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Der Großmeister der Spionageromane wird 85: Frederick Forsyth schrieb mehr als 20 Bestseller, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Bis heute sieht er sich auch als Journalist.
Spionageromane gehören während des Kalten Krieges zwischen West und Ost zu den Verkaufsrennern. Der am 25.8.1938 geborene Frederick Forsyth, Auslandskorrespondent der britischen Nachrichtenagentur Reuters, landet 1971 gleich mit seinem Debütroman "Der Schakal" einen Bestseller.
Seine Spionage-Thriller kommen an, weil sie in der nahen Zukunft spielen und deren politisches Konfliktpotential erkunden. Sie verbinden genau recherchierte Fakten zu Nazi-Seilschaften oder den Kriegen in Algerien und Ex-Jugoslawien in brisanter Fiktion.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
Im August 1953 sank die Kaffeesteuer in der BRD deutlich - es war das Ende des gefährlichen und lukrativen Kaffeeschmuggels im "Wilden Westen" der Eifel...
Kaffee ist nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik enorm teuer. Grund dafür ist eine hohe Steuer. Deshalb blüht in Westdeutschland an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden der Kaffeeschmuggel. Einige Ortschaften in der Eifel werden zu regelrechten Schmugglernestern.
Die Zöllner haben alle Hände voll zu tun. Immer öfter kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen - mit Verletzten und Toten. Die schweren Auseinandersetzungen zwischen Schmugglern und Zöllnern zwingen die Politik zum Handeln.
In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
Am 23.8.1958 wurde die Gorch Fock ins Wasser gelassen. Ihr Image: lange tadellos! Heute steht sie auch für Todesfälle und Sanierungskosten von über 100 Millionen Euro.
Die "Gorch Fock" ist ein Kriegsschiff ohne Waffen. Die Bark mit ihren drei Masten soll Leben schützen, nicht nehmen. Auf dem Schiff werden deutsche Marinesoldatinnen und -soldaten ausgebildet - und sie repräsentiert das Land bei ihren vielen Reisen in Häfen auf der ganzen Welt als "Botschafter Deutschlands unter Segeln".
Bald nach dem Stapellauf sticht die Gorch Fock zu ihrer ersten Ausbildungsfahrt in See. Doch das Logbuch bleibt nicht ohne dunkle Einträge. Bei Unfällen kommen zwei Kadettinnen ums Leben.
2015 stellt die Werft schwere Schäden fest. Die Sanierungskosten betragen bald unglaubliche 135 Millionen Euro. Bis heute wird wegen möglicher Korruption ermittelt.Trotzdem wird entschieden: Der Stolz der deutschen Marine soll weiterhin die Weltmeere befahren.
In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
Am 22.8.1903 beginnt in Crimmitschau einer der längsten Streiks in der Geschichte der Arbeiterbewegung: Er dauert fast 5 Monate, etwa 8.000 Beschäftigte beteiligen sich.
Crimmitschau in Sachsen gilt Anfang des 20. Jahrhunderts als die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte im gesamten deutschen Kaiserreich: Baumwollhändler und Garnfabrikanten, Tuchhersteller und Seidenmanufakturen - in der Blütezeit gab es 80 verschiedene Textilbetriebe in der sächsischen Kleinstadt. Die Reichen leben auf der besseren Seite des Flüsschens Pleiße. Auf der anderen Seite: die Männer und Frauen, denen die Millionäre ihren Reichtum verdanken. Über 7.000 Menschen schuften in den Crimmitschauer Textilfabriken - die Hälfte davon Frauen. 12-14 Stunden am Tag. Sechs Tage die Woche. Mindestens. Anfang August 1903 reichen in fünf Betrieben tausende Beschäftigte demonstrativ ihre Kündigung ein: Sie fordern mehr Geld und einen Zehn-Stunden-Tag. Die Textilunternehmer drohen ihren Beschäftigten mit Aussperrung und Kündigung, falls sie tatsächlich die Arbeit einstellen sollten. Es wird verhandelt, aber ohne Ergebnis. So beginnt am 22. August 1903 einer der spektakulärsten und längsten Streiks in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Mit bitterem Ausgang für die Streikenden...
In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
Die Erziehung des kleines Rudolf: brutal und sadistisch. Der Tod des einzigen Sohns von Kaiserin "Sissi" ist bis heute Gegenstand von Romanen und Verschwörungsmythen.
