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Ein deutscher Arzt der frühen Neuzeit, der es als Zauberer in die Harry-Potter-Bücher geschafft hat? Den gab es wirklich: Agrippa von Nettesheim.
Als Harry Potter und Ron Weasley sich im ersten Band der Buchreihe anfreunden, findet auch Aprippa Eingang in die Geschichte. Die Jungen unterhalten sich über Sammelkarten in Süßigkeitenverpackungen. Ron fehlt bei seinen Sammelkarten die eines sehr berühmten Zauberers: Agrippa. Der bezeichnet sich selbst als Magier. Und mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein erklärt er, ein Magier sei kein Zauberer, kein Abergläubischer, der mit bösen Geistern im Bunde steht, sondern ein Weiser, ein Priester, ein Prophet. Von ihm stammt das Standard-Werk zum Thema Magie aus dem 16. Jahrhundert "De occulta philosophia" - "Über die geheime Philosophie".
In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
Der "Frankfurter Tomatenwurf" am 13.9.1968 gilt als Initialzündung der neuen deutschen Frauenbewegung: Die Aktion zeigt einen Konflikt innerhalb der Linken.
Die Proteste in den 60ern, egal ob gegen den Vietnamkrieg oder die Nostandsgesetze, sie werden fast ausschließlich von jungen Männern angeführt. Der "Frankfurter Tomatenwurf" am 13.9.1968 ändert das Bewusstsein in der Protestbewegung.
In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
Eine Weltkarriere mit unfassbaren Tiefen. Ob Tablettensucht oder Krankheiten - Johnny Cash steht immer wieder auf und hinterlässt unvergleichliche Musik.
Seine ersten Erfolge "Folsom Prison Blues", "Get Rhythm" und "I Walk The Line" nimmt der Sänger mit der markanten Bassbariton-Stimme ab Mitte der 50er-Jahre auf. Von nun an kann sich Cash - der nach seiner Militärzeit erfolglos versuchte, sich als Vertreter von Küchengeräten durchzuschlagen - ganz der Musik widmen.
Es folgen weitere große Hits wie "Ring Of Fire", legendäre Auftritte vor Strafgefangenen in Gefängnissen wie St. Quentin oder Folsom, aber auch Alkohol, Drogen und Tabletten. Die Liebe seines Lebens June Carter, in die Cash jahrelang heimlich verliebt ist, hilft ihm aus seiner Sucht.
Nach 35 Jahren Ehe stirbt seine geliebte June im Mai 2003 an den Folgen einer Herzklappenoperation. Nur vier Monate später stirbt auch Johnny Cash.
In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:
Am 11.9.1973 putscht in Chile Augusto Pinochet gegen die demokratisch gewählte Regierung von Salvador Allende: Hunderttausende Menschen werden inhaftiert und gefoltert.
Im vierten Anlauf wird Salvador Allende im September 1970 zum chilenischen Präsidenten gewählt. Unter ihm werden Mindestlöhne eingeführt, Großgrundbesitzer enteignet und das Gesundheits- und Bildungssystem reformiert. Doch die Opposition reagiert auf seine sozialistischen Reformen mit heftigen Streiks, die eine Wirtschaftskrise auslösen. Allendes Popularität sinkt, dennoch erreichen seine Gegner nicht den nötigen Stimmanteil, um ihn abzusetzen. Sie beschließen den Militärputsch.
Dieser beginnt am frühen Morgen des 11. September 1973. Kurz darauf begeht Allende Suizid. Die neuen Herrscher, angeführt von General Augusto Pinochet, etablieren eine brutale Diktatur, die 17 Jahre währt. Bis heute gibt es in Chile immer noch viel Schweigen über diese Zeit. Und ungeklärte Fragen.
In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
Heute wäre Rolf Bossi 100 Jahre alt geworden. Sein Vater fiel der NS-Willkürjustiz zum Opfer: wichtigstes Motiv für seinen Entschluss, selbst Strafverteidiger zu werden.
Rolf Bossi wird am 10. September 1923 in Karlsruhe geboren. Nach dem Krieg entscheidet er sich für das Strafrecht. Er will verhindern, dass Angeklagte als wehr- und rechtlose Opfer vor dem Richter stehen. Denn genau das ist seinem Vater passiert: Er wurde im Spätherbst 1942 wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt und sofort erschossen.
Bossi übernimmt Mandate in ganz Deutschland. Er ist der Strafverteidiger im Verfahren gegen den Entführer des Aldi-Gründers Theo Albrecht und vertritt auch einen DDR-Grenzsoldaten im sogenannten Mauerschützenprozess. Bossi verteidigt den Serienmörder Fritz Honka und den Geiselnehmer von Gladbeck Dieter Degowski. Und immer wieder zählen auch Prominente zu seinen Klienten: Schauspielerinnen, Sänger, Fernsehstars.
