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Wissenschaft und Glaube - darin sieht der arabische Gelehrte al-Biruni (geboren am 4.9.973) keine Gegensätze. Für ihn ergänzen sich die beiden konträren Perspektiven.
Mathematik, Astronomie, Mineralogie, Pharmazie: Al-Biruni ist der wohl bedeutendste Gelehrte des islamischen Mittelalters. In Europa wird er allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, unter anderem durch Alexander von Humboldt.
Geboren wird al-Biruni im September 973 in Kath, einer Stadt im heutigen Usbekistan. Er lebt an verschiedenen Orten des mittelasiatischen Raumes und verfasst fast 150 Bücher, von denen aber nur rund 30 erhalten sind.
In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Burgmer:
Im September 1928 entdeckt Alexander Fleming den Zufall als Helfer der Wissenschaft. In einer unsauberen Petrischale wuchs ein Pilz, der bald viele Leben retten sollte.
Bei der Entdeckung des Penicillins hilft Alexander Fleming auch der Zufall. Als der Bakteriologe im September 1928 aus dem Urlaub zurückkehrt, stößt er in seinem Labor auf eine vergessene Petrischale mit einer verschimmelten Bakterienkultur. Das Verblüffende: Eine winzige Menge grüner Schimmelpilze hat die Bakterien zerstört. Es gelingt ihm, die bakterientötende Substanz aus dem Schimmel zu extrahieren, er nennt sie Penicillin.
Flemings Veröffentlichungen finden zunächst kaum Beachtung. Erst der Zweite Weltkrieg und die Mitarbeit zahlreicher weiterer Forscher verhilft seiner sensationellen Entdeckung zum Durchbruch. 1945 erhält Fleming - zusammen mit Ernst Chain und Howard Florey, die maßgeblich die Entwicklung des Penicillin vom Schimmelpilz zum Medikament vorangetrieben haben - den Nobelpreis.
In diesem Zeitzeichen erzählt Jürgen Werth:
Lili'Uokalani (geb. am 2.9.1838) vertraute den Amerikanern. Die hatten den von ihr angenommenen christlichen Glauben nach Hawaii gebracht. Doch das sollte sie bereuen.
Am 2. September 1838 wird Lili’uLoloku Walania Kamaka’eha, genannt Lili’uokalani, geboren. Hawaii hat sich durch den westlichen Einfluss da bereits völlig gewandelt - politisch und kulturell. Die Indigenen sind Mitte des 19. Jahrhunderts noch im Besitz von weniger als einem Prozent der Landflächen der Inseln.
Nach ihrer Proklamation zur Königin versucht Lili’uokalani der hawaiianischen Krone zu mehr Macht zu verhelfen. Vergebens. Auch ihr Vorstoß, eine neue Verfassung durchzusetzen, scheitert. Es kommt zu einem republikanischen Aufstand, in dessen Folge die Königin abdankt. Acht Monate lang wird Lili‘uokalani von US-Truppen unter Hausarrest gestellt. Ihre vollen Bürgerrechte erhält sie erst nach zwei Jahren zurück.
1898 büßt Hawaii endgültig seine Unabhängigkeit ein, ist nun formell Territorium der Vereinigten Staaten. Fast 100 Jahre später entschuldigt sich der amerikanische Präsident Bill Clinton offiziell für die Rolle der USA beim Sturz der hawaiianischen Monarchie und die völkerrechtswidrige Annektierung des Inselarchipels. Hawaiis letzte Königin erlebt das nicht mehr: Lili‘uokalani stirbt 1917.
In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
Seit dem 1.9.1873 fahren die Cable Cars durch San Francisco: Für den Alltagsbetrieb nicht mehr rentabel, für Einheimische und Touristen aber unverzichtbar.
Die Cable Car erweist sich als einfaches, verlässliches Verkehrsmittel. Das kommt bei Fahrgästen und neuen Investoren gleichermaßen an. Ein gutes Dutzend Bahnlinien verkehren zwischen den Hügeln von San Francisco, als 1906 ein Erdbeben alles zerstört. Doch wie die gesamte Stadt wird auch die Cable Car wieder aufgebaut.
Heute fahren noch drei Linien zwischen Fisherman’s Wharf, dem Fährhafen und dem Süden der Stadt. Die Technik ist auch nach 150 Jahren nahezu unverändert. Ein Kabel, ein Gleis, eine Drehscheibe an der Powell Street - mehr braucht es nicht.
Aktuell kostet ein Ticket acht Dollar - pro Person und Fahrt. Ein teures Touristen-Vergnügen. Dennoch ist ein San Francisco ohne Cable Car nicht vorstellbar. Mehrfach ist ihre Abschaffung in früheren Jahrzehnten am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Seit 1964 ist sie als "National Landmark" geschützt.
In diesem Zeitzeichen erzählen Kay Bandermann und Ulrike Froleyks:
Im "Haus Vaterland" wird geklotzt statt gekleckert. Eröffnet am 31.08.1923 bietet Berlins Vergnügungstempel Platz zum tanzen, essen und in die Ferne schweifen - und das für jeden Geldbeutel.
In den 1920er-Jahren explodiert die Unterhaltungsindustrie. Plötzlich gibt es Radio, Schallplatte, Kino und Kabarett. Da trifft die Idee eines Gebäudekomplexes, der verschiedene Vergnügungen unter einem Dach anbietet, genau den Nerv der Zeit.
