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  • Erstaunliches Paar: Die Zwillinge aus Siam

    Am Oberkörper verbunden - so kommen Chang und Eng am 11.5.1811 zur Welt. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein, doch sie bleiben bis zum Tod verbunden.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:

    • wie Chang und Eng in Thailand, dem damaligen Siam, aufwachsen,
    • warum sie zu Stars auf Jahrmärkten in den USA werden,
    • mit welchen Mitteln sie sich gegen Entmenschlichung und Bevormundung wehren,
    • wie sie es schaffen, als zwei unterschiedliche Persönlichkeiten wahrgenommen zu werden,
    • welche körperlichen Beschwerden am Ende ihres Lebens auftreten.

    Auf Chang und Eng geht der inzwischen veraltete Begriff der "Siamesischen Zwillinge" zurück. Heute spricht man von "verbundenen Zwillingen". Dass Chang und Eng miteinander verbunden sind und überleben, ist eine medizinische Ausnahme. Früh lernen sie, ihren Alltag zu koordinieren – und zugleich ihre Individualität zu behaupten. Als Jugendliche werden sie in die USA gebracht und ausgestellt.

    Bewunderung, Sensationslust und Rassismus liegen dabei dicht beieinander. Nach Jahren auf Tour lösen sie sich aus fremder Kontrolle und gestalten ihr Leben selbst. Chang und Eng lassen sich einbürgern, heiraten zwei Schwestern, gründen Familien und werden wohlhabend. Ihre körperliche Verbindung bleibt bis zum Tod bestehen: Als Chang 1874 stirbt, folgt Eng nur zwei Stunden später.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Joseph Orser (Historiker an der Universität Wisconsin)
    • Dr. Konrad Reinshagen (Chirurg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
    • Joseph Andrew Orser: The Lives of Chang & Eng. Siam's Twins in Nineteenth-Century America. Chapel Hill 2014
    • National Library of Medicine: From "Monsters" to Modern Medical Miracles

    Weiterführende Links:
    • ARD Sounds: Siamesische Zwillinge – Die misslungene Trennung von Ladan und Laleh
    • KiKa: Hassan und Hussein – Zusammengewachsen
    • Planet Wissen: Schausteller – die Kirmes als Arbeitsplatz

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Erik Hlacer
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Friedensmission oder Irrsinn? Rudolf Heß fliegt nach England

    Der Stellvertreter Hitlers fliegt am 10.5.1941 heimlich nach Schottland. Sein Plan: Frieden mit England. Das Unternehmen endet in Gefangenschaft und sorgt für Spott.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • warum Rudolf Heß ausgerechnet Schottland als Ziel auswählt,
    • mit welchem Spezialgerät seine Maschine für diesen Flug ausgestattet ist,
    • warum Heß im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess nicht zum Tode, sondern zu lebenslanger Haft verurteilt wird,
    • wo der Hitler-Stellvertreter nach dem Zweiten Weltkrieg sein Leben verbringt,
    • warum das Grab von Heß heute nicht mehr existiert.

    Im Frühjahr 1941 ist Adolf Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht. Fast ganz Europa ist besetzt, aber Großbritannien hält stand. Während deutsche Bomber London angreifen, startet Rudolf Heß von Augsburg aus zu einer Mission, von der niemand in der NS-Führung weiß. Allein fliegt Hitlers Stellvertreter in einer Messerschmitt-Maschine Richtung Schottland.

    Heß will Hitler einen Dienst erweisen: Frieden mit Großbritannien, um freie Hand für den Krieg im Osten zu gewinnen. Doch London fällt darauf nicht herein. Heß landet in Kriegsgefangenschaft, das NS-Regime erklärt ihn für "geisteskrank". Sein Flug wird zum politischen Fiasko – und zum Schlüsselmoment für das Verständnis eines Mannes, der bis zuletzt an Hitler glaubt.

    Das ist unsere wichtigste Quelle und unser Interviewpartner:
    • Manfred Görtemaker (emeritierter Geschichtsprofessor der Uni Potsdam)
    • Manfred Görtemaker: Rudolf Hess. Der Stellvertreter. München 2023

    Weiterführende Links:
    • ARD Panorama: Kriegsverbrechergefängnis Spandau (1966)
    • ARD Panorama: Rudolf Hess - 40 Jahre in Haft (1981)
    • ZDF: Der Nazi-Clan - Rudolf Hess

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Heiner Wember
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Verpasste das Kriegsende um 27 Jahre: Soldat Yokoi Shoichi

    Am 9.5.1991 trifft Yokoi Shoichi endlich den Kaiser. 27 Jahre hatte er allein im Dschungel von Guam ausgeharrt - weil er Japans Kapitulation 1945 für eine Falle hielt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand:

    • warum ein japanischer Popsong Yokoi Shoichi an eine Falle glauben lässt,
    • was es mit dem Verhaltenskodex der japanischen Armee auf sich hat,
    • von einem 27 Jahre anhaltenden Überlebenskampf im Dschungel,
    • von Yokois langsamem Weg zurück in die Zivilisation - voller Angst und ohne Schlaf.

