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WDR Zeitzeichen episodes

  • Bob Dylans erster Auftritt in New York

    Am 11.4.1961 steht erstmals auf einem Konzertplakat in New York dieser Name: Bob Dylan. Der Rest ist Musik-, Kunst- und Literaturgeschichte.



    In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann:

    • welchen Namen die Eltern von Bob Dylan ihm nach seiner Geburt ursprünglich gegeben haben,
    • was für ein selbstbewusster Kerl er schon als Teenager ist,
    • mit welchem Musiker Dylan anfangs in New York zusammen auftritt,
    • wie Dylan sein Idol, die Folk-Legende Woody Guthrie, im Krankenhaus besucht,
    • was der Musiker über seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis denkt.

    New York, Frühjahr 1961: Der Winter hat die Stadt noch fest im Griff. Ein Chevy spuckt Dylan auf der George-Washington-Bridge aus. Rein in die U-Bahn, direkt nach Greenwich Village. Wo gibt's hier einen Schlafplatz? Er ist 19, hat das College geschmissen, den Rock'n Roll hinter sich gelassen, die Literatur, den Folk und dessen Traditionen entdeckt und taucht jetzt ein in die New Yorker Szene.

    Sein erstes Konzert in New York wird ein voller Erfolg. Die "New York Times" ist begeistert: "Ein strahlend neues Gesicht des Folk". Dylan erhält den ersten Plattenvertrag, das erste Album wird im Herbst 1961 aufgenommen. Noch besteht es - bis auf zwei Songs - aus Fremdmaterial. Doch schon mit der zweiten LP wird er zu dem Dylan, der bis heute gefeiert, verehrt, hinterfragt, böse beschimpft, missverstanden, geliebt, hoch gelobt - und 2016 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Heinrich Detering (Literaturwissenschaftler, Lyriker, Übersetzer und Autor)
    • Bob Dylan: Chronicles - Volume one. Hamburg, 2004
    • Heinrich Detering: Bob Dylan. Stuttgart 2007
    • Heinrich Detering: Die Stimmen aus der Unterwelt - Bob Dylans Mysterienspiele. München 2016
    • Bob Dylan: Tarantel. Frankfurt am Main 1976
    • Bob Dylan: Texte und Zeichnungen. Frankfurt am Main 1975

    Weiterführende Links:
    • NDR: Bob Dylan - die mittleren Jahre
    • NDR: Bob Dylan - die späten Jahre
    • WDR: Wolfgang Niedecken auf Bob Dylans Spuren

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    Unser Hörtipp:
    "Being The Beatles · eine Pop-Revolution" - ein sechsteiliger Podcast von NDR Kultur.

    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother

    16 min
  • Monte Verità: Die Kommune und der Kunst-Mäzen

    Am Lago Maggiore errichtet eine Künstler-Gruppe ab 1900 eine pazifistische Kommune. Sie lockt erst Gleichgesinnte an – und im Jahr 1926 den Bankier Eduard von der Heydt, Finanzier von Nazi-Spionen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten:

    • wie aus dem Monte Monescia der Monte Verità wird,
    • wie auf dem Monte Verità eine Gegenwelt zur Industriegesellschaft entsteht,
    • welche Erfahrungen Hermann Hesse auf dem Berg und in einer Höhle sammelt,
    • wie Eduard von der Heydt den Monte Verità erwirbt und das Gelände umfunktioniert,
    • was Ermittlungen der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg über von der Heydt ans Licht bringen.

    Der am Schweizer Langensee - auch Lago Maggiore genannt - gelegene Monte Verità ist in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Treffpunkt für Pazifisten, Künstler, Schriftsteller, sowie Anhänger unterschiedlicher alternativer Bewegungen.

    Mitte der 1920er-Jahre reist der deutsch-schweizerische Bankier Eduard von der Heydt ins Tessin. Dort erfährt er, dass der Monte Verità für rund 160.000 Franken zum Verkauf steht.

