestörten Gegenwart. Übersetzt von Peter Robert und Rita Seuß, S. Fischer, 496 S., 29 Euro

    Andreas Reckwitz: Verlust. Ein Grundproblem der Moderne, Suhrkamp, 463 Seiten, 32 Euro

    Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern. Diverse Übersetzungen und Ausgaben auf Deutsch

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    45 min
  • Kampf und Glamour

    In der neuen Folge unseres Buchpodcasts Was liest du gerade? lassen Iris Radisch und Adam Soboczynski sich von der deutsch-indischen Autorin Mithu Sanyal auf eine Zeitreise ins London um 1906 mitnehmen. In ihrem neuen Roman Antchristie begegnen wir den Helden der indischen Befreiungsbewegung und erleben die Debatten mit Mahatma Gandhi. Sollen sich die Inder vom Joch des britischen Kolonialismus mit oder ohne Gewalt befreien? Und was ist anders, wenn man die Weltgeschichte konsequent aus indischer Perspektive betrachtet? Eine wichtige Frage ist auch: Schafft es Mithu Sanyal, ihren schon aus Identitti bekannten Sinn für scharfen Witz und Humor in die wortreichen Auseinandersetzungen über den britischen Kolonialismus hineinzuschmuggeln? 

    David Wagners Roman Verkin fußt auf einer wahren Begebenheit: Er handelt von der Lebensgeschichte einer türkischen Armenierin und dem Schicksal ihrer Familie, die dem Völkermord 1915/16 ausgesetzt war. Verkins Vater gelingt es, als Unternehmer in der türkischen Gesellschaft aufzusteigen, auch mit fragwürdigen Mitteln. Die Tochter, heute Ende siebzig, führt ein illustres Jetset-Leben, das sie immer wieder in die höchsten Kreise und die Popkultur führt. Wagner besucht seine Protagonistin immer wieder in Istanbul. Und ist auch mit einer dunklen Seite Verkins konfrontiert: Wie passt es, dass sie sich für Erdoğans AKP engagiert?

    Unser Klassiker ist diesmal eine sensationelle Neuentdeckung: Völlig überraschend sind fünf neue und bedeutende Briefe von Heinrich von Kleist (1777–1811) aufgefunden worden. Wir können ihn erstmals als unmittelbaren Beobachter einer Schlacht erleben – und als einen Agenten in Aktion mit einer politischen Mission. Kleist gehörte einem Kreis von Napoleon-Gegnern an, die sich konspirativ einem Befreiungsprojekt verschrieben haben: Die Deutschen sollten sich vereinen und Napoleon in einem nationalen Volksaufstand niederringen. Als das Vorhaben scheitert, ist Kleist am Boden zerstört. Die Briefe zeigen, wie sich der große Dichter des Zerbrochenen Krugs und der Marquise von O… auch politisch ins Abseits manövrierte.     
     

    Unser Zitat des Monats kommt aus Parade, dem neuen Buch der kanadisch-britischen Autorin Rachel Cusk, in dem es um die nur schwer zu erreichende Vereinbarkeit von Mutterschaft und weiblichem Künstlertum geht.

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    51 min
  • Geld beruhigt auch nicht immer

    Der Sommer geht zu Ende, es beginnt der Herbst mit vielen neuen Sachbüchern, die Diskussionen auslösen werden. In Amerika hat das Samuel Moyn schon geschafft: Mit seinem Buch Der Liberalismus gegen sich selbst greift der Ideenhistoriker berühmte Klassiker des liberalen Denkens nach 1945 an, von Hannah Arendt, Isaiah Berlin bis hin zu Karl Popper und Judith Shklar. Alle seien sie mitschuldig am Aufstieg Trumps und der heutigen Schwäche der westlichen Demokratie – denn der Liberalismus dieser Denker sei einseitig gewesen. Hat Moyn recht mit seiner Attacke?

    Die Welt der Superreichen ist vor den Blicken der Normalverdiener meistens gut geschützt. Der Journalistin Julia Friedrichs gelingt jetzt ein Blick an Bord der Luxusjachten und hinter die Mauern und Hecken um all die großen Villen: Ihre Recherche schaut auf Statistiken ebenso wie auf ganz normalen superreichen Lebensalltag, auf das gute oder schlechte Gewissen, das auf immensen Reichtum folgt. Die Privilegien kommen ebenso vor wie die Sinnkrisen dieser Elite, während die Autorin nach Antworten sucht, wie eine Gesellschaft, die gerecht sein will, obszöne Ungleichheit in den Griff bekommen kann.