    Es ist 1972, als Yokoi Shoichi in seine Heimat zurückkehrt. Japan ist kein militaristisches Kaiserreich mehr, sondern eine Demokratie. Die verheerenden Folgen des Zweiten Weltkriegs sind weitestgehend überwunden, die Wirtschaft wächst. Japan ist ein Land der günstigen Autos und modernen Fernseher. Yokoi Shoichi ist all das fremd. Denn der Soldat hat für Jahrzehnte einen Krieg gekämpft, den es schon lange nicht mehr gab: allein im Dschungel, auf der Pazifikinsel Guam. Hier hatte ihn das japanische Militär 28 Jahre zuvor stationiert.

    Japan feiert ihn bei seiner Rückkehr als Helden. Doch er selbst schämt sich, weil er überlebt hat. Yokoi besucht die Gräber seiner Eltern und sein eigenes. Auf dem verwitterten Grabstein steht: Gestorben 1944, Guam. Am 9. Mai 1991 erhält Yokoi eine Audienz bei Kaiser Akihito - für ihn die größte Ehrung seines Lebens. Yokoi stirbt im Alter von 82 Jahren an einem Herzinfarkt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Omi Hatashin (Neffe von Yokoi, forscht unter anderem zur Militärgeschichte Japans)
    • Omi und Yokoi Hatashin: Private Yokoi’s War and Life on Guam, 1944–1972. Kent 2009
    • Beatrice Trefalt: Japanese Army Stragglers and Memories of the War in Japan, 1950–75. London/New York 2013

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 9. März 1974 - Leutnant Hiroo Onoda ergibt sich 29 Jahre zu spät
    • Zeitzeichen: 01.01.1946 - Der japanische Kaiser Hirohito erklärt, kein Gott zu sein

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Kolja Sand
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Jürgen Mönkediek und Moritz Raestrup

    15 min
  • 100 Jahre auf dem Planeten Erde: Naturfilmer David Attenborough

    Vater der Naturdokus: Zum 100. Geburtstag von David Attenborough (geb. am 8.5.1926) blickt das Zeitzeichen auf ein Jahrhundert Staunen und Mahnen im Zeichen der Natur.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Anne Preger:

    • von exotischen Gästen im Hause Attenborough und dem Attenborosaurus,
    • wie sich wilde Orte im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert haben,
    • was Attenborough mit dem Comedy-Programm Monty Python's Flying Circus zu tun hat.

    Kaum ein Mensch hat so viele wilde Orte auf der Erde gesehen wie David Attenborough. Der am 8. Mai 1926 geborene jüngere Bruder von "Gandhi"-Regisseur Richard Attenborough interessiert sich von klein auf für Lebewesen aus allen Erdzeitaltern. Mit 26 Jahren beginnt er seine Laufbahn beim noch jungen BBC-Fernsehen. Seitdem ist Attenborough als Präsentator, Produzent und Erzähler von Dokumentarfilmen aus dem britischen TV nicht wegzudenken.

    Auch in seinem 100. Lebensjahr steht er noch vor der Kamera. Seine Begeisterung ist ansteckend, egal ob er halb flüsternd die Balztänze von Paradiesvögeln in Papua-Neuguinea beschreibt oder die Jagdstrategie von Schimpansen in Westafrika. David Attenborough hat Naturfilme groß gemacht. Und sie ihn. Für viele Briten ist er ein lebendes nationales Kulturgut.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Sir David Attenborough (Interview von 2016)
    • David Attenborough: Ein Leben auf unserem Planeten. Die Zukunftsvision des berühmtesten Naturfilmers der Welt. München 2020
    • David Attenborough: Der lebendige Planet. Wie alles mit allem vernetzt ist. Stuttgart 2022

    Weiterführende Links:
    • BR: Meeres-Doku von David Attenborough: "Es ist noch nicht zu spät!" (2025)
    • Stichtag: 6. Oktober 2006 - Heinz Sielmann stirbt in München
    • Stichtag: 18. April 1965 - "Expeditionen ins Tierreich" startet
    • Zeitzeichen: 04.04.1960 - Oscar für den Film "Serengeti darf nicht sterben"

