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  • Einzug der Schweizergarde: Vom Söldnertrupp zur Vatikan-Legende

    Am 22.1.1506 gründet der Papst die Schweizergarde. Anfangs ist sie nur eine Söldnertruppe unter vielen. Doch eine Bewährungsprobe macht sie unsterblich.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayi:

    • wie ausgerechnet ein Papst zum Beinamen "der Schreckliche" kommt,
    • welche Meisterwerke Renaissance-Papst Julius II. ermöglicht,
    • warum die Schweiz in der frühen Neuzeit ein beliebter Ort für das Söldnertum ist,
    • warum die Vereidigung der neuen Schweizergardisten bis heute am 6. Mai begangen wird.

    Als Giuliano della Rovere 1503 zum Papst Julius II. gewählt wird, geht das nicht ohne Bestechungen ab. Angesichts zu vieler Feinde will er seine Wahl nicht dem Zufall überlassen. Aber die Angst vor Rache begleitet ihn durch die Korridore des Vatikans. Den Römern traut er nicht mehr über den Weg. Für Julius II. ist klar: Für seinen Schutz müssen Fremde her. In der Schweiz wird er fündig.

    Am 22. Januar 1506 nehmen die ersten bis an die Zähne bewaffneten Schweizer ihren Dienst im Vatikan auf. Gut 20 Jahre später beweisen die Gardisten ihre versprochene Treue: Sie schützen Papst Clemens VII. vor dem Söldnerheer Kaiser Karls V. und verteidigen Rom während der Plünderung durch die Kaisertruppen. In der Verteidigungsschlacht sterben 147 Schweizer. Die Garde wird fast ausgelöscht.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Dr. Arne Karsten, Privatdozent, Uni Wuppertal
    • Prof. em. Volker Reinhardt, Uni Freiburg, Schweiz

    Weiterführende Links:
    • Die Päpstliche Schweizergarde
    • Stichtag: 21. Februar 1513 - Julius II. stirbt in Rom
    • Planet Wissen: Der Vatikan - Staat der Priester

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Murat Kayi
    Redaktion: Matti Hesse

    14 min
  • Röstverbot und Kaffee-Spitzel: Preußens Prohibitionszeit

    Im 18. Jahrhundert trinkt ganz Preußen Kaffee - der Staatskasse Friedrichs des Großen nutzt es wenig. Darum verbietet er am 21.1.1781 das private Rösten. Mit fatalen Folgen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:

    • wie der Kaffee um 1660 nach Europa kommt und zum edlen Kultgetränk wird,
    • aus welchen feinen Porzellantassen Friedrich der Große seinen Kaffee trinkt,
    • welchen Job die sogenannten Kaffeeriecher im Auftrag des Königs verrichten,
    • warum Friedrich II. zwei Jahre nach dem privaten Röstverbot nachgibt und den Kaffeepreis senkt,
    • wie die ungehorsamen Untertanen schließlich für mehr Steuereinnahmen sorgen.

    Kaffee ist zur Zeit von Friedrich dem Großen ein Luxus-Trank. Genossen wird er vom Adel. Aus Sicht des Königs soll das auch so bleiben. Als sich das wohlriechende Elixier in Preußen immer mehr verbreitet, belegt der Herrscher die Bohnen mit hohen Einfuhrzöllen und Luxussteuern. Ab 1766 ist die freie Kaffee-Einfuhr ganz verboten.

    Das lässt sich die Bevölkerung nicht gefallen. Der Schmuggel blüht - und der Staat reagiert: Auf das Einfuhrverbot folgt 1781 das Röstverbot. Handel und Rösten liegen nun ganz in staatlicher Hand. Wer dagegen verstößt, muss empfindliche Geldstrafen bezahlen. Trotzdem steigt der Kaffeekonsum: Die Bestechungszahlungen für die Kontrolleure des Röstverbots sind höher als deren Provisionen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jürgen Luh (Direktor des Research Center Sanssouci)
    • Katja Mutschelknaus (Kulturwissenschaftlerin)
    • Tim Blanning: Friedrich der Große. König von Preußen. Eine Biographie. München 2022
    • Johannes Kunisch: Friedrich der Große. München 2012
    • Jürgen Luh: Der Große. Friedrich II. von Preußen. München 2011
    • Katja Mutschelknaus: Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen. Berlin 2014