    Von der Heydt kauft diesen Ort, verwandelt ihn in ein luxuriöses Touristenziel und errichtet dort ein Bauhaus-Hotel. Auch von der Heydts Kunstsammlung wächst. Neben europäischer Gegenwartskunst umfasst seine Sammlung Werke aus der ganzen Welt. Er entwickelt eine Idee, die er "ars una" nennt - die "eine Kunst" oder auch "Weltkunst".

    Eduard von der Heydt macht den Berg zu einem Treffpunkt namhafter Besucher aus Politik, Kunst und Gesellschaft. Nach seinem Tod 1964 vermacht er den Monte Verità dem Kanton Tessin. Heute betreibt die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich dort ein Tagungsgebäude.

    Das ist unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Nicoletta Mongini, Fondazione Monte Verità
    • Roland Mönig, Kunsthistoriker und Direktor des Von der Heydt-Museums Wuppertal
    • Ida Hofmann: Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung. Bellinzona 2023
    • Gabriele Guerra (Hg.): Tra ribellione e conservazione. Monte Verità nella cultura tedesca. Rom 2018

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die Aussteiger vom Monte Verità
    • Planet Wissen: Architektur - Bauhaus
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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Gianna Felicita Scholten
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Henrik Kauffmanns Alleingang: Der Grönland-Deal mit den USA

    Ohne Mandat schließt der dänische Botschafter am 09.04.1941 ein Abkommen mit Washington ab. Die USA sichern sich Militärbasen in Grönland - ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • auf welchem Weg Dänemark 1814 die alleinige Herrschaft über Dänemark erlangt,
    • gegen welche diplomatischen Regeln der dänische Botschafter in Washington 1940 verstößt,
    • wie Henrik Kauffmann die geopolitische Karte des Nordatlantiks verändert,
    • mit welchen Gesetzen die USA versuchen, sich aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten,
    • wie die Isolation vom Mutterland Dänemark bei den grönländischen Inuit neues Identitätsbewusstsein weckt.

    Nach der Besetzung Dänemarks durch Deutschland am 9. April 1940 weigert sich Henrik Kauffmann, dänischer Botschafter in Washington, Anordnungen der unfreien dänischen Regierung weiter zu befolgen. Am 10. April 1940 erklärt er sich für unabhängig. Die USA kooperieren dennoch weiter mit ihm und sehen ihn als legitimen Vertreter Dänemarks.

    Im Winter 1940/41 entscheiden sich die USA, mit Henrik Kauffmann in Verhandlungen zu treten. Der Grund: Kaufmann verspricht den Amerikanern einen Vertrag ohne Verfallsdatum.
    Schon kurz nach der Vertragsunterzeichnung am 9. April 1941 entsenden die USA Soldaten nach Grönland, bis zu 6.000 sind in den folgenden Jahren dort stationiert. Sie errichten ein Netz von Stützpunkten, bauen Flugplätze, Häfen, Funk- und Wetterstationen.

    Amerikas Präsenz in Grönland dürfte deutlich zum Sieg der Anti-Hitlerkoalition beigetragen haben. Und sie bewahrt die Grönländer in den Kriegsjahren buchstäblich vor dem Verhungern.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Volker Depkat, Historiker und Professor für Amerikanistik an der Universität Regensburg
    • Bo Lidegaard, Historiker, Autor, Grönlandexperte und früherer Diplomat
    • Volker Depkat: Geschichte der USA. 2016
    • Bo Lidegaard: Defiant Diplomacy. 2003
    • Henrik Kauffmann: Denmark and the United States in World War II and the Cold War, 1939-1958.
    • Lothar Burchardt: Amerikas langer Arm: kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg. 2017

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Arktis - Grönland
    • Planet Wissen: Nationalsozialismus - Der Zweite Weltkrieg

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    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Annette Skrzydlo

    15 min
  • Mehr als Folter: Die Motive hinter der päpstlichen Inquisition

    1231: Gründung der päpstlichen Inquisition. Weit mehr als Gewalt und Scheiterhaufen: Sie ist eine kirchliche Waffe gegen Abweichler und prägt das Abendland über Jahrhunderte.