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Anne Preger
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Joseph Baader

    14 min
  • Warum ein Student Bismarck umbringen wollte

    Am 7.5.1866 schießt der Student Ferdinand Cohen-Blind auf Otto von Bismarck. Er sieht das Attentat als einzige Möglichkeit, um Frieden zu sichern.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı:

    • warum der Attentäter Ferdinand Cohen-Blind Bismarck für einen "Verräter an Deutschland" hält,
    • wie spontan und dilettantisch vorbereitet das Attentat tatsächlich ist,
    • weshalb mehrere Schüsse aus nächster Nähe Bismarck kaum verletzen,
    • mit welchen Worten Bismarck den Ablauf des Attentats schildert,
    • wie der Revolver des Attentäters später beinahe noch einmal zur Gefahr wird.

    Ferdinand Cohen-Blind wandert im Frühsommer 1866 durch Böhmen, doch seine Gedanken kreisen nicht um Landschaft oder Wetter. Der 22‑Jährige ist überzeugt, dass ein Krieg zwischen Preußen und Österreich unmittelbar bevorsteht. Für ihn steht fest: Schuld daran trägt Otto von Bismarck. In Berlin setzt Cohen-Blind seinen Entschluss in die Tat um.

    Ohne ausgefeilten Plan kauft er einen Revolver und wartet Unter den Linden auf sein Opfer. Er schießt fünfmal. Doch wird nur leicht Bismarck verwundet. Der Attentäter wird festgenommen und nimmt sich noch in derselben Nacht das Leben. Das Attentat hinterlässt Spuren bei Bismarck. Als er die Tatwaffe geschenkt bekommt, legt er sie in seinem Büro bereit, um sich bei einem nächsten Angriff verteidigen zu können.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Daniel Stienen (Historiker, Bismarck-Stiftung)
    • Julius H. Schoeps: Bismarck und sein Attentäter. Berlin 1984

    Weiterführende Links:
    • ZDF: Bismarck und das Deutsche Reich
    • Lebendiges Museum Online: Der Deutsche Krieg 1866
    • BR: 1866 - das vergessene Schicksalsjahr

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Murat Kayı
    Redaktion: Jakob Schiffer und David Rother
    Technik: Sascha Schiemann

    14 min
  • Erster Tourist im All: Wie Dennis Tito die NASA ärgert

    Dennis Tito träumt vom All. An der Börse wird er reich - und kauft für Millionen ein Ticket ins Weltall. Am 6.5.2001 kehrt der erste Weltraumtourist auf die Erde zurück.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Halter:

    • warum die NASA Titos Flug ins All bis zum Schluss verhindern will,
    • welches Schlüsselerlebnis bei ihm mit 17 Jahren die Faszination für die Raumfahrt weckt,
    • wie Tito es schafft, in den 70er-Jahren zum Multimillionär zu werden,
    • warum ihm angeblich ausgerechnet die Telefonnummern seiner Ex-Freundinnen beim Kosmonauten-Training helfen.

    Seit seiner Jugend träumt Dennis Tito von einem Flug in den Weltraum. Und tatsächlich kann sich der US-Amerikaner diesen Traum erfüllen - wenn auch erst Jahrzehnte später. Und auch nicht, weil er Astronaut ist, sondern mit viel Geld. Rund 20 Millionen Dollar blättert Tito hin und erkauft sich damit als erste Privatperson einen Flug ins All.

    Mehrere Monate lang unterzieht sich der Investmentberater einem Kosmonauten-Grundkurs, dann ist es endlich so weit. Im April 2001 tritt der inzwischen 60-Jährige an Bord eines Sojus-Raumschiffs seine lang ersehnte Reise an. Er besucht die Raumstation ISS und filmt und knipst mehr als 120 Erdumrundungen lang alles, was ihm vor die Linse kommt.

    Nach genau sieben Tagen, 22 Stunden und vier Minuten landet Tito am 6. Mai 2001 heil wieder in der kasachischen Steppe. Seine ersten Worte: "Ich komme gerade aus dem Paradies."