Nach zwei Mädchen bringt Kaiserin Elisabeth, "Sisi", endlich den ersehnten männlichen Thronfolger zur Welt. Weil aus dem sensiblen, wissbegierigen Kind ein "echter Mann" werden soll, bestimmt Kaiser Franz Joseph einen Generalmajor des Militärs zum Erzieher des kleinen Rudolf. Mit brutalen, sadistischen Erziehungsmethoden macht er aus dem aufgeweckten Jungen ein krankes, verängstigtes Kind. Dennoch wächst Rudolf zu einem interessierten, politisch offenen jungen Mann heran, der dem Leben durchaus zugewandt ist. Das ändert sich nach einer unglücklichen Ehe und der Erkenntnis, dass man ihm am Wiener Hof wenig zutraut. Rudolf verfällt in schwere Depressionen. Der 30-Jährige will sterben, aber nicht alleine. So erschießt der Thronfolger von Österreich-Ungarn im Januar 1889 zuerst seine 17-jährige Geliebte und dann sich selbst. Dabei wäre mit einem liberalen Rudolf als Kaiser der Lauf der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert möglicherweise ein anderer gewesen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
Vor 130 Jahren, am 20.8.1893, wurde Lotte Cohn geboren. Sie war überzeugte Zionistin und plante als Architektin die ersten jüdischen Siedlungen in Palästina.
Lotte Cohn ist eine der ersten Frauen, die in Preußen Architektur studieren dürfen. Der Antisemitismus in Deutschland lässt sie 1921 nach Palästina auswandern. Als sie in Tel Aviv ankommt, hat die Stadt gerade einmal 240 Häuser. Mit ihrer der Flachdach-Bauweise prägt die Architektin das Bild der Stadt. Sie entwirft auch Gemeinschaftsbauten der Kibbuze, die das soziale Ideal des Zionismus verkörpern. Die Pionierin wirkt fünf Jahrzehnte am Bau Israels mit.
In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
Sie waren frühe Kapitalisten, eine erste Mittelschicht: Im 13. Jahrhundert kommen Bürger in Florenz zu Geld - und sie fordern Macht...
Die "Ordinamenti di giustizia" (Gerechtigkeits-Verordnungen) bestimmen, dass die obersten Ämter in Florenz ausschließlich durch Vertreter der größeren Zünfte besetzt werden. Die Berufsstände haben im Laufe des 13. Jahrhunderts an Macht und Einfluss gewonnen. Florenz ist auf 100.000 Bewohnern angewachsen. Viele Neubürger sind erfolgreiche Handwerker, Juristen oder Händler, die sich 1293 politische Mitsprache erstreiten. Einer von ihnen ist der junge Dante Alighieri, der später als Italiens Nationaldichter und Verfasser der "Göttlichen Komödie" bekannt werden wird. Doch Dante und die anderen Aufsteiger können ihre machtvolle Stellung nicht halten, die Elite-Familien kehren bald schon aufs politische Parkett zurück. Dante muss wegen der Androhung der Todesstrafe Florenz verlassen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Struck-Schloen:
Gut oder böse? Schwarz oder weiß? Oder gibt es etwas dazwischen? Die Psychologin Else Frenkel-Brunswik hat sie entdeckt, die Grautöne. Am 18.8.1908 wird sie in Lemberg geboren.
"Ambiguitätstoleranz" nennt sich die Fähigkeit zum Aushalten von Graubereichen und Mehrdeutigkeit. Die Psychologin Else Frenkel-Brunswik hat sie entdeckt. Später forscht sie auch zu Antisemitismus und ist maßgeblich an Adornos Studien zur autoritären Persönlichkeit beteiligt.
In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
Vor 115 Jahren fand der erste Welt-Vegetarier-Kongress statt. Etwa 20 Frauen und Männer trafen sich in Dresden, um sich über fleischlose Ernährung auszutauschen.
Zum ersten weltweiten Treffen der Vegetarier am 17.8.1908 kommen Engländer, Niederländer und Deutsche zusammen. Ihr Ziel: Sie wollen sich verbünden, um auch politisch Einfluss nehmen zu können. Denn die Fronten zwischen den "Kohlrabi-Aposteln" und "Leichenfressern" – so die gängigen gegenseitigen Beschimpfungen der Fleischesser und Vegetarier – sind früh verhärtet.
In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
Interviews durchs geöffnete Autofenster der Gangster. Eine überforderte Polizei. Drei Tote. Das Gladbecker Geiseldrama war ein bespielloser Kriminalfall.
Am 16. August 1988 überfallen die Gangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner eine Bank in Gladbeck. Anschließend fahren sie nach Bremen und kapern einen Bus mit mehr als 30 Personen. Von nun an verfolgt ein Tross von Polizisten und Presse die sich anschließende Irrfahrt der Gangster. Auf einem Rastplatz ermorden sie die erste Geisel: Emanuele de Giorgi. Einen Tag später stirbt Silke Bischoff beim Zugriff der Polizei auf der Autobahn durch Rösners Waffe.
In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
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