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Alles über Kaffee
    • tagesschau.de: Welche Kaffee-Mythen stimmen?
    • TerraX: Kaffee - Geheimnisse eines Wundertranks

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    Autorin: Claudia Friedrich
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

    15 min
  • 444 Tage in der Gewalt der Mullahs: Geiselnahme in Teheran

    444 Tage ist Barry Rosen Geisel des Iran und ein Spielball der Mächte. Er erlebt Monate der Ungewissheit, bis er und die 51 anderen Geiseln am 20.1.1981 freikommen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Viviane Jelenc:

    • wie im November 1979 eine Geiselnahme beginnt, die über ein Jahr dauern wird,
    • welche Rolle Ayatollah Ruhollah Chomeini bei der Geiselnahme und der weiteren Entwicklung im Iran spielt,
    • wie die US-Regierung auf die Forderungen der Geiselnehmer reagiert,
    • warum die Geiselnehmer Frauen und Schwarze freilassen,
    • wie der Golfkrieg ab September 1980 zur Beendigung der Geiselnahme beiträgt.

    Anfang November 1979 stürmen Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen über 60 Geiseln. Monatelang wird vergeblich verhandelt. Ein Befreiungsversuch des US-Militärs scheitert dramatisch.

    Erst im September 1980 wird mit Hilfe algerischer Vermittler eine Einigung erzielt: Eingefrorene iranische Gelder werden von den USA freigegeben und die USA erklären, sich nicht mehr in die inneren Angelegenheiten des Irans einzumischen. Am 20. Januar 1981 werden die Geiseln freigelassen. Das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran bleibt allerdings von tiefem Misstrauen geprägt.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Barry Rosen, ehemalige Geisel
    • Dr. Katajun Amirpur, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität zu Köln

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 16.09.1941 - Reza Schah Pahlavi von Persien dankt ab
    • Zeitzeichen: 14.02.1989 - Mordaufruf Chomeinis gegen Schriftsteller Salman Rushdie
    • Planet Wissen: Naher und Mittlerer Osten - Geschichte des Irans seit 1900

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Viviane Jelenc
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Unangepasster Weltstar: Die Countrymusikerin Dolly Parton

    19.01.1946 wurde sie in der Unterschicht geboren, auch abfällig "white trash", "weißer Dreck", genannt. Bibelfest und eigensinnig wird Dolly Parton Vorbild für Frauen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • wovon Dolly Parton schon als Kind träumt,
    • wie die kleine Dolly und ihre Mutter es aus den ärmlichen Verhältnissen heraus schaffen,
    • warum Parton mit Elvis Presley aneinandergerät,
    • wie große Teile der Country-Szene auf einen Song über eine Transfrau reagieren.

    Dolly Parton beginnt ihre Karriere mit sieben Jahren auf einer selbstgebauten Gitarre. Als Teenager lernt sie in der berühmten Country-Radio-Show "Grand Ole Opry" Johnny Cash kennen, der sie in ihrem Traum bestärkt.

    Die zwei Songs, die sie weltberühmt machen, entstehen 1973 - am selben Tag. In "Jolene" erinnert sich Parton an eine Bankangestellte, die mit ihrem Mann flirtet. "I will always love you" schreibt sie für Porter Wagoner, als sie dessen TV-Show nach sieben Jahren verlässt.

    Nach 60 Jahren im Musikbusiness ist Dolly Parton heute als Patentante von Superstar Miley Cyrus populär, inspiriert Musikerinnen wie Taylor Swift, Sabrina Carpenter oder Beyoncé. Ihre jüngste Single veröffentlicht sie im März 2025, nach dem Tod ihres Mannes Carl: "I wouldn't be here, if you hadn't been there".

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Ayla Schofield, Country-Musikerin und Songwriterin
    • Dolly Parton: From Rags to Rhinestones, Film-Biographie mit historischem Filmmaterial und Interviews. 2020
    • Dolly Parton: Songteller. My Life in Lyrics. Autobiographie, auch als Hörbuch mit Dolly Parton

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 26. Februar 1932 - Johnny Cash wird geboren
    • Stichtag: 8. Januar 1935 - Geburtstag von Elvis Presley
    • Zeitzeichen: 21. Dezember 1937 – Jane Fonda wird geboren
    • Zeitzeichen: 9. August 1963 - Der Geburtstag von Whitney Houston
    • Rockpalast: Übersichtsseite Linda Ronstadt
    • 1Live: Country Special