    In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann:

    • worum es bei innerchristlichen Auseinandersetzungen um den rechten Glauben geht,
    • wie die Denunziation zum wichtigen Instrument der Inquisition wird,
    • dass nicht die Bestrafung oberstes Ziel der Inquisition ist,
    • warum die Inquisition auch als der Urtyp repressiver Institutionen wie Stasi oder KGB gilt.

    Im 11. Jahrhundert gibt es viele spirituelle Gruppen, die ein anderes Christentum predigen. Das schwächt die Macht der Päpste. Sie fragen sich: Wie gehen wir mit Abweichlern um?

    Um die Ketzer zu ermitteln, reisen die Bischöfe durch ihre Bezirke. In Bußpredigten rufen sie zur Denunziation von Ketzern auf und setzen diesen eine Gnadenfrist für ihre Läuterung. Der Erfolg ist jedoch eher mäßig. Deshalb ernennt Papst Gregor IX. im Jahr 1231 zusätzlich eine Reihe von Sondergesandten der Kurie als Inquisitoren.

    Zunächst werden nur wenige Todesurteile ausgesprochen. Später wird die päpstliche Inquisition weiterentwickelt und mehrfach neu gegründet. Die Verfahren werden nach einheitlichen Vorgaben durchgeführt und Aussagen schriftlich protokolliert. Geständnisse werden teilweise mit Haft und Folter erpresst.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Gerd Schwerhoff, Historiker, TU Dresden
    • Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit
    • Theresa Breslin: Prisoner of the Inquisition
    • John H. Arnold and Peter Biller: Heresy and inquisition in France, 1200-1300.
    • Henry Charles Lea: Die Inquisition

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Christentum - Die katholische Kirche
    • Planet Wissen: Inquisition
    • Planet Wissen: Ordensleute - Dominikaner-Mönche

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    Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Kapitalistische Klemmbausteine: Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen

    Er beginnt mit Holzspielzeug - und erschafft eine Weltmarke: Ole Kirk Christiansen, geboren am 7.4.1891, legt den Grundstein für Lego. Seine Idee prägt Generationen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • wie Ole Kirk Christiansen 1932 auf die Idee kommt, Spielzeug zu bauen,
    • an welche dänischen Worte der Firmenname Lego angelehnt ist,
    • wer der eigentliche Vater des Lego-Klemmbausteins ist,
    • wie sich der Erfolg von Lego auf das Dorf Billund, den Firmen-Standort, auswirkt,
    • warum das Lego-Imperium in den 1990er Jahren schwächelt.

    Legos Anfänge erinnern an Bullerbü - allerdings in Dänemark, nicht in Schweden. In Billund, einem Dorf in Jütland mit 20 Häusern, wird 1891 Ole Kirk Christiansen als zehntes Kind einer armen Familie geboren. Er wird Tischler und spart sich eine eigene kleine Werkstatt zusammen.

    Als Erwachsener besitzt Christiansen zwei grundlegende Eigenschaften: Zähigkeit und Einfallsreichtum. Sein Unternehmen etabliert sich auf dem internationalen Spiewarenmarkt. Der gute Name von Lego zieht auch heute noch. Vielleicht, weil das Image über Jahrzehnte positiv bleibt und das Unternehmen sich immer wieder dem Zeitgeist anpasst.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Werner Plumpe (Wirtschaftshistoriker)
    • Jens Andersen: Die Lego-Story - Wie der Spielehersteller zur Weltmarke wurde - Eine Familiengeschichte. München 2023
    • Werner Plumpe: Das kalte Herz - Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution. Hamburg 2019

    Weiterführender Link:
    • ZDF: Lego - Das Baustein-Imperium

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Heiner Wember
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Verrat im Kalten Krieg: Wie West-Spion Tiedge zur Stasi ging

    Als Chef der Spionageabwehr DDR kennt Hansjoachim Tiedge (gest. 6.4.2011) die Geheimnisse westdeutscher Geheimdienstarbeit - und verrät sie alle, ausgerechnet an die DDR.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • welche gravierenden Folgen Tiedges Verrat für den Verfassungsschutz hat,
    • von Tiedges Leben zwischen Arbeit und Kneipe,
    • wie Tiedge in der DDR hofiert wird,
    • warum der Fall Tiedge für einen Verfassungsschutz-Maulwurf zum Glücksfall wird.

