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  • Erich Honecker besucht Disneyland

    Neu entdeckte Tagebücher beweisen: Erich Honecker war 1986 heimlich und anonym in den USA - um den Kapitalismus zu studieren und damit vielleicht die DDR zu retten. Eine unglaubliche Reise...



    In diesem Zeitzeichen behauptet Jana Fischer:

    • dass die chilenische Version von "Bares für Rares" etwas mit Honeckers Tagebüchern zu tun hat,
    • dass Honecker plant, Disneyland nach Ost-Berlin zu holen,
    • dass eine Achterbahn ihn zu dem Slogan "vorwärts immer, rückwärts nimmer" inspiriert.

    Am 1. April 1986, mitten im kalten Krieg, bekommen Mickey Mouse, Goofy und Co. unerwarteten Besuch vom Klassenfeind persönlich: DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker und seine Frau Margot sind zu Gast im Disneyland USA.

    Das klingt zunächst nach einer absurden Kombination. Schließlich steht Disneyland wie kaum ein anderer Ort für die Verlockungen des Kapitalismus. Doch neuentdeckte Tagebucheinträge des SED-Vorsitzenden Honecker erzählen die Geschichte eines unglaublichen Trips - inklusive falschem Neffen und einer stinkreichen Kapitalisten-Ente.

    Dass dem DDR-Politiker die Reise nach Disneyland gefallen hat, ist für Honecker-Experte Albert Achmann keine Überraschung: "Am Ende steckt halt in jedem verknöcherten, sozialistischen Hardliner auch ein kleines Kind, das verzaubert werden will."

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Albert Achmann, Universität Eisenhüttenstadt, Historiker, "Honeckerologe" (nachvertont von Ralf Kabelka)
    • Michael Ratman, Zeitzeuge, Reiseleiter des USA-Trips (nachgesprochen von Alex Cummins)
    • Rainer Grotepieck, Zeitzeuge, Dolmetscher während der Reise (nachinterpretiert von Nils Heinrich)
    • Siegbert Trugschluss: Grundlagen der Honeckerologie (2003)

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 01.04.1915 - Die Schlachtung des letzten Einhorns in Dorsten
    • Zeitzeichen: 01.04.47 v. Chr. - Im alten Rom bricht eine Genderdebatte aus

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Jana Fischer
    Redaktion: David Rother
    Sprecher: Ralf Kabelka (Albert Achmann), Nils Heinrich (Rainer Grotepieck), Alex Cummins (Michael Ratman)

    15 min
  • Clara Schumann: Star-Pianistin, die Robert berühmt machte

    Clara Wieck ist ein Star, dann heiratet sie. Doch statt ihre Karriere aufzugeben, tritt sie weiter auf - mit ihrem Mann. Am 31.3.1841 erstmals unter neuem Namen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Raoul Mörchen:

    • was Clara Schumann vor ihrem ersten Auftritt mit ihrem Mann in das gemeinsam geführte Ehetagebuch schreibt,
    • womit die Pianistin das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung überrascht,
    • warum der Komponist Robert Schumann die Heirat mit Clara vor Gericht erzwingen muss,
    • wie die erste Sinfonie des Komponisten bei Kritik und Publikum ankommt,
    • wie Roberts zweite Sinfonie heißen soll.

    Clara Wieck aus Leipzig ist eine Klavierspielerin ersten Ranges. Sie spielt mit den Größten ihrer Zeit in einer Liga, in der sonst nur Männer antreten. Dazu gehören zum Beispiel Sigismond Thalberg, Ignaz Moscheles, Adolf Henselt und Franz Liszt.

    Clara wird in Wien, Paris und London umjubelt. Sie tritt vor Österreichs Kaiser Ferdinand auf und wird von ihm als erste Ausländerin und einzige Protestantin zur königlich-kaiserlichen Kammervirtuosin ernannt. Nach ihrer Heirat ist es ihr wichtig, unter ihrem neuen Namen aufzutreten: Schumann.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Irmgard Knechtges-Obrecht (Musikwissenschaftlerin)
    • Sven Oliver Müller (Historiker)
    • Irmgard Knechtges-Obrecht: Clara Schumann - Ein Leben für die Musik. Darmstadt 2019
    • Robert und Clara Schumann: Ehetagebücher 1840 - 1844. Frankfurt am Main 2013
    • Peter Gülke: Robert Schumann - Glück und Elend der Romantik. Wien 2010

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 08.06.1810: Geburtstag von Robert Schumann
    • Zeitzeichen 13.09.1819: Geburtstag von Clara Wieck-Schumann
    • RBB-Podcast: Alles Clara
    • BR Klassik: Clara und Robert Schumann erstreiten ihre Ehe