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    Autor: Christian Kosfeld
    Redaktion: Sefa-Inci Suvak

    15 min
  • Tournier: Ein "Deutschlandversteher" spaltet die Literaturwelt

    Michel Tournier (gest. am 18.1.2016) erlebt den Nationalsozialismus hautnah. Später wird der Schriftsteller von Millionen gelesen - und von Holocaust-Überlebenden kritisiert.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • warum Michel Tournier in Frankreich als "Deutschlandversteher" gilt,
    • dass Tournier als Kind Nazi-Paraden scheußlich und großartig zugleich findet,
    • warum ihm eine Universitätskarriere verwehrt bleibt,
    • dass er mit dem "Erlkönig" den Durchbruch schafft,
    • warum das Buch aber in Deutschland kontrovers diskutiert wird,
    • dass Michel Tournier sein Leben lang schwer durchschaubar bleibt.

    Michel Tournier, 1924 in Paris geboren, erlebt die Hitler-Zeit als Junge aus der Nähe, denn seine Eltern schicken ihn in der Ferien regelmäßig nach Deutschland. Dort spürt er, wie faszinierend die Nazi-Propaganda auf junge Menschen wie ihn wirkt. Die Nationalsozialisten mit ihrem Jugendkult sind in Tourniers Augen gewiefte Kindesverführer.

    In seinen Romanen verwendet Tournier Mythen und Märchen, die er mit Ironie in Geschichten unserer Zeit verwandelt. Für seinen Roman "Der Erlkönig" recherchiert er jahrelang, nimmt auch zu ehemaligen hohen Repräsentanten des zerschlagenen Nazi-Regimes Kontakt auf. Die Geschichte des französischen Kriegsgefangenen, den die Nazi-Welt fasziniert, wird 1970 mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem Prix Goncourt. Vielen Kritikern erscheint die Darstellung der Nazi-Zeit allerdings zu unrealistisch.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Cornelia Klettke (Romanistin, Universität Potsdam)
    • Cornelia Klettke, Michel Tournier: Die Kunst des Erzählens. Berlin 2025
    • Michel Tournier: Der Erlkönig. Aus dem Französischen von Hellmut Waller. Frankfurt 1991
    • Cornelia Klettke: Der postmoderne Mythenroman Michel Tourniers am Beispiel des "Roi des Aulnes". Bonn 2012
    • Michel Tournier: Die Schlüssel und das Schloss. Aus dem Französischen von Hellmut Waller. München 1980

    Weiterführende Links:
    • "Der Erlkönig" - Hörspiel nach Michel Tourniers Bestseller
    • Michel Tournier - 4 Episoden bei radiofrance

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vormweg
    Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak
    Technik: Jürgen Beiner

    15 min
  • "Desert Storm": Der Zweite Golfkrieg wird zum Fernsehspektakel

    Am 17.1.1991 beginnen die USA und Alliierte mit Luftangriffen auf den Irak, um das von Saddam Hussein annektierte Kuwait zu befreien. Die Weltöffentlichkeit ist erstmals live dabei.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • dass der eigentliche Beginn des Krieges viele Jahre zurückliegt,
    • dass Deutschland sich mit 17 Milliarden Mark beteiligt,
    • wie der Westen Saddam Hussein erst unterstützt - und dann bombardiert,
    • warum Saddam Hussein in diesem Krieg nicht gestürzt wird,
    • welche Fehler die USA in den Jahren danach begehen.

    Der Golfkrieg von 1991 ist der erste große Fernsehkrieg - in Echtzeit inszeniert, gefiltert durch die Kameras und Mikrofone von CNN. Die Journalisten vor Ort haben kein Internet, kein Smartphone, nur Festnetzleitungen in die CNN-Zentrale in Atlanta. Das, was sie betreiben, wird man später einen Livestream nennen. Ihre Berichte gehen in die Geschichte ein, als Teil der Operation "Desert Storm".