    Der "Erste Satz" stammt diesmal aus dem Buch von Barbara Bleisch, Mitte des Lebens: Darin geht es um die schon so oft beklagte Midlife-Crisis – aber diesmal ganz anders als sonst. Denn die Philosophin Bleisch erklärt auf originelle Art, weshalb diese "besten Jahre" eigentlich ziemlich lässig sein können und auch noch überraschend viele neue Chancen bieten.

    Als Klassikerin empfehlen unsere Hosts diesmal Hannah Arendt mit zwei neu entdeckten Texten, die in dem Band Über Palästina erschienen sind. Sie zeigen die weltberühmte Denkerin von einer wenig bekannten Seite: als politisch hellwache Zeitgenossin, die sich schon in den 1940er- und 1950er-Jahren Gedanken über Lösungen im Nahostkonflikt machte. Und diese Gedanken sind leider immer noch hochaktuell.

    Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter [email protected].

    Literaturangaben:

    Barbara Bleisch: Mitte des Lebens. Eine Philosophie der besten Jahre, Hanser, 272 Seiten, 25 Euro

    Samuel Moyn: Der Liberalismus gegen sich selbst. Intellektuelle im Kalten Krieg und die Entstehung der Gegenwart, übersetzt von Christine Pries, Suhrkamp, 303 Seiten, 30 Euro

    Julia Friedrichs: Crazy Rich. Die geheime Welt der Superreichen, Berlin Verlag, 384 Seiten, 24 Euro

    Hannah Arendt: Über Palästina, übersetzt von Mieke Hiegemann, Piper, 272 Seiten, 22 Euro

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    46 min
  • Sex mit Künstlicher Intelligenz

    Wir sprechen über Alexander Schimmelbuschs neuen Roman „Karma“, der einen Blick in die Zukunft wagt. Wie sieht Deutschland im Jahr 2033 aus? Was wird die Künstliche Intelligenz mit uns machen? Und vor allem: Wie steht es in wenigen Jahren um die Liebe und den Sex?

    Auch Martina Hefters neuer Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ handelt von der Liebe im digitalen Zeitalter. Die Heldin des Romans treibt in ihrer Leipziger Wohnung nachts ein aufregendes Spiel mit Love-Scammern. Also mit Männern, die einsamen Frauen auf Instagram Liebe versprechen, um ihnen am Ende ihr Geld abzuknöpfen. Doch hier hält die Erzählerin souverän alle Fäden in der Hand, während ihr schwer kranker Partner im Nebenzimmer an seinem Roman arbeitet.

    Unser Klassiker ist Robert Musils erster Roman „Die  Verwirrungen des Zöglings Törless“ aus dem Jahr 1906. Er  bietet nicht nur erstklassigen Lesegenuss, sondern auch reichlich Stoff, um über den spektakulären Untergang der Welt des 19. Jahrhunderts, sowie über die Entdeckung sexueller und seelischer Abgründe zu diskutieren.

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    42 min
  • Vier Bücher, um die US-Wahlen zu verstehen

    Selten war ein Wahlkampf derart turbulent – vom Attentat auf Donald Trump bis zu Joe Bidens Verzicht und der Einwechslung von Kamala Harris als Kandidatin der Demokraten. Wohin treibt Amerika? Es gibt viele Bücher, die versuchen, ein Land im Aufruhr zu erklären. Für ein "Was liest du gerade?"-Spezial sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann über vier Sachbücher, die sich wirklich lohnen.

    Da ist das neue Buch von Daniel Ziblatt und Steven Levitsky, Politikwissenschaftler in Harvard und Autoren des Weltbestsellers Wie Demokratien sterben. Sie glauben, die amerikanische Demokratie stehe am Abgrund, weil Mehrheiten sich nicht mehr durchsetzen können. In ihrem neuen Buch Die Tyrannei der Minderheit erklären sie, warum das amerikanische Wahlsystem geradezu darauf ausgelegt ist, dass eine reaktionäre Minderheit sich durchsetzt und warum deshalb diese reiche Demokratie besonders anfällig ist für den Autoritarismus.

    Jemand, der davon profitiert, ist J. D. Vance, Trumps Kandidat für die Vizepräsidentschaft. In der Rubrik Der erste Satz diskutieren unsere Hosts über ein Zitat aus seinem gefeierten Buch Hillbilly-Elegie von 2016. Was meint Vance damit, wenn er den weißen Armen im Rust Belt eine geradezu spirituelle Kultur des Scheiterns attestiert?