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Raoul Mörchen
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Krimkrieg: Mehr als 500.000 Tote für eine "Heilige Mission"

    Vorgeblich um Orthodoxe zu schützen, zettelt der Zar Krieg mit den Osmanen an. Am 30.3.1856 endet der Krimkrieg mit seiner Niederlage und einer Demütigung, die bis heute nachhallt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • wie ein religiöser Konflikt in Jerusalem zum Vorwand für geopolitisches Machtstreben wird,
    • warum der Konflikt als einer der ersten modernen Kriege Europas gilt,
    • wie der Krimkrieg politisch bis heute nachwirkt.

    Am 30. März 1856 endet der Krimkrieg offiziell mit dem Pariser Friedensvertrag. Russland muss sich aus dem Machtspiel am Bosporus und auf dem Balkan zurückziehen. Zwar behält es die Krim, doch das Schwarze Meer wird zur militärisch neutralen Zone erklärt - eigene Kriegsschiffe sind dort verboten.

    Für das Zarenreich ein schwerer Schlag: Der Zugang zu eisfreien Häfen, lange ein zentrales Ziel russischer Politik, bleibt versperrt. Der Frieden bringt keine Ruhe, sondern neue Spannungen. In Russland wird der Vertrag als Demütigung empfunden - ein Gefühl, das nachwirkt und künftige Konflikte vorbereitet.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher, Humboldt-Universität Berlin
    • Jörg Baberowski: Der sterbliche Gott. Macht und Herrschaft im Zarenreich, München 2024
    • Orlando Figes: Krimkrieg. Der letzte Kreuzzug, Berlin 2011
    • Orlando Figes: Empire: World History (Podcast), Folge 81 "Crimea: The War on Repeat"

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Ukraine erklärt Unabhängigkeit (am 24.08.1991)
    • Zeitzeichen: Der "Brotfrieden": Die Geburtsstunde des ukrainischen Staates
    • Zeitzeichen: Unterzeichnung der Pariser Verträge (am 23.10.1954)
    • Zeitzeichen: NATO-Doppelbeschluss: Frieden schaffen mit noch mehr Waffen
    • Das Wissen: Russland und die Ukraine - Geschichte eines Krieges

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Almut Finck
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Martin Kropp

    15 min
  • Charles Manson: Vom Außenseiter zum gefürchteten Sektenführer

    Charles Manson hält sich für Jesus, bewundert Hitler - und manipuliert seine "Manson Family" so geschickt, dass sie für ihn mordet. Am 29.3.1971 wird er zum Tode verurteilt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Philip Ritter:

    • wie die "Tate-Morde" im August 1969 die Welt erschüttern,
    • warum Charles Manson als Drahtzieher verurteilt wird, obwohl er nicht am Tatort ist,
    • wie ein Außenseiter zur manipulativen Führungsfigur einer mordenden Sekte wird.

    Es ist eine warme Nacht in Los Angeles, als vier Mitglieder der sogenannten „Manson-Family“ ein Anwesen am Cielo Drive betreten. Wenige Stunden später sind mehrere Menschen tot – unter ihnen die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. Die brutalen Morde markieren für viele das Ende der Hippie-Ära.

    Die Polizei ermittelt und kommt der Gruppe um Charles Manson auf die Spur. Etwa eineinhalb Jahre später fällt das Urteil: Die Täter werden zum Tode verurteilt - und auch Manson selbst. Obwohl er nicht am Tatort war, gilt er als treibende Kraft. Manson hatte seine Anhänger manipuliert und sie dazu gebracht, seine Befehle auszuführen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Kathleen Heide, Kriminologin
    • Niels Penke, Literaturwissenschaftler
    • Vincent Bugliosi und Curt Gentry: Helter Skelter, London 1974

    Weiterführende Links:
    • Knallhart - ARD Thriller-Hörspiele: Summer of Hate - Charles Manson und die Manson Family
    • Zeitzeichen: Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten
    • Zeitzeichen: Kitty Genovese, Mordopfer (Todestag 13.03.1964)
    • Zeitzeichen: Am 13.06.1994: Leichen im Mordfall um O.J. Simpson entdeckt

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Philip Ritter
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Meilenstein der modernen Gerichtsmedizin: die "Lungenschwimmprobe"

    Ein toter Säugling, ein Verdacht, ein Experiment: Im Jahr 1681 beweist erstmals ein neuartiges forensisches Verfahren die Unschuld einer vermeintlichen Kindsmörderin.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • wie genau die sogenannte Lungenschwimmprobe funktioniert,
    • warum ein Kindsmordprozess im sächsischen Pegau dadurch eine unerwartete Wendung nimmt,
    • weshalb das neuartige medizinische Verfahren zwischen Fortschritt, Zweifel und Machtinteressen steht.