    Hansjoachim Tiedge ist Regierungsdirektor im Bundesamt für Verfassungsschutz. Fast 20 Jahre lang arbeitet er für die Behörde, steuert dort die westdeutschen Spionageaktivitäten in der DDR. Dann läuft er genau dorthin über und sorgt damit für einen der größten Spionageskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte.

    Tiedge handelt aber nicht aus Überzeugung. Es sind die Lebensumstände, die ihn dazu treiben: Seine Frau ist tot, er selbst alkoholkrank und verschuldet. Und so verrät er für ein besseres Leben im Sozialismus den DDR-Behörden alles, was er über die Operationen seines ehemaligen Arbeitgebers weiß.

    Nach dem Ende der DDR flieht Tiedge nach Moskau - ein freundliches Angebot des russischen Auslandsgeheimdienstes KGB. Dort lebt er, unbehelligt von deutschen Strafverfolgungsbehörden, bis zu seinem Tod am 6. April 2011.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:
    • Michael Wala, Professor für Geschichte (em.), Universität Bochum
    • Georg Mascolo, Journalist, ehemaliger Spiegel-Redakteur
    • Michael Wala: Der Stasi-Mythos. DDR-Auslandsspionage und der Verfassungsschutz. Berlin 2023
    • Hansjoachim Tiedge: Der Überläufer. Eine Lebensbeichte. Berlin 1998
    • Georg Mascolo und Georg Bönisch: "Natürlich bin ich ein Verräter". Interview mit Hansjoachim Tiedge. Der Spiegel 49/1993

    Weiterführende Links:
    • Lokalzeit: Verfassungsschützer Tiedge läuft 1985 in die DDR über
    • Stichtag: 12. Dezember 1955 - DDR-Überläufer Otto John kehrt in die BRD zurück

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Bibo, Bert, Bildungsauftrag: Sesamstraße startet in Deutschland

    Am 5. April 1971 sendet der NDR die "Sesame Street". Bunt, frech, amerikanisch; die Kritiker sind empört, die Kinder lieben es. Ein Klassiker für Generationen entsteht.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • wie die Sesamstraße das Kinderfernsehen revolutioniert,
    • warum sich der Bayerische Rundfunk zunächst weigert, die Sendung auszustrahlen,
    • wie sich die Sendung im Laufe der Jahre verändert.

    Ernie, Bert, Grobi & Co.: Die Bewohner der "Sesame Street" begleiten seit Jahrzehnten Kinder aus unterschiedlichsten Ländern. Erstmals wird die Sendung im November 1969 im US-Fernsehen ausgestrahlt. Mit einer Mischung aus Sketchen, Einspielern und Musik soll sie Kindern im Vorschulalter sowohl Spaß machen als auch Wissen vermitteln.

    Das Konzept geht auf und schwappt zwei Jahre später auch nach Deutschland. Am 5. April 1971 läuft die erste von fünf Testfolgen im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks - im Original mit deutschem Kommentar. Das witzig überdrehte Puppentheater aus Übersee trifft einen Nerv. Pädagogen entwickeln unter Federführung des NDR eine deutsche Adaption der "Sesamstraße". Mit dabei sind auch eigene Figuren, wie etwa der gutmütige Bär Samson und die zartgefiederte Tiffy.

    Auch das amerikanische Titellied weicht einer deutschen Version. Seither trällern kleine und große Sesamstraßen-Fans: "Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!"