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Reinhold Ewald, Astronaut/Kosmonaut und Physiker
    • Vortrag von Dennis Tito, Pepperdine University (2007)
    • Julia Tcharfas: Through the lens of a space tourist, Science Museum Group Journal, 04/2015
    • Joanne Randolph: Dennis Tito - First Space Tourist. New York 2003

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Geschichte der bemannten Raumfahrt
    • Zeitzeichen: 12.04.1961 - Juri Gagarin fliegt als erster Mensch ins All
    • Zeitzeichen: 17.07.1975 - Handschlag im Weltall

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Halter
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min
  • Weimarer Flaggenstreit: Drei Farben, die die Republik entzweien

    In der Weimarer Republik steht Schwarz-rot-gold für Deutschland. Aber die Kaiserfarben Schwarz-weiß-rot bleiben populär. Über den Flaggenstreit (5.5.1926) zerbricht die Regierung.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • warum Flaggen sehr viel mehr sind als ein buntes Stück Stoff,
    • weshalb die Kaiserfarben für die Gegner der Weimarer Republik attraktiv sind,
    • wie der Kompromissvorschlag von Reichskanzler Hans Luther den politischen Streit noch verschärft,
    • welche Rolle Paul von Hindenburg beim Sturz der Regierung Luther spielt,
    • wie Luther im Nationalsozialismus trotzdem noch Karriere macht.

    Schwarz‑Rot‑Gold steht in der Weimarer Verfassung als Symbol der neuen Republik. Doch die alten Eliten hängen an Schwarz‑Weiß‑Rot. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther glaubt, die Gegensätze mit einer Flaggenordnung befrieden zu können – ein folgenreicher Irrtum. Der Kompromiss wird zum Brandbeschleuniger.

    Im Reichstag wächst der Widerstand, auf der Straße mobilisieren republikfeindliche Kräfte. Der Flaggenstreit zeigt, wie Symbole politische Fronten verhärten und wie brüchig die junge Demokratie ist. Am 12. Mai 1926 wird im Reichstag ein Misstrauensantrag gegen Luther angenommen. Sein Kabinett tritt zurück. Die Flaggenordnung bleibt hingegen in Kraft.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Professor Eckart Conze (Historiker, Universität Marburg)

    Weiterführende Links:
    • Bundestag: 03.07.1919 - Nationalversammlung stimmt Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold zu
    • Lebendiges Museum Online: Der Flaggenstreit
    • WDR Retro: Interview mit dem ehemaligen Reichskanzler Hans Luther am 07.03.1959
    • Bayern2: Kalenderblatt - Hans Luther stirbt am 11.05.1962

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    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Holger Maerten

    15 min
  • Vom Literaturstar zur Gejagten: Schriftstellerin Irmgard Keun

    Am 4.5.1936 flieht Irmgard Keun vor den Nazis nach Ostende. Sie ist jung, modern und ein Literatur-Star. In Belgien beginnt ein Leben zwischen Freiheit, Angst und Verlust.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • warum Irmgard Keun mit ihrem leichten, frechen Schreibstil sogar die New York Times begeistert,
    • von ihren wilden Liebesgeschichten und dem quälenden Heimweh im Exil,
    • dass Alkohol und Medikamente sie über Jahre in die Klinik bringen,
    • wie in 1970er ihr Werk neu entdeckt und gefeiert wird.

    "Humor wie ein dicker Mann, Grazie wie eine Frau, Herz, Verstand und Gefühl, was wollen Sie mehr?" So schwärmt Kurt Tucholsky von Irmgard Keun, dem Shootingstar der deutschen Literaturszene zu Beginn der 1930er Jahre. Doch die Nazis mögen keine modernen Frauen. "Die Luft ist vergiftet, man wagt nicht mehr zu atmen, geschweige denn zu denken", klagt sie - und flieht nach Belgien.

    Aus dem Exil beobachtet sie Nazi-Deutschland und schildert in ihrem Roman "Nach Mitternacht" eindringlich den kleinbürgerlichen, faschistisch geprägten Alltag. Nach dem Krieg kann sie an ihre früheren Erfolge nicht anknüpfen. Die entschiedene Nazi-Gegnerin gilt nun als unbequem – und gerät lange Zeit in Vergessenheit.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Beate Kennedy (Kiel, Keun-Expertin und Mitherausgeberin der Werke)
    • Irmgard Keun: Bilder aus der Emigration, In: Wenn wir alle gut wären. Köln 1983
    • Irmgard Keun: Nach Mitternacht. Essen 2006 
    • Hiltrud Häntzschel: Irmgard Keun. Hamburg 2001