    Neben den USA sind 34 Nationen beteiligt. Deutschland liefert Rüstungsmaterial und beteiligt sich finanziell mit 17 Milliarden Mark. Spätere Kriege werden mehr Bilder und Livestreams hervorbringen - und dann auch soziale Medien beherrschen. Die Vorlage dafür stammt aus jener Nacht, in der der Himmel über Bagdad für jeden sichtbar taghell gebombt wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik
    • Lawrence G. Potter, Gary G. Sick (Hrsg.): Iran, Iraq, and the Legacies of War. Basingstoke 2004
    • Jeffrey Engel (Hrsg.): Into the Desert: Reflections on the Gulf War. New York 2012
    • Lars Klein: Vom Enthauptungsschlag zum Fall der Saddam-Statue. Potsdam 2005

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 05.02.2003: US-Außenminister Powell begründet den Angriff auf den Irak
    • Zeitzeichen 20.03.2003: Der Beginn des Irakkriegs

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Carolin Rückl, Frank Zirpins

    15 min
  • Deutschlands Spätheimkehrer und ihr schwieriges Kriegsgepäck

    Der Zug mit den letzten Kriegsgefangenen rollt am 16.1.1956 in Friedland ein. Am Bahnsteig nur jubelnde Begrüßung. Keine kritische Frage nach Schuld und Verantwortung.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • welche Szenen sich bei der Ankunft der Spät-Heimkehrer abspielen,
    • dass sich auch Frauen unter den Heimkehrern befinden
    • warum die Aktion in Deutschland auch kritisch gesehen wird,
    • dass niemand für Kriegsverbrechen ins Gefängnis kommt.

    Eigentlich sollen die deutschen Kriegsgefangenen bis 1948 nach Deutschland zurückkehren. So haben es die Alliierten beschlossen. Doch die Sowjetunion hält sich nicht daran, denn sie braucht die Arbeitskräfte, um die Kriegsschäden zu beseitigen.

    1955 reist Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau, um die Freilassung der letzten 10.000 Kriegsgefangenen zu fordern. Sie kehren schließlich 1956 heim. Verlassen haben sie einst ein Land, das sich tausendjähriges Reich nennt, zurückgekehrt finden sie das, was nach zwölf Jahren noch übrig ist: Ein kleineres und obendrein geteiltes Deutschland.

    Fragen über Schuld und Verantwortung werden nicht gestellt. Kein Spätheimkehrer - ob ehemaliger General oder einfacher Soldat - wird vor Gericht gestellt.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Dr. Jörg Morré, Historiker und Direktor des Museum Berlin-Karlshorst

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 08.09.1955: Konrad Adenauer reist in die Sowjetunion
    • ARD Mediathek: Friedland - Als die Väter nach Hause kamen
    • Letzter großer Heimkehrertransport in Herleshausen

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak
    Technik: Holger Maerten

    15 min
  • Wie Wikipedia die Welt verändert: Wissen für alle, von allen

    Am 15.1.2001 startet Wikipedia. Die Skepsis ist groß. Doch das "größte Wissensprojekt der Menschheit", an dem jeder mitmachen kann, funktioniert und verändert unsere Welt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand:

    • wie unzählige Autoren und Autorinnen weltweit die größte Enzyklopädie der Menschheitsgeschichte zusammentragen,
    • wie sich die Falschmeldung zu "Stalins Badezimmer" verbreitet und kaum wieder einzufangen ist,
    • warum direkte politische Einflussnahme auf Wikipedia schwierig ist,
    • wie versucht wird, Wikipedia vor Missbrauch zu schützen.

    Im Jahr 2000 sind Enzyklopädien noch dicke, schwere Bücherbände. In den USA beginnt der Internet-Unternehmer Jimmy Wales mit Mitte 30 mit seinem Projekt "Nupedia", einem Online-Lexikon im Stile klassischer Enzyklopädien wie beispielsweise dem Brockhaus. Das Projekt läuft äußerst schleppend: Nach einem Jahr finden sich auf Nupedia nicht einmal 25 Artikel.

    Dann haben Wales und sein Mitarbeiter Larry Sanger eine neue Idee. Sie wollen eine Internetseite erstellen, auf der jeder und jede eingeladen ist, Wissen zu teilen. Der Name dieses Nebenprojektes ist eine Mischung aus den Wörtern "Encyclopedia" und "Wiki" - was auf Hawaiianisch "schnell" bedeutet. Am 15. Januar 2001 stellt Jimmy Wales die Seite www.wikipedia.com online und tippt versuchsweise die ersten Worte in das heute größte Lexikon der Welt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Pavel Richter, Sachbuchautor und Unternehmensberater, bis 2014 Vorstand von Wikimedia Deutschland
    • Pavel Richter: Die Wikipedia-Story. Biografie eines Weltwunders, Frankfurt/New York 2020
    • Ziko van Dijk: Wikis und die Wikipedia verstehen. Eine Einführung, Bielefeld 2021

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Übersichtsseite Wikipedia
    • Zeitzeichen: 04.05.1772 - Der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus wird geboren
    • Zeitzeichen: 04.09.1998 - Gründung der Firma "Google Inc."