In zahlreichen Talkshow-Auftritten und in seinen Büchern übt Bossi auch scharfe Kritik - am deutschen Justizsystem, aber auch an sich selbst.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
Welche Realität steckt hinter den 'Märchen' aus Nora Hespers' Kindheit? Ihr Großvater Theo Hespers wurde am 9.9.1943 als Widerstandskämpfer von der Gestapo getötet.
Den Nationalsozialisten war der aufrechte, offen geäußerte Widerstand des tief gläubigen Christen schnell ein Dorn im Auge. Schon wenige Wochen nach der Machtübertragung musste Theo Hespers fliehen. Mit seiner Familie versteckte er sich teils unter falschem Namen noch einige Jahre in den Niederlanden und Belgien, bis er nach Deutschland ausgeliefert wurde. Die Nationalsozialisten verurteilten ihn zum Tode. Theo Hespers starb mit 39 Jahren.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
Leni Riefenstahl dreht im Nationalsozialismus Propagandafilme, sie ist Hitlers Lieblingsregisseurin. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet sie als Fotografin und stirbt am 8.9.2003.
Leni Riefenstahl wird im August 1902 in Berlin geboren und macht unterschiedliche Karrieren. Nach einer Ausbildung als Ausdruckstänzerin spielt sie als Schauspielerin in Bergfilmen mit und führt selbst Regie. Damit beeindruckt sie Adolf Hitler. Er macht ihr ein Angebot, wie sie sich später erinnert: "Wenn wir einmal an die Macht kommen, dann müssen Sie meine Filme machen."
Als es so weit ist, dreht Leni Riefenstahl 1933 den Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg. Auch den nächsten Parteitag filmt sie: In "Triumph des Willens" setzt sie mit neuester Technik Hitler in Szene. Ihr Film "Olympia" über die Olympischen Spiele 1936 sticht mit bis dahin ungewöhnlichen Kameraperspektiven und eindrucksvollen Zeitlupen besonderes hervor. Auch Werbung für Verbrecher kann meisterhaft sein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Leni Riefenstahl als Fotografin. Ihre Aufnahmen der afrikanischen Nuba und der Unterwasserwelt in der Tiefsee verkaufen sich weltweit. Fragen nach ihrer Rolle im "Dritten Reich" wehrt sie ab. Sie selbst stellt sich als unpolitische Künstlerin dar.
In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
Am 7.9.1888 wird das Frühchen Edith Eleanor McLean in einen Brutkasten gelegt und überlebt. Brutkästen können Babys helfen zu überleben, bringen aber auch ethische Fragen.
Die ersten Brutkästen sind zwischen 1860 bis 1880 in Frankreich in Gebrauch. Sie heißen "Couveusen". Sie sind aus Holz und verfügen über eine Glasscheibe, damit das Baby beobachtet werden kann. Um die Frühgeburten zu wärmen und Temperaturen wie im Mutterleib zu erreichen, werden Behälter mit heißem Wasser in die "Couveusen" gestellt.
Auch in anderen Ländern wird damals mit wärmenden Kästen für Frühgeborene experimentiert. In den USA baut der New Yorker Arzt William Deming ein Gerät, das 1888 zum Einsatz kommt: Edith Eleanor McLean ist das erste Kind, das darin liegt. Sie wiegt bei ihrer Geburt nur 1.106 Gramm - und überlebt.
In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
Zwei ungleiche Frauen treffen sich, wahrscheinlich im September 1593: Die eine ist als Königin von England die mächtigste Frau der Welt, die andere eine irische Piratin.
Irland ist über Jahrhunderte das Ziel von Invasoren. Im 16. Jahrhundert beansprucht England die Herrschaft. Das bringt die irische Piratin Grainne in Bedrängnis. Von den Engländern wird sie Grace O'Malley genannt. Deren Zuhause an der Westküste, Clare Island, halten die Engländer besetzt, ihre Flotte wird beschlagnahmt.
In ihrer Verzweiflung bittet die Piratin um eine Audienz bei der britischen Königin Elisabeth I. - und sie wird empfangen. Die beiden machen einen Deal. Die Königin verspricht, ihre Truppen von Clare Island abzuziehen. Und die Piratin gelobt, nie wieder ein englisches Schiff zu kapern.
In diesem Zeitzeichen erzählt Monika Buschey:
Heute vor 45 Jahren (5.9.1978) begannen in Camp David dank US-Präsident Carter Friedensverhandlungen zwischen Israel und Ägypten: Schwierig und schließlich erfolgreich.
Zwei Länder, die in wenigen Jahren vier Kriege gegeneinander geführt hatten, schlossen Frieden: Das Camp-David-Abkommen zwischen Ägypten und Israel war unwahrscheinlich, wenig populär – aber ein Gebot der politischen Vernunft.
In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
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