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Enrico Platter, WDR-Redakteur, entsandt zum NDR
    • Julian Schlichting, Begründer des einzigen Sesamstraßen-Fanclubs in Deutschland
    • Bundeszentrale für politische Bildung: Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West. 1970er Jahre - Umbruch und Reformen

    Weiterführende Links:
    • NDR: Die "Sesamstraße" - Ein Pionier des Kinderfernsehens
    • Stichtag: 10. November 1969 - Kinderserie "Sesame Street" startet in den USA
    • Jim Henson: Er ließ die Puppen tanzen

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    Autorin: Jana Magdanz
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Nico Söllner

    15 min
  • Der tote Papst Formosus vor Gericht

    Nach seinem Tod im Jahre 896 kommt Formosus nicht zur Ruhe: Binnen acht Jahren wird er zweimal feierlich und zweimal weniger feierlich bestattet. Einmal wirft man den Leichnam gar in den Tiber.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • vom Drei-Päpste-Jahr 1978,
    • welche Aufgabe ein blutjunger Diakon im Schauprozess gegen eine Leiche bekommt,
    • wie kreativ Papst Stefan VI. die Leichensynode für eigene Zwecke nutzt,
    • warum eine einstürzende Basilika auch das Schicksal von Stephan VI. besiegelt.

    In seinen dunkelsten Zeiten entpuppt sich der Heilige Stuhl für zahlreiche Päpste als Schleudersitz in die Ewigkeit. So etwa zwischen 896 und 916, als binnen 20 Jahren gleich zwölf Gottesmänner zum Papst aufsteigen und zügig wieder spurlos verschwinden - in Kerkern, Klöstern oder unter der Erde.
    Formosus wird 891 zum Papst gewählt. Aber sehr lange dauert sein Pontifikat nicht. 896 stirbt er im Alter von 80 Jahren und erhält ein ehrenvolles Begräbnis. Neun Monate und zwei Päpste später entbrennt ein heftiger Streit über seine Wahl.

    Nach dem "Translationsgesetz" dürfen Bischöfe nicht in ein anderes Bistum wechseln. Da der Papst aber zugleich Bischof von Rom ist, dürfen Bischöfe nach damaligem Recht nicht Papst werden. Im Januar 897 lässt Papst Stephan VI. die Leiche des Formosus aus der Gruft holen und macht sie zum Hauptdarsteller eines ekeligen Schauprozesses.

    Nach dem Schuldspruch malträtiert man den Leichnam und verscharrt ihn. Der Krieg zwischen Formosianern und Antiformosianern spaltet den Vatikan die nächsten fünf Jahrzehnte. Erst die Synode von Ravenna im Jahr 967 lässt endgültig alle Akten der Leichensynode verbrennen und bestimmt: Niemals wieder soll über einen Toten Gericht gehalten werden.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professorin Dr. Annette Grabowsky, Mittelalterliche Geschichte, Universität Tübingen
    • Annette Grabowsky: Der Streit um Formosus, Tübingen 2021
    • Ferdinand Gregorovius: The History of the City of Rome in the Middle Ages, London 1903

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Religion - Päpste
    • Planet Wissen: Christentum - Die römisch-katholischen Bischöfe
    • Planet Wissen: Mittelalter

    Das ist unser Hör-Tipp:
    • Alles Geschichte: Riefenstahl: Influencerin des Bösen

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Matti Hesse

    16 min
  • Ein lustbetontes Frauenleben als "Gentleman Jack": Anne Lister

    Sie lebt und liebt gegen die Normen ihrer Zeit. Und schreibt alles minutiös auf. Die Engländerin Anne Lister (geb. am 3.4.1791) gilt vielen als "erste moderne Lesbe".



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • wovon man Ende des 18. Jahrhunderts in England bei Freundschaften zwischen Frauen ausgeht,
    • warum Anne Lister Griechisch und Latein nicht nur zu Bildungszwecken lernt,
    • was man aus ihren Notizen über den Alltag des Landadels und die Liebe zwischen Frauen im vorviktorianischen England erfährt,
    • warum man einen Gottesdienst im Jahr 1834 als die erste Regenbogenhochzeit bezeichnen kann.