Zwölf Millionen Reichsmark investiert die Eigentümerfamilie Kempinski in den Umbau des ehemaligen UFA-Sitzes - vor allem für den riesigen Technikapparat hinter den Kulissen. Mit Erfolg: Haus Vaterland wird schnell ein prunkendes Wahrzeichen des neuen Berlin. Selbst als nur ein Jahr nach der Eröffnung die Weltwirtschaftskrise das Land erschüttert, kommen die Gäste weiter.
Haus Vaterland steht noch bis 1976, dann wird es abgerissen. Es muss einer Stadt-Autobahn weichen, die nie gebaut wird.
In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
Sie zwingen Sportlerinnen mit Schlägen zu Höchstleistungen, sie terrorisieren ein ganzes Land: Der am 30.8.1948 gegründete rumänische Geheimdienst Securitate entwickelt sich zu einem der brutalsten in Europa.
Gegründet wird die Securitate 1948 nach dem Vorbild des KGB. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern bespitzeln, überwachen und melden Tausende IM, informelle Mitarbeitende, vermeintliche "systemkritische" Aktivitäten von Freunden, Nachbarn und Kolleginnen. Die daraufhin verhängten Strafen werden individuell angepasst. "Was schadet wem am meisten? Danach wurde gehandelt", erinnert sich Schriftstellerin Herta Müller, die 1986 aus Rumänien nach Deutschland auswandert.
Zur Wende 1989 sind geschätzt 40.000 Hauptamtliche und fast eine halbe Million IMs aktiv. Etliche von ihnen kommen schnell im Geheimdienst des neuen rumänischen Staates unter. So bleiben die Verbrechen der Securitate lange ungestraft. Erst mit dem Beitritt in die EU und auf Druck von Opferverbänden ist Rumänien gezwungen, die Diktatur aufzuarbeiten.
In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
Jede Menge Gold und Silber übergeben die Inkas den Spaniern, damit sie ihren gekidnappten Herrscher Atahualpa freilassen. Vergeblich, wie sich am 29.08.1533 herausstellt.
Zunächst behandeln die Spanier den gefangenen Inka-Fürsten zuvorkommend. Immerhin sind sich die Eroberer ihrer Unterzahl bewusst. Aber die zahlenmäßig überlegenen Inkas unternehmen nichts, um ihren Anführer zu befreien. Atahualpa bietet schließlich Francisco Pizarro einen Raum voll Silber und Gold als Lösegeld an. Er willigt ein.
Obwohl die Inka die versprochenen Kostbarkeiten anschleppen, halten die Spanier ihr Wort nicht. Durch seine Taufe kann Atahualpa gerade noch seinen qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen verhindern. Er wird "nur" erdrosselt. Die jetzt führerlosen Inka werden bald zu tausenden umgebracht oder erliegen den von den Eroberern eingeschleppten Krankheiten.
In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
Am 28.8.1963 hält Martin Luther King in Washington seine visionäre Rede "I have a dream". Er fasst darin die Forderungen der US-Bürgerrechtsbewegung zusammen.
Mehr als 200.000 Menschen haben sich vor dem Lincoln Memorial versammelt: Sie sind dem Aufruf zum "Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit" gefolgt und demonstrieren gegen Rassismus. Der Baptistenprediger Martin Luther King tritt als letzter Redner auf. Er spricht über die Befreiung der schwarzen Sklaven durch Abraham Lincoln. Und er kritisiert die Ungerechtigkeit der sogenannten Rassentrennung in der Gegenwart.
Dann weicht King von seinem Redemanuskript ab und skizziert seine Vision: "Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Bruderschaft gemeinsam niedersetzen können."
In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
"Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum" - weltberühmte Zeilen der antifaschistischen Hymne. Erstmals gesungen von aufrechten KZ-Häftlingen.
Als 16 Häftlinge am Ende eines bunten Zirkusprogramms im Konzentrationslager Börgermoor zum ersten Mal das Lied der "Moorsoldaten" anstimmen, singen die fast tausend Gefangenen schon nach der zweiten Strophe den Refrain mit, bei der letzten stimmen sogar die SS-Leute ein.
Obwohl der Lagerkommandant das Lied schnell verbietet, wird es bei den Einsätzen im Moor weiter gesungen. "Die Moorsoldaten" avanciert nach seiner Uraufführung heute vor 90 Jahren schnell zu einem der bekanntesten Widerstands-Lieder. Hannes Wader, Joan Baez und Pete Seeger haben es gesungen, und es gibt es auch Versionen von den "Toten Hosen" oder der Elektropop-Band "Welle: Erdball".
In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
Als Hertha Marks Ayrton am 26.8.1923 starb, war sie eine bekannte und geachtete Ingenieurin und Erfinderin. Außerdem kämpfte sie für Gleichberechtigung.
Schon während ihres Studiums reicht die Mathematikerin und Elektroingenieurin Hertha Marks Ayrton ihr erstes Patent ein. Es handelt sich um ein Gerät zur Vergrößerung und Verkleinerung von Abbildungen. 25 weitere Patente folgen im Laufe ihres Lebens. 1899 trägt die Wissenschaftlerin ihre Arbeiten vor der "Institution of Electrical Engineers" vor und wird zum vollwertigen Mitglied ernannt. Grund sind ihre Erkenntnisse zum Lichtbogen. Die sogenannten Lichtbogenlampen wurden das gesamte 20. Jahrhundert in Kino-Projektoren und Scheinwerfern eingesetzt - dank Hertha Marks Ayrton erstmals ohne Feuergefahr.
Sie ist das erste weibliche Mitglied der englischen Vereinigung der Elektroingenieure und die erste Empfängerin der Hughes-Medaille. Neben der Forschung engagiert sich Hertha für die Gleichstellung der Frau, kämpft für das Frauenwahlrecht und unterstützt die Suffragetten.
In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
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