    Wachsende Zeltstädte, Sucht und Obdachlosigkeit – die oft extreme Armut in den USA ist ein zentrales Thema vieler Wahlkampfdebatten. Matthew Desmond ist Soziologe in Princeton und Pulitzer-Preisträger. In seinem Buch Armut. Eine amerikanische Katastrophe versucht er zu verstehen, warum Armut in den USA ein derart gravierendes und dauerhaftes Problem ist. Und er kommt zu einigen überraschenden Schlüssen, die mit den üblichen Erklärungen von rechts (Migration) und links (Neoliberalismus) nichts zu tun haben.

    Und warum spielen individuelle Rechte, von Schwangerschaftsabbrüchen bis Black Lives Matter, in den amerikanischen Diskussionen immer so eine große Rolle? Aufschlussreich ist da ein Blick in vier Essays von Judith Shklar, die unter dem Titel Der Liberalismus der Rechte zum Klassiker geworden sind. Die 1992 verstorbene und seit einigen Jahren wiederentdeckte Theoretikerin findet, dass genau dieser Fokus auf persönliche Rechte typisch ist für den besonderen amerikanischen Liberalismus.

    Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter [email protected].

    Literaturangaben:

    Steven Levitsky, Daniel Ziblatt: "Die Tyrannei der Minderheit. Warum die amerikanische Demokratie am Abgrund steht und was wir daraus lernen können", übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt, DVA, 352 Seiten, 26 Euro 

    Matthew Desmond: "Armut. Eine amerikanische Katastrophe", übersetzt von Jürgen Neubauer, Rowohlt, 304 Seiten, 20 Euro 

    JD Vance: "Hillbilly-Elegie", übersetzt von Gregor Hens, Ullstein, 304 Seiten, 18 Euro

    Judith Shklar: "Der Liberalismus der Rechte", übersetzt von Dirk Höfer, Hannes Bajohr (Hg.), Matthes & Seitz, 203 Seiten, 16 Euro

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    57 min
  • Gin am rauschenden Meer und Esel auf der Hausweide

    In unserer August-Folge von Was liest du gerade? geht es um Sommerbücher, die der Seele guttun. Wir blicken mit Anna Katharina Fröhlichs Sommernovelle Die Yacht aufs rauschende Meer. Die in Italien lebende Autorin entführt uns nach Sizilien in eine Welt des edlen Müßiggangs. Geld spielt keine Rolle, alle tragen weiße Leinenkleider, trinken Gin, ergehen sich in gebildeter Kulturkritik und glühenden Leidenschaften. Natürlich endet alles in einem dramatischen Finale, in dem diese herrlich sorglose Parallelwelt grandios in sich zusammenfällt. Aber bis dahin schwelgen wir in geschmackvoller süditalienischer Oberklassenherrlichkeit und einer verschwenderischen Wortpracht.

    Ganz anders, aber auch sommerleicht geht es im Tagebuch der Dichterin Sarah Kirsch zu. In Berlin dreht sich im historischen Sommer 1990 alles um die Wiedervereinigung. Die Dichterin sitzt währenddessen in ihrem Landhaus in Schleswig-Holstein und trinkt erst einmal "Koffie", füttert die Katzen und bringt den Esel auf die Hausweide. Die Politik ist Sarah Kirsch lästig, die Akteure in Berlin kommen ihr wichtigtuerisch und eitel vor. Sie bevorzugt ein mönchisches Leben in der Natur und hinterlässt uns ein hinreißendes Plädoyer für ein beschauliches Sommeridyll auf dem Land.

    Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter: [email protected].

    Literaturangaben:

    Anna Katharina Fröhlich: "Die Yacht; Eine Sommernovelle", Friedenauer Presse, Berlin 2024, 164 S., 20,– Euro

    Sarah Kirsch: "Der Sommer fängt doch so an! Tagebuch 1990", Steidl Verlag, Göttingen 2023, 221 S., 24,– Euro

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    17 min
  • Was ist nur mit den Ossis los?

    Es ist ein Dauerbrenner in den öffentlichen Debatten: die schwierige Situation in Ostdeutschland. Daher schauen Maja Beckers (West) und Alexander Cammann (Ost) diesmal in der Sachbuchausgabe von Was liest Du gerade? auf interessante Bücher von Ostdeutschen über den Osten. Der Soziologe Steffen Mau plädiert für Realismus: In seinem Bestseller Ungleich vereint erklärt er, weshalb der Osten auch in Zukunft sich vom Westen unterscheiden wird und wie eine kluge Politik darauf reagieren sollte. Die Tagesthemen-Moderatorin Jessy Wellmer, wie Mau in der DDR geboren, erzählt in Die neue Entfremdung aus ihrer Kindheit in Mecklenburg, von Freunden und Familie und deren Träumen und Schwierigkeiten nach der Wiedervereinigung und von der gesellschaftlichen Gefahr durch Klischees und bequeme Mythen.