    Die englische Landbesitzerin Anne Lister führt lebenslang Tagebücher, die tägliche Ereignisse detailliert aufzeichnen, einschließlich ihrer lesbischen Beziehungen. Die Tagebücher umfassen mehr als 7.000 Seiten und zählen zu den umfangreichsten, die je in englischer Sprache verfasst wurden.

    Große Teile sind codiert, unter anderem jene mit den intimen Details ihrer Beziehungen zu Frauen. Als die Codierung in den 1930er-Jahren von Listers Urgroßneffen John Lister und seinem Freund Arthur Burrell geknackt wird, ist der so schockiert, dass er seinem Freund rät, die "widerlichen Bücher" auf der Stelle zu verbrennen.

    John Lister tut dies nicht, sondern versteckt das Erbe. Deswegen kann man bis heute nachlesen, wie viele Minuten Sex am Tag Anne Lister hat, aber auch, wie damals das Wetter war und wie die Stellung Preußens in der Welt aussieht.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Angela Steidele, Biografin
    • Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biografie. Berlin 2017
    • Angela Steidele: Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg. Berlin 2018

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 16.02.2001 - Lebenspartnerschaftsgesetz unterzeichnet
    • Zeitzeichen: 10.03.1994 - Bundestag streicht § 175
    • Stichtag: 29.04.1972 - Deutschlands erste Schwulen-Demo in Münster

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    Autorin: Christiane Kopka
    Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak
    Technik: Theo Kramer

    15 min
  • Max Ernst: Skandalmaler mit Angst vor der weißen Leinwand

    Max Ernst erfindet sich und die Kunst ständig neu: Er bringt Dada nach Köln, begründet den Surrealismus mit und inspiriert Action Painting.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:

    • wie Max Ernst seine Angst vor der weißen Leinwand überwindet,
    • was einen toten Papagei und seine kleine Schwester miteinander verbindet,
    • welche revolutionären Techniken er entwickelt,
    • womit Max Ernst zum Enfant terrible der Kölner Kunstszene wird.

    Der in Brühl geborene Max Ernst kommt als Autodidakt zur Malerei. Der Erste Weltkrieg erschüttert ihn so nachhaltig, dass er dessen Sinnlosigkeit in der Kunst verarbeitet: Gemeinsam mit Hans Arp bringt er den Dadaismus nach Köln und weist mit seinen irritierenden Collagen den Weg zum Surrealismus, den er später in Paris mit revolutionären Techniken mitbegründet und vorantreibt.

    Die Flucht vor den Nazis bringt Ernst 1941 schließlich nach New York. Dort baut er sich mit der Kunstmäzenin und seiner dritten Ehefrau Peggy Guggenheim ein neues Leben auf und wird mit seinen Ideen zum Vorbild für junge amerikanische Künstler.

    An Ruhm ist Ernst allerdings zeitlebens nicht interessiert. Während Zeitgenossen wie Dalí oder Picasso zu finanzkräftigen Marken werden, bleibt Ernst bis zu seinem Tod am 1. April 1976, einen Tag vor seinem 85. Geburtstag, rastlos auf der Suche nach sich selbst.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:
    • Jakob Schwerdtfeger, Kunsthistoriker und Comedian
    • Werner Spies: Max Ernst. Leben und Werk. Köln 2005
    • Werner Spies: Max Ernst und die Geburt des Surrealismus. München 2019
    • Jürgen Wilhelm: Max Ernst. Köln 2020
    • Jakob Schwerdtfeger: Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist die Kunstgeschicht'. München 2026

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 14.07.1916 - Erster großer Dada-Abend in Zürich
    • Zeitzeichen: 29.06.1940 - Todestag des Malers Paul Klee
    • Stichtag: 23.12.1979: Peggy Guggenheim in Venedig gestorben

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    Autor: Christopher Heimer
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

    15 min

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