    Alles beginnt mit einem Gerücht: Die etwa 15-jährige Anna Voigt soll heimlich ein Kind geboren und getötet haben. Der kleine Körper wird gefunden, die Vorwürfe sind schwer – und die Gesetze der Zeit gnadenlos.
    Doch dann untersucht der Amtsarzt Johannes Schreyer den Leichnam mit einer damals völlig neuen Methode. Bei der Lungenschwimmprobe wird geprüft, ob die Lunge im Wasser sinkt oder schwimmt – ein Hinweis darauf, ob ein Neugeborenes geatmet hat oder tot zur Welt kam.

    Für Schreyer ist das ein Schritt hin zu moderner Gerichtsmedizin. Doch seine Erkenntnisse stoßen auf Skepsis, werden juristisch kaum genutzt und geraten in den Strudel eines Systems, das weniger an Wahrheit als an Verurteilung interessiert ist.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Andrea Thiele, Historikerin an der Universität Halle
    • Dr. Maximilian Hagen, Rechtsmediziner am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster
    • Tore Renberg: Die Lungenschwimmprobe. Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde, München 2024

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Weil's auch dem König so gefiel: erste Doktorin der Medizin
    • Zeitzeichen: Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan
    • Zeitzeichen: Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Visionär der Moderne: Der Autor Stanislaw Lem

    Am 27.3.2006 stirbt der Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem. Sein Werk ist philosophisch und technisch zugleich – und wirft einen realistischen Blick auf eine mögliche Zukunft.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann:

    • womit Stanislaw Lem als junger Mann die SS bekämpft,
    • wie er über den angewandte Psychologie zur Raumfahrt kommt,
    • warum seine Romane Abgründe aufzeigen und dennoch lustig sind.

    Als junger Mann erlebt Stanislaw Lem den Überfall der Nazis auf seine polnische Heimatstadt Lemberg. Nur mit falschen Papieren überlebt der Sohn eines jüdischen Arztes die NS-Zeit. Nach dem Krieg muss er Lemberg verlassen und findet in Krakau eine neue Heimat.

    Dort tauscht er das Medizinstudium gegen die Schreibmaschine und den Kosmos ein. In seinen Science-Fiction-Büchern verknüpft Lem Wissenschaft mit Philosophie. Gesellschaftskritik verlegt er geschickt von der Erde ins Universum – und entzieht sich so der staatlichen Zensur. Zu seinem bekanntesten Roman gehört "Solaris" aus dem Jahr 1961.

    Lems Bücher erreichen Millionenauflagen – in Ost und West. Daneben verfasst er Essays über Evolution, Künstlicher Intelligenz, Gen-Technologie mit der Frage: "Wie können Mensch und Maschine im Einklang bleiben?" Und er wird nicht müde zu warnen: "Es steckt sehr viel Böses im Menschen. Sehr viel Böses."

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Alfred Gall (Literaturwissenschaftler Universität Mainz)
    • Christopher Coenen (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Karlsruhe)
    • Stanislaw Lem (Archiv)

    Weiterführende Links:
    • ARD Alpha: Klassiker der Weltliteratur – Stanislaw Lem

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    Autor: Michael Richmann
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Joachim Baumann, Michael Wagner

    14 min
  • Fatima: Die Übermutter des Islam

    Im Jahre 606 wird die Tochter Mohammeds geboren und später zur zentralen Figur im schiitischen Islam. Als die "Mutter der Imame" prägt sie bis heute diesen Glauben.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:

    • dass Fatimas Mutter Khadija eine selbständige Kauffrau gewesen ist,
    • wie sich die Stellung der Frauen im Islam im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat,
    • woher die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten im Islam kommt,
    • dass die christliche Maria mehrfach im Koran erwähnt wird, Fatima hingegen nicht.

    Muslime in aller Welt verehren Fatima als "Herrin der Frauen", als "Strahlende" und "Blume" und "Mutter der Imame". Die jüngste Tochter von Mohammed und seiner ersten Frau Ḫadiǧa ist vier Jahre als, als ihr Vater zum Verkünder des Islams wird.