    Weiterführende Quellen und Links:
    • Planet Schule: Irmgard Keun - Dichter dran
    • LVR: Heidi Krementz: Irmgard Keun. Portal Rheinische Geschichte (LVR)
    • Heinrich Detering/Beate Kennedy: Irmgard Keun. Das Werk. Göttingen 2017
    • Beate Kennedy: Irmgard Keun: Zeit und Zitat. Narrative Verfahren und literarische Autorschaft im Gesamtwerk. Berlin 2014
    • Liane Schüller: Vom Ernst der Zerstreuung. Schreibende Frauen am Ende der Weimarer Republik: Marieluise Fleißer, Irmgard Keun und Gabriele Tergit. Bielefeld 2005

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    Autor: Christiane Kopka
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Theo Kramer

    15 min
  • SED-Chef Walter Ulbricht: Gestürzt vom politischen Ziehsohn

    Mehr als 20 Jahre bestimmt Ulbricht an der SED-Spitze über die DDR. Dann verliert er Moskaus Unterstützung. Erich Honecker steht am 3.5.1971 für die Übernahme bereit.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • dass Walter Ulbricht ein großer Verehrer von Stalin ist,
    • wie er an die Spitze der DDR aufsteigt,
    • was die "Zehn Gebote der sozialistischen Moral" besagen,
    • warum Ulbrichts Reform-Ideen für den Tod von Erich Apel verantwortlich gemacht werden.

    Offiziell dankt Walter Ulbricht am 3. Mai 1971 aus Altersgründen ab, um "diese Funktion in jüngere Hände abzugeben". Die jüngeren Hände gehören Erich Honecker. Seit dem Mauerbau gilt er als Kronprinz der DDR, bestens vernetzt mit Moskau und dort politisch fest verankert.

    Ulbricht hingegen ist beim sowjetischen Bruder mit seiner geplanten Wirtschaftsreform in Ungnade gefallen. Als der Kreml grünes Licht für den Machtwechsel gibt, ist Honeckers Aufstieg nicht mehr zu stoppen.

    Ob er persönlich bei Ulbricht erschienen ist, um Telefonleitungen kappen zu lassen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Aber Honecker bemüht sich, Ulbrichts Rolle in der offiziellen Geschichtsschreiber möglichst klein zu halten - zugunsten seiner eigenen Legendenbildung.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Martin Sabrow (ehemaliger Direktor des Leibnitz-Instituts für Zeithistorische Forschung Potsdam)
    • Dr. Christoph Wunnicke (Autor der Studie: Die Blockparteien der DDR. Kontinuitäten und Transformation 1945–1990)

    Weiterführende Links:
    • MDR: Walter Ulbricht: Einsamer Tod während der Weltfestspiele
    • bpb: Das Ende der Ära Ulbricht (Bundeszentrale für politische Bildung)
    • Das Parlament: Der rote Machiavellist ohne Skrupel

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    Technik: Holger Maerten

    15 min
  • Schüsse auf den Terrorfürsten: Das Ende von bin Laden

    Zehn Jahre dauert die Suche nach Osama bin Laden, Führer der Terrorgruppe al-Qaida. und Drahtzieher von 9/11. Am 2.5.2011 tötet ihn ein US-Kommando beim Sturm auf sein Versteck in Pakistan.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • wie die Fahndung nach Osama bin Laden zur teuersten Verbrecherjagd der Geschichte wird,
    • dass die Suche nach ihm erschwert wird, weil er kein Telefon und kein Internet nutzt,
    • welche Risiken US-Präsident Barack Obama mit dem Zugriff eingeht,
    • ob die Erschießung eine "extralegale" Tötung gewesen ist.

    Nach den Anschlägen vom 11. September ruft George W. Bush den "Krieg gegen Terror" aus. Im Zentrum steht Osama bin Laden, Sohn eines saudischen Milliardärs und Anführer der Terrororganisation al-Qaida.

    Seine Spur verliert sich bereits nach wenigen Monaten in den afghanisch-pakistanischen Bergen. Zehn Jahre brauchen die US-Spezialeinheiten, um ihn schließlich in einer schlichten Wohnanlage in Pakistan aufzuspüren. Dort töten sie ihn.

    In der westlichen Welt wird die Nachricht vielfach mit Genugtuung aufgenommen, das Kapitel 11. September scheint beendet. Menschenrechtler sehen den Zugriff hingegen als Hinrichtung, weil Osama bin Laden ohne Rechtsverfahren getötet wurde.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Peter Bergen, US-Journalist und Buchautor (CNN)
    • Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt, European Center for Constitutional and Human Rights, Berlin
    • Peter L. Bergen: Die Jagd auf Osama bin Laden. Eine Enthüllungsgeschichte. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 11.09.2001 - Die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon
    • Zeitzeichen: 11.08.1988 - Gründung des Terrornetzwerks al-Qaida

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