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Kolja Sand
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Nächtliches Feuer: Die geheime Fake-Fabrik der Nazis

    Um Krupps Rüstungsschmiede vor Bombern zu schützen, entsteht im Januar 1941 bei Velbert eine Scheinfabrik. Das Wissen darüber ist das Ergebnis akribischer Detektivarbeit.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • welche Dimensionen das Gelände der Scheinanlage hat,
    • was Zeitzeugen über das militärische Sperrgebiet erzählen,
    • wie viel Personal die Fake-Fabrik am Laufen hält,
    • warum die Anwohner nachts das Gebiet verlassen müssen,
    • wie lange die Anlage wirksam ist.

    Das Projekt ist streng geheim: Rund zehn Kilometer Luftlinie von der Krupp-Gussstahlfabrik Essen entfernt entsteht im Bergischen Land während des Zweiten Weltkriegs die Kulisse für eine raffinierte Täuschung. Auf diese Weise soll die größte Rüstungsschmiede der NS-Zeit vor alliierten Luftangriffen geschützt werden.

    Auf den Feldern um den Rottberg bei Velbert werden nachts große Feuer angezündet, auf dem Berg selbst fährt eine Eisenbahn im Kreis. Ein 36 Meter hoher Schornstein aus Spanplatten und sägezahnförmige Industriedächer aus Dachlatten und Pappe simulieren die Fabrik. Das reicht, um Bomberpiloten in 4.000 Metern Höhe in die Irre zu führen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Josef Niedworok (Architekt, Geschichtsdetektiv und ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger beim Landschaftsverband)
    • Jürgen Lohbeck: Das vergessene Scheindorf in Velbert. Velbert 2012

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 30.04.1943: Die perfekte Täuschung - Alliierte starten Operation Mincemeat
    • tagesschau.de: Wie eine Phantom-Armee die Nazis täuschte
    • ARD-Weltspiegel: USA: Die "Ghost Army" - tricksen, täuschen, ablenken

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    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Moritz Raestrup

    14 min
  • Lügendetektor: Erfunden, um Verhöre humaner zu machen

    Am 13.1.1931 wird der Lügendetektor patentiert. Heute ist er vor allem in den USA im Einsatz, noch immer nach dem ursprünglichen System - und genauso leicht manipulierbar.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Simon Schomäcker:

    • welcher Kriminologe seine Lügendetektor-Version zum Patent anmeldet,
    • welche vier Parameter standardmäßig bei einem Lügendetektor-Test erfasst werden,
    • wie sich Lügendetektoren während einer Vernehmung manipulieren lassen,
    • welche Befragungstechniken beim Lügendetektor-Test zum Einsatz kommen,
    • welche Bezeichnung die Anwender von Lügendetektoren für ihre Geräte verwenden.

    Ab den 1910er-Jahren wird an ersten Geräten für Lügendetektion gearbeitet. Zu dieser Zeit festigt sich die wissenschaftliche Erkenntnis, dass psychische Vorgänge wie Angst unmittelbare, messbare körperliche Reaktionen auslösen.

    Geräte wie ein Blutdruckmesser oder auch ein Galvanometer zur Bestimmung des elektrischen Hautwiderstands beim Schwitzen sind damals schon bekannt. Durch synchrone Darstellung mit einem einzigen Apparat erhofft man sich, emotionalen Stress schneller und eindeutiger feststellen zu können. Die Vernehmung soll für Verdächtige so humaner werden - und Folter als Vernehmungsmethode abgelöst.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Florian Schimikowski (Historiker am Deutschen Spionagemuseum Berlin)
    • Matthias Gamer (Professor für Experimentelle Klinische Psychologie an der Uni Würzburg)

    Weiterführende Links:
    • Planet-Wissen: Körpersprache und Lügen
    • ZDF: Du sollst nicht lügen - oder doch?
    • BR: Der Lügen-Check

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    Autor: Simon Schomäcker
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    15 min

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