    Der erste Satz stammt diesmal aus einem besonderen Buch: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann haben sich mehrfach getroffen, diskutiert und gestritten und das alles in einen Gesprächsband Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat verwandelt. Sie debattieren über Alltag und Aufwachsen in der DDR, Feminismus, Familie und Kapitalismus, Utopien und Alternativen.

    Als Klassiker empfehlen unsere Hosts diesmal Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land: Der Soziologe Wolfgang Engler hat sich darin bereits 1999 auf die Suche nach der speziellen Mentalität gemacht, die in der DDR entstanden ist, und mit diesem Buch die Ost-West-Debatten stark geprägt. Sind seine Thesen heute noch aktuell?

    Ob Heimatkunde oder Entdeckungstrip: Der Osten bleibt also aufregend!

    Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter [email protected].

    Literaturangaben:

    Steffen Mau: Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt, Suhrkamp, 168 Seiten, 18,– €

    Jessy Wellmer: Die neue Entfremdung. Warum Ost- und Westdeutschland auseinanderdriften und was wir dagegen tun können, Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 24,– €

    Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann: Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat, Hanser, 320 Seiten, 22,– €

    Wolfgang Engler: Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Aufbau, 352 Seiten, 12,– €

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    58 min
  • Eine Liebe aus Klagenfurt und eine in Ost-Berlin

    An diesem Wochenende wird der legendäre Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt verliehen. Seit Tagen streitet die Jury vor Publikum und Fernsehkameras über literarische Texte vor den Augen der Schriftstellerinnen und Schriftstellern. In dieser Folge von Was liest du gerade? sprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski daher über ein neues Buch aus dem Nachlass von Ingeborg Bachmann mit dem Namen Senza Casa. Von der österreichischen Schriftstellerin (1926–1973), zu deren Ehren der Preis in ihrer Geburtsstadt verliehen wird, können im Juli bislang unbekannte autobiografische Skizzen und Notizen aus Neapel, Ischia und Klagenfurt entdeckt werden. Wir erfahren von einer unerfüllten Liebe, vom Leid des Schreibens – aber immer ist sie voller Lebenshunger, der ansteckend ist.

    Jenny Erpenbeck wurde vor Kurzem mit ihrem Roman Kairos den International Booker Prize verliehen. Wir sprechen über dieses große Werk, das uns in die letzten Jahre der DDR entführt: Es spielt im weinseligen und amourösen Intellektuellenmilieu Ost-Berlins. Wie wird in diesem Roman der Westen gesehen? Wie die Stasi? Und warum ist die Liebesgeschichte der jungen Protagonistin zu einem alten Schriftstellerfreund so böse, toxisch und sadistisch?

    Im Roman von Jenny Erpenbeck taucht auch der Schriftsteller Heiner Müller auf. Unser Klassiker ist diesmal eine Erzählung von Müller aus dem Jahr 1956: Das Eiserne Kreuz.

    Der "Erste Satz" kommt diesmal aus dem ungewöhnlichen und lustigen Krimi Die Frau mit den vier Armen von Jakob Nolte.

    Sie erreichen das Team von Was liest du gerade? unter: [email protected].

    Literaturangaben:

    Ingeborg Bachmann: Senza Casa, Suhrkamp, 336 Seiten, 42 Euro

    Jenny Erpenbeck: Kairos, Penguin, 384 Seiten, 24 Euro

    Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen, Suhrkamp, 235 Seiten, 20 Euro

    Heiner Müller: Werke 2. Die Prosa, Suhrkamp, herausgegeben von Frank Hörnigk, 210 Seiten, 30 Euro

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    41 min

About Was liest du gerade?

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Wer ist nun besser: Kehlmann oder Kafka? Und was macht ein wirklich gutes Buch mit seinen Lesern und Leserinnen? Zweimal im Monat streiten und schwärmen wir über Bücher. Wir suchen aus der Fülle der Neuerscheinungen die interessantesten Bücher aus – mit Vorliebe solche, die uns selbst auf neue Gedanken gebracht haben. Es geht um neu erschienene Romane und Sachbücher und literarische Klassiker, die überraschende Schlaglichter auf die Gegenwart werfen.

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