    Angeblich sollen Vater und Tochter eine besondere Nähe gehabt haben. Selbst ihren Mann darf sie selbst aussuchen und wählt unter ihren vielen Verehrern Ali aus, einen Neffen ihres Vaters. Mit ihm bekommt sie die Söhne Hassan und Hussein, die einzigen lebenden Enkel und späteren Nachfolger des Propheten.

    Ihre Verehrung im Islam, vor allem von den Schiieten, ähnelt der christlichen Maria, der Mutter Jesu. Fatima stirbt im Jahr 632, wenige Wochen nach ihrem Vater.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professorin Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler Religionswissenschaftlerin, Universität Marburg
    • Professorin Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin, Universität zu Köln
    • Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin, Imamin, Berlin
    • Bärbel Beinhauer-Köhler: Fatima bint Muhammad. Metamorphosen einer frühislamischen Frauengestalt, Wiesbaden 2002
    • Assia Djebar: Fern von Medina, Zürich 1997
    • Fatima Mernissi: Der politische Harem. Mohammed und die Frauen, Freiburg 2002
    • Fatima Mernissi: Die Angst vor der Moderne, München 1996

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 08.03.1979 - Tausende Iranerinnen demonstrieren gegen den Schleierzwang
    • Zeitzeichen: 08.06.632 - Der islamische Prophet und Religionsstifter Mohammed stirbt in Medina
    • Zeitzeichen: 13.03.624 - Sieg der Muslime unter Mohammed gegen Mekka
    • Zeitzeichen: 25.01.555 - Geburtsjahr von Khadija, Frau des islamischen Propheten Mohammed

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Marfa Heimbach
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Lebensabend im Museum: Ishi, der Letzte seines Stammes

    Am 25.3.1916 stirbt in San Francisco der mutmaßlich letzte Angehörige der Yahi, einer indigenen Gruppe in Kalifornien. Nach fünf Jahren als lebendes Forschungsobjekt.



    In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz:

    • warum 1911 in einer kalifornischen Kleinstadt plötzlich ein verängstigter Mann auftaucht,
    • wie er zur Sensation für Wissenschaft und Öffentlichkeit wird,
    • warum er im anthropologischen Museum von San Francisco lebt und Besuchern seine Kultur zeigt,
    • weshalb sein Gehirn nach seinem Tod entnommen wird und erst Jahrzehnte später in seine Heimat zurückkehrt.

    August 1911: Ein Schlachthofarbeiter in Oroville, Kalifornien, entdeckt einen erschöpften Mann in einem Schuppen am Stadtrand. Er trägt kaum Kleidung und wirkt völlig verängstigt. Bald stellt sich heraus: Der Fremde gehört zu den Yahi, einer kleinen indigenen Gemeinschaft aus Nordkalifornien, von der viele glaubten, sie sei längst verschwunden.

    Wissenschaftler bringen ihn nach San Francisco. Dort erhält er einen Namen: Ishi. In seiner Sprache bedeutet das schlicht "Mensch". Er lebt mehrere Jahre im Museum, fertigt Pfeilspitzen, zeigt Besuchern traditionelle Techniken und erzählt von seiner Kultur.

    Seine Geschichte steht zugleich für Gewalt und Verlust: Mit dem Goldrausch kamen Siedler ins Land, viele indigene Gemeinschaften wurden vertrieben oder ausgelöscht. Ishi stirbt am 25. März 1916 an Tuberkulose. Erst im Jahr 2000 werden seine sterblichen Überreste in das Gebiet seiner Vorfahren zurückgebracht, wo er schließlich beigesetzt wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Frank Usbeck, Kurator für die Amerika-Sammlungen bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens
    • Orin Starn: Ishi’s Brain. In Search of America’s Last "Wild" Indian, New York 2004
    • Theodora Kroeber: Der Mann, der aus der Steinzeit kam, München 1961

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Keine Heldengeschichte im Wilden Westen - Der Indian Removal Act
    • Zeitzeichen: Vertrag von Greenville 1795 - Indigene Völker verlieren ihr Land
    • Zeitzeichen: Tecumseh, Indianerhäuptling (Todestag 05.10.1813)
    • Zeitzeichen: USA - Indianer erhalten Bürgerrechte (am 02.06.1924)

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

    15 min
  • Olympia nur für Frauen: Mit eigenen Spielen zu gleichem Recht

    Lange schließt das IOC Frauen aus, bis Sportlerinnen ab dem 24.3.1921 erstmals eigene Spiele organisieren – und damit die Gleichberechtigung im Spitzensport vorantreiben.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Merle Schaack:

    • warum der Olympia-Erfinder Pierre de Coubertin Frauen im Stadion lieber auf der Tribüne sieht,
    • wie eine französische Sportpionierin den Männern im Olympia-Komitee Paroli bietet,
    • welche Folgen die ersten Frauenspiele für Sportlerinnen haben.

    Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit begründet, hat er eine klare Vorstellung: Wettkämpfe tragen Männer aus. Frauen sollen höchstens die Sieger ehren. Zwar dürfen sie in einigen Disziplinen antreten, etwa im Tennis oder im Golf – doch das gilt eher als gesellschaftliches Ereignis denn als ernsthafter Leistungssport.

    Die Französin Alice Milliat will das ändern. 1919 fordert sie vom Internationalen Olympischen Komitee, Frauen auch in der Leichtathletik zuzulassen. Als die Antwort ausbleibt, organisiert sie kurzerhand eigene Wettkämpfe.

    1921 treffen sich in Monte Carlo rund 100 Athletinnen aus fünf Nationen zu den ersten internationalen Frauenspielen. Sie laufen, springen und werfen und zeigen damit: Frauen wollen bei Olympia nicht nur zuschauen, sondern selbst an den Start gehen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Ansgar Molzberger, Sporthistoriker Sporthochschule Köln
    • Alexandra Burghardt, Sprinterin und Olympionikin
    • Dr. Petra Tzschoppe, Sportsoziologin, ehemalige Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung beim Deutschen Olympischen Sportbund
    • Olympische Charta
    • SPIEGEL Geschichte: Frauen bei Olympia "Die weiblichen Unterleibsorgane verwelken"
    • Prof. Dr. Bettina Rulofs et al.: Sexualisierte Gewalt und sexueller Kindesmissbrauch im Kontext des Sports, Fallstudie, 2022

    Weiterführende Links:
    • ZDF heute: Die Spiele 1924: Der lange Kampf der Frauen
    • Zeitzeichen: Gretel Bergmann, jüd. Sportlerin (Geburtstag am 12.04.1914)
    • Zeitzeichen: Eunice Kennedy-Shriver, Gründerin der Special Olympics (Geburtstag am 10.07.1921)
    • Zeitzeichen: Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia

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    Autorin: Merle Schaack
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

    15 min
  • Die Wiener Burg: vom Hofspielhaus zum "Teutschen Nationaltheater"

    Am 23.3.1776 bestimmt Kaiser Joseph II. per Dekret: Die Bühnensprache im Burgtheater ist Deutsch. Mehr noch - künftig haben ausnahmslos alle Aufführungen glücklich zu enden.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • warum Kaiser Joseph II. das Wiener Burgtheater 1776 zum "Teutschen Nationaltheater" erklärt,
    • weshalb auf der Bühne plötzlich Deutsch statt Italienisch oder Französisch gesprochen wird,
    • wie aus einer höfischen Bühne ein Theater für die ganze Nation werden soll.

    Am 23. März 1776 erklärt Kaiser Joseph II. das Theater neben der Wiener Hofburg zur Chefsache: Per Dekret stellt er das Theater unter seine Aufsicht und erklärt es zum "Teutschen Nationaltheater". Die Bühne soll nicht länger nur dem Adel dienen, sondern dem ganzen Volk.

    Theater versteht der aufgeklärte Monarch als eine Art Schule der Gesellschaft. Dabei schießt er mit manchen Reformen über das Ziel hinaus: Tragödien dürfen nicht zu traurig enden, selbst Shakespeare bekommt ein Happy End verordnet.

    Doch mit dem Dekret beginnt die besondere Rolle des Burgtheaters: als Bühne, über die in Österreich bis heute leidenschaftlich gestritten wird und auf die viele mit Stolz blicken, auch wenn sie nie hingehen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Christiane Mühlegger-Henhapel, Theatermuseum Wien, Kuratorin der Ausstellung „250 Jahre Burgtheater“
    • Theatermuseum Wien: 250 Jahre Burg. Online-Ausstellung zum Jubiläum des Burgtheaters
    • Claudia Kaufmann-Freßner: Das Burgtheater. Architektur, Geschichte, Geschichten, Wien/Bozen 2005
    • Ernst Haeusserman: Das Wiener Burgtheater. Wien/München/Zürich 1975

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Kaiser Leopold II. (Geburtstag am 05.05.1747)
    • Zeitzeichen: Erster Brief von Friedrich an Voltaire (am 08.08.1736)
    • Zeitzeichen: Comédie Française gegründet (am 21.10.1680)

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    Das ist unser Hörtipp: WDR 5 Das philosophische Radio – ein Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen in einer öffentlichen philosophischen Diskussion

    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Christiane Kopka
    Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
    Technik: Theo Kramer

    16 min

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